Feixisme – der Graffiti-Krieg …

Versprüht in Felanitx …

MAN KANN IHN ÜBER- ALL BEOB- ACH- TEN, z. b. am 2. Kreisel in Felanitx, wenn man aus Campus kommt. FEIXISME steht da – und wird von Narren gefordert. Einen Kilometer weiter lese ich: NIEDER MIT DEM FEIXISME! Und auf dem Flohmarkt in Consell habe ich einen geradezu rührenden Sticker von 1986 fotografiert, in dem der 30-jährige Kampf gegen den Faschismus gefeiert wird. Denn FEIXISME ist das mallorkinische Wort für Faschismus, und der hat – bedauerlicherweise – den Diktator Franco um 44 Jahre überlebt, zumindest im Wunschdenken vieler Narren. Halten wir uns da raus, wir haben genügend eigene Probleme mit unseren Glatzen in den Springer-Stiefeln; es ist nur interessant zu beobachten, dass eine politische Verbrecher-Philosophie derart überlebensfähig ist an so vielen Orten …

Jetzt herrscht endlich Ruhe auf der Insel …

Herrlich, die 5. Jahreszeit ist angebrochen …

DIE MEISTEN HOTELS SIND ZU, viele Restaurants ebenfalls, offen sind nur noch jene Etablissements, die nicht auf Touristen angewiesen sind, sondern von den Einheimischen leben: die Dorfbars, die kleinen Posadas, die Kirchen mit dem Orgelspiel und die Läden, die keine Souvenirs verkaufen, sondern Notwendigkeiten des Lebens. Auf den Märkten wird wieder (stundenlang) geschwätzt und der beste Käse wird angeboten, weil die Schafe und Ziegen ihre Brut genährt haben und die Milch nun wieder den Menschen zur Verfügung steht: Mallorkinern und ausländischen Residenten. Ein paar Golfer treiben sich noch rum, ratlos, wo sie nach dem Spiel unter Ihresgleichen einkehren sollen, aber die verkraften wir. Die lästigeren Zugvögel der menschlichen Art (und die Teufelswespen) sind Zuhause im Winterquartier, die Insel ist wirklich „calma“ geworden, die Hektik wurde mit den Charterflugzeugen exportiert, die Strände haben wieder eine Landschaft und einen Horizont, auch wenn das Meer allmählich „Brrr“-Temperatur bekommt, und das „Ballermann“-Kehlchen singen nur noch unter der Dusche falsch. Wenn jetzt für ein paar Stunden die Sonne strahlt, denn ist es auf Mallorca selten schöner. Man trifft plötzlich sehenswerte alte Bekannte, die vorher die Masse Mensch gescheut und sich verkrochen hatten, und die ehrliche echte Inselküche erlebt eine saisonale Renaissance, denn den Köchen bleibt der Touristenfraß erspart. Geregnet hat’s auch endlich, es grünt und blüht, die Erde hat aufgeatmet und ich sitze dicht an der von der Sommerhitze noch aufgeheizten Hauswand und erlebe die 5. Jahreszeit Mallorcas – den Frühling nach dem Herbst und vor dem Winter …

Terror im Schlafzimmer … (Spinnern 2)

DA PACKT EINEN SCHON DAS GRUSELN, wenn man aufwacht, in Richtung Fenster blickt (um die Sonne zu suchen) und dann so eine Spinne sieht, die einen Sack voller Nachwuchs auf ihrem Rücken schleppt. Wer hat die Tür aufgelassen, wo ist der Spalt, durch den das Monster ins Zimmer kam? Die lebt doch wohl nicht schon länger in der Schlafkammer? Und wo ist das Männchen, das ihr die Babys gemacht hat? Die Spinne war etwa so groß wie ein Pingpongball und der Kindersack wie eine Haselnuss. Grausig, sowas will ich nicht im Haus haben! Man stelle sich nur vor, der Sack wäre geplatzt, als ich den Spray-„Kill Bill!“ rausgeholt hatte! Es gibt Momente im Leben auf der afrikanischen Insel Mallorca, da wäre man lieber in Deutschland …

Wie man zu einer Uhr kommt …

IM ANZEIGENMARKT ENTDECKE ICH IMMER ETWAS, denn Mallorca wird von skurrilen Typen bevölkert, die eine Menge Probleme haben. Wie jener, der am Sonntag, 15. September 2019, in Son Sierra de Marina eine Uhr verloren hat und den Finder um Rückgabe bittet. Wo hat er sie verloren? Den Ort gibt’s nicht auf Mallorca, es sei denn, es handelt sich um Son Serra de Marina. Und nehmen wir mal an, ich wäre der Finder, und bei der Uhr würde es sich um eine Jaeger-LeCoultre handeln – würde ich sie aushändigen aufgrund dieser Anzeige? Wie beweist einer, dass es seine Uhr ist, wenn keine Identifizierung eingeritzt wurde? Und wieviele Uhren werden an einem Sonntag in Son S(i)erra de Marina verloren, und welche ist dann seine? Ein lustiger Fall …

Schneekugeln, es gibt sie noch …

ICH WÜRDE SOGAR SAGEN: Mallorca ist die letzte Hochburg dieser Urform des Souvenir-Kitsches! Es gibt sie überall, Plastkhalbkugeln, gefüllt mit einer lokalen Szene und Wasser, in dem weiße Partikelchen dümpeln, und schüttelt man die Schneekugeln, so schneit es auf der Insel. Totaler Schwachsinn, aber der in 1000 Variationen, von Stalaktiten in einer Höhle bis zu Segelbooten vor der Kathedrale und tanzenden Mallorkinern in Tracht. Es gibt Touristen, die das lieben und sammeln, und einige Schneekugeln sind ziemlich teuer: Ich habe welche (mit Fuß) für 12 Euro gesehen! Ich zeige hier fünf Beispiele aus meiner Mallorkina-Sammlung, sie sind mir ein wenig peinlich, aber als selbsternannter Insel-Experte darf ich mir das leisten …

Felanitx – die Fresken-Stadt!

EBEN HABE ICH ÜBER DIE WEINHANDLUNG RAMIS BERICHTET, deren Besitzer seine Fassade mit eine gigantischen Generationen-Porträt bemalen ließ. Und nun gibt’s das nächste Fresko im „Format Sixtinische Kapelle“ zu sehen: am Sportzentrum Guillem Timoner am Ortsausgang in Richtung Campos. Sicher 20 x 5 m groß (schätze ich), auch dieses Fresko scheint ein Porträt zu sein, aber man versicherte mir, es sei „nur ein Symbolbild“, den jungen Mann gäbe es nicht lebend. Und was für einen seltsamen Chip hält er in den Händen? Das konnte mir keiner erklären in Felanitx – und an den Maler erinnerte sich auch keiner (ich hätte ihn sonst gefragt). Sei’s drum – in Felanitx tut sich was, da gehen sie jetzt vehement an die Fassaden, und es gibt die Maler noch, die sowas können), und nachdem das Städtchen auch die internationale Top-Künstler Miquel Barcelo und Xisco Duarte hervorgebracht hat, muss man es als die heimliche Kunsthauptstadt der Insel bezeichnen …

Wie reagiert man bei den Z-Leuten …?

IHR LANDLÄUFIGER NAME BEGINNT MIT Z, aber man darf ihn nicht mehr nennen. Ein solcher Clan ist in meiner Nachbarschaft eingefallen mit rund 20 Personen, je zwei Liefer- und Personenwagen sowie einem kompletten Hausstand. Sie haben ein seit Jahren leer stehendes Restaurant besetzt, in dem weder Strom noch Wasser funktioniert, die Fenster keine Scheiben haben und die Toiletten abgebaut sind. Aber das stört sie nicht, sie kochen und waschen, verbringen Grillabende auf der Terrasse – und tagsüber sind sie irgendwo (wenn man nur wüsste, wo!) Nette Menschen wahrscheinlich, völlig harmlos, auf der Suche nach Arbeit, aber auch über mir hängt ein Ressentiment: Muss ich jetzt die Alarmanlage einschalten, wenn ich mein Haus verlasse? Das Eingangstor versperren? Die Zugangsstraße kontrollieren? Solche Gedanken überfallen einen, ob man will oder nicht. Jahrhundertealte Vorurteile. Meinen Nachbarn (Deutsche, Schweizer, Franzosen, Mallorkiner) geht es genauso. Wir sind ziemlich ratlos – über die Z und über uns …

Palmen? Da lohnt es sich zu suchen …

Eine Palma aus meinem Tagebuch …

SIE KOSTEN EIN VERMÖGEN (wenn man nicht aufpasst), aber zu jedem „Apothekenpreis“ gibt es auch ein Schnäppchen-Angebot auf Mallorca. Dafür ist die Insel berühmt! Gerade bei Palmen, die hier nicht Zuhause sind. Ich will mal die Spannen nennen, die einem so begegnen: Eine 5 m hohe Kanarische Dattelpalme kann 6000 Euro kosten, aber ich habe eine ähnliche Palma für 800 Euro gesehen. Was für ein krasser Unterschied! Zweites Beispiel: Eine Washington-Palme von 6 m Höhe gab’s für rund 1500 Euro, und nicht weit davon für 300 Euro. Preisunterschiede von 1500 Euro für nahezu identische Bäume sind gang und gäbe und ich merkte es, als ich eine Dattelpalme suchte (ich liebe die Früchte!) und eine für 550 Euro bekam, obwohl eine andere Gärtnerei sie mir für 2500 Euro angeboten hatte – übrigens auch so um die 5 m.Was tun? A bisserl rumfahren und den Vierstelligen heimlich den Vogel zeigen …

Ein tolles Buch – leider zu teuer!

ANTONIA & ALEXANDER FEIG haben den Deutschen Fotobuchpreis 2019/20 gewonnen, völlig zurecht! Ihr preisgekröntes Buch „Mallorca – Mar i Muntanya“ ist ein Meisterwerk, das jeder Insel-Liebhaber haben sollte und gerne hätte. 183 bestechende Hochglanzfotos auf 264 Seiten in einem Bildband, größer als die guten alten Telefonbücher. Nur – kaum einer hat das Werk, ich auch nicht (ich durfte nur mal reinkiebitzen). Weil es zu teuer ist: 98 Euro!!! Das gibt nicht mal ein Mallorca-Fanatiker (wie ich es bin) für so ein Buch aus, das keine antiquarische Kostbarkeit ist. Da wartet jeder Interessent, bis es 2020 oder 2023 „gebraucht“ billiger angeboten wird. Schade eigentlich …

Das „Abaco“ ist tot, ich bin in Trauer …

ES WAR DIE SCHÖNSTE BAR DER WELT, zumindest habe ich keine schönere gesehen zwischen Hammerfest und Auckland. Und wenn ein Drink auch 25 Euro kostete, er war es optisch wert, egal was im Glas steckte! Ich habe mich nie unter die Schickimickis gemischt, und wenn Touristen aus Bussen ins „Abaco“ gekippt wurden, zog ich mich in eine dunkle Ecke zurück. Zentnerweise Gemüse, mehr Blumen als an Allerheiligen auf dem Friedhof, genug Obst um ein ganzes Volk von Gesundheitsaposteln zu ernähren und dazu Musik ohrensatt von Mozart bis Simply Red. Den Ex-Betreiber, Juan Jose Palao, würde ich als Filmausstatter verpflichten für die cineastische Umsetzung der Shakespeare-Dramen. Ich war, zufällig, einer er ersten Besucher, als die Bar am 22. Dezember 1981 eröffnete – und wurde Stammgast des morbiden Charmes. Keiner auf der Insel hat mehr Geld ausgegeben allein für die Dekoration seiner Gaststätte! Keiner hat gewagt, einen Palast des 17. Jahrhunderts prunkvoller in die Neuzeit zu stellen. 38 Jahre ging das gut, nun ist Schluss (seit 30. November 2019). Der nächste unwiederbringliche Verlust hat die Welt getroffen …