Dieses Buch, bitte, nicht kaufen!

ES WIRD IM INTERNET für 2.20 BIS 18.63 EURO ANGEBOTEN, und zwar so verlockend, dass ich es – leider – bestellt habe: „Mallorca ohne Rückfahrkarte“ und „Träume und Zitronen“ von C.(laus) J.(Jürgen) Frank. Das Buch, angepriesen als „Zwei heitere Familienromane“, hat erst nach 195 von 512 Seiten überhaupt etwas mit Mallorca zu tun, und schlecht erzählt, quält es sich durch grausig belanglose Erlebnisse einer Drei-Generationen-Familie. Mir ist völlig unverständlich, wieso mehrere Verlage diese breit ausgewalzte Plattitüde anbieten und man rund 20 Ausgaben kaufen kann. Frank, ein 1930 gebürtiger Berliner, verweist auf eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller, aber mir haben die 2.20 Euro leid getan, die ich dafür ausgeben musste. Denn dafür hätte ich bei „Pedro“ einen erstklassigen Cortado bekommen, vielleicht sogar mit einem Croissant von gestern, und das wäre unterhaltsamer gewesen …

Möglichst früh am Flohmarkt? Unsinn …

So sieht das volle Angebot aus …

DAS STEHT SOGAR IN DEN REISEFÜHRERN – und natürlich in jedem Zeitungsbeitrag: Dass die ersthaften Interessenten schon um 8 Uhr über den Flohmarkt von Consell laufen müssen, weil nur dann das volle Ange- bot zu sehen und die Konkurrenz kleiner ist. Ich war letztens (Ende Juli) tatsächlich um 8 Uhr da, aber da waren nicht mal die Hälfte der Stände aufgebaut und erst um 11 Uhr hatten alle Händler ihre Waren ausge- legt! Das mit dem „Der frühe Vogel fängt …“ ist Blödsinn in Consell, um die Morgenzeit ist es zwar kühler, aber für die wahrhaft Suchenden enttäuschend. Also in Ruhe frühstücken, langsam hinfahren und gegen 11 Uhr suchen …

Das waren noch Zeiten …

Eine Bank alter Schule …

… ALS BANKEN AUF MALLORCA MEHR KONNTEN ALS HEUTE! Folgenden Schriftzug in antikem Edelmetall entdeckte ich an der Fassade eines schönen alten Mares-Gebäudes in Llucmajor: CAJA DE AHOR- ROS Y MONTE DE PIEDAD DE LAS BALEARES. Ich übersetzte: „Sparkasse und Gipfel der Gnade“ oder „Berg des Erbarmens“. Das ist keck. War’s möglich, dass ein Direktor vor 130 Jahren seiner Bank einen solch zynischen Namen verpassen konnte? Ja, aber es heißt etwas Anderes: „Monte de Piedad“ bedeutet Leihhaus. Hier konnten kurzzeitig klamme Menschen ihre Wertsa- chen versetzen. Banken waren damals auch Pfandhäu- ser. Das sind sie längst nicht mehr, aber einige Schrift- züge haben überlebt. Heilige Muttergottes von Lluc, Mallorca ist voller Skurrilitäten, wenn man es offenen Auges durchstreift …

Das beste Olivenöl? Schwierig, Leute, schwierig … (Teil 1)

JEDER, DER NUR DREI OLIVENBÄUME BESITZT, HAUT HEUTZUTAGE IRGENDEIN ÖL AUF DEN MARKT! Es gibt über 100 Fabrikanten auf Mallorca und sie überschlagen sich in den Anpreisungen. Man muss bei den wenigen unabhängigen Gourmets nachfragen (bloß nicht bei den Wirten, die sind alle irgendwie „verbandelt“), und weil ich monate- lang hartnäckig blieb, habe ich eine Antwort: das Opa-Öl namens „Joan Ros- selo“ des Hersteller Son Mesquidassa (zwischen Felanitx und Porreres), der seit 1818 Olivenöl in herausragender Qualität presst. 750 ml. kosten 12.50 Euro, das ist außerordentlich günstig, verglichen mit den „Mondpreisen“ anderer Pro- duzenten, und ein Gourmet behauptete sogar: „Das ist das einzige Olivenöl von der Insel, das mit den besten Italienern mithalten kann!“ Ach, übrigens: Son Mes- quidassa bietet noch weitere Olivenöle an und die tragen alle Porträts des wun- derbaren Insel-Barden Tomeu Penya, dessen Familie seit über 100 Jahren zu den zufriedenen Kunden zählt …

MI MUSEU: Die Militär-Regierung lässt grüßen …

Wappen der militärischen Regierung …

… MIT IHREM WAPPEN AUF EINEM HOLZBRETTCHEN! Das vergisst man meist: Dass es neben der zivilen auch eine militärische Verwaltung auf Mallorca gibt, den „Gobierno Militar de Mallorca“. Seit Franco ist das so. Und wie sich das Oberkommando darstellt, sieht man auf dem Schild: Mit Adler, Krone und einer eigenen Heraldik über dem stolzen Schriftband. Das ist aufwendig in Metall gearbeitet, 25 x 18 cm groß und 1,5 cm dick. Ich fand dieses militärische Objekt beim spanischen Ebay, es kostete 10 Euro und da habe ich es gekauft. Jetzt hängt es über meinem Schreibtisch und ich ernte dafür erstaunte Blicke von mallorkinischen Freunden und Handwerkern …

 

 

 

 

Szenen aus der Natur: Marder am Pool

Nachts an unserem Pool …

SIE TRETEN JETZT VERSTÄRKT AUF, DIE MARDER. Was ich grundsätzlich begrüße, denn sie halten die Ratten in Schach. Ich hatte ja neulich schon berichtet, dass die Marder mit Vorliebe die Physalis-Kirschen aus den Gärten, den Büschen und ihren papiernen Hüllen klauen. Jetzt, in Zeiten der größten Hitze und des Wassermangels, nähern sie sich, von Durst gepeinigt, den Pools, was man dann am nächsten Morgen an den schwarzen Kack-Häufchen erkennt, die sie zum Dank artig auf die Umrandung legen. Nun gelang in einer Nacht diese Aufnahme, die dreierlei beweist: 1. Marder sind ziemlich groß, 2. Sie trinken auch Chlor-Wasser, 3. Sie scheuen den Strahler des Bewegungsmelders nicht. Also, wer noch keinen Mallorca-Marder gesehen hat – genau hingucken!

 

 

 

 

 

 

Wild wachsen die schönsten Artischocken …

Ein Feld mit Artischocken …
… und eine wilde Artischocke

… UND KAUM EINER KÜM- MERT SICH UM SIE! außer mei- nem alten Freund Klaus Exner, der ab und zu seine schönsten Rezepte im „Mallorca Magazin“ veröffentlicht. Er schwärmt aus in die Natur, auf die Felder, auf denen die wilden Artischocken üppig wachsen, die aussehen wie Disteln, etwas kleiner sind als die kultivierten Früchte, aber keinesfalls schlechter schmecken – und gratis herumstehen! Es ist mit diesen Artischocken auf Mallorca genauso wie mit dem grünen Spargel: Es gibt ein paar Rentner, die ihn in der Wildnis ernten und dann Restaurants anbieten, aber eigentlich kümmert sich kein Schwein darum, und das ist ein Jammer, denn gerade dieser Spargel und diese Artischocken sind eine Köstlichkeit vom Gabentisch von Mutter Natur. Man muss halt gut zu Fuß sein, Handschuhe dabei haben und wissen, wo man ernten muss. Aber mein Freund Klaus sagt: „Überall …“.

Achtung, der raffinierte 5 Euro-Trick!

ICH HABE IHN EBEN IN DER „BAR BOSCH“ IN PALMA ERLEBT – und ich war eher amüsiert als wütend. Da hatte ich eine Rechnung über 4.90 Euro, reichte dem Ober einen 10 Euro-Schein, er ver- schwand und legte 10 Cents auf Tellerchen. Fehlten also 5 Euro. Eine feine Masche: Bin ich im Zweifel, ob ich ihm nicht doch nur einen 5 Euro-Schein gegeben habe, steh‘ ich auf und geh‘. Weiß ich genau, dass es ein 10 Euro-Schein war, verlange ich die fehlenden 5 Euro – und der Ober wird sich entschuldigen („Verzeihung, ein Versehen!“) und sie mir geben. Es kann ihm also nichts passieren, und die Chance, den Gast um 5 Euro zu betrügen, ist groß und verlockend. Ich habe dem Ober mit einem verschmitzten Lächeln gezeigt, dass ich seinen Trick durchschaut habe – und bin gegangen. Den Trick erlebt zu haben, war mir 5 Euro wert, und bei mir wird er ihn nicht mehr versuchen …

Stierkampf II: Jessas, ist das teuer!

STIERKAMPF WAR IMMER SCHON ZIEMLICH TEUER, aber was jetzt – da es ihn offiziell nicht mehr gibt – für Tickets verlangt wird, das schlägt schwersten auf den Geldbeutel: Da kostet ein Sitzplatz auf hartem Stein in der Region „Contrabarrera“, und das ist nur die zweitteuerste Kategorie!, satte 115 Euro! Da überlegt man sich zweimal, ob man sich das antun will im Coliseo Balear in Palma. Aber da die Corrida am Freitag, 9. August, als die letzte auf der Insel angekündigt wird, scheint es genug Publikum zu geben, das zur Zahlung solcher Summen bereit ist. Das dann auch noch einen mühsamen Weg durch die demonstrierenden Tierfreunde in die Arena vor sich hat – mit Beschimpfungen!

Stierkampf I: Da erzählt eine Schwachsinn …

SIE HEISST STEPHANIE KINDERMANN, ist Synchronspre- cherin & TV-Kleinstdarstellerin, vertritt angeblich die Tier- schutzorganisation PETA auf Mallorca – und redet wirr-dummes Zeug, wenn’s um Stierkampf geht. So verzapfte sie in einem Mallorca-Blatt folgende Phantastereien: „Der Stier lebt eine Woche vorher in Dunkelheit (!), ihm wird wachshaltige Watte in die Ohren gesteckt (!) und Vaseline in die Augen geschmiert (!). Er erhält mehrere Tage lang Abführmittel (!). Am Tag des Stier- kampfes ist er also desorientiert, geschwächt und dehydriert … den Pferden (der Picadores) werden übrigens die Stimmbänder durchschnitten (!), damit sie sich in größter Panik still blei- ben.“ Und was hält sie von den Corridas in Südfrankreich, bei denen die Stiere nicht getötet werden? „Die Tiere sterben oft hinterher an Herz- und Kreislaufversagen.“ Vor Aufregung … Die Mini-Mimin tut ihrer Sache keinen gefallen, wenn sie diese ge- quirlte Propaganda-Kacke verzapft und ich habe den Chefredakteur aufgefordert, in Zukunft zu verhindern, dass solche Ignorantinnen ihren Schwachsinn auf seinen Seiten absondern dürfen. Und Frau Kindermann rate ich dringend, schauspielern zu lernen, damit sie in Zukunft die Texte von Profis sprechen darf …