Die Frage ist doch: Soll man selbst bohren? Teil I

Die traditionelle Suche …
… und so sieht das Bohren aus

EINE EIGENE QUELLE WÄRE EIN TRAUM, ODER? Zwei meiner Nachbarn sind so glücklich. Einer hat sie mit dem Kauf einer alten Finca geerbt, der andere hat selbst gebohrt. Wie? Grundsätz- lich in zwei Etap- pen, hier die Kurz- form: Erst lässt man eine Stelle suchen, an der der Bohrer fündig werden könnte, dann muss das Loch mit Rohren eingefasst und ein Brunnen installiert werden. Claro. Teil 1: Kluge lassen zwei Experten suchen – einen Wünschelrutengänger mit Ölzweig und einen Geologen mit Tiefenradar. Beide kosten natürlich was (und nicht wenig). Sind sie sich einig, kann’s losgehen. Widersprechen sie sich, hat man ein Glaubensproblem: Tradition gegen Technik. Mein Nachbar, der Selbstbohrer, hatte das Glück: Beide deuteten auf dieselbe Stelle! Geht’s los, wird „Bohr-Lotto“ gespielt. Mit dem Bankkonto und den Nerven des Auftraggebers. Und eine Genehmigung benötigt man natürlich auch. Denn wer eine eigene Quelle besitzt, die sprudelt, zapft den allgemeinen Grundwasserspiegel an – man könnte ihn einen egoistischen „Wasserdieb“ nennen. Der nur zum raren Nass kam, weil er … – ja, weil er ein Vermögen investiert und riskiert, das andere nicht haben. Wieviel? Das schildere ich demnächst in Teil 2 …

Wo sind Norberto Viñas und sein Schatz geblieben?

Ich habe nur dieses eine Foto aus einem alten Zeitungsausschnitt …

ALS ICH DAS LETZTE MAL VON IHM HÖRTE, WAR ER 82, und das war 2007. Ein Rentner in Son Servera, der zwei gewaltige Lagerhallen voller Dinge besaß, mit denen Mallorkiner einst gelebt hatten. Man sagte, der Schatz von Norberto Viñas sei die größte ethnologische Sammlung der Insel. Er besaß alles – Ladenkassen, Friseursalons, Nähmaschinen, Spielzeug, Bilder, Porzellan, Schmiedeeisen, Karren, Waagen mit Gewichten, Körbe usw. Ganze Brunnen fand man bei ihm, alte Schmieden, Oldtimer und Wurstmaschinen. Aber als ich ihn jetzt besuchen wollte, da erinnerte sich kein Mensch mehr an ihn. Nach 12 Jahren, er muss jetzt 94 sein. Weder auf der Gemeinde, noch bei der Polizei kannten sie seinen Namen, und hatten nie von der Sammlung in den Lagerhallen gehört. Ein Jammer, befürchte ich, da hat vermutlich einer den Tod des alten Herren ausgenützt, um den Schatz zu Geld zu machen – stückchen- und scheibchenweise. Eine unwiederbringliche Sammlung und ich hoffe, ich finde sie noch …

Ein Fund mit 7 Siegeln …

Die Rückseite mit den Siegeln …
… und die beraubte Vorderseite

ICH FAND IHN IN EINER GRABBEL- KISTE AUF DEM CONSELL-FLOH- MARKT: Ein Kuvert von 1923, von einer Firma Italo Comercial aus Barcelona an einen gewissen Lorenzo Vidal in Palma geschickt, aus dem jemand vor Jahrzehnten die wertvollen Briefmarken rausgerissen hatte. Ein paar waren noch drauf geblieben, und als ich den Brief umdrehte, starrten mich 7 rote Siegel an! Das waren noch Zeiten, dachte ich, als man Post, die man verschickte, mit seinem persönlichen Siegel in weichem Karmesin-Lack versah – bis der in Gummi geschnittene Stempel diese noble Art auslöschte. Das Kuvert ist eigentlich nix Besonderes, aber für einen Mallorca-Sammler wie ich macht es hübsch was her. Und dass man solche Dinge immer noch findet, wenn man stöbert, sagt viel aus über die kulturelle Qualität der Insel …

… und nun sind die Fisch-Esser dran!

Dorade auf Spargel – bald verboten?

ES MUSSTE JA SO KOMMEN! Aber keiner konnte voraussehen, dass es derart blödsinnig werden würde, wenn sich die angeblichen Klima- mit den angebli- chen Tierschützern verbinden. Noch treten diese Freaks anonym auf, so wie jener „roninpalma“, der einen Leserbrief missbrauchte (diese Frühform der entsetzlichen „Social Media“), um in einer Inselzeitung folgenden Sermon abzulassen: „Der … auf Mallorca weitaus höhere Konsum von Fisch hat ebenso Folgen fürs Klima, denn die wenigsten Fische springen mittags freiwillig vom Meer in die Pfanne, sondern werden oft ein entfernt irgendwo draußen auf dem Meer ums Leben gebracht, tiefgefroren und dann zu den Häfen transpor- tiert …“. Satirisch eine Perle, intellektuell eine Niete, thematisch die finsterste Zukunft: Solche Typen wer- den bald auch den Reißverschluss am Hosentürl verbie- ten, weil er sich in Gegenwart von Frauen zu schnell öffnen lässt …

Lassen Sie uns über Geld reden (Telefon) …

MAG SEIN, DASS DAS MEIN PERSÖNLICHES PROB- LEM IST, aber vielleicht kann ich doch dem einen oder anderen helfen mit diesem Post. Der Fall: Ich habe ein Mallorca-Handy mit einer Insel-Nummer, das ich (z. B. an Tankstellen) mit Euros aufladen muss, wenn es nach Geld schreit. Mein Provider war Movistar und ich zahlte, zu meinem Erstaunen, pro Woche zwischen 20 und 30 Euro! Obwohl das Handy 6 Monate/Jahr gar nicht ein- geschaltet ist und ich es auch nicht sehr häufig benütze, wenn ich auf Mallorca bin. Da bat ich meine Freunde von Beep in Portocolom um Hilfe, die haben Movistar ge- kündigt, mir den Provider Lebara draufgeladen – und nun kann ich 400 Minuten bzw. 28 Tage für 10 Euro telefonieren. Warum nicht gleich so? Aus Unwissenheit. Ich denke, da habe ich heute Vormittag eine Menge Geld gespart …

Ein „Museum der Worte“ – super!

Das Museum …
… und der Dichter

… hier liegt Sant Joan …

ES STEHT IN DER GEMEINDE SANT JOAN (Carrer d’en Socies, 7) und ist dem Dichter Rafel Ginard Bauca (1899-1978) gewidmet. Ein Sohn des Ortes, ein Mönch, ein hochgebildeter Literat und Autor, und im Museum, das auf Mallorquin „Museum de la Paraula“ heißt, sind Originalmanuskripte, handgeschriebene Gedichte, Bücher, Fotos, einige persönliche Reliquien und sogar Hörproben zu erle- ben. Nichts wirklich Spektakuläres – aber echte Kultur, ver- dichtet in einem Haus zum Stolz eines Städtchens auf seinen bedeutenden Sohn, eingehüllt in eine wunderbare Stille. Es ist mutig, ein solches Museum zu gründen und zu unterhalten, bei den Besucher- zahlen dürfte es auf der Insel weit hinten liegen (zumal es nur zu merk- würdigen Zeiten offen ist), aber dennoch – ich rate an einem besinnlichen Tag zur Fahrt nach Sant Joan (und das adelige Landgut-Museum Els Calderers kann man dann ja gleich mitnehmen) …

Da tut sich was im „Can Gusti“ …

ES IST DAS LEGENDÄRE AUSFLUGSLOKAL an der Straße von Portocolom nach Portocristo, beliebt seit über 120 Jahren, eines der letzten authentischen Restaurants (man probiere nur mal das „Tumbet“ und das sternemäßige Spanferkel!), in das die Campesinos der Umgebung auf einen Cortado und ein Kartenspiel einkehren, und die eisernen Ringe zum „Parken“ der Mulis noch an der Außenwand hängen. Es gehört drei Geschwistern – aber jetzt, wie man hört, versuchen die Pächter, der unerschütterliche Koch Manuel und seine quirlige Frau Maria, das „Can Gusti“ zu kaufen. Mit allem Drum & Dran, wozu das Dutzend Zimmer im 1. Stock gehört, das bisher ungenützt – und unverständlicherweise – leer steht. Die schreien geradezu nach Nutzung als Herberge. Die Verhandlungen sind etwas zäh, noch wird der Kaufpreis diskutiert, aber die Besitzer sind schon mal ausgezogen …

Psst! Auf Schmetterlinge achten …

Waldbrettspiel
Saateule
Postillon
Distelfalter
Monarch
Mauerfuchs

ES SIND DIE SCHÖNSTEN TIERE DER INSEL (sorry, Hundefreunde!), aber nicht leicht zu ent- decken: Schmetterlinge. Sie fliegen nicht gerne zu Menschen, es gibt nur noch wenige und außerdem ist es jetzt zu heiß, um auszuschwär- men in die Natur, um diese bezaubernden Designerwesen zu finden. Ich hab’s getan, einen Vormittag lang in meinem Garten – und da kamen sie ange- schwebt, scheu und zart, bunt und pollen-hungrig. Immerhin 42 Arten tag-aktiver Falter gibt es auf Mallorca, aber 800 Arten Nachtfalter. Wobei ich lernte, dass einige Schmetterlinge sich aus der Dunkelheit ins Sonnenlicht verirren, denn mir begegnete eine sogenannte Saateule. Das Schwierigste war, die Schmetterlinge zu identifizieren, aber Gottseidank unterliegen die Eingeborenen auch einer Art lexikalischem Wahn und so kann man für Alles & Jedes ein Buch, eine Broschüre und ein Poster finden, auch für die Flattermänner …

Nanu, zweimal die Hausnummer 6 am selben Haus?

Links eine 6 und rechts eine 6 und das an einem Haus …

ICH SAG’S JA IMMER WIEDER: Wat es nich all jibt auf Mallorca! Da sehe ich in dem Dorf Son Macia (im gleichnamigen bezaubernden Tal bei Manacor), direkt am Marktplatz, ein Haus mit zwei Eingängen und über jedem steht eine 6! Ich putzte meine Brille, aber es blieb dabei: Zwischen der Hausnummer 4 und 8 gibt es zweimal die 6. Ich vermute dahinter einen Erbstreit, wie er auf Mallorca an der Tagesordnung ist. Bloß kein Nachgeben oder Einlenken, lieber was Blödsinniges – oder eben ein Haus mit zwei Eingängen, im Inneren geteilt und beide Parteien haben auf der angestammten Nr. 6 bestanden!

Man sollte viel mehr Mandelmilch trinken – geeist!

Mandelmilch – halb getrunken …

SIE IST NICHT DÜNNFLÜSSIG, rinnt aber gluckernd durch den Strohhalm – die Milch aus vielen gepressten Mandeln, die eigentlich eher ein Saft ist! Ein köstliches Getränk. „Granizado de almendra“ heißt es auf den Spei- sekarten und es ist so viel besser als das langweilige Sprudelwasser, die labbrige Orangeade oder die in der Hitze duselig machende Weinschorle. Nun gut, Mandelmilch ist nicht ganz billig, kostet immer so um die 3,50 bis 4 Euro. Aber sie ersetzt zudem einen Snack, so nahrhaft ist sie, und den Geschmack trägt man gerne noch eine Stunde später auf der Zunge.