Autor: Axel Thorer

Nochmal ein Beitrag zu Kacheln …

… DENN ES IST WIRKLICH ERS- TAUNLICH, was man auf Flohmärkten, in Trödelläden und in den Höfen der Bauschutt-Verwertungen entdecken kann! Weil Kacheln oder Fliesen gemeinhin als „Bruch“ gelten, und weil 99,9 % der Menschen es für pervers halten, etwas zu kaufen, was aus einem zerstörten Haus stammt, und zudem snd es ja meist Einzelstücke. So fand ich dieses traumhaft schöne S auf einer etwa 200 Jahre alten Kachel als Fen- sterstopper bei einem Gebrauchtwa- renhändler, ein früherer Sammler hatte sie bereits in einen Holzrahmen ges- teckt, aber der Händler hatte ihr Alter und dadurch ihren Wert nicht begriffen. Die Ästhetik sah er sowieso nicht. Der Preis? 2 Euro. Ich schreibe das, um die Neugier und das Interesse anderer Sammler zu wecken. Und weil auf dieser angeblich kahl gegrasten Insel immer noch eine Menge Pretiosen unbeachtet herumliegen …

Im Kopf einer Ratte …!

Der Schädel von der Seite …
…  so groß ist er …
… und von vorne (auf Kork geklebt)

ICH HABE IHN IM GARTEN GEFUN- DEN, fein säuber- lich abgenagt von Ameisen, der blanke, komplette Totenkopf. Die Ratte war wohl an einer dieser blau- en Gifttabletten verendet, mit denen wir die Na- ger bekämpfen, und dann von den Piranhas des Erd- reichs bis aufs Skelett beseitigt worden. Ein interessantes Fundstück, mit den gesch- wungenen, etwas gelblichen Schneidezähnen oben und unten, die wie Dolche in Scheiden ineinander greifen, und winzigen Backenzähnen. Ich habe den Schädel auf einem Stück Kork festgeklebt und zeige ihn in einem Schaukästchen an einer Wand und es gibt keinen Besu- cher, der nicht fasziniert davon ist, eine Ratte – dieses geheimnisvolle, unbesiegbare Wesen – mal auf diese Weise zu betrachten. Der Totenkopf wirkt filigran und überraschend klein (er ist 4,5 cm lang), aber denkt man ihn sich in Fleisch, Organe und Pelz eingepackt, dann kommt das hin auf das Lebendformat. Nun ja, kann sein, dass es kein ganz ausgewachsenes Tier war.

Rationierte Lebensmittel auf Mallorca?

Ein „Rationierungsbuch“ …
… 3 Coupons für Reis, Zucker & Öl
… und ein Coupon für Brot

UNVORSTELLBAR! Und doch ist es noch nicht so lange her, dass man auch auf der Insel, wie im Nachkriegsdeutschland, Reis, Öl, Brot und Fleisch nur auf „Marken“ bekam, die in billig gedruckten kleinen Heften zugeteilt wurden. Ich habe so ein „Rationierungsbuch“ gerade bei meiner Nachbarin Maria entdeckt, mit einer faschistischen Steuermarke (Porträt von Jose Antonio de Rivera, 10 Céntimos) auf dem Deckel, vom ersten Dritteljahr 1952, natürlich stark benützt und diese Mangelwirtschaft dauerte bereits seit 1938, seit dem Bürgerkrieg! Das bedeutet: Als die ersten Touristen längst einflogen (oder per Schiff kamen), litten die Einheimischen Hunger, wenn sie nicht Bauern waren, die sich heimlich selbst versorgen konnten. Davon merkten die Gäste nichts, meine Eltern, die damals schon auf Mallorca urlaubten, haben nie etwas erzählt. Aber ich denke, noch in den 50er-Jahren hat die Franco-Regierung den Markt freigegeben und die „Cupones“ abgeschafft, da haben allerdings schon eine Menge Ausländer auf Mallorca gewohnt! Was für eine perverse Situation: Vollpension in den Hotels für die Turistas und Brot für die Einheimischen nur von Tag zu Tag per „Marke“. Es ist doch immer wieder interessant, ab und zu mal in die Geschichte unseres kleinen Felsens zu lugen …

 

 

… und hier flippen einige Rentner aus!


NEULICH BIN ICH EINEM RENTNER IN DIE HÄNDE GEFALLEN,
der mir seine Sammlung zeigen wollte. Da bin ich immer hellwach, aber in diesem Fall stimmte das „in die Hände gefallen“. Denn der alte Knabe, wohnhaft in Santa Ponca, sammelte nackte Frau- en auf Mallorca. Als FKK-Hefte (sowas gibt’s), Touristen-Postkarten, Original- fotos und DVDs. „Schönheiten auf un- serer schönen Insel“, schwärmte er – und besaß Hunderte! Aufregend fand ich die Sammlung nur, wenn sich die Nackedeis vor 1975 getummelt hatten, als Franco noch lebte und man für öff- entliches Unbekleidetsein ins Gefängnis kommen konnte. Aber das wusste der Sammler gar nicht, er starrte einfach nur auf die nackte Haut und vor allem dar- auf, wo die Haut nicht nackt war, wenn auch unverhüllt, und ich verabschiedete mich schnell. „Kommen Sie doch mal zu unseren Treffen“, rief er mir hinterher, und da ergriff mich Schaudern: Die sammelnden Voyeure sind auch noch so eine Art Klub! Es ist schon erstaunlich, was dieser schöne Felsen im westlichen Mittelmeer alles aushalten muss! Aber damit man sich überhaupt vorstellen kann, was die Greise heiß macht, zeige ich hier ein paar ihrer Objekte der Begierde …

Mein CORONA-Tagebuch: Hausbesorger!

WOHL DEM, DER GUT VERNETZT IST – und auf dessen Besitz jemand aufpasst in der erzwungenen Abwesenheit! Nie waren die „Hausbesorger“, die einen Tor- und Hausschlüssel besitzen, diese absoluten Vertrauenspersonen, so wichtig wie in dieser scheußlichen Corona-Katastrophe. Und ein besonderer Glücksfall ist es, wenn diese Custodes Einheimische sind, denn die Mallorkiner wissen in Notzeiten viel besser als die Ausländer, was zu tun ist, und was getan werden kann. Sie kontrollieren das Grundstück oder den Balkon, gehen ab und zu durchs Haus und die Wohnung, gießen den Garten und die Blumentöpfe, und kümmern sich sogar um Schäden. Jetzt bewährt sich, dass ein Ausländer sich nicht als Kolonial- oder Herrenmensch aufgespielt hat, als noch niemand an die Seuche dachte. Man verzeihe mir, dass ich wieder mal nur über die „Reichen“ schreibe, die einen Zweitwohnsitz auf der Insel besitzen; aber es sind viel mehr als diejenigen, die weiterhin mit einer Residencia auf Mallorca leben dürfen …

Mein Corona-Tagebuch: Die Bank ist zu! Fortsetzung …

DIE FILIALE, BEI DER ICH MEIN KONTO HABE (in Portocolom), IST DICHT, die in Felanitx, die jetzt für mich zuständig ist, kannte mein Konto nicht. Die Dame am Telefon war nett und hilfsbereit, aber da die Daten von der einen zur anderen Filiale unvollständig übermittelt worden waren in Zeiten der Seuchen-Krise, besaß ich plötzlich kein Konto mehr, und da war die Dame ebenso hilflos wie ich (denn in Portocolom saß längst kein Mitarbeiter mehr). Ich hatte dringende Überweisungen zu erledigen, also was tun? „Bitte, füllen Sie den Antrag nochmal aus, denen ich Ihnen gleich übermittle, und schicken Sie mir, bitte, die Scans von beiden Seiten Ihres deutschen Personalausweises!“ Das tat ich, gab auch meine Kontonummer und mein Password erneut an, und dann dauerte es 2 Tage (!), bis ich an mein Geld konnte. Immerhin: Die nette Dame rief zurück und sagte: „So, jetzt sind Sie wieder Kunde!“ und kicherte ein wenig. So lange hatte mein Kontostand im luftleeren Raum gehangen wie ein Corona-Virus, der kein Opfer findet …

Mein Corona-Tagebuch: Die Bank ist zu!

DA HOCKT MAN IN SEINER ELYSISCHEN EINSAMKEIT und ist durch die moderne Nabelschnur mit Mutter Erde verbunden – dem Internet! Das klingelt’s leise und man erfährt: Ab sofort hat man keine Bank mehr!

Die Filiale meiner Bank in Porto- colom ist dicht, für meine dringen- den Überweisungen muss ich jetzt zur Zweigstelle in Felanitx, und die ist nur montags und donners- tags von 8:30 bis 14:30 Uhr offen. Als ich mich dort einklinke, wird mein Password nicht angenommen, und als ich anrufe (mehr zufällig geht jemand ran), erfahre ich, dass mein Konto unbekannt ist: „Ja, wissen Sie, es wurde von Portocolom nicht alles einwandfrei an uns übermittelt!“ Aber meine Überweisungen – „da müssen Sie …“, und was nun geschah, schildere ich morgen, und es war ebenso überraschend wie unerfreulich

Mein CORONA-Tagebuch: Strafen!

MAN ERLAUBE MIR ZU SAGEN: Die haben doch einen Knall! Erst hat Spanien so getan, als würde die Corona-Seuche alle anderen Länder geißeln, nur nicht das Königreich (Verschleierung a la China), dann war plötzlich von einem Tag auf den anderen die GrippeKatastrophe da – und nun hauen sie den Menschen derart deftige Strafen um die Ohren und Geldbeutel, dass einem so schwarz vor Augen wird wie bei einem Fieberstoß! 3000 Euro für Gassigehen ohne Hund, soll vorgekommen sein. 400 Euro für ein vollbesetztes Auto! Und scheinbar gibt es keinen festen Tarif, jeder Polizist verlangt, was ihm gerade einfällt. Ich kann ja verstehen, dass drastische Maßnahmen ergriffen werden müssen bei fast 400 Toten in 24 Stunden. Aber was zuviel ist, ist zuviel – denn bezahlt werden muss auch dafür, so seh‘ ich es, dass die Regierung in Madrid sträflich lange gepennt hat …

Mein Corona-Tagebuch: Finca-Verbot!

DIE GESCHICHTE WOLLTE ICH ERST NICHT GLAUBEN, aber inzwischen haben sie mir mehrere berichtet – enttäuscht und empört. Dass nämlich am Wochenende die Ausfallstraßen von Palma blockiert werden. Dass wegen dem Virus keiner auf sein Landgut fahren darf wie bisher; dass die hübschen Fincas in der Provinzdiese traditionellen Freitagnachmittag-bis-Montagmorgen-Datschas – unerreichbar geworden sind selbst für Eingeborene und Residenten und sogar, wie ich höre, für den Adel, der sonst alles darf! Man möchte vermeiden, hatte ein Polizeibeamter zu einem verhinderten Wochenendausflügler gesagt, „dass sich das Virus aus der Stadt aufs Land ausbreitet.“ Und da, teilte der Polizist auf Nachfrage mit, „hilft auch ein frisches Attest nichts.“ Es mag Leute geben, die diese Maßnahme klug finden, um die Corona-Seuche einzudämmen, ich finde, sie geht einen Schritt zu weit weit …

Mein Corona-Tagebuch: Kinderverbot!

ICH DENKE, DAS GEHT ZU WEIT! Eine allein erziehende Mutter aus ses Salines musste dringend in den Supermarkt, konnte ihre 4 und 6 Jahre alten Kinder nicht alleine Zuhause lassen, nahm sie mit – und musste Strafe zahlen! Weil sie mit 3 Personen in einem Auto gefahren war! Kleine Kinder galten also als Erwachsene. Aber was hätte sie tun sollen? Klar, Nachbarn um Einkaufshilfe bitten. Aber sie meinte, die Mitnahme der Kinder sei ein Notfall. Die Polizisten, die sie am Supermarkt gestellt hatten, waren durchaus verständnisvoll und kassierten nur ein paar Euro von ihr, sozusagen eine symbolische „Multa“, um der strengen Regel Genüge zu tun. Aber immerhin. Und was passierte dann? Increible: Sie kaufte ein und fuhr mit dem 4-Jährigen nach Hause, ein Streifenwagen mit dem 6-Jährigen, der war natürlich begeistert …