Autor: Axel Thorer

Mein Corona-Tagebuch: Portocolom!

ES IST NUR EINE MOMENTAUFNAHME VOM WOCHENENDE und betrifft nur die mittlere Ostküste, aber es ist interessant, wenn nicht sogar verwunderlich: Wer den hübschen Hafen besucht, stellt fest: Die kleinen Strände rund um die Buchten sind rappelvoll (90% Einheimische), sogar die „Blaue Bude“, das auf die Felsen geklebte Chiringuito drüben beim Leuchtturm, hat geöffnet. Dafür sind das beliebte „Mestral“ und der „Club Nautico“ an den beiden Hafenpromenaden geschlossen, immerhin die beliebtesten Lokale. Ich sag’s mal so: Alles, was ohne Touristen nicht leben kann, ist (noch) dicht. 

Mein Corona-Tagebuch: 500-er!

EIN CORONA-KURIOSUM: Es gibt kaum noch 500-er! Abgesehen mal davon, dass die sowieso bald aus dem Verkehr gezogen werden (nicht zuletzt wegen des boomenden Schwarzhandels mit Immobil- ien auf Mallorca in Multimillionenhöhe) – nirgendwo begegneten mir mehr lila Scheine als auf der Insel. Nun kam An- und Verkauf zum Erliegen, zumindest mit den potenten Ausländern, die zahlten, indem sie die Banknoten von gerollten Bündeln abblätterten. Deswegen war ja der Begriff „Preis auf Nachfrage“ erfunden worden. Damit man heimlich Halbe-Halbe machen konnte: 50 % „schwarz“, 50 % „offiziell“. „Wann hast Du zuletzt einen frischen 500-er gesehen?“, fragte ich meinen Freund, den Immobilienkönig. Antwort: „Komisch, dass Du fragst, ich habe auch gerade darüber nachgedacht – das war Anfang März!“ Vor der Corona-Krise in Spanien. Der Schwarzmarkt trocknet gerade aus, aber mit den 500-ern auf Mallorca ist das so wie mit dem Wetter in Namibia: Bei Dürre entsteht Wüste, regnet es, sprießt alles. Ich bin sicher: Die dicken Scheine werden wiederkommen, solange es sie gibt …

Ist das Eisenmanns Es Fangar?

Das ist die Immobilen-Anzeige dazu …

KÖNNTE SEIN VOM PREIS (24,5 Mio. Euro), DER GRÖSSE (2,8 Mio. qm) UND DER WOHNFLÄCHE (4300 qm) HER. Auf den ersten Blick. Das wurde sofort spekuliert. Aber ich erkenne Es Fangar, wo ich oft und gerne war, an den Fotos nicht wieder, außerdem hat das keine 80 Zimmer mit 70 Bädern! Aber was für ein Immobilien-Klopps, aktuell angeboten von Gutbier!!! Vom Grundbesitz so groß wie 20 Gemeinden der Insel. Und eines der 3 teuersten Objekte auf Mallorca, bezeichnet als „Königliches Anwesen mit beeindruckender Eleganz und Historie.“ Rätsels Lösung: Das Multimillionen-Anwesen liegt in Valldemossa und wurde in Hotelarchitektur gebaut! Fazit: Noch wird Es Fangar nicht verkauft oder zerstückelt, aber das droht …

Mein Corona-Tagebuch: Ein bisschen Freiheit, Teil 2!

MEINE FREUNDE E & M sind nach 77 Tagen Quarantäne erstmals wieder auf der Insel unterwegs gewesen. Hier der zweite Teil ihrer vor allem kulinarischen Reise:

„Das ‘Sa Farinera“, die alte Ölmühle, in der die besten Fischsteak auf dem Holzkohlengrill zubereitet werden, fiel uns gerade noch ein. Und tatsächlich, es hat auf und wir ergattern den letzten Tisch! Auch hier geduldiges Warten, bis der Tisch und die Hände desinfiziert sind und wir zu unserem Platz begleitet werden. Oh, ihr Mallorkiner, lange ist es her, dass ihr ein einfaches Dorfvolk wart, in Perfektion trotzt ihr der Covid19-Problematik. Mit einer mit Desinfektionsmittel gefüllten Gartenspritze werden Tische & Stühle behandelt und das so geliebtes Begrüßungsritual (Küsschen links, rechts, links) wird mit dem ‚Corona-Gruß‘ ausgetauscht, aber natürlich genauso intensiv: Ellbogen an Ellbogen, Fuß an Fuß, Ellbogen an Ellbogen! Dreimal muss eben sein. Nun warten wir – und eigentlich alle – auf den ersten Touristen. Mal sehen, wie es dann wird. Schöne neue Welt …“.

Morgen berichte ich über ein ganz spezielles Krisenthema: die lila 500 Euro-Scheine …

Ein Jahr ohne Aprikosen …

… DENN DIE KÖNNEN 2020 NICHT GEERNTET WERDEN, weil die Pflanzen so gut wie keine Früchte tragen. Und ihre kleinen Schwestern, die Kumqats, hängen auch nur vereinzelt an den Ästchen. Das hat nichts mit Corona zu tun, denk ich mal, „so etwas kommt vor“, sagt mein Nachbar, Bäuerlein Miquel. Dass einfach mal ein Obst aussetzt. Schade, ich habe die Insel-Aprikosen immer sehr geschätzt, und wenn sie die schicken roten Flecken hatten, haben sie besonders gut geschmeckt. Jetzt werden sie also importiert, von irgendwoher aus der Hispanidad, aus Ecuador vielleicht. Aber das sind nicht dieselben, deshalb werde auch ich eine Aprikosen-Pause einlegen, bis es sie wieder „Made in Mallorca“ gibt …

Mein Corona-Tagebuch: Ein bisschen Freiheit!

MEINE FREUNDE E & M haben sie mir gestern be- und geschrieben in einer interessanten Reportage:

„Nach 77 Tagen war es soweit: Endlich in die große, weite Welt! Doch Palma, du Schöne, wie sahst du so traurig aus: Flaggen auf Halbmast, 70 % der Geschäfte geschlossen, hie und da hängen Zettel „Se Trespasso“ in den Fenstern. Auf dem Born bedienen maskierte Kellner tapfer an weit auseinander gestellten Tischen im Freien. Auch die „Bar Bosch“ hat geöffnet, hoch diszipliniert warten Mallorkiner geduldig und mit 2 m Abstand in einer Schlange auf einen desinfizierten Tisch, der ihnen vom Kellner zugewiesen wird. Im Llonja-Ausgehviertel, in dem sich sonst zu dieser Jahreszeit rot verbrannte Touristenbeine durch die Gassen bewegen, ist kein Mensch zu sehen: alle Restaurants sind geschlossen. Bis auf das gute alte „Café Llonja“, hier sitzen wie eh und je Mallorkiner, bei einem Gin Tonic fröhlich schnatternd. Aber kulinarisch herrscht in Palma Ebbe. Weder das „Tast“, in dem wir gern auf ein Glas Wein und Tapas einkehren, noch das „Tasu“, in dem so oft die besten Kleinigkeiten der Insel zum Preis 3 zu 2 genießen, haben geöffnet. Aber man kennt sich ja aus, da gibt es ja noch das „Can Torrat“ in Can Pastilla! Auf der großen Terrasse Lammchops zum Sonnenuntergang, das wär‘s doch – Aber welche Enttäuschung, es ist auch zu. Da fiel uns „Sa Farinera“ ein, die alte Ölmühle mit dem fabelhaften Fischsteak vom Holzkohlengrill …“.

Morgen: Teil 2 der spannenden Reportage. E & M kriegen doch noch einen Tisch – und staunen, wie die Mallorkiner ihr traditionelles Begrüßungsritual zur Corona-Sitte umwandeln.

Mein CORONA-Tagebuch: Nachbarschaft!

WAS WAR DAS GEMÜTLICH – VORHER! Der Plausch übers Mäuerchen, der Gedankenaustausch am Zaun, die Treffen zum Gassigehen. Die menschliche Nähe fehlt jetzt, man wird einsamer. Im Moment passierte es doch, dass ich meinen Nachbarn um ein Gespräch bat und sagen musste: „Aber bring‘ bloß Deine Frau nicht mit!“ Weil mehr als zwei Personen auf einem Haufen verboten waren. Nachbarn hat man, muss man aber nicht haben. Das ist das Gute an ihnen. Familie hat man auch, aber muss sie haben. Das kann schlecht sein. Bei Nachbarn kann man wählen nach Sympathie und Nützlichkeit. Das ist der Unterschied. Das Corona-Virus hat das unterbrochen. Die Nachbarn sind weg oder igeln sich ein. Man fühlt sich plötzlich ziemlich allein – und im Ausland! Das Gefühl kannte man vorher nur in wenigen schlechten Momenten. Weil es ja eine Gemeinschaft gab. Die Seuche ist in die Zwischenmenschlichkeit gefahren wie ein Raketenbeschuss …

Mein Corona-Tagebuch: Achtung, Hausbesetzer!

ICH WEISS, DASS EINIGE HAUS- UND WOHNUNGSBESITZER BIBBERN. Weil durch das Corona-Virus herrliche Zeiten angebrochen sind für eindringendes Gesocks. Gerade eben hat sich ein Nachbar gemeldet:

„Achtung, Leute! H… berichtet, dass sie ein Nachbarhaus besetzt haben. Aber macht euch keine Sorgen, wir haben was organisiert, wir verteidigen unser aller Besitz!“

Tausende von bestens möblierten, mit Wasser & Strom versorgten Immobilien stehen leer, und wenn die Bande erst einmal drin ist, dann – teuflisch, teuflisch – verhindert gerade die Seuche, dass die Besetzer auf die Straße geworfen werden. Ansteckungsgefahr! Natürlich: Die Kriminellen können nicht, wie sonst, in überfüllten Autos vorfahren. Sie müssen sich, sozusagen, anschleichen und die Clan-Mitglieder Person für Person einschleusen. Aber das tun sie, und deshalb ist so wichtig, dass benachbarten Mallorkiner ein waches Auge haben und die Tricks angewandt werden (Flagge aufziehen, Auto in der Einfahrt parken, Möbel auf der Terrasse lassen). Und natürlich verhindern die herum fahrenden Polizisten durch ihre bloße Präsenz das Schlimmste (ob sie wollen oder nicht). In der Straße, an der ich wohne, registrieren alle Nachbarn die Nummer, Marke und Farbe jedes Autos, das ihnen unbekannt ist, und zwar für den Fahrer sichtbar. Für alle Fälle … 

Mein CORONA-Tagebuch: Gärten!

TAUSENDE VON HÄUSERN STEHEN UNBEWOHNT HERUM. Die Besitzer, Ausländer ohne Residencia, mussten Mallorca verlassen. Einige leisten sich weiterhin einheimische Gärtner, die wachen, gießen, pflanzen, jäten und ungebetene Tieren vertreiben. Aber ganz allgemein gehen die gepflegten Hortikulturen vor die Hunde. Bei einem (abwesenden) Freund, der an einem Gebirgszug wohnt, sind die wilden Balearenziegen eingedrungen und haben Verwüstungen angerichtet. In den meisten Gärten wird nicht gegossen, denn sie haben keine Sprinkleranlagen, die Pracht vertrocknet. Das ist zwar gut für den Wasserstand, aber katastrophal für die Blumen. Keiner dreht mehr die schwarzen Leitungen mit den roten Nippeln auf, die Feuchtigkeit bis in die hintersten Ecken transportierten und jede Pflanze nässten. Sie verstopfen, versiegen und werden angenagt, weil keiner sie mehr überwacht. Das gilt übrigens auch für Wohnungen mit Balkon. Ich könnte jetzt noch seitenweise weiter schildern, wie Blühendes verdorrt … – auch das ein Opfer des Corona-Virus

Mein Corona-Tagebuch: Rundbrief!

ZU DEN HOBBYS DER CORONA-QUARANTÄNER gehört auch, sich gegenseitig zu unterhalten. Etwa durch das Weiter- schicken von skur- rilen, empörten, nützlichen und heiteren Nachrich- ten. So erreichte mich gestern dieser weise Spruch, den ich herzhaft unterschreibe, der im Rahmen eines Whatsapp-Kettenbriefes über die Insel geschickt wurde. Wo die Freunde das Material immer herbekommen, ist mir schleierhaft, aber besonders fitte, denke ich, fabrizieren es selbst – und so vermute ich hinter diesem Spruch meinen rastlos denkenden Freund Klaus in Artá. Fazit: Hiermit verlängere ich die Kette durch meinen Blog, damit die Narren nicht weiter so einen Virus-Blödsinn verzapfen …