Autor: Axel Thorer

Bier vom Fass – und von der Decke!

EINE HERRLICHE KNEIPE, dieses „Can Moix“ – gesprochen: „Motsch“ – in Felanitx (c/. Guillem Timoner, 1). Eine Jugendstil-Bar* der alten Art, mit den Original-Glastüren von 1910, dem antik gefliesten Boden, großartigen Gemälden, Theken-Schnickschnack aus vier Generationen – und an der Decke kleben zwei 800 Liter-Fässer mit frischem Bier der Marken „Estrella“ und „Rosa Blanca“, die jede Woche frisch aus dem Tankwagen aufgefüllt werden, und durch Gefälle (nicht durch künstlichen Druck) vor aller Augen mit den Zapfhähnen verbunden sind. Große Kuriosität, die es in Palma vier Mal gibt, aber außerhalb nur im „Can Moix“. Man kann hier auch essen (die Tapas sind berühmt), und wer mal erleben will, wie echte Mallorkiner aussehen, der erlebt sie hier.

* Freunde meines Blogs werden sich erinnern, dass ich das „Can Moix“ schon einmal erwähnt habe – wegen seiner sensationellen Modernismo-Spieltische! Sie stehen immer noch da und mein Versuch, einen zu kaufen, ist kläglich gescheitert …

Vor Pfauen warne ich dringend …

KAUFEN SIE BLOSS KEINE FÜR IHREN GARTEN! Die machen alles kaputt, weil sie besonders gern und konsequent Blüten fressen. Sie kreischen entsetzlich zu den erstaunlichsten Tageszeiten, kacken ungewöhnlich viel an den falschen Stellen, werden in den seltensten Fällen zutraulich und treu sind sie auch nicht unbedingt. Ich hatte mal die reizende Idee, meinen Eltern für ihre Finca ein Pfauen-Pärchen zu kaufen, aber es kam gar nicht gut an: Nach nur einer Woche suchten sie händeringend einen Abnehmer. Bei mir landete gestern ein Weibchen im Garten. Als selbst ernannten Geschenk! Wir haben es sofort zu Dritt vertrieben, ehe es Unheil anrichten konnte. Klar, stolzieren Pfaue herum und die Männchen schlagen ihr herrliches Rad, fühlt man sich wie Harun al-Raschid in seinem 1001 Nacht-Liebeshain, aber die Realität sieht anders aus!

Weiß jemand, wo ich ein Kanonenrohr bekomme?

Sowas suche ich …

ICH SUCHE DRINGEND EINS, aber auch ein Paar, egal wie der Zustand ist, antik muss es sein, jedenfalls älter als 120 Jahre, keines dieser modernen Stahldinger aus den beiden Weltkriegen. Ohne Lafette und ruhig verrostet und beschädigt. Ich hatte einen Adeligen, der mir zwei Kanonenrohre aus dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) verkaufen wollte, aber er sprang in letzter Sekunde ab (sein Vater war dagegen). Ich bin überzeugt: Es müssen Hunderte herumliegen auf Mallorca, die Privatbesitz sind und völlig nutzlos, nicht mal dekorativ, nur Altmetall. Aber ich suche bisher vergeblich und bin für jeden Tipp dankbar. Was ich damit vorhabe? Das kann ich noch nicht sagen …

 

 

 

Mallorca besitzt acht Winde aus acht Richtungen …

JEDER HAT SIE SCHON GESPÜRT, jeder Hauch hat seine Eigenarten, und kurios ist, dass diese Winde ziemlich genau einer Himmelsrichtung zugeordnet werden können: Tramuntana (Nord), Gregal (Nordost), Lllevant (Ost), Xaloc (Südost), Migjorn (Süd), Liebeig (Südwest), Potent (West) und Mistral (Nordwest). Die einzelnen zu erläutern, würde an dieser Stelle zu weit führen (das kann man googeln), aber sich mal die Windrose der lauen und kühlen, freundlichen und bösartigen Lüfte anzuschauen, hilft bei der Identifizierung der nächsten Böe. Übrigens: Die Darstellung, die ich hier zeige, gibt es und en Ceramicas auch als hübsche bunte Kacheln …

So tanzten die Steinschleuderer in den Krieg …

ICH HABE MICH SCHON IMMER GEFRAGT, wie das ausgesehen hat, wenn die Artillerie der Vor-Schießpulver-Zeit in die Schlachten zog: die legendären Steinschleuderer aus Mallorca, begehrte Kampfsöldner des Altertums. Ein Künstler namens Gabriel Mestre Oliver (*1949 in Portocolom) hat das jetzt dargestellt, in einer Art steinzeitlichem Comic, ähnlich der uralten Malerei in den spanischen und französischen Höhlen und an den Felswänden Afrikas. Elegant in den Bewegungen, faszinierend wie klassisches Ballett –  und ich hätte gerne das Original, aber das besitzt längst ein Sammler, da musste Mestre Oliver passen, als ich anfragte …

Es gibt alles, nur eins nicht …

… KOKOSPALMEN! Sie Überleben das Klima einfach nicht, die benötigen die Tropen und Kokosnüsse müssen deshalb importiert werden. Nicht so sehr die Nüsse, aber das Kokoswasser, dieser flüssige Heilsbringer der Esoterischen. Wahr ist: Hat einer viel Blut verloren und ist kein Ersatz greifbar, kann man den Verlust mit diesem Fruchtwasser auffüllen – es ist die einzige antiseptische Flüssigkeit in der Natur! Was ich aber eigentlich sagen will: Selbst Kiwi-Plantagen haben sie auf der Insel angelegt und sie ziehen Ananas, aber Kokospalmen – das klappt nicht. Die Palmen an sich kann man sich in den Garten stellen, die gibt’s zu kaufen, aber sie tragen keine Nüsse. Da hat schon manch ein „Quadratschädel“ auf ein Wunder gehofft …

„Bitte nur gut situiert“ – aber mit Leidenschaft!

WAS FÜR EINE VERRÄTERISCHE ANZEIGE – und so dreist! Da sucht eine „hübsche schlanke Blondine“ per Anzeige einen „liebevollen Partner 60 bis 73 Jahre“. Sie verspricht „leidenschaftliche Liebe“ und „feste Partnerschaft ist erwünscht“. Klingt gut, aber dann entdeckt man den Pferdefuß, oder sogar zwei: Die Blondine wünscht ausdrücklich „Bitte nur gut situierte Partner“! Frage: Was hat das mit „leidenschaftlicher Liebe“ und „fester Partnerschaft“ zu tun? „Blondine“ scheint ihr auch wichtig zu sein. Und wieso darf der Wunschkandidat nicht 59 oder 74 Jahre alt sein? Der Verdacht: Einsame Goldgräbern auf der Suche nach … – nun ja? Wieder mal eine auf der Insel, die sich öffentlich zur Habgier bekennt. Sie hat eine Email-Adresse mit .de angegeben, aber ich publiziere sie nicht, weil ich mich als älterer Herr nicht zum Handlanger solcher Jägerinnen des einsamen Schatzes machen möchte. Aber man findet die Annonce unter KONTAKTE in den aktuellen Malle-Blättern …

Es tut sich was – bravo!

So sieht das Haus nach der Räumung (wieder) aus …

ZUGEGEBEN: DAS HAUS, ein ehemaliges Restaurant, STEHT SEIT JAHREN LEER. Solide gebaut, aber ausgeraubt bis auf die Fensterrahmen. Hübsch anzusehen immer noch, aber ohne Wasser & Elektrizität. Plötzlich fiel ein Clan aus Palma ein, mit etwa 20 Personen,  4 Autos (!), dem kompletten Hausstand und etwas Kleinvieh. Richtete sich häuslich ein, reparierte den Brunnen, kochte am offenen Feuer im Garten, bedrohte die Vorbeifahrenden, wenn sie starrten oder gar fotografierten, und versetzte die Nachbarschaft in Angst & Schrecken. Nicht dass die Herrschaften irgendwo eingebrochen wären oder jemanden ausgeraubt hätten, das nicht; aber die bloße Präsenz erschien vielen als Bedrohung – übrigens auch den Mallorkinern! Nun ist Polizei angerückt, dazu ein LKW und ein Bagger. Die einen haben das Haus geräumt, die anderen den Garten. Ziemlich brutal lief das ab, der Clan bekam 60 Minuten, um seine Habseligkeiten zu packen. Zurück ins Getto bei Palma. Im Viertel (an der Ostküste bei Cala Murada) ist wieder Ruhe. Dennoch bleibt ein zwiespältiges Gefühl: Das Haus gehört einer Anwältin in Manacor und die ließ es zur Ruine verkommen. Dass jemand das leer stehende, aber eigentlich luxuriöse Gebäude besetzt, ist illegal, aber nicht wirklich verwerflich. Ich gebe der Anwältin eine dicke Mitschuld, und dass Polizei mit Bagger anrückt, klappt in solchen Fällen wohl auch nur, wenn man alteingesessener Jurist aus nobler Insel-Familie ist, aber immerhin – es ist ein Präzedenzfall, den auch Andere nutzen können … 

Die Spitzmäuse dringen vor!

Kein Problem auf der Hand …
… denn so winzig sind sie

ES SIND PUTZIGE GESELLEN, kaum größer als eine große Kakerlake, mit grauem, samt- weichen Fell und einem geröteten Schnäuzchen: Spitzmäuse. Nützlich sind sie, weil sie das lästige Insektenzeug jagen, und im Haus fühlen sie sich – Gottseidank – nicht wohl. Warum sie, wie jetzt die Gärtner berichten, verstärkt auftreten, ist bisher ungeklärt, ich hatte eine in meinem Geräte- schuppen (siehe Foto neben einem Fläschchen), bei den Nach- barn huschten sie durchs Gebüsch. Man kann die Spitzmäuse in die Hand nehmen, was ich bei einer Ratte nicht wagen würde, und nun könnte man sie a) willkommen heißen als Komplizen gegen die Asseln und Hundertfüßler, und b) begrüßen als Bereicherung der Insel-Fauna. Dennoch bleibt die etwas beunruhigende, weil ungeklärte Frage: Wo kommen diese Tierchen so plötzlich her, und was mag da noch so alles folgen?

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …