Ämter

So fährt man ohne TÜV/itv …

... MIT EINEM BLATT PAPIER, gedruckt aus dem Internet und versehen mit einem dieser listigen Codes! Es ist nämlich so, dass in diesem Moment Tausende auf der Insel herumfahren und seit 1 bis 1 1/2 Jahren keine Auto-Inspektion machen lassen konnten. Erst ging’s wg. Corona gar nicht, nun sind die Prüfer derart überlastet, dass ich, als ich am 26. Juni in Manacor einen Termin haben wollte, frühestens einen am 31. August bekam – das sind satte 9 Wochen! Und was mache ich, wenn mich die Polizei stoppt? Da sagte der hilfreiche TÜV-Caballero: „Jetzt haben Sie ja einen Termin von uns bekommen, nun füllen Sie das Formular von unserer Website aus, drucken es, legen es ins Handschuhfach – und zeigen es vor, wenn Sie kontrolliert werden!“ Sehr nett, gracias, und so geschah es. Damit sichtbar ist, wie so ein Beleg aussieht, zeige ich ihn hier– und dass mir ja keiner meinen Code klaut, denn das geschieht auch dauernd, wie ich höre …

Es war einmal ein Mörder …

Messerer 2009 vor Gericht …
… und da sitzt er jetzt

ER HEISST RUDOLF MESSERER und hat in Cala Murada seine Lebens- gefährtin erschossen. Das war 2006 und 2009 wurde er dafür in Palma zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einiger Zeit verlegte man ihn ins Zuchthaus Straubing (Bayern), da erkrankte er so schwer, dass er auf den Rollstuhl angewiesen ist, aber obwohl er mittlerweile 87 Jahre alt ist und die Strafe fast abgesessen hat, begnadigt man ihn nicht, weil er keinerlei Reue zeigt – im Gegenteil: aggressiv ist und Drohungen ausstößt! Ich wollte ihn besuchen aus reiner Menschlichkeit, denn ich kenne ihn, weil meine Großmutter auch mal in Cala Murada gewohnt hat, und das auch noch in Messerers (nicht sehr angenehmer) Nachbarschaft; aber das hat mir eine Oberregierungsrätin verboten, und zwar mit der dämlichsten Begründung, die Beamten heutzutage einfällt: Das ginge aus „Datenschutzgründen“ nicht! Dabei wollte ich dem uralten Mann, der nicht mehr lange zu leben hat, eine letzte Freude bereiten, ihm was mitbringen von der Insel, die er so geliebt hat (vielleicht Oliven, Sobrassada oder einen Wein), und ihm erzählen von seinem ehemaligen Haus (dem Tatort) und den beiden schönen Autos, die immer noch in der Garage stehen und ihm gehören. Aber nein, selbst in einem christlich-sozial regierten Land wird mein humanitäres Ansinnen mit dieser fadenscheinigen Begründung blockiert … – Inzwischen weiß ich aus anderer Quelle mehr: Messerer ist seit März 2019 nicht mehr in Haft, wurde in einem Sanatorium im Landkreis Rosenheim (Bayern) untergebracht und bezieht 550 Euro Rente!

Diskriminierung? Wie, bitte …?

 

Ortsschild von Marratxi, das an die Bergpredigt erinnert …

EIN MERKWÜRDIGER FALL: In der Urbanisation Son Negre (Marratxi) stand seit etwa 1998 ein Haus, das ohne Baugenehmigung errichtet worden war. Anfang Mai ließ es die Gemeinde, nach einer gerichtlichen Anordnung, abreißen – unter Geleitschutz einer, wie es heißt, auffällig großen Polizeitruppe. Nun hat sich der Anwalt der Bewohnerin gemeldet: Er will/wird die Gemeinde wegen „Diskriminierung“ verklagen! Warum? Weil das beseitigte Haus einer Roma-Familie gehörte – und weil der Aufmarsch der Polizeitruppe ja so ausgesehen habe, als müsste die Abrissfirma vor wütenden Anwohnern geschützt werden. Was eine böse Unterstellung sei und ein Imageschaden. Ist er das? Oder liegt die „Diskriminierung“ darin, dass schon der Abriss rassistisch interpretiert werden könnte? Die Autoritäten haben es, ein ich mir’s recht überlege, im Jahr 2021 nicht leicht und die Welt würde ein ganzes Stück lebenswerter sein, wenn man die anonymen Social Media dauerhaft abschalten würde …

Es gibt seltsame Bestimmungen …

… BEI DENEN MAN NICHT WEISS: Liegt’s an Deutschland, an Spanien, an der Balearenregierung oder an den Herrschaften auf Mallorca? Also an Berlin, Madrid oder Palma? Man stößt oft nur zufällig auf diese unerklärli- chen, unsinnigen und auch lästigen Paragraphen und einer, der unsere Landsleute auf der Insel betriff, lautet so: Es ist nicht erlaubt, gleichzeitig in Deutschland und auf Mallorca beim Einwohnermeldeamt verzeich- net zu sein! Warum denn das nicht, wenn man zwei Wohnsitze hat? Und wem oder was schadet es, wenn Ottokar Kruxmeyr in Eltville und Pollenca in den Akten zu finden ist? Es ist doch eher nützlich, vor allem für das Finanz- und Bundeskriminalamt … – aber so, wie’s jetzt ist, erlaubt es trüben Gestalten das Abtauchen in die Anonymität! Und noch eins: Es vergeht kein Monat, indem ich (und andere) nicht um Hilfe bei der Auffindung verschollener Angehöriger gebeten werde, die auf der Insel nicht auffindbar sind, weil sie nirgendwo registriert wurden. Der Gedanke, der dahinter steht, lässt sich erahnen: Es kann nicht sein, dass es einen Menschen zweimal gibt, das würde die Statistiken verfälschen. Nun, so gibt es ihn eben einmal in echt und einmal als Geistererscheinung …

Das Archiv des Grauens …

„Das Archiv des Königreichs Mallorca“

… ES HEISST „ARXIU DEL REGNE DE MALLORCA“ und liegt in Palma. „Grauenvoll“ deshalb, weil es die Polizeiberichte der Franco-Ära enthält (neben den Folianten der weniger belasteten, jahrhundertealten  Geschichte), und das heißt: Man muss auch noch dankbar sein, dass es sie gibt. Denn wenn Nachfahren, Historiker, Schriftsteller und Journalisten etwas wissen möch- ten über das Schicksal der in den 30er-Jahren nach Mallorca geflohenen Juden, oder der Emigranten ganz allgemein, der ist zu oft mangels anderer Quellen auf diese einseitigen, kaum je fairen Protokolle derjenigen angewiesen, die ihre schlimmsten Feinde waren! Das ist, als würden man Gestapo- oder Stasi-Akten lesen – für den, der gute Nerven besitzt, interessant, aber sehr selten auf das Leid der Geflohenen eingehend, vom Mitleid ganz zu schweigen. Das Arxiu ist, so ungern man das sagt, ist der beste Fundus dieses faschisti- schen Unrechts auf der Insel …

Korruption? Das ist Notwehr …

… AUF MALLORCA, SO WIE ICH ES SEHE! Es gibt nur noch ca. 300 000 echte Angehörige dieses Volksstammes – und jedes Jahr werden es weniger. Sie werden umzingelt von Festlandsspaniern und Ausländern. Sehr selten (eigentlich nie!) trifft ein deutscher Tourist einen Original-Insulaner, die Residenten wenigstens ab und zu (wenn sie in bäuerlichen Gegenden wohnen). Die einzige Macht, die diese Minderheit noch hat, ist etwas zu genehmigen oder zu verbieten. In den Behörden, die sie besetzen aus Tradition, Erbfolge und Heimatrecht. Und da Millionen-Projekte über ihre Tische gehen, wäre es ja unmenschlich, sich nicht zu bedienen: Sie wollen etwas von mir, das nur ich Ihnen verschaffen kann, also stimmen Sie mich freundlich. Dass das illegal ist – klar! Wenn’s auffliegt, droht Gefängnis. Auch klar. Und werden sie verurteilt, marschieren selbst gottgleiche Insel-Gestalten in den Knast (da sitzen einige). Aber Korruption passiert doch am ehesten, wenn Mallorkiner überredet werden sollen, Eindringlingen ein Stück ihrer Insel zu opfern, also von sich selbst. Ich habe tiefstes Verständnis dafür, wenn sie dafür einen Preis verlangen. Als Eintrittskarte in ihre Welt. Aus Überlebenswillen, Minderheitenangst und Habgier. Ungerecht daran ist allerdings, dass ein Armer nicht bestechen kann, dass Wohlhabende sich Vorteile verschaffen. Aber was für Genehmigungen zu lohnenswert teuren Projekten benötigen arme Ausländer auf Mallorca? Kaum welche. Und wenn sich Mallorkiner untereinander bestechen, geht uns das nichts an, finde ich. Solange daraus nicht etwas folgt, das allgemeinen Schaden anrichtet. Wissen Sie, wieviel 300 000 sind? Weniger als die Hälfte der Bremer …

Die Wahrheit über Ekel-Restaurants …

So berichtete die „Mallorca Zeitung“ …

DIE SACHE IST NÄMLICH DIE, DASS DER SKANDAL EINEN DOPPELTEN BODEN HAT, und die Geschichte geht so: 1. kommt ein Inspekteur des Gesundheits- ministeriums der Balearen und prüft. Leider gibt es für alle Inseln nur knapp 25 dieser Kontrolleure – viel zu wenig. 2. Die 25 stellen Mängel fest, verwarnen die Wirte oder schließen die Restaurants. 3. Da müsste nun ein Schild rausgehängt werden, dass das Ministerium die Gaststätte wegen gruseliger Zustände dicht gemacht hat, aber so ein Schild sieht man äußerst selten, stattdes- sen heißt es: „Wegen Renovierung geschlossen“ oder „Urlaub bis zum …“. Das ist illegal! Die Tatsachen: Wer sich anschaut, was 2019 geschah, dem wird fast übel. Denn 3564 Lokale wurden bewertet, 522 hatten entsetz- liche Mängel, 1663 klare Mängel. Das heißt: In 61,2 % dieser Restaurants war die Gesundheit der Gäste hygi- enisch bedroht und 83 (davon 44 allein auf Ibiza) mussten die Inspekteure sofort – von einer Minute auf die andere – schließen und saftige Geldstrafen verhängen. Und was sind die Kriterien der akuten Bedrohung? 1. Extremer Schmutz, 2. Fehlen einer Spülmaschine, 3. Kein heißes Wasser, 4. Wimmelnde Kakerla- ken, 5. Deutlicher Rattenbefall. Im Klartext heißt das also: 2019 war es gefährlich, rund zwei Drittel der Lokale zu betreten, geschweige denn, dort zu essen! Mein Fazit: Auf einigen Speisekarten steht ab sofort auch das große Schaudern mit Soße …

Wenn man hinter die Kulissen guckt …

So hoch kann die Strafe sein für eine Fuhre Kies …

… WIRD EINEM MANCHMAL GANZ SCHLECHT! Zum Beispiel, was einem die Mallorkiner erlauben, und was nicht, wovon was abhängt, und was für Strafen sie aussprechen können. Da darf einer, der ein Grundstück von 14 206 qm besitzt, nicht mal Kies aufschütten in seiner Auffahrt oder rund um den Pool, und manche Gemeinden erhöhen jetzt die Mindest-Quadratmeterzahl, bei der Veränderungen – selbst kosmetischer Art – erlaubt sind, auf 21 000 qm! Sich ein niedliches kleines Gartenhäuschen für Geräte, Liegen und Matten hinstellen? Das kann teuer werden! Die Idee dahinter ist an sich nicht schlecht: Man will vermeiden, dass Mini-Grundstücke vollgestellt oder zugebaut werden. Der Ästhetik und Infrastruktur wegen. Aber inzwischen wird die gute Absicht als Knebel benützt, um dem Fiskus zusätzliche Einnahmen zu verschaffen, und ein bisschen auch, um Macht zu demonstrieren. Denn bis zu 100 000 Euro kann ein Verstoß kosten, als Minimum gelten 20 000 Euro. Nicht verhandelbar, zumindest nicht als Ausländer ohne beste Beziehungen. Ich weiß, wovon ich rede, Nachbarn ist das gerade passiert. Da ist es gut, einen cleveren, möglichst einheimischen Anwalt in der Hinterhand zu haben …

MI MUSEU: Die Militär-Regierung lässt grüßen …

Wappen der militärischen Regierung …

… MIT IHREM WAPPEN AUF EINEM HOLZBRETTCHEN! Das vergisst man meist: Dass es neben der zivilen auch eine militärische Verwaltung auf Mallorca gibt, den „Gobierno Militar de Mallorca“. Seit Franco ist das so. Und wie sich das Oberkommando darstellt, sieht man auf dem Schild: Mit Adler, Krone und einer eigenen Heraldik über dem stolzen Schriftband. Das ist aufwendig in Metall gearbeitet, 25 x 18 cm groß und 1,5 cm dick. Ich fand dieses militärische Objekt beim spanischen Ebay, es kostete 10 Euro und da habe ich es gekauft. Jetzt hängt es über meinem Schreibtisch und ich ernte dafür erstaunte Blicke von mallorkinischen Freunden und Handwerkern …

 

 

 

 

Kunstschaffende in die Politik? Immer gut …

Das ist sein Wahlplakat …

ER HEISST XISCO DUARTE und ist, nach Miquel Barcelo, der zweite internationale Künstler aus Felanitx. Duarte ist gelernter Bildhauer, hat sich vor allem einen Namen gemacht durch seine Ausgestaltung der Kathedrale von Albi (Frankreich) und nun kandidiert er für die PSIB-PSOE als Bürgermeister seiner Heimatstadt. Ich begrüße das, so wie ich alle Poeten, Maler und Bildhauer in politischen Ämtern begrüße, da sie eine erweiterte Sichtweise in das Regieren bringen. Dass sie zumeist ein bisschen links orientiert sind, so wie Duarte, ist auch kein Makel in aktueller Zeit. Übrigens: Er hat genügend Bodenhaftung, denn sein Vater wird von vielen geschätzt als Leiter der Baustoffhandlung Mas Guait an der Straße zwischen Portocolom und dem Golfplatz Vall d’Or … 

P. S.: In diesem Zusammenhang verweise ich auf meinen früheren Post „Aufpassen auf Xisco Duarte!“