Allgemein

Kim Who?

HAB’S JA IMMER SCHON GEAHNT (und geschrie- ben): Wenn ein Künstler Zuhause nicht mal mehr ein Hinterstübchen bekommt für einen Auftritt, muss er nur nach Malle fliegen – da rollen sie ihm den Roten Teppich aus. Deshalb musste ich grinsen, als ich die Schlagzeile (siehe Foto) las: Da kommt also eine britische Pop-Oma, 60, die 1981 (vor 39 Jahren) den letzten Platz 1-Hit als Solosängerin hatte, und an die sich deshalb nur noch greise Musikalienfans erinnern (wenn überhaupt), 2022 (!) – in 1 Jahr (wenn nicht wieder was dazwischen kommt) – und das wird jetzt schon gefeiert … – rührend ist das! Kim Wilde, von Beruf Landschaftsgärtnerin, einst große Nummer, die aber anderswo keine 10 Tickets mehr verkaufen würde. Es sei ihr gegönnt, nur wundere ich mich, wie anspruchslos das Insel-Publikum selbst in Zeiten von Social Media ist …

Ein Oldtimer als Denkmal …

… ODER HINGU- CKER FÜR EIN AGRO- TURISME! Ich habe das ehe- malige Auto, es heißt, es sei ein Citroen aus den 40er-Jahren, hoch aufgebockt auf einer Mauer über der gekachelten Reklametafel der Touristenbleibe an der Ma-4014 zwischen Portocolom und Portocristo entdeckt. Ein total ausgeschlachtetes, ästhetisch einheitlich verrostetes Wrack, dessen Fabrikat nur noch für Spezialisten erkennbar ist. Sammlern blutet sicher das Herz, dass man den Oldtimer nicht früher besser erhalten bzw. restauriert hat, aber in dem aktuellen Zustand ist er unrettbar verloren für jede Garage/Kollektion – da hat die schlaue Mallorkinerin, der das Agroturisme-Hotelchen gehört, völlig richtig entschieden: Rauf auf den Wall, alle Blicke auf die Werbung ziehen und aus Schrott Gold machen (es wenigstens versuchen). Witzig, finde ich …

Das Schlupfloch: Golfklubs …

Die Terrasse des Restaurants „Maxime“ im Golfklub Vall d’Or bei Portocolom

… DENN ES IST NÄMLICH SO, ODER ICH SEH‘ ES SO: Die Golfklubs betreiben Restaurants, sind aber private Klubs. Die sind, weil Golfer gemeinhin anspruchsvoll speisen möchten, von guter Gourmet-Qualität. Außerdem wurden sie meist nobel eingerichtet, verfügen über Terrassen mit prachtvollem Weitblickund brauchen sich keinen Deibel um irgendwelche staatlichen Vorschriften kümmern. Eigentlich … – aber weil die Betreiber klug sind, tun sie’s doch irgendwie, jedoch in lockerer Form. Das heißt: Sie halten kaum Sperrstunden ein, man bekommt immer einen coolen oder heißen Drink und was Anständiges zwischen die Zähne. Die Folge, nach meiner Erkenntnis: In den Golfklubrestaurants sitzen im Moment mindestens so viele Nichtgolfer wie Golfer! Weil die Hungrigen & Dürstenden der Umgegend einfallen (was ja nicht verboten ist, man muss sich nur trauen), da sie die gastfreundliche Lücke erkannt haben. Ich finde, der Tipp ist gut …  

Schnell mal weggepinselt, gracias …

DIE WANDMALEREI WAR VON ANFANG AN EINE ZUMUTUNG – die Ur-Nullingers in ihrer traurigen „Fanteria“ in Cala Millor. Nun sind die neuen Pächter auch nicht gerade was Zählbares, aber immerhin haben sie die Nullingers überstrichen. Gracias, dann sind die schon mal weg, er sowie ganz und sie wenigstens an der Wand. Dazu schrieb mir ein Bekannter, der zu den fünf prominentesten Malle-Deutschen zählt: Hoffentlich haben sie gut grundiert und die Farbe hält lange! Ja, wäre wünschenswert. Und jetzt müsste man nur noch die störende Witwe heimschicken samt ihren Blagen …

Immer wieder entdeckt man was …

Eine typische Tanzszene …

… SELBST AN ÜBERRASCHENDSTEN ORTEN! Denn der Montagsmarkt in Manacor ist nun wirklich nicht bekannt für Schatzfunde; aber als ich vor – Ewigkeiten? – dort war, durch die Billigschrott-Buden wanderte, meine senegalesischen Freunde ein bisschen nach ihren versteckten, weil verbotenen Lange & Söhne-Kopien fragte – da entdeckte ich doch tatsächlich einen Trödelstand und diese Fliese! 40 x 20 cm groß, leider in der Mitte gebrochen und geklebt (aber sei’s drum), sonst in gutem Zustand, mit einer schwungvollen Tanzszene und signiert: (JOSEP) COLL BARDOLET! Einer der großen Maler Mallorcas, 1912 bis 2007, mit einem eigenen Museum in Valldemossa und auf dem internationalen Kunstmarkt hochpreisig – das heißt: fünfstellig – vertreten. Und dann liegt auf einem Grabbeltisch in Manacor diese großartige Fliese herum, von Bardolet geschaffen für eine PR-Aktion – unfassbar! Der Einstiegspreis, von der jungen hübschen Händlerin verlangt, lag bei 90 Euro. Trotz Bruchnaht. Ich begann zu handeln. „Ja, gäbe es den Bruch nicht, würde ich 200 Euro verlangen!“, sagte sie. Beide Preise sind ein Schnäppchen. Ich handelte dennoch weiter. Denn wieviele dieser Fliesen mag es wohl geben? Die Händlerin behauptete natürlich, es sei ein Original, also das echte Gemälde, ein Unikum. Aber das ist Nonsense, ich strich über die Fliese und merkte: Die Farben wurden gebrannt, die Fliese vervielfältigt. Was macht man mit so etwas – in der Badezimmerwand einbauen, in die Terrasse einlassen, rahmen und hinter Glas präsentieren? Ich überleg’s mir seitdem …

Die Klauberger sind am Werk …

… UND ICH GENEHMIGE MIR JETZT MAL EINEN TRITT IN DEN ALLERWERTESTEN. Denn mich ärgert, wenn Bücher auf den Markt geworfen werden, in denen die Autoren nichts weiter tun, als die bekannten Reiseführer zu flöhen und dann behaupten, sie würden „Unbekannte Ziele“, „Was man gesehen haben muss“ oder „Geheimes Mallorca“ präsentieren. Dabei versteigt sich einer sogar auf 111 Tipps und als ich sie las, pfefferte ich das Buch an die Wand, so doof waren die meisten! Ich bekenne: Ich selbst habe ein Buch über „Best of Mallorca – 66 Highlights“ geschrieben, aber ich schwöre, dass ich mich bemüht habe, nur Empfehlungen zu geben, die entweder in keinem Reiseführer stehen, total überraschend sind, aus Gesprächen mit Eingeborenen hervorgingen oder versteckt in Romanen vorkommen. Und ich bin mir sicher, mein Buch ist bereits vom nächsten Klau-Autor (vielleicht „250 neu entdeckte Ziele“?) total gefilzt worden. Dabei sind diese Zahlenspiel-Werke mit 20 bis 30 Euro nicht mal billig und ich rate dringend zur Sparsamkeit: Was da drin steht, findet man in jedem anständigen Reiseführer, den man sowieso braucht …

Verzeihung, gnädige Frau …

... ABER IHRE KLAGE IST GEGEN DIE GUTEN SITTEN! Sie (eine gewisse Katja Th.) beschweren sich darüber (in einem ellenlangen Leserbrief), 1. dass Jäger in Ihrem Wohngebiet laut knallen mit ihren Flinten, und 2. Ihren geliebten Kater erschossen haben, mit dem Sie, schreiben Sie, das Bett teilten. Diesen Tiermord finde ich auch furchtbar, und der Typ, der das getan hat, gehört vor Gericht! Aber eins muss ich Ihnen leider sagen: Sie können sich nicht in der Fremde ansiedeln („Ich bin vor vielen Jahren nach Mallorca aufs Land gezogen …“) und dann den Einheimischen vorschreiben, wie sie sich zu benehmen haben! Das ist zwar typisch deutsch (andere marschieren in der ersten Reihe der Demonstranten gegen Stierkampf, Autobahnen und Zersiedelung). Auch wenn wir mit Ihnen um Ihren Kater trauern – die Mallorkiner gehen seit der Erfindung des Schießpulvers auf die Jagd, also seit rund 800 Jahren, die wird strengstens kontrolliert, und wenn Sie sich beschweren, dabei würden „kleine Vögel“ erlegt, so ist das Unsinn: Ich versichere Ihnen, dass von einem Finken oder einer Drossel nichts übrig wäre, würden sie von einer Schrotladung oder Kugel getroffen. Die Jäger gehen zu 90 % auf Turteltauben (wofür ich sogar dankbar bin) und Rothühner, vergleichbar unseren Rebhühnern. Also hören wir „Quadratschädel“ auf, uns wie Deutsche in den ehemaligen Kolonien aufzuführen! Der Kauf einer Immobilie gibt uns noch lange nicht das Recht, uns auch im Ausland wie Sittenwächter aufzuspielen. Wir sind und bleiben GÄSTE und so sollten wir uns auch benehmen, und ich gehe sogar so weit, dass ich meine, Sie sollten als Ausländerin wegziehen statt die mallorkinischen Jäger zu vertreiben zu wollen, denn Sie sind ja in deren Revier eingedrungen …

Ganz toll, Senora Macarena …

Mutig: Macarena de Castro

DIE STERNEKÖCHIN AUS PORT D’ALCUDIA hatte zwar ihr Lokal im Norden nach der Winterpause 2019/20 nicht wieder eröffnet (wozu auch, wenn die Klientel fehlt …), aber da sie „Herdweh“ plagte, machte sie im Sommer das „Andana“ in Palma auf (am Bahnhof der Placa d’Espanya) – und es gab nicht wenige, die sie bemitleideten und ihr den finanziellen Ruin voraussagten. Und was ist passiert? Das Restaurant floriert, Macarena de Castro kann gar nicht soviel kochen, wie gegessen wird, und dankbare Kunden loben sie auch hier in den höchsten Tönen: „Kein teurer Sternenhype, sondern ehrliche, bodenständige Küche mit saisonalen Produkten und dem speziellen Macarena-Touch.“ Es geht also was trotz Corona, wenn man’s richtig anpackt! Schauen Sie doch mal rein: www.andanapalma.es.

Wer ist dieser Canizales?

Die Weine auf einer Anzeige im „Mallorca Magazin“

ER HAT DIE ETIKETTEN DER NEUEN MACIA BATLE-WEINE GESTALTET, aber er ist ein eher rätselhafter Mann: Kein Vorname, kein Geburts- datum, man weiß aber, dass er Comic-Zeichner ist, in Cali (Kolumbien) geboren wurde und studiert hat, und dass er in Palma lebt – vorwiegend als Illustrator. Seine Etiketten der 2020er Negro, Blanc und Rosat („Maceracio Carbonico“) von Batle werden sicher Sammler- stücke werden, denn sie sind ungewöhnlich, mysteriös und wirken wie Stills aus Comic-Filmen. Entdeckung: Ich fand ein Buch auf Deutsch von Canizales, es kostet 16 Euro, heißt „Hübsch!“, ist eine Hexengeschichte und bei Thalia erschienen …

Das große Rätselraten …

… BEGINNT JETZT, AM JAHRESTAG DER SEUCHE! Es gibt Villen und Fincas, wie ich höre, in denen die Besitzer wg. Corona seit einem Jahr nicht mehr waren. Die auch sonst keiner betreten hat. In denen zwar der Strom weiter läuft (für den die Rechnungen der Endesa eintreffen), die Gärtner das Rundhe- rum versorgen (und mit der Bezahlung vertröstet werden aufs Wiedersehen), aber keine Beschließerin das Innere kontrolliert. Scheinbar alles in Ordnung, aber ist das auch so? Oder haben die Ratten einen Zugang gefunden, die Spinnen die dunklen Ecken übernommen, die Cucarachas die Küche? Haben die Tauben den Patio und die Terrassen vollgeschissen und schwimmt totes Getier im Pool, auch wenn der abgedeckt ist? Sind Mauern feucht geworden, weil keiner lüftet? Sehen die Fenster aus wie Kellerluken in der City? Liebe Handwerker und sonstigen Helfer, freut Euch auf eine Boomzeit, wenn Corona ein Schrecken der Vergangenheit sein wird, dann müsst Ihr ran an die erwach- ten Immobilien!