Ausflugsziele

Ich war im Siphon-Paradies …

Zwei „Haus“-Flaschen …
… und die Ausstellung …
… der anderen Flaschen rundherum auf Regalen

ES IST DIE WEINHAND- LUNG „CAN RAMIS“ IN FELANITX. 1919 gegründet als Sprudel-Fabrikation, immer in der gleichen Familie und jetzt einer der wenigen Orte, wo man sich Wein vom Fass abfüllen kann. Im Verkaufsraum haben die Ramis Hunderte von Siphon-Flaschen gesammelt und hübsch ausgestellt. Mit graviertem Glas, Plastik- und Metall-Mäntelchen, mehreren Arten von Verschlüssen und in erstaunlich vielen Farben. Dazu die antiken Plakate und andere Werbeartikel. Das ist ein kleines Museum in der calle Convent, 39-41, in dem es (inzwischen) auch Weine, Wermut, andere Schnäpse und viele Kaffeesorten (auch Nespresso-Kapseln) gibt. Und in den letzten Wochen hat ein Künstler die Familiengeschichte an die Fassade gepinselt, mit dem Gründer als überlebensgroßem jungen Mann! Fazit: Ein Besuch lohnt immer, und wer nur die Siphon-Flaschen betrachten möchte, ist auch herzlich willkommen …

Psst, es gibt da einen Strand …!

Der Strand in himmlischer Einsamkeit …
… und ganz rechts oben, das ist die Calo des Marmols

EIGENTLICH VERRATE ICH IHN JA UNGERN, nachdem ich schon mit haltloser Berichterstattung die damals nur Eingeweihten bekannte Cala Varques ruiniert habe. Aber mit diesem Post möchte ich die dauernde Fragerei stoppen: „Weißt Du nicht einen Strand, an dem wir völlig unter uns sind?“ Ja, weiß ich – die Calo des Marmols! Sie liegt an der Südostküste, 5,5 km vom Cap de des Salines (Parkplatz und Ausgangspunkt) entfernt nach Norden in Richtung Es Lombards (2 Stunden anstrengender Fußmarsch), ist nur 40 m breit, der Sand ist weiß und fein mit einigem Kies, die Bucht ein Fjord mit türkisgrünem, kristallklarem Wasser, dessen Tiefe sanft abfällt. Es gibt da nichts – außer der Natur, man muss also Alles mitbringen. Und: Der Weg vom Cap ist schattenlos, verläuft auf mühsam-felsigen Grund und hinunter in die Bucht besteht veritable Absturzgefahr (Hände benützen!). Einmal unten, ist jede Mühsal vergessen, dann stören nur Boatpeople, unter den sich dieses kleine Paradies leider herumgesprochen hat, sonst trifft man höchstens ein paar Insider aus der Umgebung. Lage für GPS-Fähige: 39°17’20“ N – 3°05’24“ E. Übrigens: In kaum einem gedruckten Strandführer findet man meinen Tipp, im Internet ist er allerdings ganz gut vertreten …

Gucken im Port von Portocolom!

Ein moderner Wikinger hat an der Mole festgemacht …

DA LIEGT* DER NORWEGISCHE ZWEIMASTER „TOFTEVAAG“, 1910 gebaut auf der Insel Halsnöy im Hardanger Fjord. Eigentlich diente er dem Fischfang und war ein Frachter, 1989 wurde er restauriert und so (unsichtbar) umgebaut, dass es fortan für wissenschaftliche Expeditionen geeignet war. Ein sehenswertes Schiff mit einem freundlichen Wikinger an Bord, und wer noch nie einen über 100 Jahre alten Windjammer gesehen hat, kann hier an der Portocolom-Mole ganz nah rantreten – und vielleicht sogar an Bord gehen. In jedem Fall ein Ausflug mit einem lohenden Ziel für große und kleine Seebären, die sich eine romantische Ader erhalten haben …

* Es ist unklar, wie lange die „Toftevaag“ im Hafen bleibt, sicher noch ein paar Tage, wenn nicht Wochen. Dann fährt sie auf Expedition rund um Cabrera

Rosen I: Es geht los in Yannicks Garten!

So sieht der Rosengarten aus

MAI IST DER ROSENMONAT, und den schönste Rosengarten der Insel hat die Künstlerin Yannick Vu auf ihrer Museums-Halbinsel Sa Bassa Blanca (bei Port d’Alcudia) angelegt. Mit über 100 Sorten, darunter einige antike, die anderswo ausgestorben sind, und mit vielen berühmten englischen Züchtungen. Die Blütezeit beginnt gerade (ich schreibe das am 2. Mai), aber ein Besuch lohnt sich schon. Und wer sich auch für Kunst & Kultur interessiert, der wird auf diesem prachtvollen Besitz zusätzlich bedient. Wie kommt man hin? Rund um Alcudia und Port d’Alcudia den (viel zu kleinen) magenta-farbenen Schildern in Richtung MUSEU folgen. P. S.: Ich weiß nicht genau, wann Rosen verblüht sind, also nehmen Sie diesen Post auch als Hinweis für den Mai 2019 …

Rettet die Cala Varques!

Die Bucht auf einer wundervollen Luftaufnahme von Piers Haskard

DAS MUSS AUSGERECHNET ICH SAGEN, der ihre Schönheit in jedem Blatt verbreitet hat, das mich um Mallorca-Tipps bat. Ich bin schuld, dass diese Südsee-Bucht zwischen Cales de Mallorca und Portocristo aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen wurde und heute überfüllt ist wie ein toter Vogel von Ameisen. Nun haben sie den Unschuldigsten der Besetzer, den Chiringuito-Mann zu 100 000 Euro Strafe verurteilt wg. illegaler Tätigkeit in der Cala Varques. Ein unbegreiflicher Unsinn, denn der hat nichts weiter getan, als unter einem Sonnenschirm und hinter einer Naturstein-Theke Getränke zu verkaufen. Ein Wohltäter, denn er hat auch noch dafür gesorgt, dass möglichst wenige Lagerfeuer angezündet werden und die Schmutzfinken ihren Müll mitnehmen. Gegen die Dutzenden von Campern, die halbe Slums in die Bucht bauen, ist niemand vorgegangen – und gegen die peinlichen Exhibitionisten, die sich „FKK-ler“ zu nennen belieben, auch nicht. Und was ist mit dem Typen, der kreischend und mit einer Fahne winkend, und natürlich satt abkassierend, ein Parkplatz-Business aufgezogen hat an der Straße nach Portocristo? Der kommt wohl auch noch dran. Ich bin immer und zu 100 % für Eigeninitiative, bewundere den Parkplatzwächter und den Chiringuito-Mann für ihre Energie, besonders wenn sie damit dem Allgemeinwohl dienen. Das sind die Juan Marchs der Gegenwart. Und so einem armen Teufel, der nichts erkennbar Kriminelles getan hat, eine Strafe von 100 000 Euro aufzubrummen, macht mich fassungslos …

Fahrer kommt bei Anruf!

Fahren mit Chauffeuse …

IDEE GUT, ABER KANN MAN IHR VERTRAUEN? Ich fand diese Anzeige in den deutschen Blättern, versteckt unter „DIES & DAS“. Für Residenten, die sich nicht im eigenen Auto über die Insel trauen, oder keins haben, oder zu träge sind, oder sich nicht allein in eine Klinik trauen – aber ein paar Euro erübrigen können. Die haben jetzt die Chance, mal raus zu kommen oder was erledigen zu lassen. Unter folgender Bedingung: „Minimum halber Tag gegen Pauschale.“ Ich hab‘ angerufen, wollte den genauen Preis wissen, es ist eine nett klingende Chauffeuse namens Birgit, die ihre Basis in Palma hat, und sie verlangt für 4 Stunden 220 Eurofür maximal drei Personen in ihrem Mercedes der A-Klasse … 

Was für eine reizende Anzeige!

SIE STAMMT VON DER SOLLER-EISENBAHN, zeigt ein hübsches, zur Grafik umgestaltetes Foto (der „Rote Blitz“ auf einer Überführung) und den wirklich höflichen Text auf Deutsch: „Steig‘ ein und lass‘ Dich mitnehmen!“ Gerne, liebe Freunde, wenn man so nett gebeten wird – und an dieser ganzseitigen Annonce in den Wochenzeitungen sollten sich ungefähr 50 andere Unternehmen, die auf deutsche (und andere)  Touristen und Residenten angewiesen sind, dringend ein Beispiel nehmen!

 

 

 

 

 

 

4 Minuten Wagner für 2 Euro …

Der Sant Salvador von oben …
… das schlichte Kästchen …
… und die versteckte Erklärung

IN DER WALL- FAHRTS- KIRCHE AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX hängt ein unschein- bares Kästchen, das man für eine elektrische Installation halten kann und an dem deshalb 99,9 % der Besucher vorbeigehen. Dabei ist es ein Zauberkästchen, allerdings ohne Hinweis – nahezu geheim: Wer 2 Euro-Münzen einwirft, erlebt ein optisches und akustisches Schauspiel. Lichtspiele flammen auf im Kirchenschiff und rund um den Hochaltar und donnernd ertönt 4 Minuten lang der Pilgerchor aus Richard Wagners „Tannhäuser“. Das ist toll und mit 2 Euro nicht überbezahlt. Die Besucher sind begeistert, wenn einer das spendiert und ich rate jedem, es auch zu tun. – Ob’s so etwas auch in anderen Kirchen auf Mallorca gibt?

Schon mal gesehen, wie die Ur-Mallorkiner wohnten?

Die Archäologen stellen sich das vor nach dem, was sie ausgebuddelt haben …

ICH MEINE JENE, DIE UM MINDESTENS 1200 VOR CHRISTUS LEBTEN. Die unchristlichen Ureinwohner, die das Steinschleudern zur Kriegskunst gestalteten und in den Steinbauten ihrer Talayots und Navetas hausten. Es war ein hartes Leben, ohne Rad, aber mit Feuer. Mit Ackerbau und Viehzucht, und allmählich entwickelten sie Komfort: Ihre Bauten wurden einstöckig, sie gruben Brunnen, die ersten schlichten Möbel wurden entwickelt – und das alles kann man mit ein bisschen Phantasie in Closos C’an Gaya besichtigen, einer fast vergessenen, viele 1000 Jahre alten Siedlung am Ortsausgang von Portocolom in Richtung Golfklub Vall d’Or, direkt rechts an der Straße. Hier wird dauernd gebuddelt von Archäologen und sie haben veranlasst, dass auf Tafeln ausführliche Texte mit Illustrationen auch auf Deutsch zu finden sind.

Hier wird’s richtig eng …

Der Carrer ist rechts unten 

ER HEISST CARRER DE CRIANCA, liegt nicht weit von der Kathedrale und ist eine Gasse in Palmas Altstadt, zwischen der Sol und der Monti-Sion, die so eng ist, dass sie sich aus den Etagen einen Teller Paella von Haus zu Haus rüberreichen können. Geht man durch den Carrer, kommt man sich vor wie in einem Tunnel mit Licht am Ende und der Himmel blickt nur einen Spalt breit herein (auch weil sich die Häuser oben gegeneinander neigen), deshalb herrscht hier immer eine gewisse Dämmerung. Ich habe bemerkt, dass die Fensterläden an einigen Gebäuden nicht aufgeklappt werden können, sondern an der Hauswand entlang verschoben werden müssen – im Parterre würden sie sonst zur Straßensperre werden! Da muss vor einigen Jahrhunderten wenig Platz gewesen sein, zumal damals ein breiter Lauf- und Fahrweg als unanständiger Luxus galt. Es ist ein lustiger kleiner Ausflug, wenn man sowieso in der Gegend ist, und ich rate dazu …