Bücher

Die Damen an die Tatorte …

Carners Leichen …
… und Jensens Leichen

WIE KOMMT ES EIGENTLICH, das so gut wie jede Woche ein Mallorca-Krimi erscheint (oder 4 im Monat), und die Autoren fast immer Frauen gesetzten Alters sind? Verdacht: Mann weg, Kinder aus dem Haus, Langeweile auf der Finca und Krimis gehen leichter von der Hand als Lyrik oder normale Romane. Irgend so etwas muss es ja sein, und da sind die aktuellsten Damen, die Österreicherin Susan Carner aus Graz und die Deutsche Stina Jensen, keine Ausnahme. Mich interessiert das Phänomen, zumal die Schreiberinnen nicht mal alle auf der Insel wohnen, sondern sie nur von Ferien kennen. Aber im Gegensatz zu den Männern verfassen die meisten Frauen ihre Insel-Krimis so, dass sie auch Reisetipps und historische Informationen enthalten. Das scheint den Männern keinen so großen Spaß zu machen. Die weiblichen Morde lesen sich also folkloristischer – nützlicher. Über die neuen Bücher der Beiden kann ich nichts sagen, weil mich Krimis tödlich langweilen, und das Genre „Mallorca-Krimi“ noch mehr. Aber ich will wenigstens die Titel nennen: „Mallorquinischen Leiche zum Sa Rua“ von Susan Carner und „Serra de Tramuntana – Blutrot“ von Stina Jensen.

Ein tolles Buch – leider zu teuer!

ANTONIA & ALEXANDER FEIG haben den Deutschen Fotobuchpreis 2019/20 gewonnen, völlig zurecht! Ihr preisgekröntes Buch „Mallorca – Mar i Muntanya“ ist ein Meisterwerk, das jeder Insel-Liebhaber haben sollte und gerne hätte. 183 bestechende Hochglanzfotos auf 264 Seiten in einem Bildband, größer als die guten alten Telefonbücher. Nur – kaum einer hat das Werk, ich auch nicht (ich durfte nur mal reinkiebitzen). Weil es zu teuer ist: 98 Euro!!! Das gibt nicht mal ein Mallorca-Fanatiker (wie ich es bin) für so ein Buch aus, das keine antiquarische Kostbarkeit ist. Da wartet jeder Interessent, bis es 2020 oder 2023 „gebraucht“ billiger angeboten wird. Schade eigentlich …

Das beste Pflanzenbuch? Die Antwort …

DAS IST EINE DER AM HÄUFIG- STEN GESTELLTEN FRAGEN: Weißt Du ein gutes Buch über die Pflanzen auf Mallorca? Antwort: Jein. Denn es gibt ein paar, aber ich finde mich in keinem zurecht. Weil die Autoren zu sehr Experten sind, um zu begreifen, was wir Amateure wissen wollen. Ich finde fast nie eine Pflanze, über die ich mehr wissen möchte, weil ich nicht weiß, zu welcher botani- schen Familie sie gehört – aber so haben die Autoren sie geordnet! Ich muss mühsam nach den Abbil- dungen suchen, aber wahrscheinlich gibt es kein anderes Ordnungsprinzip, das funktioniert. Das beste Buch hat immer noch die Britin Dr. Elspeth Beckett 2009 verfasst: „Illustrated Flora of Majorca“. 224 Seiten, Text auf Englisch, wunderbare Zeichnungen – und äußerst seltsam vom Preis her: Es kostet zwischen 28.49 und 188 Euro (am billigsten auf Amazon). Dr. Beckett hat schon 1987 ein nützliches Werk veröffentlicht, „Wild Flowers of Majorca Minorca Ibiza“, das hat 160 Seiten und kostet etwa 60 Euro. Das ist meine Antwort auf die Frage …

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

Diese Cova besichtigen – ein Traum!

Zwei der Höhlenforscher mit ihrem Buch

VALLGORNERA HEISST SIE, liegt bei der Cala Pi (Gemeinde Llucmajor, aber wo genau, wird nicht verraten) und wurde erst 1968 entdeckt. Aber nur Experten von der Federacio der balearischen Höhlenforscher dürfen in sie einsteigen. Dort unten erwarten sie 65 km (!) Galerien, 10 km (!) Seen und Säle von unfassbarer Größe in unvergleichlicher Schönheit. Ein riesiges unterirdisches Reich, wohl das größte auf Mallorca, und eben haben drei Speleologen von der Insel einen megaformatigen Bildband über die Vallgornera veröffentlicht (siehe Foto oben rechts), und nun kommt ein dreifaches LEIDER – denn man kann es nur über die (falsch buchstabierte) Adresse  www.federaciobalearespeleologia.org bestellen, aber wer das anklickt, ist 1. hemmungslos verloren, 2. gibt es keinen Hinweis auf das Buch, und 3. habe ich kaum je eine derart besucherfeindliche Website gesehen. Schade, denn in dem Buch werden die Schätze in der Tiefe fabelhaft präsentiert. 

Dutzende unentdeckter Schriftsteller!

ES IST EIN JAMMER, WAS FÜR BÜCHER ÜBER MALLORCA ERSCHEINEN! Blanken Unsinn enthalten sie meist, mies geschrieben dazu – und man begreift nicht, wie die Verfasser einen Verlag finden konnten! Dem gegenüber stehen Dutzende von unterhaltsamen, spannenden, informativen und fundierten Manuskripten, die keinen Verlag finden. Geschrieben von überraschend guten Autoren, 90% Amateure – und veröffentlicht schließlich als Buch auf eigene Kosten im Selbstverlag. So hat es auch Eberhard Hickstein aus Port Alcudia gemacht, ein flotter Schreiber, wie er mit seinem Buch „Vom Labskaus zur Sobrassada“ beweist. 225 Seiten über das Leben auf Mallorca, mit wenig Gefühlsduselei, aber Dutzenden handfester und überraschender Tipps in Erzählform, die von profunder Kenntnis der Insel durch jahrzehntelanges eigenes Erleben zeugen.  „Vom Labskaus …“ hat sogar eine ISBN, so dass eine Bestellung möglich ist: 978-3-00-049130-6. Es kostet 9.41 Euro. Tipp: Es gibt das Buch auch in den Müller-Märkten (soweit vorrätig) …

Dieses Buch, bitte, nicht kaufen!

ES WIRD IM INTERNET für 2.20 BIS 18.63 EURO ANGEBOTEN, und zwar so verlockend, dass ich es – leider – bestellt habe: „Mallorca ohne Rückfahrkarte“ und „Träume und Zitronen“ von C.(laus) J.(Jürgen) Frank. Das Buch, angepriesen als „Zwei heitere Familienromane“, hat erst nach 195 von 512 Seiten überhaupt etwas mit Mallorca zu tun, und schlecht erzählt, quält es sich durch grausig belanglose Erlebnisse einer Drei-Generationen-Familie. Mir ist völlig unverständlich, wieso mehrere Verlage diese breit ausgewalzte Plattitüde anbieten und man rund 20 Ausgaben kaufen kann. Frank, ein 1930 gebürtiger Berliner, verweist auf eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller, aber mir haben die 2.20 Euro leid getan, die ich dafür ausgeben musste. Denn dafür hätte ich bei „Pedro“ einen erstklassigen Cortado bekommen, vielleicht sogar mit einem Croissant von gestern, und das wäre unterhaltsamer gewesen …

Mallorca aus Schweizer Sicht – lohnend!

                           So sieht der Bucheinband aus …

EIN BUCH-TIPP: „Mallorca pintat“ von Markus Gasser. 2012 hat er es veröffentlicht, 46 Zeichnungen auf 104 Seiten mit kurzen Texten, in denen er ziemlich erfolgreich versucht hat, Mallorca zu charakterisieren. Gasser ist Professor für Städtebau und Siedlungsentwicklung, hat an der Bergischen Universität und in Darmstadt gelehrt und ist im Moment an der Hochschule in Rapperswil. Ein scharfer Beobachter, erstklassiger Zeichner – und kauziger Autor in, man möcht’s kaum glauben, sechs Sprachen (darunter natürlich Deutsch). Ergebnis: Ein bezauberndes Buch, lohnend selbst für alte Insel-Hasen. Es kostet bei Amazon und eBay 15.90 Euro (manchmal versandfrei).

Ich hab‘ ein neues Buch gemacht!

So sieht der Titel aus …
… und so habe ich …
… einige der 30 Seiten …
… gestalten können

ES GEHT UM DIE WERBUNG, mit der deutsche Mallorca-Touristen zwischen 1902 und 1953 in Hotels, Restaurants, Geschäfte, Höhlen und zu Ausflugstouren gelockt werden sollten – und wurden! Es sind köstliche Stilblüten darunter, z. B. wenn Mallorca falsch eingedeutscht „Majorka“ geschrieben wird. Es gibt aber auch hochinteressante, nahezu politische Details, ganz zu schweigen von der feinen grafischen Gestaltung und der Frage, ob die Hotels und Shops von damals heute noch existieren (die meisten nicht) und was aus denen, die überlebt haben, geworden ist (da gibt es erstaunliche Funde). Mein selbstge- drucktes Buch hat 30 Seiten im Querformat, und wer es haben möchte, muss mich kontak- tieren. Aber ich vers- tehe, wenn’s keiner tut, denn ich möchte unglaubliche 50 Euro dafür haben, da mich die Produktion nicht recht viel weniger gekostet hat. Ich kann allerdings versichern, dass es so etwas kein zweites Mal gibt für Deutsche auf Deutsch.  Kontakt: axelthorer@yahoo.de

 

 

 

Nur auf Mallorquin – schade!

So sieht das Buch aus …

WELCHER DEUTSCHE SPRICHT SCHON SO GUT SPANISCH, dass er ein ganzes Buch lesen kann? Ich nicht. Deshalb ärgere ich mich. Weil ich „Crimenes y Criminales en la Isla de la Calma“ von Jeroni F. Fullana mir nicht so mühelos zu Gemüte führen, dass es mir Spaß macht. Darin erzählt der Autor alle bemerkenswerten Kapitalverbrechen zwischen 1884 und 1951. Eine spannende, unterhaltsame Lektüre von Mördern, Räubern, Erpressern – und Henkern. 2017 ist das Buch erschienen, und wie es so manchmal ist im mallorkinischen Verlagswesen, kommt es sauteuer: Es kostet um die 46 Euro! Dafür ist es jedoch reich illustriert, was einen Kauf auch für einen, der Spanisch nur radebrecht, lohnend macht.