Bücher

Endlich gibt’s dieses Buch …

Der deutsche Titel …
… und Bonet in Santanyi

… AUF DEUTSCH: Blai Bonets Roman „Das Meer“, im Jahre 2000 schon verfilmt von Agusti Villaronga, aber bisher vollständig und unver- fälscht nur in neun ande- ren Sprachen erschienen. Ein „mallorkinischer Zauberberg“, schrieb ein Feuilletonist, 25 Jahre nach Thomas Manns berühmten Roman er- schienen, aber ohne Sa- natorium, Luxus, Society und der persönlichen Freiheit wunschgerecht zu sterben, sondern als grausiger Nachklapp zum Spanischen Bürgerkrieg, spielend in einer entsetzlichen Nische der Franco-Zeit, einem Lungensanatorium mit Zwangspatienten auf Mallorca, einer Anstalt, die Bonet am eigenen Leib erlitten hat. Das ist keine Lektüre für den Strand, da warne ich, aber der großartige Schriftsteller aus Santanyi (1926-1997) hat mit diesem Buch (Originaltitel: „El Mar“) ein Meisterwerk verfasst, von einer Tiefe, die es erlaubt, die bloße Empörung über die Zustände damals historisch-literarisch zu begreifen – und auch ein bisschen mehr von diesem zauber- und rätselhaften Mallorca. Der deutsche Verleger, Frank Henseleit, hat es selbst übersetzt, auf 280 Seiten, und den Preis von 27.80 Euro festgelegt.

Caroline ist authentisch …

 

Caroline Fabian und ihr Kochbuch

... DESHALB KANN ICH IHR KOCHBUCH AUCH EMPFEHLEN (ohne einen Herd bedienen zu können)! Es heißt ganz schlicht, wenn auch ein bisschen anmaßend „Mallorca. Das Kochbuch“, ist im Verlag Darling-Kindersley erschienen und man bekommt es bei Ebay und Amazon ab etwa 22.50 Euro. Caroline heißt mit Familiennamen Fabian, und was ihre hübsch dargestellten Rezepte in meinen Augen glaubwürdiger macht und heraushebt aus der allmählich unüberschaubaren Fülle an (zum Teil blödsinnigen) Mallorca-Kochbüchern, sind zwei Umstände: 1. lebt sie voll auf der Insel, weiß also, wovon sie schreibt, und 2. arbeitet sie hier als Privatköchin (man kann sie also fürs traute Heim buchen), steht also voll in der täglichen Praxis samt der einheimischen Zutaten. Dass sie sich ein zweites Standbein als Autorin erarbeitet hat, ist ebenfalls hilfreich, so hat sie im Gegensatz zu vielen Kolleg*innen begriffen, worauf es den Lesern, die an ihren Herden werkeln, ankommt. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat sie über den grünen Klee gelobt und sogar ein Rezept abgedruckt (ein Sommersalat mit Feigen und Ziegenkäse), und ich gehe deshalb davon aus, dass der Autor Martin Rolff genauso überzeugt ist von Caroline Fabian wie ich …

Hier kreucht‘s und fleucht‘s …

… UND ENDLICH ER- FÄHRT MAN, UM WAS ES SICH HANDELT! Nicht im- mer um Erfreuliches, denn es ist schier unglaublich, was auf Mallorca so alles neben uns lebt – selten gesehen, weil so versteckt! Aber der eingeborene Insulaner Xavier Canyelles hat in sei- nem Buch „Insectes de les Illes Balears“ auf 221 Sei- ten alle verzeichnet, in Bild & Wort, und egal, ob es sich um grauenvolle oder wunderschöne Tierchen handelt. Das Buch braucht man, wenn man hier lebt (oder sich längere Zeit aufhält), denn wenn man sich fürchtet, möchte man wenigstens wissen, vor wem, und die Beauty möchte man persönlich kennenlernen. Rund 17 Euro kostet das Buch bei Ebay oder Amazon, und obschon es auf Mallorquin verfasst ist, gibt es einen Trick, alles zu begreifen: über die lateinischen Namen der Tierchen, die man im Internet auf Deutsch entschlüsseln kann …

Das Buch wird immer nützlicher …

ES HEISST „CALLEJERO“ (y planos de la Ciudad), hat 480 Seiten und praktisches Taschenformat („Palma en la mano“), ist eine der erfolgreichsten Publikationen der Insel, erscheint bei Edicions Cort und ist das Straßenverzeichnis von Palma – samt gut gezeichneten, detaillierten Stadtplänen und Detail-Informationen. Warum man das haben muss, hat zwei Gründe: 1. Als Franco an die Macht kam (an 1939), hat man so gut wie jede zweite traditionelle Adresse umbenannt auf irgendeinen dämlichen faschistischen Namen. Dieser und die ehemalige Bezeichnung sind im „Callejero“ immer noch vermerkt. 2. Nun beginnen sie, die Franco-Namen (und was sonst noch so alles „gender-untauglich“ erscheint), abzuändern auf zeitgemäß gefälligere Namen – und das steigert die Verwirrung: Da kennt sich doch allmählich kein Schwein mehr aus! Aber in der neuesten Ausgabe dieses fabelhaften Büchleins ist auch dieses Wechselspiel aufgeführt – von der Plaça Reina Cristina über die Plaza Caudillo bis zur Plaça Rey Felipe! 

Das ist höchst interessant …

Paula Serra …
… und die Einladung zur Vernissage

… WAS ALLES IN DIESEM BUCH STEHT! Es ist das Statistische Jahrbuch der Balearen, herausgegeben vom Wirtschaftsmagazin „El Econo- mico“, dessen Herausgeberin Paula Serra es auf dem Foto präsentiert. Was für eine Fülle feinster Informationen! Richtig was zum Schmökern, Begreifen und Nützen! Offiziell heißt es „Anuario 2020“ und ist auf Mal- lorquin verfasst, aber bei all den Zahlen stört das nicht (und ich finde, das lässt eh leichter lesen als Spanisch). Ich nenne mal 3 Beispiele: 1 Die Corona-Pandemie hat 844 Tote gekostet. 2 Im vergangenen Jahr kamen 3 072 521 Touristen auf die Insel, mehr als 80 % weniger als 2019, da waren es 16,5 Millionen. 3 Nur 42 Kreuzfahrtschiffe legten in Palma an, und das nur in den Monaten Januar bis März, später nicht ein einziges. Also 521 Schiffe weniger als 2019! Und so geht das viele, viele Seiten weiter – man kann gar nicht aufhören mit Lesen …

Der Greis ist heiß …

Fachliteratur …

… SAG‘ ICH EINFACH MAL SO! Denn als ich las, wie einer seiner Alters-Einsamkeit entkommen möchte, da dachte ich mir: Jetzt ist der Mann „Ende 70“ (schreibt er) und hat den Damen nur zwei Dinge zu bieten: „Rüstig“ ist er (behauptet er) und „super Rente“ bezieht er (behauptet er auch). Und dafür möchte er eine „Junggebliebene“ von sich überzeugen. Die wird, vermute ich, nicht so sehr auf das „rüstig“ fliegen (das stört eher), dafür mit Turbo auf „super Rente“ (das ist unwiderstehlich). Das ahnt der Rentner natürlich und hat sich deshalb in der Annonce nicht gescheut, zum fetten Köder seinen Vor- und Familiennamen anzugeben (nun ja, wenn sie denn stimmen!). Ich staune  immer wieder, wenn ich solche „Kontaktanzeigen“ entdecke, weil ich mir nicht vorstellen kann, das eine gemeinsame Zukunft unter diesen minimalen Voraussetzungen eine Zukunft hat – nicht mal auf Mallorca, wo die seltsamsten Existenzen überleben und sich auch noch auf Jahrmarkt-Sendern gegen Geld präsentieren lassen. Vielleicht sollten die heißen Greise erst einmal in der Fachliteratur stöbern, ehe sie sich ins Schaufenster stellen, z. B. in dem Cartoon-Band „Vorsicht, Senioren!“ von Mario Lars

Warum nicht mal ein englischer Malle-Krimi?

„DER HOTELINSPEKTOR AUF MALLORCA“ heißt er und verfasst hat ihn der britische Schriftsteller, Kritiker und Literaturprofessor Henry Sutton. Der Originaltitel ist witziger, wenn auch verklausuliert – „Sunny Graves“ (Sonnige Gräber), was natürlich auch eine Anspielung an seinen Landsmann ist, den Schriftsteller Robert Graves, der ja bekanntlich in Deia gelebt hatte. Der Plot: Ein Experte, der für einen internationalen Konzern unterwegs ist, um die Qualitätsstandards von Fünfsterne-Hotels zu überprüfen, entdeckt auf der Insel zufällig einige seltsame Dinge, wundert sich, wird neugierig (obwohl ihn das nichts angeht) und entwickelt sich zum kriminalistischen Schnüffler, was ziemlich lebensbedrohlich für ihn wird. Das ist unterhaltsam (Sutton kennt sich aus auf Mallorca), spannend und mal was ganz anderes als die sich ewig wiederholenden Geschichten um gescheiterte Aussteiger, abgetauchte Großbetrüger und tragisch endende Liebesaffären. Das Buch (auf Deutsch und Englisch) findet man unter 9783311702214, es hat 286 Seiten und kostet 16.90 Euro, ist aber als Kindle-Ausgabe zum Lesen auf dem Schirmchen rund 4 Euro billiger.

Warten auf Band 2 – aber …

… DER KLUGE KURT BLANK IST LEIDER KRANK! Der Autor des Werkes, das eine Lücke in der Mallorca-Literatur schloss: „Die Geschichte Mallorcas und sein Christentum“ (im Eigenverlag, 25 Euro, erhältlich auf Deutsch und Mallorquin). Dann machte er, der Unternehmer, Informatiker, Historiker und Bewohner von Cala Murada, sich mit nahezu 80 Jahren daran, einen 2. Band zu schreiben, die Fortsetzung ab 715 n. Chr. War fast fertig, da zwang ihn die Krankheit zum Aufhören, und es war nicht das Virus, der ihn befiel, sondern eine scheußliche OP-Folge. Jetzt hat sich seine ebenso kluge Frau Birgitta, die schon immer auch seine Assistentin war, an das Manuskript gesetzt und ich habe meine Hilfe als Lektor angeboten, weil ich möchte, dass dieses Buch erscheint, das so spannend, informativ und wichtig ist wie Band 1 – ich kenne Auszüge und bin begeistert. Herr Blank, alles Gute, vielleicht sogar schnelle Rekonvaleszenz, wir brauchen Sie dringend …

Sollte man im Regal haben …

… DEN „IMMOBILIENRATGEBER SPANIEN“ von Lutz Minkner – auch wenn man seine passende Immobilie längst hat, also nichts sucht und zu arm für eine neue Finca ist. Denn es kann immer mal Streit mit Nachbarn geben, man wird doch ständig um Rat gefragt und weiß kaum eine Antwort, außerdem stehen da einige erstaunli- che Sachen drin (die sich spannend lesen!) und – man weiß ja nie! Zumal der Untertitel „Alles über Recht und Steuern“ andeutet, dass da mehr drin steht als nur die übliche Warnung vor Fallstricken. Der Ratgeber ist darüber hinaus so nützlich, da Minkner 1 Rechtsanwalt ist und 2 seit Jahren sehr erfolgreich mit Immobilien handelt. Diese Kombi ist selten bei einem solchen Buch. Gerade ist die 4. Auflage erschienen und kostet 29.95 Euro.

Nicht vergessen – Jackie’s Buch!

Das Buch …
… und seine Autorin

DENN ES IST GROSSAR- TIG, und es stört mich, dass es kaum ein Nachruf erwähnt: „Insiders and Outsiders – Paradise and Reality in Mallorca“. Die wunderschöne, wunderklu- ge Jacqueline Waldren hat es nach über einem halben Jahrhundert auf der Insel geschrieben, die Geschichte von Deia als Paradebeispiel für die Überfremdung durch Tourismus, für die Schwie- rigkeiten bei der Integrati- on und über die Abwehr- mechanismen und die Hilflosigkeit der Mallorkiner gegenüber der Invasion. Ein so großartiges Buch (leider nur auf Englisch), dass man dafür fast die gesamte übrige Literatur zum Thema ungelesen ins Regal stellen kann. Was für eine Frau! 1937 in Los Angeles geboren, seit 1959 auf Mallorca, Ehefrau, Assistentin und Witwe des Malers und Paläontologen William Waldren, Bewahrerin seines Erbes samt Museum, Grand Dame von Deia, Schriftstellerin und Ende Mai mit 84 Jahren in Palma gestorben. Aber unsterblich durch dieses Buch, das ich nur jedem, den an der Insel mehr interessiert als nur Sonne & Strand, dringend empfehlen muss …