Bücher

Das ist höchst interessant …

Paula Serra …
… und die Einladung zur Vernissage

… WAS ALLES IN DIESEM BUCH STEHT! Es ist das Statistische Jahrbuch der Balearen, herausgegeben vom Wirtschaftsmagazin „El Econo- mico“, dessen Herausgeberin Paula Serra es auf dem Foto präsentiert. Was für eine Fülle feinster Informationen! Richtig was zum Schmökern, Begreifen und Nützen! Offiziell heißt es „Anuario 2020“ und ist auf Mal- lorquin verfasst, aber bei all den Zahlen stört das nicht (und ich finde, das lässt eh leichter lesen als Spanisch). Ich nenne mal 3 Beispiele: 1 Die Corona-Pandemie hat 844 Tote gekostet. 2 Im vergangenen Jahr kamen 3 072 521 Touristen auf die Insel, mehr als 80 % weniger als 2019, da waren es 16,5 Millionen. 3 Nur 42 Kreuzfahrtschiffe legten in Palma an, und das nur in den Monaten Januar bis März, später nicht ein einziges. Also 521 Schiffe weniger als 2019! Und so geht das viele, viele Seiten weiter – man kann gar nicht aufhören mit Lesen …

Der Greis ist heiß …

Fachliteratur …

… SAG‘ ICH EINFACH MAL SO! Denn als ich las, wie einer seiner Alters-Einsamkeit entkommen möchte, da dachte ich mir: Jetzt ist der Mann „Ende 70“ (schreibt er) und hat den Damen nur zwei Dinge zu bieten: „Rüstig“ ist er (behauptet er) und „super Rente“ bezieht er (behauptet er auch). Und dafür möchte er eine „Junggebliebene“ von sich überzeugen. Die wird, vermute ich, nicht so sehr auf das „rüstig“ fliegen (das stört eher), dafür mit Turbo auf „super Rente“ (das ist unwiderstehlich). Das ahnt der Rentner natürlich und hat sich deshalb in der Annonce nicht gescheut, zum fetten Köder seinen Vor- und Familiennamen anzugeben (nun ja, wenn sie denn stimmen!). Ich staune  immer wieder, wenn ich solche „Kontaktanzeigen“ entdecke, weil ich mir nicht vorstellen kann, das eine gemeinsame Zukunft unter diesen minimalen Voraussetzungen eine Zukunft hat – nicht mal auf Mallorca, wo die seltsamsten Existenzen überleben und sich auch noch auf Jahrmarkt-Sendern gegen Geld präsentieren lassen. Vielleicht sollten die heißen Greise erst einmal in der Fachliteratur stöbern, ehe sie sich ins Schaufenster stellen, z. B. in dem Cartoon-Band „Vorsicht, Senioren!“ von Mario Lars

Warum nicht mal ein englischer Malle-Krimi?

„DER HOTELINSPEKTOR AUF MALLORCA“ heißt er und verfasst hat ihn der britische Schriftsteller, Kritiker und Literaturprofessor Henry Sutton. Der Originaltitel ist witziger, wenn auch verklausuliert – „Sunny Graves“ (Sonnige Gräber), was natürlich auch eine Anspielung an seinen Landsmann ist, den Schriftsteller Robert Graves, der ja bekanntlich in Deia gelebt hatte. Der Plot: Ein Experte, der für einen internationalen Konzern unterwegs ist, um die Qualitätsstandards von Fünfsterne-Hotels zu überprüfen, entdeckt auf der Insel zufällig einige seltsame Dinge, wundert sich, wird neugierig (obwohl ihn das nichts angeht) und entwickelt sich zum kriminalistischen Schnüffler, was ziemlich lebensbedrohlich für ihn wird. Das ist unterhaltsam (Sutton kennt sich aus auf Mallorca), spannend und mal was ganz anderes als die sich ewig wiederholenden Geschichten um gescheiterte Aussteiger, abgetauchte Großbetrüger und tragisch endende Liebesaffären. Das Buch (auf Deutsch und Englisch) findet man unter 9783311702214, es hat 286 Seiten und kostet 16.90 Euro, ist aber als Kindle-Ausgabe zum Lesen auf dem Schirmchen rund 4 Euro billiger.

Warten auf Band 2 – aber …

… DER KLUGE KURT BLANK IST LEIDER KRANK! Der Autor des Werkes, das eine Lücke in der Mallorca-Literatur schloss: „Die Geschichte Mallorcas und sein Christentum“ (im Eigenverlag, 25 Euro, erhältlich auf Deutsch und Mallorquin). Dann machte er, der Unternehmer, Informatiker, Historiker und Bewohner von Cala Murada, sich mit nahezu 80 Jahren daran, einen 2. Band zu schreiben, die Fortsetzung ab 715 n. Chr. War fast fertig, da zwang ihn die Krankheit zum Aufhören, und es war nicht das Virus, der ihn befiel, sondern eine scheußliche OP-Folge. Jetzt hat sich seine ebenso kluge Frau Birgitta, die schon immer auch seine Assistentin war, an das Manuskript gesetzt und ich habe meine Hilfe als Lektor angeboten, weil ich möchte, dass dieses Buch erscheint, das so spannend, informativ und wichtig ist wie Band 1 – ich kenne Auszüge und bin begeistert. Herr Blank, alles Gute, vielleicht sogar schnelle Rekonvaleszenz, wir brauchen Sie dringend …

Sollte man im Regal haben …

… DEN „IMMOBILIENRATGEBER SPANIEN“ von Lutz Minkner – auch wenn man seine passende Immobilie längst hat, also nichts sucht und zu arm für eine neue Finca ist. Denn es kann immer mal Streit mit Nachbarn geben, man wird doch ständig um Rat gefragt und weiß kaum eine Antwort, außerdem stehen da einige erstaunli- che Sachen drin (die sich spannend lesen!) und – man weiß ja nie! Zumal der Untertitel „Alles über Recht und Steuern“ andeutet, dass da mehr drin steht als nur die übliche Warnung vor Fallstricken. Der Ratgeber ist darüber hinaus so nützlich, da Minkner 1 Rechtsanwalt ist und 2 seit Jahren sehr erfolgreich mit Immobilien handelt. Diese Kombi ist selten bei einem solchen Buch. Gerade ist die 4. Auflage erschienen und kostet 29.95 Euro.

Nicht vergessen – Jackie’s Buch!

Das Buch …
… und seine Autorin

DENN ES IST GROSSAR- TIG, und es stört mich, dass es kaum ein Nachruf erwähnt: „Insiders and Outsiders – Paradise and Reality in Mallorca“. Die wunderschöne, wunderklu- ge Jacqueline Waldren hat es nach über einem halben Jahrhundert auf der Insel geschrieben, die Geschichte von Deia als Paradebeispiel für die Überfremdung durch Tourismus, für die Schwie- rigkeiten bei der Integrati- on und über die Abwehr- mechanismen und die Hilflosigkeit der Mallorkiner gegenüber der Invasion. Ein so großartiges Buch (leider nur auf Englisch), dass man dafür fast die gesamte übrige Literatur zum Thema ungelesen ins Regal stellen kann. Was für eine Frau! 1937 in Los Angeles geboren, seit 1959 auf Mallorca, Ehefrau, Assistentin und Witwe des Malers und Paläontologen William Waldren, Bewahrerin seines Erbes samt Museum, Grand Dame von Deia, Schriftstellerin und Ende Mai mit 84 Jahren in Palma gestorben. Aber unsterblich durch dieses Buch, das ich nur jedem, den an der Insel mehr interessiert als nur Sonne & Strand, dringend empfehlen muss …

Endlich mal ein Krimi, der was taugt!

Der gute Krimi …

ES IST JA SO, DASS JEDER, DER NICHTS ZU TUN HAT und eine Tastatur behämmern kann, heutzutage glaubt, einen Krimi schreiben zu müssen. Auf Mallorca tun das über 100 (!) Schreiberlinge, und längst winken die Verlage ab, wenn einer sein Manuskript anbietet. So streuen die Autoren ihre Werke elektronisch oder selbst bezahlt unters Volk. Da ist viel Mist dabei, aber ab und zu entdeckt man eine unerwartete Ausnahme: „Wer Buße tut“ einer gewissen Liliana Moreno etwa, hinter der sich die Insel-Zahnärztin Lilly Hess Antic verbirgt. Nun mag auch sie keine neue Ingrid Noll sein, aber ihre Story ist zündend: Tod durch einen vergifteten Büßergürtel! Und wer nicht weiß, was das ist, erinnere sich an den Film „Sakrileg“, da trägt der fanatische Killermönch Silas mit dem weißblonden Haar und den wasserblauen Augen so ein Ding um den Oberschenkel. Das Buch kostet 14.58 Euro (komischer Preis!) oder 7.99 Euro als Kindle-Ausgabe.

Die Klauberger sind am Werk …

… UND ICH GENEHMIGE MIR JETZT MAL EINEN TRITT IN DEN ALLERWERTESTEN. Denn mich ärgert, wenn Bücher auf den Markt geworfen werden, in denen die Autoren nichts weiter tun, als die bekannten Reiseführer zu flöhen und dann behaupten, sie würden „Unbekannte Ziele“, „Was man gesehen haben muss“ oder „Geheimes Mallorca“ präsentieren. Dabei versteigt sich einer sogar auf 111 Tipps und als ich sie las, pfefferte ich das Buch an die Wand, so doof waren die meisten! Ich bekenne: Ich selbst habe ein Buch über „Best of Mallorca – 66 Highlights“ geschrieben, aber ich schwöre, dass ich mich bemüht habe, nur Empfehlungen zu geben, die entweder in keinem Reiseführer stehen, total überraschend sind, aus Gesprächen mit Eingeborenen hervorgingen oder versteckt in Romanen vorkommen. Und ich bin mir sicher, mein Buch ist bereits vom nächsten Klau-Autor (vielleicht „250 neu entdeckte Ziele“?) total gefilzt worden. Dabei sind diese Zahlenspiel-Werke mit 20 bis 30 Euro nicht mal billig und ich rate dringend zur Sparsamkeit: Was da drin steht, findet man in jedem anständigen Reiseführer, den man sowieso braucht …

Da schreibt einer wie wild …

… ABER WENIG-STENS WOHNT ER AUF DER INSEL! Das ist bei kaum einem der Fall, der sich als „Mallorca-Experte“ aufspielt. Thomas Niederste-Werbeck, 55, hat ein Haus in Artá und wird vom Verlag als „Einrichter & Kreativdirektor“ vorgestellt, was auch immer das bedeuten mag. TNW, ich kürze den umständlichen Namen mal ab, veröffentlicht gerade ein Insel-Buch nach dem anderen, und das im noblen Callwey-Verlag und ich halte mich mal mit meiner Kritik zurück, weil dieser Autor sich offensichtlich um Seriosität bemüht (auch selten bei Kollegen) und ich mir noch nicht ganz klar bin über Sinn & Qualität seines Gedrucktem. Das übrigens mit 39.95 Euro stolz bepreist wird! Neu erschienen sind „Mallorca mit Stil“ und „Zu Gast auf Mallorca“ und noch kann ich beide Bücher empfehlen, auch wenn ich einen harten Kampf zwischen Kosten und Nutzwert erahne …

Wer ist dieser Canizales?

Die Weine auf einer Anzeige im „Mallorca Magazin“

ER HAT DIE ETIKETTEN DER NEUEN MACIA BATLE-WEINE GESTALTET, aber er ist ein eher rätselhafter Mann: Kein Vorname, kein Geburts- datum, man weiß aber, dass er Comic-Zeichner ist, in Cali (Kolumbien) geboren wurde und studiert hat, und dass er in Palma lebt – vorwiegend als Illustrator. Seine Etiketten der 2020er Negro, Blanc und Rosat („Maceracio Carbonico“) von Batle werden sicher Sammler- stücke werden, denn sie sind ungewöhnlich, mysteriös und wirken wie Stills aus Comic-Filmen. Entdeckung: Ich fand ein Buch auf Deutsch von Canizales, es kostet 16 Euro, heißt „Hübsch!“, ist eine Hexengeschichte und bei Thalia erschienen …