Bücher

Endlich mal ein Krimi, der was taugt!

Der gute Krimi …

ES IST JA SO, DASS JEDER, DER NICHTS ZU TUN HAT und eine Tastatur behämmern kann, heutzutage glaubt, einen Krimi schreiben zu müssen. Auf Mallorca tun das über 100 (!) Schreiberlinge, und längst winken die Verlage ab, wenn einer sein Manuskript anbietet. So streuen die Autoren ihre Werke elektronisch oder selbst bezahlt unters Volk. Da ist viel Mist dabei, aber ab und zu entdeckt man eine unerwartete Ausnehme: „Wer Buße tut“ einer gewissen Liliana Moreno etwa, hinter der sich die Insel-Zahnärztin Lilly Hess Antic verbirgt. Nun mg auch sie keine neue Ingrid Noll sein, aber ihre Story ist zündend: Tod durch einen vergifteten Büßergürtel! Und wer nicht weiß, was das ist, erinnere sich an den Film „Sakrileg“, da trägt der fanatische Killermönch Silas mit dem weißblonden Haar und den wasserblauen Augen so ein Ding um den Oberschenkel. Das Buch kostet 14.58 Euro (komischer Preis!) oder 7.99 Euro als Kindle-Ausgabe.

Die Klauberger sind am Werk …

… UND ICH GENEHMIGE MIR JETZT MAL EINEN TRITT IN DEN ALLERWERTESTEN. Denn mich ärgert, wenn Bücher auf den Markt geworfen werden, in denen die Autoren nichts weiter tun, als die bekannten Reiseführer zu flöhen und dann behaupten, sie würden „Unbekannte Ziele“, „Was man gesehen haben muss“ oder „Geheimes Mallorca“ präsentieren. Dabei versteigt sich einer sogar auf 111 Tipps und als ich sie las, pfefferte ich das Buch an die Wand, so doof waren die meisten! Ich bekenne: Ich selbst habe ein Buch über „Best of Mallorca – 66 Highlights“ geschrieben, aber ich schwöre, dass ich mich bemüht habe, nur Empfehlungen zu geben, die entweder in keinem Reiseführer stehen, total überraschend sind, aus Gesprächen mit Eingeborenen hervorgingen oder versteckt in Romanen vorkommen. Und ich bin mir sicher, mein Buch ist bereits vom nächsten Klau-Autor (vielleicht „250 neu entdeckte Ziele“?) total gefilzt worden. Dabei sind diese Zahlenspiel-Werke mit 20 bis 30 Euro nicht mal billig und ich rate dringend zur Sparsamkeit: Was da drin steht, findet man in jedem anständigen Reiseführer, den man sowieso braucht …

Da schreibt einer wie wild …

… ABER WENIG-STENS WOHNT ER AUF DER INSEL! Das ist bei kaum einem der Fall, der sich als „Mallorca-Experte“ aufspielt. Thomas Niederste-Werbeck, 55, hat ein Haus in Artá und wird vom Verlag als „Einrichter & Kreativdirektor“ vorgestellt, was auch immer das bedeuten mag. TNW, ich kürze den umständlichen Namen mal ab, veröffentlicht gerade ein Insel-Buch nach dem anderen, und das im noblen Callwey-Verlag und ich halte mich mal mit meiner Kritik zurück, weil dieser Autor sich offensichtlich um Seriosität bemüht (auch selten bei Kollegen) und ich mir noch nicht ganz klar bin über Sinn & Qualität seines Gedrucktem. Das übrigens mit 39.95 Euro stolz bepreist wird! Neu erschienen sind „Mallorca mit Stil“ und „Zu Gast auf Mallorca“ und noch kann ich beide Bücher empfehlen, auch wenn ich einen harten Kampf zwischen Kosten und Nutzwert erahne …

Wer ist dieser Canizales?

Die Weine auf einer Anzeige im „Mallorca Magazin“

ER HAT DIE ETIKETTEN DER NEUEN MACIA BATLE-WEINE GESTALTET, aber er ist ein eher rätselhafter Mann: Kein Vorname, kein Geburts- datum, man weiß aber, dass er Comic-Zeichner ist, in Cali (Kolumbien) geboren wurde und studiert hat, und dass er in Palma lebt – vorwiegend als Illustrator. Seine Etiketten der 2020er Negro, Blanc und Rosat („Maceracio Carbonico“) von Batle werden sicher Sammler- stücke werden, denn sie sind ungewöhnlich, mysteriös und wirken wie Stills aus Comic-Filmen. Entdeckung: Ich fand ein Buch auf Deutsch von Canizales, es kostet 16 Euro, heißt „Hübsch!“, ist eine Hexengeschichte und bei Thalia erschienen …

Mit „Karmen“ fliegen …

Gerade fliegt die nackte Karmen an der Kathedrale vorbei …
Guillem March

… DENN DER WUNDERBARE GUILLEM MARCH hat den 2. Band seines Comics veröffentlicht. Ich habe diesen 1979 geborenen Mallorkiner immer schon für einen der ganz Großen der internationalen Zeichenszene gehalten, und mit diesen Bänden über seine fliegende Nackt-Heldin hat er sich noch überboten. Das Fabelhafte an March (und seinem Verlag) ist, dass sein Werk erschwinglich ist, so kostet jeder „Karmen“-Band nur 7.49 Euro! Für einen Mallorca-Freund sind das die Lesebücher der Saison und in der Corona-Quarantäne die ideale Lektüre, um die Gedanken losgelöst fliegen zu lassen …

Das kann mir keiner erklären …

… UND ICH RECHNE AUCH DAS ZU MALLORCAS UNLÖSBA- REN RÄTSELN! Da erschien 2010 in einem Verlag in Palma der Comic „Mallorca 1229. Jaume el Conqueridor“ des berühmten Zeichners Garcia über die Rückeroberung der Insel von den Mau- ren – und belegt erneut, dass Palma der weltweite Top-Hotspot der Comic-Künstler ist. Und nun das: Neu wird das Buch interna- tional für 7.72 bis 32.82 Euro angeboten, gebraucht jedoch für 4.75 bis 349 Euro (+ Versandkosten von bis 19 Euro). Dasselbe Buch, gleicher Jahrgang, ähnlicher Zustand, keine limitierte Ausgabe, auch keine Widmung – und bis zu 73 Mal teurer! Niemand kann mir das erklären, außer mit dem Geisteszustand gewisser Antiquare. Wer sich dafür interessiert, trotzdem es in Mallorquin verfasst ist: Die ISBN-Nummer ist 9788421847268.

 

 

 

Ein Schatz, aber extrem teuer …

ICH HABE IHM BEIM SPANISCHEN EBAY ENTDECKT: Ein in rotes Leder gebundener Atlas aus dem Jahr 1787, mit 14 von einst 15 Seekarten zum Ausklappen (63 x 105 cm groß, nur die von Mahon fehlt, aber Mallorca ist gut vertreten). Ein Riesenbuch, geschaffen von einem gewissen Vicente Torino für König Karl III. in mehreren Kopien, damit der Monarch den noblen Band an Diplomaten und Granden verschenken konnte. Sein Wappen ziert, in Gold geprägt, den Einband und der anonyme Anbieter, der auf Mallorca lebt (mit Sicherheit ein Adeliger), protzt damit, „dass es der erste nautische Atlas der Küsten Spaniens war, der je gedruckt wurde.“ Dementsprechend der Preis: mindestens 14 000 Euro! Ist es nicht erstaunlich, was hinter den unüberwindbaren Mauern von Palmas Palästen noch so alles zu finden ist? 

Sehr geehrter Herr Prof. Schönherr …

SIE HABEN RECHT IN IHREM BUCH „MODERNES MALLORCA“ – Kreuzfahrtschiffe der Nazi-Flotte „Kraft durch Freude“ haben nie in Palma angelegt! Albert Vigolais Thelen hat sich geirrt oder Propaganda betrieben (so wie einige andere Emigranten auch). Sie haben zwar deutsche Schiffe gesehen, aber keins von „KdF“ mit strammen Parteigenossen an Bord. Denn ich habe die Fahrpläne und Routen der braunen Dampfer durchforstet, und da war klar: Sie liefen zwar Spanien an, sogar Barcelona, aber nicht Mallorca. Ich hatte den Zeitzeugen eher geglaubt als dem zeitgenössischen Historiker, das war ein Fehler. Aber mit einigen Thesen Ihres sündhaft teuren Buches bin ich weiterhin nicht einverstanden, habe es aber nicht selbst gelesen, sondern nur die Rezensionen und Ihre Interviews. Denn den Preis von 69 Euro halte ich für leserfeindlich …

Diät auf Mallorca? Eigentlich ein Jammer …

JA, ICH BIN ÜBERGEWICHTIG. JA, ICH ESSE ZUVIEL! UND GERN AUCH MAL DAS FALSCHE! Aber soll ich mich wirklich in meinem Schlaraffenland kasteien für die Gesundheit? Ich finde es geradezu pervers, hier auf Diät zu leben. Und nun entdecke ich, dass die allseits gefürchteten Körperfanatiker es jetzt auch noch wagen, Bücher zu schreiben mit dem Titel „Die Mallorca Diät. Abnehmen mit Urlaubsfeeling.“ Man findet es schon für 8.10 Euro, Normalpreis: 22.50 Euro. Nun ist es ja nicht so, dass ich bewusst unvernünftig speise, da sorgt schon meine Frau dafür, aber aus der den alten und bewährten Rezepten eine Diät-Speisung zu machen, geht mir zu weit. Reicht es nicht, dass ich schwimme, laufe und golfe? Mich handwerklich betätige, Olivenöl und das heimische Gemüse liebe. Zwei Autoren hat das Buch, einer mit Doktortitel, für 192 Seiten. Dennoch glaube ich einfach nicht, dass die von gesunder Insel-Küche mehr verstehen als die Mallorkiner am Herd …

Eine Art moderner Erzherzog …

… IST DER AUTOR UND SPRACHFORSCHER JAN LAMMERS! Ein Deutscher, Mitte 40, verheiratet mit einer Mallorkinerin und auf der Insel lebend, Kolumnist, Schriftsteller – und ich rate dringend dazu, alles aufmerksam zu lesen, worüber sein Name steht. Es ist „Mallorca-Manna“, was er schreibt: unterhaltsam und lehrreich, überraschend und gelehrt. Deswegen kam ich ja auf den Vergleich mit dem verehrten Erzherzog, der vor 130 Jahren etwas sehr Ähnliches bewirkt hat. Nun ist Lammers ein derart bescheidener Mann, dass er sicher errötet ob meines Kompliments (und mich höflichst zur Ordnung ruft), aber jeder, der sein Buch „Unser kleiner Felsen Mallorca“ genossen hat (gibt’s für ein paar Euro im Internet), wird mir Recht geben.