Bücher

Ein Schatz, aber extrem teuer …

ICH HABE IHM BEIM SPANISCHEN EBAY ENTDECKT: Ein in rotes Leder gebundener Atlas aus dem Jahr 1787, mit 14 von einst 15 Seekarten zum Ausklappen (63 x 105 cm groß, nur die von Mahon fehlt, aber Mallorca ist gut vertreten). Ein Riesenbuch, geschaffen von einem gewissen Vicente Torino für König Karl III. in mehreren Kopien, damit der Monarch den noblen Band an Diplomaten und Granden verschenken konnte. Sein Wappen ziert, in Gold geprägt, den Einband und der anonyme Anbieter, der auf Mallorca lebt (mit Sicherheit ein Adeliger), protzt damit, „dass es der erste nautische Atlas der Küsten Spaniens war, der je gedruckt wurde.“ Dementsprechend der Preis: mindestens 14 000 Euro! Ist es nicht erstaunlich, was hinter den unüberwindbaren Mauern von Palmas Palästen noch so alles zu finden ist? 

Sehr geehrter Herr Prof. Schönherr …

SIE HABEN RECHT IN IHREM BUCH „MODERNES MALLORCA“ – Kreuzfahrtschiffe der Nazi-Flotte „Kraft durch Freude“ haben nie in Palma angelegt! Albert Vigolais Thelen hat sich geirrt oder Propaganda betrieben (so wie einige andere Emigranten auch). Sie haben zwar deutsche Schiffe gesehen, aber keins von „KdF“ mit strammen Parteigenossen an Bord. Denn ich habe die Fahrpläne und Routen der braunen Dampfer durchforstet, und da war klar: Sie liefen zwar Spanien an, sogar Barcelona, aber nicht Mallorca. Ich hatte den Zeitzeugen eher geglaubt als dem zeitgenössischen Historiker, das war ein Fehler. Aber mit einigen Thesen Ihres sündhaft teuren Buches bin ich weiterhin nicht einverstanden, habe es aber nicht selbst gelesen, sondern nur die Rezensionen und Ihre Interviews. Denn den Preis von 69 Euro halte ich für leserfeindlich …

Diät auf Mallorca? Eigentlich ein Jammer …

JA, ICH BIN ÜBERGEWICHTIG. JA, ICH ESSE ZUVIEL! UND GERN AUCH MAL DAS FALSCHE! Aber soll ich mich wirklich in meinem Schlaraffenland kasteien für die Gesundheit? Ich finde es geradezu pervers, hier auf Diät zu leben. Und nun entdecke ich, dass die allseits gefürchteten Körperfanatiker es jetzt auch noch wagen, Bücher zu schreiben mit dem Titel „Die Mallorca Diät. Abnehmen mit Urlaubsfeeling.“ Man findet es schon für 8.10 Euro, Normalpreis: 22.50 Euro. Nun ist es ja nicht so, dass ich bewusst unvernünftig speise, da sorgt schon meine Frau dafür, aber aus der den alten und bewährten Rezepten eine Diät-Speisung zu machen, geht mir zu weit. Reicht es nicht, dass ich schwimme, laufe und golfe? Mich handwerklich betätige, Olivenöl und das heimische Gemüse liebe. Zwei Autoren hat das Buch, einer mit Doktortitel, für 192 Seiten. Dennoch glaube ich einfach nicht, dass die von gesunder Insel-Küche mehr verstehen als die Mallorkiner am Herd …

Eine Art moderner Erzherzog …

… IST DER AUTOR UND SPRACHFORSCHER JAN LAMMERS! Ein Deutscher, Mitte 40, verheiratet mit einer Mallorkinerin und auf der Insel lebend, Kolumnist, Schriftsteller – und ich rate dringend dazu, alles aufmerksam zu lesen, worüber sein Name steht. Es ist „Mallorca-Manna“, was er schreibt: unterhaltsam und lehrreich, überraschend und gelehrt. Deswegen kam ich ja auf den Vergleich mit dem verehrten Erzherzog, der vor 130 Jahren etwas sehr Ähnliches bewirkt hat. Nun ist Lammers ein derart bescheidener Mann, dass er sicher errötet ob meines Kompliments (und mich höflichst zur Ordnung ruft), aber jeder, der sein Buch „Unser kleiner Felsen Mallorca“ genossen hat (gibt’s für ein paar Euro im Internet), wird mir Recht geben.

Warnung! Fake-Book …

ES SIEHT SO NETT AUS, und der Untertitel „Reiselust-Geschichten“ klingt danach, dass man das Taschenbuch haben muss. Zumal es nicht mal 5 Euro kostet auf eBay. Aber „Mallorca, Mallorca“ ist ein Fake-Buch. Zwar findet man darin durchaus Geschichten, die auf der Insel spielen; aber um die Sammlung literarisch aufzumotzen, hat man sich der Verlag (Aufbau) zusätzlich und scheinbar billig bei Autoren bedient, die 1. nie in Mallorca waren, und 2. deren Texte absolut nichts damit zu tun haben! So findet sich neben anderen Unsinnigkeiten eine Stierkampf-Story von Ernest Hemingway darin. Das Kuriose ist, dass dieses Taschenbuch alle paar Jahre neu aufgelegt wird, stets mit neuem Cover, so dass man denkt, es sei nie vorher erschienen, und es wird unverändert gedruckt, obwohl ich dem Verlag den Betrug schon zweimal um die Ohren gehauen habe. Also Vorsicht bei „Mallorca, Mallorca“, das ich hier in der neuesten (aber eigentlich uralten) Ausgabe zeige …

Schöne alte Bücher: Etwas für Literaten …

ZUGEGEBEN: DAS BUCH GIBT’S NUR AUF SPANISCH, das ist ein Hindernis, aber wer wirklich an Literatur interessiert ist, wird sich die Mühe der Wortklauberei bei diesem 1974 erschienenen, bezaubernden Werk – „Escritores Latinoamericanos en Mallorca“ – gerne unterziehen. Denn es ist unglaublich, wieviele südamerikanische Schriftsteller aus politischen, ästhetischen und familiären Gründen nach Mallorca kamen und blieben, ich nenne hier als Beispiele Borges, Dario, Vasconcelos und Pacheco. Der mallorkinische Autor Carlos Meneses hat sie, sozusagen, gesammelt, gesprochen, analysiert und in feinen Porträts dargestellt. Beim spanischen eBay wird sein Werk für 36,79 Euro angeboten (bei Amazon kostet es 58 Euro!), das ist (eigentlich immer noch zu) viel, aber es lohnt sich …

Schöne alte Bücher: Uralte Holzschnitte …

DASS AUF MALLORCA SCHON BÜCHER GEDRUCKT WURDEN, als anderswo 90 % der Menschen Analphabeten waren, ist bekannt. Dass einige der uralten Verlage (= Druckereien) immer noch existieren, wissen nur wenige. Und dass diese Emprentas noch ihre fast 1000-jährigen Bestände an handgeschnitzten Druckblöcken aus Holz horten, kann keiner ahnen. Aber manchmal bekommen Autoren Zugang und dann erscheinen unfassbar schöne Bücher wie dieses, in dem Luis Diez de Corral die grafischen Schätze von E. C. Ricart in Palma zeigt. 1942 ist dieser Bildband („Mallorca Xilofrafias de E. C. Ricart“) erschienen und beim spanischen eBay werden 20 Euro dafür verlangt. Was ein Schnäppchenpreis ist für diese viele Dutzend in Holz gekerbten Bildgeschichten, Jahrhunderte alt und nicht selten von bekannten Künstlern.

Schöne alte Bücher: 1946 durch die Insel …

DA GAB’S WOHL KAUM EINEN TOURISTEN, im Jahr nach dem Weltkrieg, und doch wurde dieses aufwendig gestaltete Buch mit 300 Seiten produziert („Mallorca: Breviario de Viaje“), mit 150 Grafiken, Dutzenden von Aufnahmen prominenter Fotografen und Texten bekannter Autoren. Auch wenn es Spanisch abgefasst ist, so genießt der Mallorca-Freund dennoch die besondere Atmosphäre dieses seltsamen Jahres des ersten Friedens, und es ist hochinteressant, Vergleiche zu später anzustellen – zumal auch die Mallorkiner sich damals noch durch Lebensmittelkarten ernährten. Hat sich die landschaftliche Schönheit verändert seitdem? Selbst auf diese Frage gibt dieses Buch, das auf dem spanischen eBay für 20 Euro angeboten wird, Antworten …

Schöne alte Bücher: Sightseeing im Auto – damals …

BEIM TITELBLATT DENKT MAN AN 1920, und wundert sich dann, dass der gute alte Mascaro Pasarius sein 1974 erschienenes Buch „30 Excursiones en Coche por Mallorca“ mit einem Oldtimer geschmückt hat. Ein faszinierender Guide, denn man mag’s kaum glauben, wie oll damals noch viele Straßen der Insel waren, und dass keineswegs in jedem Ort eine Tankstelle zu finden war. Zudem ist der Autor ein geschätzter Historiker mit einem Fundus an Wissen, und dass er einen so speziellen und detaillierten Reiseführer für Mobilisten schrieb, muss als Geschenk betrachtet werden. Im spanischen eBay wird sein Buch für 31,72 Euro angeboten und man sollte es erwerben – es ist ein Schmuckstück für jede anspruchsvolle und unterhaltsame Finca-Bibliothek …

Die Wurst und der Weltbestseller …

NATÜRLICH KENNEN SIE J. P. SALINGER! Den geheimnisumwitterten US-Schriftsteller mit dem globalen Bestseller „Der Fänger im Roggen“. Der sich jahrzehntelang eingemauert hatte, weil er nichts mehr zu tun haben wollte mit der Welt da draußen. In dessen Mönchstum eines Tages der berühmte Reporter Ron Rosenbaum eingedrungen war – und bei ihm entdeckte ich folgende interessante, sich auf Mallorca beziehende Episode (wobei klar sein sollte, dass S. eben jener Salinger ist):

Übersetzt heißt das: In dem Städtchen im US-Staat New Hampshire, in dem sich Salinger versteckte, gab es einen Delikatessen-Laden, in dem er inkognito einkaufte und zwar besonders gern eine „ländliche Salami“ namens „Soppressata“, die er „dünn geschnitten und in mehreren Lagen“ bevorzugte. Wobei Rosenbaum spekuliert, dass Salinger sie im Geschäft seines Vaters kennen gelernt haben könnte, der ein New Yorker Importeur von Fleisch- und Käsewaren war. Interessant, nicht? Wobei ich aber heftig dagegen protestiere, Sobrassada als „junk food“ zu bezeichnen …