Deutsche

Bisschen was Heiteres …

… IN DIESEN SCHWEREN CORONA-ZEITEN, und ein klein wenig Lustigmachen muss auch auf Kosten eines Unbekannten erlaubt sein! Da entdeckte ich diese Kleinanzeige eines „Allrounders“, der verspricht, „Komplette hausrenovierung“ mit viel Erfahrung „punkltich“ auszuführen. Nun weiß ich nicht, ob er (ich nehme an, dass es keine sie ist) den Text selbst so orthographisch eigenwillig eingereicht, ein schwerhöriger Analphabet ihn phonetisch aufgenommen oder ein spanischer Setzer ihn derart verhunzt hat. Jedenfalls hätte er so sicher nicht erscheinen dürfen/sollen (mit „Trokenbau“, „Flisenarbeien“, „mosaik“ und „Neudaueiten“) und man kann nur hoffen, dass der „Allrounder“ besser arbeitet, als die Annonce lautet …

Der Schirach von Mallorca …

… SO NENN ICH IHN, meinen Freund Hans von Rotenhan. Auch er sehr guter Anwalt und hervorragender Schriftsteller. Seit Jahrzehnten auf den Balearen (Ibiza, Mallorca) und neuerdings in Berlin. Ein fränkischer Adeliger, der bescheiden aufs „von“ verzichtet, wenn er sich öffentlich äußert. Einer der besten Insel-Schreiber, dem man zuhören sollte, selbst wenn er nur einen Leserbrief schreibt. Mit Sätzen wie: „Die Mallorca-Drängle werden sich nicht bei den dort lebenden Spaniern anstecken. Aber sie werden es untereinander tun …“. Weisheiten in kleinen Prisen werden verteilt, wie beim großen Ferdinand von Schirach. Würde Rotenhan eine Zeitungs-Kolumne bekommen, ich würde das Blatt sofort abonnieren. Seine Bücher kaufe ich sowieso, wenn er sie mir nicht schenkt. Manchmal tut er das … 

Braucht das eigentlich jemand?

… NUN JA, DIE IDEE MAG WOHL BEI EINIGEN DEUTSCHEN ZÜNDEN (die Vielfalt, das Heimweh, Muttis geliebte Küche), vor allem bei den ewigen Küsten-Teutonen, aber ich halte sie für eher skurril. Da hat ein Geschwisterpaar im Einkaufszentrum La Ribera an der Playa de Palma eine original norddeutsche Imbissbude namens „Fischpirat“ aufgemacht und bietet an, was man sonst nur in Cuxhaven oder Husum bekommt: Meeresspezialitäten auf friesische Art! Na, dacht ich mir, da werden sich die mallorkinischen Fischer aber freuen über die neue Kundschaft, aber denkste: Joachim Fähre und seine Schwester Susanne importieren die pescas, die sie in ihrem Laden benötigen! Sonst wäre ja das, was sie in der Corona-Zeit anbieten von 12 bis 17 Uhr, nicht fressalisch echt! Manchmal, denke ich mir, laufen die Leute, die auf der Insel von einer neuen Existenz träumen, sehenden Auges ins offene Messer …

Eigentlich ist alles wie normal …

… SAGEN DIE URLAUBER! Ich zitiere ein befreundetes Ehepaar, das sich ein Apartment in einer Ferienanlage bei Portocolom gemietet hat (vor und über Ostern): „Wunderbar schön und von Corona kaum was zu merken!“ Die Restaurants im Hafen waren nahezu alle offen und sie haben sich das „Florian“ ausgeguckt, „weil man da mit traumhaften Blick sitzt, gut zu essen bekommt und hervorragend bedient wird.“ Ich selbst würde woanders hingehen, aber um mich geht es nicht. Die Corona-Weisheit ist doch: Selbst wenn man nur auf der Terrasse Platz nehmen darf, so macht das nichts, denn da würde man doch sowieso tun, auch ohne Seuche! Und das „Florian“, von einer bienenemsigen deutschen Wirtin betrieben, öffnet bereits um 11 Uhr und am Abend speist man wegen der Sperrstunde eben ein bisschen früher, und das ist bekanntlich sowieso gesünder. Fazit der Freunde: „Es ist auf Mallorca schöner als in Deutschland, und wenn wir es uns leisten könnten, würden wir monatelang bleiben …“. 

Hab‘ ich’s doch gesagt: = 0+0=0 …

Das war eine der (unnötigen) Schlagzeilen …

… DENN KAUM KAM DER FRÜHLING AUF DIE INSEL, brach die Eiszeit aus bei den Nullingern! Und was von Anfang an eine Lügenaffäre war, um mit Hilfe lechzender Schreiberlinge Aufmerksamkeit zu gerieren (nur durch die kommt etwas Kohle in die Kasse der Berufslosen …), entpuppte sich, als das Liebesgespinst nicht mehr zu halten war, als die von mir bereits vor Weihnachten angekündigte, unter Nullingern übliche und aus der Mathematik bekannte Gleichung: 0+0=0! Und wie „bewältigt“ die weibliche Null den Schmerz: Mit dem an gefühlsloser Schlichtheit kaum zu unterbietenden Trost „Shoppen hilft“ und „Haare färben auch.“ Nun wartet das Volk der Gaffer auf eine neue Affäre (zum x-ten Mal: „So verliebt …“, „Der Partner, auf den ich mein Leben lang gewartet habe …“, „Ich bin so glücklich …“), und wieder werden Boulevard-Geier als Fleischverwerter bereit stehen, und erneut werden genug Klicker reinfallen auf diese Typen – aber ich sage voraus, was davor passieren wird: Eine Tochter wird sich angeblich verknallen und eine mallorkinische Romanze vorspielen, und die Mutter wird (endlich) wieder soooo glücklich sein und der ganze Mist spielt wieder auf unserer geliebten Insel, die nichts dafür kann und wehrlos ist gegen die Nullingers …

Es musste ja so kommen …

… DASS VEREINSAMTE MENSCHEN HILFE BENÖTIGEN! Solche, die in ihren Wohnungen eingesperrt sind oder es nicht wagen, die Fincas zu verlassen aus Angst vor Corona! Die festsitzen vielleicht auch, weil sie alt und gebrechlich sind. Und keinen hilfreichen Nachbarn haben, von Verwandten gar nicht zureden. Jedenfalls tauchen jetzt die ersten (öffentlichen) Hilferufe auf, etwa in der Art: „EINKÄUFER für Privat gesucht“, mit Telefonnummer und Email-Adresse. Ich weiß, da wird viel getan, aber einige scheinen immer noch vergessen worden zu sein in ihren vier Wänden – auf der Rückseite des Paradieses Mallorca. Denn da dringt Not aus dem Hilfeschrei: Wer holt für mich was aus dem Supermarkt und der Apotheke? Es wäre spannend zu erfahren, ob sich jemand gemeldet hat …

Wie wär’s mit ’ner Prinzessin an der Wand?

DAS LÄSST SICH MA- CHEN, denn Prinzessin Pilar von Bayern (1891-1987) war 1. studierte Malerin, hat 2. Mallorca geliebt (und zeitweise auf der Insel gelebt), und hinterließ 3. zahlreiche Bilder von der Insel. Sie sind sogar erschwinglich, eher kleinformatig und es gibt sie in Öl, Kohle, Tusche und Blei- stift. Aktuell angeboten wird z. B. im Nürnberger Kunsthandel (im Internet zu finden) diese Sepia-Zeichnung von 1953 für 293,16 Euro (seltsamer Preis!). Format: 40 x 29 cm ohne Rahmen. Sie ist beschriftet mit „Cala d’Or“ und signiert mit „Pilar v. Bayern“. Nun ist das ein Kunstwerk, bei dessen Betrachtung man nicht gerade in heiteren Jubel ausbricht, aber es ist ein Original, direkt von der Insel und man kann sich ja einbilden, es sei seelenverwandt mit dem „Schrei“ von Edvard Munch …

Ich rätsel seit Jahren …

Das Akasha-Symbol …
… der Cachaca-Drink

… WIESO MALLOR- CA IMMER WIEDER SOLCHE TYPEN ANZIEHT! Irgend- was muss die Insel an sich haben, dass sich die „Entgeistig- ten“ hier wohlfühlen – und Kundschaft finden. Lesen Sie nur mal den neuesten Zaubertrick, mit dem ein Heiler sich mit einer bezahlten Annonce an ein breites Publikum wagt: „Durch das Öffnen Deiner persönlichen Akasha Chronik möchte ich Dir helfen, die Antworten auf konkrete Fragen in Deinem Leben zu finden. Weitere Infos unter …“. Ach, über so eine Chronik verfügt scheinbar jeder, aber nicht intim, da fremde Leute darin schmökern können, und die holen dort Antworten raus, nach denen ich angeblich schon lange suche! Pardauz, wie verzweifelt muss man eigentlich sein, um auf so einen Unsinn hereinzufallen? Leute, ich hole mir die besten Antworten auf meine Lebensprobleme aus herrlichen Sonnenuntergängen, gar nicht zu reden von beglückenden Sonnenaufgängen! Und dann sage ich nicht „Akasha“, sondern „Cachaca“, denn das ist ein herrlicher Drink aus Brasilien, der mir mein Bewusstsein öffnet bis in ungeahnte Tiefen …

Verzeihung, gnädige Frau …

... ABER IHRE KLAGE IST GEGEN DIE GUTEN SITTEN! Sie (eine gewisse Katja Th.) beschweren sich darüber (in einem ellenlangen Leserbrief), 1. dass Jäger in Ihrem Wohngebiet laut knallen mit ihren Flinten, und 2. Ihren geliebten Kater erschossen haben, mit dem Sie, schreiben Sie, das Bett teilten. Diesen Tiermord finde ich auch furchtbar, und der Typ, der das getan hat, gehört vor Gericht! Aber eins muss ich Ihnen leider sagen: Sie können sich nicht in der Fremde ansiedeln („Ich bin vor vielen Jahren nach Mallorca aufs Land gezogen …“) und dann den Einheimischen vorschreiben, wie sie sich zu benehmen haben! Das ist zwar typisch deutsch (andere marschieren in der ersten Reihe der Demonstranten gegen Stierkampf, Autobahnen und Zersiedelung). Auch wenn wir mit Ihnen um Ihren Kater trauern – die Mallorkiner gehen seit der Erfindung des Schießpulvers auf die Jagd, also seit rund 800 Jahren, die wird strengstens kontrolliert, und wenn Sie sich beschweren, dabei würden „kleine Vögel“ erlegt, so ist das Unsinn: Ich versichere Ihnen, dass von einem Finken oder einer Drossel nichts übrig wäre, würden sie von einer Schrotladung oder Kugel getroffen. Die Jäger gehen zu 90 % auf Turteltauben (wofür ich sogar dankbar bin) und Rothühner, vergleichbar unseren Rebhühnern. Also hören wir „Quadratschädel“ auf, uns wie Deutsche in den ehemaligen Kolonien aufzuführen! Der Kauf einer Immobilie gibt uns noch lange nicht das Recht, uns auch im Ausland wie Sittenwächter aufzuspielen. Wir sind und bleiben GÄSTE und so sollten wir uns auch benehmen, und ich gehe sogar so weit, dass ich meine, Sie sollten als Ausländerin wegziehen statt die mallorkinischen Jäger zu vertreiben zu wollen, denn Sie sind ja in deren Revier eingedrungen …

Das Archiv des Grauens …

„Das Archiv des Königreichs Mallorca“

… ES HEISST „ARXIU DEL REGNE DE MALLORCA“ und liegt in Palma. „Grauenvoll“ deshalb, weil es die Polizeiberichte der Franco-Ära enthält (neben den Folianten der weniger belasteten, jahrhundertealten  Geschichte), und das heißt: Man muss auch noch dankbar sein, dass es sie gibt. Denn wenn Nachfahren, Historiker, Schriftsteller und Journalisten etwas wissen möch- ten über das Schicksal der in den 30er-Jahren nach Mallorca geflohenen Juden, oder der Emigranten ganz allgemein, der ist zu oft mangels anderer Quellen auf diese einseitigen, kaum je fairen Protokolle derjenigen angewiesen, die ihre schlimmsten Feinde waren! Das ist, als würden man Gestapo- oder Stasi-Akten lesen – für den, der gute Nerven besitzt, interessant, aber sehr selten auf das Leid der Geflohenen eingehend, vom Mitleid ganz zu schweigen. Das Arxiu ist, so ungern man das sagt, ist der beste Fundus dieses faschisti- schen Unrechts auf der Insel …