Essen

Jubel im Nordosten …

… DENN MAURI IST ES GELUNGEN, die Pacht für seinen Chiringuito „La Playa“ an der Costa

Mauri(zio)

de los Pinos zu verlängern – „und in gewohnter Qualität und Lebensfreude trotz Corona zu öffnen“ (sagt mein Gourmet-Berater Klaus Exner). Man weiß ja: Diese Bar am Meerufer ist nicht ohne Grund der beliebteste Society- und Kenner-Treff Mallorcas, ausgebucht schon ab 11 Uhr. Gesegnet mit einem einsamen weißen Südseestrand, einer Top-Küche (bessere Scampis vom Grill muss man lange suchen) und erstaunlich guten Weinen. Das alles zu durchaus annehmbaren Preisen und nirgendwo trifft man skurrilere Leute …

Diät auf Mallorca? Eigentlich ein Jammer …

JA, ICH BIN ÜBERGEWICHTIG. JA, ICH ESSE ZUVIEL! UND GERN AUCH MAL DAS FALSCHE! Aber soll ich mich wirklich in meinem Schlaraffenland kasteien für die Gesundheit? Ich finde es geradezu pervers, hier auf Diät zu leben. Und nun entdecke ich, dass die allseits gefürchteten Körperfanatiker es jetzt auch noch wagen, Bücher zu schreiben mit dem Titel „Die Mallorca Diät. Abnehmen mit Urlaubsfeeling.“ Man findet es schon für 8.10 Euro, Normalpreis: 22.50 Euro. Nun ist es ja nicht so, dass ich bewusst unvernünftig speise, da sorgt schon meine Frau dafür, aber aus der den alten und bewährten Rezepten eine Diät-Speisung zu machen, geht mir zu weit. Reicht es nicht, dass ich schwimme, laufe und golfe? Mich handwerklich betätige, Olivenöl und das heimische Gemüse liebe. Zwei Autoren hat das Buch, einer mit Doktortitel, für 192 Seiten. Dennoch glaube ich einfach nicht, dass die von gesunder Insel-Küche mehr verstehen als die Mallorkiner am Herd …

Der Delikatessenladen Nr. 1?

„Georg’s“ von außen …
… und das ist die Adresse

SO WIRD ES BEHAUPTET! „Georg’s“ heißt er und man findet ihn in Arta unter der ewig langen Adresse Carrer d’antons Blanes Joan, 7. Nun bin ich kein Küchenshopper, muss mich verlassen auf die Spezialisten. Doch war ich überrascht vom überbor- denden Angebot, von der üppigen Weinabteilung und – vor allem: Man findet Din- ge, die man für ausgestor- ben hielt (die berühmten Liköre der 20er- und 30er-Jahre z. B.), oder die so selten sind, dass man die Suche danach längst aufgegeben hatte (ich denke da an privat gepresstes Mandelöl). Nun liegt Arta nicht gerade auf der Einkaufsroute der Gourmets, aber sollte man in die Gegend verschlagen werden, kann man ja mal reinschauen (im Internet fand ich eher zufällig Filialen in Santanyi, Soller und Palma). Der Chef ist übrigens Deutscher …

Ein Jahr ohne Aprikosen …

… DENN DIE KÖNNEN 2020 NICHT GEERNTET WERDEN, weil die Pflanzen so gut wie keine Früchte tragen. Und ihre kleinen Schwestern, die Kumqats, hängen auch nur vereinzelt an den Ästchen. Das hat nichts mit Corona zu tun, denk ich mal, „so etwas kommt vor“, sagt mein Nachbar, Bäuerlein Miquel. Dass einfach mal ein Obst aussetzt. Schade, ich habe die Insel-Aprikosen immer sehr geschätzt, und wenn sie die schicken roten Flecken hatten, haben sie besonders gut geschmeckt. Jetzt werden sie also importiert, von irgendwoher aus der Hispanidad, aus Ecuador vielleicht. Aber das sind nicht dieselben, deshalb werde auch ich eine Aprikosen-Pause einlegen, bis es sie wieder „Made in Mallorca“ gibt …

Rationierte Lebensmittel auf Mallorca?

Ein „Rationierungsbuch“ …
… 3 Coupons für Reis, Zucker & Öl
… und ein Coupon für Brot

UNVORSTELLBAR! Und doch ist es noch nicht so lange her, dass man auch auf der Insel, wie im Nachkriegsdeutschland, Reis, Öl, Brot und Fleisch nur auf „Marken“ bekam, die in billig gedruckten kleinen Heften zugeteilt wurden. Ich habe so ein „Rationierungsbuch“ gerade bei meiner Nachbarin Maria entdeckt, mit einer faschistischen Steuermarke (Porträt von Jose Antonio de Rivera, 10 Céntimos) auf dem Deckel, vom ersten Dritteljahr 1952, natürlich stark benützt und diese Mangelwirtschaft dauerte bereits seit 1938, seit dem Bürgerkrieg! Das bedeutet: Als die ersten Touristen längst einflogen (oder per Schiff kamen), litten die Einheimischen Hunger, wenn sie nicht Bauern waren, die sich heimlich selbst versorgen konnten. Davon merkten die Gäste nichts, meine Eltern, die damals schon auf Mallorca urlaubten, haben nie etwas erzählt. Aber ich denke, noch in den 50er-Jahren hat die Franco-Regierung den Markt freigegeben und die „Cupones“ abgeschafft, da haben allerdings schon eine Menge Ausländer auf Mallorca gewohnt! Was für eine perverse Situation: Vollpension in den Hotels für die Turistas und Brot für die Einheimischen nur von Tag zu Tag per „Marke“. Es ist doch immer wieder interessant, ab und zu mal in die Geschichte unseres kleinen Felsens zu lugen …

 

 

Die Wurst und der Weltbestseller …

NATÜRLICH KENNEN SIE J. P. SALINGER! Den geheimnisumwitterten US-Schriftsteller mit dem globalen Bestseller „Der Fänger im Roggen“. Der sich jahrzehntelang eingemauert hatte, weil er nichts mehr zu tun haben wollte mit der Welt da draußen. In dessen Mönchstum eines Tages der berühmte Reporter Ron Rosenbaum eingedrungen war – und bei ihm entdeckte ich folgende interessante, sich auf Mallorca beziehende Episode (wobei klar sein sollte, dass S. eben jener Salinger ist):

Übersetzt heißt das: In dem Städtchen im US-Staat New Hampshire, in dem sich Salinger versteckte, gab es einen Delikatessen-Laden, in dem er inkognito einkaufte und zwar besonders gern eine „ländliche Salami“ namens „Soppressata“, die er „dünn geschnitten und in mehreren Lagen“ bevorzugte. Wobei Rosenbaum spekuliert, dass Salinger sie im Geschäft seines Vaters kennen gelernt haben könnte, der ein New Yorker Importeur von Fleisch- und Käsewaren war. Interessant, nicht? Wobei ich aber heftig dagegen protestiere, Sobrassada als „junk food“ zu bezeichnen …

Die Wahrheit über Ekel-Restaurants …

So berichtete die „Mallorca Zeitung“ …

DIE SACHE IST NÄMLICH DIE, DASS DER SKANDAL EINEN DOPPELTEN BODEN HAT, und die Geschichte geht so: 1. kommt ein Inspekteur des Gesundheits- ministeriums der Balearen und prüft. Leider gibt es für alle Inseln nur knapp 25 dieser Kontrolleure – viel zu wenig. 2. Die 25 stellen Mängel fest, verwarnen die Wirte oder schließen die Restaurants. 3. Da müsste nun ein Schild rausgehängt werden, dass das Ministerium die Gaststätte wegen gruseliger Zustände dicht gemacht hat, aber so ein Schild sieht man äußerst selten, stattdes- sen heißt es: „Wegen Renovierung geschlossen“ oder „Urlaub bis zum …“. Das ist illegal! Die Tatsachen: Wer sich anschaut, was 2019 geschah, dem wird fast übel. Denn 3564 Lokale wurden bewertet, 522 hatten entsetz- liche Mängel, 1663 klare Mängel. Das heißt: In 61,2 % dieser Restaurants war die Gesundheit der Gäste hygi- enisch bedroht und 83 (davon 44 allein auf Ibiza) mussten die Inspekteure sofort – von einer Minute auf die andere – schließen und saftige Geldstrafen verhängen. Und was sind die Kriterien der akuten Bedrohung? 1. Extremer Schmutz, 2. Fehlen einer Spülmaschine, 3. Kein heißes Wasser, 4. Wimmelnde Kakerla- ken, 5. Deutlicher Rattenbefall. Im Klartext heißt das also: 2019 war es gefährlich, rund zwei Drittel der Lokale zu betreten, geschweige denn, dort zu essen! Mein Fazit: Auf einigen Speisekarten steht ab sofort auch das große Schaudern mit Soße …

Oli d’Ametlles – selten und teuer!

Das Mandelöl vom „Mallorquiner“ …
… und bei „Georg’s“ in Arta

„SCHWER ZU FINDEN UND NICHT GERADE BILLIG“, schreibt Edmund Els in seinem Buch „Wenn ich an Mallorca denke …“. Er meint das Öl, das aus Mandeln gepresst wird. Viel kommt da nicht raus, und deshalb kosten 0,2 Liter auch mindestens 10 Euro, der Liter also garantiert 50 Euro – wenn man Glück hat. Es gibt sogar einen ganz heißen Tipp: das Ehepaar Miguel und Inka Morey in Sencelles, die Produzenten des feinsten Mandelöls, das man zur Zeit bekommen kann, in kleinen Mengen der, auch deshalb gilt es als kostbar. Zwar führt auch „Der Mallorquiner“ Mandelöl (ich zeige seine Packung hier), aber für das Morey-Öl muss man bei „Georg’s“ in Arta nachfragen (971 / 82 96 41), ob sie es gerade vorrätig haben.

Netter Tipp von einem Leser …

ICH MAG SOLCHE KONTAKTE, vor allem wenn sie von Menschen stammen, die mit offenen Augen durch die Insel wandern und ganz persönliche Entdeckungen machen, die gut teilbar sind. Carsten H. ist so einer und er schrieb mir: „Wenn ich auf Mallorca bin, besuche ich … immer montags den Stand von Can Betli vor der Markthalle in Manacor. Dort esse ich Bocadillo, welches mir Juan auf leckere Weise verfeinert, und kaufe für mich angefertigte, mit Käse gefüllten Oliven and andere Köstlichkeiten.“ Danke, Herr H., gut zu wissen, da werde ich  einkehren, es muss ja nicht unbedingt am Markttag sein (muss nur rausfinden, ob Juan dann auch da ist …).

Jetzt aber ran an das Kochbuch!!!

… und das Kochbuch
Toni Ramon und Maria Pinya …

IN DER TRAUER UM DAS RESTAURANT „SA SINIA“ in PORTOCOLOM (gesch- lossen nach fast 100 Jahren) erwacht der Ehrgeiz: das Kochbuch „Mallorca in Ihrer Küche“ zu kaufen. Es ist das heiterste, professionellste, authentischste und originell- ste Rezept- und Küchenver- öffentlichung der Insel. Ges- taltet auf 93 Seiten innen und außen vom großen Maler Miquel Barcelo, bestückt mit alten Fotos aus Familienbesitz, voller skurriler Schnur- ren, geliefert vom damaligen Chef, dem legendären Toni Ramon, geschrieben von der Philologin Maria Antonia Pinya, fabelhaft übersetzt von Hartmut Botsmann – und die Rezepte stammen von den sagenhaften Köchinnen Maria Martorell und Maria Ramon. Das Buch, auf Deutsch erschienen 2006, kostete mal 18 Euro, als es noch im „Sa Sinia“ zu haben war, jetzt ist es höchs- tens noch antiquarisch zu bekommen (Editorial el far, ISBN 978 8493 283 780), aber es ist jede noch so große Mühe wert!