Essen

Bier vom Fass – und von der Decke!

EINE HERRLICHE KNEIPE, dieses „Can Moix“ – gesprochen: „Motsch“ – in Felanitx (c/. Guillem Timoner, 1). Eine Jugendstil-Bar* der alten Art, mit den Original-Glastüren von 1910, dem antik gefliesten Boden, großartigen Gemälden, Theken-Schnickschnack aus vier Generationen – und an der Decke kleben zwei 800 Liter-Fässer mit frischem Bier der Marken „Estrella“ und „Rosa Blanca“, die jede Woche frisch aus dem Tankwagen aufgefüllt werden, und durch Gefälle (nicht durch künstlichen Druck) vor aller Augen mit den Zapfhähnen verbunden sind. Große Kuriosität, die es in Palma vier Mal gibt, aber außerhalb nur im „Can Moix“. Man kann hier auch essen (die Tapas sind berühmt), und wer mal erleben will, wie echte Mallorkiner aussehen, der erlebt sie hier.

* Freunde meines Blogs werden sich erinnern, dass ich das „Can Moix“ schon einmal erwähnt habe – wegen seiner sensationellen Modernismo-Spieltische! Sie stehen immer noch da und mein Versuch, einen zu kaufen, ist kläglich gescheitert …

… und nun sind die Fisch-Esser dran!

Dorade auf Spargel – bald verboten?

ES MUSSTE JA SO KOMMEN! Aber keiner konnte voraussehen, dass es derart blödsinnig werden würde, wenn sich die angeblichen Klima- mit den angebli- chen Tierschützern verbinden. Noch treten diese Freaks anonym auf, so wie jener „roninpalma“, der einen Leserbrief missbrauchte (diese Frühform der entsetzlichen „Social Media“), um in einer Inselzeitung folgenden Sermon abzulassen: „Der … auf Mallorca weitaus höhere Konsum von Fisch hat ebenso Folgen fürs Klima, denn die wenigsten Fische springen mittags freiwillig vom Meer in die Pfanne, sondern werden oft ein entfernt irgendwo draußen auf dem Meer ums Leben gebracht, tiefgefroren und dann zu den Häfen transpor- tiert …“. Satirisch eine Perle, intellektuell eine Niete, thematisch die finsterste Zukunft: Solche Typen wer- den bald auch den Reißverschluss am Hosentürl verbie- ten, weil er sich in Gegenwart von Frauen zu schnell öffnen lässt …

Das beste Olivenöl? Schwierig, Leute, schwierig … (Teil 2)

Ein wilder Olivenbaum …

DA KAM EINER AUF DIE IDEE, aus den wild wachsenden Oliven Mallorcas Öl zu pressen. Was schwierig ist, denn die Früchte sind winzig, besitzen kaum Fleisch, 25 Kilo ergeben knapp mal eine Liter und bitter sind sie auch noch. Warum also? Um etwas Besonders herzustellen, etwas unverfälscht Natürliches, kein kultiviertes Öl aus einer betütelten Zuchtfrucht. Ich kennen einen Produzenten aus der Inselmitte, der 1 Liter für rund 140 Euro anbietet – und ich möchte es nicht mal geschenkt haben, so gallig schmeckt es. Aber es wird trotz des exorbitanten Preises gekauft, ich traf sogar einen, der davon schwärmte. Nun ja, mei‘ Katz‘ mag Mäus‘, i mag’s net. – Allerdings: Ab und zu trifft man auf Märkten, aber sehr selten, einen Bottich, in dem die wilden Oliven, inzwischen überreif und fast schwarz geworden, seit Wochen in einer Lauge dümpeln. Die sind – unerwartet – ausgezeichnet, die Lauge und das Alter haben ihnen die Bitterkeit ausgetrieben, und auch wenn kaum Fleisch um den Kern zu finden ist, da kann man sich eine Kanne abfüllen lassen …

Das beste Olivenöl? Schwierig, Leute, schwierig … (Teil 1)

JEDER, DER NUR DREI OLIVENBÄUME BESITZT, HAUT HEUTZUTAGE IRGENDEIN ÖL AUF DEN MARKT! Es gibt über 100 Fabrikanten auf Mallorca und sie überschlagen sich in den Anpreisungen. Man muss bei den wenigen unabhängigen Gourmets nachfragen (bloß nicht bei den Wirten, die sind alle irgendwie „verbandelt“), und weil ich monate- lang hartnäckig blieb, habe ich eine Antwort: das Opa-Öl namens „Joan Ros- selo“ des Hersteller Son Mesquidassa (zwischen Felanitx und Porreres), der seit 1818 Olivenöl in herausragender Qualität presst. 750 ml. kosten 12.50 Euro, das ist außerordentlich günstig, verglichen mit den „Mondpreisen“ anderer Pro- duzenten, und ein Gourmet behauptete sogar: „Das ist das einzige Olivenöl von der Insel, das mit den besten Italienern mithalten kann!“ Ach, übrigens: Son Mes- quidassa bietet noch weitere Olivenöle an und die tragen alle Porträts des wun- derbaren Insel-Barden Tomeu Penya, dessen Familie seit über 100 Jahren zu den zufriedenen Kunden zählt …

Wild wachsen die schönsten Artischocken …

Ein Feld mit Artischocken …
… und eine wilde Artischocke

… UND KAUM EINER KÜM- MERT SICH UM SIE! außer mei- nem alten Freund Klaus Exner, der ab und zu seine schönsten Rezepte im „Mallorca Magazin“ veröffentlicht. Er schwärmt aus in die Natur, auf die Felder, auf denen die wilden Artischocken üppig wachsen, die aussehen wie Disteln, etwas kleiner sind als die kultivierten Früchte, aber keinesfalls schlechter schmecken – und gratis herumstehen! Es ist mit diesen Artischocken auf Mallorca genauso wie mit dem grünen Spargel: Es gibt ein paar Rentner, die ihn in der Wildnis ernten und dann Restaurants anbieten, aber eigentlich kümmert sich kein Schwein darum, und das ist ein Jammer, denn gerade dieser Spargel und diese Artischocken sind eine Köstlichkeit vom Gabentisch von Mutter Natur. Man muss halt gut zu Fuß sein, Handschuhe dabei haben und wissen, wo man ernten muss. Aber mein Freund Klaus sagt: „Überall …“.

Halleluja, das gibt’s jetzt alles auf der Insel!

Die Wurstpalette …
… und dazu die Brezeln

MAN BRAUCHT ES ALSO NICHT MEHR MITZUBRINGENdie deftige bayerische Brotzeit! Denn Lidl bietet jetzt Brat-, Bock- und Weißwürste an, und das zu wirklichen Supermarktpreisen, dazu Brezeln und süßen Senf. Seit Jahren lässt meine geliebte „Weiße Taube“ Würste von deutschen Metzgern einschweißen (oder kauft sie in Dosen), fliegt sie im Gepäck nach Mallorca, und backt mitgebrachte Brezeln mühsam auf. So wie es Hunderte von Touristen und Residenten mit kulinarischem Heimweh machen. Süßen Senf gab’s allerdings nur in ganz wenigen Insel-Läden, den brachte man sich gegenseitig mit. Aus und vorbei, gibt’s jetzt alles hier – und so bleibt nur die Frage, ob die „Salchichas Blancas de Munich“, „Tipo Bockwurst“ und „Tipo Bratwurst“ so gut sind wie die deutschen Originale, aber das werde ich herausfinden und melden.

Herrlich – es ist Melonenzeit!

DIE DICKEN DINGER LIEGEN IN GRÜN UND GELB HERUM, groß wie Medizinbälle und klein wie Pampelmu- sen. Die Köche über- bieten sich mit Rezep- ten, und Küchen-Grö- ßen wie Ecki Witzig- mann und Klaus Exner haben sich Melonensuppen aus- gedacht, bei denen wohlige Schauer über die Zunge laufen. Und jeden Tag sieht man arme Hausfrauen, die unter der Last der Melonen ächzend Spar, Eroski und Merca- dona verlassen. Die Preise sind ins Bodenlose gefallen (siehe Fotos!) und man fragt sich, wieso sich der Anbau überhaupt lohnt. Aber kulinarisch betrachtet, ist das eine alberne Frage. Interessant: Die eher geschmacksarme Wassermelone ist beliebter als die süße Honigmelone, weil sie den Durst besser löscht und vielseitiger verwendet werden kann …

Stewart, wir vermissen Dich!

Versteckt der lauschige Garten …

ER WAR DIE GUTE SEE- LE des belieb- ten Res- tau- rants „Bona Taula“ in Colonge. Nichts gegen seinen Partner Tomeu, der weitermacht, auch ein reizender Bursche. Aber Stewart Magee war etwas Besonders: als Experte für Klassische Musik und Bildende Kunst ein hinreißender Gesprächspartner, wegen seines Charms von Männlein & Weiblein gleichermaßen geschätzt und als Maitre des eigenen Restaurants eine Idealbesetzung. Amerikaner sei er, sagen sie, ich denke, er ist Kanadier, aber egal – er hat sich zurückgezogen, taucht nur noch einmal pro Woche im „Bona Taula“ auf, aus Nostalgie, und ich behaupte: Zu dem bezaubernden Garten gehörte (irgendwie) der bezaubernde Stewart, und dass es dort (weiterhin) den delikatesten „Trampo“ von ganz Mallorca gibt, ist auch ihm zu verdanken …

Mallorca – ein Brathuhn?

Die Jakober-Krawatte …
… die Insel aus dem All …
… und ein echtes Brathuhn

DIESER POST ENTHÄLT KEINERLEI INFORMATION, aber vielleicht einen Anlass zum Lächeln! Denn als ich meine wunderbare Mallorca-Krawatte betrachtete, entworfen von dem noch wunderbareren, auf der Halbinsel Victoria lebenden britischen Künstler Ben Jakober, geschmückt mit vielen goldenen Umrissen der Insel auf königsblauem Grund, da fiel mir auf … – geografisch sieht Mallorca aus wie ein fliegendes Brathuhn! Um die Realität dagegenzuhalten, habe ich das Foto eines knusprigen Braten gesucht und gefunden. Und siehe da: Mallorca ist ein Brathuhn, wenn man es aus dem Weltall betrachtet! Zuviel Phantasie? Vielleicht, aber ohne Schaden anzurichten. Denn so wie die Ostsee aussieht wie eine betende Frau und der Iran wie eine Katze, so wirkt unsere Insel eben wie frisch vom Grill …

Sopa Mallorquin – aber bitte die echte!

Die Suppe ist okay, aber …

… DIE MAN KAUM NOCH BEKOMMT, in den meisten Restaurantküchen ist sogar das Originalrezept verloren gegangen. Schade! Die beste Sopa Mallorquin wurde früher im Restaurant „Parlament“ in Palma serviert (das war die „Kantine“ der balearischen Abgeordneten) und im „Can Bernat“ in Portocolom bekommt man sie noch. Wobei ich nicht an der Suppe an sich rummäkle, sondern am Verlust der Beilagen. Denn in der „guten alten Zeit“, als man auch noch ungefragt und kostenlos einen Cognac zum Kaffee bekam, da gehörten ein Teller mit gesäuerten Kapern, Meerfenchel, Streifen von frischen Paprikaschoten und Radieschen zur Sopa. Über die nach dem Servieren ein satter Schuss von originalem, oft hausgemachtem und nie erhitztem Olivenöl gegossen wurde. Nun ja, als ich neulich in einem Restaurant in Palma die Sopa Mallorquin bestellte, schaute mich die Kellnerin aus leeren Augen an – sie hatte nie davon gehört und selbst im „Can Gusti“, einer 120 Jahre alten Traditionskneipe zwischen Portocolom und Portocristo (wo mein Foto entstand), musste ich ohne Beilagen essen. Mit der schwachen Begründung, der Chef stamme aus Kastilien …