Essen

Das beste Olivenöl? Schwierig, Leute, schwierig … (Teil 2)

Ein wilder Olivenbaum …

DA KAM EINER AUF DIE IDEE, aus den wild wachsenden Oliven Mallorcas Öl zu pressen. Was schwierig ist, denn die Früchte sind winzig, besitzen kaum Fleisch, 25 Kilo ergeben knapp mal eine Liter und bitter sind sie auch noch. Warum also? Um etwas Besonders herzustellen, etwas unverfälscht Natürliches, kein kultiviertes Öl aus einer betütelten Zuchtfrucht. Ich kennen einen Produzenten aus der Inselmitte, der 1 Liter für rund 140 Euro anbietet – und ich möchte es nicht mal geschenkt haben, so gallig schmeckt es. Aber es wird trotz des exorbitanten Preises gekauft, ich traf sogar einen, der davon schwärmte. Nun ja, mei‘ Katz‘ mag Mäus‘, i mag’s net. – Allerdings: Ab und zu trifft man auf Märkten, aber sehr selten, einen Bottich, in dem die wilden Oliven, inzwischen überreif und fast schwarz geworden, seit Wochen in einer Lauge dümpeln. Die sind – unerwartet – ausgezeichnet, die Lauge und das Alter haben ihnen die Bitterkeit ausgetrieben, und auch wenn kaum Fleisch um den Kern zu finden ist, da kann man sich eine Kanne abfüllen lassen …

Das beste Olivenöl? Schwierig, Leute, schwierig … (Teil 1)

JEDER, DER NUR DREI OLIVENBÄUME BESITZT, HAUT HEUTZUTAGE IRGENDEIN ÖL AUF DEN MARKT! Es gibt über 100 Fabrikanten auf Mallorca und sie überschlagen sich in den Anpreisungen. Man muss bei den wenigen unabhängigen Gourmets nachfragen (bloß nicht bei den Wirten, die sind alle irgendwie „verbandelt“), und weil ich monate- lang hartnäckig blieb, habe ich eine Antwort: das Opa-Öl namens „Joan Ros- selo“ des Hersteller Son Mesquidassa (zwischen Felanitx und Porreres), der seit 1818 Olivenöl in herausragender Qualität presst. 750 ml. kosten 12.50 Euro, das ist außerordentlich günstig, verglichen mit den „Mondpreisen“ anderer Pro- duzenten, und ein Gourmet behauptete sogar: „Das ist das einzige Olivenöl von der Insel, das mit den besten Italienern mithalten kann!“ Ach, übrigens: Son Mes- quidassa bietet noch weitere Olivenöle an und die tragen alle Porträts des wun- derbaren Insel-Barden Tomeu Penya, dessen Familie seit über 100 Jahren zu den zufriedenen Kunden zählt …

Wild wachsen die schönsten Artischocken …

Ein Feld mit Artischocken …
… und eine wilde Artischocke

… UND KAUM EINER KÜM- MERT SICH UM SIE! außer mei- nem alten Freund Klaus Exner, der ab und zu seine schönsten Rezepte im „Mallorca Magazin“ veröffentlicht. Er schwärmt aus in die Natur, auf die Felder, auf denen die wilden Artischocken üppig wachsen, die aussehen wie Disteln, etwas kleiner sind als die kultivierten Früchte, aber keinesfalls schlechter schmecken – und gratis herumstehen! Es ist mit diesen Artischocken auf Mallorca genauso wie mit dem grünen Spargel: Es gibt ein paar Rentner, die ihn in der Wildnis ernten und dann Restaurants anbieten, aber eigentlich kümmert sich kein Schwein darum, und das ist ein Jammer, denn gerade dieser Spargel und diese Artischocken sind eine Köstlichkeit vom Gabentisch von Mutter Natur. Man muss halt gut zu Fuß sein, Handschuhe dabei haben und wissen, wo man ernten muss. Aber mein Freund Klaus sagt: „Überall …“.

Halleluja, das gibt’s jetzt alles auf der Insel!

Die Wurstpalette …
… und dazu die Brezeln

MAN BRAUCHT ES ALSO NICHT MEHR MITZUBRINGENdie deftige bayerische Brotzeit! Denn Lidl bietet jetzt Brat-, Bock- und Weißwürste an, und das zu wirklichen Supermarktpreisen, dazu Brezeln und süßen Senf. Seit Jahren lässt meine geliebte „Weiße Taube“ Würste von deutschen Metzgern einschweißen (oder kauft sie in Dosen), fliegt sie im Gepäck nach Mallorca, und backt mitgebrachte Brezeln mühsam auf. So wie es Hunderte von Touristen und Residenten mit kulinarischem Heimweh machen. Süßen Senf gab’s allerdings nur in ganz wenigen Insel-Läden, den brachte man sich gegenseitig mit. Aus und vorbei, gibt’s jetzt alles hier – und so bleibt nur die Frage, ob die „Salchichas Blancas de Munich“, „Tipo Bockwurst“ und „Tipo Bratwurst“ so gut sind wie die deutschen Originale, aber das werde ich herausfinden und melden.

Herrlich – es ist Melonenzeit!

DIE DICKEN DINGER LIEGEN IN GRÜN UND GELB HERUM, groß wie Medizinbälle und klein wie Pampelmu- sen. Die Köche über- bieten sich mit Rezep- ten, und Küchen-Grö- ßen wie Ecki Witzig- mann und Klaus Exner haben sich Melonensuppen aus- gedacht, bei denen wohlige Schauer über die Zunge laufen. Und jeden Tag sieht man arme Hausfrauen, die unter der Last der Melonen ächzend Spar, Eroski und Merca- dona verlassen. Die Preise sind ins Bodenlose gefallen (siehe Fotos!) und man fragt sich, wieso sich der Anbau überhaupt lohnt. Aber kulinarisch betrachtet, ist das eine alberne Frage. Interessant: Die eher geschmacksarme Wassermelone ist beliebter als die süße Honigmelone, weil sie den Durst besser löscht und vielseitiger verwendet werden kann …

Stewart, wir vermissen Dich!

Versteckt der lauschige Garten …

ER WAR DIE GUTE SEE- LE des belieb- ten Res- tau- rants „Bona Taula“ in Colonge. Nichts gegen seinen Partner Tomeu, der weitermacht, auch ein reizender Bursche. Aber Stewart Magee war etwas Besonders: als Experte für Klassische Musik und Bildende Kunst ein hinreißender Gesprächspartner, wegen seines Charms von Männlein & Weiblein gleichermaßen geschätzt und als Maitre des eigenen Restaurants eine Idealbesetzung. Amerikaner sei er, sagen sie, ich denke, er ist Kanadier, aber egal – er hat sich zurückgezogen, taucht nur noch einmal pro Woche im „Bona Taula“ auf, aus Nostalgie, und ich behaupte: Zu dem bezaubernden Garten gehörte (irgendwie) der bezaubernde Stewart, und dass es dort (weiterhin) den delikatesten „Trampo“ von ganz Mallorca gibt, ist auch ihm zu verdanken …

Mallorca – ein Brathuhn?

Die Jakober-Krawatte …
… die Insel aus dem All …
… und ein echtes Brathuhn

DIESER POST ENTHÄLT KEINERLEI INFORMATION, aber vielleicht einen Anlass zum Lächeln! Denn als ich meine wunderbare Mallorca-Krawatte betrachtete, entworfen von dem noch wunderbareren, auf der Halbinsel Victoria lebenden britischen Künstler Ben Jakober, geschmückt mit vielen goldenen Umrissen der Insel auf königsblauem Grund, da fiel mir auf … – geografisch sieht Mallorca aus wie ein fliegendes Brathuhn! Um die Realität dagegenzuhalten, habe ich das Foto eines knusprigen Braten gesucht und gefunden. Und siehe da: Mallorca ist ein Brathuhn, wenn man es aus dem Weltall betrachtet! Zuviel Phantasie? Vielleicht, aber ohne Schaden anzurichten. Denn so wie die Ostsee aussieht wie eine betende Frau und der Iran wie eine Katze, so wirkt unsere Insel eben wie frisch vom Grill …

Sopa Mallorquin – aber bitte die echte!

Die Suppe ist okay, aber …

… DIE MAN KAUM NOCH BEKOMMT, in den meisten Restaurantküchen ist sogar das Originalrezept verloren gegangen. Schade! Die beste Sopa Mallorquin wurde früher im Restaurant „Parlament“ in Palma serviert (das war die „Kantine“ der balearischen Abgeordneten) und im „Can Bernat“ in Portocolom bekommt man sie noch. Wobei ich nicht an der Suppe an sich rummäkle, sondern am Verlust der Beilagen. Denn in der „guten alten Zeit“, als man auch noch ungefragt und kostenlos einen Cognac zum Kaffee bekam, da gehörten ein Teller mit gesäuerten Kapern, Meerfenchel, Streifen von frischen Paprikaschoten und Radieschen zur Sopa. Über die nach dem Servieren ein satter Schuss von originalem, oft hausgemachtem und nie erhitztem Olivenöl gegossen wurde. Nun ja, als ich neulich in einem Restaurant in Palma die Sopa Mallorquin bestellte, schaute mich die Kellnerin aus leeren Augen an – sie hatte nie davon gehört und selbst im „Can Gusti“, einer 120 Jahre alten Traditionskneipe zwischen Portocolom und Portocristo (wo mein Foto entstand), musste ich ohne Beilagen essen. Mit der schwachen Begründung, der Chef stamme aus Kastilien …

Die Exner-Gabel – ein Sammelobjekt!

Reine Handarbeit und gibt’s nur 20 Mal auf der Insel …
… und die Holzbox

DAS KREATIVSTE PAAR DER INSEL HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN: Uta und Klaus Exner in Arta. Diesmal haben sie eine Spaghettigabel in purer Handarbeit geschaffen: 29 cm lang, aus verschiedenen Naturhölzern, mit Lederschlaufe und selbstgeschreinerter, kunstvoll gestalteter Holzbox und in einer Mini-Auflage von nur 20 Stück! Den Griff haben sie aus verschiedenen Spänen von auf Mallorca wachsenden Bäumen zusammengesetzt, das ergibt ein buntes Öko-Dekor – und in der Box liegen eine unterhaltsame Geschichte der Gabel an sich und das Echtheitszertifikat. Gedacht ist das Besteck „für Freunde und Genießer“, aber was es kostet, und ob es überhaupt zu verkaufen ist, weiß ich (leider) nicht …

 

 

 

 

350 Euro? Prost, Mahlzeit …!

Das Hotel „Formentor“ …
… und der Anlass

ALS ICH DAS IM „DIARIO“ LAS, FIEL MIR DIE OLIVE AUS DER HAND – denn da wurde berich- tet, ein Hotel biete ein Frühstück für 350 Euro an! Kein Witz, eher ein Jubiläum, denn im Som- mer 1983 war die Schauspielerin Audrey Hepburn Gast im „Formentor“ (im Zimmer 229) und weil „Breakfast at Tiffany“ ihr bekanntester Film ist, servieren sie jetzt ein „Breakfast at Formentor“, und das kostet 350 Euro! Nun bin ich ja immer begeistert, wenn Leute, die zuviel Geld besitzen, ihr Vermögen unters Volk bringen. Aber ein Desayuno zum Preis einer Woche in einem ****-Hotel? Was wird geboten? Das Übliche. „Erlesene Zutaten“, heißt es, ein Butlerservice, Tischdeko mit weißen Tulpen (die Lieblingsblumen des Stars), eine 1/2 Grapefruit, mehrere Brotsorten, Eier nach Wahl,  „mallorkinische Backwaren, frische Früchte der Saison und Saft der Orangen aus dem Hotelgarten.“ Also nichts Anderes als in den schicken kleinen Landhotels. Ich sag’s mal so: Entweder ist das Hotelmanagement verrückt oder die Gäste, die das buchen … – aber interessant, was es nicht alles gibt auf unserer Insel!