Essen

Rationierte Lebensmittel auf Mallorca?

Ein „Rationierungsbuch“ …
… 3 Coupons für Reis, Zucker & Öl
… und ein Coupon für Brot

UNVORSTELLBAR! Und doch ist es noch nicht so lange her, dass man auch auf der Insel, wie im Nachkriegsdeutschland, Reis, Öl, Brot und Fleisch nur auf „Marken“ bekam, die in billig gedruckten kleinen Heften zugeteilt wurden. Ich habe so ein „Rationierungsbuch“ gerade bei meiner Nachbarin Maria entdeckt, mit einer faschistischen Steuermarke (Porträt von Jose Antonio de Rivera, 10 Céntimos) auf dem Deckel, vom ersten Dritteljahr 1952, natürlich stark benützt und diese Mangelwirtschaft dauerte bereits seit 1938, seit dem Bürgerkrieg! Das bedeutet: Als die ersten Touristen längst einflogen (oder per Schiff kamen), litten die Einheimischen Hunger, wenn sie nicht Bauern waren, die sich heimlich selbst versorgen konnten. Davon merkten die Gäste nichts, meine Eltern, die damals schon auf Mallorca urlaubten, haben nie etwas erzählt. Aber ich denke, noch in den 50er-Jahren hat die Franco-Regierung den Markt freigegeben und die „Cupones“ abgeschafft, da haben allerdings schon eine Menge Ausländer auf Mallorca gewohnt! Was für eine perverse Situation: Vollpension in den Hotels für die Turistas und Brot für die Einheimischen nur von Tag zu Tag per „Marke“. Es ist doch immer wieder interessant, ab und zu mal in die Geschichte unseres kleinen Felsens zu lugen …

 

 

Die Wurst und der Weltbestseller …

NATÜRLICH KENNEN SIE J. P. SALINGER! Den geheimnisumwitterten US-Schriftsteller mit dem globalen Bestseller „Der Fänger im Roggen“. Der sich jahrzehntelang eingemauert hatte, weil er nichts mehr zu tun haben wollte mit der Welt da draußen. In dessen Mönchstum eines Tages der berühmte Reporter Ron Rosenbaum eingedrungen war – und bei ihm entdeckte ich folgende interessante, sich auf Mallorca beziehende Episode (wobei klar sein sollte, dass S. eben jener Salinger ist):

Übersetzt heißt das: In dem Städtchen im US-Staat New Hampshire, in dem sich Salinger versteckte, gab es einen Delikatessen-Laden, in dem er inkognito einkaufte und zwar besonders gern eine „ländliche Salami“ namens „Soppressata“, die er „dünn geschnitten und in mehreren Lagen“ bevorzugte. Wobei Rosenbaum spekuliert, dass Salinger sie im Geschäft seines Vaters kennen gelernt haben könnte, der ein New Yorker Importeur von Fleisch- und Käsewaren war. Interessant, nicht? Wobei ich aber heftig dagegen protestiere, Sobrassada als „junk food“ zu bezeichnen …

Die Wahrheit über Ekel-Restaurants …

So berichtete die „Mallorca Zeitung“ …

DIE SACHE IST NÄMLICH DIE, DASS DER SKANDAL EINEN DOPPELTEN BODEN HAT, und die Geschichte geht so: 1. kommt ein Inspekteur des Gesundheits- ministeriums der Balearen und prüft. Leider gibt es für alle Inseln nur knapp 25 dieser Kontrolleure – viel zu wenig. 2. Die 25 stellen Mängel fest, verwarnen die Wirte oder schließen die Restaurants. 3. Da müsste nun ein Schild rausgehängt werden, dass das Ministerium die Gaststätte wegen gruseliger Zustände dicht gemacht hat, aber so ein Schild sieht man äußerst selten, stattdes- sen heißt es: „Wegen Renovierung geschlossen“ oder „Urlaub bis zum …“. Das ist illegal! Die Tatsachen: Wer sich anschaut, was 2019 geschah, dem wird fast übel. Denn 3564 Lokale wurden bewertet, 522 hatten entsetz- liche Mängel, 1663 klare Mängel. Das heißt: In 61,2 % dieser Restaurants war die Gesundheit der Gäste hygi- enisch bedroht und 83 (davon 44 allein auf Ibiza) mussten die Inspekteure sofort – von einer Minute auf die andere – schließen und saftige Geldstrafen verhängen. Und was sind die Kriterien der akuten Bedrohung? 1. Extremer Schmutz, 2. Fehlen einer Spülmaschine, 3. Kein heißes Wasser, 4. Wimmelnde Kakerla- ken, 5. Deutlicher Rattenbefall. Im Klartext heißt das also: 2019 war es gefährlich, rund zwei Drittel der Lokale zu betreten, geschweige denn, dort zu essen! Mein Fazit: Auf einigen Speisekarten steht ab sofort auch das große Schaudern mit Soße …

Oli d’Ametlles – selten und teuer!

Das Mandelöl vom „Mallorquiner“ …
… und bei „Georg’s“ in Arta

„SCHWER ZU FINDEN UND NICHT GERADE BILLIG“, schreibt Edmund Els in seinem Buch „Wenn ich an Mallorca denke …“. Er meint das Öl, das aus Mandeln gepresst wird. Viel kommt da nicht raus, und deshalb kosten 0,2 Liter auch mindestens 10 Euro, der Liter also garantiert 50 Euro – wenn man Glück hat. Es gibt sogar einen ganz heißen Tipp: das Ehepaar Miguel und Inka Morey in Sencelles, die Produzenten des feinsten Mandelöls, das man zur Zeit bekommen kann, in kleinen Mengen der, auch deshalb gilt es als kostbar. Zwar führt auch „Der Mallorquiner“ Mandelöl (ich zeige seine Packung hier), aber für das Morey-Öl muss man bei „Georg’s“ in Arta nachfragen (971 / 82 96 41), ob sie es gerade vorrätig haben.

Netter Tipp von einem Leser …

ICH MAG SOLCHE KONTAKTE, vor allem wenn sie von Menschen stammen, die mit offenen Augen durch die Insel wandern und ganz persönliche Entdeckungen machen, die gut teilbar sind. Carsten H. ist so einer und er schrieb mir: „Wenn ich auf Mallorca bin, besuche ich … immer montags den Stand von Can Betli vor der Markthalle in Manacor. Dort esse ich Bocadillo, welches mir Juan auf leckere Weise verfeinert, und kaufe für mich angefertigte, mit Käse gefüllten Oliven and andere Köstlichkeiten.“ Danke, Herr H., gut zu wissen, da werde ich  einkehren, es muss ja nicht unbedingt am Markttag sein (muss nur rausfinden, ob Juan dann auch da ist …).

Jetzt aber ran an das Kochbuch!!!

… und das Kochbuch
Toni Ramon und Maria Pinya …

IN DER TRAUER UM DAS RESTAURANT „SA SINIA“ in PORTOCOLOM (gesch- lossen nach fast 100 Jahren) erwacht der Ehrgeiz: das Kochbuch „Mallorca in Ihrer Küche“ zu kaufen. Es ist das heiterste, professionellste, authentischste und originell- ste Rezept- und Küchenver- öffentlichung der Insel. Ges- taltet auf 93 Seiten innen und außen vom großen Maler Miquel Barcelo, bestückt mit alten Fotos aus Familienbesitz, voller skurriler Schnur- ren, geliefert vom damaligen Chef, dem legendären Toni Ramon, geschrieben von der Philologin Maria Antonia Pinya, fabelhaft übersetzt von Hartmut Botsmann – und die Rezepte stammen von den sagenhaften Köchinnen Maria Martorell und Maria Ramon. Das Buch, auf Deutsch erschienen 2006, kostete mal 18 Euro, als es noch im „Sa Sinia“ zu haben war, jetzt ist es höchs- tens noch antiquarisch zu bekommen (Editorial el far, ISBN 978 8493 283 780), aber es ist jede noch so große Mühe wert! 

Man weiss eben einfach zu wenig …

… VON MALLORCA! Ich hatte z. B. bis vor Kurzem keine Ahnung von „Gori de Muro“, dem Biskuit der Bäckerfamilie Noceras in Muro, den es seit 1890 in 13 Varianten gibt. Preis pro Beutel: 1.45 bis 2.53 Euro. Dieses süße Gebäck in Scheibchenform ist derart gut, weil nahrhaft, dass es die spanische und britische Marine einst tonnenweise als Schiffszwieback einkaufte (worauf es in England „Bread of Sailors“ genannt wurde), und es heute sogar bei Aldi zu haben ist. Das Rezept („Dolc tipic“) ist ein scharf bewachtes Geheimnis der Bäckerei an der Plaza de Sant Martin, 8, bei der man unbedingt mal vorbeischauen sollte, und ich konnte meine Frau jetzt überreden, immer ein paar „Gori“-Beutel im haus zu haben – für „Notfälle“ …

 

 

 

Menu oder „Plato economico“?

Reichlich für 9,90 Euro …

IM MOMENT IST DAS SO AUF DER INSEL: Wirte buhlen um jeden einzelnen Gast, denn viele sind es nicht, die jetzt hungrig unterwegs sind. Weil der kalte Wind verhindert, dass es auf den Terrassen gemütlich ist, die mit Plastik eingehüllten Veranden aussehen wie Tische & Stühle in Aspik und teuer geht aktuell überhaupt nicht in den Touristenorten. Und weil die, die noch zum Essen kommen, vor allem Einheimische sind, die keine Touri-Preise zahlen. Zu Dumpingpreisen zwischen 8 und 12 Euro werden deshalb dreigängige „Menus“ angeboten, die gar nicht mal übel sind (+ 1 Glas Wein, Mineralwasser, Brot & Oliven), aber einigen Wirten ist zu wenig, was sie damit verdie- nen, sie bieten lieber „Platos Economics“ an. Nicht billiger und nicht teurer, aber da kommt auf den Teller, was sie preiswert einkaufen konnten, der Gewinn ist also höher. Denn über eins muss man sich klar sein: Die Köche dieser im Winter auf Mallor- kiner konzentrierten Kneipen (= meist die Besitzer oder ihre Frauen) außerhalb von Palma kaufen auch bei Eroski, Lidl und Hiper ein, wie die Hausfrauen, und achten auf die Sonderange- bote! Was tun? Sich die Detail der Menus und Platos sagen lassen, kurz, aber scharf nachdenken, und bestellen, wenn nichts Verdächtiges auffällt …

Adios, Schaf – Ciao, Kuh!

Da gibt’s bald nix mehr zu feiern …
… und Kühe überleben als Sparschweine

MUSS MAN WOHL BALD SAGEN, und dass das, was da gerade geschieht, den Zei- tungen nur eine Rand- notiz unten rechts wert ist, bewer- te ich als Dummheit! Denn nicht nur die Bauern sterben aus, sondern auch das liebe Vieh. Mallorca wird bald zu 100 % auf Importe angewiesen sein – und hatte früher das Festland versorgt! Man muss sich die Zahlen nur mal auf der Zunge zergehen lassen: 2008 gab es auf der Insel 12 727 Rinder, 2018 waren es nur noch 7500, ein Minus von 41 %. Es existieren nur noch 28 Milchviehbetriebe! Und nicht nur das: In den genannten 10 Jahren sank die Zahl der Schafe um 95 000, das ist ein Sechstel des Bestandes! Ich sehe die Zeit kommen, da Mallorca nicht nur mit Tankschiffen voller Süßwasser versorgt werden muss, sondern auch solchen, in deren Bäuchen Kuhmilch schwappt – oder durch Containerschiffe voller Leche-Tetrapaks. Ich vermisse das „Mäh“ und das „Muh“ heute schon…

„Bar Playa“ öffnet am 1. April!

Fast in der Kniekehle der Bucht findet man die „Bar Playa“ …

ENDLICH STEHT DAS DATUM FEST: Der vermutlich beste und deshalb populärste Chiringuito der Insel, „Bar  Playa“ an der Costa de los Pinos (bei Son Servera), ist ab Mittwoch, 1. April, wieder in Betrieb. Mauro & Judy haben die Konzession auch für 2020, der fabelhafte Koch ist ebenfalls geblieben, die Exners haben die Speisekarte künstlerisch aufgefrischt und die Preise sind, wie ich höre, nicht erhöht worden. Jetzt muss man nur noch die Telefonnummer parat haben (971 / 81 65 76), um rechtzeitig einen Platz zu buchen – denn Gedränge wird’s garantiert wieder geben in der Bucht mit dem sensationellen Südseestrand