Feste

Augen auf bei „Tia Emma“!

IN DEN KLEINEN LÄDEN LIEGEN NÄMLICH SEHR NÜTZLICHE HEFTE HERUM – die „Programme der Saison“! So wie das auf dem Foto für den Sommer 2021 in Felanitx und Portocolom. Sowas gibt’s in nahezu jeder Gemeinde, für fast jede Jahreszeit, voll mit Terminen & Tipps, oft bebildert und dies hier hat die Größe eines Comic-Heftes und dicht gedrängte 44 Seiten. Da steht alles drin, was leider zu 99 % an den Ausländern, selbst den Residenten, vorbei huscht: Sehe besuchenswerte Konzerte, Sportereignisse, Vernissagen, Kirchenfeiern, Theateraufführungen, Kabaretts, Festmahle usw. Natürlich ist der Text auf Mallorquin, aber leicht zu lesen, da es sich um reine Informationen handelt. Und die Sprache der Einheimischen ist eh einfacher zu lesen als Spanisch. Kosten? Nix. Und seien Sie versichert, dass Sie trotz aller Überraschung über ihr Erscheinen herzlich willkommen sind …

Seltsame Jubileen …

Alberto Bayo landet mit seinen Truppen in der Bucht von Sa Coma …
… und so sah Bayo damals aus

… WERDEN GEFEIERT, IN GEDANKEN UND IN GEHEIMEN ZIRKELN. So bekam ich gerade mit, dass einige den 16. Au- gust (Sonntag) zelebriert haben, weil an diesem Tag vor 84 Jahren der Kubaner Alberto Bayo (1898-1967) mit seiner Truppe bei Portocristo gelandet war, um im Spanischen Bür- gerkrieg Mallorca für die Republikaner („Die Roten!“) zu- rückzuerobern! Die Invasion scheiterte nach heftigen Kämp- fen, die sich bis nach Sant Llorenc und Son Carrió hinzo- gen, etwa 1500 Soldaten das Leben kostete, und schon am 4. September wurden die Angreifer übers Meer nach Barce- lona gescheucht. Bayo kam später noch zu Weltbekannt- heit als militärischer Ausbilder von Fidel Castro und Che Guevara für ihre kommunistische Eroberung Kubas. – Zu feiern gibt’s da also nicht viel auf Mallorca, denn außer ein paar Einschusslöchern, z. B. an der Kirche in Son Carrió, ist nichts Sichtbares geblieben von Bayo, und man muss schon sehr aufrechten Sozi sein, um dieses Tages zu gedenken …

Der Stierkampf als Kunstwerk …

… EXISTIERT IN EINIGEN SEINER PLAKATE, und die sind wirklich großartig. Man betrachte sich nur mal die- ses Corrida-Plakat vom 17. August 1913. Geschaffen vor über 100 Jahren für einen Stierkampf in der Arena von Palma. Als Vorlage dienten die Grafiken eines da- mals sicher bekannten Malers und der barocke Schwung des „Modernismo“, das spani- schen Jugendstils, ist noch zu spüren. Das Plakat misst nur etwa 40 x 20 cm und ist vom Alter ausgefranst. Ein Picador ist zu sehen, die Lanze im Stiernacken, auf einem damals noch unge- schützten Pferd; weiter oben ein Hirte mit Jungstieren auf einer andalusischen Weide. Es handelt sich um eine dauerhaft verwendbare Ereignis-Vorlage, in die man ak- tuelle Termine, Orte und Teilnehmer schwarz eindrucken konnte, von Cadiz bis San Sebastian und hier eben Palm de Mallorca. Ein Schatz, finde ich, der die Erinnerung an die uralte Tradition des Stierkampfes ins Unendliche ver- längern wird …

 

 

 

Stierkampf I: Da erzählt eine Schwachsinn …

SIE HEISST STEPHANIE KINDERMANN, ist Synchronspre- cherin & TV-Kleinstdarstellerin, vertritt angeblich die Tier- schutzorganisation PETA auf Mallorca – und redet wirr-dummes Zeug, wenn’s um Stierkampf geht. So verzapfte sie in einem Mallorca-Blatt folgende Phantastereien: „Der Stier lebt eine Woche vorher in Dunkelheit (!), ihm wird wachshaltige Watte in die Ohren gesteckt (!) und Vaseline in die Augen geschmiert (!). Er erhält mehrere Tage lang Abführmittel (!). Am Tag des Stier- kampfes ist er also desorientiert, geschwächt und dehydriert … den Pferden (der Picadores) werden übrigens die Stimmbänder durchschnitten (!), damit sie sich in größter Panik still blei- ben.“ Und was hält sie von den Corridas in Südfrankreich, bei denen die Stiere nicht getötet werden? „Die Tiere sterben oft hinterher an Herz- und Kreislaufversagen.“ Vor Aufregung … Die Mini-Mimin tut ihrer Sache keinen gefallen, wenn sie diese ge- quirlte Propaganda-Kacke verzapft und ich habe den Chefredakteur aufgefordert, in Zukunft zu verhindern, dass solche Ignorantinnen ihren Schwachsinn auf seinen Seiten absondern dürfen. Und Frau Kindermann rate ich dringend, schauspielern zu lernen, damit sie in Zukunft die Texte von Profis sprechen darf …

Mein Gott, haben die Jesusse gefroren …

So erging’s dem armen Kerl in Felanitx …

… ZU OSTERN FAST NACKT AM KREUZ! Ich schreibe diesen Nachtrag zum Fest, weil ich die Fotos in den Zeitungen gesehen habe: Junge Männer, nur mit einem Lendenschürzchen bekleidet, spielen die Leidensgeschichte Jesu nach – bis zu mallorkinischen Golgathas. Und nun dürften sie alle krank sein, denn es war saukalt am Karfreitag und dazu pfiff noch ein eisiger Wind. Aber die tapferen Darsteller hielten durch und nun liegen sie, denke ich, alle flach. Mit Husten und Grippe, knapp an der Lungenentzündung vorbei. Und weil sie so erbärmlich gefroren haben, werden ihnen alle Sünden bis Ostern 2020 verziehen, malt sich meine Phantasie aus. Aber es nun mal leider so: Dass es in der Karwoche warm ist auf Mallorca, passiert nur einmal pro Jahrzehnt. Der echte Christus hat in Jerusalem sicher nicht gefroren, das wenigstens nicht. Ich bewundere seine Darsteller auf der Insel …

… und das Schwein wird mitgebracht!

WIE MAN INZWISCHEN WEISS, GRASE ICH DIE ZEITUNNGSANZEIGEN AB wie ein Trüffelschwein den Waldboden im Piemont – und entdecke immer wieder was! So wie diese interessante Annonce vor ein paar Tagen. Wenn ich sie richtig verstehe, bietet einer Matazas für Menschen an, die kein eigenes Schwein halten. Für die bringt er gesunde, freilaufende Bioschweine“ mit und organisiert Live-Schlachtungen nach Art der einheimischen Bauern! Das kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber so lese ich das Angebot. Interessant! Und wieder mal breche ich in den Ruf aus: Wat nich all jibt auf Malle!!! Und wer die Tötung der Schweine nicht aushält, dem bringt der Lieferant „komplett gesäuberte und für den Backofen zubereitete freilaufende, glückliche Brathähnchen“. Da laufen dann natürlich nicht mehr glücklich frei herum …

Man muss besser aufpassen …

Das Programm mit 68 Seiten …

… ALS AUSLÄNDER AUF MALLORCA! Wieder sind die Feste von Sant Agusti an dem meisten spurlos vorübergegangen, Ende August haben sie in einigen Orten 2 Wochen lang gewütet und man hätte gern mitgemacht. Allein das Programm von Felanitx, das ich hier zeige, hat 68 Seiten! Vollgepackt mit Informationen und Terminen. Vom Charity-Suppe essen im Kloster bis zu Vorträgen zur Prähistorie und Tanz auf dem Marktplatz. Die Mallorkiner lassen sich wirklich was einfallen, um ihre Heiligen zum eigenen Vergnügen zu ehren, und ich habe mir sagen lassen, dass Felanitx vom 19. August bis zum 3. September dicht war – schwarz vor Menschen, zugeparkt bis in die Peripherie. Natürlich hat nichts auf Deutsch stattgefunden, nicht mal auf Englisch, aber was macht das schon? Kaum jemand ist kommunikativer als die Insulaner. Ich sag’s ja immer: Wenn wir wüssten, was sich bei den Eingeborenen alles  tut, wir würden alle versuchen, ein bisschen besser Mallorquinischen oder wenigstens Spanisch zu sprechen! Jetzt ist’s zu spät, aber das nächste Mal rechtzeitig auf die Programmhefte achten!!!

Wat nich all jibt auf der Insel …

Das Wappen der Bruderschaft …
… gibt’s auch in Rot

MAN FIN- DET IM- MER WIE- DER WAS, und dies- mal in Mana- cor: Eine  „Confraria de Tastavins“, was man mit „Brüderschaft der Weinlieb- haber“ übersetzen könnte. Präsident der „Confraria“ ist übrigens der oft prämierte Winzer Miquel Gelabert. Mir fiel dieser exklusive Klub auf, als er im Mai die „Semana Cultural del Vi“, die „Die Woche der Weinkultur“ , veranstaltete – und wieder mal war das ein spannendes Ereignis mit Gourmet-Abenden, Vorträgen von Experten und Verkostungen, der an uns Ausländern nahezu spurlos vorübergegangen ist. Schade! Es besteht da doch eine gewaltige Kluft zu den Mallorkinern. Oder, ein anderes Beispiel: Hat irgendjemand mitbekommen, was für eine tolle „Fira de Mai  (mit fast 30 Events!) sie vom Donnerstag, 10., bis Sonntag, 13. Mai, in Lloret de Vistalegre organisiert haben? Man muss sich wirklich mehr kümmern …