Finca

Total künstlich, aber lustig!

WAS UNSERE ARME INSEL NICHT ALLES ERTRA- GEN MUSS! Leute wie die Nullingerin, dann Corona – und nun dieses Warnschild aus USA! „Beware of Majorca Sheperd Dog“ steht da, als wenn’s einhei- mische Schäferhunde als Rasse gäbe. 30,5 x 23 cm ist es groß und aus Aluminium, der Rost ist künstlich hergestellt und es kostet so etwa 17 Euro (+ Versand aus Los Angeles). Man findet es im Internet, und wenn ich es mir so recht überlege, sieht es an einem Finca-Tor vielleicht doch ganz nett aus mit dem englisch ge- schriebenen Majorca

Die Straße der friedlichen Nachbarn …

In diesem Paradies hinter der Küste liegt irgendwo die Straße …

ES IST EIN CAMINO, KEINE CARRETERA. Nicht asphaltiert, nach Wolkenbrüchen ein Torrente, einspurig und schädlich für viele Autos. Eine Sackgasse, zwischen alte Steinmauern geklemmt, etwa 1,2 km lang, recht steil permunt oder pervall (je nachdem, ob man rauf oder runter fährt), ab und zu rechts oder links eine Einfahrt mit Tor. 16 Familien haben hier Häuser, die 7 Mallorkiner, einst alle Campesinos, jetzt nur noch wenige, seit Ewigkeiten; die 9 Ausländer siedelten sich zwischen 1955 und 2018 an. Eine friedliche Gemeinschaft, die sich die Straße teilt, die Stille, die Fruchtbarkeit, den Postkasten und die Elektrizität und 15 hängen an einer Quelle (einer ist so glücklich, eine eigene Wasserstelle geerbt zu haben). Neben den 7 Mallorkinern sind das 5 Deutsche, 3 Schweizer und 1 Französin. Alle 16 wählen ab und zu einen Häuptling, das kann auch eine Frau sein, der dafür sorgt, dass alle ihre Rechnungen bezahlen, keiner den anderen übervorteilt und niemand zu laut wird. Sie kennen sich alle, laden sich gegenseitig ein (allerdings entziehen sich ein paar scheue Eingeborene dem engeren Kontakt mit den Extranjeros) und spielen an einem Abend jeder Woche gemeinsam, aber reihum Petanca mit anschließendem Dinner. Es geht also, Streit ist nicht zwangsläufig ein Genosse der Nachbarschaft. Nun gut, beim Wasser, das zögerlich fließt, sind sich nicht immer Alle einig, denn einige haben Rasen, andere nicht, einige besitzen Pools, andere nicht, einige wohnen ständig hier, andere nur monats- oder wochenweise. Aber es gibt immer eine Lösung, und es ist in den Jahrzehnten nie vorgekommen, dass zwei nicht mehr miteinander sprachen. Ich wollte das alles berichten, weil es mir gut gefällt – und weil es, vor allem in den Urbanisationen, häufig nicht so ist. 

Schön, aber leider unecht …

SIE WERDEN IM INTERNET DUTZENDWEISE ANGEBOTEN: Angebliche Kopien von Plakaten, die es jedoch nie gegeben hat!!! Sie sehen alt aus, sind traumhaft schön und  täuschend echt, und in der Beschreibung heißt es verklausuliert, es handle sich um die Wiedergabe von Originalen. Dabei haben sehr begabte Künstler lediglich alte Motive hergenommen (sogar den Ausschnitt aus einem Ancker- mann-Gemälde habe ich entdeckt), oder sie erfunden, und sie als typisch mallorkinische Reisewerbung dargestellt. Die Dinger sind nicht teuer, es gibt sie ab ca. 10 Euro je nach Größe, und das geht dann rauf bis um die 50 Euro. Fazit: Wer nur was Dekoratives an der Finca-Wand haben möchte, ohne Rücksicht auf Authentizität, der liegt hier richtig. Auch ich bewundere diese Grafiken, aber habe lieber was Echtes in der Bude …

Da sucht einer ein Windrad …!

So sieht ein Windrad aus …

WIEDER SO EINE KLEINANZEIGE, die mich fasziniert: Ein mallorkinisches Windrad wird benötigt, ein Riesending mit einem Durchmesser bis zu 2.60 m! Defekt darf es sein, aber wie soll’s denn aussehen? Und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so etwas rumliegen hat, ich jedenfalls habe noch nie eins auf Abbruch- oder Flohmärkten gesehen. Es gibt – traditionell – 5 Arten Windräder, aus Holz, Metall und Stoff, mit Segeln, Schaufeln und Lamellen, und dazu gehört ein Turm bzw. ein Schrauben- und Zahnrad- system, das Windkraft auf eine Hebevorrichtung überträgt. Aber das will der Typ hinter der Anzeige alles gar nicht, ihm genügt das Windrad. Warum? Da steht eine Handy-Nummer, ich habe angerufen, aber es ging leider nie einer ran. Dennoch: Man müsste noch viel mehr stöbern in den Wünschen der Inselbewohner …

Die Wahrheit über Es Fangar

Der Krauthausen-Text …
… und der Thorer-Text

STEHT DIESE WOCHE IN DER „MALLORCA ZEITUNG“ auf den Seiten 22 und 23 (ab Mittwoch). Der Chefredakteur Dr. Ciro Krauthausen und ich haben uns in aller Fairness bemüht, die Eisenmann-Insolvenz, die in die Milliarden geht, und die Zukunft des Paradieses Es Fangar (bei Felanitx) zu erläutern und zu bemessen. Es sieht nicht gut aus! Weshalb ich einen leidenschaftlichen Appell starte, dieses kostbare Stück Mallorca in Gänze zu erhalten. Aber nach dem, was mein Kollege recherchiert hat, wird das wohl kaum möglich sein. Deshalb mein Tipp: „MZ“ lesen, es ist spannend …

Verachtet die Aschenbecher nicht!

ES SIND FEINE SOUVENIRS – und so viel attraktiver als die teuersten Designerstücke! Natürlich muss man sie immer noch meist klauen, aber die hübschesten alten Aschenbecher gibt es längst reihenweise auf den Flohmärkten. Auch wenn die Preise impertinent angezogen haben, man bekommt das von Hand bunt dekorierte Hotel-Porzellan schon ab 1 Euro, und nimmt man einen ganzen Schwang, fallen die Kosten in die Cent-Region. Ich zeige hier 5 Exemplare als Palma und Capdepera, jüngst erworben auf dem Consell-Rastro, und auch wenn Ascher überflüssig erscheinen, weil kaum einer noch raucht, so lassen sie sich dekorativ als Oliven- oder Zitronen-Schälchen und Zahnstocher-Ablage verwenden. Denn man sollte nie vergessen: Das Leben auf der Finca schreit nach Authentizität …

Vertreibung aus dem Paradies (Version 2.0)

Peter Eisenmann (grünes Hemd) kutschiert vierspännig durch seinen Garten Eden …

EINE DUNKLE WOLKE HÄNGT ÜBER DEM TAL HINTER FELANITX, zwischen dem Sant Salvador (509 m) und dem Mola de Fangar (318 m). Sie verdunkelt das Paradies Es Fangar des deutsch-schweizeri- schen Unternehmers Peter Eisenmann – und man hört Fürchterliches. Zerschlagen könnte der Besitz werden, weil er in den Mahlstrom der Insolvenz zu rutschen droht, die den Weltkonzern Eisenmann befallen hat. Die Eisenmanns, Peter & Sabine, möchten ihren Garten Eden bewahren, den sie aus wildem Brach- land schufen, das viele Jahrzehnte lang zur Müllhalde verkam – und es wäre ein Jammer für Mallorca, wenn es ihnen nicht gelänge. Mit dem alten Schloss, den prachtvollen Gästevillen, dem Gestüt, dem Weinberg, der Ölmühle, der Erlebnis-Imkerei, dem Naturschutzgebiet für Tiere, die sonst weit und breit nicht mehr vorkommen, dem puren Öko-Fincashop, dem Jagdmuseum, den Kunstsammlungen, den stillen Wanderwegen, der eigenen (öffentlichen) Schule und so weiter und so weiter. Selten hat ein Ehepaar einer ganzen Landschaft so wohl getan und für mich sind sie die vorbildlichsten Deutschen (Schwaben mit Schweizer Pass) auf Mallorca. Stückweise, so vernehme ich, sollen jetzt Juwelen aus dem Paradies gebrochen werden und der Erlös in die Pleite einfließen. Bitte, nicht! Ich würd‘ sogar was spenden, um Es Fangar zu retten …

Ausgrabungen auf eigenem Land …

Das sind …
… nur einige …
… der Funde …
… aus der Erde …
… meines Gartens

DIE WOLKEN- BRÜCHE DER LETZTEN TAGE HABEN FLUSS- BETTEN IN MEIN GRUNDSTÜCK GEGRABEN – und kuriose Kostbar- keiten freigelegt! Ich wohne 200 m hoch (das ist ge- waltig für Mallorca) am Abhang eines Berges, rund 5 km Luftlinie vom Meer entfernt. Und den- noch sind in meiner Erde versteinerte Muscheln aufgetaucht, dazu Schne- cken und seltsam geformte Dinge aus dem Ozean. Er muss also vor Tausenden von Jahren bis zu mir hoch gereicht haben, 200 m hö- her, und als der Wasser- spiegel absank, blieben die Reste der Lebewesen zurück und versteinerten. Die Gärt- ner haben schon ab und zu sowas gefunden, aber die Regengüsse waren die sorgfältigsten Archäolo- gen! Ich sammle die Funde jetzt, klebe sie in die Lücken der Mares-Steine, aus denen mein Haus besteht. Das sieht fabelhaft aus, Ton in Ton, und erinnert mich täglich daran, dass ich auf dem ehemaligen Meeresgrund wohne …

Wenn man hinter die Kulissen guckt …

So hoch kann die Strafe sein für eine Fuhre Kies …

… WIRD EINEM MANCHMAL GANZ SCHLECHT! Zum Beispiel, was einem die Mallorkiner erlauben, und was nicht, wovon was abhängt, und was für Strafen sie aussprechen können. Da darf einer, der ein Grundstück von 14 206 qm besitzt, nicht mal Kies aufschütten in seiner Auffahrt oder rund um den Pool, und manche Gemeinden erhöhen jetzt die Mindest-Quadratmeterzahl, bei der Veränderungen – selbst kosmetischer Art – erlaubt sind, auf 21 000 qm! Sich ein niedliches kleines Gartenhäuschen für Geräte, Liegen und Matten hinstellen? Das kann teuer werden! Die Idee dahinter ist an sich nicht schlecht: Man will vermeiden, dass Mini-Grundstücke vollgestellt oder zugebaut werden. Der Ästhetik und Infrastruktur wegen. Aber inzwischen wird die gute Absicht als Knebel benützt, um dem Fiskus zusätzliche Einnahmen zu verschaffen, und ein bisschen auch, um Macht zu demonstrieren. Denn bis zu 100 000 Euro kann ein Verstoß kosten, als Minimum gelten 20 000 Euro. Nicht verhandelbar, zumindest nicht als Ausländer ohne beste Beziehungen. Ich weiß, wovon ich rede, Nachbarn ist das gerade passiert. Da ist es gut, einen cleveren, möglichst einheimischen Anwalt in der Hinterhand zu haben …

Da kamen ein LKW mit Felsbrocken und ein Bagger …

 

Steine im Weg, das lieben Hausbesetzer gar nicht …

… UND SCHON WAR DAS PROBLEM GELÖST! Denn wenn illegale Besetzer nicht mehr nah ranfahren können mit ihren Autos, dass interessiert sie die Immobilie nicht. So einfach ist das. Ich hatte ja berichtet von einem seit Jahren unbenutzten Gebäude an der Straße von Portocolom nach Portocristo, und wie dort ein Clan eingezogen war mit Kind & Kegel, 4 Autos (!), Lagerfeuern, Wäscheleinen, Generator, Ghettoblaster und Anzapfen einer Wasserquelle. Und wie eines Tages die Polizei erschien und die Besetzer rauswarf. Und dann hatten die Eigentümer der Finca etwas Cleveres veranlasst und das gab’s bisher nicht: Ein Lkw fuhr vor, hoch beladen mit Felsbrocken, und ein Bagger rollte an, und dann wurde die ganze Straßenfront mit den dicken Steinen abgesperrt (siehe Foto), jetzt kann keiner mehr den Zaun öffnen und aufs Grundstück fahren – die Immobilie ist sicher. Der Nachteil: Auch die Eigentümer kommen nicht rein, aber das wollen sie in nächster Zeit wohl nicht. Hauptsache, Andere bleiben draußen …