Gesellschaft

Rührend: Feng Shui in der Macchia …

Die einsame Feng Shui-Finca

WEIT UND BREIT IST NICHTS, nur wilde Macchia. An einer einsamen Stelle steht im Gebüsch das Schild: FENG SHUI Beratung 500 m. Dazu eine Blüte und ein Pfeil. Dem bin ich gefolgt, immer tiefer in den Busch, auf einer Naturstraße, einspurig, zerlöchert. Und sah, zurückgesetzt in einem Bauernacker, eine Finca hinter einem schmiedeeisernen Doppeltor – mit wieder diesem Blumenschild an einer Kiefer, aber jetzt mit Namen, Telefon und Email. Eine Dame aus dem nördlichen Hessen bietet hier – rührenderweise – Beratung an, wie der Mensch zu Harmonie gebracht werden kann mit seiner Umgebung. Mal abgesehen davon, dass sich keiner verirrt in diese Einsamkeit, benötigt man noch Feng Shui, die Lehre von „Wind und Wasser“, wenn man auf Mallorca lebt? Nun ja, die alten Mallorkiner haben genau gewusst, wie sie in möglichst hohem Einklang stehen mit der Natur auf ihren Fincas; die Neubürger aus Germanistan stellen ihre Hütten geradeso hin, wie es ihnen passte. Aber ob sich von denen einer sagen lässt, wie er nach den chinesischen Regeln zu bauen hat …?

Das waren noch Zeiten …

Eine Bank alter Schule …

… ALS BANKEN AUF MALLORCA MEHR KONNTEN ALS HEUTE! Folgenden Schriftzug in antikem Edelmetall entdeckte ich an der Fassade eines schönen alten Mares-Gebäudes in Llucmajor: CAJA DE AHOR- ROS Y MONTE DE PIEDAD DE LAS BALEARES. Ich übersetzte: „Sparkasse und Gipfel der Gnade“ oder „Berg des Erbarmens“. Das ist keck. War’s möglich, dass ein Direktor vor 130 Jahren seiner Bank einen solch zynischen Namen verpassen konnte? Ja, aber es heißt etwas Anderes: „Monte de Piedad“ bedeutet Leihhaus. Hier konnten kurzzeitig klamme Menschen ihre Wertsa- chen versetzen. Banken waren damals auch Pfandhäu- ser. Das sind sie längst nicht mehr, aber einige Schrift- züge haben überlebt. Heilige Muttergottes von Lluc, Mallorca ist voller Skurrilitäten, wenn man es offenen Auges durchstreift …

MI MUSEU: Die Militär-Regierung lässt grüßen …

Wappen der militärischen Regierung …

… MIT IHREM WAPPEN AUF EINEM HOLZBRETTCHEN! Das vergisst man meist: Dass es neben der zivilen auch eine militärische Verwaltung auf Mallorca gibt, den „Gobierno Militar de Mallorca“. Seit Franco ist das so. Und wie sich das Oberkommando darstellt, sieht man auf dem Schild: Mit Adler, Krone und einer eigenen Heraldik über dem stolzen Schriftband. Das ist aufwendig in Metall gearbeitet, 25 x 18 cm groß und 1,5 cm dick. Ich fand dieses militärische Objekt beim spanischen Ebay, es kostete 10 Euro und da habe ich es gekauft. Jetzt hängt es über meinem Schreibtisch und ich ernte dafür erstaunte Blicke von mallorkinischen Freunden und Handwerkern …

 

 

 

 

Stierkampf I: Da erzählt eine Schwachsinn …

SIE HEISST STEPHANIE KINDERMANN, ist Synchronspre- cherin & TV-Kleinstdarstellerin, vertritt angeblich die Tier- schutzorganisation PETA auf Mallorca – und redet wirr-dummes Zeug, wenn’s um Stierkampf geht. So verzapfte sie in einem Mallorca-Blatt folgende Phantastereien: „Der Stier lebt eine Woche vorher in Dunkelheit (!), ihm wird wachshaltige Watte in die Ohren gesteckt (!) und Vaseline in die Augen geschmiert (!). Er erhält mehrere Tage lang Abführmittel (!). Am Tag des Stier- kampfes ist er also desorientiert, geschwächt und dehydriert … den Pferden (der Picadores) werden übrigens die Stimmbänder durchschnitten (!), damit sie sich in größter Panik still blei- ben.“ Und was hält sie von den Corridas in Südfrankreich, bei denen die Stiere nicht getötet werden? „Die Tiere sterben oft hinterher an Herz- und Kreislaufversagen.“ Vor Aufregung … Die Mini-Mimin tut ihrer Sache keinen gefallen, wenn sie diese ge- quirlte Propaganda-Kacke verzapft und ich habe den Chefredakteur aufgefordert, in Zukunft zu verhindern, dass solche Ignorantinnen ihren Schwachsinn auf seinen Seiten absondern dürfen. Und Frau Kindermann rate ich dringend, schauspielern zu lernen, damit sie in Zukunft die Texte von Profis sprechen darf …

MI MUSEU: Die Aktie des großen Betruges …

1935 ERSCHIENEN EIN PAAR CLEVERE GANOVEN IN PALMA, gründete eine Gesellschaft, verausgabten Aktien – und versprachen, mit dem Geld eine Seilbahn auf den Puig Major zu bauen. Natürlich dachten sie nie daran, besaßen nicht mal die notwendigen Genehmigungen (zudem brach wenig später der Bürgerkrieg aus), aber es gab genügend Investoren, die von der mühelosen Besteigung von Mallorcas höchstem Gipfel träumten – und dann platzte die Illusion. Das Geld war weg, die Ganoven auch, nur die hübschen bunten wertlosen Börsenpapiere blieben übrig, und sie gelten heute als Spitzenwert im Sammelgebiet „Insel-Aktien“. Meine Exemplar über 5000 Pesetas (sorry, das Glas hat einen Sprung!) konnte ich für 40 Euro beim spanischen Ebay erwerben …

Kennen Sie Karl-Heinz Boeswirth? Macht nichts …

 

Das ist wirklich ein Hammer – aber ein winzig kleiner …

IN DACHAU KENNT MAN IHN. Da wurde er geboren. Jetzt nennt er sich Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein. Obwohl … – das echte Adelshaus 1. zu Sayn-Wittgenstein heißt (nicht von), und man 2. bei einer Adoption den noblen Titel nicht mitkaufen kann. Ich kenne Böswirth, als er noch auf Kunstauktionator im „Baye- rischen Hof“ in München machte, mit einem iranischen Partner, ich besitze sogar noch zwei (natürlich falsche) Jugenstil-Lampen aus einer seiner Versteigerungen. Damals verschwand er plötzlich aus München, nun ja – Schwamm drüber! Und tauchte auf Mallorca auf. Nicht unsympathisch, der Mann, und so maulstark wie die Gurkenschneiderverkäufer vor den Kaufhäusern. Obwohl er mir gerade vorwirft, ich sei „neidisch“ auf ihn. Nun ja – nicht wirklich. Denn ich kenne ja seine doppelt bedeutungslose  Adoptionsge- schichte: Ein Mann namens Bruno Lothar Koch heiratet auf Vermittlung von Konsul Weyer eine dankbare, sogar echte Adelsdame namens Sayn-Wittgenstein, aber aus einer abgestor- benen Seitenlinie (deshalb eine von und keine zu), nimmt ihren Namen an und nennt sich jetzt Bruno Lothar von Sayn-Wittgenstein. Also noch nicht mal adoptiert. Aber er adoptiert (u. a.) jenen Karl Heinz Böswirth aus Dachau – und der tritt nun auf Mallorca und im TV pompös als Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein auf! Skurril, weil weit & breit keine Spur von echtem Adel. Ein Bürgerlicher (Herr Koch) adoptiert einen Bürgerlichen (Herrn Böswirth) – mehr pseudo-blaublütige Scharlatanerie geht nicht! Alles legal, klar, aber so wenig Stammbaum wie die Straßenhunde, die Tierfreunde auf Mallorca retten. Nun ja – jeder soll so handeln, was ihm beliebt, und sich lächerlich machen nach eigenem Gutdünken. Nichts gegen einzuwenden. Aber alle lassen sich eben nicht verscheißern mit dem falschen Namens-, Titel-, Wappen- und Bedeutungsgetue. Letzthin berichteten Nichtsnutz-Medien, Karl-Heinz (mal mit, mal ohne Bindestrich) sei verschütt gegangen. Bis er sich selbst meldete: Keine Aufregung, bin noch da! Das ist der Trick 17 der NulliVIPs: Sei weg, lass dich vermissen, tauch‘ auf – und wundere dich ganz laut, dass du überhaupt gesucht wurdest. So bist du wieder ein paar Sekunden lang im Gespräch …

Haarschneiden auf Maurisch …

Das Nasenschild auf Arabisch …

DIE BESTE KOPFBEHANDLUNG, die mir je zuteil wurde (Haarschneiden, Rasieren, Nase und Ohren behandeln), erlebte ich in Gaziantep (Türkei). Weil die Pflege der männlichen Schönheit in moslemischen Ländern uralte Tradition hat. Und als ich nun in einem Städtchen im Innen-Inneren dieses Schild entdeckte, freute ich mich: Weil diese Kultur auf Mallorca übergesprungen war! Nun gibt’s sicher Nitwits, die aufschreien: „Ach, soweit sind wir schon!“ Aber ich denke nicht so, ich freue mich, wenn unsere Mitbürger aus Marokko, Algerien und Tunesien nicht mehr nur geduckt auf die Gemüsefelder, in die Obstplantagen und durch die Straßen huschen, sondern zeigen, dass sie mitten unter uns lebendig, nützlich und wichtig sind …

… und hinterher die Rechnung ohne Dank!

DIES IST EINE GESCHICHTE, die ich anonym erzählen will und nicht illustrieren kann. Ein interessanter Nachbarschaftsfall aus der Insel-Mitte. Er geht so: Ich habe einen Freund, der auf seinem und dem umliegenden Land eine kleine Herde Ponys frei herumlaufen lässt. Mit Einverständnis der Nachbarn. Eines Tages hat ein Nachbar einen Zaun errichten lassen (nichts gegen einzuwenden) und dabei übersehen, dass er eines der Ponys „aus- bzw eingesperrt“ hat (kann passieren in der Wildnis). Es war verschwunden, aber mein Freund ist ein schlauer Fuchs und vermutete nach ein paar Tagen des Nachdenkens sein Pferdchen im Stall des jetzt eingezäunten Nachbarn. Weil es dorthin gelaufen sein müsste, als es nicht mehr Nachhause konnte (ist ja nur natürlich). Er rief an, das Pony war da und er ließ es (mit Dank) abholen. Ein paar Tage später bekam er eine Rechnung: 250 Euro für Unterbringung und Fütterung! Kein Wort der Entschuldigung, dass das Pony aus- bzw eingesperrt worden war. Keine Andeutung von Nachbarschafts- oder Tierhilfe.Mein Freund zahlte und legte noch – als seinen Dank – eine Pralinenschachtel zum Geld. Er hat aber nichts mehr gehört vom Nachbarn. Von wegen „Ach, das ist aber nett – Danke!“ …

SE VENDE: Ein „Asche-Blatt“ von der Armee …

„MILI“ NENNEN SIE ES, das Militär. Das führt ein abgekapseltes Eigenleben auf Mallorca, ist nebenbei größter Grundbesitzer nach dem Adel – und ab und zu trifft man hübsche Sachen, die sie für sich selber herstellen lassen. Wie diesen handtellergroßen Porzellan-Aschenbecher in Form eines Ahornblattes, der aus dem „Centro Deportivo Militär“ in Palma stammt und auf jedem Finca-Tisch hübsch aussieht. Ich habe ihn vor ein paar Jahren auf einem Insel-Flohmarkt gefunden, ihn – da ich nicht rauche – mit Nüssen bestückt und nun reicht’s, ich verkaufe ihn und 3 Euro scheint mir nicht zu teuer zu sein …

Kleiner Ausflug in die Historie …

… und die Bar in Calonge

… UND ZWAR IN EINE DER VIELEN KNEIPEN, die „Bar Telefono“ heißen. Warum tun sie das? Die Eingeborenen und die Alteingesessenen wissen es: Weil in der Frühzeit der Kommunikation (etwa bis 1980) in vielen Orten nur Bars einen Telefonanschluss bekamen und sich dann stolz „Bar Telefono“ nannte. Wer jemanden anrufen wollte oder musste (eine Ambulanz oder die Kinder Zuhause in Deutschland z. B.), der hatte nur den Apparat auf der Theke. Über den man sich aber auch anklingeln lassen konnte bzw. zweimal … – zuerst: „Bitte, holen Sie meine Mutter, ich ruf‘ in 30 Minuten wieder an!“, dann das eigentliche Telefonat, wenn der/die Angerufene in die Bar gekommen war. Ich zeige hier die „Bar Telefono“ in Calonge, und die darf man nicht unterschätzen, auch wenn sie nach nichts aussieht: Hier finden richtig gute Live-Konzerte statt und gekocht wird ab und zu auch noch ziemlich gut …