Gesellschaft

Sic transit gloria mundi …

… SAGTEN DIE ALTEN RÖMER: „So vergeht der Ruhm der Welt“. Und in diesem Kleinanzeigen-Fall gleich dreimal: 1. verschwand die Galeria Sailer in Santanyi, Schatzkammer kostbarer Webstoffe (weil die wohlhabenden Finca-Banausen einen billigen Perserteppich nicht von einem antiken Kelim unterscheiden wollen/können), 2. vermag man dadurch den glockenhellen und einst hochgeschätzten Tenor von Señor Sailer nicht mehr zu vernehmen, und 3. hält uns diese Kleinanzeige vor Augen, dass der legendäre Brockhaus im Zeitalter von Google nichts mehr wert ist. Man kann ihn in der ehemaligen Galeria Sailer gratis abholen, denn natürlich bringt es Señor Sailer nicht übers Herz, die 24 Bände auf den Müll zu werfen (wie mir mein Leib-Antiquar geraten hatte: „In eine Umzugskiste packen, zum Wertstoffhof  und in den Papierfresser! Für den kriegen Sie nicht mal 5 Euro …!“). Wie wahr: Bei Ebay wird eben jener Brockhaus für 1 Euro angeboten – mit Selbstabholung irgendwo in der Wallachei …

Die Wahrheit über Es Fangar

Der Krauthausen-Text …
… und der Thorer-Text

STEHT DIESE WOCHE IN DER „MALLORCA ZEITUNG“ auf den Seiten 22 und 23 (ab Mittwoch). Der Chefredakteur Dr. Ciro Krauthausen und ich haben uns in aller Fairness bemüht, die Eisenmann-Insolvenz, die in die Milliarden geht, und die Zukunft des Paradieses Es Fangar (bei Felanitx) zu erläutern und zu bemessen. Es sieht nicht gut aus! Weshalb ich einen leidenschaftlichen Appell starte, dieses kostbare Stück Mallorca in Gänze zu erhalten. Aber nach dem, was mein Kollege recherchiert hat, wird das wohl kaum möglich sein. Deshalb mein Tipp: „MZ“ lesen, es ist spannend …

Adios, Schaf – Ciao, Kuh!

Da gibt’s bald nix mehr zu feiern …
… und Kühe überleben als Sparschweine

MUSS MAN WOHL BALD SAGEN, und dass das, was da gerade geschieht, den Zei- tungen nur eine Rand- notiz unten rechts wert ist, bewer- te ich als Dummheit! Denn nicht nur die Bauern sterben aus, sondern auch das liebe Vieh. Mallorca wird bald zu 100 % auf Importe angewiesen sein – und hatte früher das Festland versorgt! Man muss sich die Zahlen nur mal auf der Zunge zergehen lassen: 2008 gab es auf der Insel 12 727 Rinder, 2018 waren es nur noch 7500, ein Minus von 41 %. Es existieren nur noch 28 Milchviehbetriebe! Und nicht nur das: In den genannten 10 Jahren sank die Zahl der Schafe um 95 000, das ist ein Sechstel des Bestandes! Ich sehe die Zeit kommen, da Mallorca nicht nur mit Tankschiffen voller Süßwasser versorgt werden muss, sondern auch solchen, in deren Bäuchen Kuhmilch schwappt – oder durch Containerschiffe voller Leche-Tetrapaks. Ich vermisse das „Mäh“ und das „Muh“ heute schon…

Klimawandel, Tierliebe oder keine Gelegenheit …?

Ein typischer Hundefellmantel …
… und die Anzeigen

MERKWÜR- DIG, WAS ICH ALS ANZEIGEN-SPÜRHUND WIEDER ENTDECKT HABE: Insel-Ladys werfen ihre Pelze raus! Solche Annoncen häufen sich, und die, die ich hier zeige, standen auf derselben Seite eines Mallorca-Blattes. Da geht es um 3 Nerzmäntel und 1 Gaewolf (das ist Hundefell!!!) in den Größen 40-44. Nun frage ich mich: Schlägt der Klimawandel mit pelz-feindlichen Temperaturen durch, haben sich die Ladys zu Tierliebe durchgerungen oder gibt es auf der Insel weniger Gelegenheit, im Pelz rumzulaufen? Und warum versuchen sie, ihre Fellfiffis ausgerechnet auf Mallorca zu verkloppen (leider immer ohne Preisangabe)? Nun, was soll’s, ich stelle nur fest, was mir auffällt zwischen and Sant Elm und Formentor …

Die Damen an die Tatorte …

Carners Leichen …
… und Jensens Leichen

WIE KOMMT ES EIGENTLICH, das so gut wie jede Woche ein Mallorca-Krimi erscheint (oder 4 im Monat), und die Autoren fast immer Frauen gesetzten Alters sind? Verdacht: Mann weg, Kinder aus dem Haus, Langeweile auf der Finca und Krimis gehen leichter von der Hand als Lyrik oder normale Romane. Irgend so etwas muss es ja sein, und da sind die aktuellsten Damen, die Österreicherin Susan Carner aus Graz und die Deutsche Stina Jensen, keine Ausnahme. Mich interessiert das Phänomen, zumal die Schreiberinnen nicht mal alle auf der Insel wohnen, sondern sie nur von Ferien kennen. Aber im Gegensatz zu den Männern verfassen die meisten Frauen ihre Insel-Krimis so, dass sie auch Reisetipps und historische Informationen enthalten. Das scheint den Männern keinen so großen Spaß zu machen. Die weiblichen Morde lesen sich also folkloristischer – nützlicher. Über die neuen Bücher der Beiden kann ich nichts sagen, weil mich Krimis tödlich langweilen, und das Genre „Mallorca-Krimi“ noch mehr. Aber ich will wenigstens die Titel nennen: „Mallorquinischen Leiche zum Sa Rua“ von Susan Carner und „Serra de Tramuntana – Blutrot“ von Stina Jensen.

Seltsam, wer kauft denn sowas?

Beauty an der Playa …
… Oma & Opa landen …
… Tante Helga in Camp de Mar …
… Familie in Formentor

ALTE FOTOS MIT LEUTEN, DIE KEINER KENNT! Zu Dutzenden werden sie angeboten, ich denke, da plündern Enkel die Fotoalben ihrer Großeltern und verscherbeln die Agfa-klack!-Aufnahmen. Für 1.33 Euro (das ist der niedrigste Preis, den ich fand) bis zu 19.99 Euro. Zwar sind es Mallorca-Schnappschüsse, aber bedeutungs- los, weil sie äußerst selten „historisch“ sind, also nicht zeigen, wie’s mal war im Gegensatz zu heute. Aber offen- bar werden die Aufnahmen aus den 50er- bis 90er-Jahren gekauft, was ich unter Umständen verstehen könnte, wenn’s um FKK ginge, aber die war selten auf der Insel  unter Franco (kommt aber vor auf den Fotos). Meine besonderen Lieblinge sind die „Aussteiger“ – Ehepaare in Hüten & Mänteln kommen eine Flugzeugtreppe herunter, abgeschossen von Berufsfotografen als Urlaubssouvenirs. Richtig schön dämliche Bilder, wenn man nicht sagen kann: „Guck mal, Opa Erwin und Oma Elise!“ Oder „Hihi, Tante Helga landet in Palma!“ Wer gibt dafür Geld aus? Ein Rätsel …

Kann sein, dass Mallorca befreit wird …

Das ist die Sendung, die Nullingers auf Mallorca zu Sternschnuppen-VIPs macht …

… VON DEM GESO … – DEN LEUTEN, die das Image der Insel durch ihre bloße Existenz versauen. Wie ich höre (und nicht nur ich) planen die Büchners den Abflug. Weil man nämlich, um auf der Insel Erfolg zu haben (= Einnahmen, Existenz, Zukunft), richtig ernsthaft arbeiten muss. Da genügt es nicht, so zu tun, als sei man prominent, könne gegen Honorar auftreten und werde überall eingeladen (= muss nix bezahlen). Und irgendwann hat auch der dümmste TV-Billigsender die Nase voll von seinen „Stars“ – spätestens wenn klar ist, dass eine Person, die nichts zu bieten hat, nach dem dritten Aufguss keinen mehr interessiert. Tschüssikowski, Ihr Leute, könnte ja später mal im Urlaub wiederkommen – wenn Ihr ihn bezahlt …

Draußen kochen wird zum Hit!

Sie kann so aussehen …
… aber auch so!

AUF DEN NOBLEN FINCAS WIRD OPEN AIR GEKOCHT! Und mittlerweile gibt es bomfortionöse Außenküchen auch auf nicht so noblen Besitzungen, denn 2019 scheinen diese kulinarischen Luxus-Immobilien den schlichten Grill- platz abgelöst zu haben. Mit stählernen Doppelspülen, ins Mauerwerk eingegra- benen Kühlschränken, Sitzgruppen für bis zu 12 Personen, Theken mit Kühl- truhen für die Getränke, integrierten Grillrosten, Backröhren und Mikro- wellen, das Ganze schützend überdacht wie religiöse Andachtsstätten, beheizt und geschmückt mit Wandbildern, die Archäologen in 1000 Jahren als Kunstwerke bestaunen werden. Die Ausstattung ist so aufwendig, dass man die Außenküchen auch im Winter nutzen kann – aber sicher in den Übergangszeiten. Ob’s sie nur eine Marotte der Situierten sind, wage ich (noch) nicht zu beurteilen, ich stelle nur fest, dass sie gerade so populär werden wie Pakete zu verschicken, statt mit Ge- päck zu fliegen …

Da erregte ein kleiner Satz Aufsehen …

Maruja Garcia, „Miss Europa“ 1962, die schönste Mallorkinerin der Moderne
… und mein Interview

... UND ICH WURDE DUTZENDFACH GEFRAGT, wie ich das wohl gemeint haben könnte. Leute, so wie ich es gesagt habe! Der Anlass war ein Interview im „Mallorca Magazin“ zu meinem 80. Geburtstag und Maike Schulte hatte mich gefragt: „Sie kennen auch die geheimen Seiten der Mallorquiner. Können Sie uns ein Beispiel nennen?“ Und ich, ein von Geburt dezenter Typ, habe geantwortet: „Geheime Seiten? Die soll ich kennen? Ich weiß von nix – aber von der Erotik der Mallorquinerinnen erzählt man sich Wunderdinge!“ – Mehr nicht, und doch habe ich damit in ein (sexuelles?) Wespennest gestochen. Nicht nur Deutsche sprachen mich an, wollten mehr wissen, sogar Mallorkiner, die keine deutschen Zeitungen lesen, erkundigten sich nach den Frauen, die ich scheinbar kennen würde, sie aber nicht! Es gab auch Señoras, die mir vorwarfen, ihr Geschlecht auf die Sexualität zu reduziere, und meine Nachbarin Elena, 50 Jahre jünger als ich, tippte sich kurz mal an die Stirn. Wirklich, Leute, Hinweise auf die spezielle Sensualität der weiblichen Insulanerinnen ziehen sich seit Jahrhunderten durch die Literatur, wer sich mit offenem Herzen durch Mallorca bewegt, entdeckt immer wieder Unwiderstehliches auf schönen Beinen (mit Glück sogar Maruja, die einzige „Miss Europa“ aus Mallorca und mit 76 immer noch berückend schön) und mein Freund Damian hat mir mal verraten – ach, lassen wir das, Elena tippt sich sonst wieder an die Stirn (sie ist seine Frau)

Feixisme – der Graffiti-Krieg …

Versprüht in Felanitx …

MAN KANN IHN ÜBER- ALL BEOB- ACH- TEN, z. b. am 2. Kreisel in Felanitx, wenn man aus Campus kommt. FEIXISME steht da – und wird von Narren gefordert. Einen Kilometer weiter lese ich: NIEDER MIT DEM FEIXISME! Und auf dem Flohmarkt in Consell habe ich einen geradezu rührenden Sticker von 1986 fotografiert, in dem der 30-jährige Kampf gegen den Faschismus gefeiert wird. Denn FEIXISME ist das mallorkinische Wort für Faschismus, und der hat – bedauerlicherweise – den Diktator Franco um 44 Jahre überlebt, zumindest im Wunschdenken vieler Narren. Halten wir uns da raus, wir haben genügend eigene Probleme mit unseren Glatzen in den Springer-Stiefeln; es ist nur interessant zu beobachten, dass eine politische Verbrecher-Philosophie derart überlebensfähig ist an so vielen Orten …