Gesellschaft

Klimawandel, Tierliebe oder keine Gelegenheit …?

Ein typischer Hundefellmantel …
… und die Anzeigen

MERKWÜR- DIG, WAS ICH ALS ANZEIGEN-SPÜRHUND WIEDER ENTDECKT HABE: Insel-Ladys werfen ihre Pelze raus! Solche Annoncen häufen sich, und die, die ich hier zeige, standen auf derselben Seite eines Mallorca-Blattes. Da geht es um 3 Nerzmäntel und 1 Gaewolf (das ist Hundefell!!!) in den Größen 40-44. Nun frage ich mich: Schlägt der Klimawandel mit pelz-feindlichen Temperaturen durch, haben sich die Ladys zu Tierliebe durchgerungen oder gibt es auf der Insel weniger Gelegenheit, im Pelz rumzulaufen? Und warum versuchen sie, ihre Fellfiffis ausgerechnet auf Mallorca zu verkloppen (leider immer ohne Preisangabe)? Nun, was soll’s, ich stelle nur fest, was mir auffällt zwischen and Sant Elm und Formentor …

Die Damen an die Tatorte …

Carners Leichen …
… und Jensens Leichen

WIE KOMMT ES EIGENTLICH, das so gut wie jede Woche ein Mallorca-Krimi erscheint (oder 4 im Monat), und die Autoren fast immer Frauen gesetzten Alters sind? Verdacht: Mann weg, Kinder aus dem Haus, Langeweile auf der Finca und Krimis gehen leichter von der Hand als Lyrik oder normale Romane. Irgend so etwas muss es ja sein, und da sind die aktuellsten Damen, die Österreicherin Susan Carner aus Graz und die Deutsche Stina Jensen, keine Ausnahme. Mich interessiert das Phänomen, zumal die Schreiberinnen nicht mal alle auf der Insel wohnen, sondern sie nur von Ferien kennen. Aber im Gegensatz zu den Männern verfassen die meisten Frauen ihre Insel-Krimis so, dass sie auch Reisetipps und historische Informationen enthalten. Das scheint den Männern keinen so großen Spaß zu machen. Die weiblichen Morde lesen sich also folkloristischer – nützlicher. Über die neuen Bücher der Beiden kann ich nichts sagen, weil mich Krimis tödlich langweilen, und das Genre „Mallorca-Krimi“ noch mehr. Aber ich will wenigstens die Titel nennen: „Mallorquinischen Leiche zum Sa Rua“ von Susan Carner und „Serra de Tramuntana – Blutrot“ von Stina Jensen.

Seltsam, wer kauft denn sowas?

Beauty an der Playa …
… Oma & Opa landen …
… Tante Helga in Camp de Mar …
… Familie in Formentor

ALTE FOTOS MIT LEUTEN, DIE KEINER KENNT! Zu Dutzenden werden sie angeboten, ich denke, da plündern Enkel die Fotoalben ihrer Großeltern und verscherbeln die Agfa-klack!-Aufnahmen. Für 1.33 Euro (das ist der niedrigste Preis, den ich fand) bis zu 19.99 Euro. Zwar sind es Mallorca-Schnappschüsse, aber bedeutungs- los, weil sie äußerst selten „historisch“ sind, also nicht zeigen, wie’s mal war im Gegensatz zu heute. Aber offen- bar werden die Aufnahmen aus den 50er- bis 90er-Jahren gekauft, was ich unter Umständen verstehen könnte, wenn’s um FKK ginge, aber die war selten auf der Insel  unter Franco (kommt aber vor auf den Fotos). Meine besonderen Lieblinge sind die „Aussteiger“ – Ehepaare in Hüten & Mänteln kommen eine Flugzeugtreppe herunter, abgeschossen von Berufsfotografen als Urlaubssouvenirs. Richtig schön dämliche Bilder, wenn man nicht sagen kann: „Guck mal, Opa Erwin und Oma Elise!“ Oder „Hihi, Tante Helga landet in Palma!“ Wer gibt dafür Geld aus? Ein Rätsel …

Kann sein, dass Mallorca befreit wird …

Das ist die Sendung, die Nullingers auf Mallorca zu Sternschnuppen-VIPs macht …

… VON DEM GESO … – DEN LEUTEN, die das Image der Insel durch ihre bloße Existenz versauen. Wie ich höre (und nicht nur ich) planen die Büchners den Abflug. Weil man nämlich, um auf der Insel Erfolg zu haben (= Einnahmen, Existenz, Zukunft), richtig ernsthaft arbeiten muss. Da genügt es nicht, so zu tun, als sei man prominent, könne gegen Honorar auftreten und werde überall eingeladen (= muss nix bezahlen). Und irgendwann hat auch der dümmste TV-Billigsender die Nase voll von seinen „Stars“ – spätestens wenn klar ist, dass eine Person, die nichts zu bieten hat, nach dem dritten Aufguss keinen mehr interessiert. Tschüssikowski, Ihr Leute, könnte ja später mal im Urlaub wiederkommen – wenn Ihr ihn bezahlt …

Draußen kochen wird zum Hit!

Sie kann so aussehen …
… aber auch so!

AUF DEN NOBLEN FINCAS WIRD OPEN AIR GEKOCHT! Und mittlerweile gibt es bomfortionöse Außenküchen auch auf nicht so noblen Besitzungen, denn 2019 scheinen diese kulinarischen Luxus-Immobilien den schlichten Grill- platz abgelöst zu haben. Mit stählernen Doppelspülen, ins Mauerwerk eingegra- benen Kühlschränken, Sitzgruppen für bis zu 12 Personen, Theken mit Kühl- truhen für die Getränke, integrierten Grillrosten, Backröhren und Mikro- wellen, das Ganze schützend überdacht wie religiöse Andachtsstätten, beheizt und geschmückt mit Wandbildern, die Archäologen in 1000 Jahren als Kunstwerke bestaunen werden. Die Ausstattung ist so aufwendig, dass man die Außenküchen auch im Winter nutzen kann – aber sicher in den Übergangszeiten. Ob’s sie nur eine Marotte der Situierten sind, wage ich (noch) nicht zu beurteilen, ich stelle nur fest, dass sie gerade so populär werden wie Pakete zu verschicken, statt mit Ge- päck zu fliegen …

Da erregte ein kleiner Satz Aufsehen …

Maruja Garcia, „Miss Europa“ 1962, die schönste Mallorkinerin der Moderne
… und mein Interview

... UND ICH WURDE DUTZENDFACH GEFRAGT, wie ich das wohl gemeint haben könnte. Leute, so wie ich es gesagt habe! Der Anlass war ein Interview im „Mallorca Magazin“ zu meinem 80. Geburtstag und Maike Schulte hatte mich gefragt: „Sie kennen auch die geheimen Seiten der Mallorquiner. Können Sie uns ein Beispiel nennen?“ Und ich, ein von Geburt dezenter Typ, habe geantwortet: „Geheime Seiten? Die soll ich kennen? Ich weiß von nix – aber von der Erotik der Mallorquinerinnen erzählt man sich Wunderdinge!“ – Mehr nicht, und doch habe ich damit in ein (sexuelles?) Wespennest gestochen. Nicht nur Deutsche sprachen mich an, wollten mehr wissen, sogar Mallorkiner, die keine deutschen Zeitungen lesen, erkundigten sich nach den Frauen, die ich scheinbar kennen würde, sie aber nicht! Es gab auch Señoras, die mir vorwarfen, ihr Geschlecht auf die Sexualität zu reduziere, und meine Nachbarin Elena, 50 Jahre jünger als ich, tippte sich kurz mal an die Stirn. Wirklich, Leute, Hinweise auf die spezielle Sensualität der weiblichen Insulanerinnen ziehen sich seit Jahrhunderten durch die Literatur, wer sich mit offenem Herzen durch Mallorca bewegt, entdeckt immer wieder Unwiderstehliches auf schönen Beinen (mit Glück sogar Maruja, die einzige „Miss Europa“ aus Mallorca und mit 76 immer noch berückend schön) und mein Freund Damian hat mir mal verraten – ach, lassen wir das, Elena tippt sich sonst wieder an die Stirn (sie ist seine Frau)

Feixisme – der Graffiti-Krieg …

Versprüht in Felanitx …

MAN KANN IHN ÜBER- ALL BEOB- ACH- TEN, z. b. am 2. Kreisel in Felanitx, wenn man aus Campus kommt. FEIXISME steht da – und wird von Narren gefordert. Einen Kilometer weiter lese ich: NIEDER MIT DEM FEIXISME! Und auf dem Flohmarkt in Consell habe ich einen geradezu rührenden Sticker von 1986 fotografiert, in dem der 30-jährige Kampf gegen den Faschismus gefeiert wird. Denn FEIXISME ist das mallorkinische Wort für Faschismus, und der hat – bedauerlicherweise – den Diktator Franco um 44 Jahre überlebt, zumindest im Wunschdenken vieler Narren. Halten wir uns da raus, wir haben genügend eigene Probleme mit unseren Glatzen in den Springer-Stiefeln; es ist nur interessant zu beobachten, dass eine politische Verbrecher-Philosophie derart überlebensfähig ist an so vielen Orten …

Wie reagiert man bei den Z-Leuten …?

IHR LANDLÄUFIGER NAME BEGINNT MIT Z, aber man darf ihn nicht mehr nennen. Ein solcher Clan ist in meiner Nachbarschaft eingefallen mit rund 20 Personen, je zwei Liefer- und Personenwagen sowie einem kompletten Hausstand. Sie haben ein seit Jahren leer stehendes Restaurant besetzt, in dem weder Strom noch Wasser funktioniert, die Fenster keine Scheiben haben und die Toiletten abgebaut sind. Aber das stört sie nicht, sie kochen und waschen, verbringen Grillabende auf der Terrasse – und tagsüber sind sie irgendwo (wenn man nur wüsste, wo!) Nette Menschen wahrscheinlich, völlig harmlos, auf der Suche nach Arbeit, aber auch über mir hängt ein Ressentiment: Muss ich jetzt die Alarmanlage einschalten, wenn ich mein Haus verlasse? Das Eingangstor versperren? Die Zugangsstraße kontrollieren? Solche Gedanken überfallen einen, ob man will oder nicht. Jahrhundertealte Vorurteile. Meinen Nachbarn (Deutsche, Schweizer, Franzosen, Mallorkiner) geht es genauso. Wir sind ziemlich ratlos – über die Z und über uns …

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

… und nun sind die Fisch-Esser dran!

Dorade auf Spargel – bald verboten?

ES MUSSTE JA SO KOMMEN! Aber keiner konnte voraussehen, dass es derart blödsinnig werden würde, wenn sich die angeblichen Klima- mit den angebli- chen Tierschützern verbinden. Noch treten diese Freaks anonym auf, so wie jener „roninpalma“, der einen Leserbrief missbrauchte (diese Frühform der entsetzlichen „Social Media“), um in einer Inselzeitung folgenden Sermon abzulassen: „Der … auf Mallorca weitaus höhere Konsum von Fisch hat ebenso Folgen fürs Klima, denn die wenigsten Fische springen mittags freiwillig vom Meer in die Pfanne, sondern werden oft ein entfernt irgendwo draußen auf dem Meer ums Leben gebracht, tiefgefroren und dann zu den Häfen transpor- tiert …“. Satirisch eine Perle, intellektuell eine Niete, thematisch die finsterste Zukunft: Solche Typen wer- den bald auch den Reißverschluss am Hosentürl verbie- ten, weil er sich in Gegenwart von Frauen zu schnell öffnen lässt …