Gesellschaft

Das schmerzt – und das nicht!

WENN MAN NÄMLICH HÖRT, dass der schöne alte Fotoladen Casa Vila an der Placa Eulalia in Palma ein Jahr vor seinem 100-jährigen Jubiläum dicht macht! Das war nämlich eine Institution, aus dem auch hervorragende Fotografen hervorgingen, die viel beigetragen haben zur optischen Geschichtsschrei- bung von Mallorca. Millionen von Touristenfilmen haben sie entwickelt, jahrzehntelang Postkarten produziert. Der Virus gab Casa Vila den letzten Todesst0ß. Dennoch: Wenn etwas, das seit 3. Februar 1922 florierte, sich plötzlich in Luft auflöst, dann verschwindet etwas Unwiederbringliches! – Völlig egal ist dagegen, dass es die „Fanteria“ der Nullingers in Cala Millor nicht mehr gibt. Die wurde nie benötigt und Corona hat da die Arbeit einer Kehrmaschine geleistet. Eben wurde sie geschlossen, der Versuch, aus Spartensender-Popularität ein Geschäftsmodell zu basteln, ist kläglich gescheitert, mit und ohne Virus …

Die Statistiken der Wahrheit!

WAS CORONA BETRIFFT, spielt sich der Virus auf zwei Ebenen ab: A. Was man fühlt und sieht, und B. Was die offiziellen Statistiken offenbaren – und das ist schlimmer als die erlebte Wirklichkeit! 1. Da gibt es z. B. eine Suppenküche in Palma (eine von mehreren), zu der kommen jetzt jeden Tag mehr als 1200 Hungrige, das sind 6 x mal als vor der Pandemie, und viele stehen schon lange vor 10 Uhr an, der Startzeit der Suppenausgabe! 2. Die Balearen, sagt der spanische Forschungsrat CSIC, haben 2020 so viel Wirtschaftskraft verloren (-28 %), dass sie auf dem Stand von 2000 sind! 3. Im Jahr 2019 konnten sich die Inseln darin sonnen, auf Platz 6 der reichsten Provinzen Spaniens zu liegen; 17 Provinzen gibt es – und für 2021 muss man mit einem Absturz auf Platz 13 rechnen! 4. Gegen Ende 2020 waren, so die Balearen.Universität, bereits 33 000 Bewohner in derart bittere Armut getrieben worden (etwa jeder 30.), dass sie nicht mehr aus eigener Kraft überleben können. Und leider ist der Spuk noch lange nicht zu Ende und Entschuldigung, dass ich ausnahmsweise so miese Nachrichten verbreite …

Die armen Z … von Mallorca …

… MUSSTEN HERHALTEN ALS KURIOSITÄTEN! Es war eine belgische Firma für Bis- kuits & Schokoladen, Victoria, die Sammlerkarten produzierte und auf die Rückseite eine völ- kerkundliche Legende druckte in Französisch und  Flämisch. In den 1940er-Jahren muss das gewesen sein, da hat man die Z … sicher nicht gefragt, sondern einfach vor die Kathedrale ge- karrt im Kostüm, und wie un- gern sie fotografiert wurden, sieht man an ihren Mienen. Die Karte steht bei Ebay für 3.60 US-Dollar zum Verkauf und ich habe sie erworben, um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Da mag zwar einiges vorgekommen sein in den letzten Jahren in ihrem Viertel Son Banya, aber die Zeiten der „Völkerschauen“ müssen nun wirklich vorbei sein. Die Firma Victoria stellte ihren Betrieb übrigens schon 1970 ein …

Die Vergangenheit kehrt zurück …

… IN GESTALT ZWEIER BARS: des „Abaco“ und der „Bar Cristal“! Ich finde das großartig und wundre mich nur über das Hin und Her. Da erhöht der Hausbesitzer die Miete für die Bar im Lonja-Viertel ums Vierfache, der Mieter muss raus, ein deutscher Investor plant ein Hotel statt Bar – und plötzlich ist der Barbesitzer zurück und das „Abaco“ besteht weiter (angeblich bis 2040). Bei der „Bar Cristal“ an der Placa d’Espanya war’s so, dass auch sie schließen musste wg. unbezahlbarer Mietsteigerung, neu eröffnet wurde als Teil einer deutschen Kette („Es Rebost“), dann schlug der Virus zu, das neue Lokal lohnte sich nicht mehr, es machte dicht und nun wird ein Spanier es neu eröffnen: als „Bar Cristal“. Mich freut das, ich mochte beide Bars, sie waren gastronomische Farbtupfer im Leben von Palma. Das „Abaco“ war in seiner Operetten-Aufmachung weltweit einmalig (ein bisschen auch bei seinen Preisen) und in der „Bar Cristal“ konnte man die Jugendstil-Vergangenheit nicht nur erahnen, sondern auch sehen. Es waren Wohlfühl-Jausenstationen, Institutionen(wie auch die „Bar Lirico“ unten am Borne oder die „Bar Cuba“ drüben an der Argentina), und mich als Nostalgiker hat es immer beruhigt, dass es diese traditionellen Etablissements (schon so lange) gab. Mich erinnert das an das Hin und Her bei der Straßenbahn in Palma und dem Eisenbahnnetz auf der Insel: zu schnell abgebaut, nach Jahren bereut und mühsam restauriert …

Silvester ist gerettet …

… WEIL WILL WAS FEINES GEPLANT HAT auf seiner Kulturfinca Son Baulo in Lloret de VistalegreMit drei Möglichkeiten: Entweder ein Fünfgänge-Menü um 16 Uhr für 28 Euro oder um 17:30 Uhr Musikshow mit Paul Gant und Yvonne Franke, hinterher Feuerwerk mit Cava für 24 Euro. Zwar scheint mir die Zeit für das Menü mit 90 Minuten etwas knapp bemessen (oder gibt’s so wenig?), aber man kann ja beide Events buchen – für insgesamt 54 Euro, was ja so besehen kein Preis ist, wenn man das pralle Leben auf Son Baulo kennt. Will hat noch eine Bitte: „Unbedingt anfragen / anmelden: 971  52 42 06 oder E-Mail!“

Da müssten Frauen eigentlich darauf fliegen!

… AUF DIESE KLEINANZEIGE UNTER „KONTAKTE“. Lesen Sie doch mal: Da sucht ein Mann, der eine Menge von sich hermacht, eine Frau fürs Leben, von der er nicht mal Informationen über Alter, Aussehen, Anlagen und Attribute erbittet. Und das auch noch in seinem Haus auf Mallorca. Geht’s noch einfacher für die einsamen Damen, die er generell schon gleich duzt? Die Email-Adresse muss heiß laufen, denke ich – und so habe auch ich dem Herrn geschrieben, um zu erfahren, ob er schon in Angeboten badet. Aber der Architekt, der offenbar Jo heißt, hat leider nicht geantwortet. Was mich außerdem ein bisschen stutzig macht, ist, dass er Mallorca auf die alte englische Weise Majorca schreibt und seine Email-Adresse outlook.com heißt. Ein Brite, der eine deutsche Gefährtin wünscht? Sollte ich noch was Näheres erfahren, melde ich mich wieder, vielleicht wird ja eine schöne Liebesgeschichte daraus …

Es ist so schön auf der Insel …

Da bekommt man Heimweh nach der Insel …                                                    (Foto: Ursula Becker-Schmitz)

WAS AUCH IMMER MAN AN HORROR-MELDUNGEN HÖREN MAG – bei mir haben sich am einem Tag (gestern) drei Familien gemeldet, die ein Haus oder ein Apartment auf der Insel besitzen und sich spontan entschlossen haben, den Winter über da zu bleiben. Weil es „so wunderschön ist wie sonst nie“, wie einer mir sagte; „so einsam und so herrlich mallorkinisch, wie wir es gar nicht kennen“, so ein anderer; „da ahnt man, wie Mallorca in der Hochsaison am Tourismus leidet“. Nun sind die Überwintere 1. nicht mehr jung, und 2. finanziell unabhängig. Und 3. hoffen Sie, dass kein lokaler „Lockdown“ beschlossen wird, der sie in ihren vier Wänden kaserniert, aber die aktuellen Zahlen deuten nicht darauf hin, obwohl ein himmelweiter Corona-Unterschied besteht zwischen bestimmen Stadtteilen Palmas (beängstigend hoch) und z. B. der Gemeinde Felanitx (lächerlich niedrig). Gratulation, Leute, ich wünsche einen milden Winter, obwohl der Wespen und anderes unliebsames Getier millionenfach züchten würde …

Große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus …

… UND DAS NÄCHSTE SOLLTE AM AM FREITAG, 25. SEPTEM- BER, STATTFINDEN: Die „Mallorca Zeitung“ wollte auf dem Wein- gut Bodega Castell Miquel ihren begehrten und vielbeachteten Jahrespreis vergeben an „Menschen, die sich um das Zusammenleben und Wohlergehen auf der Insel verdient gemacht haben.“ Die Verleihung, auf dem prachtvollen Gelände des Pharma-Unternehmers (Bionorica) Prof. Popp bei Alaro, ist nie öffentlich, aber man kann sich um Tickets bewerben unter preise@mallorcazeitung.es – und 2020 gab es unter den drei zu ehrenden Persönlichkeiten eine besondere Überraschung, und wieder sollte es eines der großen gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres werden – trotz Corona. Da kam „Die 2. Welle“, Mallorca wurde zum „Risikogebiet“ erklärt und der Verlag musste die Preisverleihung auf unbestimmte Zeit verschieben – schade!!!

Der schönste Mann Mallorcas …

Fast verheiratet – im Film …

… TJA, WER MAG DAS WOHL (gewesen) SEIN? Cineasten ahnen es, und wer den Film „Frühstück bei Tiffany“ liebt und immer wieder auf einem nostalgischen TV-Kanal genießt, weiß es auch: Jose Luis de Villalonga, spanischer Grande, Schriftsteller und Hobby-Schauspieler. Er spielte den schönen superreichen Brasilianer, der um ein Haar die entzückende Holly Golightly (Audrey Hepburn) geheiratet hätte. Villalonga, offizieller Biograf des spanischen Ex-Königs, galt als unwiderstehlich, drei Generationen von Frauen schmolzen bei seinem Anblick dahin, denn der 1920 geborene (und fünfmal verheiratete) Adelige starb erst 2007 in Port d’Andratx – mit 87 Jahren.

Das wahre Problem mit den Sauf-Narren ist …

Als gäb’s das Virus gar nicht …

… DASS SIE NUR ÜBERS WOCHEN- ENDE EINFLIEGEN, montags sind sie wieder weg! Deswegen ist es ihnen schnurzpiepe, was sie mit ihrer Disziplin- losigkeit anrichten. Saufen, randalieren, Corona missachten – und weg! Worauf die Regierung gezwungen ist, die Quarantäne wieder zu verschärfen. Und da gibt es idiotische Medien, die von „Beschränkung der Freiheit“ sprechen, von der „Zerstörung des Paradieses“ und argumentieren: „Die Menschen wollen doch nur Spaß haben!“ Und dann behaupten dämliche Internet-Nitwits und sogenannte „Ballermann-Stars“, die Regierung sei selbst schuld, denn es wären keine Polizisten vor Ort gewesen, um jene deutschen und britischen Alks zu kontrollieren und disziplinieren. Leute, dann hätte es ein Frankfurt an der Playa gegeben, mit Straßenschlachten und Plünderungen. Jetzt hocken die Suffköppe Zuhause, fanden’s toll und grinsen hämisch über das, was sie angerichtet haben, und wir müssen’s ausbaden, Malle ist wieder unattraktiver geworden und vielleicht kommt sogar eine „2. Welle“. Aber eins muss man auch sagen: 99 % der Bierschuppen an der Playa gehören Mallorkinern, und die haben die Suffköppe hemmungslos abgefüllt, um möglichst schnell möglichst viel zu verdienen! Von diesen Wirten, oft ihre nahen Verwandten und natürlich Steuerzahler, reden die Insel-Politiker überhaupt nicht …