Gesellschaft

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

… und nun sind die Fisch-Esser dran!

Dorade auf Spargel – bald verboten?

ES MUSSTE JA SO KOMMEN! Aber keiner konnte voraussehen, dass es derart blödsinnig werden würde, wenn sich die angeblichen Klima- mit den angebli- chen Tierschützern verbinden. Noch treten diese Freaks anonym auf, so wie jener „roninpalma“, der einen Leserbrief missbrauchte (diese Frühform der entsetzlichen „Social Media“), um in einer Inselzeitung folgenden Sermon abzulassen: „Der … auf Mallorca weitaus höhere Konsum von Fisch hat ebenso Folgen fürs Klima, denn die wenigsten Fische springen mittags freiwillig vom Meer in die Pfanne, sondern werden oft ein entfernt irgendwo draußen auf dem Meer ums Leben gebracht, tiefgefroren und dann zu den Häfen transpor- tiert …“. Satirisch eine Perle, intellektuell eine Niete, thematisch die finsterste Zukunft: Solche Typen wer- den bald auch den Reißverschluss am Hosentürl verbie- ten, weil er sich in Gegenwart von Frauen zu schnell öffnen lässt …

Nullen vor dem Tor …

IST ES NICHT HERRLICH, dass eine sogenannte „Promi-Party“ in Palma stattfand (für die leider das wunderbare Castell Bellver als Location missbraucht werden konnte, von dem 99 % der Gäste keine Ahnung hatten und haben möchten), und Null-VIPS nicht reingelassen wurden zu den Null-VIPs drinnen? Man hätte ja sonst zu viele Nullen kostenlos verpflegt müssen, und ich freue mich über ein Bonmot, das zu hören war: „Sonst ist doch die Frage, ob die Nullen vor oder hinter dem Komma stehen – hier standen sie vor und hinter der Tür!“ Wobei man bedauernd feststellen muss: Das sogenannte „gesellschaftliche Leben auf Mallorca“, zumindest wie es immer wieder veröffentlicht wird, ist derart vor die Hunde gegangen, dass Nullen wie Daniela B. oder Georgina F. plötzlich einen Wert darstellen …

Rührend: Feng Shui in der Macchia …

Die einsame Feng Shui-Finca

WEIT UND BREIT IST NICHTS, nur wilde Macchia. An einer einsamen Stelle steht im Gebüsch das Schild: FENG SHUI Beratung 500 m. Dazu eine Blüte und ein Pfeil. Dem bin ich gefolgt, immer tiefer in den Busch, auf einer Naturstraße, einspurig, zerlöchert. Und sah, zurückgesetzt in einem Bauernacker, eine Finca hinter einem schmiedeeisernen Doppeltor – mit wieder diesem Blumenschild an einer Kiefer, aber jetzt mit Namen, Telefon und Email. Eine Dame aus dem nördlichen Hessen bietet hier – rührenderweise – Beratung an, wie der Mensch zu Harmonie gebracht werden kann mit seiner Umgebung. Mal abgesehen davon, dass sich keiner verirrt in diese Einsamkeit, benötigt man noch Feng Shui, die Lehre von „Wind und Wasser“, wenn man auf Mallorca lebt? Nun ja, die alten Mallorkiner haben genau gewusst, wie sie in möglichst hohem Einklang stehen mit der Natur auf ihren Fincas; die Neubürger aus Germanistan stellen ihre Hütten geradeso hin, wie es ihnen passte. Aber ob sich von denen einer sagen lässt, wie er nach den chinesischen Regeln zu bauen hat …?

Das waren noch Zeiten …

Eine Bank alter Schule …

… ALS BANKEN AUF MALLORCA MEHR KONNTEN ALS HEUTE! Folgenden Schriftzug in antikem Edelmetall entdeckte ich an der Fassade eines schönen alten Mares-Gebäudes in Llucmajor: CAJA DE AHOR- ROS Y MONTE DE PIEDAD DE LAS BALEARES. Ich übersetzte: „Sparkasse und Gipfel der Gnade“ oder „Berg des Erbarmens“. Das ist keck. War’s möglich, dass ein Direktor vor 130 Jahren seiner Bank einen solch zynischen Namen verpassen konnte? Ja, aber es heißt etwas Anderes: „Monte de Piedad“ bedeutet Leihhaus. Hier konnten kurzzeitig klamme Menschen ihre Wertsa- chen versetzen. Banken waren damals auch Pfandhäu- ser. Das sind sie längst nicht mehr, aber einige Schrift- züge haben überlebt. Heilige Muttergottes von Lluc, Mallorca ist voller Skurrilitäten, wenn man es offenen Auges durchstreift …

MI MUSEU: Die Militär-Regierung lässt grüßen …

Wappen der militärischen Regierung …

… MIT IHREM WAPPEN AUF EINEM HOLZBRETTCHEN! Das vergisst man meist: Dass es neben der zivilen auch eine militärische Verwaltung auf Mallorca gibt, den „Gobierno Militar de Mallorca“. Seit Franco ist das so. Und wie sich das Oberkommando darstellt, sieht man auf dem Schild: Mit Adler, Krone und einer eigenen Heraldik über dem stolzen Schriftband. Das ist aufwendig in Metall gearbeitet, 25 x 18 cm groß und 1,5 cm dick. Ich fand dieses militärische Objekt beim spanischen Ebay, es kostete 10 Euro und da habe ich es gekauft. Jetzt hängt es über meinem Schreibtisch und ich ernte dafür erstaunte Blicke von mallorkinischen Freunden und Handwerkern …

 

 

 

 

Stierkampf I: Da erzählt eine Schwachsinn …

SIE HEISST STEPHANIE KINDERMANN, ist Synchronspre- cherin & TV-Kleinstdarstellerin, vertritt angeblich die Tier- schutzorganisation PETA auf Mallorca – und redet wirr-dummes Zeug, wenn’s um Stierkampf geht. So verzapfte sie in einem Mallorca-Blatt folgende Phantastereien: „Der Stier lebt eine Woche vorher in Dunkelheit (!), ihm wird wachshaltige Watte in die Ohren gesteckt (!) und Vaseline in die Augen geschmiert (!). Er erhält mehrere Tage lang Abführmittel (!). Am Tag des Stier- kampfes ist er also desorientiert, geschwächt und dehydriert … den Pferden (der Picadores) werden übrigens die Stimmbänder durchschnitten (!), damit sie sich in größter Panik still blei- ben.“ Und was hält sie von den Corridas in Südfrankreich, bei denen die Stiere nicht getötet werden? „Die Tiere sterben oft hinterher an Herz- und Kreislaufversagen.“ Vor Aufregung … Die Mini-Mimin tut ihrer Sache keinen gefallen, wenn sie diese ge- quirlte Propaganda-Kacke verzapft und ich habe den Chefredakteur aufgefordert, in Zukunft zu verhindern, dass solche Ignorantinnen ihren Schwachsinn auf seinen Seiten absondern dürfen. Und Frau Kindermann rate ich dringend, schauspielern zu lernen, damit sie in Zukunft die Texte von Profis sprechen darf …

MI MUSEU: Die Aktie des großen Betruges …

1935 ERSCHIENEN EIN PAAR CLEVERE GANOVEN IN PALMA, gründete eine Gesellschaft, verausgabten Aktien – und versprachen, mit dem Geld eine Seilbahn auf den Puig Major zu bauen. Natürlich dachten sie nie daran, besaßen nicht mal die notwendigen Genehmigungen (zudem brach wenig später der Bürgerkrieg aus), aber es gab genügend Investoren, die von der mühelosen Besteigung von Mallorcas höchstem Gipfel träumten – und dann platzte die Illusion. Das Geld war weg, die Ganoven auch, nur die hübschen bunten wertlosen Börsenpapiere blieben übrig, und sie gelten heute als Spitzenwert im Sammelgebiet „Insel-Aktien“. Meine Exemplar über 5000 Pesetas (sorry, das Glas hat einen Sprung!) konnte ich für 40 Euro beim spanischen Ebay erwerben …

Kennen Sie Karl-Heinz Boeswirth? Macht nichts …

 

Das ist wirklich ein Hammer – aber ein winzig kleiner …

IN DACHAU KENNT MAN IHN. Da wurde er geboren. Jetzt nennt er sich Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein. Obwohl … – das echte Adelshaus 1. zu Sayn-Wittgenstein heißt (nicht von), und man 2. bei einer Adoption den noblen Titel nicht mitkaufen kann. Ich kenne Böswirth, als er noch auf Kunstauktionator im „Baye- rischen Hof“ in München machte, mit einem iranischen Partner, ich besitze sogar noch zwei (natürlich falsche) Jugenstil-Lampen aus einer seiner Versteigerungen. Damals verschwand er plötzlich aus München, nun ja – Schwamm drüber! Und tauchte auf Mallorca auf. Nicht unsympathisch, der Mann, und so maulstark wie die Gurkenschneiderverkäufer vor den Kaufhäusern. Obwohl er mir gerade vorwirft, ich sei „neidisch“ auf ihn. Nun ja – nicht wirklich. Denn ich kenne ja seine doppelt bedeutungslose  Adoptionsge- schichte: Ein Mann namens Bruno Lothar Koch heiratet auf Vermittlung von Konsul Weyer eine dankbare, sogar echte Adelsdame namens Sayn-Wittgenstein, aber aus einer abgestor- benen Seitenlinie (deshalb eine von und keine zu), nimmt ihren Namen an und nennt sich jetzt Bruno Lothar von Sayn-Wittgenstein. Also noch nicht mal adoptiert. Aber er adoptiert (u. a.) jenen Karl Heinz Böswirth aus Dachau – und der tritt nun auf Mallorca und im TV pompös als Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein auf! Skurril, weil weit & breit keine Spur von echtem Adel. Ein Bürgerlicher (Herr Koch) adoptiert einen Bürgerlichen (Herrn Böswirth) – mehr pseudo-blaublütige Scharlatanerie geht nicht! Alles legal, klar, aber so wenig Stammbaum wie die Straßenhunde, die Tierfreunde auf Mallorca retten. Nun ja – jeder soll so handeln, was ihm beliebt, und sich lächerlich machen nach eigenem Gutdünken. Nichts gegen einzuwenden. Aber alle lassen sich eben nicht verscheißern mit dem falschen Namens-, Titel-, Wappen- und Bedeutungsgetue. Letzthin berichteten Nichtsnutz-Medien, Karl-Heinz (mal mit, mal ohne Bindestrich) sei verschütt gegangen. Bis er sich selbst meldete: Keine Aufregung, bin noch da! Das ist der Trick 17 der NulliVIPs: Sei weg, lass dich vermissen, tauch‘ auf – und wundere dich ganz laut, dass du überhaupt gesucht wurdest. So bist du wieder ein paar Sekunden lang im Gespräch …

Haarschneiden auf Maurisch …

Das Nasenschild auf Arabisch …

DIE BESTE KOPFBEHANDLUNG, die mir je zuteil wurde (Haarschneiden, Rasieren, Nase und Ohren behandeln), erlebte ich in Gaziantep (Türkei). Weil die Pflege der männlichen Schönheit in moslemischen Ländern uralte Tradition hat. Und als ich nun in einem Städtchen im Innen-Inneren dieses Schild entdeckte, freute ich mich: Weil diese Kultur auf Mallorca übergesprungen war! Nun gibt’s sicher Nitwits, die aufschreien: „Ach, soweit sind wir schon!“ Aber ich denke nicht so, ich freue mich, wenn unsere Mitbürger aus Marokko, Algerien und Tunesien nicht mehr nur geduckt auf die Gemüsefelder, in die Obstplantagen und durch die Straßen huschen, sondern zeigen, dass sie mitten unter uns lebendig, nützlich und wichtig sind …