Handwerker

Ja, was ist denn das?

Wie ein grünlicher Bergkristall …
… wie ein Smaragd …
… und wie Milchglas …

… SAGEN ALLE, DIE ICH BEI MIR BEGRÜSSEN DARF! „Das“ sind gläserne Brocken auf der Terrassenmauer, manche milchig, mache grünlich-transparent, und keiner glaubt mir, dass das mal Cola-Flaschen waren! Meine Großmutter, Gott hab‘ sie selig, hat sich ihre Gläser zwischen 1960 und 1970 in der Glasbläserei in Consell  (… auch sie hat Gott längst selig …) nach eigenen Entwürfen anfertigen lassen, das war damals billiger als die fertigen Gläser im Laden (und schöner), und da fielen ihr diese Glasbrocken auf. Es war das Rohmaterial der Glasbläser, eingeschmolzen aus den Wegwerfen-Flaschen, und dann erneut geschmolzen, eingefärbt und zu neuem Leben erweckt. Der Chef hatte gesehen, wie meine Großmutter gestaunt hat, und da sie eine gute Kundin war, hat er ihr die Brocken geschenkt, von denen einige mehr als ein Kilo wiegen. Heute sind sie als glitzernde Dekoration auf der Terrassenmauer ebenso schön wie die Gläser nach Maß, die Abkömmlinge der Brocken sind, drinnen im Geschirrschrank …

MI MUSEU Diesmal: Alte Garnrollen von Bujosa

Der alte Bujosa hat sie mir geschenkt …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Drei Garnrollen mit ihren Spulen, sicher 100 Jahre alt, aus der berühmten Weberei Bujosa in Santa Maria del Cami. Der legendäre Seniorchef hat sie mir 1975 aus seiner eigenen Sammlung geschenkt und ich halte sie seitdem in Ehren. Bujosa ist die Handweberei, die die herrlichen Mallorca-Stoffe aus Leinen in den typischen „Zungen“-Mustern herstellt – als letzter Betrieb seiner Art! 

Mallorca ist nicht mehr so!

So heißt die Firma …

ICH HAB’S GERADE ERLEBT! Ich bin an einem normalen Montagmorgen in den Riesenladen von Armaduras in Portocristo (sie produzieren Persianas aus Metall, die täuschend echt wie Holz aussehen), habe gebeten einen Schaden an meiner Terrassentür repariert zu bekommen – und der Chef hat sich entschuldigt, dass es „heute nachmittag leider nicht mehr klappt, weil zu Wochenbeginn so viel los ist!“ Wie, bitte? Aber er würde ganz sicher morgen, Dienstag, kommen. Wie, bitte? Ich dankte und verließ den Laden ziemlich bedröppelt: Sowas hätt’s früher nicht gegeben, da hätte ich zwei Wochen warten müssen, oder zwei Monate, und ob jemand für einen kleineren Schaden überhaupt gekommen wäre, ist auch noch die Frage. Da hat sich was geändert auf Mallorca, und das liegt nicht etwa daran, dass es den Handwerkern schlecht geht. Sie haben dicke zu tun, aber irgendwann muss die „Mañana“-Mentalität abgeschafft worden sein, und nicht nur bei „Armaduras“, ich erlebe das immer häufiger …

Handgeschmiedet für die Hosentasche …

Die Parade der Mallorca-Messer …

DER MALLORKINER AN SICH IST GUT AUSGERÜSTET – bei der Arbeit und privat. Die Insel-Tradition kennt 8 Messer für alle Gelegenheiten, natürlich handgeschmiedet, rasierklingenscharf, fast alle zum Klappen, wunderbar authentisch mit Griffen aus Holz, Horn oder Bein, und richtige hübsche Hingucker. Es gibt noch zwei Schmieden (von einst vielen), die eine ist in Muro, die andere in Llucmajor, und wer so ein Messer haben möchte, wundert sich nach dem ersten Staunen über die perfekte Funktionalität über den Preis: Sie kosten bis zu 100 Euro! Nun ja, Manufaktur ist nie billig und die überlebenden Messermacher wissen genau, dass sie Unikate herstellen, denn nie sind die Messer identisch. Mir ist es gelungen, alle 8 Messer der ursprünglichen Art zu erwerben und ich stelle sie hier mal kurz mit Namen und Funktion vor: 1 „Trinxet“ – das normale Taschenmesser für die Hosentasche. 2 „Etxurat“ – das Hausfrauenmesser in der Küche. 3 „Pescador“ – das Fischermesser zum Netzeflicken. 4 „Pastor“ – für die Schäfer. 5 „Empeltar“ – zum Obstbäume veredeln. 6 „Gatzolla“ – zum Reben schneiden. 7 „Proquer“ – zum Kastrieren der Eber. 8 „Dobador“ – da konnte mir keiner sagen, wofür es mal gebraucht wurde. Ich rate, trotz der dekorativen anderen Klingen und Griffe zur Nr. 1, sie liegt in der Hoscntasche wie hineingeboren …

Der macht die besten Kacheln!

fliesen-2 MANCHMAL FRAGT MAN SICH DAS JA: Wäre es nicht schön, wenn man einen hätte, der Kacheln nach eigenem Entwurf bemalt und brennt? Bei dem man bestellt, was einmalig und „persönlich“ ist, keine Ladenware, sondern „nach Maß“? Der Künstler Gustavo (auf dem großen Foto 3. v. r.) hat so einen Handwerker gefunden: „Tejar Ca’n Benito“ am Ortsrand von Campos. Besitzer Miquel Torres (auf dem großen Foto ganz links) hat z. B. Gustavos Gemälde in die bunten Fliesen für die Hafenmole von Cala Rajada umgesetzt. Er führt seinen Betrieb in der 3. Generation und bei ihm wird immer noch per Hand gearbeitet – für die individuellen Bestellungen. Das heißt: Man kann ihm beschreiben, was man möchte, aber Torres verfügt selbst über eine riesige Auswahl an Motiven, da stecken herrliche Anregungen drin. Als ich ihn besuchte, fiel ein Satz, der mich begeisterte: „Es ist gerade die Nachfrage der deutschen Kunden, die Firmen wie meiner, die sich mit traditionellen Werten der Insel beschäftigen, zu neuem Wohlstand verhelfen.“ Endlich sagt’s mal einer! Adresse: Carrer des Palmer, s/n. Telefon: 971/65 09 06.

Achten Sie auf diese Kameras!

kameraES GIBT ANTIQUITÄTEN AUF MALLORCA, ie eigentlich keine sind, auch wenn Höhstpreise für sie bezahlt werden: Die Kameras des 1911 in Petra geborenen Joan Rosello! Ein Schreiner mit einer Leidenschaft für die Fotografiererei, der sich teure ausländische Kameras nicht leisten konnte – und sie sich selber baute. Aus Holz natürlich, er war ja Tischler. Anfang der 30er-Jahre schuf er sein erstes Modell, die JAM, und vertrieb sie in ganz Spanien. Im Zweiten Weltkrieg baute er seine IRIS für die Armee, aber auch Zivilisten rissen sich darum – und es war Rosellos erste Kamera aus Metall. Sein Topmodell folgte nach 1945, die MOMENT, von er er mehrere Tausend verkaufen konnte. Inzwischen war der Mann mit der Mütze zur Legende geworden: Der erste Fabrikant von Kameras in Spanien! Heute ist Rosello längst tot, seine Kameras sind vergessen (man findet nicht mal mehr Bilder) und ich habe in 40 Jahren nur zwei kaputte Exemplare auf Flohmärkten und zwei intakt Apparate in privaten Sammlungen gesehen. Aber ich weiß, dass Sammler geradezu trunken vor Gier sind, diese in einer Schreinerwerkstatt in Petra gebauten JAM, IRIS oder MOMENT zu ergattern, denn es sind die seltensten Kameras der Welt. Besonders die JAM mit dem Holzgehäuse. Also aufpassen auf Rosellos Kameras, es sind Schätze …

Eine Prise Mallorca-Humor?

                                                                                               Herrlich, so ein Lichtspiel …

Ich war Feuerwerk kaufen. Das produzieren sie auf Malle tief im Land in Schuppen auf freiem Feld hinter Lloret de Vistalegre. „Da draußen passiert nix, wenn mal was passiert“, erklärte mit Isabel, die Chefin (1.50 m, 60, rothaarig, zum Fürchten). Das Zisch-Bumm-Uiii-Sortiment lag in einem Regal hinter einem 20 m langen Tisch, an dem die greisesten Zausel saßen, die ich je auf Malle sah. Mit Papiertrichterchen füllten sie in der Tropenhitze, aber ohne Windhauch (das Pulver würde sonst weggeweht) Sprengstoff in Pappröhrchen, so wie wir Zucker in den Kaffee tun. Später binden sie die explosiven Röhrchen zu Paketen zusammen, montieren Zündschnüre und umwickeln das Ganze mit buntem Glanzpapier. Mir kam das so vor, als sei ich Gast in einem Terrroristencamp in Afghanistan. Ich kaufte das 60 Raketen-Paket „Rio de Janeiro“ für 125 Euro. Es war wundervoll, als ich es auf meiner Terrasse zündete. Natürlich habe ich Isabel gefragt, warum bei ihr nur uralte Rentner arbeiten. Sie sagte und lächelte dabei nicht: „Wär’ doch schade um hübsche junge Männer, wenn die in die Luft flögen!“

Das Geheimnis der alten Türen …

Das ist das Innenleben …

EBEN WAR DER SCHREINER DA. Er sollte eine Lüftung in die Speise- kammer- tür schneiden, die meine Großmutter Anfang der 60er-Jahre einbauen ließ. Eine scheinbar hohle Tür von 5 cm Dicke. Aber von wegen hohl: Sie entpuppte sich als handwerkliche Antiquität, als Museumsstück, als Kuriosum der traditionellen mallorkinischen Holzverarbeitung! Denn sie war nicht hohl, sondern mit Stroh gefüllt – aber nicht einfach so wie im Schweinestall, sondern das Stroh war auf gleiche kurze Länge geschnitten und, sozusagen, aufrecht zwischen die beiden Türbretter (innen und außen) geklemmt worden (siehe Foto). Eine perfekte Isolierung, eine mühevolle Arbeit, und als der Schreiner meinte, diese lächerliche alte Tür müsse man doch dringend durch ein modernes Exemplar ersetzen, widersprach ich und zwang ihn, die vorgesehene Lüftung mit äußerster Delikatesse durch das Stroh zu bohren. Murrend tat er es. Ich halte den Trick mit dem Stroh für eine Entdeckung und glaube nicht, dass ein Insulaner, der unter 70 Jahre alt ist, je so etwas gesehen hat …