Kirchen & Klöster

MI MUSEU: Vergoldete Schnitzereien …

Es stammt aus einer Kirche auf Mallorca …

MEINE MUTTER HAT DIESE BAROCKEN KLEINODE IN DEN 60er-JAHREN zu Dutzenden gekauft. Sie stammen aus Kirchen und Klöstern, sind alle aus Holz geschnitzt und gehörten zu religiösen Darstellungen rund um Heilige und Altäre. Sie variieren in der Größe, es gibt 40 x 20 cm große Panele (wie das, das ich hier zeige) und Arabesken von nur 10 x 5 cm. Insgesamt konnte Muttern an die 20 dieser Schnitzwerke erwerben (bei Trödlern auf der ganzen Insel, aber besonders fündig wurde sie seltsamerweise in Pollenca) und ich habe sie über den Türen angebracht, was besser aussieht, als es klingt …

MI MUSEU: Eine gotische Engelsbotschaft …

Uralt, ziemlich dunkel – aber kostbar!

ALS MEINE ELTERN TOT WAREN, habe ich dieses uralte Ölgemälde in der untersten Schublade einer Kommode gefunden. Im Archiv fand ich den Hinweis, dass sie es 1959 bei einem Trödler in Felanitx gefunden hatten. Eine gotische „Verkündigung“, 80 x 48 cm groß, stark nachgedunkelt (ich müsste das Bild mal reinigen lassen!), aber immer noch beeindruckend. Ich bin sicher, es stammt aus einer Kirche auf Mallorca, vielleicht auch aus einem Kloster, und ich habe es ziemlich aufwendig rahmen lassen. Nun hängt es in meiner Estrada und begrüßt die Eintretenden. Was es damals gekostet hat, haben die Eltern leider nicht vermerkt …

MI MUSEU: Der Madonnen-Kasten …

Eine erstklassige religiöse Kuriosität …

ES IST EIN GEWALTIGES SCHAU-OBJEKT AUS HOLZ, STUCK, PAPIER UND GLAS, misst 81 x 61 cm und ist 1o cm tief. Innen ist Mallorca als Relief mit all seinen Hügeln und Bergen dargestellt (und ein prachtvolles spanisches Wappen gibt’s auch noch) und es stecken 31 Fähnchen in der plastischen Landkarte: für jede Madonna eins. Denn so viele Marienheiligtümer hat die Insel, und auf dem Glas sind sie rundherum alle abgebildet mit ihrem Namen in schwarzweißen Zeichnungen! Ich habe den Madonnen-Kasten bei einem Trödler in Campos gefunden und er war nicht billig: Umgerechnet 200 Euro verlangte er, auf 100 haben wir uns dann geeinigt bei einem Palo. Jetzt hängt das Ding in meinem Studio und ich kann mich nicht entscheiden, welche Madonna die hübscheste ist …

Mein Gott, haben die Jesusse gefroren …

So erging’s dem armen Kerl in Felanitx …

… ZU OSTERN FAST NACKT AM KREUZ! Ich schreibe diesen Nachtrag zum Fest, weil ich die Fotos in den Zeitungen gesehen habe: Junge Männer, nur mit einem Lendenschürzchen bekleidet, spielen die Leidensgeschichte Jesu nach – bis zu mallorkinischen Golgathas. Und nun dürften sie alle krank sein, denn es war saukalt am Karfreitag und dazu pfiff noch ein eisiger Wind. Aber die tapferen Darsteller hielten durch und nun liegen sie, denke ich, alle flach. Mit Husten und Grippe, knapp an der Lungenentzündung vorbei. Und weil sie so erbärmlich gefroren haben, werden ihnen alle Sünden bis Ostern 2020 verziehen, malt sich meine Phantasie aus. Aber es nun mal leider so: Dass es in der Karwoche warm ist auf Mallorca, passiert nur einmal pro Jahrzehnt. Der echte Christus hat in Jerusalem sicher nicht gefroren, das wenigstens nicht. Ich bewundere seine Darsteller auf der Insel …

MI MUSEU Diesmal: Ein riesiger Rosenkranz …

So lang, so schwer, so alt und so selten …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Einen uralten Rosenkranz, wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert, mit 59 Kugeln aus Holz, aufgezogen auf einem groben Faden, mit einem hölzernen Kreuz als Höhepunkt und fast 3.50 m langIch fand diese Rosenkranz auf dem Flohmarkt in Consell und habe 10 Euro dafür gezahlt. Ich denke, er gehörte zur überdimensionalen Statue eines Heiligen, der ihn um den Hals trug …

4 Minuten Wagner für 2 Euro …

Der Sant Salvador von oben …
… das schlichte Kästchen …
… und die versteckte Erklärung

IN DER WALL- FAHRTS- KIRCHE AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX hängt ein unschein- bares Kästchen, das man für eine elektrische Installation halten kann und an dem deshalb 99,9 % der Besucher vorbeigehen. Dabei ist es ein Zauberkästchen, allerdings ohne Hinweis – nahezu geheim: Wer 2 Euro-Münzen einwirft, erlebt ein optisches und akustisches Schauspiel. Lichtspiele flammen auf im Kirchenschiff und rund um den Hochaltar und donnernd ertönt 4 Minuten lang der Pilgerchor aus Richard Wagners „Tannhäuser“. Das ist toll und mit 2 Euro nicht überbezahlt. Die Besucher sind begeistert, wenn einer das spendiert und ich rate jedem, es auch zu tun. – Ob’s so etwas auch in anderen Kirchen auf Mallorca gibt?

Wenn die Madonna friert …

Die Wolke am Sant Salvador …

JEDER HAT DAS DOCH SCHON MAL GESE- HEN, wenn die Wolken tief (f)liegen und meist am Morgen die Gipfel mit den Klöstern und Kirchen einhüllen. Am Sant Salvador bei Fela- nitx kommt das häufig vor und dann sagen die Mallorkiner: „Die Madonna friert, sie hat sich einen Mantel angezogen!“ Ich finde das ent- zückend und es zeigt doch wieder mal, dass sie nicht nur fromm sind, sondern vor allem religiös romantisch …

Wenn die Muttergottes poppig wird …

                        Zwei der Bändchen, diese sind vom Sant Salvador bei Felanitx …

… DANN SIEHT DAS SO AUS: bunt gewebt mit niedlichen Bildern als Glücksbändchen fürs Handgelenk! Es gibt mehrere Ausfüh- rungen und sie werden in den Souvenirshops einiger Kirchen und Klöster verkauft – für 1.10 Euro! Was lächerlich wenig ist, betrachtet man sich die aufwendig gearbeiteten Bändchen genauer. Sie sind nicht nur bebildert, sondern zeigen auch kurze Sprüche, die man sich zu Herzen nehmen soll/kann, und mit einem winzigen Ring ist die Größe indivi- duell verstellbar. Ich finde diese poppige Umsetzung von Religiosität so gut, dass auch Heiden daran Spaß haben, und deshalb habe ich eine ganze Kollektion der Bändchen gekauft. Man betrachte sich nur mal die Details, die ich hier zeige …

Es passiert nicht nur in der Kathedrale …

So sieht die kleine Madonna dann aus …

… SONDERN AUCH HOCH DROBEN AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX! Dass an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Minute, eine Fensterrosette von der Sonne so haargenau in eine Kirche geworfen wird, so dass sie als glitzernde Spiegelung auf einer Wand erscheint. Auf dem Sant Salvador hüllt der Lichterkreis die schöne alte (wenn auch kleine) Madonna vollständig ein – und einen Tag später bildet er (nur) die leuchtende Krone der Muttergottes. 2018 geschieht das Ereignis Nr. 1 am Dienstag, 30. Oktober, um 8.17 Uhr, und das Ereignis Nr. 2 am Mittwoch, 31. Oktober, um 8.16 Uhr. Die Zeiten verändern sich natürlich von Jahr zu Jahr, aber sie werden minutengenau bekanntgegeben in der auf Mallorquinisch erscheinenden Lokalzeitung, man kann aber im Rathaus oder oben im Kloster nachfragen. Nun ja, die Erscheinungen des Sonnenfensters sind eh abhängig von einem wolkenklaren Himmel. Oder wie wie es so schön auf Mallorquinisch heißt: „… amb permis de la climatologia.“

„Mallorkinisches Kreuz“ – gibt’s das?

Das Dominikaner-Kreuz in vier Metallen und Größen …

EINIGE CLEVERE BEHAUPTEN DAS, und produzieren diese sogenannten „Mallorkinischen Kreuze“ in allen nur möglichen Metallarten und Größen, relativ preiswert (Bronze und Kupfer) und ziemlich teuer (Silber und Gold). Die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieser Schmuck vor Jahrhunderten vom Dominikanerorden als Amulett eingeführt wurde, im 17. Jahrhundert durften ihn auch Laienbruderschaften und Militärorden tragen – und im 20. Jahrhundert machte das Kreuz Karriere als Talisman gegen alle möglichen Arten von (eingebildetem) Übel, wobei bald vergessen war, woher es eigentlich kam. Jetzt hat man es zu Anhängern an Halsketten,  zu Armbänder und sogar Ohrsteckern verarbeitet – es ist ein typischer touristischer Modeschmuck geworden! Was ja in Ordnung ist, wenn man den Ursprung kennt und wenigstens ein bisschen ehrt …