Kirchen & Klöster

MI MUSEU Diesmal: Ein riesiger Rosenkranz …

So lang, so schwer, so alt und so selten …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Einen uralten Rosenkranz, wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert, mit 59 Kugeln aus Holz, aufgezogen auf einem groben Faden, mit einem hölzernen Kreuz als Höhepunkt und fast 3.50 m langIch fand diese Rosenkranz auf dem Flohmarkt in Consell und habe 10 Euro dafür gezahlt. Ich denke, er gehörte zur überdimensionalen Statue eines Heiligen, der ihn um den Hals trug …

4 Minuten Wagner für 2 Euro …

Der Sant Salvador von oben …
… das schlichte Kästchen …
… und die versteckte Erklärung

IN DER WALL- FAHRTS- KIRCHE AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX hängt ein unschein- bares Kästchen, das man für eine elektrische Installation halten kann und an dem deshalb 99,9 % der Besucher vorbeigehen. Dabei ist es ein Zauberkästchen, allerdings ohne Hinweis – nahezu geheim: Wer 2 Euro-Münzen einwirft, erlebt ein optisches und akustisches Schauspiel. Lichtspiele flammen auf im Kirchenschiff und rund um den Hochaltar und donnernd ertönt 4 Minuten lang der Pilgerchor aus Richard Wagners „Tannhäuser“. Das ist toll und mit 2 Euro nicht überbezahlt. Die Besucher sind begeistert, wenn einer das spendiert und ich rate jedem, es auch zu tun. – Ob’s so etwas auch in anderen Kirchen auf Mallorca gibt?

Wenn die Madonna friert …

Die Wolke am Sant Salvador …

JEDER HAT DAS DOCH SCHON MAL GESE- HEN, wenn die Wolken tief (f)liegen und meist am Morgen die Gipfel mit den Klöstern und Kirchen einhüllen. Am Sant Salvador bei Fela- nitx kommt das häufig vor und dann sagen die Mallorkiner: „Die Madonna friert, sie hat sich einen Mantel angezogen!“ Ich finde das ent- zückend und es zeigt doch wieder mal, dass sie nicht nur fromm sind, sondern vor allem religiös romantisch …

Wenn die Muttergottes poppig wird …

                        Zwei der Bändchen, diese sind vom Sant Salvador bei Felanitx …

… DANN SIEHT DAS SO AUS: bunt gewebt mit niedlichen Bildern als Glücksbändchen fürs Handgelenk! Es gibt mehrere Ausfüh- rungen und sie werden in den Souvenirshops einiger Kirchen und Klöster verkauft – für 1.10 Euro! Was lächerlich wenig ist, betrachtet man sich die aufwendig gearbeiteten Bändchen genauer. Sie sind nicht nur bebildert, sondern zeigen auch kurze Sprüche, die man sich zu Herzen nehmen soll/kann, und mit einem winzigen Ring ist die Größe indivi- duell verstellbar. Ich finde diese poppige Umsetzung von Religiosität so gut, dass auch Heiden daran Spaß haben, und deshalb habe ich eine ganze Kollektion der Bändchen gekauft. Man betrachte sich nur mal die Details, die ich hier zeige …

Es passiert nicht nur in der Kathedrale …

So sieht die kleine Madonna dann aus …

… SONDERN AUCH HOCH DROBEN AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX! Dass an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Minute, eine Fensterrosette von der Sonne so haargenau in eine Kirche geworfen wird, so dass sie als glitzernde Spiegelung auf einer Wand erscheint. Auf dem Sant Salvador hüllt der Lichterkreis die schöne alte (wenn auch kleine) Madonna vollständig ein – und einen Tag später bildet er (nur) die leuchtende Krone der Muttergottes. 2018 geschieht das Ereignis Nr. 1 am Dienstag, 30. Oktober, um 8.17 Uhr, und das Ereignis Nr. 2 am Mittwoch, 31. Oktober, um 8.16 Uhr. Die Zeiten verändern sich natürlich von Jahr zu Jahr, aber sie werden minutengenau bekanntgegeben in der auf Mallorquinisch erscheinenden Lokalzeitung, man kann aber im Rathaus oder oben im Kloster nachfragen. Nun ja, die Erscheinungen des Sonnenfensters sind eh abhängig von einem wolkenklaren Himmel. Oder wie wie es so schön auf Mallorquinisch heißt: „… amb permis de la climatologia.“

„Mallorkinisches Kreuz“ – gibt’s das?

Das Dominikaner-Kreuz in vier Metallen und Größen …

EINIGE CLEVERE BEHAUPTEN DAS, und produzieren diese sogenannten „Mallorkinischen Kreuze“ in allen nur möglichen Metallarten und Größen, relativ preiswert (Bronze und Kupfer) und ziemlich teuer (Silber und Gold). Die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieser Schmuck vor Jahrhunderten vom Dominikanerorden als Amulett eingeführt wurde, im 17. Jahrhundert durften ihn auch Laienbruderschaften und Militärorden tragen – und im 20. Jahrhundert machte das Kreuz Karriere als Talisman gegen alle möglichen Arten von (eingebildetem) Übel, wobei bald vergessen war, woher es eigentlich kam. Jetzt hat man es zu Anhängern an Halsketten,  zu Armbänder und sogar Ohrsteckern verarbeitet – es ist ein typischer touristischer Modeschmuck geworden! Was ja in Ordnung ist, wenn man den Ursprung kennt und wenigstens ein bisschen ehrt …

Bei Verboten haben Artistas viele Ideen …

Sehr nett ausgedrückt …
… und hübsch gezeichnet

ES IST ALLER GRUND GEGEBEN, bei einigen Touristen auf gutes Benehmen zu achten – leider! Daher entdeckt man vor allem an geweihten Orten originelle, künstlerisch wertvolle Verbots- oder Gebotsschilder, und die fotografiere ich jetzt immer. Weil den Grafikern eine Menge einfällt, um in der Bildsprache sehr schnell klarzumachen, was erlaubt ist, und was nicht. Wie auf diesem Schild hier, das nicht nur eindeutig, sondern auch hübsch ist, ich sah es an einem Kirchenportal: Badehose & Bikini gehört sich nicht, kurze Männerhose und ärmelloses Kleid bis zum Knie sind gestattet (da wär‘ man vor ein paar Jahren strenger gewesen). Was Speisen & Getränke betrifft, sind hier zumindest Hotdogs, Softdrinks mit Strohhalm und Eistüten verboten. Aber eigentlich geht’s mir in diesem Post weniger um Anstand, dafür mehr um den genialen Schmiss des künstlerischen Strichs. Ich hätte das Schild gern für meine Sammlung mitgenommen, aber dann hätte ich mich ja genauso daneben benommen …

 

 

 

Perlhuhn-Eintopf bitte vorbestellen!

Der Perlhuhn-Teller …
… im „heiligen“ Restaurant …
… im Kloster San Salvador

ES HEISST, ES SEI DAS ÄLTESTE RESTAURANT DER INSEL – SEIT 1927! Darauf sind sie mächtig stolz hoch oben im (Ex-)Kloster San Salvador bei Felanitx. Ich bezweifle das ein wenig, zumindest wäre korrekter: Das Restaurant, das am längsten ununterbrochen in Betrieb ist. Auch das ist eine kühne Behauptung. Sei’s drum, kümmern wir uns um Wichtigeres, die „Escaldums de faraona“, den Eintopf mit Perlhuhn. Der sieht ein bisschen wüst aus (seit 1927!), ist aber eine Delikatesse, die man so nirgendwo sonst bekommt. Sie wird tischfrisch zubereitet, weshalb man sie vorbestellen muss unter der Nummer 971 / 51 52 60. Dann speist man auf 509 m Höhe mit atemberaubender Aussicht samt Meerblick. Die Preise? Ruhig Blut, das ist ein Ausflugslokal, kein Gourmet-Tempel! Und freitags ist die Küche übrigens im Urlaub …

Diese Benediktinerinnen gehen scharf ran …!

Das ist der Nonnen-Likör …

ZUMINDEST DIE IM KLOSTER SANTA FAMILIA IN MANACOR! Die brauen Liköre, dass einem schon beim kleinsten Schluck die Schädeldecke bebt. In handlichen Fläschchen, verschlossen mit Korken an Bast, und auf dem Etikett steht so gut wie nichts drauf: Weder die amtliche Zulassung (die eigentlich Pflicht ist bei Alkoholika), noch die Menge (ich schätze sie auf maximal 0,3 Liter) oder der Alkoholgehalt – und der muss bei mindestens 40 % liegen (wenn nicht mehr). Unter den fünf Sorten habe ich mir den Granatapfel-Likör rausgerückt („Licor de magrana“) und er ist vorzüglich. Ich habe nur den Fehler gemacht und ein Schnapsglas voll gekippt, da wär‘ mein Zäpfchen fast verglüht. Die Nonnen verlangen stolze Preise, das Fläschchen hat mich 12.50 Euro gekostet, damit läge der Liter bei rund 40 Euro! Wacker, meine Damen, den Seinen gibt’s der Herr im Glas. Witzigerweise steht die Telefonnummer des Klosters rechts unten auf dem Etikett, aber warum – das kann nur der Erzengel Gabriel wissen, oder wann haben Sie zum letzten Mal eine Nonne am Hörer gehabt …?

 

 

 

 

 

Wie fromm verunstaltet …

Die verunstaltete Madonna …
… findet man hinter dem Altar (Pfeil)

DAS SIEHT MAN AN DER WUNDER- BAREN MADONNA  IM KLOSTER SAN SALVADOR BEI FELANITX! Eine seltene Sandstein-Skulptur aus dem 13. Jahrhundert, schmal geschnitten und nur etwa 50 cm hoch. Teilweise ist sie noch bemalt, aber ihr Blick war immer schon ziemlich bekümmert. Jetzt schaut sie geradezu wütend, denn die Frömmigkeit der Gläubigen hat ihr eine scheußliche Krone verpasst – und einen noch hässlicheren, viel zu großen und völlig unpassenden Heiligenschein! Die Krone ist der schönen gotischen Himmelsfrau auch noch halb über die Augen gerutscht (und das Jesuskind wirkt wie ein Bankräuber mit Doktorhut) und so wurde aus einer erstklassigen mallorkinischen Sehenswürdigkeit eine verschandelte Skulptur. Der wahre Kunstfreund wird sich den Frevel wegdenken und ein Schemelchen mitbringen, denn die Madonna hängt so hoch in der Apsis, dass ich (1.91 m) sie trotz gestreckter Arme und auf Zehenspitzen mit der iPhone-Kamera kaum erwischte.