Kleidung

Mallorca – ein Brathuhn?

Die Jakober-Krawatte …
… die Insel aus dem All …
… und ein echtes Brathuhn

DIESER POST ENTHÄLT KEINERLEI INFORMATION, aber vielleicht einen Anlass zum Lächeln! Denn als ich meine wunderbare Mallorca-Krawatte betrachtete, entworfen von dem noch wunderbareren, auf der Halbinsel Victoria lebenden britischen Künstler Ben Jakober, geschmückt mit vielen goldenen Umrissen der Insel auf königsblauem Grund, da fiel mir auf … – geografisch sieht Mallorca aus wie ein fliegendes Brathuhn! Um die Realität dagegenzuhalten, habe ich das Foto eines knusprigen Braten gesucht und gefunden. Und siehe da: Mallorca ist ein Brathuhn, wenn man es aus dem Weltall betrachtet! Zuviel Phantasie? Vielleicht, aber ohne Schaden anzurichten. Denn so wie die Ostsee aussieht wie eine betende Frau und der Iran wie eine Katze, so wirkt unsere Insel eben wie frisch vom Grill …

Ist das nicht reizend?

Das Museum in den …
Mallorkiner     mit Buffes
… Schaufenstern

DER LADEN HEISST GRIMALT, dort kann man Stoffe und mallorkinische Trachten kaufen, er liegt in der Altstadt von Felanitx – und als ich die beiden Schaufenster sah, bin ich rein und habe dem Besitzer gedankt! Dafür, dass er sie als museale Auslagen gestaltet hat. Mit den (ur)alten Werkzeugen seiner Zunft der Tuch- und Kleidermacher. Die liegen nicht nur einfach rum, sondern wurden beschriftet, und was man mit ihnen herstellte, ist ebenfalls zu sehen. Kostenlos. Das ist eine großartige Idee und ich bin kurz davor, mir bei Grimalt „Buffes“ machen zu lassen, die wunderbar weiten und deshalb bequemen Pluderhosen, die man nur noch an Feiertagen und beim Volkstanz sieht. Ich finde, diese Museums-Schaufenstern sollten andere authentische Geschäfte ruhig kopieren …

 

 

 

 

Notwendige Dinge seit 1685!

Der Laden von Außen …
… und die Besitzer mit einem Foto der Großeltern

SO LANGE GIBT ES DIE „MERCERIA ANGELA“ im Carrer de Jaume II, 33, in Palma! Ein kleiner Laden nur, aber bestückt mit allem, was mit Nähen und Stoff zu tun hat, mit Wäsche, Sticken, Knöpfen und der Serviceseite der Mode. Hier kann man sogar einen Riss im Hemd reparieren lassen, und was Garnsorten und bunte Bänder betrifft, sind die heutigen Besitzer, Miguel Aguilo und seine Freu Esther, schier unschlagbar. Seit 11 Generationen ist die „Merceria“ in derselben Familie und das bedeutet ganz einfach Qualität + Seriosität. Sonst hätte sich der Laden nicht seit 334 Jahren halten können! Sie haben Miguel viel Geld geboten, wenn er die Location verkauft, aber er will nicht, weil er das als Verrat an der Familiengeschichte verstehen würde. Ich denke, solche Traditionsgeschäfte sind auch ein Merkmal von Mallorca und man muss weit reisen, um Ähnliches woanders zu finden …

 

 

 

 

 

EIN SCHUH namens MAJORCA …

Eine dramatische Werbung …

ICH FAND DIESE WERBUNG IN EINER ALTEN US-ZEITSCHRIFT – und sie erheiterte mich! Heißt es doch: „Lauf in Mallorca“ – auf Amerikanisch! Und da wird von der „lazy island“ gesprochen, und dass dort viele Ziegen leben, und dass man aus der Haut der mallorkinischen Zicklein herrliches Leder machen kann – und dass das exklusiv verwendet wird für besonders noble Herren-Halbschuhe mit Namen „Majorca“! Die Werbung stammt aus den 40er-Jahren und von der Firma Johnston & Murphy in Nashville (Tennessee). Sie haben zum Schuh auch eine romantische Küstenlandschaft mit Segelboot abgebildet und zwei Palmen, die einen dramatischen Sonnenaufgang umrahmen. Johnston & Murphy gibt es heute noch, aber den Schuh namens „Majorca“ nicht mehr (ich habe mich erkundigt). Also war der Ruhm unserer Insel bereits vor 80 Jahren bis ins tiefe amerikanische Hinterland gedrungen, nur ist unklar, ob die Firma diese Schuhe auf Mallorca fertigen ließen oder nur das Leder importierten. Übrigens: „Majorca“ gab’s in Schwarz und Braun und das Paar kostete 37.50 US-$, was damals ziemlich teuer war. Soviel dürfte dieses feine grafische Sammlerstück auch wert sein …

Auch die Briten haben interessante Hemden …

Das schwere Hemd …
… und das Klub-Logo

ICH SAH ES „SE- COND- HAND“, denn ein Mallorca-Brite, dem offensicht- lich das Geld fürs nächste Bier aus- gegangen war, bot es an: Das Vereins- hemd des Rugby-Clubs „El Toro R. C.“ in Calvia bzw. Magaluf. Ein richtig teuer gemachtes Shirt mit vielen Stickern und vor allem – dem prangenden Logo der Balearen auf der Brust. Kukri ist der Hersteller und mich wunderte, wer die Rugbyspieler so alles sponsert und ebenfalls mit Patch verewigt ist. Unter den Tausenden von Teilen der Herrenoberbekleidung für Einheimische und Touristen, die im Insel-Handel sind, ist das ein Prachtstück und es wurde ja auch Zeit, dass ich endlich auch mal unsere englische Mitbewohner auf der Insel in meinem Blog erwähne. Wobei mir nicht bekannt war, dass die Boys von Calvia sich regelmäßig auch um das lederne Ball-Ei kloppen …

Kann es sein, dass der Erzherzog irrt?

alter-mantelDIE AUSGANGSLAGE IST EINDEUTIG: In seinem Werk „Die Balearen“ hat Erzherzog Ludwig Salvator, der eigentlich Unfehlbare, ein prachtvolles Kleidungsstück gestandener Männer auf Mallorca, einen bodenlangen Mantel, eher ein Cape, genannt „Capot pelud“, nicht nur beschrieben, sondern auch gezeigt. Das Buch ist Ende des 19. Jh. entstanden, also vor nicht allzulanger Zeit und da sollte sich doch irgendjemand auf der Insel an dieses herrliche, bestickte, als Loden gewebte und lebenslang haltbare Kleisungsstück erinnern können! Keiner tut’s. Es existiert weder in der Erinnerung der Greise (und ich habe einige gefragt und ihnen die Abbildung bezeigt), noch in irgendeiner Sammlung. Kein Museum hat einen „Capot pelud“ und kein mallorkinischer Nachfahre hat so einen Mantel aufgehoben. Wenn es ihn überhaupt je gegeben hat, denn inzwischen vermute ich, dass sich der Erzherzog irrt – dass so eine gewaltige Pelerine zwar existieren mag, nur nicht auf Mallorca. Denn 120 Jahre sind eine zu geringe Zeitspanne, um die Erinnerung und den Erhalt auszulöschen. Oder hat jemand den „Capot pelud“ gesehen? Weiß einer, wo ich einen besichtigen kann? Oder sogar kaufen, denn ich würde ihn in den kalten Insel-Wintern gerne tragen …

Bei Verboten haben Artistas viele Ideen …

Sehr nett ausgedrückt …
… und hübsch gezeichnet

ES IST ALLER GRUND GEGEBEN, bei einigen Touristen auf gutes Benehmen zu achten – leider! Daher entdeckt man vor allem an geweihten Orten originelle, künstlerisch wertvolle Verbots- oder Gebotsschilder, und die fotografiere ich jetzt immer. Weil den Grafikern eine Menge einfällt, um in der Bildsprache sehr schnell klarzumachen, was erlaubt ist, und was nicht. Wie auf diesem Schild hier, das nicht nur eindeutig, sondern auch hübsch ist, ich sah es an einem Kirchenportal: Badehose & Bikini gehört sich nicht, kurze Männerhose und ärmelloses Kleid bis zum Knie sind gestattet (da wär‘ man vor ein paar Jahren strenger gewesen). Was Speisen & Getränke betrifft, sind hier zumindest Hotdogs, Softdrinks mit Strohhalm und Eistüten verboten. Aber eigentlich geht’s mir in diesem Post weniger um Anstand, dafür mehr um den genialen Schmiss des künstlerischen Strichs. Ich hätte das Schild gern für meine Sammlung mitgenommen, aber dann hätte ich mich ja genauso daneben benommen …

 

 

 

Tony Mora – jetzt auch in Calonge!

 

Das Logo des Schusters …
… und ein typischer Stiefel

DER SCHUSTER FÜR DIE SCHICKEN COWBOYS eröffnete vor ein paar Wochen eine Filiale in diesem Örtchen im Südosten. Wieso gerade dort, erschließt sich kaum einem, Calonge besitzt zwar ein paar nette Restaurants (z. B. das „Bona Taula“), aber sonst? Keine 1000 Einwohner, gehört zu Santanyi, ist ein Eckpunkt des „Hamburger Hügels“ und als prominentester Bürger gilt der Modedesigner Miguel Adrover i Barcelo. Und nun gibt’s dort, in der c/. Cala Llonga, 1 (aber viele Straßen hat Calonge nicht) den weltberühmten Stiefelhersteller Tony Mora, der weltweit in einigen der größten Metropolen vertreten ist. Den Umwohnenden soll’s recht sein. Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19 Uhr und Sa 10-14 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maß-Schuhe von Meister Pere

horrach-1horrach-2horrach-6SOLANGE ES IHN NOCH GIBT (er ist ja nicht mehr der Jüngste), sollte man ihn ausnützen, diesen Pere Parets Horrach in Consell! Der Letzte seiner Art, der die traditionellen Espardenyesdie Jute-Stroh-Schnur-Leinen-Schuhe der speziellen mallorkinischen Artnoch per Hand herstellt, ohne jede Maschine. Ich schaue ihm gern zu, und das darf man, Meister Pere veranstaltet sogar Vorführungen in seiner Werkstatt in der Carrer d’Alcudia, 41. Etwa 10 Paar schafft er an einem Tag, wenn man ihn in Ruhe lässt, und wenn er gut in Form ist. Ein Paar kostet so um die 10 Euro und hält mindestens einen Sommer lang, wobei die Schuhe – bitte, bedenken – sich um gut eine Nummer ausweiten können. Pere hat immer eine genügende Anzahl auf Lager, wenn auch nicht unbedingt in extremen Größen wie 34 oder 46. Mein Tipp: Anrufen und ein Paar nach Maß bestellen und dabei die Größe und Farbe angeben.

Geöffnet: Mo-Fr 7.30-13 und 15-18.30 Uhr (freitags nur bis 17 Uhr). Telefon: 971/ 62 22 48.

 

 

 

 

 

Mit Bestard in die Berge!

Bestard 1DIE FABRIK IN LLOSETA PRODUZIERT angeblich die besten Wanderschuhe der Welt, hat aber inzwischen auch normale Schuhe im Sortiment. Mallorcas „Wanderpapst“ Herbert Heinrich hatte mir sie schon vor Jahren empfohlen („Bessere bekommst Du nirgendwo!“), ich habe ihm zu spät geglaubt, da war er leider schon tot. Es lohnt sich immer, das Outlet zu besuchen, in dem Hunderte von Paaren zu erstaunlichen Preisen angeboten werden – oft unter 100 Euro. Bestard 2Und nachdem ich heutzutage auch im normalen Leben ausschließlich die Modelle „Relax 6911“ in Dunkelblau und „Roma 6911“ in Graubraun trage, kann ich Heinrich nur bestätigen – meine Füße danken mir täglich! Es gibt eine nette Familiengeschichte dazu: Eigentlich sollte der älteste Sohn Joan die Firma erben, aber er zog es vor, Theologie zu studieren, also übernahmen sein jüngerer Bruder und seine Schwester. Dieser Joan, mit vollem Namen Joan Bestard Comas (* 1940), machte eine erstaunliche Karriere: Doktor der Politikwissenschaften und Soziologie, Priester, bischöflicher Vikar des Bistums Mallorca (1974-1980), Direktor des Nationalsekretariats der Bischöflichen Pastoralkommission (1980-1986), Generalvikar (1986-1999) und Dekan der Kathedrale (1998-2004), Domkapitular, Diözesanbeauftragter für Tourismus-Seelsorge und Professor für Soziologie und Soziale Doktrin der Kirche im Centro de Estudios Teológicos und im Instituto Superior de Ciencias Religiosas auf Mallorca, Autor zahlreicher Artikel und Bücher. Er spricht fließend Deutsch, da er jahrelang Pfarrer einer Gemeinde im Bistum Köln war und dort immer noch Urlaubsvertretungen übernimmt. Bestard ist heute die Nr. 2 im Bistum, und wenn ich ihn necken will, frage ich, ob automatisch sein Segen auf den Bestard-Schuhen liegt …

Adresse: Carrer de l’Estacion, 40-42. Geöffnet: 10-13 und 16-20 Uhr. Telefon: 971/ 51 40 44. Email: info@bestard.com