Küche

Braucht jemand alte Marmelade?

DIE WIRD TATSÄCHLICH ALS GESCHENK ANGEBOTEN! „Selbstgemacht“, „älteren Datums“, „12 Stk.“, „Raum Arta“ – dann eine Email-Adresse (klingt allerdings männlich). In meiner Privatsammlung „Merkwürdige Anzeige des Monats“ ist das die Siegerin für Juli 2021 und ich stelle mir vor, dass jemand von Soller nach Artá fährt, um „12 Stück Marmelade“ (in Gläsern? Orange?) für umsonst zu bekommen, die eine fleißige deutsche Hausfrau/ein fleißger Hausmann zwischen 1985 und 2015 eingekocht hat. Aber Spaß beiseite: Die Marmelade kann ja von einer Meisterin/einem Meister des Fachs sein, frisch von 2020 und besser als aus dem Supermarkt. Und so köstlich schmecken wie mir die Annonce …

Es gibt was Neues: Die Corona-Küche …

DAS SIND REZEPTE, DIE ENTSTANDEN, weil begabte Herd-Artisten in der Quarantäne viel Zeit haben/hatten, sich was Neues oder attraktive Variationen auszudenken. Ich könnte Dutzende von Beispielen aus den Experi- mentier-Küchen nennen, und sie alle stammen von Gourmet-Amateuren. So wie dieses „Frito Mallorquin“ von Klaus Exner, den viele kennen von seinen ungeheuer schmackhaften Beiträgen im „Mallorca Magazin“. Nun isst der vorsichtige Ausländer dieses Nationalgericht der Insel ja nicht so gerne, weil es 1. voller mysteriöser Innereien steckt, und 2. vor Fett trieft. Aber Maestro Klaus, selbst Feinschmecker von Gottes Gnaden, hat es so zubereitet, dass sich keiner mehr davor fürchten muss. Leider hat er das Rezept nicht verraten, aber wer das Foto genau betrachtet, kann die Zutaten leicht identifizieren …

Braucht das eigentlich jemand?

… NUN JA, DIE IDEE MAG WOHL BEI EINIGEN DEUTSCHEN ZÜNDEN (die Vielfalt, das Heimweh, Muttis geliebte Küche), vor allem bei den ewigen Küsten-Teutonen, aber ich halte sie für eher skurril. Da hat ein Geschwisterpaar im Einkaufszentrum La Ribera an der Playa de Palma eine original norddeutsche Imbissbude namens „Fischpirat“ aufgemacht und bietet an, was man sonst nur in Cuxhaven oder Husum bekommt: Meeresspezialitäten auf friesische Art! Na, dacht ich mir, da werden sich die mallorkinischen Fischer aber freuen über die neue Kundschaft, aber denkste: Joachim Fähre und seine Schwester Susanne importieren die pescas, die sie in ihrem Laden benötigen! Sonst wäre ja das, was sie in der Corona-Zeit anbieten von 12 bis 17 Uhr, nicht fressalisch echt! Manchmal, denke ich mir, laufen die Leute, die auf der Insel von einer neuen Existenz träumen, sehenden Auges ins offene Messer …

Ganz toll, Senora Macarena …

Mutig: Macarena de Castro

DIE STERNEKÖCHIN AUS PORT D’ALCUDIA hatte zwar ihr Lokal im Norden nach der Winterpause 2019/20 nicht wieder eröffnet (wozu auch, wenn die Klientel fehlt …), aber da sie „Herdweh“ plagte, machte sie im Sommer das „Andana“ in Palma auf (am Bahnhof der Placa d’Espanya) – und es gab nicht wenige, die sie bemitleideten und ihr den finanziellen Ruin voraussagten. Und was ist passiert? Das Restaurant floriert, Macarena de Castro kann gar nicht soviel kochen, wie gegessen wird, und dankbare Kunden loben sie auch hier in den höchsten Tönen: „Kein teurer Sternenhype, sondern ehrliche, bodenständige Küche mit saisonalen Produkten und dem speziellen Macarena-Touch.“ Es geht also was trotz Corona, wenn man’s richtig anpackt! Schauen Sie doch mal rein: www.andanapalma.es.

Buyols gegen das Virus …

Buyols als Kringel …
… und als gefüllte Krapfen

ES IST DAS TYPISCHE HERBST- GEBÄCK MALLORCAS, und mögen andere Regionen ruhig vor Ärger quietschen, weil sie meinen, diese Köstlichkeit erfunden zu haben! Für mich gehören Buyols seit meinen Jugendtagen zur Insel, und zwar immer ab dem 21. Oktober, dem Tag der Heiligen Ursula, und das in zwei Versionen: als Donat aus (Süß-)Kartoffeln, Mehl, Eiern, Hefe, Öl und Zucker in Fett ausgebacken, oder als Krapfen aus Brandteig mit Creme-Füllung. Mein alter Freund Antoni Tugores, der Küchen-Historiker aus Manacor, glaubt, dass die Mauren das Buyols-Rezept mitbrachten, also vor rund 800 Jahren. Wobei ich feststelle: Jeder 2. Bäcker der Insel ist stolz darauf, ein eigenes Rezept auf seine Ladentheke zu bringen! Für Leute, die nach Diät leben, ohne krank zu sein, ist das natürlich ein schwerer Brocken, aber in dieser schweren Corona-Zeit gehört der doch nun wirklich zu den lässlichen Sünden …

Diät auf Mallorca? Eigentlich ein Jammer …

JA, ICH BIN ÜBERGEWICHTIG. JA, ICH ESSE ZUVIEL! UND GERN AUCH MAL DAS FALSCHE! Aber soll ich mich wirklich in meinem Schlaraffenland kasteien für die Gesundheit? Ich finde es geradezu pervers, hier auf Diät zu leben. Und nun entdecke ich, dass die allseits gefürchteten Körperfanatiker es jetzt auch noch wagen, Bücher zu schreiben mit dem Titel „Die Mallorca Diät. Abnehmen mit Urlaubsfeeling.“ Man findet es schon für 8.10 Euro, Normalpreis: 22.50 Euro. Nun ist es ja nicht so, dass ich bewusst unvernünftig speise, da sorgt schon meine Frau dafür, aber aus der den alten und bewährten Rezepten eine Diät-Speisung zu machen, geht mir zu weit. Reicht es nicht, dass ich schwimme, laufe und golfe? Mich handwerklich betätige, Olivenöl und das heimische Gemüse liebe. Zwei Autoren hat das Buch, einer mit Doktortitel, für 192 Seiten. Dennoch glaube ich einfach nicht, dass die von gesunder Insel-Küche mehr verstehen als die Mallorkiner am Herd …

Die Wahrheit über Ekel-Restaurants …

So berichtete die „Mallorca Zeitung“ …

DIE SACHE IST NÄMLICH DIE, DASS DER SKANDAL EINEN DOPPELTEN BODEN HAT, und die Geschichte geht so: 1. kommt ein Inspekteur des Gesundheits- ministeriums der Balearen und prüft. Leider gibt es für alle Inseln nur knapp 25 dieser Kontrolleure – viel zu wenig. 2. Die 25 stellen Mängel fest, verwarnen die Wirte oder schließen die Restaurants. 3. Da müsste nun ein Schild rausgehängt werden, dass das Ministerium die Gaststätte wegen gruseliger Zustände dicht gemacht hat, aber so ein Schild sieht man äußerst selten, stattdes- sen heißt es: „Wegen Renovierung geschlossen“ oder „Urlaub bis zum …“. Das ist illegal! Die Tatsachen: Wer sich anschaut, was 2019 geschah, dem wird fast übel. Denn 3564 Lokale wurden bewertet, 522 hatten entsetz- liche Mängel, 1663 klare Mängel. Das heißt: In 61,2 % dieser Restaurants war die Gesundheit der Gäste hygi- enisch bedroht und 83 (davon 44 allein auf Ibiza) mussten die Inspekteure sofort – von einer Minute auf die andere – schließen und saftige Geldstrafen verhängen. Und was sind die Kriterien der akuten Bedrohung? 1. Extremer Schmutz, 2. Fehlen einer Spülmaschine, 3. Kein heißes Wasser, 4. Wimmelnde Kakerla- ken, 5. Deutlicher Rattenbefall. Im Klartext heißt das also: 2019 war es gefährlich, rund zwei Drittel der Lokale zu betreten, geschweige denn, dort zu essen! Mein Fazit: Auf einigen Speisekarten steht ab sofort auch das große Schaudern mit Soße …

Ein Leser-Tipp für Manacor! Eigentlich zwei …

Die Maimo-Schau in der Apotheke …
… und der fabelhafte Küchenladen

ICH BIN IMMER GLÜCKLICH, wenn ich von denen etwas höre, die mei- nen Blog le- sen! Nun hat sich Frau Dr. Ursula B.  gemeldet und mich auf et- was hingewie- sen (und mir auch noch die Fotos dazu geschickt, danke!): auf den Carrer del Mercadal in Manacor, Hausnummern 12 und 13 (also Nachbarn). In der 12, einer ehemaligen, auch sehens- werten Jugendstil-Apotheke, stellt der unvergleichliche Maler Andreu Maimo aus, und die 13, ein moderner Küchenladen namens „Ca’n Damia“, soll „ein total wunderbares Köchinnen- und Köche-Paradies“ sein. Von Maimo bin ich der zweitgrößte Fan (nach einem fanatischen Sammler in Cala Murada) und Frau Dr. Becker, mit Mallorca seit ihrer Kindheit vertraut, glaube ich blind, wenn sie etwas fabelhaft findet, auch wenn ich den Küchenladen (noch) nicht kenne. Also … – mal hinschauen, um zu sehen, was man an der Wand und am Herd gebrauchen könnte …

Oli d’Ametlles – selten und teuer!

Das Mandelöl vom „Mallorquiner“ …
… und bei „Georg’s“ in Arta

„SCHWER ZU FINDEN UND NICHT GERADE BILLIG“, schreibt Edmund Els in seinem Buch „Wenn ich an Mallorca denke …“. Er meint das Öl, das aus Mandeln gepresst wird. Viel kommt da nicht raus, und deshalb kosten 0,2 Liter auch mindestens 10 Euro, der Liter also garantiert 50 Euro – wenn man Glück hat. Es gibt sogar einen ganz heißen Tipp: das Ehepaar Miguel und Inka Morey in Sencelles, die Produzenten des feinsten Mandelöls, das man zur Zeit bekommen kann, in kleinen Mengen der, auch deshalb gilt es als kostbar. Zwar führt auch „Der Mallorquiner“ Mandelöl (ich zeige seine Packung hier), aber für das Morey-Öl muss man bei „Georg’s“ in Arta nachfragen (971 / 82 96 41), ob sie es gerade vorrätig haben.

Adios, Schaf – Ciao, Kuh!

Da gibt’s bald nix mehr zu feiern …
… und Kühe überleben als Sparschweine

MUSS MAN WOHL BALD SAGEN, und dass das, was da gerade geschieht, den Zei- tungen nur eine Rand- notiz unten rechts wert ist, bewer- te ich als Dummheit! Denn nicht nur die Bauern sterben aus, sondern auch das liebe Vieh. Mallorca wird bald zu 100 % auf Importe angewiesen sein – und hatte früher das Festland versorgt! Man muss sich die Zahlen nur mal auf der Zunge zergehen lassen: 2008 gab es auf der Insel 12 727 Rinder, 2018 waren es nur noch 7500, ein Minus von 41 %. Es existieren nur noch 28 Milchviehbetriebe! Und nicht nur das: In den genannten 10 Jahren sank die Zahl der Schafe um 95 000, das ist ein Sechstel des Bestandes! Ich sehe die Zeit kommen, da Mallorca nicht nur mit Tankschiffen voller Süßwasser versorgt werden muss, sondern auch solchen, in deren Bäuchen Kuhmilch schwappt – oder durch Containerschiffe voller Leche-Tetrapaks. Ich vermisse das „Mäh“ und das „Muh“ heute schon…