Kultur

Haarschneiden auf Maurisch …

Das Nasenschild auf Arabisch …

DIE BESTE KOPFBEHANDLUNG, die mir je zuteil wurde (Haarschneiden, Rasieren, Nase und Ohren behandeln), erlebte ich in Gaziantep (Türkei). Weil die Pflege der männlichen Schönheit in moslemischen Ländern uralte Tradition hat. Und als ich nun in einem Städtchen im Innen-Inneren dieses Schild entdeckte, freute ich mich: Weil diese Kultur auf Mallorca übergesprungen war! Nun gibt’s sicher Nitwits, die aufschreien: „Ach, soweit sind wir schon!“ Aber ich denke nicht so, ich freue mich, wenn unsere Mitbürger aus Marokko, Algerien und Tunesien nicht mehr nur geduckt auf die Gemüsefelder, in die Obstplantagen und durch die Straßen huschen, sondern zeigen, dass sie mitten unter uns lebendig, nützlich und wichtig sind …

Ein Museum für die Insel-Maler!

Das Museum es Baluard in Palma

AN SICH FEHLT ES AUF DER INSEL NICHT AN MUSEEN. Ich denke sogar, dass man auf Erden weit reisen muss, um auf engem Raum so viele Sammlungen betrachten zu können. Es dürften an die 150 Museen sein, staatlich und privat, aber wie immer wieder zurecht festgestellt wird, fehlt eins – für die großartigen Maler (von/auf) Mallorcas! Zwar liegen in den Depots Hunderte von Bildern, von Anckermann bis Bardolet, von Cittadini bis Rusinyol, von Burwitz bis Miro, aber alle Versuche, diese sehr speziell von der Insel-Atmosphäre beeinflussten Künstler unter einem Dach zu zeigen, blieb stets in den Anfängen stecken. Natürlich – es gibt es Baluard und das Museu de Mallorca und einige Museen, die sich nur mit einem Maler beschäftigen (z. B. Miro, Krekovic und Bardolet), aber nun scheint Bewegung in die die Idee zu kommen und man muss nur aufpassen, dass sich im Inselrat nicht jene Holzköpfe durchsetzen, die jetzt schon sagen: „Aber Ausländer haben in diesem Museum nichts zu suchen …!“

Entdeckt: Mallorcas Standuhr-Kultur …

Made in Palma …
... im frühen 19. Jh. …
… es gibt auch Uhren aus Paris …
… aber diese ist wieder aus Palma

DIE INSEL ÜBERRASCHT EINEN IMMER WIEDER, und als ich jetzt durch einige Läden traditioneller Uhrmacher schnürte, entdeckte ich wunderbare Antiquitäten, mit denen sie nebenbei handeln: zwei Meter hohe Standuhren in geschnitzten und bemalten Gehäusen! Dass es sie in doch erstaunlicher Menge und Schönheit auf Mallorca gibt, wusste ich nicht. Mit herrlichen Email-Zifferblättern, von vergoldeten Metallarbeiten eingerahmt, mit ebenso vergoldeten Pendeln und wundervoll klingenden Schlagwerken. geschaffen wurden diese Uhren in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts und sie funktionieren einwandfrei – sogar so gut, dass an einigen ein Schild steckt: „10 Jahre Garantie“. Uhrmachermeister in Palma haben sie geschaffen* und bis zu 200 Jahre standen diese Zeit-Schränke in mallorkinischen Bürgerhäusern und als sie, warum auch immer, nicht mehr erwünscht waren, kauften sie vor allem die Uhrmacher, die sich bisher um ihr Wohlergehen gekümmert hatten (Trödler scheuten vor den doch meist komplizierten Werken eher zurück). Die Preise? Unterschiedlich, aber sie liegen alle zwischen 4000 und 5000 Euro. Sieht kann man ein bisschen handeln, aber unter 4000 Euro wollte keiner gehen …

* Allerdings habe ich auch  einige Standuhren aus Paris gesehen

Ich sah einen Maerchenerzaehler!

So ähnlich sah das aus in Portocristo …

SIE GLAUBEN GAR NICHT, wie ich mich ärgere – dass ich keine Kamera dabei hatte! Denn da stand am Markttag (Sonntag) ein Märchenerzähler auf der Mole in Portocristo, in einem 7/8-Kreis scharten sie rund 20 Kinder um ihn, Erwachsene lauschten in dezenter Entfernung, der Erzähler unterstrich seine Worte mit geschickt platzierten Gesten – und seine Zuhörer waren fasziniert! Es war ein älterer Mallorkiner, und ich hörte heraus, dass er aus dem Sagenschatz der Insel, den „Rondailles“, zitierte, aber auch alte Kindermärchen und wohl selbst erfundene Geschichten vortrug. Er war dabei normal gekleidet, er spielte nicht den orientalisch aufgemotzten Märchenerzähler, aber er besaß, wie sie, eine faszinierende Stimme. Ich war begeistert, dass es so etwas noch gibt, allerdings habe ich so eine Gestalt nie vorher und auch danach nicht gesehen. Ich habe nicht bemerkt, dass er Geld erbeten hätte für seinen Vortrag (aber es muss wohl so sein), es standen kein umgestülpter Hut und kein leerer Topf herum, und wenn er wirklich nur aus Spaß an der Freude Märchen erzählte, dann bin ich noch viel begeisterter …

Mandelmilch ist was Besonderes …

Ein wunderbarer Hinweis …

… VOR ALLEM, WENN SIE NICHT INDUSTRIELL HERGESTELLT UND IMPORTIERT WIRD! Daran wurde ich erinnert, als ich an einerm Gehöft vorbeifuhr und dieses Schild im Fenster sah: Tenemos leche de almendras! Hier wird sie noch frisch gepresst und, sozusagen, schlückchenweise verkauft. Zu welchem Preis konnte ich nicht herausfinden, da die Bewohner gerade nicht da waren. Das ist ja auch egal: Mir genügt es, dass die Mandelmilch immer noch „privat“ und auf die antike Art hergestellt wird (meine Frau besorgt sie sich seit jeher und kocht damit). Und damit ist eine weitere, uralte Sitte noch nicht ausgestorben – halleluja …

 

 

 

Ex Libris – eine vergessene Kunst!

Ein kleines Kunstwerk …

ICH ZEIG‘ HIER EIN BESONDERS SCHÖNES EXEMPLAR. Der Nürnberger Künstler Eugen F. Strobel-Matza hat es vor Jahren gezcichnet. Mit dem Mirador Ses Animes – und als Beispiel, womit einer, der auf Mallorca wohnt, seine wertvollen Bücher schmücken könnte. Damit jeder weiß –die Erben, die ausleihen und die Diebe, die nicht zurückgeben – wem sie gehören. Vor einiger Zeit habe ich das feine Ex Libris des einheimischen Schriftstellers Guillermo Rosella Bordoy an dieser Stelle vorgestellt; dann fand ich diese hübsche Grafik auf dem Flohmarkt und dachte: Es muss doch ein paar ernsthafte Bücherfreunde geben auf der Insel, die ihre Bibliothek aufwerten möchten mit der Idee, solche kleinen Kunstwerke einzukleben …

 

 

 

Stierkampf geht in den Untergrund …

Das Klub-Logo …

DER STIERKAMPF AUF SPANISCHE ART KANN NICHT ÜBERLEBEN, nachdem so viele Ausländer, vor allem Deutsche, sich angemaßt haben, die einheimischen Tierschützer aufzuhetzen gegen die Corridas. Klar: Keiner sieht einen Stier gerne leiden, Toreros, die’s nicht können, muss man aus den Arenas verbannen. Da sind sich die Aficionados mit den Tierschützern einig. Aber wie immer schütten die Tierfreunde auch beim Stierkampf  das Kind mit dem Bade aus – und verlangen von der Regierung, diesen jahrtausendealten Brauch komplett abzuschaffen! Das Resultat? Wie bei den Hahnenkämpfen (die wirklich scheußlich sind)! Der Stierkampf geht ebenfalls in den Untergrund und ich zeige hier das Logo eines Klubs in Felanitx, der es sogar wagt, die lokalen Losverkäufer der Nationallotterie zu sponsern. Es wird also weiterhin Corridas geben, heimlich, mit schlecht ausgebildeten Toreros, die Stiere werden mehr leiden als vorher – und ein groteskes, historisches Verbrechen wiederholt sich: der von sogenannten „Tierschützern“ durchgesetzte Großwild-Jagdbann von 1977. Über ihn jubelten die Wilderer, keiner kontrollierte sie mehr und seitdem wurden 70 % aller jagbaren Tiere Afrikas ermordet! Da lastet schwere Schuld auf den Leuten, die nicht wissen, wie man Tiere wirklich liebt …

Entdeckt: Der alte Spieltisch!

So sehen die Tische aus …

WAS FÜR EIN WUNDERBARES MALLORKINISCHES MÖBEL! Edles Holz, geschwungene Form, quadratisch und an jeder Ecke ist eine kleine Wanne aus Messing eingelassen – ein Tisch für Kartenspieler. Und in die Messingwanne haben sie ihre Zigarren oder Zigaretten abgelegt, und jetzt, da nicht mehr geraucht werden darf, deponieren sie die Münzen dort. Ich habe mehrere dieser an die 100 Jahre alten Tische in Café Can Moix in Felanitx (Carter des Horts, 67)* entdeckt (und dazu auch noch ein paar der passenden alten Sessel), da werden sie täglich von den Cent-Zocken benützt, und ich überlege, ob ich dem Wirt frage, ob er mir einen der Tische, die wohl aus Eichenholz sind, verkauft, denn es sind erstklassige, weil sinnvolle Antiquitäten und Schmuckstücke im Salon jeder Privatfinca.

* Es ist übrigens eine total unterschätzte Kneipe, denn – im Internet-Auftritt des Cafés findet man dafür die Fotobelege – hier wird das umfangreichste und delikateste Tapas-Büffet im Umkreis von 50 km serviert, und das auch noch in einem Ambiente ohne grauenvolle Renovierung – es ist fast noch im Jugendstil-Original erhalten …

Schon mal gesehen, wie die Ur-Mallorkiner wohnten?

Die Archäologen stellen sich das vor nach dem, was sie ausgebuddelt haben …

ICH MEINE JENE, DIE UM MINDESTENS 1200 VOR CHRISTUS LEBTEN. Die unchristlichen Ureinwohner, die das Steinschleudern zur Kriegskunst gestalteten und in den Steinbauten ihrer Talayots und Navetas hausten. Es war ein hartes Leben, ohne Rad, aber mit Feuer. Mit Ackerbau und Viehzucht, und allmählich entwickelten sie Komfort: Ihre Bauten wurden einstöckig, sie gruben Brunnen, die ersten schlichten Möbel wurden entwickelt – und das alles kann man mit ein bisschen Phantasie in Closos C’an Gaya besichtigen, einer fast vergessenen, viele 1000 Jahre alten Siedlung am Ortsausgang von Portocolom in Richtung Golfklub Vall d’Or, direkt rechts an der Straße. Hier wird dauernd gebuddelt von Archäologen und sie haben veranlasst, dass auf Tafeln ausführliche Texte mit Illustrationen auch auf Deutsch zu finden sind.

Felanitx tut wirklich was …

Das Plakat an der Wand …
… und aus der Nähe

… GEGEN MÄNNER, die sich Frauen gegenüber mies benehmen! Ich habe gestern in der Stadt dieses große Plakat hängen sehen und der Text lautet, etwas frei übersetzt: „Für ein Felanitx, frei von männlicher Gewalt“. Ich bin mir nicht sicher, ob ein derartiger Aufruf nun gerade in Felanitx notwendig war, ob derartige Aktionen auch in den anderen Gemeinden stattfinden, und ob sie etwas bewirken; aber ich finde das Plakat bemerkenswert, erfreulich und und grafisch interessant gestaltet. Allerdings frage ich mich jetzt: Darf ich die schöne Marga in ihrem Büro an der Plaza Espanya weiterhin mit „Hola, guapa!“ begrüßen oder gilt das bereits als maskuline Zudringlichkeit?