Kultur

Das ist wirklich Corona-Irrsinn!

Schöner alter Theaterzettel von 1899 aus meiner Sammlung …
… und das moderne Donizetti-Plakat

… UND DER GESCHIEHT GERADE AUF DER INSEL! Denn im Teatro Principal in Palma führen sie Gaeteno Donizetti Oper „L’Elisir d’amore“ auf, da treten mehr als 40 Chorsänger auf (wofür der Intendant eine Son-dergenehmigung brauchte, da wg. Corona nur 40 Personen gleichzeitig auf der Bühne erlaubt sind – auch das schon ein ziemlicher Schwachsinn!) und nun folgt der Irrsinn: Diese Chorsänger müs-sen MASKEN TRAGEN und jeweils einen Meter Abstand wahren!!! Freunde, singen hinter dem Mundschutz? Nee, das kann nicht klingen! Und einen Meter Abstand? Ein Chor soll doch tönen wie die Stimme des Volkes, gebündelt, zusammen, als Einheit. Mit einem Meter Abstand singt doch jeder Chorsänger als Solist! Auch das kann nicht klappen. Aber ich ziehe meinen Hut, dass das Teatro Principal trotz dieser Widrigkeiten ein Publikum gediegen unterhalten möchte, und ich rate jedem, trotz der Sprachschwierigkeiten (aber Musik tönt international!), eine Aufführung in diesem entzückenden Theater mitten in Palma zu besuchen – die machen wirklich ernsthafte klassische Kunst …

Wie kommen Rosinen in die Mallorca-Küche?

DURCH DIE MAUREN! Und das ist eine ganz nette, ziemlich schlüssige Theorie. Als sie vor über 1000 Jahren Mallorca eroberten, trafen sie auf den von den Römern eingeführten Weinanbau und konnten als gläubige Moslems das weitere Keltern dieses alkoholischen Getränks natürlich nicht gestatten. Aber als Träger der damaligen Weltkultur mochten sie die Reben auch nicht zerstören, also gestatteten sie, die Weintrauben zu Rosinen trocknen zu lassen, machten daraus 1. einen Exportartikel, und 2. eine Ingredienzie der Küche. Und so kam die Rosine in die mallorkinischen Rezepte und blieb dort bis heute. Hübsch nicht?

Man hat mich geehrt, danke!

Ich bin der mit der Krawatte …

ICH HAB‘ DEN „INTEGRATIONSPREIS 2020/21“ der „Mallorca Zeitung“ bekommen! In einer noblen Veranstal- tung auf dem Castell Miquel vom Prof. Dr. Michael Popp („Biono- rica“) bei Lloseta. Mit seinen eigenen, köstlichen Weinen („Stairway to Heaven“), mallorkinischen Honoratioren, rund 100 wichtigen Gästen, feierlichen Reden, gut gemachten Videoclips zu den Geehrten (außer mir ein Sport-Impresario aus Österreich und die drei Benefiz-Engel von „Hope Mallorca“), einem nächtlichen „Flying Dinner“ im Park und einem schönen Metall-Kunstwerk als Trophäe. Ich fühle mich gerührt und geehrt, und weil es such ihm den „Integrationspreis“ handelt, habe ich meine Dankesrede zwar auf Deutsch gehalten, aber die mallorkinische Übersetzung aus einem Riesenbildschirm übertragen lassen – dafür bedankte sich die mallorkinische Kanzleramts-Ministerin Mercedes Garrido extra!

Das sind keine Geistlichen der Taliban …

UM GOTTESWILLEN, NEIN, SONDERN MALLORKINISCHE AKADEMIKER in den traditionellen Talaren der Balearen-Universität (UIB) im Norden Palmas! Es ist also ein sehr nobles, bemerkenswert traditionelles, um nicht zu sagen: recht originelles Outfit, mit einer Art seidenem Bolero-Jäckchen, einer schwarzen „Fliege“ zum weißen Hemd, Medaillons am Kettchen und einem Käppi, das rundherum aus Fransen besteht. Dass es die Talare in Blau, Rot und Schwarz gibt, war mir neu, aber die Kolorierung bezieht sich auf wissenschaftliche Grade und der eher unauffällige Herr in Schwarz (Foto rechts) ist der Rektor. Übrigens: Bekommt man eine der eher seltenen Ehrendoktor-Würden der UIB, wird man ähnlich eingekleidet – ich erwähne das nur am Rande, denn leider werde ich nie in den Genuss eines Dr. hc. Malle kommen …

Psst! Jetzt kann ich’s ja verraten …

MIR WIDERFÄHRT EINE HOHE EHRE und ich bin gerührt: Die von uns allen geschätzte „Mallorca-Zeitung“ verleiht mir – vielleicht unverdienter-, sicher aber unwerwarteteweise – den diesjährigen „Preis für kulturelle Vermittlung“! Man könnte auch Deutsch-Mallorkinische Verständigung sagen. Da freue ich mich aber sehr, bedanke mich herzlich  – und bin gespannt auf das Fest bei Bionorica in Alaro (Prof. Michael Popp sponsert den Event wie früher schon), am Donnerstag, den 30. September, um 18 Uhr, ist es soweit und ich kann als Geehrter (nicht der einzige, es gibt auch zwei Preisträger für wirtschaftliche und herzensgute Verdienste) ein paar Freunde mitbringen, und wem danach gelüstet, der möge sich bitte bei mir melden, ich sorge dann dafür, dass Tickets bereit liegen. Alles Übrige steht in aller Ausführlichkeit in der „Mallorca Zeitung“ …

Augen auf bei „Tia Emma“!

IN DEN KLEINEN LÄDEN LIEGEN NÄMLICH SEHR NÜTZLICHE HEFTE HERUM – die „Programme der Saison“! So wie das auf dem Foto für den Sommer 2021 in Felanitx und Portocolom. Sowas gibt’s in nahezu jeder Gemeinde, für fast jede Jahreszeit, voll mit Terminen & Tipps, oft bebildert und dies hier hat die Größe eines Comic-Heftes und dicht gedrängte 44 Seiten. Da steht alles drin, was leider zu 99 % an den Ausländern, selbst den Residenten, vorbei huscht: Sehe besuchenswerte Konzerte, Sportereignisse, Vernissagen, Kirchenfeiern, Theateraufführungen, Kabaretts, Festmahle usw. Natürlich ist der Text auf Mallorquin, aber leicht zu lesen, da es sich um reine Informationen handelt. Und die Sprache der Einheimischen ist eh einfacher zu lesen als Spanisch. Kosten? Nix. Und seien Sie versichert, dass Sie trotz aller Überraschung über ihr Erscheinen herzlich willkommen sind …

Warten auf Band 2 – aber …

… DER KLUGE KURT BLANK IST LEIDER KRANK! Der Autor des Werkes, das eine Lücke in der Mallorca-Literatur schloss: „Die Geschichte Mallorcas und sein Christentum“ (im Eigenverlag, 25 Euro, erhältlich auf Deutsch und Mallorquin). Dann machte er, der Unternehmer, Informatiker, Historiker und Bewohner von Cala Murada, sich mit nahezu 80 Jahren daran, einen 2. Band zu schreiben, die Fortsetzung ab 715 n. Chr. War fast fertig, da zwang ihn die Krankheit zum Aufhören, und es war nicht das Virus, der ihn befiel, sondern eine scheußliche OP-Folge. Jetzt hat sich seine ebenso kluge Frau Birgitta, die schon immer auch seine Assistentin war, an das Manuskript gesetzt und ich habe meine Hilfe als Lektor angeboten, weil ich möchte, dass dieses Buch erscheint, das so spannend, informativ und wichtig ist wie Band 1 – ich kenne Auszüge und bin begeistert. Herr Blank, alles Gute, vielleicht sogar schnelle Rekonvaleszenz, wir brauchen Sie dringend …

Nicht vergessen – Jackie’s Buch!

Das Buch …
… und seine Autorin

DENN ES IST GROSSAR- TIG, und es stört mich, dass es kaum ein Nachruf erwähnt: „Insiders and Outsiders – Paradise and Reality in Mallorca“. Die wunderschöne, wunderklu- ge Jacqueline Waldren hat es nach über einem halben Jahrhundert auf der Insel geschrieben, die Geschichte von Deia als Paradebeispiel für die Überfremdung durch Tourismus, für die Schwie- rigkeiten bei der Integrati- on und über die Abwehr- mechanismen und die Hilflosigkeit der Mallorkiner gegenüber der Invasion. Ein so großartiges Buch (leider nur auf Englisch), dass man dafür fast die gesamte übrige Literatur zum Thema ungelesen ins Regal stellen kann. Was für eine Frau! 1937 in Los Angeles geboren, seit 1959 auf Mallorca, Ehefrau, Assistentin und Witwe des Malers und Paläontologen William Waldren, Bewahrerin seines Erbes samt Museum, Grand Dame von Deia, Schriftstellerin und Ende Mai mit 84 Jahren in Palma gestorben. Aber unsterblich durch dieses Buch, das ich nur jedem, den an der Insel mehr interessiert als nur Sonne & Strand, dringend empfehlen muss …

Tapfer, Ingrid, weiter so …

WIE DIE TAPFEREN GALLIER UM ASTERIX BLEIBT EINE FRAU HARTNÄCKIG: Ingrid Flohr mit ihrem Kulturpro- gramm für uns alle! Das zieht sie durch mit großartigen Exper- ten, schriftlicher Anmeldung, begrenzter Teilnehmerzahl und Einhaltung aller Corona-Sicherheiten! Das sieht dann in den kommenden Wochen so aus:

Samstag, 24. April, Besichtigung der Talaiots rund um Santanyi.

Donnerstag, 29. April, Galerien-Tour durch Palma.

Sonntag, 2. Mai, Beethoven-Matinee auf der Finca Pescador bei Alqueria Blanca.

Freitag, 7. Mai, Lesung mit Michael Vogtmann in Santanyi.

Leute, es gibt nix Besseres in diesen schweren Corona-Zeiten, bei Ingrid wird immer was geboten (inkl. gepflegtem Speis & Trank) und gemessen am Spaß, sind die Kosten gering …

Anmeldung: iflohr.santanyi@gmail.com oder 690/21 87 09. 

Der Schirach von Mallorca …

… SO NENN ICH IHN, meinen Freund Hans von Rotenhan. Auch er sehr guter Anwalt und hervorragender Schriftsteller. Seit Jahrzehnten auf den Balearen (Ibiza, Mallorca) und neuerdings in Berlin. Ein fränkischer Adeliger, der bescheiden aufs „von“ verzichtet, wenn er sich öffentlich äußert. Einer der besten Insel-Schreiber, dem man zuhören sollte, selbst wenn er nur einen Leserbrief schreibt. Mit Sätzen wie: „Die Mallorca-Drängle werden sich nicht bei den dort lebenden Spaniern anstecken. Aber sie werden es untereinander tun …“. Weisheiten in kleinen Prisen werden verteilt, wie beim großen Ferdinand von Schirach. Würde Rotenhan eine Zeitungs-Kolumne bekommen, ich würde das Blatt sofort abonnieren. Seine Bücher kaufe ich sowieso, wenn er sie mir nicht schenkt. Manchmal tut er das …