Kultur

Mandelmilch ist was Besonderes …

Ein wunderbarer Hinweis …

… VOR ALLEM, WENN SIE NICHT INDUSTRIELL HERGESTELLT UND IMPORTIERT WIRD! Daran wurde ich erinnert, als ich an einerm Gehöft vorbeifuhr und dieses Schild im Fenster sah: Tenemos leche de almendras! Hier wird sie noch frisch gepresst und, sozusagen, schlückchenweise verkauft. Zu welchem Preis konnte ich nicht herausfinden, da die Bewohner gerade nicht da waren. Das ist ja auch egal: Mir genügt es, dass die Mandelmilch immer noch „privat“ und auf die antike Art hergestellt wird (meine Frau besorgt sie sich seit jeher und kocht damit). Und damit ist eine weitere, uralte Sitte noch nicht ausgestorben – halleluja …

 

 

 

Ex Libris – eine vergessene Kunst!

Ein kleines Kunstwerk …

ICH ZEIG‘ HIER EIN BESONDERS SCHÖNES EXEMPLAR. Der Nürnberger Künstler Eugen F. Strobel-Matza hat es vor Jahren gezcichnet. Mit dem Mirador Ses Animes – und als Beispiel, womit einer, der auf Mallorca wohnt, seine wertvollen Bücher schmücken könnte. Damit jeder weiß –die Erben, die ausleihen und die Diebe, die nicht zurückgeben – wem sie gehören. Vor einiger Zeit habe ich das feine Ex Libris des einheimischen Schriftstellers Guillermo Rosella Bordoy an dieser Stelle vorgestellt; dann fand ich diese hübsche Grafik auf dem Flohmarkt und dachte: Es muss doch ein paar ernsthafte Bücherfreunde geben auf der Insel, die ihre Bibliothek aufwerten möchten mit der Idee, solche kleinen Kunstwerke einzukleben …

 

 

 

Stierkampf geht in den Untergrund …

Das Klub-Logo …

DER STIERKAMPF AUF SPANISCHE ART KANN NICHT ÜBERLEBEN, nachdem so viele Ausländer, vor allem Deutsche, sich angemaßt haben, die einheimischen Tierschützer aufzuhetzen gegen die Corridas. Klar: Keiner sieht einen Stier gerne leiden, Toreros, die’s nicht können, muss man aus den Arenas verbannen. Da sind sich die Aficionados mit den Tierschützern einig. Aber wie immer schütten die Tierfreunde auch beim Stierkampf  das Kind mit dem Bade aus – und verlangen von der Regierung, diesen jahrtausendealten Brauch komplett abzuschaffen! Das Resultat? Wie bei den Hahnenkämpfen (die wirklich scheußlich sind)! Der Stierkampf geht ebenfalls in den Untergrund und ich zeige hier das Logo eines Klubs in Felanitx, der es sogar wagt, die lokalen Losverkäufer der Nationallotterie zu sponsern. Es wird also weiterhin Corridas geben, heimlich, mit schlecht ausgebildeten Toreros, die Stiere werden mehr leiden als vorher – und ein groteskes, historisches Verbrechen wiederholt sich: der von sogenannten „Tierschützern“ durchgesetzte Großwild-Jagdbann von 1977. Über ihn jubelten die Wilderer, keiner kontrollierte sie mehr und seitdem wurden 70 % aller jagbaren Tiere Afrikas ermordet! Da lastet schwere Schuld auf den Leuten, die nicht wissen, wie man Tiere wirklich liebt …

Entdeckt: Der alte Spieltisch!

So sehen die Tische aus …

WAS FÜR EIN WUNDERBARES MALLORKINISCHES MÖBEL! Edles Holz, geschwungene Form, quadratisch und an jeder Ecke ist eine kleine Wanne aus Messing eingelassen – ein Tisch für Kartenspieler. Und in die Messingwanne haben sie ihre Zigarren oder Zigaretten abgelegt, und jetzt, da nicht mehr geraucht werden darf, deponieren sie die Münzen dort. Ich habe mehrere dieser an die 100 Jahre alten Tische in Café Can Moix in Felanitx (Carter des Horts, 67)* entdeckt (und dazu auch noch ein paar der passenden alten Sessel), da werden sie täglich von den Cent-Zocken benützt, und ich überlege, ob ich dem Wirt frage, ob er mir einen der Tische, die wohl aus Eichenholz sind, verkauft, denn es sind erstklassige, weil sinnvolle Antiquitäten und Schmuckstücke im Salon jeder Privatfinca.

* Es ist übrigens eine total unterschätzte Kneipe, denn – im Internet-Auftritt des Cafés findet man dafür die Fotobelege – hier wird das umfangreichste und delikateste Tapas-Büffet im Umkreis von 50 km serviert, und das auch noch in einem Ambiente ohne grauenvolle Renovierung – es ist fast noch im Jugendstil-Original erhalten …

Schon mal gesehen, wie die Ur-Mallorkiner wohnten?

Die Archäologen stellen sich das vor nach dem, was sie ausgebuddelt haben …

ICH MEINE JENE, DIE UM MINDESTENS 1200 VOR CHRISTUS LEBTEN. Die unchristlichen Ureinwohner, die das Steinschleudern zur Kriegskunst gestalteten und in den Steinbauten ihrer Talayots und Navetas hausten. Es war ein hartes Leben, ohne Rad, aber mit Feuer. Mit Ackerbau und Viehzucht, und allmählich entwickelten sie Komfort: Ihre Bauten wurden einstöckig, sie gruben Brunnen, die ersten schlichten Möbel wurden entwickelt – und das alles kann man mit ein bisschen Phantasie in Closos C’an Gaya besichtigen, einer fast vergessenen, viele 1000 Jahre alten Siedlung am Ortsausgang von Portocolom in Richtung Golfklub Vall d’Or, direkt rechts an der Straße. Hier wird dauernd gebuddelt von Archäologen und sie haben veranlasst, dass auf Tafeln ausführliche Texte mit Illustrationen auch auf Deutsch zu finden sind.

Felanitx tut wirklich was …

Das Plakat an der Wand …
… und aus der Nähe

… GEGEN MÄNNER, die sich Frauen gegenüber mies benehmen! Ich habe gestern in der Stadt dieses große Plakat hängen sehen und der Text lautet, etwas frei übersetzt: „Für ein Felanitx, frei von männlicher Gewalt“. Ich bin mir nicht sicher, ob ein derartiger Aufruf nun gerade in Felanitx notwendig war, ob derartige Aktionen auch in den anderen Gemeinden stattfinden, und ob sie etwas bewirken; aber ich finde das Plakat bemerkenswert, erfreulich und und grafisch interessant gestaltet. Allerdings frage ich mich jetzt: Darf ich die schöne Marga in ihrem Büro an der Plaza Espanya weiterhin mit „Hola, guapa!“ begrüßen oder gilt das bereits als maskuline Zudringlichkeit?

An der Hand von Frau Flohr …

Frau Flor und ich in der Nähe von Alaro

ICH BEKENNE, DASS ICH WENIG DAZU SAGEN KANN, ich habe so einen Ausflug noch nicht mitgemacht – und auch keiner meiner Bekannten und Informanten. Ich kann nur berichten, dass Ingrid Flohr, eine deutsche Kunstexpertin und ehemalige Galeristin mit Basis in Santanyi, solche Exkursionen neuerdings veranstaltet: Atelierbesuche, Palma-Touren, Museumsführungen sowie kulturelle  Veranstaltungen nach Maß. So etwas finde ich außerordentlich wünschenswert in der viel zu häufig unter Ausländern zur Wüste geratenen Kulturlandschaft Mallorca. Aber wie gesagt: Ob das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, muss jeder selbst herausfinden. Um ein Beispiel zu geben: Für eine Wanderung durch das Rolf Schaffner-Museum und den Skulpturenpark in Santanyi, die zwei bis drei Stunden dauert, berechnet Frau Flohr bei einer mindestens fünfköpfigen Gruppe 10 Euro pro Person. Das ist wirklich nicht zu hoch gegriffen. Kontakt: galeriaflohr@gmx.net und (0034) 690 12 

Vergesst das Can Prunera nicht …

Der Palast von Außen …
… einer der prachtvollen Säle …
… und hier liegt „Can Prunera“

… WENN MAN SOWIESO MIT DEM BÄHNLI NACH SOLLER + PORT ZOCKELT! Das ist das offizielle Jugendstil-Museum, denn in Soller haben die aus Frankreich zurückkehrenden Gastarbeiter den „Modernismo“ erfunden, und hier feiert die mallorkinische Variante dieses Kunststils ein Festival der Sinne. Aber das „Can Prunera“ ist mehr: 1. Ein prachtvoller, voll eingerichteter Palast, 2. Ein bemerkenswertes Museum moderner Kunst, und 3. Eine interessante Galerie mit wechselnden Ausstellungen junger Künstler, die nach den Vernissagen meist in höchste preisliche Sphären entschweben. Zudem kostet der Eintritt nur lächerliche 5 Euro, da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis! Öffnungszeiten: 1. 11. – 28. 2. 10:30 bis 18 Uhr, 1. 3. – 31.10. 10:30 bis 18:30 Uhr.

Ein tolles Buch – nur wo bekommt man es?

Sie sieht das Buch aus

ICH BIN DURCH ZUFALL DARAUF GESTOSSEN, in der Bibliothek von Cala Murada: „Die Geschichte Mallorcas und sein Christentum“ von Kurt Blank. Das ist ein hochgebildeter älterer Herr (*1935, von Beruf Informatiker), der in dieser Urbanisation wohnt und sich jahrelang hineingefressen hat in die Geschichte der Insel von 1200 v. Chr. bis 715 n. Chr. Er hat mit vielen Experten zusammengearbeitet und sein Buch ausführlich illustriert. Ich habe jede Seite mit Spannung gelesen, ungeheuer viel gelernt und endlich schleierhafte Zusammenhänge begriffen. Das Problem ist nur: Blank hat sein Werkt im Selbstdruck veröffentlicht (und dennoch bereits zwei Auflagen erzielt), es gibt also keine Bestellnummer, keine Verlagsadresse und keinen Preis, die man irgendwo herausfinden kann. Es wird weder bei Amazon angeboten, noch bei eBay. Erstaunlich, dass es so oft verkauft wurde, allerdings weiß man nicht, wie hoch die Auflagen sind. Ich kann es nur wärmstens empfehlen – und so kann man es kaufen: Blank selbst kontaktieren (Email: kurtblank@gmx.de, außerdem steht er im Telefonbuch von Manacor), er verschickt es dann, auf Wunsch signiert. Preis: 25 Euro. 

Entdeckt: Eine Perle – fürs Ohr!

So sieht die CD aus …

SIE IST IN DIESEM MOMENT 10 JAHRE ALT, aber was macht das schon? Die beiden prominenten Dokumentarfilmer Christian Buckard und Daniel Guthmann haben dieses Feature fürs Radio (den SWR) geschaffen – also quasi als Hörspiel, und es „Der Tod im Inselgarten“ genannt. Für Kenner ist nun klar: Es geht um das Schicksal der Emigranten, die Anfang der 30er-Jahre nach Mallorca kamen und meist ein trauriges Schicksal erlebten. Und den beiden Autoren ist es gelungen, die Originalstimmen der deutschen Dichter und Maler, Offiziere und Unternehmer zu finden und einzubauen. Man hört also Liesegang, Thelen, Blei, Kraschutzki und Käpt Bilbo – es läuft einen kalt den Rücken runter! Die CD ist ein Muss für alle, die von sich selbst mehr erwarten als die Basis-Touristen-Erlebnisse mit den 4 großen S – Sonne, Sand, Sangria und Strand. Aber wie kommt man ran? Ich über den Shop des SWR, man muss da ein bisschen nachbohren, und dann bekommt man die CD, die ich hier abbilde, für ein paar Euro. Es lohnt sich …