Kunst & Künstler

Uta Exner: Eine Idee in Zement …

Der Topf in Arbeit …
… unter den Händen von Uta Exner

BISHER WAR DIE KÜNSTLERIN AUS ARTA vor allem für ihre bezaubernden Aquarelle bekannt und beliebt. Jetzt ist der Deutschen was Neues und ganz Anderes eingefal- len: Blumen-Über- töpfe aus Stoff, mit Zement in Formen gebracht und jeder- zeit durch bunte  Bemalung deko- rativ und individuell zu gestalten! „Ziem- liche Schweinerei“, hat sie ihre Arbeit charakterisiert in einer Mail an mich – und ich war sofort überzeugt, vor allem wenn ihre Kreationen noch durch einen Strick auf- gehübscht werden. Noch ist Uta Exner in einer kreativen Gestaltungsphase, aber sowie man sie kennt, wird auch diese Idee ein Hit werden …

MI MUSEU: Eine 250 Jahre alte Kachel …

Ein kostbares Einzelstück …

MANCHMAL LIEGEN SIE EINFACH RUM auf Flohmärkten und in Trödelläden – und man erkennt sie zwischen all dem neueren Zeug oft nur an den Klammern, die ein früherer Sammler angebracht hat: die herrlichen alten Kacheln. Eine wie diese, die aus dem 18. Jahrhundert stammt, auf der eine Birne abgebildet ist und die hinten eine Art Punze der Brennerei trägt. Ein Freund hat sie auf dem Rastro in Santanyi entdeckt und sie kostete nur 3 Euro. Jetzt hängt sie in meiner Entrada an der Wand und grüßt die Gäste. Eine noble Aufgabe für ein derart alte mallorkinische Antiquität …

 

 

 

MI MUSEU: Eine Landschaft von Alfred Behle

Alfred Behle malt immer extrem breit, aber nie sehr hoch …

ER WAR DEUTSCHER KUNSTPROFESSOR, lebte zeitweise auf Mallorca und wurde leider nicht besonders alt: 1935 geboren und 1997 gestorben. Alfred Behle hat meist die Landschaft um Pollenca gemalt, oft in seltsam breiten Formaten (dies hier misst 62 x 30 cm) und auf Holzplatten, die er statt Rahmung auf allen Seiten weiß malte, mit intensiven Farben und äußerst sorgfältigen Details. Da erkennt man jedes Blatt und sogar die Stacheln der Agaven. Ich konnte dieses Ölbild 2001 im Internet erwerben, es kostet mich lächerliche 60 Euro – und später habe ich noch ein weiteres, viel größeres Gemälde ergattert, diesmal für 80 Euro. Was erstaunlich billig ist, denn Behle wird ständig auf dem Kunstmarkt gehandelt, aber scheinbar sind seine Mallorca-Bilder nicht besonders beliebt. Bei mir schon …

MI MUSEU: Die alte Druckplatte …

Hiervon wurden Plakate gedruckt …

SIE ZEIGT DIE PLAYA DE PALMA, ist aus dem Jahr 1965, misst 63 x 55 cm und ist aus graviertem Zink. Die Bucht war damals noch ein Idyll und mit der Platte wurden Werbeplakate für den Mallorca-Tourismus hergestellt. Man kann sie aber auch im Original als bildliche Dekoration verwenden und ich habe sie in meiner Garage aufgehängt. Der legendäre Don Antonio im „Basar del Libero“ an der Plaza Eulalia in Palma hat sie mir 1983 verkauft und sie kostete mich, er hatte gerade einen milden Moment, nur umgerechnet 6 Euro. Obwohl ich glaube, dass es sich um ein Unikat handelt, und sollte es jemals ein Museum des Insel-Tourismus geben (was ich trotz aller Anstrengungen bezweifle), werde ich die über ein halbes Jahrhundert alte Platte spenden …

 

 

 

 

 

Viel intensiver nach oben gucken!

Die Fassade des Cafe Colon …

… Gang zum Klo …

… DANN SIEHT MAN KOSTBARKEITEN WIE DIESE – am Café Colon auf der Plaza Espanya in Llucmajor! In spätem Moder- nismo, der speziellen mallorkinischen Ju- gendstil-Variante, die bis in die 30er-Jahre überlebte und Art Deco fast verhinderte. Was für eine Fassade! Mit den Initialen des Grün- ders (BT), einem Blumenkorb, Roncaillen und Girlanden, dem Café-Namen im Rund- bogen und der eigenwilligen Schreibweise von 1928 (1 in der 9) in Stein gehauen. Passend dazu das üppige Schmiedeeisen und die grünen Persianas. Und wenn man die Toiletten aufsucht, begegnet einem eine Mudejar-Dekoration mit Barock-Ornamenten! Hunderte solcher (einen steifen Nacken bewirkenden) Fundstücke gibt es auf der Insel, wenn nicht Tausende, das Café Colon in Llucmajor ist nur als Beispiel. Die Schatz- kammer Mallorca ist noch längst nicht geplündert von neugierigen Bli- cken und lüsternen Kameras …

MI MUSEU: Eine gotische Engelsbotschaft …

Uralt, ziemlich dunkel – aber kostbar!

ALS MEINE ELTERN TOT WAREN, habe ich dieses uralte Ölgemälde in der untersten Schublade einer Kommode gefunden. Im Archiv fand ich den Hinweis, dass sie es 1959 bei einem Trödler in Felanitx gefunden hatten. Eine gotische „Verkündigung“, 80 x 48 cm groß, stark nachgedunkelt (ich müsste das Bild mal reinigen lassen!), aber immer noch beeindruckend. Ich bin sicher, es stammt aus einer Kirche auf Mallorca, vielleicht auch aus einem Kloster, und ich habe es ziemlich aufwendig rahmen lassen. Nun hängt es in meiner Estrada und begrüßt die Eintretenden. Was es damals gekostet hat, haben die Eltern leider nicht vermerkt …

Die Exner-Gabel – ein Sammelobjekt!

Reine Handarbeit und gibt’s nur 20 Mal auf der Insel …
… und die Holzbox

DAS KREATIVSTE PAAR DER INSEL HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN: Uta und Klaus Exner in Arta. Diesmal haben sie eine Spaghettigabel in purer Handarbeit geschaffen: 29 cm lang, aus verschiedenen Naturhölzern, mit Lederschlaufe und selbstgeschreinerter, kunstvoll gestalteter Holzbox und in einer Mini-Auflage von nur 20 Stück! Den Griff haben sie aus verschiedenen Spänen von auf Mallorca wachsenden Bäumen zusammengesetzt, das ergibt ein buntes Öko-Dekor – und in der Box liegen eine unterhaltsame Geschichte der Gabel an sich und das Echtheitszertifikat. Gedacht ist das Besteck „für Freunde und Genießer“, aber was es kostet, und ob es überhaupt zu verkaufen ist, weiß ich (leider) nicht …

 

 

 

 

Ein Museum für die Insel-Maler!

Das Museum es Baluard in Palma

AN SICH FEHLT ES AUF DER INSEL NICHT AN MUSEEN. Ich denke sogar, dass man auf Erden weit reisen muss, um auf engem Raum so viele Sammlungen betrachten zu können. Es dürften an die 150 Museen sein, staatlich und privat, aber wie immer wieder zurecht festgestellt wird, fehlt eins – für die großartigen Maler (von/auf) Mallorcas! Zwar liegen in den Depots Hunderte von Bildern, von Anckermann bis Bardolet, von Cittadini bis Rusinyol, von Burwitz bis Miro, aber alle Versuche, diese sehr speziell von der Insel-Atmosphäre beeinflussten Künstler unter einem Dach zu zeigen, blieb stets in den Anfängen stecken. Natürlich – es gibt es Baluard und das Museu de Mallorca und einige Museen, die sich nur mit einem Maler beschäftigen (z. B. Miro, Krekovic und Bardolet), aber nun scheint Bewegung in die die Idee zu kommen und man muss nur aufpassen, dass sich im Inselrat nicht jene Holzköpfe durchsetzen, die jetzt schon sagen: „Aber Ausländer haben in diesem Museum nichts zu suchen …!“

Zum Sammeln! Die Barcelo-Flaschen …

Alle mit Etiketten von Miquel Marcelo …
… mit gebrannten Augen …
… und mit Fisch und Teufel

SIE WURDEN ALLE AUSGE- TRUNKEN – und oben auf einem Gläserschrank gesammelt: Diese sechs Weinfla- schen mit den herrlichen Etiketten von Miquel Barceló. Alle unterschiedlich, und die eine – die mit dem Augen- paar auf braunem Packpapier – hat er in Papier gebrannt. Sonst erkennt man seine „Faust“- und „Göttliche Komödie“-Illustrationen wieder, die Teufel, die Monster, die Stiere, und sogar die Fische in seiner Kathedralen-Kapelle. Der Maler aus Felanitx lässt sich also auch in Form von Weinetiketten sammeln, aber der Wirt der Kneipe, in der der Schrank stand, war nicht bereit, sie mir zu überlassen – er weiß, was er da hat!