Kunst & Künstler

Wie wär’s mit ’ner Prinzessin an der Wand?

DAS LÄSST SICH MA- CHEN, denn Prinzessin Pilar von Bayern (1891-1987) war 1. studierte Malerin, hat 2. Mallorca geliebt (und zeitweise auf der Insel gelebt), und hinterließ 3. zahlreiche Bilder von der Insel. Sie sind sogar erschwinglich, eher kleinformatig und es gibt sie in Öl, Kohle, Tusche und Blei- stift. Aktuell angeboten wird z. B. im Nürnberger Kunsthandel (im Internet zu finden) diese Sepia-Zeichnung von 1953 für 293,16 Euro (seltsamer Preis!). Format: 40 x 29 cm ohne Rahmen. Sie ist beschriftet mit „Cala d’Or“ und signiert mit „Pilar v. Bayern“. Nun ist das ein Kunstwerk, bei dessen Betrachtung man nicht gerade in heiteren Jubel ausbricht, aber es ist ein Original, direkt von der Insel und man kann sich ja einbilden, es sei seelenverwandt mit dem „Schrei“ von Edvard Munch …

Ich hab‘ mich wohl geirrt …

… UND DAS MÖCHTE ICH KORRIGIEREN. Ein netter Leser, Volker Reissmann, hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich hatte behaup- tet, zwei meiner schönsten Bilder stammten vom Kunst- professor Dr. Alfred Behle, aber gemalt hat sie wohl eine Dame namens Hildegard Behle(-Ferrer), die viele Jahre in Cala Rajada gelebt hat und dort 1998 gestorben ist. Viele wer- den sich noch an sie erinnern. Das Versehen tut mir leid, aber die Gemälde sind nur mit Behle signiert. Lieber Herrn Reissmann, ich danke für den Hin- weis …

Das Symbolbild der Seuche?

ICH DENKE, DAS IST ES – und wieder stammt es vom großartigen  Schweizer Künstler Max Reiser, den der Virus in St. Moritz erwischt hat und daran hinderte, die Feiertage und den Jahresrutsch auf seiner Finca in Mallorca zu verbringen. Aber da er zu den denkenden Kreativen gehört (und die Quarantäne hervorragend nutzt), hat er diesen 120 x 100 cm große Bild gemalt und „Ende des Leidens“ getauft. Kein unbedingt fröhliches Werk (da hat einer die Krankheitstage abgezählt, und zwar altersbedingt im Angesicht des Todes  …), aber heiter war das ganze Jahr nicht; und wenn man sich den Titel auf der Zunge zergehen lässt, dann könnte man das Gemälde als Epitaph auf Corona verstehen, und das macht doch Hoffnung …

Da wird ein Bauhaus-Schach angeboten …

DAS IST EIN KUNSTWERK, geschaffen um 1924 von einem gewissen Josef Hartwig in Dessau mit derart stilisierten Figürchen aus Ahornholz, dass das Spielen nicht leicht fällt. Originale gehören eigentlich ins Museum, oder in die Schauvitrine, aber sie werden gar nicht mal selten angeboten, zwischen 4000 und 8000 Euro, und die Anzeige ist wohl so zu verstehen, dass dieses Bauhaus-Schach 5000 Euro kosten soll. Was ein strammer Preis ist für die Edition von 1933 – selbst wenn man leidenschaftlicher Schachspieler und das Angebot echt ist. Interessant jedoch, was man so alles auf der Insel finden kann, auch an gehobener Kultur. Übrigens: Im Bauhaus-Shop (Internet) kann man Kopien für 281,71 Euro kaufen …

Mit „Karmen“ fliegen …

Gerade fliegt die nackte Karmen an der Kathedrale vorbei …
Guillem March

… DENN DER WUNDERBARE GUILLEM MARCH hat den 2. Band seines Comics veröffentlicht. Ich habe diesen 1979 geborenen Mallorkiner immer schon für einen der ganz Großen der internationalen Zeichenszene gehalten, und mit diesen Bänden über seine fliegende Nackt-Heldin hat er sich noch überboten. Das Fabelhafte an March (und seinem Verlag) ist, dass sein Werk erschwinglich ist, so kostet jeder „Karmen“-Band nur 7.49 Euro! Für einen Mallorca-Freund sind das die Lesebücher der Saison und in der Corona-Quarantäne die ideale Lektüre, um die Gedanken losgelöst fliegen zu lassen …

Die deutschen Zeichner nicht vergessen …

Eine der aktuellen Mallorca-Zeichnungen von Prof. Hädler …
Emil Hädler

… DENN SO GUT DIE MALLORKINER AUCH SEIN MÖGEN, es gibt auch ein paar deutsche Kollegen, die den Zeichenstift fabelhaft führen! Der Architektur-Professor Emil Hädler ist so einer, und wenn ich eines seiner Bilder kaufen könnte, ich würd’s sofort tun und es an eine Wand meines Finca-Salons hängen. Nun ist seine Verbindung mit Mallorca nach meiner Kenntnis eher lose, aber immer wieder entdeckt man, dass er sich auf der Insel herumgetrieben hat – und dass dabei so eine tolle Zeichnung wie diese hier entstand: „Geräumter Strand in Paguera“. Wer nach mehr sucht, dem rate ich, auf die Website des Deutschen Werkbundes zu gehen (www.deutscher-werkbund.de), dort verfasst Hädler eine monatliche Kolumne mit einer Fülle großartigster Bilder.

Ein Neues Corona-Kunstwerk …

… UND WIEDER HAT ES DER GROSSARTIGE SCHWEIZER INNENARCHITEKT MAX REISER GESCHAFFEN: „Liebesmühle, keine Gebetsmühle“. Er pendelt gerade zwischen St. Moritz und Espinagar (an der Ostküste) hin und her und zeichnet sich, wie man sieht, auch bei diesem Werk durch eine unvorstellbar fotografische Detailtreue aus. Das Blatt, das ich hier zeige, ist nur ein Entwurf, stammt frisch aus seinem Atelier, ist eine DIN A4-große Collage und wird im September auf seiner Maler-Finca in Acryl umgesetzt auf 100 x 80 cm. Es wird natürlich ein Unikat sein (Preis verhandelbar)und ich werde versuchen, ihm den Entwurf abzuschwatzen.

 

 

Es werden gerade die Atlanten geplündert …

… DENN ICH BEOBACHTE EINE SCHWEMME AN MALLORCA-LANDKARTEN! In den Antiquariaten, auf den Flohmärkten und im Internet tauchen zur Zeit Hunderte von Geographica auf, das früheste Blatt, das ich entdeckte, stammte von 1835. Ich rede jetzt nicht von den kostbaren See- und Landkarten des Mittelalters, die Tausende kosten, sondern von Kartenwerken der Neuzeit, die so lächerlich billig angeboten werden, dass einem jeder zerstörte Atlas leid tut. Wie die Balearen-Karte, die ich hier präsentiere, aus einem britischen Atlas von 1912: etwa 30 x 20 cm groß, handkoloriert und für 50 Euro zu haben. Es gibt jedoch noch ältere Exemplare für 5 Euro! Tatsächlich sehen diese alten Landkarten gerahmt fabelhaft aus im Salon, das hat Stil und Kultur, und ist in jedem Fall besser als einer der ach so beliebten Kunstdrucke …

Wo wir gerade von Krankheiten sprechen …

Die Lepra-Station auf dem Gemälde von Carlos de Haes

… GIBT’S EIGENTLICH LEPRA AUF DER INSEL? Ja, die scheußliche Seuche kommt vor, wird aber hinter hohen Mauern versteckt. Betroffen sind ausschließlich eingereiste Ausländer, und das waren seit 1959 immerhin 41 Patienten (z. B. aus dem Senegal und der DomRep), die dann hier behandelt wurden. Vor 150 Jahren war Lepra allerdings keine Seltenheit auf Mallorca, und dazu habe ich ein Gemälde des belgisch-spanischen Malers Carlos de Haes (1829-1898) entdeckt, auf dem er eine Lepra-Station an der Küste bei Palma dargestellt hat. Und da verlieren einige die Nerven bei einer Grippe …

Prof. Jürgen Wölke – in memoriam …

 

 

JEDES SEINER OBJEKTE STELLT EIN KLEINOD DAR – und es ist ein Glück, dass dieser Berliner Künstler seine Renaissance ausgerechnet auf Mallorca erlebte – unter den Fittichen des Immobilien-Galeristen Lutz Minkner. Dabei war ich es, der Jürgen Wölke eigentlich entdeckt hat. Mitte der 70er-Jahre war das, da begann er, Berliner Szenen als puppenstuben-artige Schaukästen aus Material zu bauen, das er auf der Straße und im Abfall zusammenklaubte. Ich durfte ihn damals auf einer Sammel-Safari begleiten, konnte mir aber keines seiner Kunstwerke leisten, da sie 1500 Mark (heute ca. 750 Euro) kosteten und er nicht mit sich handeln ließ. Was er an „räumlich plastischen Materialbildern“ auf der Insel geschaffen hat, das ist bis Donnerstag, 10. September in der Galerie Minkner in Santa Ponca zu besichtigen (Mo-Fr, 10-18:30 Uhr, Titel: „Palmas Gesichter – Palmas Fassaden“) und natürlich kann man die wunderlich-wunderbaren Stücke (alles Unikate!) kaufen: für 1000 bis 2000 Euro! Erkenntnis: Man muss den deutschen Kunstprofessor, der 2010 mit 67 Jahren in Palma starb, auf seine Art zur Kunstgeschichte der Insel zählen …