Kunst & Künstler

So tanzten die Steinschleuderer in den Krieg …

ICH HABE MICH SCHON IMMER GEFRAGT, wie das ausgesehen hat, wenn die Artillerie der Vor-Schießpulver-Zeit in die Schlachten zog: die legendären Steinschleuderer aus Mallorca, begehrte Kampfsöldner des Altertums. Ein Künstler namens Gabriel Mestre Oliver (*1949 in Portocolom) hat das jetzt dargestellt, in einer Art steinzeitlichem Comic, ähnlich der uralten Malerei in den spanischen und französischen Höhlen und an den Felswänden Afrikas. Elegant in den Bewegungen, faszinierend wie klassisches Ballett –  und ich hätte gerne das Original, aber das besitzt längst ein Sammler, da musste Mestre Oliver passen, als ich anfragte …

Friedhof der Kuschelrentner …

Paul Kuhn

IST ES NICHT RÜHREND, wie auf Mallorca Ex-Stars Konzerte geben – und in der Insel-Presse, von den Impresarios und dem überalterten Publikum gefeiert werden wie anno dunnemal? Ich glaube, hier könnte sogar Margot Eskens, z. Z. 80, auftreten und müsste sechs Zugaben singen. Als sich in Deutschland kaum jemand mehr an Paul Kuhn erinnerte, mimte er seinen „Mann am Klavier“ noch jahrelang hier. Jetzt tritt „Die große Stimme“ (Originalzitat einer Palma-Zeitung) Ute Lemper, 56, auf, von der jeder Profi weiß, dass ihr Sing-Organ seit 10 Jahren „hinüber“ ist (obgleich ihre Show im- mer noch was hermacht). Gefeiert wird auch Axel Zwingenberger als „Deutsche Jazz-Größe“ und Piano-Star, der mit jugendlichem Elan auf die Tasten hämmert, obwohl er Jahrgang 1955 ist und nie wirklich den Durchbruch geschafft hat. Ich finde es ja sympathisch, dass Mallorca als Gnadenbrot-Insel dient, wo Fans hocken, deren Erinnerungsvermögen nicht gelitten hat. Aber man sollte aufhören, uns die einfliegenden Ol- dies so zu verkaufen, als sei es eine Gnade, dass sie sich bereit erklärt haben, auf Mallorca zu gastieren. Und doch noch ein Wort zur Verteidigung: Natürlich sind diese Künstler zehnmal besser als jeder der Bal- lermann-Aktivisten a la Jens B., denen man leichtfertig die vier Buchstaben S, t, a und r nachwirft …

Perscheid ist ein Philosoph!

Das ist der Cartoon …

ER ZEICHNET ÄHNLICHE CARTOONS WIE DER GROSSE GARY LARSON und er beschäftigt sich ab und zu mit Mallorca: Martin Perscheid (*1966). Seine betexteten Zeichnungen zeugen (meistens) von großer Weisheit und eine habe ich mir neben mein Badezimmerfenster gehängt, da man von dort das Meer sieht und sein Cartoon das zum Thema hat. Mit der Legende: „Helmut wartete. Er wusste, irgendwann würde ein Wal stranden. Und dann wäre er der Held.“ Das ist großartig und macht mir jeden Morgen beim Rasieren Spaß. Ich kann das so nachvollziehen, das ist philosophisch nachdenklich und herrlich naiv träumerisch. Es wird Zeit, dass Perscheid einen Sammelband seiner Insel-Cartoons veröffentlicht …

 

 

 

Das Fragezeichen um den Maler aus Kopenhagen …

Vigen 4Vigen 3ER HIESS LYKKE VIGEN, lebte von 1927 bis 2009 und kam 1957 nach Mallorca, wo er bis 1965 blieb. In der Zeit besaß er ein Cafe, das sich zum skandinavischen Kulturzentrum entwickelte, und die Galerie „Villa Bibi“, in der er vor allem eigene Bilder ausstellte. Vigen malte, ws ihm vor dem Pinsel kam – Buchten, Häuser, Menschen, Szenen, Landschaften und Gassen. Er hat in der ganzen Welt ausgestellt, auch Hotels eingerichtet (z. B. „New Stanley“ und „Norfolk“ in Nairobi) und verließ Mallorca nach dem Scheitern seiner Ehe. Sein privates Markenzeichen: unter freiem Himmel nie ohne Hut. –Und nun zum Rätsel: Wieso wird der Kunstmarkt nach Vigens Tod mit Dutzenden von Werken überschwemmt, die alle auf der Insel entstanden und so lächerlich billig sind – ab 30 Euro!, dass kaum anzunehmen ist, es handle sich um Originale; aber wenn es Fälschungen sind, so wurden sie exzellent kopiert. Wobei ich einräumen möchte, dass der Däne ja tatsächlich Hunderte von Bildern in diesen acht Jahren geschaffen haben könnte, aber warum sind dann die Signaturen derart unähnlich und wechselt der Malstil nahezu von Leinwand zu Leinwand? Ich habe ein paar seiner Mallorca-Ansichten gekauft und kann das nur zur Nachahmung empfehlen: Ob Original oder Kopie – es sind vom Sujet her absolut passende, für eine mallorkinische Wand gerade ideale Kunstwerke …

Sixtinische Kapelle – in Felanitx!

Die Fassade als Ganzes …
… und im Detail

VERZEIHUNG, WENN ICH DIE WEINHAND- LUNG RAMIS IN FELANITX ZUM 3. MAL ERWÄHNE! Aber es geht nicht anders, und wer auf die Fotos schaut, wird das verstehen: Die ganze Fassade ist ein riesiges Gemälde und es zeigt drei Generatio- nen der Familie Ramis vor ihrem weißen LKW-Oldtimer! Da haben die Ramis eine uralte Kunst wiederauferstehen las- sen: das Außenfresko! Nicht ohne Eitelkeit, aber an ihrem eigenen Haus ist das erlaubt, man könnte es auch „Stolz auf Tradition“ nennen. Es ist ein bisschen schade, dass die Gasse, an der die Weinhandlung liegt, so eng ist, dadurch kann man nicht die volle Breite des Kunstwerks aus angenehmer Entfernung genießen. Aber es ist doch erstaunlich, dass es in Felanitx noch Künstler gibt, die solche Fresken anfertigen können, und das auch noch als Porträtszene! Adresse: c/. Convent 39-41 (das ist die Straße nach Manacor oder Portocolom, wenn man durch den Ort fährt).

 

 

 

 

 

MI MUSEU: Vergoldete Schnitzereien …

Es stammt aus einer Kirche auf Mallorca …

MEINE MUTTER HAT DIESE BAROCKEN KLEINODE IN DEN 60er-JAHREN zu Dutzenden gekauft. Sie stammen aus Kirchen und Klöstern, sind alle aus Holz geschnitzt und gehörten zu religiösen Darstellungen rund um Heilige und Altäre. Sie variieren in der Größe, es gibt 40 x 20 cm große Panele (wie das, das ich hier zeige) und Arabesken von nur 10 x 5 cm. Insgesamt konnte Muttern an die 20 dieser Schnitzwerke erwerben (bei Trödlern auf der ganzen Insel, aber besonders fündig wurde sie seltsamerweise in Pollenca) und ich habe sie über den Türen angebracht, was besser aussieht, als es klingt …

Uta Exner: Eine Idee in Zement …

Der Topf in Arbeit …
… unter den Händen von Uta Exner

BISHER WAR DIE KÜNSTLERIN AUS ARTA vor allem für ihre bezaubernden Aquarelle bekannt und beliebt. Jetzt ist der Deutschen was Neues und ganz Anderes eingefal- len: Blumen-Über- töpfe aus Stoff, mit Zement in Formen gebracht und jeder- zeit durch bunte  Bemalung deko- rativ und individuell zu gestalten! „Ziem- liche Schweinerei“, hat sie ihre Arbeit charakterisiert in einer Mail an mich – und ich war sofort überzeugt, vor allem wenn ihre Kreationen noch durch einen Strick auf- gehübscht werden. Noch ist Uta Exner in einer kreativen Gestaltungsphase, aber sowie man sie kennt, wird auch diese Idee ein Hit werden …

MI MUSEU: Eine 250 Jahre alte Kachel …

Ein kostbares Einzelstück …

MANCHMAL LIEGEN SIE EINFACH RUM auf Flohmärkten und in Trödelläden – und man erkennt sie zwischen all dem neueren Zeug oft nur an den Klammern, die ein früherer Sammler angebracht hat: die herrlichen alten Kacheln. Eine wie diese, die aus dem 18. Jahrhundert stammt, auf der eine Birne abgebildet ist und die hinten eine Art Punze der Brennerei trägt. Ein Freund hat sie auf dem Rastro in Santanyi entdeckt und sie kostete nur 3 Euro. Jetzt hängt sie in meiner Entrada an der Wand und grüßt die Gäste. Eine noble Aufgabe für ein derart alte mallorkinische Antiquität …

 

 

 

MI MUSEU: Eine Landschaft von Alfred Behle

Alfred Behle malt immer extrem breit, aber nie sehr hoch …

ER WAR DEUTSCHER KUNSTPROFESSOR, lebte zeitweise auf Mallorca und wurde leider nicht besonders alt: 1935 geboren und 1997 gestorben. Alfred Behle hat meist die Landschaft um Pollenca gemalt, oft in seltsam breiten Formaten (dies hier misst 62 x 30 cm) und auf Holzplatten, die er statt Rahmung auf allen Seiten weiß malte, mit intensiven Farben und äußerst sorgfältigen Details. Da erkennt man jedes Blatt und sogar die Stacheln der Agaven. Ich konnte dieses Ölbild 2001 im Internet erwerben, es kostet mich lächerliche 60 Euro – und später habe ich noch ein weiteres, viel größeres Gemälde ergattert, diesmal für 80 Euro. Was erstaunlich billig ist, denn Behle wird ständig auf dem Kunstmarkt gehandelt, aber scheinbar sind seine Mallorca-Bilder nicht besonders beliebt. Bei mir schon …

MI MUSEU: Die alte Druckplatte …

Hiervon wurden Plakate gedruckt …

SIE ZEIGT DIE PLAYA DE PALMA, ist aus dem Jahr 1965, misst 63 x 55 cm und ist aus graviertem Zink. Die Bucht war damals noch ein Idyll und mit der Platte wurden Werbeplakate für den Mallorca-Tourismus hergestellt. Man kann sie aber auch im Original als bildliche Dekoration verwenden und ich habe sie in meiner Garage aufgehängt. Der legendäre Don Antonio im „Basar del Libero“ an der Plaza Eulalia in Palma hat sie mir 1983 verkauft und sie kostete mich, er hatte gerade einen milden Moment, nur umgerechnet 6 Euro. Obwohl ich glaube, dass es sich um ein Unikat handelt, und sollte es jemals ein Museum des Insel-Tourismus geben (was ich trotz aller Anstrengungen bezweifle), werde ich die über ein halbes Jahrhundert alte Platte spenden …