Kunst & Künstler

Wo wir gerade von Krankheiten sprechen …

Die Lepra-Station auf dem Gemälde von Carlos de Haes

… GIBT’S EIGENTLICH LEPRA AUF DER INSEL? Ja, die scheußliche Seuche kommt vor, wird aber hinter hohen Mauern versteckt. Betroffen sind ausschließlich eingereiste Ausländer, und das waren seit 1959 immerhin 41 Patienten (z. B. aus dem Senegal und der DomRep), die dann hier behandelt wurden. Vor 150 Jahren war Lepra allerdings keine Seltenheit auf Mallorca, und dazu habe ich ein Gemälde des belgisch-spanischen Malers Carlos de Haes (1829-1898) entdeckt, auf dem er eine Lepra-Station an der Küste bei Palma dargestellt hat. Und da verlieren einige die Nerven bei einer Grippe …

Prof. Jürgen Wölke – in memoriam …

 

 

JEDES SEINER OBJEKTE STELLT EIN KLEINOD DAR – und es ist ein Glück, dass dieser Berliner Künstler seine Renaissance ausgerechnet auf Mallorca erlebte – unter den Fittichen des Immobilien-Galeristen Lutz Minkner. Dabei war ich es, der Jürgen Wölke eigentlich entdeckt hat. Mitte der 70er-Jahre war das, da begann er, Berliner Szenen als puppenstuben-artige Schaukästen aus Material zu bauen, das er auf der Straße und im Abfall zusammenklaubte. Ich durfte ihn damals auf einer Sammel-Safari begleiten, konnte mir aber keines seiner Kunstwerke leisten, da sie 1500 Mark (heute ca. 750 Euro) kosteten und er nicht mit sich handeln ließ. Was er an „räumlich plastischen Materialbildern“ auf der Insel geschaffen hat, das ist bis Donnerstag, 10. September in der Galerie Minkner in Santa Ponca zu besichtigen (Mo-Fr, 10-18:30 Uhr, Titel: „Palmas Gesichter – Palmas Fassaden“) und natürlich kann man die wunderlich-wunderbaren Stücke (alles Unikate!) kaufen: für 1000 bis 2000 Euro! Erkenntnis: Man muss den deutschen Kunstprofessor, der 2010 mit 67 Jahren in Palma starb, auf seine Art zur Kunstgeschichte der Insel zählen …

Der schönste Mann Mallorcas …

Fast verheiratet – im Film …

… TJA, WER MAG DAS WOHL (gewesen) SEIN? Cineasten ahnen es, und wer den Film „Frühstück bei Tiffany“ liebt und immer wieder auf einem nostalgischen TV-Kanal genießt, weiß es auch: Jose Luis de Villalonga, spanischer Grande, Schriftsteller und Hobby-Schauspieler. Er spielte den schönen superreichen Brasilianer, der um ein Haar die entzückende Holly Golightly (Audrey Hepburn) geheiratet hätte. Villalonga, offizieller Biograf des spanischen Ex-Königs, galt als unwiderstehlich, drei Generationen von Frauen schmolzen bei seinem Anblick dahin, denn der 1920 geborene (und fünfmal verheiratete) Adelige starb erst 2007 in Port d’Andratx – mit 87 Jahren.

Das Geheimnis hinter dem „Regentropfen-Predulde“ …

ES IST DAS BERÜHMTESTE MUSIKSTÜCK MALLORCAS: Frederick Chopins Op. 28, No. 15, von 1838/9, genannt das „Regentropfen-Prelude“. Klassikfreunde hören aus der 5 bis 8 Minuten langen Komposition fallende Tropfen heraus, mir gelingt das nicht, und seit dem Entstehungsjahr doktert man an dem Titel herum, interpretiert ihn immer wieder neu – und der einst weltbekannte Künstler Charles Lamotte (1903-1983), ein Franzose mit US-Pass, hat versucht, den Moment der Idee dieses Prelude darzustellen: Chopin am offenen Fenster in Valldemossa, draußen schauerlicher Regen, George Sand und ihre Kinder sind auf einem Ausflug nach Palma überfällig (ihre Kutsche hatte einen Unfall), er regt sich auf und versucht, diese Aufregung auf Notenblätter (eins hat er in der Hand, sechs flattern am Boden) zu bannen. Lamottes Werk wird auf eBay USA für 50 Euro ange- boten, es ist ein Druck auf Papier, misst 33 x 22 cm und ist mit einem erklärenden Text versehen. Gerahmt an der Finca-Wand ist es eine Besonderheit, nämlich ein wichtiger Moment der Geschichte der Insel, umgesetzt fürs Auge (und dazu kann man ja die „Regentropfen-Prelude“ laufen lassen) …

Schön, aber leider unecht …

SIE WERDEN IM INTERNET DUTZENDWEISE ANGEBOTEN: Angebliche Kopien von Plakaten, die es jedoch nie gegeben hat!!! Sie sehen alt aus, sind traumhaft schön und  täuschend echt, und in der Beschreibung heißt es verklausuliert, es handle sich um die Wiedergabe von Originalen. Dabei haben sehr begabte Künstler lediglich alte Motive hergenommen (sogar den Ausschnitt aus einem Ancker- mann-Gemälde habe ich entdeckt), oder sie erfunden, und sie als typisch mallorkinische Reisewerbung dargestellt. Die Dinger sind nicht teuer, es gibt sie ab ca. 10 Euro je nach Größe, und das geht dann rauf bis um die 50 Euro. Fazit: Wer nur was Dekoratives an der Finca-Wand haben möchte, ohne Rücksicht auf Authentizität, der liegt hier richtig. Auch ich bewundere diese Grafiken, aber habe lieber was Echtes in der Bude …

Unglaublich teuer – pro Quadratzentimeter!

ES IST EIN AQUARELL und der Mallorkiner Antonio Ribas (1845-1931) hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts gemalt. Titel: „Cala de Cabas“. Ich habe es im Laden eines Kunst- händlers in Palma entdeckt – für 2020 Euro, wobei nur die 20 Euro verhandelbar waren. Was mich erschreckt hat, war das Preis-Größe-Verhältnis, denn dachte man sich den breiten, das Bild fast verdoppelnden Rahmen weg (28 x 23,5 cm), blieb nur ein Kunstwerk von 17 x 12,5 cm übrig! Das ist die Größe einer Postkarte und rechnet man sie auf Quadratzentimeter um, kostet jeder 9,50 Euro. Ehe mir einer Banausentum vorwirft … – ja, ich weiß, Kunst kann man nicht so berechnen, dennoch bedeutet das doch, dass der Ribas so viel kostet wie ein gebrauchter Kleinwagen, aber nur in einer stillen Ecke aufgehängt werden kann, weil er nicht dekorativ genug ist für einen Show-Platz! Nun, es ist wie es immer ist: Den Mallorkinern ist alles Mallorkinische am teuersten …

Circus ohne Bernhard Paul? Nit mööööglich …

Bernhard Paul …
… und die Ex-Deckenfabrik

ALS ICH LAS, DASS DIE STADT PALMA EINE ZIRKUS-SCHULE EINRICH- TET, klickte es sofort bei mir: Bernhard Paul, der österreichische Gründer und Leiter des Circus Roncalli (und nebenbei der legendäre Clown Zippo) wohnt nicht gerade um die Ecke, aber immerhin in der gleichen Stadt, Palmadie größte lebende Circus-Kapazität! Die Schule entsteht in der historischen Deckenfabrik Can Ribas im Stadtteil La Soledat, die Finanzierung ist kurzfristig gesichert und ein tieferer Sinn, warum die Kulturbeauftragten der Ciutat ausgerechnet eine Zirkusschule für notwendig erachten, ist erstmal nicht erkennbar. Aber sei’s drum, ich bin dennoch ein Befürworter. Aber wissen die Herrschaften eigentlich, dass es Bernhard Paul gibt? Dass er unter ihnen wohnt? Dass sein Haus in Palmanova ein circensisches Museum ist, und sogar die Originalküche des berühmtesten Clowns des 20. Jahrhunderts beinhalt – die von Grock? Dass Paul sie beraten könnte wie kein Zweiter? Und vielleicht sogar als Finanzier einzusteigen bereit ist? Nein, sie wissen es nicht, und wenn, würde es sie wahrscheinlich nicht interessieren. Um nicht wieder einem Ausländer ein Kulturprojekt zu überlassen. Schade. Aber vielleicht irre ich mich ja, oder einer der Kulturbeauftragten liest das hier und möchte von mir die Telefonnummer von Bernhard Paul haben – ich geb‘ sie ihm gerne …

Ich habe ein Monument der Weisheit entdeckt …

… ES STEHT VOR DER HAUSTÜR VON SA BASSA BLANCA, dem fabelhaften Anwesen von Yannick Vu und Ben Jakober auf der Halbinsel Victoria, ist aus poliertem schwarzen Marmor (zumindest auf der Vorderseite), rund 1 m hoch und die Weisheit liegt in den eingravierten 2 Worten mit den 13 Buchstabern: EXPECT NOTHING. Was heißen soll: Je weniger du erwartest, desto weniger wirst du enttäuscht, oder: Wie kommst du darauf, dass ich was für dich tue? Oder: Sei mit dem Bescheidenen zufrieden, das ich dir anbiete! Es ist ein ideales Monument am Eingang jeder Finca, man müsste den Stein tausendfach kopieren und als Gebrauchsgegenstand der Gastlichkeit unter die Leute bringen. EXPECT NOTHING – ich denke, Ben wäre sicher bereit, mir die Weisheit zu überlassen, aber seine Kunstwerke sind leider zu teuer für mich, selbst mit einem kräftigen Freundschaftsrabatt.

P. S.: Als ich meinen Freund Ben um ein Foto seines Monuments bat, schrieb der göttliche Spötter mir eine Email mit nur 4 Buchstaben: NADA – so als hätte ich nichts zu erwarten! Aber das Foto kam dann doch …

Mein Freund Ben ist ein Genie!

… WEIL KEINER MIT SO FEINEM HUMOR PHILOSOPHISCHE KUNST PRODUZIEREN KANN! Ich meine natürlich meinen Freund Ben Jakober auf seinem Museumsbesitz Sa Bassa Blanca bei Port d’Alcudia. Ein Beispiel? Da liegt im Garten ein von ihm geschaffenes, steinernes Kissen mit einer Kopfdelle und auf einem kleinen Schild steht: „God slept here“Gott hat hier geschlafen. Welcher Gott? Egal, der Gott jedes einzelnen Betrachters. Was für eine Idee, was für ein wunderbar zum Nachdenken anregendes Kunstwerk! So simpel – und doch so doppel- und dreifachbödig. Ich hätte das Kissen gerne für meinen Garten, aber mein Freund Ben gibt es nicht her, und er tut dabei so geheimnisvoll, dass ich mir denken könnte, Gott habe tatsächlich in seinem Park auf diesem Kissen geschlafen …

DonnerKEIL – da verkauft einer im Sekundentakt!

Diese Gemälde …
… gibt’s im Moment …
… preiswert zu kaufen

ER HEISST PETER ROBERT KEIL, wurde 1942 in Züllichau (Branden- burg) geboren, lebt – so heißt es – in Zimmerau (Bayern), Berlin und Los Angeles, und soll mal zu den „Großen Wilden“ gehört haben. Will ich nicht bestreiten. Was mich aber wundert, ist, dass im Moment Dutzende – was sage ich: Hunderte – seiner Werke auf Ebay angeboten werden: für 400 bis 800 Euro. Schnell hingerotzte Zeichnungen und ziemlich beliebige Gemälde, alle so um die 80 x 60 cm groß, und in jedem Stil der vergangenen 80 Jahre. Die meisten werden aus den USA verkauft und sollen zwischen 1950 und 1969 entstanden sein. Nun, das verweist auf ein Frühtalent, denn 1950 war Keil 8 Jahre alt! Ich besitze auch ein Porträt aus seinem Pinsel, gekauft mit der Information, der Meister habe sich auch auf Mallorca aufgehalten und sei ein „Freund“ von Joan Miro gewesen. Heissa, da habe ich aber zugeschlagen! Nun ja … – der Mann kann jedoch was, eigentlich, das ist kein Stümper, er hat ja auch fast jedes Jahr eine Ausstellung irgendwo. Aber mir kommt das stets verdächtig vor, wenn Werke en masse offeriert werden, und das zu Kaufhauspreisen. Als wenn der Maler dringend Geld brauche. Ich befürchte, da inflationiert einer sich selbst, deshalb habe ich ihm geschrieben, wollte das diskutieren, aber er hat mir nicht geantwortet …