Kunst & Künstler

Unglaublich teuer – pro Quadratzentimeter!

ES IST EIN AQUARELL und der Mallorkiner Antonio Ribas (1845-1931) hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts gemalt. Titel: „Cala de Cabas“. Ich habe es im Laden eines Kunst- händlers in Palma entdeckt – für 2020 Euro, wobei nur die 20 Euro verhandelbar waren. Was mich erschreckt hat, war das Preis-Größe-Verhältnis, denn dachte man sich den breiten, das Bild fast verdoppelnden Rahmen weg (28 x 23,5 cm), blieb nur ein Kunstwerk von 17 x 12,5 cm übrig! Das ist die Größe einer Postkarte und rechnet man sie auf Quadratzentimeter um, kostet jeder 9,50 Euro. Ehe mir einer Banausentum vorwirft … – ja, ich weiß, Kunst kann man nicht so berechnen, dennoch bedeutet das doch, dass der Ribas so viel kostet wie ein gebrauchter Kleinwagen, aber nur in einer stillen Ecke aufgehängt werden kann, weil er nicht dekorativ genug ist für einen Show-Platz! Nun, es ist wie es immer ist: Den Mallorkinern ist alles Mallorkinische am teuersten …

Circus ohne Bernhard Paul? Nit mööööglich …

Bernhard Paul …
… und die Ex-Deckenfabrik

ALS ICH LAS, DASS DIE STADT PALMA EINE ZIRKUS-SCHULE EINRICH- TET, klickte es sofort bei mir: Bernhard Paul, der österreichische Gründer und Leiter des Circus Roncalli (und nebenbei der legendäre Clown Zippo) wohnt nicht gerade um die Ecke, aber immerhin in der gleichen Stadt, Palmadie größte lebende Circus-Kapazität! Die Schule entsteht in der historischen Deckenfabrik Can Ribas im Stadtteil La Soledat, die Finanzierung ist kurzfristig gesichert und ein tieferer Sinn, warum die Kulturbeauftragten der Ciutat ausgerechnet eine Zirkusschule für notwendig erachten, ist erstmal nicht erkennbar. Aber sei’s drum, ich bin dennoch ein Befürworter. Aber wissen die Herrschaften eigentlich, dass es Bernhard Paul gibt? Dass er unter ihnen wohnt? Dass sein Haus in Palmanova ein circensisches Museum ist, und sogar die Originalküche des berühmtesten Clowns des 20. Jahrhunderts beinhalt – die von Grock? Dass Paul sie beraten könnte wie kein Zweiter? Und vielleicht sogar als Finanzier einzusteigen bereit ist? Nein, sie wissen es nicht, und wenn, würde es sie wahrscheinlich nicht interessieren. Um nicht wieder einem Ausländer ein Kulturprojekt zu überlassen. Schade. Aber vielleicht irre ich mich ja, oder einer der Kulturbeauftragten liest das hier und möchte von mir die Telefonnummer von Bernhard Paul haben – ich geb‘ sie ihm gerne …

Ich habe ein Monument der Weisheit entdeckt …

… ES STEHT VOR DER HAUSTÜR VON SA BASSA BLANCA, dem fabelhaften Anwesen von Yannick Vu und Ben Jakober auf der Halbinsel Victoria, ist aus poliertem schwarzen Marmor (zumindest auf der Vorderseite), rund 1 m hoch und die Weisheit liegt in den eingravierten 2 Worten mit den 13 Buchstabern: EXPECT NOTHING. Was heißen soll: Je weniger du erwartest, desto weniger wirst du enttäuscht, oder: Wie kommst du darauf, dass ich was für dich tue? Oder: Sei mit dem Bescheidenen zufrieden, das ich dir anbiete! Es ist ein ideales Monument am Eingang jeder Finca, man müsste den Stein tausendfach kopieren und als Gebrauchsgegenstand der Gastlichkeit unter die Leute bringen. EXPECT NOTHING – ich denke, Ben wäre sicher bereit, mir die Weisheit zu überlassen, aber seine Kunstwerke sind leider zu teuer für mich, selbst mit einem kräftigen Freundschaftsrabatt.

P. S.: Als ich meinen Freund Ben um ein Foto seines Monuments bat, schrieb der göttliche Spötter mir eine Email mit nur 4 Buchstaben: NADA – so als hätte ich nichts zu erwarten! Aber das Foto kam dann doch …

Mein Freund Ben ist ein Genie!

… WEIL KEINER MIT SO FEINEM HUMOR PHILOSOPHISCHE KUNST PRODUZIEREN KANN! Ich meine natürlich meinen Freund Ben Jakober auf seinem Museumsbesitz Sa Bassa Blanca bei Port d’Alcudia. Ein Beispiel? Da liegt im Garten ein von ihm geschaffenes, steinernes Kissen mit einer Kopfdelle und auf einem kleinen Schild steht: „God slept here“Gott hat hier geschlafen. Welcher Gott? Egal, der Gott jedes einzelnen Betrachters. Was für eine Idee, was für ein wunderbar zum Nachdenken anregendes Kunstwerk! So simpel – und doch so doppel- und dreifachbödig. Ich hätte das Kissen gerne für meinen Garten, aber mein Freund Ben gibt es nicht her, und er tut dabei so geheimnisvoll, dass ich mir denken könnte, Gott habe tatsächlich in seinem Park auf diesem Kissen geschlafen …

DonnerKEIL – da verkauft einer im Sekundentakt!

Diese Gemälde …
… gibt’s im Moment …
… preiswert zu kaufen

ER HEISST PETER ROBERT KEIL, wurde 1942 in Züllichau (Branden- burg) geboren, lebt – so heißt es – in Zimmerau (Bayern), Berlin und Los Angeles, und soll mal zu den „Großen Wilden“ gehört haben. Will ich nicht bestreiten. Was mich aber wundert, ist, dass im Moment Dutzende – was sage ich: Hunderte – seiner Werke auf Ebay angeboten werden: für 400 bis 800 Euro. Schnell hingerotzte Zeichnungen und ziemlich beliebige Gemälde, alle so um die 80 x 60 cm groß, und in jedem Stil der vergangenen 80 Jahre. Die meisten werden aus den USA verkauft und sollen zwischen 1950 und 1969 entstanden sein. Nun, das verweist auf ein Frühtalent, denn 1950 war Keil 8 Jahre alt! Ich besitze auch ein Porträt aus seinem Pinsel, gekauft mit der Information, der Meister habe sich auch auf Mallorca aufgehalten und sei ein „Freund“ von Joan Miro gewesen. Heissa, da habe ich aber zugeschlagen! Nun ja … – der Mann kann jedoch was, eigentlich, das ist kein Stümper, er hat ja auch fast jedes Jahr eine Ausstellung irgendwo. Aber mir kommt das stets verdächtig vor, wenn Werke en masse offeriert werden, und das zu Kaufhauspreisen. Als wenn der Maler dringend Geld brauche. Ich befürchte, da inflationiert einer sich selbst, deshalb habe ich ihm geschrieben, wollte das diskutieren, aber er hat mir nicht geantwortet …

Der Stierkampf als Kunstwerk …

… EXISTIERT IN EINIGEN SEINER PLAKATE, und die sind wirklich großartig. Man betrachte sich nur mal die- ses Corrida-Plakat vom 17. August 1913. Geschaffen vor über 100 Jahren für einen Stierkampf in der Arena von Palma. Als Vorlage dienten die Grafiken eines da- mals sicher bekannten Malers und der barocke Schwung des „Modernismo“, das spani- schen Jugendstils, ist noch zu spüren. Das Plakat misst nur etwa 40 x 20 cm und ist vom Alter ausgefranst. Ein Picador ist zu sehen, die Lanze im Stiernacken, auf einem damals noch unge- schützten Pferd; weiter oben ein Hirte mit Jungstieren auf einer andalusischen Weide. Es handelt sich um eine dauerhaft verwendbare Ereignis-Vorlage, in die man ak- tuelle Termine, Orte und Teilnehmer schwarz eindrucken konnte, von Cadiz bis San Sebastian und hier eben Palm de Mallorca. Ein Schatz, finde ich, der die Erinnerung an die uralte Tradition des Stierkampfes ins Unendliche ver- längern wird …

 

 

 

Ein Leser-Tipp für Manacor! Eigentlich zwei …

Die Maimo-Schau in der Apotheke …
… und der fabelhafte Küchenladen

ICH BIN IMMER GLÜCKLICH, wenn ich von denen etwas höre, die mei- nen Blog le- sen! Nun hat sich Frau Dr. Ursula B.  gemeldet und mich auf et- was hingewie- sen (und mir auch noch die Fotos dazu geschickt, danke!): auf den Carrer del Mercadal in Manacor, Hausnummern 12 und 13 (also Nachbarn). In der 12, einer ehemaligen, auch sehens- werten Jugendstil-Apotheke, stellt der unvergleichliche Maler Andreu Maimo aus, und die 13, ein moderner Küchenladen namens „Ca’n Damia“, soll „ein total wunderbares Köchinnen- und Köche-Paradies“ sein. Von Maimo bin ich der zweitgrößte Fan (nach einem fanatischen Sammler in Cala Murada) und Frau Dr. Becker, mit Mallorca seit ihrer Kindheit vertraut, glaube ich blind, wenn sie etwas fabelhaft findet, auch wenn ich den Küchenladen (noch) nicht kenne. Also … – mal hinschauen, um zu sehen, was man an der Wand und am Herd gebrauchen könnte …

Wem die Originale zu teuer sind …

… FÜR DEN HABE ICH HIER 4 BÜCHER ZU ERSCHWING- LICHEN PREISEN! Sie erin- nern sich: Vor ein paar Wochen habe ich den für mich interes- santesten Maler auf Mallorca vorgestellt: Andreu Maimó aus Felanitx. Dessen „Spezialitä- ten“ vielfältige, aber kahle Bäume, vergammelndes Obst & Gemüse sowie bezaubernde Porträts sind. Ein Freund, der durch meine Vermittlung Maimós Atelier besuchen konnte, moserte ein bisschen, dass er nicht gefunden habe, „das weniger als 1500 Euro kostet.“ Was absolut kein Preis ist für das, was dieser gewaltige Maler auf die Leinwand bringt! Lösung: Es gibt eine ganze Reihe bezaubernder Bücher, in denen Maimó entweder Gedichte illustriert oder seine Kunst präsentiert. Vier stell‘ ich hier vor, und eins ist schöner als das andere. Aber grundsätzlich kann ich nur nochmal sagen: Ich würde, wenn ich könnte, von Maimó auf einen Schlag Bilder und Skulpturen für 50 000 Euro kaufen! Und ich wüsste, dass sie in spätestens 10 Jahren 500 000 Euro wert sind …

Mein wunderbarer (irrender) Gustavo …

Bezaubernd, aber falsch …

ES IST EIN DIN A4-BLATT, MIT KREIDESTIFTEN BUNT BEMALT. Der überschäumend kreative Gustavo aus Capdepera, ein Flummi der Kunstgeschichte und ein Freund, den ich sehr schätze, hat es mir im November 2004 zum 60. Geburtstag geschaffen. Auch mit Grüßen seiner leider eben verstorbenen Ehefrau Regine und seiner Tochter Bettina. Der Glückwunsch hängt gerahmt in meinem Arbeitszimmer – und jedesmal, wenn ich ihn betrachte, muss ich schmunzeln: Das Datum ist richtig, das Alter falsch! 2004 bin ich 65 Jahre alt geworden, aber Gustavo wollte das nicht glauben (vielleicht wird wir im gleichen Jahr geboren wurden), und so erscheine ich 5 Jahre jünger. Das macht, finde ich, die gemalte Gratulation noch wertvoller. Jetzt hat er in seinem Heimatort seine eigene Galerie eröffnet, „Espais“, und das mit 80! Oder soll ich sagen … – 75?

Ein echter Malle-Udo … – aber viel zu teuer!

Heimweh nach Mallorca auf Art von …
… Udo Lindenberg

DER DEUTSCHE MUSIKER UDO LINDENBERG ist bisher eigentlich nicht als Mallorca-Fan aufgefallen, aber ich habe gerade entdeckt, dass er als Künstler (der eine Malerei mit vielfarbigen Likören bevorzugt) eine Serigrafie geschaffen hat, die er „Heimweh nach Mallorca“ nannte. Auf der ist er rechts unten abgebildet, liegend und wie üblich mit Hut, einem Löwen zuprostend, und das Gebäude im Zentrum dürfte seine künstlerisch sehr freie Auffassung von der Kathedrale sein. Im Frühjahr 2020 wurde das 42 x 56 cm große Blatt von einer Berliner Galerie gerahmt und versandfrei für 1980 Euro angeboten, was ich als total überteuert empfinde für einen Druck, von dem nicht klar ist, welche Auflage er hat, und ob er wenigstens von Lindenberg handsigniert wurde. Dennoch: Es ist ein so hübsches „Likuarell“, dass man es gerne im Wohnzimmer hängen hätte …