Kunst & Künstler

Ein echter Malle-Udo … – aber viel zu teuer!

Heimweh nach Mallorca auf Art von …
… Udo Lindenberg

DER DEUTSCHE MUSIKER UDO LINDENBERG ist bisher eigentlich nicht als Mallorca-Fan aufgefallen, aber ich habe gerade entdeckt, dass er als Künstler (der eine Malerei mit vielfarbigen Likören bevorzugt) eine Serigrafie geschaffen hat, die er „Heimweh nach Mallorca“ nannte. Auf der ist er rechts unten abgebildet, liegend und wie üblich mit Hut, einem Löwen zuprostend, und das Gebäude im Zentrum dürfte seine künstlerisch sehr freie Auffassung von der Kathedrale sein. Im Frühjahr 2020 wurde das 42 x 56 cm große Blatt von einer Berliner Galerie gerahmt und versandfrei für 1980 Euro angeboten, was ich als total überteuert empfinde für einen Druck, von dem nicht klar ist, welche Auflage er hat, und ob er wenigstens von Lindenberg handsigniert wurde. Dennoch: Es ist ein so hübsches „Likuarell“, dass man es gerne im Wohnzimmer hängen hätte …

 

 

 

 

 

 

 

Bei seinen Bildern kann man irre werden …

Ein typischer Baum …
… sowas gibt’s auch in Farbe …
… und sein Selbstporträt

WEIL MAN NICHT KAPIERT, wie einer das malen kann! Der muss doch wochenlang an seiner Staffelei sitzen, um einen Baum derart detailliert auf die Leinwand zu bringen! Andreu Maimó, Jahrgang 1946, geboren in Cas Concos, der dritte große Künstler aus Felanitx, mit Barceló und Duarte. Einer, der die Kunst beherrscht, einen Baum naturgetreu und doch auf seine individuelle Art darzustellen. Ein wunderlicher Typ, dieser Maimó: Schläft am Tag und malt nachts, hat ein Atelier an der Straße – und stellt jeden Tag herrliche Bilder zum öffentlichen Betrachten in seine Fenster. Schafft es sogar, seine unerklär- lichen Bäume in noch viel unerklärlichere Skulpturen zu verwandeln! Und wenn er sich endlich doch mal aus seinem persönlichen Wald begibt, dann kann er viel mehr: Landschaften und Porträts, Stillleben und Tiere – einfach alles. Ich beneide einen Freund in Cala Murada, der schon vor Jahren begonnen hat, Maimó zu sammeln und nun rund 30 Originale besitzt. Ich werde nächste Woche den Versuch unternehmen, ihn in seinem Atelier zu treffen und einen Baum abzuschwatzen, vielleicht kann ich mir ja eine kleine Zeichnung leisten …

Das Fenster im Fenster – von Nils Burwitz …

Das Fenster …
… und die Kopie im Fenster

DER MEISTER AUS VALLDEMOSSA hat ja, wie bekannt, ein Fenster in der Kathedrale gestalten dürfen, man sieht es rechts oben m Eingang zum Diözesanmuseum. Eine riesige Ehre, Nils Burwitz ist der erste Deutsche, der sich in Mallorcas heiligstem Gebäude verewigen durfte – und es gibt eine Chance, an dieser Würdigung Zuhause an einem eigenen Fenster teilzuhaben. Denn im Kathedralenshop gibt es eine transparente Wiedergabe des Kunstwerks, 27 x 5 cm groß, sozusagen eine Art lang gezogenes Dia. Klebt man es von innen ans Glas, werden die Darstellungen von der Sonne in den Raum geworfen – der Burwitz strahlt! Und das für ein paar lächerliche Euro …

 

 

Wer ist dieser A. Caimari?

„Kloster in Valldemossa“

ER MACHT WUNDERVOLLE FEDERZEICHNUNGEN AUF DIE ALTE ART, er signiert auch wie mittelalterliche Meister: Caimari fecit – links unten auf zwei Tafeln, die im Torbogen lehnen. A. Caimari ist Meister des Details und der Perspektive, dessen Originale ich immer mal wieder auf den Insel-Flohmärkten gesehen habe (für einen Appel und ein Ei), der rahmenwürdige Postkarten (wie die, die ich hier zeige) gestaltet hat – und von dem ich nichts weiß. Nicht mal im „Sabater“, dem zweibändigen Künstlerlexikon von Mallorca, ist dieser A. Caimari verzeichnet. Sicher ist, dass er nicht identisch ist mit dem Regisseur Antonio Caimari aus Sa Pobla. Es lohnt sich, die Originale zu sammeln, denn es gibt kaum einen nobleren Finca-Wandschmuck und ich werde auch noch rauskriegen, wer er ist und wo und wann er geboren wurde …

Felanitx – die Fresken-Stadt!

EBEN HABE ICH ÜBER DIE WEINHANDLUNG RAMIS BERICHTET, deren Besitzer seine Fassade mit eine gigantischen Generationen-Porträt bemalen ließ. Und nun gibt’s das nächste Fresko im „Format Sixtinische Kapelle“ zu sehen: am Sportzentrum Guillem Timoner am Ortsausgang in Richtung Campos. Sicher 20 x 5 m groß (schätze ich), auch dieses Fresko scheint ein Porträt zu sein, aber man versicherte mir, es sei „nur ein Symbolbild“, den jungen Mann gäbe es nicht lebend. Und was für einen seltsamen Chip hält er in den Händen? Das konnte mir keiner erklären in Felanitx – und an den Maler erinnerte sich auch keiner (ich hätte ihn sonst gefragt). Sei’s drum – in Felanitx tut sich was, da gehen sie jetzt vehement an die Fassaden, und es gibt die Maler noch, die sowas können), und nachdem das Städtchen auch die internationale Top-Künstler Miquel Barcelo und Xisco Duarte hervorgebracht hat, muss man es als die heimliche Kunsthauptstadt der Insel bezeichnen …

MI MUSEU: Jakobers zweideutiges Objekt …

80 cm hoch mit der Zunge …

DER GROSSARTIGE KÜNSTLER MOCHTE PLÖTZLICH SEIN EIGENES WERK NICHT, es wollte auch keiner kaufen – da hat er es mir vor 20 Jahren geschenkt! „Obelick“ hat der Brite Ben Jakober mit der ihm eigenen Heiterkeit die 80 cm hohe Skulptur genannt, weil ein Obelisk, der in einem Haufen Kacke steht, in einer Zunge* endet. Das Material sind eine selbstgeschaffene Plastikmasse und ein behauener Stein auf einer weißen Marmorplatte. Das Werk sieht seltsam aus, aber großartig, ist ein ständiges conversation piece und und ich denke, heute würde Ben es gerne wiederhaben für eines seiner Museen auf der Halbinsel Sa Bassa bei Port d’Alcudia. 

* Ich bin mir nicht sicher, ob die Zunge nicht mal im Maul eines Schafes steckte. Ben ist alles zuzutrauen …

 

 

 

 

 

So tanzten die Steinschleuderer in den Krieg …

ICH HABE MICH SCHON IMMER GEFRAGT, wie das ausgesehen hat, wenn die Artillerie der Vor-Schießpulver-Zeit in die Schlachten zog: die legendären Steinschleuderer aus Mallorca, begehrte Kampfsöldner des Altertums. Ein Künstler namens Gabriel Mestre Oliver (*1949 in Portocolom) hat das jetzt dargestellt, in einer Art steinzeitlichem Comic, ähnlich der uralten Malerei in den spanischen und französischen Höhlen und an den Felswänden Afrikas. Elegant in den Bewegungen, faszinierend wie klassisches Ballett –  und ich hätte gerne das Original, aber das besitzt längst ein Sammler, da musste Mestre Oliver passen, als ich anfragte …

Friedhof der Kuschelrentner …

Paul Kuhn

IST ES NICHT RÜHREND, wie auf Mallorca Ex-Stars Konzerte geben – und in der Insel-Presse, von den Impresarios und dem überalterten Publikum gefeiert werden wie anno dunnemal? Ich glaube, hier könnte sogar Margot Eskens, z. Z. 80, auftreten und müsste sechs Zugaben singen. Als sich in Deutschland kaum jemand mehr an Paul Kuhn erinnerte, mimte er seinen „Mann am Klavier“ noch jahrelang hier. Jetzt tritt „Die große Stimme“ (Originalzitat einer Palma-Zeitung) Ute Lemper, 56, auf, von der jeder Profi weiß, dass ihr Sing-Organ seit 10 Jahren „hinüber“ ist (obgleich ihre Show im- mer noch was hermacht). Gefeiert wird auch Axel Zwingenberger als „Deutsche Jazz-Größe“ und Piano-Star, der mit jugendlichem Elan auf die Tasten hämmert, obwohl er Jahrgang 1955 ist und nie wirklich den Durchbruch geschafft hat. Ich finde es ja sympathisch, dass Mallorca als Gnadenbrot-Insel dient, wo Fans hocken, deren Erinnerungsvermögen nicht gelitten hat. Aber man sollte aufhören, uns die einfliegen- den Oldies so zu verkaufen, als sei es eine Herablassung, dass sie sich bereit erklärt haben, auf Mallorca zu gastieren. Und doch noch ein Wort zur Verteidigung: Natürlich sind diese Künstler zehnmal besser als jeder der Ballermann-Aktivisten a la Jens B., denen man leichtfertig die vier Buchstaben S, t, a und r nachwirft …

Perscheid ist ein Philosoph!

Das ist der Cartoon …

ER ZEICHNET ÄHNLICHE CARTOONS WIE DER GROSSE GARY LARSON und er beschäftigt sich ab und zu mit Mallorca: Martin Perscheid (*1966). Seine betexteten Zeichnungen zeugen (meistens) von großer Weisheit und eine habe ich mir neben mein Badezimmerfenster gehängt, da man von dort das Meer sieht und sein Cartoon das zum Thema hat. Mit der Legende: „Helmut wartete. Er wusste, irgendwann würde ein Wal stranden. Und dann wäre er der Held.“ Das ist großartig und macht mir jeden Morgen beim Rasieren Spaß. Ich kann das so nachvollziehen, das ist philosophisch nachdenklich und herrlich naiv träumerisch. Es wird Zeit, dass Perscheid einen Sammelband seiner Insel-Cartoons veröffentlicht …

 

 

 

Das Fragezeichen um den Maler aus Kopenhagen …

Vigen 4Vigen 3ER HIESS LYKKE VIGEN, lebte von 1927 bis 2009 und kam 1957 nach Mallorca, wo er bis 1965 blieb. In der Zeit besaß er ein Cafe, das sich zum skandinavischen Kulturzentrum entwickelte, und die Galerie „Villa Bibi“, in der er vor allem eigene Bilder ausstellte. Vigen malte, ws ihm vor dem Pinsel kam – Buchten, Häuser, Menschen, Szenen, Landschaften und Gassen. Er hat in der ganzen Welt ausgestellt, auch Hotels eingerichtet (z. B. „New Stanley“ und „Norfolk“ in Nairobi) und verließ Mallorca nach dem Scheitern seiner Ehe. Sein privates Markenzeichen: unter freiem Himmel nie ohne Hut. –Und nun zum Rätsel: Wieso wird der Kunstmarkt nach Vigens Tod mit Dutzenden von Werken überschwemmt, die alle auf der Insel entstanden und so lächerlich billig sind – ab 30 Euro!, dass kaum anzunehmen ist, es handle sich um Originale; aber wenn es Fälschungen sind, so wurden sie exzellent kopiert. Wobei ich einräumen möchte, dass der Däne ja tatsächlich Hunderte von Bildern in diesen acht Jahren geschaffen haben könnte, aber warum sind dann die Signaturen derart unähnlich und wechselt der Malstil nahezu von Leinwand zu Leinwand? Ich habe ein paar seiner Mallorca-Ansichten gekauft und kann das nur zur Nachahmung empfehlen: Ob Original oder Kopie – es sind vom Sujet her absolut passende, für eine mallorkinische Wand gerade ideale Kunstwerke …