Kunst & Künstler

Kim Who?

HAB’S JA IMMER SCHON GEAHNT (und geschrie- ben): Wenn ein Künstler Zuhause nicht mal mehr ein Hinterstübchen bekommt für einen Auftritt, muss er nur nach Malle fliegen – da rollen sie ihm den Roten Teppich aus. Deshalb musste ich grinsen, als ich die Schlagzeile (siehe Foto) las: Da kommt also eine britische Pop-Oma, 60, die 1981 (vor 39 Jahren) den letzten Platz 1-Hit als Solosängerin hatte, und an die sich deshalb nur noch greise Musikalienfans erinnern (wenn überhaupt), 2022 (!) – in 1 Jahr (wenn nicht wieder was dazwischen kommt) – und das wird jetzt schon gefeiert … – rührend ist das! Kim Wilde, von Beruf Landschaftsgärtnerin, einst große Nummer, die aber anderswo keine 10 Tickets mehr verkaufen würde. Es sei ihr gegönnt, nur wundere ich mich, wie anspruchslos das Insel-Publikum selbst in Zeiten von Social Media ist …

Schweizer Briefmarke, erdacht in Corona-Zeiten …

… UND DA MUSS MAN EINEM KÜNSTLER EINIGE FREIHEITEN NACHSEHEN! Denn es kann gut sein, dass sich die Quarantäne auf schöpferische Migräne reimt – und Klaustrophobie auf Phantasie! Natürlich wird diese Briefmarke nie erscheinen, der nimmermüde Zürcher Innenarchitekt und Zeichner Max Reiser hat sie sich ausgedacht und gezeichnet, im postalischen Wert von 100 Rappen (oder meint er etwa Franken?), mit Mickymaus als Henker und dem weisen Spruch „Hass ist tödlich“, weswegen das Lachen der Comicfigur etwas heimtückisch wirkt. Jedenfalls ein echter Hin- gucker, wenn auch mit nebulösem Sinn, aber ein interessan- tes Produkt des kasernierten Lebens auf einer einsamen Finca an der Nordostküste unserer geliebten Insel …

 

 

Ich kann nur dringend dazu raten …

… NÄMLICH ZUR HAUSBESICHTIGUNG VON SA BASSA BLANCA! Das ist die Privatvilla von Yannick Vu und Ben Jakober auf der Halbinsel Victoria (hinter Port d’Alcudia). Erbaut vom legendären ägyptischen Architekten Hassan Fathy, ein „lebendes“ Museum voller überraschender Schätze, ein Traum aus 1001 Nacht, mit idyllischen Innenhöfen voller sprudelnder Brunnen, luftigen Umgängen aus filigraner Holzschnitzerei und Antiquitäten, die man sonst nur in verschlossenen Adelspalästen sieht. Es wird jetzt eine „Hausführung“ für 25 Euro angeboten, was nicht billig ist, aber jeden Cent wert, zumal Deutsch gesprochen wird! Anmelden kann man sich nur telefonisch (971/54 69 15), und nur kleine Gruppen werden reingelassen, aber schon mal reinschauen sollte man aus der Ferne (msbb.org). Und: Die ganzen herrlichen Ausstellungen rundherum – und vor allem den Turm ganz oben mit seinem aberwitzigen Inhalt und dem phantastischen Blick über die Bucht, kann man nebenbei auch noch mitnehmen …

Arien auf den Erzherzog …

Carmen Riera
Ludwig Salvator

… WERDEN WIR BALD HÖREN, aber noch weiß man nicht, wie sie klingen werden, aber eins ist jetzt schon ziemlich klar: Das Libretto einer „Erzherzog-Oper“ wird unterhaltsam sein, denn Carmen Riera verfasst es gerade. Das ist Mallorcas bedeutendste Schriftstel- lerin, 1948 geboren und seit 1993 gibt es sieben ihrer Bücher auch auf Deutsch, das ist ein enormer Erfolg! Das Leben des kaiserlichen Adeligen aus Österreich, der mit seinen Veröffentlichungen mehr für die Insel getan hat als jeder andere Ausländer (und vielleicht sogar Insulaner!), gibt ja weiß Gott genug Stoff her. Von seiner Leidenschaft für Landschaften und seiner arkadischen Hofhaltung, von seinen bisexuellen Liebschaften bis zu den Besuchen von seiner Cousine, Kaiserin Sisi – das schreit geradezu nach einem klingenden Bühnenwerk, sei es nun Oper oder Musical! Ich jedenfalls bin sehr gespannt und werde Señora Riera anrufen, um zu erfahren, worauf sie ihr Hauptaugenmerk richtet …

Wie wär’s mit ’ner Prinzessin an der Wand?

DAS LÄSST SICH MA- CHEN, denn Prinzessin Pilar von Bayern (1891-1987) war 1. studierte Malerin, hat 2. Mallorca geliebt (und zeitweise auf der Insel gelebt), und hinterließ 3. zahlreiche Bilder von der Insel. Sie sind sogar erschwinglich, eher kleinformatig und es gibt sie in Öl, Kohle, Tusche und Blei- stift. Aktuell angeboten wird z. B. im Nürnberger Kunsthandel (im Internet zu finden) diese Sepia-Zeichnung von 1953 für 293,16 Euro (seltsamer Preis!). Format: 40 x 29 cm ohne Rahmen. Sie ist beschriftet mit „Cala d’Or“ und signiert mit „Pilar v. Bayern“. Nun ist das ein Kunstwerk, bei dessen Betrachtung man nicht gerade in heiteren Jubel ausbricht, aber es ist ein Original, direkt von der Insel und man kann sich ja einbilden, es sei seelenverwandt mit dem „Schrei“ von Edvard Munch …

Das Symbolbild der Seuche?

ICH DENKE, DAS IST ES – und wieder stammt es vom großartigen  Schweizer Künstler Max Reiser, den der Virus in St. Moritz erwischt hat und daran hinderte, die Feiertage und den Jahresrutsch auf seiner Finca in Mallorca zu verbringen. Aber da er zu den denkenden Kreativen gehört (und die Quarantäne hervorragend nutzt), hat er diesen 120 x 100 cm große Bild gemalt und „Ende des Leidens“ getauft. Kein unbedingt fröhliches Werk (da hat einer die Krankheitstage abgezählt, und zwar altersbedingt im Angesicht des Todes  …), aber heiter war das ganze Jahr nicht; und wenn man sich den Titel auf der Zunge zergehen lässt, dann könnte man das Gemälde als Epitaph auf Corona verstehen, und das macht doch Hoffnung …

Da wird ein Bauhaus-Schach angeboten …

DAS IST EIN KUNSTWERK, geschaffen um 1924 von einem gewissen Josef Hartwig in Dessau mit derart stilisierten Figürchen aus Ahornholz, dass das Spielen nicht leicht fällt. Originale gehören eigentlich ins Museum, oder in die Schauvitrine, aber sie werden gar nicht mal selten angeboten, zwischen 4000 und 8000 Euro, und die Anzeige ist wohl so zu verstehen, dass dieses Bauhaus-Schach 5000 Euro kosten soll. Was ein strammer Preis ist für die Edition von 1933 – selbst wenn man leidenschaftlicher Schachspieler und das Angebot echt ist. Interessant jedoch, was man so alles auf der Insel finden kann, auch an gehobener Kultur. Übrigens: Im Bauhaus-Shop (Internet) kann man Kopien für 281,71 Euro kaufen …

Mit „Karmen“ fliegen …

Gerade fliegt die nackte Karmen an der Kathedrale vorbei …
Guillem March

… DENN DER WUNDERBARE GUILLEM MARCH hat den 2. Band seines Comics veröffentlicht. Ich habe diesen 1979 geborenen Mallorkiner immer schon für einen der ganz Großen der internationalen Zeichenszene gehalten, und mit diesen Bänden über seine fliegende Nackt-Heldin hat er sich noch überboten. Das Fabelhafte an March (und seinem Verlag) ist, dass sein Werk erschwinglich ist, so kostet jeder „Karmen“-Band nur 7.49 Euro! Für einen Mallorca-Freund sind das die Lesebücher der Saison und in der Corona-Quarantäne die ideale Lektüre, um die Gedanken losgelöst fliegen zu lassen …

Die deutschen Zeichner nicht vergessen …

Eine der aktuellen Mallorca-Zeichnungen von Prof. Hädler …
Emil Hädler

… DENN SO GUT DIE MALLORKINER AUCH SEIN MÖGEN, es gibt auch ein paar deutsche Kollegen, die den Zeichenstift fabelhaft führen! Der Architektur-Professor Emil Hädler ist so einer, und wenn ich eines seiner Bilder kaufen könnte, ich würd’s sofort tun und es an eine Wand meines Finca-Salons hängen. Nun ist seine Verbindung mit Mallorca nach meiner Kenntnis eher lose, aber immer wieder entdeckt man, dass er sich auf der Insel herumgetrieben hat – und dass dabei so eine tolle Zeichnung wie diese hier entstand: „Geräumter Strand in Paguera“. Wer nach mehr sucht, dem rate ich, auf die Website des Deutschen Werkbundes zu gehen (www.deutscher-werkbund.de), dort verfasst Hädler eine monatliche Kolumne mit einer Fülle großartigster Bilder.

Ein Neues Corona-Kunstwerk …

… UND WIEDER HAT ES DER GROSSARTIGE SCHWEIZER INNENARCHITEKT MAX REISER GESCHAFFEN: „Liebesmühle, keine Gebetsmühle“. Er pendelt gerade zwischen St. Moritz und Espinagar (an der Ostküste) hin und her und zeichnet sich, wie man sieht, auch bei diesem Werk durch eine unvorstellbar fotografische Detailtreue aus. Das Blatt, das ich hier zeige, ist nur ein Entwurf, stammt frisch aus seinem Atelier, ist eine DIN A4-große Collage und wird im September auf seiner Maler-Finca in Acryl umgesetzt auf 100 x 80 cm. Es wird natürlich ein Unikat sein (Preis verhandelbar)und ich werde versuchen, ihm den Entwurf abzuschwatzen.