Kunst & Künstler

Ein Museum für die Insel-Maler!

Das Museum es Baluard in Palma

AN SICH FEHLT ES AUF DER INSEL NICHT AN MUSEEN. Ich denke sogar, dass man auf Erden weit reisen muss, um auf engem Raum so viele Sammlungen betrachten zu können. Es dürften an die 150 Museen sein, staatlich und privat, aber wie immer wieder zurecht festgestellt wird, fehlt eins – für die großartigen Maler (von/auf) Mallorcas! Zwar liegen in den Depots Hunderte von Bildern, von Anckermann bis Bardolet, von Cittadini bis Rusinyol, von Burwitz bis Miro, aber alle Versuche, diese sehr speziell von der Insel-Atmosphäre beeinflussten Künstler unter einem Dach zu zeigen, blieb stets in den Anfängen stecken. Natürlich – es gibt es Baluard und das Museu de Mallorca und einige Museen, die sich nur mit einem Maler beschäftigen (z. B. Miro, Krekovic und Bardolet), aber nun scheint Bewegung in die die Idee zu kommen und man muss nur aufpassen, dass sich im Inselrat nicht jene Holzköpfe durchsetzen, die jetzt schon sagen: „Aber Ausländer haben in diesem Museum nichts zu suchen …!“

Zum Sammeln! Die Barcelo-Flaschen …

Alle mit Etiketten von Miquel Marcelo …
… mit gebrannten Augen …
… und mit Fisch und Teufel

SIE WURDEN ALLE AUSGE- TRUNKEN – und oben auf einem Gläserschrank gesammelt: Diese sechs Weinfla- schen mit den herrlichen Etiketten von Miquel Barceló. Alle unterschiedlich, und die eine – die mit dem Augen- paar auf braunem Packpapier – hat er in Papier gebrannt. Sonst erkennt man seine „Faust“- und „Göttliche Komödie“-Illustrationen wieder, die Teufel, die Monster, die Stiere, und sogar die Fische in seiner Kathedralen-Kapelle. Der Maler aus Felanitx lässt sich also auch in Form von Weinetiketten sammeln, aber der Wirt der Kneipe, in der der Schrank stand, war nicht bereit, sie mir zu überlassen – er weiß, was er da hat!

Jazz auf Mallorca? Ja, warum nicht?

So sah er aus in jungen Jahren …

ES GIBT EINE BEGEISTERTE SZENE, sie versteckt sich ein bisschen, aber es gibt z. B. einen sehr bewegenden Insel-Blues, und der wird nicht nur von einfliegenden Künstlern zelebriert, die anderswo entweder erfolglos oder abgetakelt sind. Es gibt sogar einen „Vater des Mallorca-Jazz“, den klassischen Komponisten und Musiker Baltasar Samper (1888-1966), der auch Musikwissenschaftler und sein Leben lang Dozent für Jazz an verschiedenen Universitäten war. 2019 erschien ein schmales Bändchen mit seinen Erkenntnisse, es heißt „Musica de Jazz“, ist leider nicht auf Deutschoder Englisch erhältlich – aber es gibt Aufnahmen von Samper, fabelhaft schöne Jazz-Einspielungen, auch mit eigenen Kompositionen. Und: Man findet ihn sogar auf YouTube …

MI MUSEU: Der Burwitz-Teller

MEIN FREUND NILS IST EINE ART MIDAS, was er anpackt wird zu Gold, aber der Unterschied zum ollen König der Phrygier ist, das er dabei nicht verhungert. Ich sammle von ihm, was ich mir leisten kann, und manchmal geraten auch Geschenke in meinen Besitz. Wie dieser schwere, repräsentative Ramon Llull-Teller von 30 cm Durchmesser, den Burwitz vor ein paar Jahren für eine Vernissage im Hotel „Son Vida Castillo“ geschaffen hat. Er ist eine Hommage an das philosophische Rechengenie aus Mallorca, dem es im 13./14. Jahrhundert auch gelungen war, so etwas wie den ersten Computer zu erdenken. Das Porzellan wurde natürlich nur in einer limitierten Auflage produziert und ich meine, dass es keinen öffentlichen Preis dafür gibt, weil keiner ihn verkaufen möchte.

MI MUSEU: Eine alte Kutschenlampe …

MEINE ELTERN HABEN SIE IN DEN 50er-JAHREN IRGENDWO AUF DER INSEL GEFUNDEN. Sie muss 100 bis 150 Jahre auf dem Buckel haben, man erkennt das an den mundgeblasenen Scheiben und der Qualität des Blechs, vom Dekor ganz zu schweigen. Die Lampe ist an die 40 cm hoch und war für eine dicke Kerze gedacht, und so eine brennt auch heute noch im Gehäuse. Sie gehörte wohl mal zu einer noblen Kutsche oder dem Portal einer Possessio, könnte aber auch auf einer festlichen Tafel gestanden haben, da vier Beinchen erkennbar sind. Jetzt schwebt sie über einem Kacheltisch, der in einer Terrassen-Nische steht und beleuchtet z. B. unserer Dinner mit einem romantischen Schein. Wert? Nicht der Rede wert, aber wir lieben sie und würden sie nie hergeben.

MI MUSEU: Das Blatt von Sebastian Muenster

SEBASTIAN MÜNSTER (*1488 in Ingelheim) WAR FRANZISKANERMÖNCH, wurde Protestant, schrieb 1544 eines der berühmtesten Werke des Mittelalters, seine „Cosmographia“, nachdem er ausgedehnte Reisen unternommen hatte und als einer der ersten Intellektuellen wohl auch auf die Balearen gekommen sein. Zumindest konnte er ein großes Blatt mit solchen Bemerkungen füllen: „Zweien Inseln Maiorica und Minorica (gubt es), die ein besunder königreich machen“ und „In den zweien groesseren inseln Maiorica vn Minorica wechßt ein groß gut von dem besten oel, das man von dannen fuert in Valentz, Flandern vn Italiam.“ 1552 starb Münster an der Pest, da war er Rektor der Universität Basel. Hans Holbein d. J. hat ein Porträt gemalt, sein Bild zierte den alten 100-Mark-Schein. Ich konnte dieses Mallorca-Menorca-Blatt aus dem 16. Jahrhundert im Internet erwerben und heute hängt es, gerahmt, als Schatz über meinem Schreibtisch auf Mallorca.

P. S.: Münsters Darstellung dürfte die früheste Kunde von den Inseln in deutscher Sprache sein …

MI MUSEU: Das Miro-Plakat ohne Jahreszahl

ES IST EIN SELTENES ORIGINAL, stammt wahrscheinlich von 1982 und der unvergessene Don Antonio vom „Bazar El Libro“ an der Placa Eulalia in Palma hat es mir vor nahezu 30 Jahren (also fast zeitgleich) besorgt. Es ist ein Riesending, um die 160 x 90 cm groß, erstklassig erhalten und es wirbt für eine der ersten Ausstellungen von Joan Miro nach dem Tode seines Feindes Franco (1975) in Sa Llotja, die nur 16 Tage dauerte. Mich interessierte dieses Werk besonders, da das Sújet nahezu gegenständlich aussieht, wie eine Ameise oder ein Alien, vielleicht ist es sogar als Selbstporträt gedacht. Ich denke, ich habe damals in den 80er-Jahren umgerechnet rund 20 Euro dafür bezahlt – und der Preis dürfte sich inzwischen mindestens verzehnfacht haben …

 

 

MI MUSEU Diesmal: Ein Aquarell von Alan Pedder

Britischer Maler, verliebt in Mallorca …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Ein Aquarell des britischen Malers Alan Pedder, von dem eine ganze Reihe von Mallorca-Szenen stammen – hier es ist eine Strand-Romanze mit Booten und der Silhouette eines Hafens von 1997 im Format 30 x 18 cm. Ich habe das hübsche Blatt 2005 für umgerechnet 20 Euro auf Ebay.com gefunden.

MI MUSEU Diesmal: Das Selbstbildnis von Peter Robert Keil

„Selbstbildnis Palma de Mallorca“

DIESER DEUTSCHE MALER HAT IN DEN LETZTEN 10 JAHREN Dutzende von angeblich auf Mallorca gemalten Bildern auf den Markt geworfen. Warum? Ich weiß es nicht. Zudem sie alle nicht viel kosteten, selbst großformatige Gemälde in Öl waren für einen Appel & ein Ei zu haben. Und immer stand die Behauptung im Raum, Peter Robert Keil (*1942) habe eine Weile auf der Insel gelebt und sei von Joan Miró beeinflusst, „den er mehrmals in seinem Atelier getroffen hat“ (so die Legende). Ich habe dieses Porträt von 1963 mit dem Titel „Selbstbildnis Palma de Mallorca“ vor ein paar Jahren im Internet für weniger als 100 Euro gekauft und seitdem hängt es in einer stillen Ecke meiner Finca. Die Frage, ob ich es nochmal erwerben würde, muss ich aber verneinen …