Kunst & Künstler

Der Stierkampf als Kunstwerk …

… EXISTIERT IN EINIGEN SEINER PLAKATE, und die sind wirklich großartig. Man betrachte sich nur mal die- ses Corrida-Plakat vom 17. August 1913. Geschaffen vor über 100 Jahren für einen Stierkampf in der Arena von Palma. Als Vorlage dienten die Grafiken eines da- mals sicher bekannten Malers und der barocke Schwung des „Modernismo“, das spani- schen Jugendstils, ist noch zu spüren. Das Plakat misst nur etwa 40 x 20 cm und ist vom Alter ausgefranst. Ein Picador ist zu sehen, die Lanze im Stiernacken, auf einem damals noch unge- schützten Pferd; weiter oben ein Hirte mit Jungstieren auf einer andalusischen Weide. Es handelt sich um eine dauerhaft verwendbare Ereignis-Vorlage, in die man ak- tuelle Termine, Orte und Teilnehmer schwarz eindrucken konnte, von Cadiz bis San Sebastian und hier eben Palm de Mallorca. Ein Schatz, finde ich, der die Erinnerung an die uralte Tradition des Stierkampfes ins Unendliche ver- längern wird …

 

 

 

Ein Leser-Tipp für Manacor! Eigentlich zwei …

Die Maimo-Schau in der Apotheke …
… und der fabelhafte Küchenladen

ICH BIN IMMER GLÜCKLICH, wenn ich von denen etwas höre, die mei- nen Blog le- sen! Nun hat sich Frau Dr. Ursula B.  gemeldet und mich auf et- was hingewie- sen (und mir auch noch die Fotos dazu geschickt, danke!): auf den Carrer del Mercadal in Manacor, Hausnummern 12 und 13 (also Nachbarn). In der 12, einer ehemaligen, auch sehens- werten Jugendstil-Apotheke, stellt der unvergleichliche Maler Andreu Maimo aus, und die 13, ein moderner Küchenladen namens „Ca’n Damia“, soll „ein total wunderbares Köchinnen- und Köche-Paradies“ sein. Von Maimo bin ich der zweitgrößte Fan (nach einem fanatischen Sammler in Cala Murada) und Frau Dr. Becker, mit Mallorca seit ihrer Kindheit vertraut, glaube ich blind, wenn sie etwas fabelhaft findet, auch wenn ich den Küchenladen (noch) nicht kenne. Also … – mal hinschauen, um zu sehen, was man an der Wand und am Herd gebrauchen könnte …

Wem die Originale zu teuer sind …

… FÜR DEN HABE ICH HIER 4 BÜCHER ZU ERSCHWING- LICHEN PREISEN! Sie erin- nern sich: Vor ein paar Wochen habe ich den für mich interes- santesten Maler auf Mallorca vorgestellt: Andreu Maimó aus Felanitx. Dessen „Spezialitä- ten“ vielfältige, aber kahle Bäume, vergammelndes Obst & Gemüse sowie bezaubernde Porträts sind. Ein Freund, der durch meine Vermittlung Maimós Atelier besuchen konnte, moserte ein bisschen, dass er nicht gefunden habe, „das weniger als 1500 Euro kostet.“ Was absolut kein Preis ist für das, was dieser gewaltige Maler auf die Leinwand bringt! Lösung: Es gibt eine ganze Reihe bezaubernder Bücher, in denen Maimó entweder Gedichte illustriert oder seine Kunst präsentiert. Vier stell‘ ich hier vor, und eins ist schöner als das andere. Aber grundsätzlich kann ich nur nochmal sagen: Ich würde, wenn ich könnte, von Maimó auf einen Schlag Bilder und Skulpturen für 50 000 Euro kaufen! Und ich wüsste, dass sie in spätestens 10 Jahren 500 000 Euro wert sind …

Mein wunderbarer (irrender) Gustavo …

Bezaubernd, aber falsch …

ES IST EIN DIN A4-BLATT, MIT KREIDESTIFTEN BUNT BEMALT. Der überschäumend kreative Gustavo aus Capdepera, ein Flummi der Kunstgeschichte und ein Freund, den ich sehr schätze, hat es mir im November 2004 zum 60. Geburtstag geschaffen. Auch mit Grüßen seiner leider eben verstorbenen Ehefrau Regine und seiner Tochter Bettina. Der Glückwunsch hängt gerahmt in meinem Arbeitszimmer – und jedesmal, wenn ich ihn betrachte, muss ich schmunzeln: Das Datum ist richtig, das Alter falsch! 2004 bin ich 65 Jahre alt geworden, aber Gustavo wollte das nicht glauben (vielleicht wird wir im gleichen Jahr geboren wurden), und so erscheine ich 5 Jahre jünger. Das macht, finde ich, die gemalte Gratulation noch wertvoller. Jetzt hat er in seinem Heimatort seine eigene Galerie eröffnet, „Espais“, und das mit 80! Oder soll ich sagen … – 75?

Ein echter Malle-Udo … – aber viel zu teuer!

Heimweh nach Mallorca auf Art von …
… Udo Lindenberg

DER DEUTSCHE MUSIKER UDO LINDENBERG ist bisher eigentlich nicht als Mallorca-Fan aufgefallen, aber ich habe gerade entdeckt, dass er als Künstler (der eine Malerei mit vielfarbigen Likören bevorzugt) eine Serigrafie geschaffen hat, die er „Heimweh nach Mallorca“ nannte. Auf der ist er rechts unten abgebildet, liegend und wie üblich mit Hut, einem Löwen zuprostend, und das Gebäude im Zentrum dürfte seine künstlerisch sehr freie Auffassung von der Kathedrale sein. Im Frühjahr 2020 wurde das 42 x 56 cm große Blatt von einer Berliner Galerie gerahmt und versandfrei für 1980 Euro angeboten, was ich als total überteuert empfinde für einen Druck, von dem nicht klar ist, welche Auflage er hat, und ob er wenigstens von Lindenberg handsigniert wurde. Dennoch: Es ist ein so hübsches „Likuarell“, dass man es gerne im Wohnzimmer hängen hätte …

 

 

 

 

 

 

 

Bei seinen Bildern kann man irre werden …

Ein typischer Baum …
… sowas gibt’s auch in Farbe …
… und sein Selbstporträt

WEIL MAN NICHT KAPIERT, wie einer das malen kann! Der muss doch wochenlang an seiner Staffelei sitzen, um einen Baum derart detailliert auf die Leinwand zu bringen! Andreu Maimó, Jahrgang 1946, geboren in Cas Concos, der dritte große Künstler aus Felanitx, mit Barceló und Duarte. Einer, der die Kunst beherrscht, einen Baum naturgetreu und doch auf seine individuelle Art darzustellen. Ein wunderlicher Typ, dieser Maimó: Schläft am Tag und malt nachts, hat ein Atelier an der Straße – und stellt jeden Tag herrliche Bilder zum öffentlichen Betrachten in seine Fenster. Schafft es sogar, seine unerklär- lichen Bäume in noch viel unerklärlichere Skulpturen zu verwandeln! Und wenn er sich endlich doch mal aus seinem persönlichen Wald begibt, dann kann er viel mehr: Landschaften und Porträts, Stillleben und Tiere – einfach alles. Ich beneide einen Freund in Cala Murada, der schon vor Jahren begonnen hat, Maimó zu sammeln und nun rund 30 Originale besitzt. Ich werde nächste Woche den Versuch unternehmen, ihn in seinem Atelier zu treffen und einen Baum abzuschwatzen, vielleicht kann ich mir ja eine kleine Zeichnung leisten …

Das Fenster im Fenster – von Nils Burwitz …

Das Fenster …
… und die Kopie im Fenster

DER MEISTER AUS VALLDEMOSSA hat ja, wie bekannt, ein Fenster in der Kathedrale gestalten dürfen, man sieht es rechts oben m Eingang zum Diözesanmuseum. Eine riesige Ehre, Nils Burwitz ist der erste Deutsche, der sich in Mallorcas heiligstem Gebäude verewigen durfte – und es gibt eine Chance, an dieser Würdigung Zuhause an einem eigenen Fenster teilzuhaben. Denn im Kathedralenshop gibt es eine transparente Wiedergabe des Kunstwerks, 27 x 5 cm groß, sozusagen eine Art lang gezogenes Dia. Klebt man es von innen ans Glas, werden die Darstellungen von der Sonne in den Raum geworfen – der Burwitz strahlt! Und das für ein paar lächerliche Euro …

 

 

Wer ist dieser A. Caimari?

„Kloster in Valldemossa“

ER MACHT WUNDERVOLLE FEDERZEICHNUNGEN AUF DIE ALTE ART, er signiert auch wie mittelalterliche Meister: Caimari fecit – links unten auf zwei Tafeln, die im Torbogen lehnen. A. Caimari ist Meister des Details und der Perspektive, dessen Originale ich immer mal wieder auf den Insel-Flohmärkten gesehen habe (für einen Appel und ein Ei), der rahmenwürdige Postkarten (wie die, die ich hier zeige) gestaltet hat – und von dem ich nichts weiß. Nicht mal im „Sabater“, dem zweibändigen Künstlerlexikon von Mallorca, ist dieser A. Caimari verzeichnet. Sicher ist, dass er nicht identisch ist mit dem Regisseur Antonio Caimari aus Sa Pobla. Es lohnt sich, die Originale zu sammeln, denn es gibt kaum einen nobleren Finca-Wandschmuck und ich werde auch noch rauskriegen, wer er ist und wo und wann er geboren wurde …

Felanitx – die Fresken-Stadt!

EBEN HABE ICH ÜBER DIE WEINHANDLUNG RAMIS BERICHTET, deren Besitzer seine Fassade mit eine gigantischen Generationen-Porträt bemalen ließ. Und nun gibt’s das nächste Fresko im „Format Sixtinische Kapelle“ zu sehen: am Sportzentrum Guillem Timoner am Ortsausgang in Richtung Campos. Sicher 20 x 5 m groß (schätze ich), auch dieses Fresko scheint ein Porträt zu sein, aber man versicherte mir, es sei „nur ein Symbolbild“, den jungen Mann gäbe es nicht lebend. Und was für einen seltsamen Chip hält er in den Händen? Das konnte mir keiner erklären in Felanitx – und an den Maler erinnerte sich auch keiner (ich hätte ihn sonst gefragt). Sei’s drum – in Felanitx tut sich was, da gehen sie jetzt vehement an die Fassaden, und es gibt die Maler noch, die sowas können), und nachdem das Städtchen auch die internationale Top-Künstler Miquel Barcelo und Xisco Duarte hervorgebracht hat, muss man es als die heimliche Kunsthauptstadt der Insel bezeichnen …

MI MUSEU: Jakobers zweideutiges Objekt …

80 cm hoch mit der Zunge …

DER GROSSARTIGE KÜNSTLER MOCHTE PLÖTZLICH SEIN EIGENES WERK NICHT, es wollte auch keiner kaufen – da hat er es mir vor 20 Jahren geschenkt! „Obelick“ hat der Brite Ben Jakober mit der ihm eigenen Heiterkeit die 80 cm hohe Skulptur genannt, weil ein Obelisk, der in einem Haufen Kacke steht, in einer Zunge* endet. Das Material sind eine selbstgeschaffene Plastikmasse und ein behauener Stein auf einer weißen Marmorplatte. Das Werk sieht seltsam aus, aber großartig, ist ein ständiges conversation piece und und ich denke, heute würde Ben es gerne wiederhaben für eines seiner Museen auf der Halbinsel Sa Bassa bei Port d’Alcudia. 

* Ich bin mir nicht sicher, ob die Zunge nicht mal im Maul eines Schafes steckte. Ben ist alles zuzutrauen …