Kuriositäten

Kim Who?

HAB’S JA IMMER SCHON GEAHNT (und geschrie- ben): Wenn ein Künstler Zuhause nicht mal mehr ein Hinterstübchen bekommt für einen Auftritt, muss er nur nach Malle fliegen – da rollen sie ihm den Roten Teppich aus. Deshalb musste ich grinsen, als ich die Schlagzeile (siehe Foto) las: Da kommt also eine britische Pop-Oma, 60, die 1981 (vor 39 Jahren) den letzten Platz 1-Hit als Solosängerin hatte, und an die sich deshalb nur noch greise Musikalienfans erinnern (wenn überhaupt), 2022 (!) – in 1 Jahr (wenn nicht wieder was dazwischen kommt) – und das wird jetzt schon gefeiert … – rührend ist das! Kim Wilde, von Beruf Landschaftsgärtnerin, einst große Nummer, die aber anderswo keine 10 Tickets mehr verkaufen würde. Es sei ihr gegönnt, nur wundere ich mich, wie anspruchslos das Insel-Publikum selbst in Zeiten von Social Media ist …

Hat das eigentlich schon jemand bemerkt …

Ich messe im Sitzen …

… DASS DIE TRADITIONELLEN TOILETTENSCHÜSSELN AUF MALLORCA NIEDRIGER SIND? Es ist wahrscheinlich so, dass ich erst 81 Jahre alt werden musste – und ein bisschen knielahm, um darauf zu kommen: Sind die Toiletten nicht brandneu, beträgt ihre Höhe ohne die Brille nur 39, mit 41 cm! Ich hab’s nachgemessen, siehe Foto! Das ist rund 10 cm niedriger als unsere gewohnten Porzellanbecken mit der Wasserspülung. Warum das so ist? Weil die ursprünglichen Mallorkiner ein Zwergenvolk sind/waren, oder sagen wir besser: von graziler Gestalt und bescheidenem Auftreten. Die sieht man nur noch in ländlichen Gegenden, wie man auf Mallorca überhaupt nur noch wenige Eingeborene erlebt, rund 300 000 sind übrig, wenn man großzügig ist, die Anderen kommen aus Festlandspanien oder stammen aus Mischehen. Das heißt: Die niedrigen Toiletten haben einen soziologisch-anthropologischen Hintergrund, das war weder lächerlich, noch unpraktisch, sondern dem Volk angepasst, und ich hätte ja in meinem Haus, das um 1960 erneut wurde, die Toiletten längst erneuern können/müssen/sollen. Dennoch: Ich glaube, dass ich mit meiner Messung in eine hoch interessante wissenschaftliche Lücke gestoßen bin, die eines Seminars an der Balearenuniversität durchaus würdig wäre …

Braucht das eigentlich jemand?

… NUN JA, DIE IDEE MAG WOHL BEI EINIGEN DEUTSCHEN ZÜNDEN (die Vielfalt, das Heimweh, Muttis geliebte Küche), vor allem bei den ewigen Küsten-Teutonen, aber ich halte sie für eher skurril. Da hat ein Geschwisterpaar im Einkaufszentrum La Ribera an der Playa de Palma eine original norddeutsche Imbissbude namens „Fischpirat“ aufgemacht und bietet an, was man sonst nur in Cuxhaven oder Husum bekommt: Meeresspezialitäten auf friesische Art! Na, dacht ich mir, da werden sich die mallorkinischen Fischer aber freuen über die neue Kundschaft, aber denkste: Joachim Fähre und seine Schwester Susanne importieren die pescas, die sie in ihrem Laden benötigen! Sonst wäre ja das, was sie in der Corona-Zeit anbieten von 12 bis 17 Uhr, nicht fressalisch echt! Manchmal, denke ich mir, laufen die Leute, die auf der Insel von einer neuen Existenz träumen, sehenden Auges ins offene Messer …

Die armen Z … von Mallorca …

… MUSSTEN HERHALTEN ALS KURIOSITÄTEN! Es war eine belgische Firma für Bis- kuits & Schokoladen, Victoria, die Sammlerkarten produzierte und auf die Rückseite eine völ- kerkundliche Legende druckte in Französisch und  Flämisch. In den 1940er-Jahren muss das gewesen sein, da hat man die Z … sicher nicht gefragt, sondern einfach vor die Kathedrale ge- karrt im Kostüm, und wie un- gern sie fotografiert wurden, sieht man an ihren Mienen. Die Karte steht bei Ebay für 3.60 US-Dollar zum Verkauf und ich habe sie erworben, um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Da mag zwar einiges vorgekommen sein in den letzten Jahren in ihrem Viertel Son Banya, aber die Zeiten der „Völkerschauen“ müssen nun wirklich vorbei sein. Die Firma Victoria stellte ihren Betrieb übrigens schon 1970 ein …

Auf den Tiefseebergen …

Die vier Tieefseeberge (Karte von Ozeana)

… SO NENNT MAN DIE GIPFEL IM MEER, die keine Inseln bilden, weil sie unter der Wasseroberfläche aufragen – und bleiben. Das sind interessante Formationen und zwischen den Balearen und Pituysen gibt es vier, die alle nach berühmten Ozeanologen heißen: „Emile Baudot“ südlich von Cabrera, „Bell Guyot“ noch weiter südlich, „Monte Olivas“ (oder „Ses Olives“) vor Ibiza und „Ausias March“ vor Formentera. Mal angesehen davon, dass diese submaritimen Berge wichtig sind als Verstecke und Brutplätze von Meeressäugetieren wie Pottwale und die Tierschützer jetzt das Gebiet um die vier Gipfel zum Nationalpark erklären wollen – mir ist es in einem heißen Sommer passiert, dass ich von einer Yacht auf den „Monte Olivas“ steigen konnte, der deutlich sichtbar im Meer lag, das gerade so hoch stand, dass es meine Knie erreichte! Ich habe das nie wieder erlebt, und auch keinen getroffen, der mein Abenteuer aus eigener Erfahrung bestätigen konnte, so dass mir inzwischen klar ist, dass damals eine ganz besondere ozeanische Situation geherrscht haben muss.

Das Insekten-Hotel – eröffnet!

HELENE LINDGENS HAT MIR DAS FOTO GESCHICKT, die rastlose Belle Jardiniere auf ihrer Paradies-Finca Son Muda bei Felanitx. Es zeigt eigentlich weniger ein „Insekten-Hotel“, wie sie es nennt, sondern ein Apartmenthaus für die nützlichen kleinen, fliegenden Gartenbesucher. Mit verschieden großen Eintrittslöchern an Dutzenden von Behausungen in differenten Höhen und auf die Arten zugeschnittenen Abteilen. Ein listiges Gebäude, konstruiert nach reiflicher Diskussion mit Botanikern, wie das so die Methode ist von Helene, und besonders in Corona-Zeiten. Da nutzt sie die Stille, um aus Überlegungen was Praktisches entstehen zu lassen und das Praktische darf durchaus ungewöhnlich sein. Ich bin gespannt wer so alles, und wie viele, einziehen werden ins Häuschen, Helene wird uns das zeigen, wenn man sie endlich wieder besuchen darf …

Das kann mir keiner erklären …

… UND ICH RECHNE AUCH DAS ZU MALLORCAS UNLÖSBA- REN RÄTSELN! Da erschien 2010 in einem Verlag in Palma der Comic „Mallorca 1229. Jaume el Conqueridor“ des berühmten Zeichners Garcia über die Rückeroberung der Insel von den Mau- ren – und belegt erneut, dass Palma der weltweite Top-Hotspot der Comic-Künstler ist. Und nun das: Neu wird das Buch interna- tional für 7.72 bis 32.82 Euro angeboten, gebraucht jedoch für 4.75 bis 349 Euro (+ Versandkosten von bis 19 Euro). Dasselbe Buch, gleicher Jahrgang, ähnlicher Zustand, keine limitierte Ausgabe, auch keine Widmung – und bis zu 73 Mal teurer! Niemand kann mir das erklären, außer mit dem Geisteszustand gewisser Antiquare. Wer sich dafür interessiert, trotzdem es in Mallorquin verfasst ist: Die ISBN-Nummer ist 9788421847268.

 

 

 

Was für Briefmarkensammler …

AUCH DAS SAMMELGEBIET MALLORCA/BALEAREN hat einiges zu bieten und immer wieder tauchen aus den Tiefen der Post-Historie Stücke auf, vor allem aus dem Bürgerkrieg, die richtig ins Geld gehen. So wie dieses Kuvert mit seiner merkwürdigen Geschichte bzw. Frankatur, und mir bleibt als Laie nichts Anderes übrig, als den (redigierten) Text des Anbieters zu zitieren: „Mallorca-Vordruckkuvert eingeschrieben, frankiert mit der sogenannten IBIZA-Überdruckmarke, 1940 von Mallorca nach Krefeld mit spanischer und deutscher Zensur, sehr selten! Bei der IBIZA-Marke handelt es sich um eine schwarze Pro Paro-Marke mit rotem Eindruck „5 cts pro paro“ und dem Aufdruck: „29-V-1937 Deutschland 29-V-1938“. Dieser erfolgte angeblich auf Veranlassung des Bürgermeisters von Ibiza in einer Auflage von nur 600 Stück! Anlass: 1. Jahrestag des Bombenangriffs eines spanisch-republikanischen Flugzeugs auf das deutsche Panzerschiff Deutschland (144 Besatzungsmitglieder starben)! Da die Marke nicht normal nach Deutschland gesandt werden konnte – die deutsche Zensur hätte diese Propagandamarke beschlagnahmt – wurde sie unauffällig auf einem Kuvert mit anderen spanischen Marken versandt und durchlief sämtliche Zensuren (rückseitig deutscher Zensurstreifen und Stempel).“ Das Kuvert soll den Festpreis 1439,99 Euro kosten (komischer Betrag!) und ist auf Ebay zu finden, wenn man Mallorca Vordruckkuvert eingeschrieben anklickt …

Total künstlich, aber lustig!

WAS UNSERE ARME INSEL NICHT ALLES ERTRA- GEN MUSS! Leute wie die Nullingerin, dann Corona – und nun dieses Warnschild aus USA! „Beware of Majorca Sheperd Dog“ steht da, als wenn’s einhei- mische Schäferhunde als Rasse gäbe. 30,5 x 23 cm ist es groß und aus Aluminium, der Rost ist künstlich hergestellt und es kostet so etwa 17 Euro (+ Versand aus Los Angeles). Man findet es im Internet, und wenn ich es mir so recht überlege, sieht es an einem Finca-Tor vielleicht doch ganz nett aus mit dem englisch ge- schriebenen Majorca

Was für ein entzückender Fund …

DIE SCHATZKISTE MALLORCA IST SCHIER BODENLOS, denn immer wieder entdeckt man etwas – meist Unerwartetes! Wie diese reizende Postkarte aus dem Jahre 1910. Da entwickelte sich der Tourismus ganz zart, das Fomento war gerade gegründet und das neue „Grand Hotel“ in Palma be- warb seine Zimmer mit Bädern. Und da schuf jemand diesen quasi-hand- schriftlichen Gruß von der Insel für die Englisch sprechenden Travellers – mit einem Vergissmeinnicht-Strauß und Ara- besken in Gold. Ich habe die Postkarte im Internet entdeckt und für 5.54 Euro gekauft. Das ist nicht billig, aber für eine 110 Jahre alte Vergänglichkeit aus Papier? Und wissen Sie was? Da sie unge- braucht ist, werde ich sie an eine liebe Person verschicken …