Leute

„5000 Jahre Erfahrung …

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der riesigen Anzeige …

… IN EINER KAPSEL“ VERSPRICHT EINER IN LLUCMAJOR! Das ist bemerkenswert, da muss er Wissen aufgeschnappt haben, bevor noch die ersten Mallorkiner in ihre Talayots eingezogen sind. Er ist ein „Hypnose-Coach“, der „positive Anker setzt.“ Was immer das bedeuten mag. Er hat eine Website und man kann ihn auf dem Handy anrufen. Sein Werbeslogan ist „Sol y Salud“ – Sonne und Gesundheit, und er praktiziert in einem „Lebensfreudenhaus“. Der Mann ist mein neuestes (deutschsprachiges) Fundstück auf meiner ewigen Suche nach merkwürdigen Gestalten, die andere Menschen auf Mallorca beglücken und dabei gut verdienen wollen. Dafür hat er eine riesige Annonce aufgegeben, geschmückt mit seinem Porträt und einer Karikatur. Was hat diese Insel nur für eine Anziehungskraft auf Typen, denen man sonst nie begegnet …

Kann sein, dass Mallorca befreit wird …

Das ist die Sendung, die Nullingers auf Mallorca zu Sternschnuppen-VIPs macht …

… VON DEM GESO … – DEN LEUTEN, die das Image der Insel durch ihre bloße Existenz versauen. Wie ich höre (und nicht nur ich) planen die Büchners den Abflug. Weil man nämlich, um auf der Insel Erfolg zu haben (= Einnahmen, Existenz, Zukunft), richtig ernsthaft arbeiten muss. Da genügt es nicht, so zu tun, als sei man prominent, könne gegen Honorar auftreten und werde überall eingeladen (= muss nix bezahlen). Und irgendwann hat auch der dümmste TV-Billigsender die Nase voll von seinen „Stars“ – spätestens wenn klar ist, dass eine Person, die nichts zu bieten hat, nach dem dritten Aufguss keinen mehr interessiert. Tschüssikowski, Ihr Leute, könnte ja später mal im Urlaub wiederkommen – wenn Ihr ihn bezahlt …

Es ist gut, Thomas Fitzner zu kennen …

DAS IST NICHT NUR EIN UN- TERHALTSAMER SCHRIFT- STELLER und ausgebuffter Finanzberater, sondern er pro- duziert Zuhause in Costix mit seiner Familie auch Köstlich- keiten in Gläsern. Wie zum Beispiel dieses Granatapfelge- lee auf Rum-Basis! Das er witzigerweise „Tom & Jelly“ getauft hat. In den Genuss kommt man natürlich nur, wenn man ihn kennt und er einen mag, die Fitzners verkaufen ja ihre Produkte nicht kommerziell. Deswegen schreibe ich diesen Post: Damit noch mehr Menschen so ein Gläschen ergattern, sich also nicht nur ein Autogramm in seine Bestseller zu holen, sondern auch eine Kostprobe seiner Einmachkunst

Da erregte ein kleiner Satz Aufsehen …

Maruja Garcia, „Miss Europa“ 1962, die schönste Mallorkinerin der Moderne
… und mein Interview

... UND ICH WURDE DUTZENDFACH GEFRAGT, wie ich das wohl gemeint haben könnte. Leute, so wie ich es gesagt habe! Der Anlass war ein Interview im „Mallorca Magazin“ zu meinem 80. Geburtstag und Maike Schulte hatte mich gefragt: „Sie kennen auch die geheimen Seiten der Mallorquiner. Können Sie uns ein Beispiel nennen?“ Und ich, ein von Geburt dezenter Typ, habe geantwortet: „Geheime Seiten? Die soll ich kennen? Ich weiß von nix – aber von der Erotik der Mallorquinerinnen erzählt man sich Wunderdinge!“ – Mehr nicht, und doch habe ich damit in ein (sexuelles?) Wespennest gestochen. Nicht nur Deutsche sprachen mich an, wollten mehr wissen, sogar Mallorkiner, die keine deutschen Zeitungen lesen, erkundigten sich nach den Frauen, die ich scheinbar kennen würde, sie aber nicht! Es gab auch Señoras, die mir vorwarfen, ihr Geschlecht auf die Sexualität zu reduziere, und meine Nachbarin Elena, 50 Jahre jünger als ich, tippte sich kurz mal an die Stirn. Wirklich, Leute, Hinweise auf die spezielle Sensualität der weiblichen Insulanerinnen ziehen sich seit Jahrhunderten durch die Literatur, wer sich mit offenem Herzen durch Mallorca bewegt, entdeckt immer wieder Unwiderstehliches auf schönen Beinen (mit Glück sogar Maruja, die einzige „Miss Europa“ aus Mallorca und mit 76 immer noch berückend schön) und mein Freund Damian hat mir mal verraten – ach, lassen wir das, Elena tippt sich sonst wieder an die Stirn (sie ist seine Frau)

Wie reagiert man bei den Z-Leuten …?

IHR LANDLÄUFIGER NAME BEGINNT MIT Z, aber man darf ihn nicht mehr nennen. Ein solcher Clan ist in meiner Nachbarschaft eingefallen mit rund 20 Personen, je zwei Liefer- und Personenwagen sowie einem kompletten Hausstand. Sie haben ein seit Jahren leer stehendes Restaurant besetzt, in dem weder Strom noch Wasser funktioniert, die Fenster keine Scheiben haben und die Toiletten abgebaut sind. Aber das stört sie nicht, sie kochen und waschen, verbringen Grillabende auf der Terrasse – und tagsüber sind sie irgendwo (wenn man nur wüsste, wo!) Nette Menschen wahrscheinlich, völlig harmlos, auf der Suche nach Arbeit, aber auch über mir hängt ein Ressentiment: Muss ich jetzt die Alarmanlage einschalten, wenn ich mein Haus verlasse? Das Eingangstor versperren? Die Zugangsstraße kontrollieren? Solche Gedanken überfallen einen, ob man will oder nicht. Jahrhundertealte Vorurteile. Meinen Nachbarn (Deutsche, Schweizer, Franzosen, Mallorkiner) geht es genauso. Wir sind ziemlich ratlos – über die Z und über uns …

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

Friedhof der Kuschelrentner …

Paul Kuhn

IST ES NICHT RÜHREND, wie auf Mallorca Ex-Stars Konzerte geben – und in der Insel-Presse, von den Impresarios und dem überalterten Publikum gefeiert werden wie anno dunnemal? Ich glaube, hier könnte sogar Margot Eskens, z. Z. 80, auftreten und müsste sechs Zugaben singen. Als sich in Deutschland kaum jemand mehr an Paul Kuhn erinnerte, mimte er seinen „Mann am Klavier“ noch jahrelang hier. Jetzt tritt „Die große Stimme“ (Originalzitat einer Palma-Zeitung) Ute Lemper, 56, auf, von der jeder Profi weiß, dass ihr Sing-Organ seit 10 Jahren „hinüber“ ist (obgleich ihre Show im- mer noch was hermacht). Gefeiert wird auch Axel Zwingenberger als „Deutsche Jazz-Größe“ und Piano-Star, der mit jugendlichem Elan auf die Tasten hämmert, obwohl er Jahrgang 1955 ist und nie wirklich den Durchbruch geschafft hat. Ich finde es ja sympathisch, dass Mallorca als Gnadenbrot-Insel dient, wo Fans hocken, deren Erinnerungsvermögen nicht gelitten hat. Aber man sollte aufhören, uns die einfliegen- den Oldies so zu verkaufen, als sei es eine Herablassung, dass sie sich bereit erklärt haben, auf Mallorca zu gastieren. Und doch noch ein Wort zur Verteidigung: Natürlich sind diese Künstler zehnmal besser als jeder der Ballermann-Aktivisten a la Jens B., denen man leichtfertig die vier Buchstaben S, t, a und r nachwirft …

Das Fragezeichen um den Maler aus Kopenhagen …

Vigen 4Vigen 3ER HIESS LYKKE VIGEN, lebte von 1927 bis 2009 und kam 1957 nach Mallorca, wo er bis 1965 blieb. In der Zeit besaß er ein Cafe, das sich zum skandinavischen Kulturzentrum entwickelte, und die Galerie „Villa Bibi“, in der er vor allem eigene Bilder ausstellte. Vigen malte, ws ihm vor dem Pinsel kam – Buchten, Häuser, Menschen, Szenen, Landschaften und Gassen. Er hat in der ganzen Welt ausgestellt, auch Hotels eingerichtet (z. B. „New Stanley“ und „Norfolk“ in Nairobi) und verließ Mallorca nach dem Scheitern seiner Ehe. Sein privates Markenzeichen: unter freiem Himmel nie ohne Hut. –Und nun zum Rätsel: Wieso wird der Kunstmarkt nach Vigens Tod mit Dutzenden von Werken überschwemmt, die alle auf der Insel entstanden und so lächerlich billig sind – ab 30 Euro!, dass kaum anzunehmen ist, es handle sich um Originale; aber wenn es Fälschungen sind, so wurden sie exzellent kopiert. Wobei ich einräumen möchte, dass der Däne ja tatsächlich Hunderte von Bildern in diesen acht Jahren geschaffen haben könnte, aber warum sind dann die Signaturen derart unähnlich und wechselt der Malstil nahezu von Leinwand zu Leinwand? Ich habe ein paar seiner Mallorca-Ansichten gekauft und kann das nur zur Nachahmung empfehlen: Ob Original oder Kopie – es sind vom Sujet her absolut passende, für eine mallorkinische Wand gerade ideale Kunstwerke …

Kennen Sie Karl-Heinz Boeswirth? Macht nichts …

 

Das ist wirklich ein Hammer – aber ein winzig kleiner …

IN DACHAU KENNT MAN IHN. Da wurde er geboren. Jetzt nennt er sich Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein. Obwohl … – das echte Adelshaus 1. zu Sayn-Wittgenstein heißt (nicht von), und man 2. bei einer Adoption den noblen Titel nicht mitkaufen kann. Ich kenne Böswirth, als er noch auf Kunstauktionator im „Baye- rischen Hof“ in München machte, mit einem iranischen Partner, ich besitze sogar noch zwei (natürlich falsche) Jugenstil-Lampen aus einer seiner Versteigerungen. Damals verschwand er plötzlich aus München, nun ja – Schwamm drüber! Und tauchte auf Mallorca auf. Nicht unsympathisch, der Mann, und so maulstark wie die Gurkenschneiderverkäufer vor den Kaufhäusern. Obwohl er mir gerade vorwirft, ich sei „neidisch“ auf ihn. Nun ja – nicht wirklich. Denn ich kenne ja seine doppelt bedeutungslose  Adoptionsge- schichte: Ein Mann namens Bruno Lothar Koch heiratet auf Vermittlung von Konsul Weyer eine dankbare, sogar echte Adelsdame namens Sayn-Wittgenstein, aber aus einer abgestor- benen Seitenlinie (deshalb eine von und keine zu), nimmt ihren Namen an und nennt sich jetzt Bruno Lothar von Sayn-Wittgenstein. Also noch nicht mal adoptiert. Aber er adoptiert (u. a.) jenen Karl Heinz Böswirth aus Dachau – und der tritt nun auf Mallorca und im TV pompös als Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein auf! Skurril, weil weit & breit keine Spur von echtem Adel. Ein Bürgerlicher (Herr Koch) adoptiert einen Bürgerlichen (Herrn Böswirth) – mehr pseudo-blaublütige Scharlatanerie geht nicht! Alles legal, klar, aber so wenig Stammbaum wie die Straßenhunde, die Tierfreunde auf Mallorca retten. Nun ja – jeder soll so handeln, was ihm beliebt, und sich lächerlich machen nach eigenem Gutdünken. Nichts gegen einzuwenden. Aber alle lassen sich eben nicht verscheißern mit dem falschen Namens-, Titel-, Wappen- und Bedeutungsgetue. Letzthin berichteten Nichtsnutz-Medien, Karl-Heinz (mal mit, mal ohne Bindestrich) sei verschütt gegangen. Bis er sich selbst meldete: Keine Aufregung, bin noch da! Das ist der Trick 17 der NulliVIPs: Sei weg, lass dich vermissen, tauch‘ auf – und wundere dich ganz laut, dass du überhaupt gesucht wurdest. So bist du wieder ein paar Sekunden lang im Gespräch …

MI MUSEU: Ein faschistischer Weihnachtsgruss …

Es könnte ein Unikat sein …

ER STAMMT VON 1938, wurde von einem italienischen Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg von Palma nach Rom geschickt und zeigt Diktator Franco auf einem aufgeklebten Foto mit Wimpelgeflatter und Blumen in einem Lorbeerkranz. Die Weihnachtskarte ist mit einem weißen Seidenband verschließbar, sie scheint handgemalt zu sein und folglich kann es nicht sehr viele Exemplare geben – wenn sie nicht sogar ein Unikat ist! Ich habe sie 1980 auf dem Flohmarkt in Palma gekauft und sie kostete mich 100 Peseta, das waren damals rund 60 Pfennige. Gäbe es ein Museum des spanischen Faschismus, so wäre dieser Weihnachgruß sicher ein Ausstellungsstück …