Leute

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

Friedhof der Kuschelrentner …

Paul Kuhn

IST ES NICHT RÜHREND, wie auf Mallorca Ex-Stars Konzerte geben – und in der Insel-Presse, von den Impresarios und dem überalterten Publikum gefeiert werden wie anno dunnemal? Ich glaube, hier könnte sogar Margot Eskens, z. Z. 80, auftreten und müsste sechs Zugaben singen. Als sich in Deutschland kaum jemand mehr an Paul Kuhn erinnerte, mimte er seinen „Mann am Klavier“ noch jahrelang hier. Jetzt tritt „Die große Stimme“ (Originalzitat einer Palma-Zeitung) Ute Lemper, 56, auf, von der jeder Profi weiß, dass ihr Sing-Organ seit 10 Jahren „hinüber“ ist (obgleich ihre Show im- mer noch was hermacht). Gefeiert wird auch Axel Zwingenberger als „Deutsche Jazz-Größe“ und Piano-Star, der mit jugendlichem Elan auf die Tasten hämmert, obwohl er Jahrgang 1955 ist und nie wirklich den Durchbruch geschafft hat. Ich finde es ja sympathisch, dass Mallorca als Gnadenbrot-Insel dient, wo Fans hocken, deren Erinnerungsvermögen nicht gelitten hat. Aber man sollte aufhören, uns die einfliegenden Ol- dies so zu verkaufen, als sei es eine Gnade, dass sie sich bereit erklärt haben, auf Mallorca zu gastieren. Und doch noch ein Wort zur Verteidigung: Natürlich sind diese Künstler zehnmal besser als jeder der Bal- lermann-Aktivisten a la Jens B., denen man leichtfertig die vier Buchstaben S, t, a und r nachwirft …

Das Fragezeichen um den Maler aus Kopenhagen …

Vigen 4Vigen 3ER HIESS LYKKE VIGEN, lebte von 1927 bis 2009 und kam 1957 nach Mallorca, wo er bis 1965 blieb. In der Zeit besaß er ein Cafe, das sich zum skandinavischen Kulturzentrum entwickelte, und die Galerie „Villa Bibi“, in der er vor allem eigene Bilder ausstellte. Vigen malte, ws ihm vor dem Pinsel kam – Buchten, Häuser, Menschen, Szenen, Landschaften und Gassen. Er hat in der ganzen Welt ausgestellt, auch Hotels eingerichtet (z. B. „New Stanley“ und „Norfolk“ in Nairobi) und verließ Mallorca nach dem Scheitern seiner Ehe. Sein privates Markenzeichen: unter freiem Himmel nie ohne Hut. –Und nun zum Rätsel: Wieso wird der Kunstmarkt nach Vigens Tod mit Dutzenden von Werken überschwemmt, die alle auf der Insel entstanden und so lächerlich billig sind – ab 30 Euro!, dass kaum anzunehmen ist, es handle sich um Originale; aber wenn es Fälschungen sind, so wurden sie exzellent kopiert. Wobei ich einräumen möchte, dass der Däne ja tatsächlich Hunderte von Bildern in diesen acht Jahren geschaffen haben könnte, aber warum sind dann die Signaturen derart unähnlich und wechselt der Malstil nahezu von Leinwand zu Leinwand? Ich habe ein paar seiner Mallorca-Ansichten gekauft und kann das nur zur Nachahmung empfehlen: Ob Original oder Kopie – es sind vom Sujet her absolut passende, für eine mallorkinische Wand gerade ideale Kunstwerke …

Kennen Sie Karl-Heinz Boeswirth? Macht nichts …

 

Das ist wirklich ein Hammer – aber ein winzig kleiner …

IN DACHAU KENNT MAN IHN. Da wurde er geboren. Jetzt nennt er sich Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein. Obwohl … – das echte Adelshaus 1. zu Sayn-Wittgenstein heißt (nicht von), und man 2. bei einer Adoption den noblen Titel nicht mitkaufen kann. Ich kenne Böswirth, als er noch auf Kunstauktionator im „Baye- rischen Hof“ in München machte, mit einem iranischen Partner, ich besitze sogar noch zwei (natürlich falsche) Jugenstil-Lampen aus einer seiner Versteigerungen. Damals verschwand er plötzlich aus München, nun ja – Schwamm drüber! Und tauchte auf Mallorca auf. Nicht unsympathisch, der Mann, und so maulstark wie die Gurkenschneiderverkäufer vor den Kaufhäusern. Obwohl er mir gerade vorwirft, ich sei „neidisch“ auf ihn. Nun ja – nicht wirklich. Denn ich kenne ja seine doppelt bedeutungslose  Adoptionsge- schichte: Ein Mann namens Bruno Lothar Koch heiratet auf Vermittlung von Konsul Weyer eine dankbare, sogar echte Adelsdame namens Sayn-Wittgenstein, aber aus einer abgestor- benen Seitenlinie (deshalb eine von und keine zu), nimmt ihren Namen an und nennt sich jetzt Bruno Lothar von Sayn-Wittgenstein. Also noch nicht mal adoptiert. Aber er adoptiert (u. a.) jenen Karl Heinz Böswirth aus Dachau – und der tritt nun auf Mallorca und im TV pompös als Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein auf! Skurril, weil weit & breit keine Spur von echtem Adel. Ein Bürgerlicher (Herr Koch) adoptiert einen Bürgerlichen (Herrn Böswirth) – mehr pseudo-blaublütige Scharlatanerie geht nicht! Alles legal, klar, aber so wenig Stammbaum wie die Straßenhunde, die Tierfreunde auf Mallorca retten. Nun ja – jeder soll so handeln, was ihm beliebt, und sich lächerlich machen nach eigenem Gutdünken. Nichts gegen einzuwenden. Aber alle lassen sich eben nicht verscheißern mit dem falschen Namens-, Titel-, Wappen- und Bedeutungsgetue. Letzthin berichteten Nichtsnutz-Medien, Karl-Heinz (mal mit, mal ohne Bindestrich) sei verschütt gegangen. Bis er sich selbst meldete: Keine Aufregung, bin noch da! Das ist der Trick 17 der NulliVIPs: Sei weg, lass dich vermissen, tauch‘ auf – und wundere dich ganz laut, dass du überhaupt gesucht wurdest. So bist du wieder ein paar Sekunden lang im Gespräch …

MI MUSEU: Ein faschistischer Weihnachtsgruss …

Es könnte ein Unikat sein …

ER STAMMT VON 1938, wurde von einem italienischen Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg von Palma nach Rom geschickt und zeigt Diktator Franco auf einem aufgeklebten Foto mit Wimpelgeflatter und Blumen in einem Lorbeerkranz. Die Weihnachtskarte ist mit einem weißen Seidenband verschließbar, sie scheint handgemalt zu sein und folglich kann es nicht sehr viele Exemplare geben – wenn sie nicht sogar ein Unikat ist! Ich habe sie 1980 auf dem Flohmarkt in Palma gekauft und sie kostete mich 100 Peseta, das waren damals rund 60 Pfennige. Gäbe es ein Museum des spanischen Faschismus, so wäre dieser Weihnachgruß sicher ein Ausstellungsstück …

 

 

 

 

 

Haarschneiden auf Maurisch …

Das Nasenschild auf Arabisch …

DIE BESTE KOPFBEHANDLUNG, die mir je zuteil wurde (Haarschneiden, Rasieren, Nase und Ohren behandeln), erlebte ich in Gaziantep (Türkei). Weil die Pflege der männlichen Schönheit in moslemischen Ländern uralte Tradition hat. Und als ich nun in einem Städtchen im Innen-Inneren dieses Schild entdeckte, freute ich mich: Weil diese Kultur auf Mallorca übergesprungen war! Nun gibt’s sicher Nitwits, die aufschreien: „Ach, soweit sind wir schon!“ Aber ich denke nicht so, ich freue mich, wenn unsere Mitbürger aus Marokko, Algerien und Tunesien nicht mehr nur geduckt auf die Gemüsefelder, in die Obstplantagen und durch die Straßen huschen, sondern zeigen, dass sie mitten unter uns lebendig, nützlich und wichtig sind …

… und hinterher die Rechnung ohne Dank!

DIES IST EINE GESCHICHTE, die ich anonym erzählen will und nicht illustrieren kann. Ein interessanter Nachbarschaftsfall aus der Insel-Mitte. Er geht so: Ich habe einen Freund, der auf seinem und dem umliegenden Land eine kleine Herde Ponys frei herumlaufen lässt. Mit Einverständnis der Nachbarn. Eines Tages hat ein Nachbar einen Zaun errichten lassen (nichts gegen einzuwenden) und dabei übersehen, dass er eines der Ponys „aus- bzw eingesperrt“ hat (kann passieren in der Wildnis). Es war verschwunden, aber mein Freund ist ein schlauer Fuchs und vermutete nach ein paar Tagen des Nachdenkens sein Pferdchen im Stall des jetzt eingezäunten Nachbarn. Weil es dorthin gelaufen sein müsste, als es nicht mehr Nachhause konnte (ist ja nur natürlich). Er rief an, das Pony war da und er ließ es (mit Dank) abholen. Ein paar Tage später bekam er eine Rechnung: 250 Euro für Unterbringung und Fütterung! Kein Wort der Entschuldigung, dass das Pony aus- bzw eingesperrt worden war. Keine Andeutung von Nachbarschafts- oder Tierhilfe.Mein Freund zahlte und legte noch – als seinen Dank – eine Pralinenschachtel zum Geld. Er hat aber nichts mehr gehört vom Nachbarn. Von wegen „Ach, das ist aber nett – Danke!“ …

350 Euro? Prost, Mahlzeit …!

Das Hotel „Formentor“ …
… und der Anlass

ALS ICH DAS IM „DIARIO“ LAS, FIEL MIR DIE OLIVE AUS DER HAND – denn da wurde berich- tet, ein Hotel biete ein Frühstück für 350 Euro an! Kein Witz, eher ein Jubiläum, denn im Som- mer 1983 war die Schauspielerin Audrey Hepburn Gast im „Formentor“ (im Zimmer 229) und weil „Breakfast at Tiffany“ ihr bekanntester Film ist, servieren sie jetzt ein „Breakfast at Formentor“, und das kostet 350 Euro! Nun bin ich ja immer begeistert, wenn Leute, die zuviel Geld besitzen, ihr Vermögen unters Volk bringen. Aber ein Desayuno zum Preis einer Woche in einem ****-Hotel? Was wird geboten? Das Übliche. „Erlesene Zutaten“, heißt es, ein Butlerservice, Tischdeko mit weißen Tulpen (die Lieblingsblumen des Stars), eine 1/2 Grapefruit, mehrere Brotsorten, Eier nach Wahl,  „mallorkinische Backwaren, frische Früchte der Saison und Saft der Orangen aus dem Hotelgarten.“ Also nichts Anderes als in den schicken kleinen Landhotels. Ich sag’s mal so: Entweder ist das Hotelmanagement verrückt oder die Gäste, die das buchen … – aber interessant, was es nicht alles gibt auf unserer Insel!

Mein Freund Armin hilft jetzt auch auf YouTube …

Dr. Reichmann …
… und der Zugang zu seiner YouTube-Beratung

WER WIRKLICH JURISTISCHEN RAT BENÖTIGT, wendet sich seit Jahren an Dr. Armin Reichmann in Palma. Er ist der Anwalt der Insider und nun hat er sich entschlossen, seine Tipps öffentlich (und noch kostenlos) zu geben – auf seinem eigenen YouTube-Kanal (Zugang siehe oben). Mit schöner Musik und im persönlichen Gespräch. Jeden Sonntag, solange er das thematisch durchhält, stellt er einen neuen Film ein, und wer auf Mallorca lebt oder zu tun hat, dem sei geraten, die Beiträge zu durchforsten oder sogar zu speichern. Das ist ein geschickter PR-Schachzug, eine Strategie der neuen Zeit, und ich darf das sagen, weil ich ja auch auf YouTube zu sehen bin mit meinen 50 Geschichten über die interessantesten Kofferaufkleber der Hotelgeschichte …

 

 

 

Der Hans, der kann’s …

Das ist Rotenhan …
… und das sein neues Buch

… DAS SCHREIBEN NÄMLICH, und das Entdecken köstlicher Ereignisse, die man zu bezaubernden Geschichten verdichten kann. Den Anwalt HANS von ROTENHAN meine ich, deutscher Adeliger, spanischer Pass-Bürger, pendelnd zwischen Berlin und Palma und Verfasser von nun schon zwei Erzählbänden über Mallorca und Ibiza. Ich kenne nur wenige Bücher (außer meinen eigenen natürlich …), die derart dringend in die Hand eines Jeden gehören, der Mallorca besucht oder dort wohnt. Rotenhan schildert, was ich als das „Schmieröl im Motor der Begeisterung für die Insel“ bezeichnen möchte. Wer endlich verstehen will, was das für ein Eiland ist, und warum sein Zauber seit Jahrhunderten nicht nachlässt, muss in den Rotenhans schmökern. Die Wahrheit mit Augenzwinkern, die Realität mit einem Lächeln! Und als ich den ersten Band gelesen hatte, hoffte ich auf einen zweiten, und da ich jetzt mit dem zweiten durch bin, erwarte ich dringend einen dritten … – Hans, hock‘ Dich an die Tastatur und leg‘ los!