Mallorkiner

Bei seinen Bildern kann man irre werden …

Ein typischer Baum …
… sowas gibt’s auch in Farbe …
… und sein Selbstporträt

WEIL MAN NICHT KAPIERT, wie einer das malen kann! Der muss doch wochenlang an seiner Staffelei sitzen, um einen Baum derart detailliert auf die Leinwand zu bringen! Andreu Maimó, Jahrgang 1946, geboren in Cas Concos, der dritte große Künstler aus Felanitx, mit Barceló und Duarte. Einer, der die Kunst beherrscht, einen Baum naturgetreu und doch auf seine individuelle Art darzustellen. Ein wunderlicher Typ, dieser Maimó: Schläft am Tag und malt nachts, hat ein Atelier an der Straße – und stellt jeden Tag herrliche Bilder zum öffentlichen Betrachten in seine Fenster. Schafft es sogar, seine unerklär- lichen Bäume in noch viel unerklärlichere Skulpturen zu verwandeln! Und wenn er sich endlich doch mal aus seinem persönlichen Wald begibt, dann kann er viel mehr: Landschaften und Porträts, Stillleben und Tiere – einfach alles. Ich beneide einen Freund in Cala Murada, der schon vor Jahren begonnen hat, Maimó zu sammeln und nun rund 30 Originale besitzt. Ich werde nächste Woche den Versuch unternehmen, ihn in seinem Atelier zu treffen und einen Baum abzuschwatzen, vielleicht kann ich mir ja eine kleine Zeichnung leisten …

Ein 2,3 Mio. Euro-Auto in Manacor!

Der „Pagani Huayra Roadster“, den’s nur 100 x gibt …
Jorge Lorenzo, der Weltmeister

ES STEHT IN EINER GEHEIMEN GARAGE und gehört dem dreimaligen Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo, 32. Der hat sich gerade vom aktiven Sport zurückgezo- gen und kauft, scheinbar ohne finanzielles Limit, eine Sammlung teuerster Sportwagen zusammen. Neueste Erwerbung: ein „Pagani Huayra Roadster“, den es nur 100 x gibt und der 2,3 Mio. Euro kostet! Dafür hat er 112 Zylinder, 730 PS und eine Top-Geschwindigkeit von 388 km/h. Mehr als 2 Jahre musste Lorenzo auf das Ge- schoss warten, auch weil er unbedingt rote Sitze haben wollte, „die wie guter Wein aussehen.“ Bisher schon in der Sammlung: ein Ferrari „La Ferrari“, ein Mercedes SLS AMG und ein Porsche 91 GT3 RS. Leider wird man die Schätze nicht besichtigen können, aber hören in den Straßen von Manacor – und als Horizontal-Blitz sehen, wenn er die Straße nach Cales de Mallorca unsicher macht …

Wer ist dieser A. Caimari?

„Kloster in Valldemossa“

ER MACHT WUNDERVOLLE FEDERZEICHNUNGEN AUF DIE ALTE ART, er signiert auch wie mittelalterliche Meister: Caimari fecit – links unten auf zwei Tafeln, die im Torbogen lehnen. A. Caimari ist Meister des Details und der Perspektive, dessen Originale ich immer mal wieder auf den Insel-Flohmärkten gesehen habe (für einen Appel und ein Ei), der rahmenwürdige Postkarten (wie die, die ich hier zeige) gestaltet hat – und von dem ich nichts weiß. Nicht mal im „Sabater“, dem zweibändigen Künstlerlexikon von Mallorca, ist dieser A. Caimari verzeichnet. Sicher ist, dass er nicht identisch ist mit dem Regisseur Antonio Caimari aus Sa Pobla. Es lohnt sich, die Originale zu sammeln, denn es gibt kaum einen nobleren Finca-Wandschmuck und ich werde auch noch rauskriegen, wer er ist und wo und wann er geboren wurde …

Fullana, das ewige Wunderkind …

So beginnt seine schicke Website …

ER IST WAHRSCHEINLICH DAS BESTE, was Mallorca im Bereich Klassische Musik zu bieten hat – der Geiger Francisco Fullana. Der seit rund 20 Jahren als „Wunderkind“ bezeichnet wird. Was die Frage aufwirft: Wie lange ist man Kind? War denn Mozart kurz vor seinem Tode (mit 36) noch Wunderkind? Der arme Fullana müsste auch schon um die 30 sein, aber weil er immer noch mit dem Etikett „Das Wunderkind aus Mallorca“ aufspielt, sucht man ein Geburtsjahr vergebens: Es wird konsequent verschwiegen, damit das mit dem Wunderkind nicht albern wird, und so bleibt der junge Mann sein Leben lang infantil. Im Übrigen kann Fullana wirklich was, sein Spiel ist ein Genuss, er hat internationale Klasse, nur müsste das Kind jetzt mal (und endlich) gegen die Mutter antreten …

Da erregte ein kleiner Satz Aufsehen …

Maruja Garcia, „Miss Europa“ 1962, die schönste Mallorkinerin der Moderne
… und mein Interview

... UND ICH WURDE DUTZENDFACH GEFRAGT, wie ich das wohl gemeint haben könnte. Leute, so wie ich es gesagt habe! Der Anlass war ein Interview im „Mallorca Magazin“ zu meinem 80. Geburtstag und Maike Schulte hatte mich gefragt: „Sie kennen auch die geheimen Seiten der Mallorquiner. Können Sie uns ein Beispiel nennen?“ Und ich, ein von Geburt dezenter Typ, habe geantwortet: „Geheime Seiten? Die soll ich kennen? Ich weiß von nix – aber von der Erotik der Mallorquinerinnen erzählt man sich Wunderdinge!“ – Mehr nicht, und doch habe ich damit in ein (sexuelles?) Wespennest gestochen. Nicht nur Deutsche sprachen mich an, wollten mehr wissen, sogar Mallorkiner, die keine deutschen Zeitungen lesen, erkundigten sich nach den Frauen, die ich scheinbar kennen würde, sie aber nicht! Es gab auch Señoras, die mir vorwarfen, ihr Geschlecht auf die Sexualität zu reduziere, und meine Nachbarin Elena, 50 Jahre jünger als ich, tippte sich kurz mal an die Stirn. Wirklich, Leute, Hinweise auf die spezielle Sensualität der weiblichen Insulanerinnen ziehen sich seit Jahrhunderten durch die Literatur, wer sich mit offenem Herzen durch Mallorca bewegt, entdeckt immer wieder Unwiderstehliches auf schönen Beinen (mit Glück sogar Maruja, die einzige „Miss Europa“ aus Mallorca und mit 76 immer noch berückend schön) und mein Freund Damian hat mir mal verraten – ach, lassen wir das, Elena tippt sich sonst wieder an die Stirn (sie ist seine Frau)

Felanitx versinkt im Schnee …

... ZUMINDEST AUF DEM OFFIZIELLEN WEIHNACHTSPROGRAMM „Nadal 2019 a Felanitx“! Was sich die Veranstalter dabei gedacht haben, bleibt ein Rätsel, aber offensichtlich waren die Winter-Romantiker unter ihnen überwältigt von verschneiten und vereisten Szenen aus dem Ötztal oder dem Erzgebirge. Das Programm ist ein sechsseitiges Faltblatt im Quadrat und angeboten werden in Felanitx, Portocolom, Cas Concos und s’Horta rund 100 Veranstaltungen zwischen dem 5. Dezember und dem 5. Januar, wenn die „Reis d’Orient“ erscheinen. Donnerwetter, und das mit Pudelmützen, Ohrenschützern und Wollschals – aber die raffinierten Felanigenser haben mit so einer skurrilen Idee die anderen Gemeinden optisch ausgestochen …

So tanzten die Steinschleuderer in den Krieg …

ICH HABE MICH SCHON IMMER GEFRAGT, wie das ausgesehen hat, wenn die Artillerie der Vor-Schießpulver-Zeit in die Schlachten zog: die legendären Steinschleuderer aus Mallorca, begehrte Kampfsöldner des Altertums. Ein Künstler namens Gabriel Mestre Oliver (*1949 in Portocolom) hat das jetzt dargestellt, in einer Art steinzeitlichem Comic, ähnlich der uralten Malerei in den spanischen und französischen Höhlen und an den Felswänden Afrikas. Elegant in den Bewegungen, faszinierend wie klassisches Ballett –  und ich hätte gerne das Original, aber das besitzt längst ein Sammler, da musste Mestre Oliver passen, als ich anfragte …

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

Wo sind Norberto Viñas und sein Schatz geblieben?

Ich habe nur dieses eine Foto aus einem alten Zeitungsausschnitt …

ALS ICH DAS LETZTE MAL VON IHM HÖRTE, WAR ER 82, und das war 2007. Ein Rentner in Son Servera, der zwei gewaltige Lagerhallen voller Dinge besaß, mit denen Mallorkiner einst gelebt hatten. Man sagte, der Schatz von Norberto Viñas sei die größte ethnologische Sammlung der Insel. Er besaß alles – Ladenkassen, Friseursalons, Nähmaschinen, Spielzeug, Bilder, Porzellan, Schmiedeeisen, Karren, Waagen mit Gewichten, Körbe usw. Ganze Brunnen fand man bei ihm, alte Schmieden, Oldtimer und Wurstmaschinen. Aber als ich ihn jetzt besuchen wollte, da erinnerte sich kein Mensch mehr an ihn. Nach 12 Jahren, er muss jetzt 94 sein. Weder auf der Gemeinde, noch bei der Polizei kannten sie seinen Namen, und hatten nie von der Sammlung in den Lagerhallen gehört. Ein Jammer, befürchte ich, da hat vermutlich einer den Tod des alten Herren ausgenützt, um den Schatz zu Geld zu machen – stückchen- und scheibchenweise. Eine unwiederbringliche Sammlung und ich hoffe, ich finde sie noch …

Ein „Museum der Worte“ – super!

Das Museum …
… und der Dichter

… hier liegt Sant Joan …

ES STEHT IN DER GEMEINDE SANT JOAN (Carrer d’en Socies, 7) und ist dem Dichter Rafel Ginard Bauca (1899-1978) gewidmet. Ein Sohn des Ortes, ein Mönch, ein hochgebildeter Literat und Autor, und im Museum, das auf Mallorquin „Museum de la Paraula“ heißt, sind Originalmanuskripte, handgeschriebene Gedichte, Bücher, Fotos, einige persönliche Reliquien und sogar Hörproben zu erle- ben. Nichts wirklich Spektakuläres – aber echte Kultur, ver- dichtet in einem Haus zum Stolz eines Städtchens auf seinen bedeutenden Sohn, eingehüllt in eine wunderbare Stille. Es ist mutig, ein solches Museum zu gründen und zu unterhalten, bei den Besucher- zahlen dürfte es auf der Insel weit hinten liegen (zumal es nur zu merk- würdigen Zeiten offen ist), aber dennoch – ich rate an einem besinnlichen Tag zur Fahrt nach Sant Joan (und das adelige Landgut-Museum Els Calderers kann man dann ja gleich mitnehmen) …