Mallorkiner

Der schönste Mann Mallorcas …

Fast verheiratet – im Film …

… TJA, WER MAG DAS WOHL (gewesen) SEIN? Cineasten ahnen es, und wer den Film „Frühstück bei Tiffany“ liebt und immer wieder auf einem nostalgischen TV-Kanal genießt, weiß es auch: Jose Luis de Villalonga, spanischer Grande, Schriftsteller und Hobby-Schauspieler. Er spielte den schönen superreichen Brasilianer, der um ein Haar die entzückende Holly Golightly (Audrey Hepburn) geheiratet hätte. Villalonga, offizieller Biograf des spanischen Ex-Königs, galt als unwiderstehlich, drei Generationen von Frauen schmolzen bei seinem Anblick dahin, denn der 1920 geborene (und fünfmal verheiratete) Adelige starb erst 2007 in Port d’Andratx – mit 87 Jahren.

Die Straße der friedlichen Nachbarn …

In diesem Paradies hinter der Küste liegt irgendwo die Straße …

ES IST EIN CAMINO, KEINE CARRETERA. Nicht asphaltiert, nach Wolkenbrüchen ein Torrente, einspurig und schädlich für viele Autos. Eine Sackgasse, zwischen alte Steinmauern geklemmt, etwa 1,2 km lang, recht steil permunt oder pervall (je nachdem, ob man rauf oder runter fährt), ab und zu rechts oder links eine Einfahrt mit Tor. 16 Familien haben hier Häuser, die 7 Mallorkiner, einst alle Campesinos, jetzt nur noch wenige, seit Ewigkeiten; die 9 Ausländer siedelten sich zwischen 1955 und 2018 an. Eine friedliche Gemeinschaft, die sich die Straße teilt, die Stille, die Fruchtbarkeit, den Postkasten und die Elektrizität und 15 hängen an einer Quelle (einer ist so glücklich, eine eigene Wasserstelle geerbt zu haben). Neben den 7 Mallorkinern sind das 5 Deutsche, 3 Schweizer und 1 Französin. Alle 16 wählen ab und zu einen Häuptling, das kann auch eine Frau sein, der dafür sorgt, dass alle ihre Rechnungen bezahlen, keiner den anderen übervorteilt und niemand zu laut wird. Sie kennen sich alle, laden sich gegenseitig ein (allerdings entziehen sich ein paar scheue Eingeborene dem engeren Kontakt mit den Extranjeros) und spielen an einem Abend jeder Woche gemeinsam, aber reihum Petanca mit anschließendem Dinner. Es geht also, Streit ist nicht zwangsläufig ein Genosse der Nachbarschaft. Nun gut, beim Wasser, das zögerlich fließt, sind sich nicht immer Alle einig, denn einige haben Rasen, andere nicht, einige besitzen Pools, andere nicht, einige wohnen ständig hier, andere nur monats- oder wochenweise. Aber es gibt immer eine Lösung, und es ist in den Jahrzehnten nie vorgekommen, dass zwei nicht mehr miteinander sprachen. Ich wollte das alles berichten, weil es mir gut gefällt – und weil es, vor allem in den Urbanisationen, häufig nicht so ist. 

Unglaublich teuer – pro Quadratzentimeter!

ES IST EIN AQUARELL und der Mallorkiner Antonio Ribas (1845-1931) hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts gemalt. Titel: „Cala de Cabas“. Ich habe es im Laden eines Kunst- händlers in Palma entdeckt – für 2020 Euro, wobei nur die 20 Euro verhandelbar waren. Was mich erschreckt hat, war das Preis-Größe-Verhältnis, denn dachte man sich den breiten, das Bild fast verdoppelnden Rahmen weg (28 x 23,5 cm), blieb nur ein Kunstwerk von 17 x 12,5 cm übrig! Das ist die Größe einer Postkarte und rechnet man sie auf Quadratzentimeter um, kostet jeder 9,50 Euro. Ehe mir einer Banausentum vorwirft … – ja, ich weiß, Kunst kann man nicht so berechnen, dennoch bedeutet das doch, dass der Ribas so viel kostet wie ein gebrauchter Kleinwagen, aber nur in einer stillen Ecke aufgehängt werden kann, weil er nicht dekorativ genug ist für einen Show-Platz! Nun, es ist wie es immer ist: Den Mallorkinern ist alles Mallorkinische am teuersten …

Wir renovieren jetzt unsere Straße selbst …

… SAGTEN EINIGE DEUTSCHE UND NAHMEN IHRER GEMEINDE DIE KOSTEN AB! Nun frage ich mich: Ist das gut? Soll man das einreißen lassen? Da wo ich wohne, standen wir auch vor diesem Problem: 16 Nachbarn – 7 Mallorkiner, 5 Deutsche, 3 Schweizer und 1 Französin. Die Frage war: Einen löchrigen Schafspfad asphaltieren mit anständiger Drainage? Die Gemeinde weigerte sich: Zu hohe Kosten für nur 16 Parteien. Sie schickte stattdessen eine Fuhre Schotter und glich die Unebenheiten aus. Und die Anwohner? Von den 9 Ausländern wollten sich 8 am Neubau beteiligen, von den 7 Mallorkinern nicht ein einziger! Plan tot. Nicht so in der Urbanisation „Es Pelats“ in Cala Rajada, genannt „Der deutsche Berg“. Da übernahmen die 50 Deutschen die Kosten für die Erneuerung der Straßen (50 000 Euro), zahlten also jeder 1000 Euro. Die Gemeinde Capdepera war fein raus. Und die eingeborenen Bewohner von „Es Pelats“? Da schrieb ein Deutscher vielsagend: „Jetzt sind alle glücklich, auch die Spanier, dass sie gefahrlos zu ihren Wohnungen gelangen können.“ Aha! Ein bemerkenswerter Vorgang, aber ich ahne, dass die Gemeinderatsmitglieder (und die spanischen Nachbarn) sich insgeheim an die Stirn tippen über die doofen Deutschen … – aber sei’s drum!

Manchmal denke ich an Don Tu …

 

Gesamtansicht von Portocolom heute …

DAS WAR EIN ADELIGER VON DER INSEL, und wie alle Herrschaften von echter Nobilität, mit soviel Land gesegnet, dass er hätte König oder wenigstens Fürst sein können: Guillem Marcel Fonts del Olors Ordines Puig de l’Almadra, besaß die Hälfte des Stadtgebietes von Portocolom – 3 km an der Küste entlang und 4 km landeinwärts. Praktisch alles Land zwischen dem Kreisel an der Ortseinfahrt (von Felanitx kommend) bis zur Cala Marcal und hoch bis zum Golfplatz Vall d’Or. „Don Tu“, wie er genannt wurde, war reich und doch arm, ein typischer Fall, weil er nur Geld in die Hand bekam, wenn er Grundstücke verkaufte. Und weil Don Tu zwei Leidenschaften hatte, besaß er am Ende keinen einzigen Quadratmeter mehr: er spielte und trank. Und als er alles verscherbelt hatte, da zog er von Kneipe zu Kneipe, war überall eingeladen, weil er schließlich der Lehnsherr gewesen und ein amüsanter Zeitgenosse geblieben war, nur Geld liehen sie ihm nicht, weil er es doch nur verspielt hätte, und so blieb ihm als Altersvergnügen lediglich die Trunkenheit. Ich muss immer an ihn denken, wenn ich nach Portocolom fahre und mir betrachte, was aus dem verschlafenen Hafenstädtchen geworden ist. Und wie gut es ist, dass Don Tu das nicht mehr erlebt hat, obwohl er steinalt wurde, so dass ich ihn zwei- oder dreimal erleben durfte an einer Theke. Immer Gentleman, stets lustig und voller Schnurren, die seine Münze waren als gewesener Reicher. Ich erwähne ihn, weil kein Ausländer Dinge wie diese je von Mallorkinern erfahren wird …

Rationierte Lebensmittel auf Mallorca?

Ein „Rationierungsbuch“ …
… 3 Coupons für Reis, Zucker & Öl
… und ein Coupon für Brot

UNVORSTELLBAR! Und doch ist es noch nicht so lange her, dass man auch auf der Insel, wie im Nachkriegsdeutschland, Reis, Öl, Brot und Fleisch nur auf „Marken“ bekam, die in billig gedruckten kleinen Heften zugeteilt wurden. Ich habe so ein „Rationierungsbuch“ gerade bei meiner Nachbarin Maria entdeckt, mit einer faschistischen Steuermarke (Porträt von Jose Antonio de Rivera, 10 Céntimos) auf dem Deckel, vom ersten Dritteljahr 1952, natürlich stark benützt und diese Mangelwirtschaft dauerte bereits seit 1938, seit dem Bürgerkrieg! Das bedeutet: Als die ersten Touristen längst einflogen (oder per Schiff kamen), litten die Einheimischen Hunger, wenn sie nicht Bauern waren, die sich heimlich selbst versorgen konnten. Davon merkten die Gäste nichts, meine Eltern, die damals schon auf Mallorca urlaubten, haben nie etwas erzählt. Aber ich denke, noch in den 50er-Jahren hat die Franco-Regierung den Markt freigegeben und die „Cupones“ abgeschafft, da haben allerdings schon eine Menge Ausländer auf Mallorca gewohnt! Was für eine perverse Situation: Vollpension in den Hotels für die Turistas und Brot für die Einheimischen nur von Tag zu Tag per „Marke“. Es ist doch immer wieder interessant, ab und zu mal in die Geschichte unseres kleinen Felsens zu lugen …

 

 

Jetzt auch das noch, klagen die Mallorkiner …!

Silvio Vass mit Siegerpokal und Maskottchen

DENN IHNEN BLEIBT AUCH NICHTS ERSPART! Jetzt gewann ein Deutscher beim Balearentag die „Trobada Internacional Tir De Fona“  – das Steinscheudern, den Nationalsport der Insel. Silvio Vass heißt er. 44 Jahre, Erzieher aus Altensalzkoth bei Celle. Der nicht mal auf Mallorca wohnt. Seit 2009 hat er 4 Turniere gewonnen und nun fürchten ihn die Eingeborenen, wenn er bei ihren Wettkämpfen auftaucht. Späte Rache? Als Artillerie in Caesars X. und XI. Legion waren die ersten Mallorkiner um 50 v. Chr. in Germanien aufgetaucht und hatten unsere Vorfahren in Grund und Boden geballert (daher der Name „Balearen“). Die besaßen zwar auch eine Art Schusswaffe, die kurzen Speere namens Ger (= Germanen), aber gegen die Mallorkiner, die Stein- und Metallkugeln bis zu 300 m weit schleudern konnten, war damit nichts auszurichten. Und nun erscheint ein Germane auf Mallorca und feuert, sozusagen, die Steine zurück! Und die, die seit 4000 Jahren Profis sind, müssen kapitulieren! Nun sind die Insulaner ja kreuzschlaue Zeitgenossen und werden sich die Lufthoheit zurückholen – indem sie ihre Turniere nicht mehr „international“ ausschreiben …

Mein CORONA-Tagebuch: Warum ich es schreibe …

DIE INSEL IST STILLGELEGT. Nur noch die Eingeborenen und die ausländischen Residenten leben hier. Alles ist dicht. Aber die Mallorkiner sind, seit 5000 Jahren, noch mit allen Krisen fertig geworden und bekanntlich gibt es für jedes Verbot ein Hintertürchen. Beim Tricksen sind sie Weltmeister, so haben sie alle Eroberer überlebt, da kann man von ihnen nur lernen. Zumal sie selten wirklich illegal tricksen, oder gesundheitsgefährdend, oder gar lebensgefährlich – sie sind ja nicht blöd! Nur schlau. Ich lerne gerade von ihrem täglichen Umgang mit der Notsituation und bewundere sie dafür. Deshalb schreibe ich dieses Corona-Tagebuch. Als Lehrstück für kluges menschliches Verhalten und zur puren Unterhaltung. Morgen folgt das 1. Kapitel: Wasser!

Handgeschnitzt oder handgeschmiedet?

Eine Glocke aus Holz …
… oder aus Metall?

DAS IST DIE FRAGE, WENN’S UM ANTIKE GLOCKEN GEHT! Wenn ich über die Insel fahre und Bimmeln höre, verharre ich automatisch und versuche, die Töne zu deuten: Holz oder Metall? Holz klingt schwerer, dumpfer, melodischer; Metall heller, greller, aufdringlicher, weiter tragend. Ein paarmal ist es mir gelungen, Bauern alte Glocken für meine Mallorca-Sammlung abzukaufen, manchmal sogar mit dem handgegerbten Halsband. Da sind Prunkstücke dabei, z. B. Holzglocken von 20 cm Höhe, eine Metallglocke misst sogar 31 cm – und hat einen hölzernen Klöppel. Einst (und das ist sehr weit weg!) konnte man am Glockenton unterscheiden, ob es eine Kuh, ein Schaf oder eine Ziege war, aber dieses Wissen ist selbst den uralten Schmieden und Schnitzern verloren gegangen. Wenn Sie das nächste Mal bei Fahrten übers Land Bimmeln hören, denken Sie an meine Worte: Es war mal eine Kunst auf Mallorca, die Tiere auf der Weide mit Musik auszustatten …

Mallorkiner sind schon eins seltsamer Volksstamm …

Sie lieben es zu quatschen, nur nicht mit uns …

… ALLEIN SCHON WEGEN IHRES VERFLUCHTEN SCHWEIGENS, das aber ein prinzipaler Wesenszug ist, in den letzten 5000 Jahren einzementiert in ihre DNA. Es ist ihnen auch nicht auszutreiben, nicht mal durch Freundschaft. Da treffe ich meine Nachbarin Maria, 95, die ich seit 54 Jahren kenne, wir quatschen am Zaun über Gott und die Welt – und 4 Tage später ist sie nicht mehr da! Hat ein Zimmer in einem Altenheim bezogen und an ihrer Finca hängt jetzt ein SE VENDE-Schild. Hätte sie mir nicht einen Ton sagen können/sollen/müssen? Oder Joan, der Wirt des „Sa Sinia“ in Portocolom. Ich war gerade noch zum Essen da – und einen Monat danach ist sein Restaurant geschlossen, für immer. Weil der Pachtvertrag nach 30 Jahre nicht verlängert wurde. Meine Grußmutter hat schon 1958 bei Joans Vater Toni im „Sa Sinia“ gegessen, und weil auch ich Stammgast war, trug ein Stuhl ein Schildchen mit meinem Namen. Warum hat Joan mich denn nicht informiert? Typisch mallorkinisch! Was wundere ich mich. So sind die echten Eingeborenen alle. Man kommt sich nur so blöd vor als Freund, der man offensichtlich nicht ist als ewiger Ausländer …