Mallorkiner

Arien auf den Erzherzog …

Carmen Riera
Ludwig Salvator

… WERDEN WIR BALD HÖREN, aber noch weiß man nicht, wie sie klingen werden, aber eins ist jetzt schon ziemlich klar: Das Libretto einer „Erzherzog-Oper“ wird unterhaltsam sein, denn Carmen Riera verfasst es gerade. Das ist Mallorcas bedeutendste Schriftstel- lerin, 1948 geboren und seit 1993 gibt es sieben ihrer Bücher auch auf Deutsch, das ist ein enormer Erfolg! Das Leben des kaiserlichen Adeligen aus Österreich, der mit seinen Veröffentlichungen mehr für die Insel getan hat als jeder andere Ausländer (und vielleicht sogar Insulaner!), gibt ja weiß Gott genug Stoff her. Von seiner Leidenschaft für Landschaften und seiner arkadischen Hofhaltung, von seinen bisexuellen Liebschaften bis zu den Besuchen von seiner Cousine, Kaiserin Sisi – das schreit geradezu nach einem klingenden Bühnenwerk, sei es nun Oper oder Musical! Ich jedenfalls bin sehr gespannt und werde Señora Riera anrufen, um zu erfahren, worauf sie ihr Hauptaugenmerk richtet …

Es kam zu mehreren Erdrutschen…

… RUND UM DEN TURM SES PUNTES IN MANACOR, heißt es. Ach, gab’s Erdbeben? Oder warum rutschte die Erde? Da wird man wieder für dumm verkauft, weil sich die, die verantwortlich sind, mit Ausreden aus der Verantwortung stellen. Die Fassa- de des schönen Turms aus dem 14. Jahrhundert hat Schaden erlitten und muss restauriert werden (30 000 Euro gibt die Stadt dafür aus). Aber nun mal im Ernst: Wer stammen die angeblichen „Erdrutsche“? Von Bautätigkeit rund herum! Von rücksichtslosen Aushuben und unkontrollierter Baggerei in der Nachbarschaft. Von Erschütterungen durch Maschinen, die tatsächlich (künstliche) Erdbeben auslösen. Ein Jammer, denn Manacor kann seine mittelalterlichen Bauten an einer Hand abzählen, und auch wenn der Ses Puntes eigentlich kaum für Besucher offen war (man konnte aber sehen, dass sich im Inneren städtische Bedienstete tummelten, die wohl nicht gestört werden wollten), so sollte man ihn als Kostbarkeit pfleglicher behandeln …

Das schmerzt – und das nicht!

WENN MAN NÄMLICH HÖRT, dass der schöne alte Fotoladen Casa Vila an der Placa Eulalia in Palma ein Jahr vor seinem 100-jährigen Jubiläum dicht macht! Das war nämlich eine Institution, aus dem auch hervorragende Fotografen hervorgingen, die viel beigetragen haben zur optischen Geschichtsschrei- bung von Mallorca. Millionen von Touristenfilmen haben sie entwickelt, jahrzehntelang Postkarten produziert. Der Virus gab Casa Vila den letzten Todesst0ß. Dennoch: Wenn etwas, das seit 3. Februar 1922 florierte, sich plötzlich in Luft auflöst, dann verschwindet etwas Unwiederbringliches! – Völlig egal ist dagegen, dass es die „Fanteria“ der Nullingers in Cala Millor nicht mehr gibt. Die wurde nie benötigt und Corona hat da die Arbeit einer Kehrmaschine geleistet. Eben wurde sie geschlossen, der Versuch, aus Spartensender-Popularität ein Geschäftsmodell zu basteln, ist kläglich gescheitert, mit und ohne Virus …

„Menü für Verliebte“ zum Abholen …

Das Angebot …
… und das Menü

… GROSSARTIGE IDEE, und war hat sie gehabt? Das beste traditionelle Restaurant Mallorcas (behaupte ich immer wieder, auch wenn dort ein Hauch zu fett gekocht wird, wie’s halt Tradition ist): „Can March“ in Manacor, florierend seit 1925! Das Angebot des „Menu dels Enamorats“: 3 Gänge plus 1 Flasche Wein (weiß oder rose) vom Weingut Barbara Mesquida Mora, beim Hauptgang kann man wählen zwischen Spanferkel-Cannelloni (natürlich vom Schwarzen Schwein) und fangfrischem Bacalao. Preis: 35 Euro p. P.  Abholung: Nur am Abend. Kontakt: 971/55 00 02.

Verzeihung, gnädige Frau …

... ABER IHRE KLAGE IST GEGEN DIE GUTEN SITTEN! Sie (eine gewisse Katja Th.) beschweren sich darüber (in einem ellenlangen Leserbrief), 1. dass Jäger in Ihrem Wohngebiet laut knallen mit ihren Flinten, und 2. Ihren geliebten Kater erschossen haben, mit dem Sie, schreiben Sie, das Bett teilten. Diesen Tiermord finde ich auch furchtbar, und der Typ, der das getan hat, gehört vor Gericht! Aber eins muss ich Ihnen leider sagen: Sie können sich nicht in der Fremde ansiedeln („Ich bin vor vielen Jahren nach Mallorca aufs Land gezogen …“) und dann den Einheimischen vorschreiben, wie sie sich zu benehmen haben! Das ist zwar typisch deutsch (andere marschieren in der ersten Reihe der Demonstranten gegen Stierkampf, Autobahnen und Zersiedelung). Auch wenn wir mit Ihnen um Ihren Kater trauern – die Mallorkiner gehen seit der Erfindung des Schießpulvers auf die Jagd, also seit rund 800 Jahren, die wird strengstens kontrolliert, und wenn Sie sich beschweren, dabei würden „kleine Vögel“ erlegt, so ist das Unsinn: Ich versichere Ihnen, dass von einem Finken oder einer Drossel nichts übrig wäre, würden sie von einer Schrotladung oder Kugel getroffen. Die Jäger gehen zu 90 % auf Turteltauben (wofür ich sogar dankbar bin) und Rothühner, vergleichbar unseren Rebhühnern. Also hören wir „Quadratschädel“ auf, uns wie Deutsche in den ehemaligen Kolonien aufzuführen! Der Kauf einer Immobilie gibt uns noch lange nicht das Recht, uns auch im Ausland wie Sittenwächter aufzuspielen. Wir sind und bleiben GÄSTE und so sollten wir uns auch benehmen, und ich gehe sogar so weit, dass ich meine, Sie sollten als Ausländerin wegziehen statt die mallorkinischen Jäger zu vertreiben zu wollen, denn Sie sind ja in deren Revier eingedrungen …

Hier schlagen Rafa und Carlos ab – und zu …

Tennisspieler Nadal …
… Formel 1-Pilot Sainz

DAS IST EINE GOLF-GESCHICH- TE, aber sie kann auch Nicht-Golfer interessie- ren, z. B. Tennis- und Motor-Fans! Denn an der Costa de los Pinos = Son Servera spielen Rafa(el) Nadal und der Formel 1-Pilot Carlos Sainz jr. Der hat eine Villa am Platz, Nadal kommt aus Manacor angedüst in seinem weißen Ferrari, beide sind Mitglied im Klub und spielen hervorra- gend, um nicht zu sagen – professionell. Nadal mit Handicap 1,5 (das ist schier unglaublich gut, aber wen wundert’s), Sainz immerhin mit 10,8. Es macht also Spaß, ihnen selbst aus der Ferne zuzugucken, und hat man Glück, sind auch noch das Ex-Tennis-As Carlos Moya und der Papa von Sainz, Carlos sr. (der legendäre Rallye-Weltmeister) dabei.

Ganz toll, Senora Macarena …

Mutig: Macarena de Castro

DIE STERNEKÖCHIN AUS PORT D’ALCUDIA hatte zwar ihr Lokal im Norden nach der Winterpause 2019/20 nicht wieder eröffnet (wozu auch, wenn die Klientel fehlt …), aber da sie „Herdweh“ plagte, machte sie im Sommer das „Andana“ in Palma auf (am Bahnhof der Placa d’Espanya) – und es gab nicht wenige, die sie bemitleideten und ihr den finanziellen Ruin voraussagten. Und was ist passiert? Das Restaurant floriert, Macarena de Castro kann gar nicht soviel kochen, wie gegessen wird, und dankbare Kunden loben sie auch hier in den höchsten Tönen: „Kein teurer Sternenhype, sondern ehrliche, bodenständige Küche mit saisonalen Produkten und dem speziellen Macarena-Touch.“ Es geht also was trotz Corona, wenn man’s richtig anpackt! Schauen Sie doch mal rein: www.andanapalma.es.

Die Klage der Mallorkiner …

… DENN SIE MERKEN JETZT MIT MACHT, was sie an den Ausländern haben! Meine Freundin Marga, die ein feines Business in Portocolom betreibt, sagte mir gerade: „Es ist so unheimlich still auf der Insel, nichts ist los! Und wir vermissen die Extranjeros sehr. Nicht nur, wegen der Einnahmen – sie gehören doch mittlerweile zu unserem Leben!“ Das ist nett gesagt, und so hört man das nicht sehr oft. Aber klar: Es sprudelt keine Geldquelle mehr, und wenn die Restaurants nicht sowieso den Winter über geschlossen haben, servieren sie nur noch auf Terrassen und Veranden. Und was wird im April sein, wenn angeblich die Touristensaison wieder beginnt? Fällt sie aus? Nein, es wird eine Saison geben, da bin ich mir sicher, weil die Besitzer der Hunderte von Villen und Fincas einfliegen werden, wenn die Wärme beginnt, um endlich ihre Immobilien zu versorgen, die fast ein Jahr im Dornröschenschlaf lagen …

Corona: Import – Export …

… DAZU HAT „ULTIMA HORA“ EINE INTERESSANTE GRAPHIK VERÖFFENTLICHT, die man allerdings interpretieren muss. Sie zeigt, wie viele Corona-Fälle von außen in die spanischen Provinzen gebracht wurden. Da führt Madrid (das politische und wirtschaftliche Zentrum) mit weitem Abstand und die Balearen mit ihrem gebremsten Tourismus liegen im unteren Drittel. Aber: Für uns Deutsche ist die Aufschlüsselung deshalb von Bedeutung, weil 64 % der Krankheitsfälle vom spanischen Festland auf die Inseln gebracht wurden (vor allem aus Madrid!), nur 36 % aus dem Ausland, z. B. England und Deutschland. Das heißt: Um Mallorca sauber zu bekommen, müsste man also zuerst einmal die Flüge aus dem eigenen Land stoppen – oder besser kontrollieren, während die 36 % Hoffnung machen auf eine mögliche Akzeptanz der Urlauber …

Mit „Karmen“ fliegen …

Gerade fliegt die nackte Karmen an der Kathedrale vorbei …
Guillem March

… DENN DER WUNDERBARE GUILLEM MARCH hat den 2. Band seines Comics veröffentlicht. Ich habe diesen 1979 geborenen Mallorkiner immer schon für einen der ganz Großen der internationalen Zeichenszene gehalten, und mit diesen Bänden über seine fliegende Nackt-Heldin hat er sich noch überboten. Das Fabelhafte an March (und seinem Verlag) ist, dass sein Werk erschwinglich ist, so kostet jeder „Karmen“-Band nur 7.49 Euro! Für einen Mallorca-Freund sind das die Lesebücher der Saison und in der Corona-Quarantäne die ideale Lektüre, um die Gedanken losgelöst fliegen zu lassen …