Mallorkiner

Nur auf Mallorquin – schade!

So sieht das Buch aus …

WELCHER DEUTSCHE SPRICHT SCHON SO GUT SPANISCH, dass er ein ganzes Buch lesen kann? Ich nicht. Deshalb ärgere ich mich. Weil ich „Crimenes y Criminales en la Isla de la Calma“ von Jeroni F. Fullana mir nicht so mühelos zu Gemüte führen, dass es mir Spaß macht. Darin erzählt der Autor alle bemerkenswerten Kapitalverbrechen zwischen 1884 und 1951. Eine spannende, unterhaltsame Lektüre von Mördern, Räubern, Erpressern – und Henkern. 2017 ist das Buch erschienen, und wie es so manchmal ist im mallorkinischen Verlagswesen, kommt es sauteuer: Es kostet um die 46 Euro! Dafür ist es jedoch reich illustriert, was einen Kauf auch für einen, der Spanisch nur radebrecht, lohnend macht.

 

 

 

Entdeckt: Mallorcas Standuhr-Kultur …

Made in Palma …
... im frühen 19. Jh. …
… es gibt auch Uhren aus Paris …
… aber diese ist wieder aus Palma

DIE INSEL ÜBERRASCHT EINEN IMMER WIEDER, und als ich jetzt durch einige Läden traditioneller Uhrmacher schnürte, entdeckte ich wunderbare Antiquitäten, mit denen sie nebenbei handeln: zwei Meter hohe Standuhren in geschnitzten und bemalten Gehäusen! Dass es sie in doch erstaunlicher Menge und Schönheit auf Mallorca gibt, wusste ich nicht. Mit herrlichen Email-Zifferblättern, von vergoldeten Metallarbeiten eingerahmt, mit ebenso vergoldeten Pendeln und wundervoll klingenden Schlagwerken. geschaffen wurden diese Uhren in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts und sie funktionieren einwandfrei – sogar so gut, dass an einigen ein Schild steckt: „10 Jahre Garantie“. Uhrmachermeister in Palma haben sie geschaffen* und bis zu 200 Jahre standen diese Zeit-Schränke in mallorkinischen Bürgerhäusern und als sie, warum auch immer, nicht mehr erwünscht waren, kauften sie vor allem die Uhrmacher, die sich bisher um ihr Wohlergehen gekümmert hatten (Trödler scheuten vor den doch meist komplizierten Werken eher zurück). Die Preise? Unterschiedlich, aber sie liegen alle zwischen 4000 und 5000 Euro. Sieht kann man ein bisschen handeln, aber unter 4000 Euro wollte keiner gehen …

* Allerdings habe ich auch  einige Standuhren aus Paris gesehen

Notwendige Dinge seit 1685!

Der Laden von Außen …
… und die Besitzer mit einem Foto der Großeltern

SO LANGE GIBT ES DIE „MERCERIA ANGELA“ im Carrer de Jaume II, 33, in Palma! Ein kleiner Laden nur, aber bestückt mit allem, was mit Nähen und Stoff zu tun hat, mit Wäsche, Sticken, Knöpfen und der Serviceseite der Mode. Hier kann man sogar einen Riss im Hemd reparieren lassen, und was Garnsorten und bunte Bänder betrifft, sind die heutigen Besitzer, Miguel Aguilo und seine Freu Esther, schier unschlagbar. Seit 11 Generationen ist die „Merceria“ in derselben Familie und das bedeutet ganz einfach Qualität + Seriosität. Sonst hätte sich der Laden nicht seit 334 Jahren halten können! Sie haben Miguel viel Geld geboten, wenn er die Location verkauft, aber er will nicht, weil er das als Verrat an der Familiengeschichte verstehen würde. Ich denke, solche Traditionsgeschäfte sind auch ein Merkmal von Mallorca und man muss weit reisen, um Ähnliches woanders zu finden …

 

 

 

 

 

Ich sah einen Maerchenerzaehler!

So ähnlich sah das aus in Portocristo …

SIE GLAUBEN GAR NICHT, wie ich mich ärgere – dass ich keine Kamera dabei hatte! Denn da stand am Markttag (Sonntag) ein Märchenerzähler auf der Mole in Portocristo, in einem 7/8-Kreis scharten sie rund 20 Kinder um ihn, Erwachsene lauschten in dezenter Entfernung, der Erzähler unterstrich seine Worte mit geschickt platzierten Gesten – und seine Zuhörer waren fasziniert! Es war ein älterer Mallorkiner, und ich hörte heraus, dass er aus dem Sagenschatz der Insel, den „Rondailles“, zitierte, aber auch alte Kindermärchen und wohl selbst erfundene Geschichten vortrug. Er war dabei normal gekleidet, er spielte nicht den orientalisch aufgemotzten Märchenerzähler, aber er besaß, wie sie, eine faszinierende Stimme. Ich war begeistert, dass es so etwas noch gibt, allerdings habe ich so eine Gestalt nie vorher und auch danach nicht gesehen. Ich habe nicht bemerkt, dass er Geld erbeten hätte für seinen Vortrag (aber es muss wohl so sein), es standen kein umgestülpter Hut und kein leerer Topf herum, und wenn er wirklich nur aus Spaß an der Freude Märchen erzählte, dann bin ich noch viel begeisterter …

Mein Gott, haben die Jesusse gefroren …

So erging’s dem armen Kerl in Felanitx …

… ZU OSTERN FAST NACKT AM KREUZ! Ich schreibe diesen Nachtrag zum Fest, weil ich die Fotos in den Zeitungen gesehen habe: Junge Männer, nur mit einem Lendenschürzchen bekleidet, spielen die Leidensgeschichte Jesu nach – bis zu mallorkinischen Golgathas. Und nun dürften sie alle krank sein, denn es war saukalt am Karfreitag und dazu pfiff noch ein eisiger Wind. Aber die tapferen Darsteller hielten durch und nun liegen sie, denke ich, alle flach. Mit Husten und Grippe, knapp an der Lungenentzündung vorbei. Und weil sie so erbärmlich gefroren haben, werden ihnen alle Sünden bis Ostern 2020 verziehen, malt sich meine Phantasie aus. Aber es nun mal leider so: Dass es in der Karwoche warm ist auf Mallorca, passiert nur einmal pro Jahrzehnt. Der echte Christus hat in Jerusalem sicher nicht gefroren, das wenigstens nicht. Ich bewundere seine Darsteller auf der Insel …

Jetzt lob‘ ich auch die Regierung!

Hübsch und auf Deutsch …

... FÜR DIESE PR-AKTION MIT PLAKATEN, ANNONCEN UND HANDZETTELN, nachdem ich vor kurzem die Eisenbahngesellschaft für ihre Werbung auf Deutsch positiv erwähnt hatte! „Von Hier für Dich“ heißt der Slogan (mit „Hier“ sind die Balearen gemeint, mit „Dich“ alle Touristen und Residenten). Man wird geduzt und bekommt gezeigt, was die Inseln so alles zu bieten haben: vom Wein über die Mandel, Tomate und Sobrassada bis zur Mandeltorte, der speziellen Webarbeit und dem Schuh. Hübsch ist das gemacht, wenn auch ein bisschen wirr im Bild, und wer’s genau wissen möchte, kann die links unten genannte Internet-Adresse anklicken: www.aepib.org

Gordiola macht’s auch nach Maß!

ICH WUSSTE DAS NICHT, aber „Die Norne der Insel-Informationen“, Barbara Pohle, hat’s für mich rausgefunden: Dass das noble Unternehmen Gordiola, weltberühmt als uralte Glasbläserei, durchaus bereit ist, etwas, das man nicht mehr kaufen kann, auf Wunsch nachzublasen! Ein fehlendes Kronleuchter-Teil z. B., oder einen zertöpperten Lampenschirm, ein schier unersetzliches Trinkglas oder den Arm eines Kerzenhalters. Man muss die Maße parat haben, Fotos mitbringen hilft, nicht schlecht ist auch das kaputte Teil (wenn möglich). Man muss sich natürlich ankündigen (unter admon@gordiola.com) und man kann sogar anrufen (971 / 66 50 46). Ideal ist es, wenn man einen gewissen Senor Jesus Fernandez erwischt, das ist der Fachmann für derlei Anfragen. Es geht eben doch so ziemlich alles auf Mallorca, man muss nur einen kennen, der einen kennt, der …

Ja, was ist denn das?

Wie ein grünlicher Bergkristall …
… wie ein Smaragd …
… und wie Milchglas …

… SAGEN ALLE, DIE ICH BEI MIR BEGRÜSSEN DARF! „Das“ sind gläserne Brocken auf der Terrassenmauer, manche milchig, mache grünlich-transparent, und keiner glaubt mir, dass das mal Cola-Flaschen waren! Meine Großmutter, Gott hab‘ sie selig, hat sich ihre Gläser zwischen 1960 und 1970 in der Glasbläserei in Consell  (… auch sie hat Gott längst selig …) nach eigenen Entwürfen anfertigen lassen, das war damals billiger als die fertigen Gläser im Laden (und schöner), und da fielen ihr diese Glasbrocken auf. Es war das Rohmaterial der Glasbläser, eingeschmolzen aus den Wegwerfen-Flaschen, und dann erneut geschmolzen, eingefärbt und zu neuem Leben erweckt. Der Chef hatte gesehen, wie meine Großmutter gestaunt hat, und da sie eine gute Kundin war, hat er ihr die Brocken geschenkt, von denen einige mehr als ein Kilo wiegen. Heute sind sie als glitzernde Dekoration auf der Terrassenmauer ebenso schön wie die Gläser nach Maß, die Abkömmlinge der Brocken sind, drinnen im Geschirrschrank …

MI MUSEU Diesmal: Das Eiserne Kreuz von Mallorca

Mit Ruhm bekleckert …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Das Eiserne Kreuz von Mallorca, aus Messing geprägt zum 19. Juli 1936, mit der Inschrift AMO A ESPANA und dem Ring für ein Ordensband. Natürlich ist es ein Franco-Orden aus dem Spanischen Bürgerkrieg, ab 1975 nicht mehr sehr populär, vorher schon, und jetzt er ab und zu für 85 Euro angeboten. Ich habe ihn auf ebay.es gekauft für meine Mallorca-Sammlung der besonderen Art …

Wir waren mal ein Dresch-Apparat …

Gesehen auf einer Terrasse …
… als Paar, das ein Dach trägt

DAS KÖNNTEN DIESE BEIDEN SÄULEN SAGEN, wenn sie laut sprechen könnten. Leise tun sie’s, drücken aus, wie schön sie sind, und wie sie sich freuen, nicht mehr im Kreis über die Erde gezogen zu werden, sondern aufrecht und stolz auf einer Terrasse das Dach zu tragen! Denn diese Säulen waren mal aus Kalkstein gehauene Dreschgeräte, an einem Ende schmal, am anderen Ende breit, die im Profil aussehen wie Sterne; sie wurden über Getreide gezogen und ihre scharfen Kanten prügelten die Körner aus den Ähren. Dafür steckten sie in einem Holzrahmen, der meist verlorengegangen ist auf den Bauernhöfen, da man diese Eggen seit Jahren nicht mehr benützt. Meine Familie hat sie seit 1960 immer wieder gekauft, um sie als Säulen in unsere Finca einzubauen – und mittlerweile hat sich dieses Recycling-Design derart herumgesprochen, dass man es an vielen Villen findet.