Mallorkiner

So tanzten die Steinschleuderer in den Krieg …

ICH HABE MICH SCHON IMMER GEFRAGT, wie das ausgesehen hat, wenn die Artillerie der Vor-Schießpulver-Zeit in die Schlachten zog: die legendären Steinschleuderer aus Mallorca, begehrte Kampfsöldner des Altertums. Ein Künstler namens Gabriel Mestre Oliver (*1949 in Portocolom) hat das jetzt dargestellt, in einer Art steinzeitlichem Comic, ähnlich der uralten Malerei in den spanischen und französischen Höhlen und an den Felswänden Afrikas. Elegant in den Bewegungen, faszinierend wie klassisches Ballett –  und ich hätte gerne das Original, aber das besitzt längst ein Sammler, da musste Mestre Oliver passen, als ich anfragte …

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

Wo sind Norberto Viñas und sein Schatz geblieben?

Ich habe nur dieses eine Foto aus einem alten Zeitungsausschnitt …

ALS ICH DAS LETZTE MAL VON IHM HÖRTE, WAR ER 82, und das war 2007. Ein Rentner in Son Servera, der zwei gewaltige Lagerhallen voller Dinge besaß, mit denen Mallorkiner einst gelebt hatten. Man sagte, der Schatz von Norberto Viñas sei die größte ethnologische Sammlung der Insel. Er besaß alles – Ladenkassen, Friseursalons, Nähmaschinen, Spielzeug, Bilder, Porzellan, Schmiedeeisen, Karren, Waagen mit Gewichten, Körbe usw. Ganze Brunnen fand man bei ihm, alte Schmieden, Oldtimer und Wurstmaschinen. Aber als ich ihn jetzt besuchen wollte, da erinnerte sich kein Mensch mehr an ihn. Nach 12 Jahren, er muss jetzt 94 sein. Weder auf der Gemeinde, noch bei der Polizei kannten sie seinen Namen, und hatten nie von der Sammlung in den Lagerhallen gehört. Ein Jammer, befürchte ich, da hat vermutlich einer den Tod des alten Herren ausgenützt, um den Schatz zu Geld zu machen – stückchen- und scheibchenweise. Eine unwiederbringliche Sammlung und ich hoffe, ich finde sie noch …

Ein „Museum der Worte“ – super!

Das Museum …
… und der Dichter

… hier liegt Sant Joan …

ES STEHT IN DER GEMEINDE SANT JOAN (Carrer d’en Socies, 7) und ist dem Dichter Rafel Ginard Bauca (1899-1978) gewidmet. Ein Sohn des Ortes, ein Mönch, ein hochgebildeter Literat und Autor, und im Museum, das auf Mallorquin „Museum de la Paraula“ heißt, sind Originalmanuskripte, handgeschriebene Gedichte, Bücher, Fotos, einige persönliche Reliquien und sogar Hörproben zu erle- ben. Nichts wirklich Spektakuläres – aber echte Kultur, ver- dichtet in einem Haus zum Stolz eines Städtchens auf seinen bedeutenden Sohn, eingehüllt in eine wunderbare Stille. Es ist mutig, ein solches Museum zu gründen und zu unterhalten, bei den Besucher- zahlen dürfte es auf der Insel weit hinten liegen (zumal es nur zu merk- würdigen Zeiten offen ist), aber dennoch – ich rate an einem besinnlichen Tag zur Fahrt nach Sant Joan (und das adelige Landgut-Museum Els Calderers kann man dann ja gleich mitnehmen) …

Nanu, zweimal die Hausnummer 6 am selben Haus?

Links eine 6 und rechts eine 6 und das an einem Haus …

ICH SAG’S JA IMMER WIEDER: Wat es nich all jibt auf Mallorca! Da sehe ich in dem Dorf Son Macia (im gleichnamigen bezaubernden Tal bei Manacor), direkt am Marktplatz, ein Haus mit zwei Eingängen und über jedem steht eine 6! Ich putzte meine Brille, aber es blieb dabei: Zwischen der Hausnummer 4 und 8 gibt es zweimal die 6. Ich vermute dahinter einen Erbstreit, wie er auf Mallorca an der Tagesordnung ist. Bloß kein Nachgeben oder Einlenken, lieber was Blödsinniges – oder eben ein Haus mit zwei Eingängen, im Inneren geteilt und beide Parteien haben auf der angestammten Nr. 6 bestanden!

MI MUSEU: Die Militär-Regierung lässt grüßen …

Wappen der militärischen Regierung …

… MIT IHREM WAPPEN AUF EINEM HOLZBRETTCHEN! Das vergisst man meist: Dass es neben der zivilen auch eine militärische Verwaltung auf Mallorca gibt, den „Gobierno Militar de Mallorca“. Seit Franco ist das so. Und wie sich das Oberkommando darstellt, sieht man auf dem Schild: Mit Adler, Krone und einer eigenen Heraldik über dem stolzen Schriftband. Das ist aufwendig in Metall gearbeitet, 25 x 18 cm groß und 1,5 cm dick. Ich fand dieses militärische Objekt beim spanischen Ebay, es kostete 10 Euro und da habe ich es gekauft. Jetzt hängt es über meinem Schreibtisch und ich ernte dafür erstaunte Blicke von mallorkinischen Freunden und Handwerkern …

 

 

 

 

Sie sollen einem Schotten den Marsch blasen …

Dudelsäcke aus Mallorca und Schottland

… DIE DUDELSACKBLÄSER AUS MALLORCA! Es ist nämlich so: Ein reicher älterer Schotte heiratet eine reiche ältere Britin Ende September in Canyamel und da möchte die Braut dem neuen Ehemann aus dem klassischen Land der Dudelsackbläser zur Hochzeit den Auftritt einer Gruppe „Xeremiers“ (so heißen die Dudelsackbläser auf der Insel) schenken. Der Bräutigam hat keine Ahnung, dass es die gibt (sagt sie) und meint, dass das eine „größere Überraschung und Freude für ihn wird als die Hochzeitsnacht“. Also hab‘ ich mich gekümmert, die Alleswissern der „Mallorca Zeitung“, Barbara Pohle, hat herausgefunden, dass ein gewisser Peptoni der Meister dieses Instruments ist und man ihn unter peptoni@mucicanostra.com erreicht. Ich denke, jetzt bekommt der Schotte einen mallorkinisch geblasen …

Mal sehen, ob wir viel von ihm sehen!

MATEU MOREY heißt er, 19 Jahre alt, geboren in Petra – und nun hat ihn Borussia Dortmund mit einem Vertrag über 5 Jahre eingekauft vom FC Barcelona. Ein wasch- echter Insulaner, ausgebildet beim RCD Mallorca (will- kommen zurück in der 1. Liga), ein Supertalent, sagen sie in Spanien, aber ob er häufig spielen wird bei diesem Verein mit dem aufgeblähten Kader? Ein Teenie, der zwar mal Weltmeister mit der U17 war, aber man denke nur daran, dass es letzte Saison selbst Mario Götze kaum von der Ersatzbank auf den Rasen geschafft hat. Aber wenn Money spielt – er hat die Rückennummer 22, wol- len wir ihn begrüßen als einen der Unseren, dem wir Mallorkiner eine glanzvolle Saison wünschen!

MI MUSEU: Zwei alte Hausfrauen-Instrumente

Sie stammen von einem Bauernhof …

SIE STAMMEN VON EINEM BAUERNHOF IN MEINER NÄHE, die Dame des Hauses hat sie mir für einen denkbaren Händedruck überlassen. Ich hätte gerne auch die dazugehörigen Gefäße gekauft, aber sie waren verschwunden, zerbrochen wohl oder weggeworfen als nicht mehr benötigt. Die Stössel sind 22 cm hoch und schlicht, aber nützlich geschnitzt aus Oliven- oder Mandelholz und bei dem dunklen hat sich der Hersteller besondere Mühe gegeben mit dem gebauchtem Griff und einem Zäpfchen am Ende. Ihr Alter schätze ich auf – na, sagen wir – 50 bis 80 Jahre, sie sind gut erhalten und haben in der Küche nichts mehr verloren. Schnuppert man an ihnen, vermeint man, gewisse Gewürze zu erkennen, aber es ist wohl nur der ewige Duft des Baumes, aus dem sie stammen …

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Insel ist voller Fragezeichen …

So sieht das flaschenmäßig aus …
… und so aus der Nähe

DA FUHR ICH EINEN EINSA- MEN FELD- WEG ENT- LANG und kam zur Bau- stelle einer offen- sicht- lich rie- sigen Finca. Das wunderte mich nicht, aber warum wa- ren in die Krone der Mauer rundherum an die 100 leere Plastikflaschen in der aparten Farbe Dunkelblau ein- zementiert worden? Gerade so, dass ihr Kopf mit dem Verschluss rausschaut. Und einige schräg? Seltsam! Ich vermutete, dass Obradores, unzufrieden mit ihrem Lohn, den Auftrag eines Extranjeros ein bisschen sabo- tiert haben. Das stimmte aber nicht, denn ein Arbeiter werkelte mit Beton und ich fragte ihn. Antwort: In die Löcher, in denen die Flaschen stecken, werden später Pfähle eingesetzt, die den Maschenzaun tra- gen. Ein listiges Verfahren, das unbekannt sein dürfte nördlich des 30. Breitengrades … – und: Anschei- nend gelten leere Plastikflaschen auf Mallorca jetzt als wertvoll und werden als Baumaterial gesammelt! Welch‘ besondere Art des Recycling …