Museen

Ich war im Siphon-Paradies …

Zwei „Haus“-Flaschen …
… und die Ausstellung …
… der anderen Flaschen rundherum auf Regalen

ES IST DIE WEINHAND- LUNG „CAN RAMIS“ IN FELANITX. 1919 gegründet als Sprudel-Fabrikation, immer in der gleichen Familie und jetzt einer der wenigen Orte, wo man sich Wein vom Fass abfüllen kann. Im Verkaufsraum haben die Ramis Hunderte von Siphon-Flaschen gesammelt und hübsch ausgestellt. Mit graviertem Glas, Plastik- und Metall-Mäntelchen, mehreren Arten von Verschlüssen und in erstaunlich vielen Farben. Dazu die antiken Plakate und andere Werbeartikel. Das ist ein kleines Museum in der calle Convent, 39-41, in dem es (inzwischen) auch Weine, Wermut, andere Schnäpse und viele Kaffeesorten (auch Nespresso-Kapseln) gibt. Und in den letzten Wochen hat ein Künstler die Familiengeschichte an die Fassade gepinselt, mit dem Gründer als überlebensgroßem jungen Mann! Fazit: Ein Besuch lohnt immer, und wer nur die Siphon-Flaschen betrachten möchte, ist auch herzlich willkommen …

Ein Museum für die Insel-Maler!

Das Museum es Baluard in Palma

AN SICH FEHLT ES AUF DER INSEL NICHT AN MUSEEN. Ich denke sogar, dass man auf Erden weit reisen muss, um auf engem Raum so viele Sammlungen betrachten zu können. Es dürften an die 150 Museen sein, staatlich und privat, aber wie immer wieder zurecht festgestellt wird, fehlt eins – für die großartigen Maler (von/auf) Mallorcas! Zwar liegen in den Depots Hunderte von Bildern, von Anckermann bis Bardolet, von Cittadini bis Rusinyol, von Burwitz bis Miro, aber alle Versuche, diese sehr speziell von der Insel-Atmosphäre beeinflussten Künstler unter einem Dach zu zeigen, blieb stets in den Anfängen stecken. Natürlich – es gibt es Baluard und das Museu de Mallorca und einige Museen, die sich nur mit einem Maler beschäftigen (z. B. Miro, Krekovic und Bardolet), aber nun scheint Bewegung in die die Idee zu kommen und man muss nur aufpassen, dass sich im Inselrat nicht jene Holzköpfe durchsetzen, die jetzt schon sagen: „Aber Ausländer haben in diesem Museum nichts zu suchen …!“

Nee, Fabrizio, das reicht nicht …!

Das Logo der Ausstellung …
… und Fabrizio persönlich

DER OBJEKT- UND VIDEO-KÜNSTLER FABRIZIO PLESSI, ein Italiener, der seit 30 Jahren bei Santanyi lebt, ist ein reizender Mensch mit überbordender Phantasie und internationalem Renommee. Jetzt hat er eine sogenannte „Retrospektive“ im Museum Es Baluard in Palma bekommen – aber man sieht nicht viel! Es werden vor allem Bücher gezeigt und eine kleine Maschinerie, um in ihnen zu blättern. Ich weiß, Plessi auszusstellen ist schwierig, seine Objekte sind oft riesig, er arbeitet gern mit (fliessendem) Wasser und er benötigt speziell gestaltete Räume, damit man seine Kunst begreift. Aber Bücher als Bilanz seines Schaffens auf Mallorca? Nee, scusi, Fabrizio, Du bist weltbekannt, aber das ist dürftig! Dann schau‘ ich mir Deine Arbeiten lieber auf YouTube an, da seh‘ ich mehr …

Als das „Grand Hotel“ noch ein Hotel war …

Das Plakat von 1902 …

WIR SCHREIBEN DEN FEBRUAR 1902, in Palma steht die erste internationale Nobelherberge kurz vor der Eröffnung, das „Grand Hotel“. Also muss es beworben werden und das geschieht u. a. mit diesem auf Französisch betextetem Plakat: eine selig lächelnde Mallorkinerin in Tracht, ein Orangenbaum, der gleichzeitig blüht und Früchte trägt, Palmas Silhouette mit Kathedrale und La Llonja, die noch am Meer stehen, und oben links die Architektur-Ansicht des Hotels. Format: 120 x 80 cm. Der Künstler hat sich darauf ebenso verewigt wie der erste Hoteldirektor, und ein Original, so musste ich erfahren, kostet um die 3000 Euro! Weil angeblich nur etwa 10 Stück überlebt haben. Aber es gibt erstklassige Repro- duktionen, sie kosten ca. 30 Euro und werden ab und zu im Internet, auf Flohmärkten und im Kunsthandel angeboten. Nur nebenbei gesagt: Das „Grand Hotel“ steht noch in originaler Pracht, gehört einer Bank, ist Museum, Ausstellungshalle, Shop und Restaurant. Mein Tipp: Bei Sichtung des Plakates sofort zuschlagen!

MI MUSEU: Die Nyborg-Medaille

Die Vorderseite …
… und die Rückseite

ICH HABE MIR EINE PRI- VATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bes- tand reicht), ein Stück vorstel- len. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Bildern von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Eine der herrlichen Island-Medaillen des dänischen Künstler Anders Nyborg (*1934), der sein Leben immer geteilt hat zwischen Mallorca und der Ostsee-Insel Bornholm. Die Medaille schuf er  1973 zum Vulkanausbruch auf den Westmänner-Insel, sie zeigt einen Lavafluss und einen Papgeientaucher, hat die Nummer 2460/5000, ist signiert und hat einen Durchmesser von 7,1 cm. Ein Freund hat sie mir geschenkt, der sie vor Jahren von Nyborg selbst bekam, der ein Haus mit Atelier in s’Horta besitzt.

An der Hand von Frau Flohr …

Frau Flor und ich in der Nähe von Alaro

ICH BEKENNE, DASS ICH WENIG DAZU SAGEN KANN, ich habe so einen Ausflug noch nicht mitgemacht – und auch keiner meiner Bekannten und Informanten. Ich kann nur berichten, dass Ingrid Flohr, eine deutsche Kunstexpertin und ehemalige Galeristin mit Basis in Santanyi, solche Exkursionen neuerdings veranstaltet: Atelierbesuche, Palma-Touren, Museumsführungen sowie kulturelle  Veranstaltungen nach Maß. So etwas finde ich außerordentlich wünschenswert in der viel zu häufig unter Ausländern zur Wüste geratenen Kulturlandschaft Mallorca. Aber wie gesagt: Ob das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, muss jeder selbst herausfinden. Um ein Beispiel zu geben: Für eine Wanderung durch das Rolf Schaffner-Museum und den Skulpturenpark in Santanyi, die zwei bis drei Stunden dauert, berechnet Frau Flohr bei einer mindestens fünfköpfigen Gruppe 10 Euro pro Person. Das ist wirklich nicht zu hoch gegriffen. Kontakt: galeriaflohr@gmx.net und (0034) 690 12 

Vergesst das Can Prunera nicht …

Der Palast von Außen …
… einer der prachtvollen Säle …
… und hier liegt „Can Prunera“

… WENN MAN SOWIESO MIT DEM BÄHNLI NACH SOLLER + PORT ZOCKELT! Das ist das offizielle Jugendstil-Museum, denn in Soller haben die aus Frankreich zurückkehrenden Gastarbeiter den „Modernismo“ erfunden, und hier feiert die mallorkinische Variante dieses Kunststils ein Festival der Sinne. Aber das „Can Prunera“ ist mehr: 1. Ein prachtvoller, voll eingerichteter Palast, 2. Ein bemerkenswertes Museum moderner Kunst, und 3. Eine interessante Galerie mit wechselnden Ausstellungen junger Künstler, die nach den Vernissagen meist in höchste preisliche Sphären entschweben. Zudem kostet der Eintritt nur lächerliche 5 Euro, da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis! Öffnungszeiten: 1. 11. – 28. 2. 10:30 bis 18 Uhr, 1. 3. – 31.10. 10:30 bis 18:30 Uhr.

Felanitx wird interessanter!

felanitx-1ES WAR IMMER EIN NETTER ORT, aber kein Touristenziel. Aber nun gibt es die „Fundacio Cosme Bauca“ und die hat ein bemerkenswertes Museum geöffnet: Die Sammlung des Pfarrers Cosme Bauca (1871-1959) in seinem ehemaligen Wohnhaus „El Milo d’en Bou“, einem eigenwilligen Modernismo-Bau, gestaltet wie eine Burg, auf 3 Etagen und nett hergerichtet. Der geistliche Herr, der nebenbei eine sechsbändige Geschichte des Städtchen verfasst hat, muss – wie sein Kollege Mossen Alcover in Manacor – alles, was ihm in die Hände fiel, nie mehr hergegeben haben! So ent- stand eine gewaltige Kollektion von archäologischen Funden, Handwerkszeug, Bildern und Skulpturen, Haushaltsgeräten, Bauerngut, Bürgerstolz und Ethnologie. Das ist so interessant und sehenswert, dass die Stadtväter sogar (lila) Hinweise an die Straßenschilder und Hauswände gehängt haben, um Besucher anzulocken. Doch leider sind die Öffnungszeiten so merkwürdig und wechselhaft, dass man auf die Website des Rathauses muss, um zu kapieren, wann man ins Museum darf (und die Website ist auf Mallorquin!). Aber egal, man tut’s und der Besuch lohnt sich …

Adresse: Carrer de sa Sinia, 20. Geöffnet: Di 9-14 Uhr, Mi 16-20 Uhr, Do 9-14 Uhr, So 10-14 Uhr. Telefon: 971/ 58 11 88. Email: fundaciocosmebauca@gmail.com

Das Teufelsding von Sa Pobla …

scanmonsterEIN SCHERZ, EINE MUMIE, WIRKLICH EIN TEUFELSDING? So sieht es aus: Menschlicher Oberkörper, Arme mit Krallenhänden, ab Hüfte ein Fischleib, der in Flossen endet, und oben drauf ein grausiger Kopf mit Dämonenfratze, gefletschten Zähnen, riesigen Augenlöchern und einer Nase wie ein Batzen Lehm. Das Ding, „Es dimonio de sa Pobla“ genannt, liegt – halb aufgestützt – auf einem Block im Museum, und keiner weiß, 1 woraus es besteht und 2 wo es herkommt. Die Theorien: Ein Präparator hat sich einen Scherz erlaubt, es wurde in den Albufera-Sümpfen gefunden oder Fischer haben es in ihren Netzen aus dem Meer gezogen. Alejandre Ballester, einst Stadtschreiber von Sa Pobla, konnte immerhin herausfinden, dass das Gruselding im 19. Jahrhundert einem Jäger gehörte, der es seinem Sohn vererbte und der vermachte es der Stadt. Worauf es konsequenterweise im Museum landete. Was immer noch die Herkunft und tiefere Bedeutung erklärt, so dass es Menschen gibt, die vermuten „Es dimonio“ sei entweder vom Himmel gefallen oder der Hölle entstiegen. Frage: Grinst oder faucht das Ding? Die einen sagen so, die anderen so, ich denke, es lacht über uns, die wir rätseln und es alle Antworten kennt …

Was ist das denn, mitten in der Altstadt …

Der Eingang …
… der Innenhof …

… VON PALMA? Es nennt sich „Centro de Historia y Cultura Militär de Baleares“, ist angesiedelt in einem Kloster aus dem 13. Jahrhundert (!) und die Adresse lautet: Carrer de Sant Miguel, 69 bis. Ich kannte es nicht, und niemand, den ich kenne, kannte es, aber dieses Centro hat Internet-Auftritte und es entpuppt sich als Museum der balearisch-soldatischen Geschichte samt spezieller Bibliothek mit 30 000 Bänden. Sozusagen eine geheime Institution durch die Unkenntnis selbst der Gebildeten, und sie zu besuchen, kostet nichts: Eintritt frei! Eine erstaunliche Sache, wenn man erst mal drin ist, denn man lernt, dass eine Truppe, die nicht kämpft und höchstens von den UN auf Friedensmissionen geschickt wird, die Schönen Künste pflegt, dass Uniformen raffiniert-prächtige Kostüme sein können, und dass die Schlachtenmalerei seit den Zeiten von Albrecht Altdorfer und Paolo Uccello ein grandioser Zweig der Ölmalerei ist. Das Centro ist offen von Mo-Fr, 10:30 bis 13:30 und 18 bis 20 Uhr, Sa von 10:30 bis 14 Uhr. Übrigens: Für hartnäckige Pazifisten lohnt sich ein Besuch wegen der Architektur des Gebäudes …