Museen

Als das „Grand Hotel“ noch ein Hotel war …

Das Plakat von 1902 …

WIR SCHREIBEN DEN FEBRUAR 1902, in Palma steht die erste internationale Nobelherberge kurz vor der Eröffnung, das „Grand Hotel“. Also muss es beworben werden und das geschieht u. a. mit diesem auf Französisch betextetem Plakat: eine selig lächelnde Mallorkinerin in Tracht, ein Orangenbaum, der gleichzeitig blüht und Früchte trägt, Palmas Silhouette mit Kathedrale und La Llonja, die noch am Meer stehen, und oben links die Architektur-Ansicht des Hotels. Format: 120 x 80 cm. Der Künstler hat sich darauf ebenso verewigt wie der erste Hoteldirektor, und ein Original, so musste ich erfahren, kostet um die 3000 Euro! Weil angeblich nur etwa 10 Stück überlebt haben. Aber es gibt erstklassige Repro- duktionen, sie kosten ca. 30 Euro und werden ab und zu im Internet, auf Flohmärkten und im Kunsthandel angeboten. Nur nebenbei gesagt: Das „Grand Hotel“ steht noch in originaler Pracht, gehört einer Bank, ist Museum, Ausstellungshalle, Shop und Restaurant. Mein Tipp: Bei Sichtung des Plakates sofort zuschlagen!

MI MUSEU: Die Nyborg-Medaille

Die Vorderseite …
… und die Rückseite

ICH HABE MIR EINE PRI- VATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bes- tand reicht), ein Stück vorstel- len. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Bildern von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Eine der herrlichen Island-Medaillen des dänischen Künstler Anders Nyborg (*1934), der sein Leben immer geteilt hat zwischen Mallorca und der Ostsee-Insel Bornholm. Die Medaille schuf er  1973 zum Vulkanausbruch auf den Westmänner-Insel, sie zeigt einen Lavafluss und einen Papgeientaucher, hat die Nummer 2460/5000, ist signiert und hat einen Durchmesser von 7,1 cm. Ein Freund hat sie mir geschenkt, der sie vor Jahren von Nyborg selbst bekam, der ein Haus mit Atelier in s’Horta besitzt.

An der Hand von Frau Flohr …

Frau Flor und ich in der Nähe von Alaro

ICH BEKENNE, DASS ICH WENIG DAZU SAGEN KANN, ich habe so einen Ausflug noch nicht mitgemacht – und auch keiner meiner Bekannten und Informanten. Ich kann nur berichten, dass Ingrid Flohr, eine deutsche Kunstexpertin und ehemalige Galeristin mit Basis in Santanyi, solche Exkursionen neuerdings veranstaltet: Atelierbesuche, Palma-Touren, Museumsführungen sowie kulturelle  Veranstaltungen nach Maß. So etwas finde ich außerordentlich wünschenswert in der viel zu häufig unter Ausländern zur Wüste geratenen Kulturlandschaft Mallorca. Aber wie gesagt: Ob das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, muss jeder selbst herausfinden. Um ein Beispiel zu geben: Für eine Wanderung durch das Rolf Schaffner-Museum und den Skulpturenpark in Santanyi, die zwei bis drei Stunden dauert, berechnet Frau Flohr bei einer mindestens fünfköpfigen Gruppe 10 Euro pro Person. Das ist wirklich nicht zu hoch gegriffen. Kontakt: galeriaflohr@gmx.net und (0034) 690 12 

Vergesst das Can Prunera nicht …

Der Palast von Außen …
… einer der prachtvollen Säle …
… und hier liegt „Can Prunera“

… WENN MAN SOWIESO MIT DEM BÄHNLI NACH SOLLER + PORT ZOCKELT! Das ist das offizielle Jugendstil-Museum, denn in Soller haben die aus Frankreich zurückkehrenden Gastarbeiter den „Modernismo“ erfunden, und hier feiert die mallorkinische Variante dieses Kunststils ein Festival der Sinne. Aber das „Can Prunera“ ist mehr: 1. Ein prachtvoller, voll eingerichteter Palast, 2. Ein bemerkenswertes Museum moderner Kunst, und 3. Eine interessante Galerie mit wechselnden Ausstellungen junger Künstler, die nach den Vernissagen meist in höchste preisliche Sphären entschweben. Zudem kostet der Eintritt nur lächerliche 5 Euro, da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis! Öffnungszeiten: 1. 11. – 28. 2. 10:30 bis 18 Uhr, 1. 3. – 31.10. 10:30 bis 18:30 Uhr.

Felanitx wird interessanter!

felanitx-1ES WAR IMMER EIN NETTER ORT, aber kein Touristenziel. Aber nun gibt es die „Fundacio Cosme Bauca“ und die hat ein bemerkenswertes Museum geöffnet: Die Sammlung des Pfarrers Cosme Bauca (1871-1959) in seinem ehemaligen Wohnhaus „El Milo d’en Bou“, einem eigenwilligen Modernismo-Bau, gestaltet wie eine Burg, auf 3 Etagen und nett hergerichtet. Der geistliche Herr, der nebenbei eine sechsbändige Geschichte des Städtchen verfasst hat, muss – wie sein Kollege Mossen Alcover in Manacor – alles, was ihm in die Hände fiel, nie mehr hergegeben haben! So ent- stand eine gewaltige Kollektion von archäologischen Funden, Handwerkszeug, Bildern und Skulpturen, Haushaltsgeräten, Bauerngut, Bürgerstolz und Ethnologie. Das ist so interessant und sehenswert, dass die Stadtväter sogar (lila) Hinweise an die Straßenschilder und Hauswände gehängt haben, um Besucher anzulocken. Doch leider sind die Öffnungszeiten so merkwürdig und wechselhaft, dass man auf die Website des Rathauses muss, um zu kapieren, wann man ins Museum darf (und die Website ist auf Mallorquin!). Aber egal, man tut’s und der Besuch lohnt sich …

Adresse: Carrer de sa Sinia, 20. Geöffnet: Di 9-14 Uhr, Mi 16-20 Uhr, Do 9-14 Uhr, So 10-14 Uhr. Telefon: 971/ 58 11 88. Email: fundaciocosmebauca@gmail.com

Das Teufelsding von Sa Pobla …

scanmonsterEIN SCHERZ, EINE MUMIE, WIRKLICH EIN TEUFELSDING? So sieht es aus: Menschlicher Oberkörper, Arme mit Krallenhänden, ab Hüfte ein Fischleib, der in Flossen endet, und oben drauf ein grausiger Kopf mit Dämonenfratze, gefletschten Zähnen, riesigen Augenlöchern und einer Nase wie ein Batzen Lehm. Das Ding, „Es dimonio de sa Pobla“ genannt, liegt – halb aufgestützt – auf einem Block im Museum, und keiner weiß, 1 woraus es besteht und 2 wo es herkommt. Die Theorien: Ein Präparator hat sich einen Scherz erlaubt, es wurde in den Albufera-Sümpfen gefunden oder Fischer haben es in ihren Netzen aus dem Meer gezogen. Alejandre Ballester, einst Stadtschreiber von Sa Pobla, konnte immerhin herausfinden, dass das Gruselding im 19. Jahrhundert einem Jäger gehörte, der es seinem Sohn vererbte und der vermachte es der Stadt. Worauf es konsequenterweise im Museum landete. Was immer noch die Herkunft und tiefere Bedeutung erklärt, so dass es Menschen gibt, die vermuten „Es dimonio“ sei entweder vom Himmel gefallen oder der Hölle entstiegen. Frage: Grinst oder faucht das Ding? Die einen sagen so, die anderen so, ich denke, es lacht über uns, die wir rätseln und es alle Antworten kennt …

Was ist das denn, mitten in der Altstadt …

Der Eingang …
… der Innenhof …

… VON PALMA? Es nennt sich „Centro de Historia y Cultura Militär de Baleares“, ist angesiedelt in einem Kloster aus dem 13. Jahrhundert (!) und die Adresse lautet: Carrer de Sant Miguel, 69 bis. Ich kannte es nicht, und niemand, den ich kenne, kannte es, aber dieses Centro hat Internet-Auftritte und es entpuppt sich als Museum der balearisch-soldatischen Geschichte samt spezieller Bibliothek mit 30 000 Bänden. Sozusagen eine geheime Institution durch die Unkenntnis selbst der Gebildeten, und sie zu besuchen, kostet nichts: Eintritt frei! Eine erstaunliche Sache, wenn man erst mal drin ist, denn man lernt, dass eine Truppe, die nicht kämpft und höchstens von den UN auf Friedensmissionen geschickt wird, die Schönen Künste pflegt, dass Uniformen raffiniert-prächtige Kostüme sein können, und dass die Schlachtenmalerei seit den Zeiten von Albrecht Altdorfer und Paolo Uccello ein grandioser Zweig der Ölmalerei ist. Das Centro ist offen von Mo-Fr, 10:30 bis 13:30 und 18 bis 20 Uhr, Sa von 10:30 bis 14 Uhr. Übrigens: Für hartnäckige Pazifisten lohnt sich ein Besuch wegen der Architektur des Gebäudes …

Eine bewunderswerte uralte Dame …

Das ist die „Dama de Son Matge“ …

SIE HEISST „LA DAMA DE SON MATGE“ und ist im Museu de Mallorca in Palma zuhause. Ein kleines, das heißt: sich in eine Hand schmiegendes Steinfigürchen, mit dem Mallorca teilnimmt am großen, prähistorischen Frauenbild: von der Venus von Willendorf über die Venus von Hohlefels bis zur Matge-Dame. Der amerikansiche Maler und Paläontologe William Waldren (eigenes Museum in Deia – sehenswert!) hat sie in den höhligen Bergen über Valldemossa gefunden, getauft und anständig, wie er war, sofort abgeliefert. Ihr Alter? 4600 und 3200 Jahre, geformt von einem Ur-Mallorkiner also zwischen 2600 und 1200 v. Chr. Verglichen mit den anderen, ebenso frühen Frauenfiguren aus Deutschland, Österreich und Frankreich, die alle ausssehen wie „Supersize-Models“, ist die „Dama de Son Matge“ auffallend flachbrüstig, eigentlich ist sie überhaupt nicht als Frau zu erkennen, von einem winzigen Dachziegel unterscheiden sie nur die Augen und der Mund – aber sie ist unzweifelhaft eine menschliche Gestalt, und wenn Waldren darin etwas Feminines sah, und die Welt ihm folgte, so mag das wirklich so sein. Jedenfalls ist das weibliche Figürchen ein besonderer Anreiz, mal wieder ins Museu zu gehen – und beim Betrachten darüber zu sinnieren, wie sehr man doch die Insel-Kultur unterschätzt, wenn solche kleinen Kunstwerke geschaffen wurden, als die Ägypter die Cheops-Pyramide auftürmten, Babylonien ein Weltreich besaß und in Großbritannien die Steine von Stonehenge zusammengestellt wurden.

MI MUSEU! Diesmal: Der rätselhafte M. Aromi …

Schön, aber voller Rätsel …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE GEMÄLDESAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Bild vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große, aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Bild darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Werken zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Die großformatige „Cala Marmassen“ (bei Port Andratx), gemalt von M. Aromi – aber wer er war, und wann er gemalt hat, ist nicht rauszukriegen. Ich finde zwar eine 33 neben der Signatur, aber weiß nicht, ob es 1933 oder 1833 (wohl eher) bedeutet. Macht nichts, sein Bild sieht herrlich aus an der Wand …

Es gibt was Neues auf Sa Bassa Blanca!

… UND ES IST

Der Franco-Bunker vom Meer aus …
… die Skulptur auf dem Dach …
… und das geheimnisvolle Innenleben

ATEMBERAUBEND! Ben Jakober & Yannick Vu haben einen alten Franco-Bunker, hoch über der Bucht von Alcudia, zu einem zweistöckigen Erlebnistempel (sie nennen das „Observatorium“) umgebaut – und auf das Dach eine weithin grüßende Eisenskulptur gesetzt! Man darf nicht allein hinauf, man muss geführt werden, und es ist nicht ganz billig: 30 Euro pro Person! Aber dafür bekommt man einen grandiosen Blick bis nach Menorca auf einer interessanten Wanderung über den Höhenzug dieser sonst verschlossenen, weil privaten Peninsula, sieht im Parterre eine rätselhafte Installation, eine filmische Inszenierung des täglichen Geschehens an einer mallorkinischen Küste (die man nicht begreift – wie funktioniert so etwas?), und im Kellergeschoß betritt man (sehr zögernd, so täuschend echt ist das gemacht!) das Meer in 1000 m Tiefe, raffiniert mit Lichtspielen in tiefster Dunkelheit gestaltet. Das ist ein neues Highlight für Inselbesucher, ein Muss für spesenreiche Kulturmenschen. Dazu muss man sich anmelden per Telefon (971/54 98 80) – oder auf die Website gehen (www.fundacionjakober.org). Die tägliche Besucherzahl ist auf maximal 8 Personen beschränkt und man sollte ganz gut zu Fuß sein mit entsprechendem Schuhwerk …