Museen

Ein Museum, das noch fehlte …

ES IST DEN KORKENZIE- HERN GEWIDMET, was ja passt zur Weininsel Mallorca. Die Künstlerin und Ex-Winzerin Hanne Holze hat es am 19. August mit dem gemeinsamen Freund Friedrich „The Wüterich“ Panizza eröffnet. Ort: Vilafranca, c/. Bonany, 7. Es wird nicht ständig zu besichtigen sein, sondern sie zeigen die Kollektion mit über 150 z. T. Jahrhunderte alten Exemplaren immer mitt- wochs, wenn Markttag ist in Vilafranca. Als Friedrich mich einlud zur Vernissage, sprach er vom „ersten und einzigen Korkenziehermuseum“ der Insel, aber da erlaube ich mir einen Einwand: Ich habe z. B. im Privatmuseum, das in einem Wehrhof an der Straße von Portcolom nach Portocristo liegt, eine Sammlung von über 100 Korkenziehern gesehen – aber um sie anzuschauen, muss man die Telefonnummer erforschen, anrufen und um einen Termin bitten. Da hat man’s bei Hanne & Friedrich in Vilafranca einfacher – und ich bin grundsätzlich dankbar für jedes neue Museum auf Mallorca. Womit ihre Zahl, nach meiner privaten Kalkulation, auf über 120 gestiegen ist …

Ich habe ein Monument der Weisheit entdeckt …

… ES STEHT VOR DER HAUSTÜR VON SA BASSA BLANCA, dem fabelhaften Anwesen von Yannick Vu und Ben Jakober auf der Halbinsel Victoria, ist aus poliertem schwarzen Marmor (zumindest auf der Vorderseite), rund 1 m hoch und die Weisheit liegt in den eingravierten 2 Worten mit den 13 Buchstabern: EXPECT NOTHING. Was heißen soll: Je weniger du erwartest, desto weniger wirst du enttäuscht, oder: Wie kommst du darauf, dass ich was für dich tue? Oder: Sei mit dem Bescheidenen zufrieden, das ich dir anbiete! Es ist ein ideales Monument am Eingang jeder Finca, man müsste den Stein tausendfach kopieren und als Gebrauchsgegenstand der Gastlichkeit unter die Leute bringen. EXPECT NOTHING – ich denke, Ben wäre sicher bereit, mir die Weisheit zu überlassen, aber seine Kunstwerke sind leider zu teuer für mich, selbst mit einem kräftigen Freundschaftsrabatt.

P. S.: Als ich meinen Freund Ben um ein Foto seines Monuments bat, schrieb der göttliche Spötter mir eine Email mit nur 4 Buchstaben: NADA – so als hätte ich nichts zu erwarten! Aber das Foto kam dann doch …

Gold aus Mallorca …

Das Auktions-Ergebnis

ES IST ARABISCHEN URSPRUNGS, geprägt irgendwann im 12. Jahrhundert, wohl von Ishaq Ibn Muhammad. Ein Münzchen, klein wie ein 5 Cent-Stück, fabelhaft erhalten, nur flacher und leichter (3,3 g). Um diese Münze gab’s hinter den Kulissen ein Gezerre, denn das Museu de Mallorca griff ein, wollte sie kaufen vom anonymen Privatbesitzer (wobei sich die Frage stellt: Wie kam er zu dem Schatz?). Der schätzte sie auf 40 000 Euro, aber das war dem Museum zuviel, also blieb das Goldstück in der Auktion bei Aureo & Calico in Barcelona, wurde für 30 000 Euro aufgerufen (wozu noch mindestens 20 % an Gebühren kommen) und letzte Woche für 31 500 Euro (+ Gebühren) verkauft! An den Inselrat, der es dem Museu übergeben wird, als Prunkstück, denn von dieser Münze haben sich nur 2 Exemplare erhalten (soweit man weiß). Jetzt würde ich gerne wissen, ob jemals Gold gefunden wurde auf der Insel, oder ob die Mauren es eingeführt haben aus ihren Liegenschaften in Südspanien? Und: Wurde dieser Dinar auf Mallorca gegossen oder geprägt? Ich muss meinen alten Freund Emilio Trilla vom Kiosk Nr. 13 auf der Rambla fragen, der weiß es bestimmt …

Wussten Sie, dass es ein Biermuseum gibt?

Das Logo des Museums

JA, TATSÄCHLICH, ABER NICHT ETWA AM BALLERMANN, wo’s mich nicht gewundert hätte, sondern an der Straße von Palma nach Soller (nach 3 km). „Museo da la Cerveza“ heißt es, ist 365 Tage im Jahr geöffnet (!), aber nur von 12:30 bis 17 Uhr, es gibt ein Restaurant mit Büffet (mallorkinische Küche), aber ich habe gewisse Zweifel: Das Museum gehört zum Hippodrom Son Pardo, in dem Trabrennen stattfinden, und scheint nur ein Gag zu sein, um bierselige Touristen an die Wettschalter zu locken. Offizieller Slogan: „Genießen Sie in unserem Bier-Museum alles, was Sie sich wünschen.“ Ich war bisher noch nicht dort, habe mir nur berichten lassen, und das klang nicht nach ernsthafter Beschäftigung mit dem Thema Cerveza. Aber sei’s drum: Ist man eh auf der Straße von Palma nach Soller, kann man ja ruhig mal vorbei schauen. Tel.: 971 / 48 51 11.

Wo sind Norberto Viñas und sein Schatz geblieben?

Ich habe nur dieses eine Foto aus einem alten Zeitungsausschnitt …

ALS ICH DAS LETZTE MAL VON IHM HÖRTE, WAR ER 82, und das war 2007. Ein Rentner in Son Servera, der zwei gewaltige Lagerhallen voller Dinge besaß, mit denen Mallorkiner einst gelebt hatten. Man sagte, der Schatz von Norberto Viñas sei die größte ethnologische Sammlung der Insel. Er besaß alles – Ladenkassen, Friseursalons, Nähmaschinen, Spielzeug, Bilder, Porzellan, Schmiedeeisen, Karren, Waagen mit Gewichten, Körbe usw. Ganze Brunnen fand man bei ihm, alte Schmieden, Oldtimer und Wurstmaschinen. Aber als ich ihn jetzt besuchen wollte, da erinnerte sich kein Mensch mehr an ihn. Nach 12 Jahren, er muss jetzt 94 sein. Weder auf der Gemeinde, noch bei der Polizei kannten sie seinen Namen, und hatten nie von der Sammlung in den Lagerhallen gehört. Ein Jammer, befürchte ich, da hat vermutlich einer den Tod des alten Herren ausgenützt, um den Schatz zu Geld zu machen – stückchen- und scheibchenweise. Eine unwiederbringliche Sammlung und ich hoffe, ich finde sie noch …

Ein „Museum der Worte“ – super!

Das Museum …
… und der Dichter

… hier liegt Sant Joan …

ES STEHT IN DER GEMEINDE SANT JOAN (Carrer d’en Socies, 7) und ist dem Dichter Rafel Ginard Bauca (1899-1978) gewidmet. Ein Sohn des Ortes, ein Mönch, ein hochgebildeter Literat und Autor, und im Museum, das auf Mallorquin „Museum de la Paraula“ heißt, sind Originalmanuskripte, handgeschriebene Gedichte, Bücher, Fotos, einige persönliche Reliquien und sogar Hörproben zu erle- ben. Nichts wirklich Spektakuläres – aber echte Kultur, ver- dichtet in einem Haus zum Stolz eines Städtchens auf seinen bedeutenden Sohn, eingehüllt in eine wunderbare Stille. Es ist mutig, ein solches Museum zu gründen und zu unterhalten, bei den Besucher- zahlen dürfte es auf der Insel weit hinten liegen (zumal es nur zu merk- würdigen Zeiten offen ist), aber dennoch – ich rate an einem besinnlichen Tag zur Fahrt nach Sant Joan (und das adelige Landgut-Museum Els Calderers kann man dann ja gleich mitnehmen) …

Ich war im Siphon-Paradies …

Zwei „Haus“-Flaschen …
… und die Ausstellung …
… der anderen Flaschen rundherum auf Regalen

ES IST DIE WEINHAND- LUNG „CAN RAMIS“ IN FELANITX. 1919 gegründet als Sprudel-Fabrikation, immer in der gleichen Familie und jetzt einer der wenigen Orte, wo man sich Wein vom Fass abfüllen kann. Im Verkaufsraum haben die Ramis Hunderte von Siphon-Flaschen gesammelt und hübsch ausgestellt. Mit graviertem Glas, Plastik- und Metall-Mäntelchen, mehreren Arten von Verschlüssen und in erstaunlich vielen Farben. Dazu die antiken Plakate und andere Werbeartikel. Das ist ein kleines Museum in der calle Convent, 39-41, in dem es (inzwischen) auch Weine, Wermut, andere Schnäpse und viele Kaffeesorten (auch Nespresso-Kapseln) gibt. Und in den letzten Wochen hat ein Künstler die Familiengeschichte an die Fassade gepinselt, mit dem Gründer als überlebensgroßem jungen Mann! Fazit: Ein Besuch lohnt immer, und wer nur die Siphon-Flaschen betrachten möchte, ist auch herzlich willkommen …

Ein Museum für die Insel-Maler!

Das Museum es Baluard in Palma

AN SICH FEHLT ES AUF DER INSEL NICHT AN MUSEEN. Ich denke sogar, dass man auf Erden weit reisen muss, um auf engem Raum so viele Sammlungen betrachten zu können. Es dürften an die 150 Museen sein, staatlich und privat, aber wie immer wieder zurecht festgestellt wird, fehlt eins – für die großartigen Maler (von/auf) Mallorcas! Zwar liegen in den Depots Hunderte von Bildern, von Anckermann bis Bardolet, von Cittadini bis Rusinyol, von Burwitz bis Miro, aber alle Versuche, diese sehr speziell von der Insel-Atmosphäre beeinflussten Künstler unter einem Dach zu zeigen, blieb stets in den Anfängen stecken. Natürlich – es gibt es Baluard und das Museu de Mallorca und einige Museen, die sich nur mit einem Maler beschäftigen (z. B. Miro, Krekovic und Bardolet), aber nun scheint Bewegung in die die Idee zu kommen und man muss nur aufpassen, dass sich im Inselrat nicht jene Holzköpfe durchsetzen, die jetzt schon sagen: „Aber Ausländer haben in diesem Museum nichts zu suchen …!“

Nee, Fabrizio, das reicht nicht …!

Das Logo der Ausstellung …
… und Fabrizio persönlich

DER OBJEKT- UND VIDEO-KÜNSTLER FABRIZIO PLESSI, ein Italiener, der seit 30 Jahren bei Santanyi lebt, ist ein reizender Mensch mit überbordender Phantasie und internationalem Renommee. Jetzt hat er eine sogenannte „Retrospektive“ im Museum Es Baluard in Palma bekommen – aber man sieht nicht viel! Es werden vor allem Bücher gezeigt und eine kleine Maschinerie, um in ihnen zu blättern. Ich weiß, Plessi auszusstellen ist schwierig, seine Objekte sind oft riesig, er arbeitet gern mit (fliessendem) Wasser und er benötigt speziell gestaltete Räume, damit man seine Kunst begreift. Aber Bücher als Bilanz seines Schaffens auf Mallorca? Nee, scusi, Fabrizio, Du bist weltbekannt, aber das ist dürftig! Dann schau‘ ich mir Deine Arbeiten lieber auf YouTube an, da seh‘ ich mehr …

Als das „Grand Hotel“ noch ein Hotel war …

Das Plakat von 1902 …

WIR SCHREIBEN DEN FEBRUAR 1902, in Palma steht die erste internationale Nobelherberge kurz vor der Eröffnung, das „Grand Hotel“. Also muss es beworben werden und das geschieht u. a. mit diesem auf Französisch betextetem Plakat: eine selig lächelnde Mallorkinerin in Tracht, ein Orangenbaum, der gleichzeitig blüht und Früchte trägt, Palmas Silhouette mit Kathedrale und La Llonja, die noch am Meer stehen, und oben links die Architektur-Ansicht des Hotels. Format: 120 x 80 cm. Der Künstler hat sich darauf ebenso verewigt wie der erste Hoteldirektor, und ein Original, so musste ich erfahren, kostet um die 3000 Euro! Weil angeblich nur etwa 10 Stück überlebt haben. Aber es gibt erstklassige Repro- duktionen, sie kosten ca. 30 Euro und werden ab und zu im Internet, auf Flohmärkten und im Kunsthandel angeboten. Nur nebenbei gesagt: Das „Grand Hotel“ steht noch in originaler Pracht, gehört einer Bank, ist Museum, Ausstellungshalle, Shop und Restaurant. Mein Tipp: Bei Sichtung des Plakates sofort zuschlagen!