Musik

Jazz auf Mallorca? Ja, warum nicht?

So sah er aus in jungen Jahren …

ES GIBT EINE BEGEISTERTE SZENE, sie versteckt sich ein bisschen, aber es gibt z. B. einen sehr bewegenden Insel-Blues, und der wird nicht nur von einfliegenden Künstlern zelebriert, die anderswo entweder erfolglos oder abgetakelt sind. Es gibt sogar einen „Vater des Mallorca-Jazz“, den klassischen Komponisten und Musiker Baltasar Samper (1888-1966), der auch Musikwissenschaftler und sein Leben lang Dozent für Jazz an verschiedenen Universitäten war. 2019 erschien ein schmales Bändchen mit seinen Erkenntnisse, es heißt „Musica de Jazz“, ist leider nicht auf Deutschoder Englisch erhältlich – aber es gibt Aufnahmen von Samper, fabelhaft schöne Jazz-Einspielungen, auch mit eigenen Kompositionen. Und: Man findet ihn sogar auf YouTube …

… und die Seligen vernehmen seinen Gesang! Kapitel 2

… mit Liedern von Frau Schubert
So sieht die CD aus …

(Fortsetzung von Kapitel 1) … DEN VON FRANZ SAILER, KELIM-KÖNIG von SANTANYI! Denn eigentlich ist er ausgebildeter Opernsänger, mit einer glasklaren Tenor- stimme, die auch im Alter kaum etwas von ihrem Schmelz verloren hat. Und wer meinen Rat befolgt und zu ihm eilt nach Santanyi (carrer de Bispe Verger, 6), da er sein Geschäft schließt und einen sensationellen Schlussverkauf von Boden-, Wand- und Raumschmuck anbietet – der kann ihn hören, wie er singt! Man muss Sailer nur bitten, die CD mit seinen Schubert-Liedern einzulegen und über das Soundsystem seines Palais zu jagen! Dann wird der Teppichladen zum Konzertsaal und anschließend kann man neben den Rabatt-Kelims auch noch die CD kaufen (für 10 Euro). Die in eine besondere Sammelbüchse gesteckt werden: für den Tierschutz auf Mallorca! 

4 Minuten Wagner für 2 Euro …

Der Sant Salvador von oben …
… das schlichte Kästchen …
… und die versteckte Erklärung

IN DER WALL- FAHRTS- KIRCHE AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX hängt ein unschein- bares Kästchen, das man für eine elektrische Installation halten kann und an dem deshalb 99,9 % der Besucher vorbeigehen. Dabei ist es ein Zauberkästchen, allerdings ohne Hinweis – nahezu geheim: Wer 2 Euro-Münzen einwirft, erlebt ein optisches und akustisches Schauspiel. Lichtspiele flammen auf im Kirchenschiff und rund um den Hochaltar und donnernd ertönt 4 Minuten lang der Pilgerchor aus Richard Wagners „Tannhäuser“. Das ist toll und mit 2 Euro nicht überbezahlt. Die Besucher sind begeistert, wenn einer das spendiert und ich rate jedem, es auch zu tun. – Ob’s so etwas auch in anderen Kirchen auf Mallorca gibt?

Hingehen zum Benefiz!

Eines der Plakate …

JETZT FÄNGT ER GERADE AN – vor allem mit Konzerten, die Plakate erscheinen hinter den Scheiben der Läden: Gutes tun jenen, die durch das fürchterliche Unwetter zu Schaden kamen in der Gegend um Sant Llorenc und Son Carrio. Mich hat es um ein paar Kilometer verpasst, obwohl die Schauer den Weg zu mir hoch zum Torrente-Bett verunstaltet haben. Aber ohne weiteren Schaden. In diesen Konzerten treten lokale Gruppen auf und die legen alles an Emotionen in ihre Musik, zu denen sie fähig sind – und das ist enorm viel! An den Plakaten (man beachte das kleine rote Herz in der Unwettergegend!) kann man außer dem Datum und den Namen der Musiker zwei Dinge erkennen: Wie herrlich sich Gefühle auf Mallorquin ausdrücken lassen, und wie leicht es zu verstehen ist. Das Beispiel von dem Plakat links: „Concert a benefici de les personen damnificades per les torrentades“ – noch Fragen? Nein, hingehen! Das „Suma“-Konzert in Felanitx hat übrigens fast 10 000 Euro gebracht …

Das besondere Erlebnis in der „Geisterkirche“

Party mit Band in der Kirche …
… hoch ueber Son Servera

SIE STEHT IM STÄDT- CHEN SON SER- VERA, zimlich hoch auf einem Hügel, heißt simpel „Iglesia Nova“ und ist trotz ihres gotischen Aussehens eine junge Ruine. Denn sie wurde erst 1905 begonnen, Architekt war der Gaudí-Schüler Joan Rubio, wurde nie fertig und 1932 beendeten die Stadtväter den Bau aus Geld- und Lust-Mangel. Was macht man mit einer Kirche ohne Dach, mit leeren Fensterhöhlen und nichts tragenden Säulen? Man nutzt sie als Konzertsaal, Sportarena und Party-Location (denn sie wurde ja nie geweiht). Und ich erkläre hiermit: Es ist ein besonderes Vergnügen, in der „Iglesia Nova“ einem Konzert, egal ob Pop oder Klassik, zu lauschen oder ein Festessen einzu- nehmen! Es herrscht eine seltsame weltlich-sakrale Stimmung im mit Gras belegten Kirchenschiff. Man sitzt/steht/genießt Open-air – und auch wieder nicht, weil die Architektur zwar den Himmel zulässt, aber auch dreiseitig schützt. Zudem haben blühende Sträucher den Bau erobert – und bei Sonnenuntergang meint man, eine Lichtershow in Gottes Disko zu erleben. Mein Tipp: Bei der Gemeinde Son Servera nach der nächsten Veranstaltung fragen (die haben auch eine ziemlich gute Website) und die Event-Hinweise der deutschen Wochenzeitungen durchstöbern. Leute, es lohnt sich!

Der „Kaiser der Kelims“ singt …!

So sieht seine CD aus …

MAN KENNT FRANZ SAILER, Herrscher über das Reich der Kelims in seinem prachtvollen Bischoftssitz in Santanyi, als weltweit anerkannten Experten dieser Teppich-Art („Art“ in doppelter Bedeutung wie „Kunst“). Aber bisher wussten nur seine Freunde, dass er ausgebildeter Tenor ist und bei großen Auffüh- rungen gesungen hat. Zum Beispiel 1968 bei der legendären „Krönungsmesse“ des Mozarteums in Salzburg, die es auf CD gibt und die wegen ihrer exzellenten Qualität seitdem immer wieder aufbereitet wurde. Wer den Österreicher in seinem Palais (c/. Bisbe Verger, 6) besucht, kann – gegen eine Spende für seine Rettung armer Tiere – so eine CD (siehe Foto) mit Informations- blatt bekommen, bestenfalls sogar mit Autogramm …