Orte

Kleine Wahrheiten über Corona …

ICH NENNE DIESE GESCHICHTE MAL SO. Weil der in den Medien berichtete Zustand wenig zu tun hat mit dem selbst Erlebten. Dies hier ist nur eine Momentaufnahme aus Portocolom, aber ich staunte nicht schlecht über die Details. wie da wären …

  1. Wer mittags im „Sa Llotja“ speisen möchte, muss sehr gute Beziehungen zu José Manuel haben, denn er ist derart ausgebucht, dass man normalerweise einen Tisch nur in 3 bis 4 Tage bekommt.
  2. Drüben in der Strandbar in Richtung Leuchtturm, wollte neulich einer abgeholt werden, aber es war nicht möglich wg. Verkehrsdichte und Vollparkerei auf der schmalen Straße. Sie trafen sich dann weiter unten …
  3. In dieser Strandbar, so erfuhr ich per Anruf, muss man sogar 5 Tage vorher buchen, bis dahin ist die Kneipe bis auf den letzten Platz besetzt.
  4. Am kleinen Hafenstrand geht es derart dicht (und ungeschützt!) zu, dass die Polizei vor ein paar Tagen erscheinen musste – und ihn schloss! Ihn einfach für den Rest des Nachmittags dicht machte und die Badenden vertrieb, halb-halbe Spanier und Ausländer! Aber völlig zurecht …

Wohl denen, die auf Mallorca sind, aber viel Rückkehr-Risiko für die, die gerade einfliegen wollen. Aber eins dürfte klar sein: Es ist schöner und sicherer auf der Insel als in Deutschland. Wenn man bereit ist, die Existenz des Virus zu begreifen …

Die Straße der friedlichen Nachbarn …

In diesem Paradies hinter der Küste liegt irgendwo die Straße …

ES IST EIN CAMINO, KEINE CARRETERA. Nicht asphaltiert, nach Wolkenbrüchen ein Torrente, einspurig und schädlich für viele Autos. Eine Sackgasse, zwischen alte Steinmauern geklemmt, etwa 1,2 km lang, recht steil permunt oder pervall (je nachdem, ob man rauf oder runter fährt), ab und zu rechts oder links eine Einfahrt mit Tor. 16 Familien haben hier Häuser, die 7 Mallorkiner, einst alle Campesinos, jetzt nur noch wenige, seit Ewigkeiten; die 9 Ausländer siedelten sich zwischen 1955 und 2018 an. Eine friedliche Gemeinschaft, die sich die Straße teilt, die Stille, die Fruchtbarkeit, den Postkasten und die Elektrizität und 15 hängen an einer Quelle (einer ist so glücklich, eine eigene Wasserstelle geerbt zu haben). Neben den 7 Mallorkinern sind das 5 Deutsche, 3 Schweizer und 1 Französin. Alle 16 wählen ab und zu einen Häuptling, das kann auch eine Frau sein, der dafür sorgt, dass alle ihre Rechnungen bezahlen, keiner den anderen übervorteilt und niemand zu laut wird. Sie kennen sich alle, laden sich gegenseitig ein (allerdings entziehen sich ein paar scheue Eingeborene dem engeren Kontakt mit den Extranjeros) und spielen an einem Abend jeder Woche gemeinsam, aber reihum Petanca mit anschließendem Dinner. Es geht also, Streit ist nicht zwangsläufig ein Genosse der Nachbarschaft. Nun gut, beim Wasser, das zögerlich fließt, sind sich nicht immer Alle einig, denn einige haben Rasen, andere nicht, einige besitzen Pools, andere nicht, einige wohnen ständig hier, andere nur monats- oder wochenweise. Aber es gibt immer eine Lösung, und es ist in den Jahrzehnten nie vorgekommen, dass zwei nicht mehr miteinander sprachen. Ich wollte das alles berichten, weil es mir gut gefällt – und weil es, vor allem in den Urbanisationen, häufig nicht so ist. 

Wir renovieren jetzt unsere Straße selbst …

… SAGTEN EINIGE DEUTSCHE UND NAHMEN IHRER GEMEINDE DIE KOSTEN AB! Nun frage ich mich: Ist das gut? Soll man das einreißen lassen? Da wo ich wohne, standen wir auch vor diesem Problem: 16 Nachbarn – 7 Mallorkiner, 5 Deutsche, 3 Schweizer und 1 Französin. Die Frage war: Einen löchrigen Schafspfad asphaltieren mit anständiger Drainage? Die Gemeinde weigerte sich: Zu hohe Kosten für nur 16 Parteien. Sie schickte stattdessen eine Fuhre Schotter und glich die Unebenheiten aus. Und die Anwohner? Von den 9 Ausländern wollten sich 8 am Neubau beteiligen, von den 7 Mallorkinern nicht ein einziger! Plan tot. Nicht so in der Urbanisation „Es Pelats“ in Cala Rajada, genannt „Der deutsche Berg“. Da übernahmen die 50 Deutschen die Kosten für die Erneuerung der Straßen (50 000 Euro), zahlten also jeder 1000 Euro. Die Gemeinde Capdepera war fein raus. Und die eingeborenen Bewohner von „Es Pelats“? Da schrieb ein Deutscher vielsagend: „Jetzt sind alle glücklich, auch die Spanier, dass sie gefahrlos zu ihren Wohnungen gelangen können.“ Aha! Ein bemerkenswerter Vorgang, aber ich ahne, dass die Gemeinderatsmitglieder (und die spanischen Nachbarn) sich insgeheim an die Stirn tippen über die doofen Deutschen … – aber sei’s drum!

Nach oben schauen in Campos!

Die Polizei in Campos …
… hat jetzt eine Drohne

DENN DORT GIBT ES NICHT NUR DIE BERÜHMT SCHÖNEN KAMINE, sondern seit Neuestem auch eine Drohne, die von der Polizei gesteuert wird! Der Gemeinderat hat sich nämlich entschlos- sen, zur Überwachung des Städtchen und der Küstenregion so ein Fluggerät für 6000 Euro anzuschaffen und im Moment werden, sagt Bürgermeisterin Francisca Porquer, mehrere Beamte als „Piloten“ ausgebildet. Ende Januar (2020) soll es soweit sein. Unmittelbarer Nutzen: Einen Tat- oder Unfallort aus der Luft leichter und genauer lokalisieren und Rettungskräfte dorthin leiten. Macht irgendwie Sinn, denn eine Drohne ist ja eigentlich ein kleiner unbemannter Hubschrauber …

Manchmal denke ich an Don Tu …

 

Gesamtansicht von Portocolom heute …

DAS WAR EIN ADELIGER VON DER INSEL, und wie alle Herrschaften von echter Nobilität, mit soviel Land gesegnet, dass er hätte König oder wenigstens Fürst sein können: Guillem Marcel Fonts del Olors Ordines Puig de l’Almadra, besaß die Hälfte des Stadtgebietes von Portocolom – 3 km an der Küste entlang und 4 km landeinwärts. Praktisch alles Land zwischen dem Kreisel an der Ortseinfahrt (von Felanitx kommend) bis zur Cala Marcal und hoch bis zum Golfplatz Vall d’Or. „Don Tu“, wie er genannt wurde, war reich und doch arm, ein typischer Fall, weil er nur Geld in die Hand bekam, wenn er Grundstücke verkaufte. Und weil Don Tu zwei Leidenschaften hatte, besaß er am Ende keinen einzigen Quadratmeter mehr: er spielte und trank. Und als er alles verscherbelt hatte, da zog er von Kneipe zu Kneipe, war überall eingeladen, weil er schließlich der Lehnsherr gewesen und ein amüsanter Zeitgenosse geblieben war, nur Geld liehen sie ihm nicht, weil er es doch nur verspielt hätte, und so blieb ihm als Altersvergnügen lediglich die Trunkenheit. Ich muss immer an ihn denken, wenn ich nach Portocolom fahre und mir betrachte, was aus dem verschlafenen Hafenstädtchen geworden ist. Und wie gut es ist, dass Don Tu das nicht mehr erlebt hat, obwohl er steinalt wurde, so dass ich ihn zwei- oder dreimal erleben durfte an einer Theke. Immer Gentleman, stets lustig und voller Schnurren, die seine Münze waren als gewesener Reicher. Ich erwähne ihn, weil kein Ausländer Dinge wie diese je von Mallorkinern erfahren wird …

Ein Leser-Tipp für Manacor! Eigentlich zwei …

Die Maimo-Schau in der Apotheke …
… und der fabelhafte Küchenladen

ICH BIN IMMER GLÜCKLICH, wenn ich von denen etwas höre, die mei- nen Blog le- sen! Nun hat sich Frau Dr. Ursula B.  gemeldet und mich auf et- was hingewie- sen (und mir auch noch die Fotos dazu geschickt, danke!): auf den Carrer del Mercadal in Manacor, Hausnummern 12 und 13 (also Nachbarn). In der 12, einer ehemaligen, auch sehens- werten Jugendstil-Apotheke, stellt der unvergleichliche Maler Andreu Maimo aus, und die 13, ein moderner Küchenladen namens „Ca’n Damia“, soll „ein total wunderbares Köchinnen- und Köche-Paradies“ sein. Von Maimo bin ich der zweitgrößte Fan (nach einem fanatischen Sammler in Cala Murada) und Frau Dr. Becker, mit Mallorca seit ihrer Kindheit vertraut, glaube ich blind, wenn sie etwas fabelhaft findet, auch wenn ich den Küchenladen (noch) nicht kenne. Also … – mal hinschauen, um zu sehen, was man an der Wand und am Herd gebrauchen könnte …

Netter Tipp von einem Leser …

ICH MAG SOLCHE KONTAKTE, vor allem wenn sie von Menschen stammen, die mit offenen Augen durch die Insel wandern und ganz persönliche Entdeckungen machen, die gut teilbar sind. Carsten H. ist so einer und er schrieb mir: „Wenn ich auf Mallorca bin, besuche ich … immer montags den Stand von Can Betli vor der Markthalle in Manacor. Dort esse ich Bocadillo, welches mir Juan auf leckere Weise verfeinert, und kaufe für mich angefertigte, mit Käse gefüllten Oliven and andere Köstlichkeiten.“ Danke, Herr H., gut zu wissen, da werde ich  einkehren, es muss ja nicht unbedingt am Markttag sein (muss nur rausfinden, ob Juan dann auch da ist …).

Ich mach‘ mir ja sonst nichts aus Postkarten …

Nr. 1
Nr. 4
Nr. 2
Nr. 3

… ABER ENTDECKE DANN DOCH IMMER WIEDER EINIGE, die mich ins Grübeln bringen. Die kauf‘ ich dann, und der Grund ist der optische Beweis, wie gewaltig sich Mallorca verändert hat, und einiges fast noch unter meinen Augen & Füßen. Ich zitiere als Beispiele nur mal diese alten Postkarten aus meiner Sammlung: 1 Die berühmte Kiefer an der Straße nach Deia, 1930 fotografiert und damals angeblich der größte Baum der Insel. 2 Port Soller um 1937 – ein stilles Paradies, aber mit einer erstaunlichen, heute verschwundenen Hafenanlage rechts an der Einfahrt. 3 Die „Neue Mole in Palma“, die fast aussieht wie der Jungfernstieg in Hamburg, um 1930. 4 Kathedrale & Almudaina, fotografiert um 1910 am Beginn des Borne.

 

 

 

 

Wie Plinius Sineu adelte …

Sineu in seiner ganzen Pracht …

ES LOHNT SICH IMMER, beim alten Römer zu stöbern, der den Ausbruch des Vesuvs und den Untergang von Pompeji als Augenzeuge so dramatisch beschrieben hat: Plinius der Ältere, 24-79 n. Chr. Dafür, dass er so jung gestorben ist, hat Plinius eine Fülle von Texten hinterlassen, und nun komme ich endlich zum Punkt: Seine Naturalis historia“ gehört zur besten Literatur des klassischen Altertums. Plinius ist enorm rumgekommen, hat ein waches Auge besessen – und war neugierig wie ein Spürhund. Und wenn ich was zu sagen hätte in der Stadt Sineu, dann würde ich eine Tafel zu Ehren von Plinius an den Marktplatz nageln. Weil er um 100 n. Chr. ein SINEUM erwähnt hat, und das kann nur Sineu auf Mallorca gewesen sein, und das dürfte der mit Abstand älteste Hinweis sein, wodurch Sineu im Orts-Ranking der Insel einen gewaltigen Sprung zur Spitze machen würde. Nun, abendfüllend ist das nicht, was da steht, aber allein den Namen hinzuschreiben vor fast 2000 Jahren, genügt doch!

Manacor-Mieten – da staunt man!

„Hand aufs Herz“ – das Wappen von Manacor

WER STÖBERT, DER ENTDECKT! Mir ging das gerade so auf der spanischen Immobilien-Website Idealisa. Da fand ich interessante, sogar kaum glaubliche Zahlen: Zum Beispiel dass die Mieten in Manacor von 2018 auf 2019 um 14,2 % gestiegen sind, das ist der höchste Zuwachs auf den Balearen, wenn nicht sogar in Spanien. Dort muss man jetzt mit mindestens 12,6 Euro pro Quadratmeter rechnen! Andererseits gibt es einen Ort, an dem die Mieten um 4,4 % fielen – in Marratxi. Warum das so ist in Manacor mit seinen nur rund 35 000 Einwohnern, wurde nicht erklärt, aber man darf nicht vergessen, dass einige aufstrebende (Küsten-)Orte zur Stadt gehören, etwa Portocristo, Cala Moranda, S’Illot, Cala Anguila, Cala Murada und Son Macia.