Orte

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

Nanu, zweimal die Hausnummer 6 am selben Haus?

Links eine 6 und rechts eine 6 und das an einem Haus …

ICH SAG’S JA IMMER WIEDER: Wat es nich all jibt auf Mallorca! Da sehe ich in dem Dorf Son Macia (im gleichnamigen bezaubernden Tal bei Manacor), direkt am Marktplatz, ein Haus mit zwei Eingängen und über jedem steht eine 6! Ich putzte meine Brille, aber es blieb dabei: Zwischen der Hausnummer 4 und 8 gibt es zweimal die 6. Ich vermute dahinter einen Erbstreit, wie er auf Mallorca an der Tagesordnung ist. Bloß kein Nachgeben oder Einlenken, lieber was Blödsinniges – oder eben ein Haus mit zwei Eingängen, im Inneren geteilt und beide Parteien haben auf der angestammten Nr. 6 bestanden!

Sie planen ein Museum in Portocolom!

Der Bericht im „Felanitx“

DAS HAT DER STADTRAT VON FELANITX EINSTIMMIG BESCHLOSSEN, es soll ein „Museu Maritim de Mallorca“ werden und am Hafen von Portocolom stehen. Ein Ge- bäude hätte man auch schon (die Lokalzeitung „Felanitx“ zeigt es sogar schon), die „Casa d’en De la Rosa“ (sorry, schlecht erkennbar auf dem Scan), Ausstellungsstücke liegen zu Tausenden in Depots herum und nun fehlt nur noch die Bereitschaft der Regierung bzw. der balearischen Hafenbehörde. „Wir möchten ein weiteres Stück Kultur in unsere Gemeinde bringen“, heißt es in dem Beschluss, und ein Seefahrt-Museum in einem so schönen und derart – zu Wasser und zu Land – gut besuchten Hafen würde Sinn machen.

 

 

 

Schildbürger gibt’s auch auf Mallorca …

Gibt es Leute in Felanitx, die durch Mauern gehen können …? Es sieht so aus …

… WIE MAN AN DIESEM ZEBRASTREIFEN SIEHT. Ich habe ihn in Felanitx vor der Casa de Cultura und gegenüber der Ortskathedrale entdeckt und er lädt die die Benutzer dazu ein, direkt gegen eine Wand zu laufen! Mir erscheint das Gemäuer, das den Zebrastreifen blockiert, keineswegs neu zu sein und davor gibt es auch keinen Gehweg. Was die Streifenpinselei umso rätselhafter macht. Und skurril ist ebenso, finde ich, dass man das Ding nicht weggemalt hat, als endlich klar war, was für ein Unsinn da existiert …

Sixtinische Kapelle – in Felanitx!

Die Fassade als Ganzes …
… und im Detail

VERZEIHUNG, WENN ICH DIE WEINHAND- LUNG RAMIS IN FELANITX ZUM 3. MAL ERWÄHNE! Aber es geht nicht anders, und wer auf die Fotos schaut, wird das verstehen: Die ganze Fassade ist ein riesiges Gemälde und es zeigt drei Generatio- nen der Familie Ramis vor ihrem weißen LKW-Oldtimer! Da haben die Ramis eine uralte Kunst wiederauferstehen las- sen: das Außenfresko! Nicht ohne Eitelkeit, aber an ihrem eigenen Haus ist das erlaubt, man könnte es auch „Stolz auf Tradition“ nennen. Es ist ein bisschen schade, dass die Gasse, an der die Weinhandlung liegt, so eng ist, dadurch kann man nicht die volle Breite des Kunstwerks aus angenehmer Entfernung genießen. Aber es ist doch erstaunlich, dass es in Felanitx noch Künstler gibt, die solche Fresken anfertigen können, und das auch noch als Porträtszene! Adresse: c/. Convent 39-41 (das ist die Straße nach Manacor oder Portocolom, wenn man durch den Ort fährt).

 

 

 

 

 

Ich war im Siphon-Paradies …

Zwei „Haus“-Flaschen …
… und die Ausstellung …
… der anderen Flaschen rundherum auf Regalen

ES IST DIE WEINHAND- LUNG „CAN RAMIS“ IN FELANITX. 1919 gegründet als Sprudel-Fabrikation, immer in der gleichen Familie und jetzt einer der wenigen Orte, wo man sich Wein vom Fass abfüllen kann. Im Verkaufsraum haben die Ramis Hunderte von Siphon-Flaschen gesammelt und hübsch ausgestellt. Mit graviertem Glas, Plastik- und Metall-Mäntelchen, mehreren Arten von Verschlüssen und in erstaunlich vielen Farben. Dazu die antiken Plakate und andere Werbeartikel. Das ist ein kleines Museum in der calle Convent, 39-41, in dem es (inzwischen) auch Weine, Wermut, andere Schnäpse und viele Kaffeesorten (auch Nespresso-Kapseln) gibt. Und in den letzten Wochen hat ein Künstler die Familiengeschichte an die Fassade gepinselt, mit dem Gründer als überlebensgroßem jungen Mann! Fazit: Ein Besuch lohnt immer, und wer nur die Siphon-Flaschen betrachten möchte, ist auch herzlich willkommen …

Viel intensiver nach oben gucken!

Die Fassade des Cafe Colon …

… Gang zum Klo …

… DANN SIEHT MAN KOSTBARKEITEN WIE DIESE – am Café Colon auf der Plaza Espanya in Llucmajor! In spätem Moder- nismo, der speziellen mallorkinischen Ju- gendstil-Variante, die bis in die 30er-Jahre überlebte und Art Deco fast verhinderte. Was für eine Fassade! Mit den Initialen des Grün- ders (BT), einem Blumenkorb, Roncaillen und Girlanden, dem Café-Namen im Rund- bogen und der eigenwilligen Schreibweise von 1928 (1 in der 9) in Stein gehauen. Passend dazu das üppige Schmiedeeisen und die grünen Persianas. Und wenn man die Toiletten aufsucht, begegnet einem eine Mudejar-Dekoration mit Barock-Ornamenten! Hunderte solcher (einen steifen Nacken bewirkenden) Fundstücke gibt es auf der Insel, wenn nicht Tausende, das Café Colon in Llucmajor ist nur als Beispiel. Die Schatz- kammer Mallorca ist noch längst nicht geplündert von neugierigen Bli- cken und lüsternen Kameras …

Neuigkeiten aus dem Hafen von Portocolom

Die Mole jetzt (l.) und die geplante Mole …

ER SOLL EINE NEUE MOLE BEKOMMEN, 15 bis 20 m bauen sie an. Die alte, gegenüber der hübschen Altstadt, ist zu klein geworden und mit einer langen Mole kann man mehr Geld verdienen. Noch ist alles in der Planung, es könnte sogar bis 2023 dauern, aber die Pläne liegen vor, wie man sieht, und Platz ist genügend vorhanden. Wen interessiert’s? Die Boatpeople, die nautischen Ausflügler und die Spaziergänger – sie können dann viel weiter ins Meer vordringen!

Rettet die Cala Varques!

Die Bucht auf einer wundervollen Luftaufnahme von Piers Haskard

DAS MUSS AUSGERECHNET ICH SAGEN, der ihre Schönheit in jedem Blatt verbreitet hat, das mich um Mallorca-Tipps bat. Ich bin schuld, dass diese Südsee-Bucht zwischen Cales de Mallorca und Portocristo aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen wurde und heute überfüllt ist wie ein toter Vogel von Ameisen. Nun haben sie den Unschuldigsten der Besetzer, den Chiringuito-Mann zu 100 000 Euro Strafe verurteilt wg. illegaler Tätigkeit in der Cala Varques. Ein unbegreiflicher Unsinn, denn der hat nichts weiter getan, als unter einem Sonnenschirm und hinter einer Naturstein-Theke Getränke zu verkaufen. Ein Wohltäter, denn er hat auch noch dafür gesorgt, dass möglichst wenige Lagerfeuer angezündet werden und die Schmutzfinken ihren Müll mitnehmen. Gegen die Dutzenden von Campern, die halbe Slums in die Bucht bauen, ist niemand vorgegangen – und gegen die peinlichen Exhibitionisten, die sich „FKK-ler“ zu nennen belieben, auch nicht. Und was ist mit dem Typen, der kreischend und mit einer Fahne winkend, und natürlich satt abkassierend, ein Parkplatz-Business aufgezogen hat an der Straße nach Portocristo? Der kommt wohl auch noch dran. Ich bin immer und zu 100 % für Eigeninitiative, bewundere den Parkplatzwächter und den Chiringuito-Mann für ihre Energie, besonders wenn sie damit dem Allgemeinwohl dienen. Das sind die Juan Marchs der Gegenwart. Und so einem armen Teufel, der nichts erkennbar Kriminelles getan hat, eine Strafe von 100 000 Euro aufzubrummen, macht mich fassungslos …

Viel mehr auf die Balkons achten!

Wieviele sind’s allein hier? Mindestens 9 …
Das Buch der Balkone

ICH KENNE KEINE STADT, DIE SO VIELE HAT – und in derartig unterschiedlichen  Varianten! Es muss eine Zeit gegeben haben, da man ungern auf die Straße ging und auf diese Weise am Leben in den Gassen teilnahm. An den „Miradors“ genannten Balkonen kann man auch erkennen, wie alt ein Haus ist – und die ältesten stammen aus dem 17. Jh. Die Balkone sind nie sehr tief, aber oft sehr breit, total verglast und meist etagenhoch. Da passt selten ein Sessel rein und heute dienen sie mehr als schmaler Wintergarten oder Abstellkammer. Dennoch lohnt sich ein Balkonblick beim Rundgang durch Palma immer und es gibt sogar ein hübsches Büchlein von 1989, das man immer noch bei Amazon oder Ebay bestellen kann: „Els Miradors en l’Arquitectura de Palma“ von Mercedes Gambus und Sebastia Mas.