Phänomene

Gibt’s tatsächlich Flüchtlinge nach Deutschland?

ICH GEB’S ZU: ICH WÄR‘ DA NICHT DRAUFGEKOMMEN! Aber dann sah ich zwei Anzeigen, eine mit dem fürchterlichen Titel „Für alle, die zurück in die Heimat wollen …“. Denen wird Rundum-Hilfe angeboten, damit sie ihre Bleibe auf der Insel möglichst schnell loswerden. Die zweite Anzeige richtete sich an Betrogene: Ein sich als durchschlagskräftig anbietender Inkasso-Zeitgenosse verspricht, Betrüger zu jagen, die sich mit dem Geld von Mallorca-Residenten nach Deutschland abgesetzt haben: „Sie haben es satt, dass sich Ihre Schuldner mit Ihrem Geld … ein angenehmes Leben machen?“ Hoppla, ich dachte bisher, die Betrüger würden sich mit erschwindeltem Geld von Deutschland nach Mallorca absetzen! Das scheint aber auch umgekehrt zu funktionieren! Doch zurück zu meiner Anfangsfrage zurück: Wieviele Deutsche verlassen die Insel wirklich? Und gibt’s neben „Goodbye Deutschland“ tatsächlich ein statistisch erfassbares „Goodbye Mallorca“? Das wird keiner ausloten können, aber die ersten Menetekel erscheinen an der Wand …

Hat das eigentlich schon jemand bemerkt …

Ich messe im Sitzen …

… DASS DIE TRADITIONELLEN TOILETTENSCHÜSSELN AUF MALLORCA NIEDRIGER SIND? Es ist wahrscheinlich so, dass ich erst 81 Jahre alt werden musste – und ein bisschen knielahm, um darauf zu kommen: Sind die Toiletten nicht brandneu, beträgt ihre Höhe ohne die Brille nur 39, mit 41 cm! Ich hab’s nachgemessen, siehe Foto! Das ist rund 10 cm niedriger als unsere gewohnten Porzellanbecken mit der Wasserspülung. Warum das so ist? Weil die ursprünglichen Mallorkiner ein Zwergenvolk sind/waren, oder sagen wir besser: von graziler Gestalt und bescheidenem Auftreten. Die sieht man nur noch in ländlichen Gegenden, wie man auf Mallorca überhaupt nur noch wenige Eingeborene erlebt, rund 300 000 sind übrig, wenn man großzügig ist, die Anderen kommen aus Festlandspanien oder stammen aus Mischehen. Das heißt: Die niedrigen Toiletten haben einen soziologisch-anthropologischen Hintergrund, das war weder lächerlich, noch unpraktisch, sondern dem Volk angepasst, und ich hätte ja in meinem Haus, das um 1960 erneut wurde, die Toiletten längst erneuern können/müssen/sollen. Dennoch: Ich glaube, dass ich mit meiner Messung in eine hoch interessante wissenschaftliche Lücke gestoßen bin, die eines Seminars an der Balearenuniversität durchaus würdig wäre …

Es gibt seltsame Bestimmungen …

… BEI DENEN MAN NICHT WEISS: Liegt’s an Deutschland, an Spanien, an der Balearenregierung oder an den Herrschaften auf Mallorca? Also an Berlin, Madrid oder Palma? Man stößt oft nur zufällig auf diese unerklärli- chen, unsinnigen und auch lästigen Paragraphen und einer, der unsere Landsleute auf der Insel betriff, lautet so: Es ist nicht erlaubt, gleichzeitig in Deutschland und auf Mallorca beim Einwohnermeldeamt verzeich- net zu sein! Warum denn das nicht, wenn man zwei Wohnsitze hat? Und wem oder was schadet es, wenn Ottokar Kruxmeyr in Eltville und Pollenca in den Akten zu finden ist? Es ist doch eher nützlich, vor allem für das Finanz- und Bundeskriminalamt … – aber so, wie’s jetzt ist, erlaubt es trüben Gestalten das Abtauchen in die Anonymität! Und noch eins: Es vergeht kein Monat, indem ich (und andere) nicht um Hilfe bei der Auffindung verschollener Angehöriger gebeten werde, die auf der Insel nicht auffindbar sind, weil sie nirgendwo registriert wurden. Der Gedanke, der dahinter steht, lässt sich erahnen: Es kann nicht sein, dass es einen Menschen zweimal gibt, das würde die Statistiken verfälschen. Nun, so gibt es ihn eben einmal in echt und einmal als Geistererscheinung …

Ich rätsel seit Jahren …

Das Akasha-Symbol …
… der Cachaca-Drink

… WIESO MALLOR- CA IMMER WIEDER SOLCHE TYPEN ANZIEHT! Irgend- was muss die Insel an sich haben, dass sich die „Entgeistig- ten“ hier wohlfühlen – und Kundschaft finden. Lesen Sie nur mal den neuesten Zaubertrick, mit dem ein Heiler sich mit einer bezahlten Annonce an ein breites Publikum wagt: „Durch das Öffnen Deiner persönlichen Akasha Chronik möchte ich Dir helfen, die Antworten auf konkrete Fragen in Deinem Leben zu finden. Weitere Infos unter …“. Ach, über so eine Chronik verfügt scheinbar jeder, aber nicht intim, da fremde Leute darin schmökern können, und die holen dort Antworten raus, nach denen ich angeblich schon lange suche! Pardauz, wie verzweifelt muss man eigentlich sein, um auf so einen Unsinn hereinzufallen? Leute, ich hole mir die besten Antworten auf meine Lebensprobleme aus herrlichen Sonnenuntergängen, gar nicht zu reden von beglückenden Sonnenaufgängen! Und dann sage ich nicht „Akasha“, sondern „Cachaca“, denn das ist ein herrlicher Drink aus Brasilien, der mir mein Bewusstsein öffnet bis in ungeahnte Tiefen …

Auf den Tiefseebergen …

Die vier Tieefseeberge (Karte von Ozeana)

… SO NENNT MAN DIE GIPFEL IM MEER, die keine Inseln bilden, weil sie unter der Wasseroberfläche aufragen – und bleiben. Das sind interessante Formationen und zwischen den Balearen und Pituysen gibt es vier, die alle nach berühmten Ozeanologen heißen: „Emile Baudot“ südlich von Cabrera, „Bell Guyot“ noch weiter südlich, „Monte Olivas“ (oder „Ses Olives“) vor Ibiza und „Ausias March“ vor Formentera. Mal angesehen davon, dass diese submaritimen Berge wichtig sind als Verstecke und Brutplätze von Meeressäugetieren wie Pottwale und die Tierschützer jetzt das Gebiet um die vier Gipfel zum Nationalpark erklären wollen – mir ist es in einem heißen Sommer passiert, dass ich von einer Yacht auf den „Monte Olivas“ steigen konnte, der deutlich sichtbar im Meer lag, das gerade so hoch stand, dass es meine Knie erreichte! Ich habe das nie wieder erlebt, und auch keinen getroffen, der mein Abenteuer aus eigener Erfahrung bestätigen konnte, so dass mir inzwischen klar ist, dass damals eine ganz besondere ozeanische Situation geherrscht haben muss.

Das kann mir keiner erklären …

… UND ICH RECHNE AUCH DAS ZU MALLORCAS UNLÖSBA- REN RÄTSELN! Da erschien 2010 in einem Verlag in Palma der Comic „Mallorca 1229. Jaume el Conqueridor“ des berühmten Zeichners Garcia über die Rückeroberung der Insel von den Mau- ren – und belegt erneut, dass Palma der weltweite Top-Hotspot der Comic-Künstler ist. Und nun das: Neu wird das Buch interna- tional für 7.72 bis 32.82 Euro angeboten, gebraucht jedoch für 4.75 bis 349 Euro (+ Versandkosten von bis 19 Euro). Dasselbe Buch, gleicher Jahrgang, ähnlicher Zustand, keine limitierte Ausgabe, auch keine Widmung – und bis zu 73 Mal teurer! Niemand kann mir das erklären, außer mit dem Geisteszustand gewisser Antiquare. Wer sich dafür interessiert, trotzdem es in Mallorquin verfasst ist: Die ISBN-Nummer ist 9788421847268.

 

 

 

Ein Jahr ohne Aprikosen …

… DENN DIE KÖNNEN 2020 NICHT GEERNTET WERDEN, weil die Pflanzen so gut wie keine Früchte tragen. Und ihre kleinen Schwestern, die Kumqats, hängen auch nur vereinzelt an den Ästchen. Das hat nichts mit Corona zu tun, denk ich mal, „so etwas kommt vor“, sagt mein Nachbar, Bäuerlein Miquel. Dass einfach mal ein Obst aussetzt. Schade, ich habe die Insel-Aprikosen immer sehr geschätzt, und wenn sie die schicken roten Flecken hatten, haben sie besonders gut geschmeckt. Jetzt werden sie also importiert, von irgendwoher aus der Hispanidad, aus Ecuador vielleicht. Aber das sind nicht dieselben, deshalb werde auch ich eine Aprikosen-Pause einlegen, bis es sie wieder „Made in Mallorca“ gibt …

Ich mach‘ mir ja sonst nichts aus Postkarten …

Nr. 1
Nr. 4
Nr. 2
Nr. 3

… ABER ENTDECKE DANN DOCH IMMER WIEDER EINIGE, die mich ins Grübeln bringen. Die kauf‘ ich dann, und der Grund ist der optische Beweis, wie gewaltig sich Mallorca verändert hat, und einiges fast noch unter meinen Augen & Füßen. Ich zitiere als Beispiele nur mal diese alten Postkarten aus meiner Sammlung: 1 Die berühmte Kiefer an der Straße nach Deia, 1930 fotografiert und damals angeblich der größte Baum der Insel. 2 Port Soller um 1937 – ein stilles Paradies, aber mit einer erstaunlichen, heute verschwundenen Hafenanlage rechts an der Einfahrt. 3 Die „Neue Mole in Palma“, die fast aussieht wie der Jungfernstieg in Hamburg, um 1930. 4 Kathedrale & Almudaina, fotografiert um 1910 am Beginn des Borne.

 

 

 

 

Das Problem zur Zeit ist …

… und so kalt ist’s an Land
So warm ist das Meer …

… DASS DIE LUFT KÄL- TER IST ALS DAS MEER! Das muss nicht so sein im Mallorca-Winter, aber zur Zeit ist es so: Nachts sinkt die Temperatur an Land bis auf und steigt tagsüber maximal auf 16° (aber sel- ten). Das Mittelmeer steht im Moment bei 14° bis 15°, bleibt kons- tant und dadurch ist es im Schnitt wärmer als die Luft. Das be- wirkt einige Wetterphänomene, Morgennebel z. B., oder Wolken- bänke, aus denen es zumindest leicht regnen kann, und Strand- spaziergänge fühlen sich – eigenartigerweise – weniger kühl an als Bergwanderungen. Und der Wind vom Meer ist wärmer als die Brise aus dem Pla. Da kann man nix machen, das ist eben so, und ich schreibe das für diejenigen, die sich wundern, dass sich das Inselklima etwas anders anfühlt als sonst …

Schweinkram – in Spanien erlaubt …

In dieser Zeitung fand ich …
… was hier und …
… hier steht

ERSTMALS HABE ICH GESEHEN, dass eine Zeitung sich öffentlich entschuldigt für erotische Annoncen, so deftig sie auch sein mögen! In einem britischen Mallorca-Blätt- chen war das, und dabei lernte ich, dass diese Schweinkram-Angebo- te natürlich gerne genom- men werden (gegen gutes Geld und dem alten römischen Stand- punkt: Pecunia non olet), dass sie aber nach spanischem Gesetz nicht zu verhindern sind. Denn: Jede Zensur würde das hohe Gut der „Meinungsfreiheit“ einschränken, und so wie Hausbesetzer geschützt werden, weil sie ja „nur“ leer stehenden Wohnraum okkupieren, so darf jeder anbieten, womit er zu versteuerbaren Einkünften kommt. Seltsam, aber jedes Land macht sich seine eigenen Gesetze, und ich finde es hochanständig, dass einem eine Zeitung das mal auf teuren Anzeigenraum erklärt …