Phänomene

Es entstehen ganze Kolonien …

Wohnmobil an Wohnmobil auf der Strandpromenade von Cala Murada …

… VON WOHNMOBILEN AUF DER INSEL! Natürlich an den schönsten (erlaubten) Plätzen, meist an der Küste, in Wäldern und sonstwie lauschigen Gegenden. Mallorca wird gerade überflutet von diesen rollenden Villen und ich war mir zuerst unsicher, ob ich das entsetzlich oder clever finden soll. Bis ich das da sah, was ich oben im Foto zeige: Die Belagerung des kleinen Strandes der Urbanisation Cala Murada an der Ostküste! Wohnmobil an Wohnmobil auf einem öffentlichen Parkplatz, keine 20 m vom Meer entfernt. Idealer Standort aus Sicht der Belagerer, wenn auch ohne Strom- und Wasseranschluss. Und keine Toiletten! Dort wo die Dinger stehen, ging man früher gerne zu Sonnenaufgang- und -untergang spazieren, jetzt blockieren die Straßenriesen die Aussicht, nehmen Besuchern die Abstellmöglichkeiten und machen die Promenade zum Lagerplatz mit Wäschewaschen, Rumtollerei, Speisen im Freien und Siedlungslärm. Natürlich ist es preiswert, so auf Mallorca Urlaub zu machen oder sogar zu leben bzw. zu überwintern, aber – und das ist meine Meinung im Moment – ziemlich rücksichtslos ist es auch …

Die Hermes-Society gibt nicht auf!

ÜBER SIE HABE ICH SCHON EINIGE MALE BERICHTET: Leute, die an der Straße zu ihrem Besitztum, seidene Halstücher von Hermés als Flaggen aufziehen, damit man weiß, wo sie wohnen, und schon mal ahnt, dass sie – im wahrsten Sinne des Wortes – „gut betucht“ sind! Das Stück zu, naja, mindestens 390 Euro, und weil der Küstenwind gnadenlos zerfetzend ist, benötigen sie drei bis vier Stück pro Jahr! Aber das scheint sie nicht zu stören. Leider kenne ich die Herrschaften nicht, plane aber, ihnen zu begegnen. Einfach weil ich wissen will, warum einer die teuersten Foulards der Welt als skurrile Noblesse benützt und deren regelmäßige Zerstörung in Kauf nimmt. Dabei kosten die schönsten „normalen“ Flaggen (z. B. die grafisch herrlichen der 51 Insel-Gemeinden) oft keine 10 Euro und halten mindestens 1 Jahr und einen Winter durch (ich weiß das, ich bin Fahnenmast- besitzer). Hier zeige ich das aktuell im Sommerwind flatternde Tuch der Hermés-Society, das ich, man verzeihe mir es, aus modischem Desinteresse und innerem Widerstand nicht identifiziert habe …

Erklär‘ mir mal einer das mit den Bergen Mallorcas …

Die Serra de Tramuntana – scheinbar ein Riesengebirge …

DENN WIESO SEHEN DIE SO HOCH AUS WIE DIE ANDEN oder mindestens die Dolomiten? Wie sie da so rauswachsen mit nacktem Fels aus ihrem schwarzgrünen Gestrüpp-Gewand, sozusagen ein schulterfreier Höhenzug, auf dem im Winter sogar Schnee liegen kann – wie im Himalaya. Vom Pla aus betrachtet, sieht der um ein Drittel höhere bayerische Wendelstein (1838 m), von Bad Aibling aus betrachtet, ähnlich monumentös aus. Von Europas Top-Spitze Montblanc (4810 m) und dem Südamerika-Meister Chimborasso (6263 m) gar nicht zu reden. Dabei ist der Spitzengipfel der Tramuntana, der Puig Major, nur lächerliche 1445 m hoch – auf ihn würde der Schwarzwälder Feldberg aus 48 m Höhe runtergrinsen!!! Und der kleine Schöckl, ein Hügel in den Grazer Bergen, brüllt: „Hihi, ich bin exakt genauso groß!“ Also bitte – was bewirkt, dass der Puig Major so riesig aussieht wie der Mt. Everest (8448 m) nach dem Klimawandel? Es muss die klare Luft sein, die diese 1445 m in die Höhe reißt! Oder: Man sieht die 1445 m des Puig Major meist von der Meereshöhe 0 aus (oder ein paar Metern drüber), während man bei der Betrachtung des Wendelsteins von Bad Aibling bereits auf 492 m steht, da misst der Wendelstein also nur noch 1346 m! Das muss es sein. Dazu kommt 1. die steinerne Kahlheit durch eine für alpine Begriffe viel zu niedrige Vegetationsgrenze, und 2. dass der nackte Fels strahlt im Sonnenlicht, weil der Kalkstein der Tramuntana wie ein Spiegel wirkt, der sich mit der glamourösen Helligkeit über dem Mittelmeer vollgesogen hat in all den Jahrhunderten und sie nun zurückwirft. Rätsel gelöst? Zumindest vernünftig nachgedacht …

Gibt’s tatsächlich Flüchtlinge nach Deutschland?

ICH GEB’S ZU: ICH WÄR‘ DA NICHT DRAUFGEKOMMEN! Aber dann sah ich zwei Anzeigen, eine mit dem fürchterlichen Titel „Für alle, die zurück in die Heimat wollen …“. Denen wird Rundum-Hilfe angeboten, damit sie ihre Bleibe auf der Insel möglichst schnell loswerden. Die zweite Anzeige richtete sich an Betrogene: Ein sich als durchschlagskräftig anbietender Inkasso-Zeitgenosse verspricht, Betrüger zu jagen, die sich mit dem Geld von Mallorca-Residenten nach Deutschland abgesetzt haben: „Sie haben es satt, dass sich Ihre Schuldner mit Ihrem Geld … ein angenehmes Leben machen?“ Hoppla, ich dachte bisher, die Betrüger würden sich mit erschwindeltem Geld von Deutschland nach Mallorca absetzen! Das scheint aber auch umgekehrt zu funktionieren! Doch zurück zu meiner Anfangsfrage zurück: Wieviele Deutsche verlassen die Insel wirklich? Und gibt’s neben „Goodbye Deutschland“ tatsächlich ein statistisch erfassbares „Goodbye Mallorca“? Das wird keiner ausloten können, aber die ersten Menetekel erscheinen an der Wand …

Hat das eigentlich schon jemand bemerkt …

Ich messe im Sitzen …

… DASS DIE TRADITIONELLEN TOILETTENSCHÜSSELN AUF MALLORCA NIEDRIGER SIND? Es ist wahrscheinlich so, dass ich erst 81 Jahre alt werden musste – und ein bisschen knielahm, um darauf zu kommen: Sind die Toiletten nicht brandneu, beträgt ihre Höhe ohne die Brille nur 39, mit 41 cm! Ich hab’s nachgemessen, siehe Foto! Das ist rund 10 cm niedriger als unsere gewohnten Porzellanbecken mit der Wasserspülung. Warum das so ist? Weil die ursprünglichen Mallorkiner ein Zwergenvolk sind/waren, oder sagen wir besser: von graziler Gestalt und bescheidenem Auftreten. Die sieht man nur noch in ländlichen Gegenden, wie man auf Mallorca überhaupt nur noch wenige Eingeborene erlebt, rund 300 000 sind übrig, wenn man großzügig ist, die Anderen kommen aus Festlandspanien oder stammen aus Mischehen. Das heißt: Die niedrigen Toiletten haben einen soziologisch-anthropologischen Hintergrund, das war weder lächerlich, noch unpraktisch, sondern dem Volk angepasst, und ich hätte ja in meinem Haus, das um 1960 erneut wurde, die Toiletten längst erneuern können/müssen/sollen. Dennoch: Ich glaube, dass ich mit meiner Messung in eine hoch interessante wissenschaftliche Lücke gestoßen bin, die eines Seminars an der Balearenuniversität durchaus würdig wäre …

Es gibt seltsame Bestimmungen …

… BEI DENEN MAN NICHT WEISS: Liegt’s an Deutschland, an Spanien, an der Balearenregierung oder an den Herrschaften auf Mallorca? Also an Berlin, Madrid oder Palma? Man stößt oft nur zufällig auf diese unerklärli- chen, unsinnigen und auch lästigen Paragraphen und einer, der unsere Landsleute auf der Insel betriff, lautet so: Es ist nicht erlaubt, gleichzeitig in Deutschland und auf Mallorca beim Einwohnermeldeamt verzeich- net zu sein! Warum denn das nicht, wenn man zwei Wohnsitze hat? Und wem oder was schadet es, wenn Ottokar Kruxmeyr in Eltville und Pollenca in den Akten zu finden ist? Es ist doch eher nützlich, vor allem für das Finanz- und Bundeskriminalamt … – aber so, wie’s jetzt ist, erlaubt es trüben Gestalten das Abtauchen in die Anonymität! Und noch eins: Es vergeht kein Monat, indem ich (und andere) nicht um Hilfe bei der Auffindung verschollener Angehöriger gebeten werde, die auf der Insel nicht auffindbar sind, weil sie nirgendwo registriert wurden. Der Gedanke, der dahinter steht, lässt sich erahnen: Es kann nicht sein, dass es einen Menschen zweimal gibt, das würde die Statistiken verfälschen. Nun, so gibt es ihn eben einmal in echt und einmal als Geistererscheinung …

Ich rätsel seit Jahren …

Das Akasha-Symbol …
… der Cachaca-Drink

… WIESO MALLOR- CA IMMER WIEDER SOLCHE TYPEN ANZIEHT! Irgend- was muss die Insel an sich haben, dass sich die „Entgeistig- ten“ hier wohlfühlen – und Kundschaft finden. Lesen Sie nur mal den neuesten Zaubertrick, mit dem ein Heiler sich mit einer bezahlten Annonce an ein breites Publikum wagt: „Durch das Öffnen Deiner persönlichen Akasha Chronik möchte ich Dir helfen, die Antworten auf konkrete Fragen in Deinem Leben zu finden. Weitere Infos unter …“. Ach, über so eine Chronik verfügt scheinbar jeder, aber nicht intim, da fremde Leute darin schmökern können, und die holen dort Antworten raus, nach denen ich angeblich schon lange suche! Pardauz, wie verzweifelt muss man eigentlich sein, um auf so einen Unsinn hereinzufallen? Leute, ich hole mir die besten Antworten auf meine Lebensprobleme aus herrlichen Sonnenuntergängen, gar nicht zu reden von beglückenden Sonnenaufgängen! Und dann sage ich nicht „Akasha“, sondern „Cachaca“, denn das ist ein herrlicher Drink aus Brasilien, der mir mein Bewusstsein öffnet bis in ungeahnte Tiefen …

Auf den Tiefseebergen …

Die vier Tieefseeberge (Karte von Ozeana)

… SO NENNT MAN DIE GIPFEL IM MEER, die keine Inseln bilden, weil sie unter der Wasseroberfläche aufragen – und bleiben. Das sind interessante Formationen und zwischen den Balearen und Pituysen gibt es vier, die alle nach berühmten Ozeanologen heißen: „Emile Baudot“ südlich von Cabrera, „Bell Guyot“ noch weiter südlich, „Monte Olivas“ (oder „Ses Olives“) vor Ibiza und „Ausias March“ vor Formentera. Mal angesehen davon, dass diese submaritimen Berge wichtig sind als Verstecke und Brutplätze von Meeressäugetieren wie Pottwale und die Tierschützer jetzt das Gebiet um die vier Gipfel zum Nationalpark erklären wollen – mir ist es in einem heißen Sommer passiert, dass ich von einer Yacht auf den „Monte Olivas“ steigen konnte, der deutlich sichtbar im Meer lag, das gerade so hoch stand, dass es meine Knie erreichte! Ich habe das nie wieder erlebt, und auch keinen getroffen, der mein Abenteuer aus eigener Erfahrung bestätigen konnte, so dass mir inzwischen klar ist, dass damals eine ganz besondere ozeanische Situation geherrscht haben muss.

Das kann mir keiner erklären …

… UND ICH RECHNE AUCH DAS ZU MALLORCAS UNLÖSBA- REN RÄTSELN! Da erschien 2010 in einem Verlag in Palma der Comic „Mallorca 1229. Jaume el Conqueridor“ des berühmten Zeichners Garcia über die Rückeroberung der Insel von den Mau- ren – und belegt erneut, dass Palma der weltweite Top-Hotspot der Comic-Künstler ist. Und nun das: Neu wird das Buch interna- tional für 7.72 bis 32.82 Euro angeboten, gebraucht jedoch für 4.75 bis 349 Euro (+ Versandkosten von bis 19 Euro). Dasselbe Buch, gleicher Jahrgang, ähnlicher Zustand, keine limitierte Ausgabe, auch keine Widmung – und bis zu 73 Mal teurer! Niemand kann mir das erklären, außer mit dem Geisteszustand gewisser Antiquare. Wer sich dafür interessiert, trotzdem es in Mallorquin verfasst ist: Die ISBN-Nummer ist 9788421847268.

 

 

 

Ein Jahr ohne Aprikosen …

… DENN DIE KÖNNEN 2020 NICHT GEERNTET WERDEN, weil die Pflanzen so gut wie keine Früchte tragen. Und ihre kleinen Schwestern, die Kumqats, hängen auch nur vereinzelt an den Ästchen. Das hat nichts mit Corona zu tun, denk ich mal, „so etwas kommt vor“, sagt mein Nachbar, Bäuerlein Miquel. Dass einfach mal ein Obst aussetzt. Schade, ich habe die Insel-Aprikosen immer sehr geschätzt, und wenn sie die schicken roten Flecken hatten, haben sie besonders gut geschmeckt. Jetzt werden sie also importiert, von irgendwoher aus der Hispanidad, aus Ecuador vielleicht. Aber das sind nicht dieselben, deshalb werde auch ich eine Aprikosen-Pause einlegen, bis es sie wieder „Made in Mallorca“ gibt …