Phänomene

Marder + Physalis = Ein leckeres Geheimnis!

Der Mallorca-Marder …
… und ein Physalis-Strauch

KLAGEN HABEN MICH ERREICHT, von fassungslosen Gartenfreunden. Die festgestellt haben, dass man ihre Physalis-Beeren aus den orangenen Blätterhüllen gefressen hat! Wer tut denn sowas, wenn das Obst noch am Strauch hängt? Mein Freund, der alte Bauer Jaume, wusste es: Der Marder war’s! „Der niedliche Räuber“, sagt er, „liebt die saftigen Kügelchen, ist ganz verrückt danach.“ Ich wollte es nicht glauben, dass ein Fleisch- und Aasfresser sich auf Früchte stürzen könnte. Aber Jaume versichert, das sei schon immer so gewesen und dagegen gäbe es kaum ein Mittel, denn wer würde auf die Marder losgehen, die uns gegen die Ratten und anderes Viehzeug helfen. Nun leben Baum- oder Edelmarder (lateinisch: Martes martes) nicht in jedem Garten, sie sind eher selten und ich habe in einem halben Jahrhundert noch nie einen erkennbar gesehen. Aber in meiner Umgebung häufen sich die Klagen. Nun ja, na wenn schon, gönnen wir den hübschen Kerlchen, die frische Physalis-Beeren nicht auf dem Markt kaufen können, den vegetarischen Zwischengang …

Ich sah einen Maerchenerzaehler!

So ähnlich sah das aus in Portocristo …

SIE GLAUBEN GAR NICHT, wie ich mich ärgere – dass ich keine Kamera dabei hatte! Denn da stand am Markttag (Sonntag) ein Märchenerzähler auf der Mole in Portocristo, in einem 7/8-Kreis scharten sie rund 20 Kinder um ihn, Erwachsene lauschten in dezenter Entfernung, der Erzähler unterstrich seine Worte mit geschickt platzierten Gesten – und seine Zuhörer waren fasziniert! Es war ein älterer Mallorkiner, und ich hörte heraus, dass er aus dem Sagenschatz der Insel, den „Rondailles“, zitierte, aber auch alte Kindermärchen und wohl selbst erfundene Geschichten vortrug. Er war dabei normal gekleidet, er spielte nicht den orientalisch aufgemotzten Märchenerzähler, aber er besaß, wie sie, eine faszinierende Stimme. Ich war begeistert, dass es so etwas noch gibt, allerdings habe ich so eine Gestalt nie vorher und auch danach nicht gesehen. Ich habe nicht bemerkt, dass er Geld erbeten hätte für seinen Vortrag (aber es muss wohl so sein), es standen kein umgestülpter Hut und kein leerer Topf herum, und wenn er wirklich nur aus Spaß an der Freude Märchen erzählte, dann bin ich noch viel begeisterter …

SE VENDE: Ein Stierkampf-Plakat von 1942

ICH WIEDERHOLE MICH GERN: Jetzt, da Stierkampf der Vergangenheit angehört, wird die Werbung für diese archaische Tradition sammelwürdig – und teuer. So wie dieses Poster von 1942 aus der Plaza de Toros in Palma, das für den Auftritt des damals berühmten Toreros Sacamontes geworben hat. Es ist ein Kuriosum, denn es wird nicht nur eine Corrida angekündigt, sondern auch ein Feuerwerk, und dazu noch die Möglichkeit, Sachpreise zu gewinnen: ein komplettes Schlafzimmer, ein Damenfahrrad, eine Armbanduhr usw. Dieses Kunstwerk auf Papier ist zwar optisch recht schmucklos bis auf zwei kleine Schwarzweißfotos, dafür hat es 1. ein ungewöhnlich attraktives Format mit 90 cm Länge, und ist 2. erstaunlich gut erhalten für seine über 70 Jahre. Da ich mir bewusst bin, wie gesucht diese alten Stierkampf-Plakate sind, möchte ich mindestens 10 Euro dafür haben …

 

 

 

 

 

 

Der seltsame Weg der Post …

Wenn doch alle Briefe so schön (und schnell) wären …

MANCHMAL BRAUCHT EIN BRIEF VON MANACOR NACH MÜNCHEN 3 TAGE, manchmal 10 Tage – und es kann geschehen, dass man Nachforschungen anstellen muss. Wieso das? Die Insel ist von Süddeutschland nur rund 1200 km entfernt, täglich fliegen direkte Maschinen in 2-3 Stunden nach Palma. Und was macht die spanische Post? Sammelt alles in Palma, bringt es nach Madrid (Luftlinie: 550 km), fliegt es nach Frankfurt (etwa 1450 km) und dort wird es von der Deutschen Post für die ganze Bundesrepublik sortiert! Verschwurbelter geht’s nicht, und auf diesem Umweg verschwinden manchmal mehrere Tage. Lösung? Die kalte elektronische Postund das Zugeständnis, dass die Ansichtskarte in Buxtehude ankommt, wenn der Schreiber längst wieder Zuhause ist …

… noch so ’ne Nullnummer …

Ja, von wegen …

DER WAR SCHON ZU LEBZEITEN EIN GLASMENSCH durch seine durchsichtige Bedeutungslosigkeit, für die er auch noch gefeiert … – nein, missbraucht wurde von einem TV-Sender, der ihn vorführte als Fundstück aus der Rumpelkammer menschlicher Existenzen. Er konnte nichts (vor allem nicht singen, aber tat es trotzdem öffentlich und gegen Geld), scheiterte dauernd, störte durch aufdringliche Dreistigkeit, und seine einzige Lebensleistung bestand darin, ohne Leistungsnachweis bekannt zu sein. Dann starb er, man dachte, nun ist der Spuk vorbei – und nun geht das übers Grab hinaus! Weil die Angehörigen in einer Art lukrativer Leichenfledderei rausquetschen, was aus dem gescheiterten Mann noch zu holen ist an Publicity und Pinunsen. Wen juckt das? Mich, weil damit, wie schon zu Lebzeiten des Nullingers, immer und immer wieder der Name unserer herrlichen Insel missbraucht wird. Dieser Typ, der so gar keine Rolle gespielt hat für Mallorca (für keinen Teil der Erde, überhaupt für keinen, nicht mal für sich selbst), erdreistet sich selbst posthum, ihren Namen als Vorvornamen zu missbrauchen: „Malle-Jens“. War er nie. „Ruhe in Frieden, du Nichts“, sage ich. Nein, sagen Andere, nicht, wenn’s noch was zu verdienen gibt mit ihm! Bauchi, Büchner … por dios, was wird da nicht alles angeschwemmt an den Küsten der Isla de la Calma!

Warum viele Gaertner Heiden sind …

So können die Kultstätten in den Gärten aussehen …

SCHON MAL AUFGEFALLEN, in wievielen Gärten Stein-Monumente wie Türme stehen ohne Grund? Aufgerichtet von mallorkinischen Gärtnern? Ich zeige hier 4 Fotos, bei denen man meinen könnte, die Kalkstein-Phalli dienten als Stütze der Kakteen. Aber dem ist nicht so, das ist Zufall. Die Türmchen können auch alleine stehen, tun es meist, und ich denke da schlägt etwa Archaisches durch die Genetik: Die steinerne Anbetung aus der Talayot-Zeit! Ein manischer Zwang. Etwas, das lang ist und spitz zuläuft, himmelwärts stellen. Die Monumente richten sich an die Götter, und wahrscheinlich war mein Bild von den Phalli gar nicht so weit hergeholt. Und seitdem ich auf diese Idee kam, fällt mir immer häufiger auf, wie sehr harmlose Privatgärten zu heidnischen Kultstätten geworden sind …

Nie gesehen – so einen Regenbogen!

So ähnlich sah er aus …

NUN HABE ICH ALLE SIEBEN KONTINENTE BEREIST, auch nach europäischen Wetterbrüchen und tropischen Monsun-Schauern – aber ich habe nur erlebt, dass ein Regenbogen unmittelbar 50 m links neben mir in einer Breite von 15 m auf den Boden traf! Oder aus dem Boden wuchs! Auf einem weiten Feld zwischen Campus und Felanitx. Ich war so baff, dass ich die Kamera in meinem iPhone vergaß, das Foto hier überließ mir ein mallorkinischer Freund. Ich weiß nicht was passiert wäre, wäre ich zu dem Regenbogen hingelaufen (angeblich findet man ja Töpfe mit Gold dort, wo Regenbögen auf die Erde treffen), ob es sich dann verflüchtigt – oder mich mit seinen 7 Farben geduscht hätte. Mein Nachbar Jaume, ein älterer Bauer, wunderte sich nicht über das Phänomen, da er behauptete, das sei „normal auf Mallorca“. Wenn dem wirklich so ist, dann gibt es etwas auf der Insel, das anderswo nicht existiert …