Phänomene

… und hier flippen einige Rentner aus!


NEULICH BIN ICH EINEM RENTNER IN DIE HÄNDE GEFALLEN,
der mir seine Sammlung zeigen wollte. Da bin ich immer hellwach, aber in diesem Fall stimmte das „in die Hände gefallen“. Denn der alte Knabe, wohnhaft in Santa Ponca, sammelte nackte Frau- en auf Mallorca. Als FKK-Hefte (sowas gibt’s), Touristen-Postkarten, Original- fotos und DVDs. „Schönheiten auf un- serer schönen Insel“, schwärmte er – und besaß Hunderte! Aufregend fand ich die Sammlung nur, wenn sich die Nackedeis vor 1975 getummelt hatten, als Franco noch lebte und man für öff- entliches Unbekleidetsein ins Gefängnis kommen konnte. Aber das wusste der Sammler gar nicht, er starrte einfach nur auf die nackte Haut und vor allem dar- auf, wo die Haut nicht nackt war, wenn auch unverhüllt, und ich verabschiedete mich schnell. „Kommen Sie doch mal zu unseren Treffen“, rief er mir hinterher, und da ergriff mich Schaudern: Die sammelnden Voyeure sind auch noch so eine Art Klub! Es ist schon erstaunlich, was dieser schöne Felsen im westlichen Mittelmeer alles aushalten muss! Aber damit man sich überhaupt vorstellen kann, was die Greise heiß macht, zeige ich hier ein paar ihrer Objekte der Begierde …

Ich mach‘ mir ja sonst nichts aus Postkarten …

Nr. 1
Nr. 4
Nr. 2
Nr. 3

… ABER ENTDECKE DANN DOCH IMMER WIEDER EINIGE, die mich ins Grübeln bringen. Die kauf‘ ich dann, und der Grund ist der optische Beweis, wie gewaltig sich Mallorca verändert hat, und einiges fast noch unter meinen Augen & Füßen. Ich zitiere als Beispiele nur mal diese alten Postkarten aus meiner Sammlung: 1 Die berühmte Kiefer an der Straße nach Deia, 1930 fotografiert und damals angeblich der größte Baum der Insel. 2 Port Soller um 1937 – ein stilles Paradies, aber mit einer erstaunlichen, heute verschwundenen Hafenanlage rechts an der Einfahrt. 3 Die „Neue Mole in Palma“, die fast aussieht wie der Jungfernstieg in Hamburg, um 1930. 4 Kathedrale & Almudaina, fotografiert um 1910 am Beginn des Borne.

 

 

 

 

Das Problem zur Zeit ist …

… und so kalt ist’s an Land
So warm ist das Meer …

… DASS DIE LUFT KÄL- TER IST ALS DAS MEER! Das muss nicht so sein im Mallorca-Winter, aber zur Zeit ist es so: Nachts sinkt die Temperatur an Land bis auf und steigt tagsüber maximal auf 16° (aber sel- ten). Das Mittelmeer steht im Moment bei 14° bis 15°, bleibt kons- tant und dadurch ist es im Schnitt wärmer als die Luft. Das be- wirkt einige Wetterphänomene, Morgennebel z. B., oder Wolken- bänke, aus denen es zumindest leicht regnen kann, und Strand- spaziergänge fühlen sich – eigenartigerweise – weniger kühl an als Bergwanderungen. Und der Wind vom Meer ist wärmer als die Brise aus dem Pla. Da kann man nix machen, das ist eben so, und ich schreibe das für diejenigen, die sich wundern, dass sich das Inselklima etwas anders anfühlt als sonst …

Schweinkram – in Spanien erlaubt …

In dieser Zeitung fand ich …
… was hier und …
… hier steht

ERSTMALS HABE ICH GESEHEN, dass eine Zeitung sich öffentlich entschuldigt für erotische Annoncen, so deftig sie auch sein mögen! In einem britischen Mallorca-Blätt- chen war das, und dabei lernte ich, dass diese Schweinkram-Angebo- te natürlich gerne genom- men werden (gegen gutes Geld und dem alten römischen Stand- punkt: Pecunia non olet), dass sie aber nach spanischem Gesetz nicht zu verhindern sind. Denn: Jede Zensur würde das hohe Gut der „Meinungsfreiheit“ einschränken, und so wie Hausbesetzer geschützt werden, weil sie ja „nur“ leer stehenden Wohnraum okkupieren, so darf jeder anbieten, womit er zu versteuerbaren Einkünften kommt. Seltsam, aber jedes Land macht sich seine eigenen Gesetze, und ich finde es hochanständig, dass einem eine Zeitung das mal auf teuren Anzeigenraum erklärt …

Da kam eine Tsunami-Welle auf mich zu!

So kam der Tsunami auf uns zu …

MITTWOCH, 4. DEZEMBER 2019, um 9:15 Uhr, vor der Küste von Cales de Mallorca und Cala Murada: Eine 500 m breite und (geschätzt) 4 m hohe Tsunami-Welle rollte auf Mallorca zu. Eine weiße Wasserbank, deutlich sichtbar mit dem bloßen Auge (und dramatisch per Fernglas) zwischen Himmel und Meer. Dazu unheimlich schnell. Ich rief meine Frau auf die Terrasse, gemeinsam starrten wir auf das Phänomen – und plötzlich war es weg, verebbt so etwa 200 m vor Mallorca. Hatte sich aufgelöst in gischtige Strudel und überkippende Brecher, Gottseidank. Aber als die Welle machtvoll angerollt kam, sah das bedrohlich aus, so als würde sie die Hotels und die Villen in der ersten Strandreihe wegreißen. Ich habe so etwas noch nie gesehen, versuchte das Phänomen zu fotografieren (was nur sehr schlecht gelang). Und dann, wir hatten den Anblick kaum verdaut, erschien um 9:40 Uhr die nächste weiße Wasserbank, nicht ganz so breit, aber etwas höher, weiß wie gleißender Schnee, und wieder war das iPhone nicht in der Lage, die Bedrohung zu dokumentieren. Der Sturm, der seit gestern Abend tobte, musste den Tsunami aufgetürmt haben, aber der Gegenwind von den Bergen hat ihm dann wohl die Kraft genommen, bis zur Küste zu rollen. Mein Gott, was einem nicht alles begegnet auf dieser Insel …

Draußen kochen wird zum Hit!

Sie kann so aussehen …
… aber auch so!

AUF DEN NOBLEN FINCAS WIRD OPEN AIR GEKOCHT! Und mittlerweile gibt es bomfortionöse Außenküchen auch auf nicht so noblen Besitzungen, denn 2019 scheinen diese kulinarischen Luxus-Immobilien den schlichten Grill- platz abgelöst zu haben. Mit stählernen Doppelspülen, ins Mauerwerk eingegra- benen Kühlschränken, Sitzgruppen für bis zu 12 Personen, Theken mit Kühl- truhen für die Getränke, integrierten Grillrosten, Backröhren und Mikro- wellen, das Ganze schützend überdacht wie religiöse Andachtsstätten, beheizt und geschmückt mit Wandbildern, die Archäologen in 1000 Jahren als Kunstwerke bestaunen werden. Die Ausstattung ist so aufwendig, dass man die Außenküchen auch im Winter nutzen kann – aber sicher in den Übergangszeiten. Ob’s sie nur eine Marotte der Situierten sind, wage ich (noch) nicht zu beurteilen, ich stelle nur fest, dass sie gerade so populär werden wie Pakete zu verschicken, statt mit Ge- päck zu fliegen …

… und wieder wabern die Hitzenebel …

DIE INSEL IST NOCH SOMMERLICH AUFGEHEIZT, die Erde glüht, und wenn sich der Morgentau niederschlägt, dann entstehen zusammen mit der Feuchtigkeit aus einem kleinen nächtlichen Nieselregen diese weiße Wolken am Boden, die – von oben betrachtet – ganze Landschaften, die Küste und ihre Hafenstädte in Watte verstecken. Das Phänomen Hitzenebel tritt besonders am frühen Morgen und in der Abenddämmerung auf. Und ich, der ich auf 212 m lebe, kann plötzlich Portocolom nicht mehr sehen, das sonst spielzeugartig ausgebreitet vor mir liegt, und der Himmel beginnt etwa 100 m von mir entfernt – und in der Tiefe. Ich habe plötzlich einen mallorkinischen Caspar David Friedrich live vor mir …

400 Kilo Gift pro Tag aus Sonnencremes …?

DER WISSENSCHAFTLER DAVID SANCHEZ-QUILES IST EIN SERIÖSER MANN. Wenn er etwas untersucht, hat man das mit Respekt zu betrachten. Auch wenn ich an den Satz meiner Mutter erinnert werde: „Ehe ich mich wundere, glaub‘ ich’s nicht“. Denn der Mallorkiner hat herausge- funden (am Strand von Palmira bei Calvia, aber hochgerechnet auf die ganzen Bale- aren), dass die Badenden im Sand und im Wasser pro Tag rund 400 Kilo Giftstoffe hinterlassen, die aus ihren Sonnenschutz- mitteln stammen!!! 8 Zentner alle 24 Stunden – diese Schreckensnachricht war dem „Dario de Mallorca“ eine ganze Seite wert (Übertitel: „Nuevos Elementos Toxicos“), und die Schlagzeile hat natürlich auch mich wachgerüttelt. Zweifler fragen sich natürlich: Wie will der Mann das gemessen haben? Und: Wenn die Badenden soviel Gift in der Natur verteilt haben, was ist denn mit ihrer Haut passiert? Nun warte ich darauf, dass die Umweltschützer ein Siegel erfinden und nur noch naturreine Cremes zugelassen werden …

Mallorca – ein Brathuhn?

Die Jakober-Krawatte …
… die Insel aus dem All …
… und ein echtes Brathuhn

DIESER POST ENTHÄLT KEINERLEI INFORMATION, aber vielleicht einen Anlass zum Lächeln! Denn als ich meine wunderbare Mallorca-Krawatte betrachtete, entworfen von dem noch wunderbareren, auf der Halbinsel Victoria lebenden britischen Künstler Ben Jakober, geschmückt mit vielen goldenen Umrissen der Insel auf königsblauem Grund, da fiel mir auf … – geografisch sieht Mallorca aus wie ein fliegendes Brathuhn! Um die Realität dagegenzuhalten, habe ich das Foto eines knusprigen Braten gesucht und gefunden. Und siehe da: Mallorca ist ein Brathuhn, wenn man es aus dem Weltall betrachtet! Zuviel Phantasie? Vielleicht, aber ohne Schaden anzurichten. Denn so wie die Ostsee aussieht wie eine betende Frau und der Iran wie eine Katze, so wirkt unsere Insel eben wie frisch vom Grill …

Marder + Physalis = Ein leckeres Geheimnis!

Der Mallorca-Marder …
… und ein Physalis-Strauch

KLAGEN HABEN MICH ERREICHT, von fassungslosen Gartenfreunden. Die festgestellt haben, dass man ihre Physalis-Beeren aus den orangenen Blätterhüllen gefressen hat! Wer tut denn sowas, wenn das Obst noch am Strauch hängt? Mein Freund, der alte Bauer Jaume, wusste es: Der Marder war’s! „Der niedliche Räuber“, sagt er, „liebt die saftigen Kügelchen, ist ganz verrückt danach.“ Ich wollte es nicht glauben, dass ein Fleisch- und Aasfresser sich auf Früchte stürzen könnte. Aber Jaume versichert, das sei schon immer so gewesen und dagegen gäbe es kaum ein Mittel, denn wer würde auf die Marder losgehen, die uns gegen die Ratten und anderes Viehzeug helfen. Nun leben Baum- oder Edelmarder (lateinisch: Martes martes) nicht in jedem Garten, sie sind eher selten und ich habe in einem halben Jahrhundert noch nie einen erkennbar gesehen. Aber in meiner Umgebung häufen sich die Klagen. Nun ja, na wenn schon, gönnen wir den hübschen Kerlchen, die frische Physalis-Beeren nicht auf dem Markt kaufen können, den vegetarischen Zwischengang …