Plagen

Vorsicht vor den wilden Hunden!

Ein scheußlicher Anblick …

ES IST EINES DER VERSCHWEIGE-THEMEN AUF MALLORCA, man möchte die Besucher ja nicht noch mehr verunsichern – in Zeiten von Quallen-Attacken, Sintfluten, Algenpest, Messerstechern, Taschendieben und „Malle-Jens“. Aber in den Hügeln der Tramuntana, aber inzwischen auch immer häufiger weiter unten, wüten, ich muss es so drastisch ausdrücken, Rudel wild(geworden)er Hunde! Die hungrigen Bestien fallen über Schafherden her, greifen sogar die Schäfer an, reißen Ziegen und – wehe!– ihnen kommt ein Haushund in die Quere. Die Zeitung „Ultima Hora“ hat jetzt berichtet, dass ihnen binnen eines Jahres mehr als 1000 Schafe zum Opfer fielen, entweder getötet oder schwer verletzt. Man betrachte sich nur das Bild des Bauern (links), der seine toten Schafe auf dem Pick-up heimfährt. Es handelt sich um Straßenköter, die schlau genug waren, sich zu Rudeln zusammenzuschließen (Respekt!) und in die Gebiete leichter Beute flohen. Wenn jemand sagt, da rege er sich nicht auf, das geschehe ja weit weg, hat er recht; aber ich weiß von einigen Wanderern, die sich plötzlich furchtlosen und wütenden Hunden gegenüber sahen und alle Mühe hatten, nicht angegriffen zu werden …

Der Todesschrei der Ratten …

Sie sehen ja eigentlich niedlich aus …

DAS SIE IN DIESEM JAHR IN HEERSCHAREN AUFTRATEN, habe ich schon berichtet. Nun kam mein Nachbar Pau zu mir, sah aufgestellte Schlag- und Lebendfallen und stellte mir die seltsame Frage: „Ich hoffe, Du lässt sie eine Zeitlang leiden?“ Nein, eigentlich nicht, denn auch eine Ratte ist ein Tier und ich vermeide Quälerei. „Ganz falsch“, behauptete Pau, „dann wirst Du immer wieder Ratten ums Haus haben!“ Weil Ratten, die gequält werden, in Todesangst Töne ausstoßen, die wir nicht hören können, weil sie im Ultraschallbereich liegen. Aber Artgenossen vernehmen die Schreie und meiden Orte, an denen sie diese hören. Ein bisschen Quälerei sei die beste Abschreckung, wirksamer als Fallen und Gift! Alte mallorkinische Bauernregel. Also werde ich ab jetzt ein bisschen quälen, ungern, aber wenn das hilft, die Biester endlich loszuwerden, überwinde ich mich …

Eine attraktive Waldbrand-Warnung …!

Hübsch und eine gute Idee …

DIE REGIERUNG DER BALEAREN HAT DIESEN STICKER DRUCKEN LASSEN – mit gezeichneten Dramen, schön bunt und groß wie Joghurtbecher-Deckel. Gleich mit der dicken Notrufnummer 112 und den (angeblichen) Hauptursachen für die Brände in den Baumbeständen: Feuerwerk, Zigarettenkippen aus dem Auto werfen und Grillen. Es wird erwartet, dass die Insulaner (Residenten und Leihwagenmieter) die Sticker auf ihre Autos pappen und die Verbote verinnerlichen. Ob’s hilft, steht noch nicht fest, den Versuch ist’s aber wert.

 

 

 

Was gibt’s nicht zu kaufen? Eicheln …

So bekämpft man die Feinde …

DIE FRAGE IST NUR: WER BENÖTIGT EICHELN? Wer nicht eingeweiht ist, vermisst sie nicht; wer klüger ist, hätte sie gerne! Man bekommt sie aber nicht (mehr). Ich brauche sie dringend, nachdem ich in der ARD-Sendung „Wer weiß denn sowas“ gehört habe, dass Eicheln die einzig wirksame Waffe gegen Holzwürmer sind. Und wer auf Mallorca ist nicht von ihnen befallen, sie gehören zu den „Siegreichen Drei der Insel“: Ratten, Mücken & Holzwürmer. In der Sendung hieß es: Man stelle ein Tellerchen mit Eicheln neben/unter das befallene Möbel, die Holzwürmer verlassen sofort das Holz, stürzen sich auf die Baumfrüchte und man kann sie auf diese Weise leicht wegtragen und vernichten. Nur nicht auf Mallorca. Ich habe die „Senora Allwissend“ gefragt, Barbara Pohle von der „Mallorca Zeitung“, und sie verwies mich auf das Wandern in der Tramuntana, wo es noch Steineichenwälder gibt und Eicheln herumliegen, die man aufklauben kann. Und zum Kaufen? Sie schrieb mir: „Ich habe mit verschiedenen Kooperativen telefoniert, aber Eicheln, mit denen früher Schweine gefüttert wurden, sind nicht mehr im Verkauf.“ Schade, also müssen die Holzwürmer in meinen Möbeln bleiben – sie haben gesiegt! Denn die chemischen Keulen waren alle nur Scheingefechte, über sie grinsen die nimmersatten Nager nur. P. S.: Im deutschen Internet werden Eicheln angeboten, da habe ich mir jetzt ein Säckchen voll für 3.50 Euro gekauft …

Ratten – eine Hitzeplage!

Da sprintet eine nach Wasser in der Hitze …

NEBEN DER HITZE IST DAS DAS ZWEITE GROSSE THEMA: DIE RATTEN! Und beide Themen haben etwas miteinander zu tun. Denn dass die Ratten im Moment (Sommer 2018) die Siedlungen überfallen, hat mit ihrem Durst zu tun: Sie suchen Wasser und das gibt’s auf Mallorca, außer im Meer, bekanntlich nur dort, wo Menschen wohnen. Deshalb drängen die Ratten zu den Pools, Wasserhähnen, Gartensprengern, Gummischläuchen und Zisternen. Es sind sowohl die gr0ßen Tiere, die 15-20 cm langen, und die kleineren, die in den Feldern leben. Das Blöde ist zudem, dass gerade die Jungen zur Welt kommen, deswegen sind die Mütter unglaublich tapfer/dreist in ihrer Furchtlosigkeit gegenüber den Menschen. Meine Nachbarn, die Bauern und die Ausländer, die Hotelmanager und die Restaurantbesitzer haben alle Hände voll damit zum tun, die Ratten zu vergiften, in Fallen zu erschlagen und sogar mit Flinten abzuknallen. Nebenan spazierte eine Große keine 50 cm weit an einem Ehepaar vorbei, die zum „Sundowner“ am Pool saßen – mit Hund! Die Hitze hatte auch sie kirre gemacht. Was tun? Killerinstinkt auspacken, an die durstigen Bestien gewöhnen und/oder auf Regen warten! Es hilft ja nichts, die Ratten sind in der Überzahl auf Mallorca …

Wieso sind die Ratten so zahm?

So ruhte sie in meinem Beet …

ICH STELLE FEST, DASS SIE KEINE ANGST (mehr) VOR UNS HABEN! Die Ratte im Foto – etw 15 cm lang ohne Schwanz – lag in einem Blumenbeet und döste. Mein Hund entdeckte sie, schlug an, aber sie rührte sich keinen Millimeter. Ich ging ins Haus, um Handschuhe zu holen, denn ich wollte sie packen, in eine Tüte stecken und vernichten – da lag sie immer noch da. Also griff ich zu, erwischte sie leider nicht und beobachtete staunend, wie sie sich langsam erhob, durchs Beet trottete und in einer Trockenmauer verschwand. Ich war so baff, dass ich das Zupacken vergaß! Andere Ratten, wohl Verwandte dieses nervenstarken Gesellen, schauen mir beim Frühstücken auf der Terrasse zu, und neulich Abend, als ich in der Dunkelheit die illuminierte Küste genoss und meine Füße auf ein Mäuerchen gelegt hatte, spazierte eine an meinen nackten Zehen entlang (keine 10 cm entfernt!) irgendwohin. Das klingt alles furchtbar, ich versichere jedoch, dass Ratten auch bei uns auf dem Land selten sind; aber warum sind die wenigen derart frech? Es scheint sich bei ihnen das Wissen durchgesetzt zu haben, dass wir Menschen sie auf die Insel gebracht haben und deshalb mit ihnen leben müssen – sie sind die Sekundärbevölkerung. Und was wollen sie denn? Ein warmes Bett, was zu trinken und genügend Mandeln, um nicht zu verhungern. Dennoch: Ich jage und töte sie. Mit Schießeisen, Giftpillen und Schlagfallen. Das darf ich ja wohl auf meinem eigenen Grund & Boden, oder gibt’s jetzt auch schon Rattenschützer unter den Mallora-Deutschen?  

Da erntet einer Flaschen – oder was?

DAS SIEHT MAN JETZT ÜBERALL: Bäume voller weißer Plas- tikflaschen! Zuerst dachte ich, da würde Obst geschützt bis zur Reife, wie die Äpfel in Calvados. Hässlich, aber effektiv. Aber mein Nachbar Jaume klärte mich auf: Die weißen Flaschen sind Insektenfallen und man benutzt diese, weil Glasflaschen zu schwer sind! Da hat der Bauern in jede Flasche eine faulende Orange oder Feige reingesteckt, dazu ein bisschen Killer-Chemie, die Moscas, Avispas und sogar die Palmrüssler werden unwiderstehlich angezogen, klettern in die Flaschen (die mit einem raffinierten Verschluss versehen sind) und kommen um. „In schlimmen Insektenjahren wie 2017“, sagt Jaume, „ist das eine sehr wirksame Methode, unser Obst am Baum zu schützen“ – und die Schädlinge weiter zu vernichten, wenn die Früchte abgerntet sind. Wat nich all jibt auf dieser Insel, dachte ich …

Schonzeit für Plagegeister, denn …

Die grünen Schlangen …

… AUF DER GANZEN INSEL SIND IM MOMENT (Ende August bis Mitte September) DIE „GIFTSCHLANGEN“ AUSVERKAUFT! Sowohl die grünen (die stinken, aber wirksamer sind) wie die schwarzen (die duften, aber nur sanft killen). Wie kann das sein, dass es die Packungen, die zwischen 2.50 und 4.50 Euro kosten, nicht zu kriegen sind? Simpel: Weil die Nachfrage das Angebot überstieg, weil die Leute glaubten, die „Repels Mosquitos“ auch gegen die Wespenplage einsetzen zu können (was Unsinn ist, die Gelbschwarzen genießen die Wolken wie Opium). Was tun? Ich habe Türen und Fenster hermetisch geschlossen (was auch Unsinn ist, rein kommen Mücken immer) und die Moskitonetze runtergelassen. Das hat geholfen. Als nach 1 Woche noch immer kein Nachschub in den Läden war (nicht mal bei den Asiaten!), bin ich ins Internet und habe 10 Packungen für 22 Euro bestellt. Zu spät – 16 Mal haben mich die Moskitos am Schreibtisch und im Bad erwischt. Liebe Ladeninhaber, dass Wasser auf der Insel knapp sein kann, das begreife ich; dass es nicht genügend „Giftschlangen“ gibt, das möchte ich nicht mehr erleben …

2017 – das „Jahr der Schlangen“!

Das ist meine Schlange – eingelegt in reinen Alkohol …

SIE WUNDERN SICH ALLE – die Bauern, die Gärtner, die Hobbypflanzer: Keiner erinnert sich, dass es jemals so viele Schlangen gab! Ein paar habe auch ich gesehen/erlebt/gefangen (und eine habe ich getötet und in Alkohol das ewige Leben geschenkt). Eine andere lag zusammengekringelt wie ein grauer Gartenschlauch neben einem Wasserhahn, eine dritte floh in einen Spalt im Mauerwerk des Hauses, die vierte entkam ins alte Laub unter einem Johannisbrotbaum. Was mag der Grund sein, dass 2017 derartig viele Schlangen auftreten – und das auch noch in beachtlichen Größen: Die in meinem Alkoholglas ist 80 cm lang, der „Gartenschlauch“ war noch größer. Harmlos sind sie und furchtsam, keine hielt an, um mich anzufauchen oder gar anzugreifen. Und eigentlich bin ich für jede Schlange doppelt dankbar als Ratten- und Mäuse-Feindin, aber auch als Vertreterin der Artenvielfalt. Die eine habe ich auch nur getötet als „Belegexemplar“, als Beweis ihrer Existenz. Mein Nachbar, Bauer Jaume, ist ein weiser Mann und er meint, dass es nicht mehr Schlangen gibt als sonst, aber dass wir sie häufiger sehen, weil sie öffentlicher auftreten – da Sommer ist, die Hotels voll sind und die Ratten das Land in Richtung Küste verlassen haben, weil sie dort rund um die Bettenburgen viel zu fressen haben in vollen Mülltonnen, durch von Touris achtlos weggeworfene Reste und rund um die Restaurants. Da ist was dran, deshalb hungern die Schlangen und müssen dreister werden. Außerdem ist es natürlich zeitweise derart heiß, dass sie ihren Durst löschen müssen. Liebe Schlangen, verzeiht den einen Mord – ansonsten seid ihr mir alle herzlich willkommen …

Die Sache mit den Ziegen …

Süß, aber wild – die Mallorca-Ziegen …

SIE MEINEN ES JA GUT, DIE TIERSCHÜTZER! Wie immer. Und so oft ohne Rücksicht auf die Realität. Jetzt geht’s gerade um den geplanten Abschuss der Wildziegen, des größten Säugetiers auf der Insel. Es gibt so viele und sie sind derart dreist, dass ab und zu ein paar Dutzend geschossen werden müssen, was wiederum den Greifvögeln nützt, die sich über die Kadaver hermachen. Und da schreien Tierschützer auf, man könnte die Wildziegen doch auf Bauernhöfen unterbringen, statt sie „umzubringen“, ihre wertvolle Milch verwenden und ihr köstliches Fleisch essen. Nette Idee von Menschen, die vergessen, dass es sich um wilde Tiere handelt! In deren Gärten und Felder die Capra Balearica nie eingebrochen ist. Die als Bergbewohner (Kletterer) kein Hindernis kennen, die binnen weniger Minuten verwüsten, was Horticulteure in Monaten oder Jahren angelegt haben. Es gibt einfach zu viele, deshalb drängen sie ins Tal, der Not gehorchend – und müssen dezimiert werden,  zumal sie sich ja keinen Gefallen damit tun, den Menschen ins Gehege zu kommen. Das ist kein Platz, an dem sie dauerhaft leben können. Das sind nicht die Tiere von Ziegen-Peter aus den „Heidi“-Büchern! Auch mir tut jedes tote Exemplar dieser schönen und stolzen Art leid, aber zur Wildhege gehört auch die Populationspflege. Auf Mallorca, auf allen Kontinenten. Tierschützer, die Wildziegen nur aus Fernseh-Dokumentationen und Büchern kennen, machen es sich zu leicht mit ihrer animalischen Liebe. Ich möchte mal hören, wie sie schreien würden, wenn die Tiere über ihre Blumenbeete, Gemüse- und Kräutergärten und Obstplantagen hergefallen sind! Gerade eben fand ich in den Medien die Stimme einer Dame, die behauptete, wegen der Abschüsse „sinke das Ansehen der Gemeindeverwaltungen immer tiefer.“ Perdon, liebe Frau, das ist hysterisches Ziegengemecker …