Politik

MI MUSEU Diesmal: Das Eiserne Kreuz von Mallorca

Mit Ruhm bekleckert …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Das Eiserne Kreuz von Mallorca, aus Messing geprägt zum 19. Juli 1936, mit der Inschrift AMO A ESPANA und dem Ring für ein Ordensband. Natürlich ist es ein Franco-Orden aus dem Spanischen Bürgerkrieg, ab 1975 nicht mehr sehr populär, vorher schon, und jetzt er ab und zu für 85 Euro angeboten. Ich habe ihn auf ebay.es gekauft für meine Mallorca-Sammlung der besonderen Art …

Franco lebt – im toten Gestein …

Entdeckt bei der Kathedrale in Palma …

IMMER WIEDER ENTDECKE ICH SPUREN DER FASCHISTISCHEN VERGANGENHEIT, sie ist einfach nicht auszulöschen in 43 Jahren! Da können sich die Demokraten anstrengen, wie sie wollen – die 40 Jahre unter Franco halten sich (auch in manchen Köpfen). So habe ich vor ein paar Tagen an der Treppe vom Born rauf zur Kathedrale diesen militärisch geprägten Marmorstein (Luftwaffe?) entdeckt, eingemauert in die 800 Jahre alte Mauer. Um die Kirche Sant Nicolau, auch in Palma, lief bis vor ein paar Monaten immer noch in weißer Tünche der Name des faschistischen „Heiligen“ Jose Antonio Primo de Rivera, des Gründers der faschistischen Staatspartei Falange (jetzt wohl abgewaschen, es sind nur noch Spurenelemente zu erkennen). Nun, Historie ist Historie, man kann sie leugnen, ihre Spuren beseitigen – aber sie bleibt in den Geschichtsbüchern stehen …

Verbannung? Ja, sowas gibt’s …

ICH DACHTE, SOWAS SEI EINE STRAFE DES MITTELALTERS – oder nur auf den Malediven in Kraft. Ein Irrtum: Gerade hat ein Richter in Palma einen Pädophilen zu einer langen Haftstrafe verurteilt – und zum Verlassen Mallorcas für die nächsten 12 Jahre! Man stelle sich das in Hamburg vor! Oder in Bayern! Verbannung, denke ich, funktioniert nur auf einer Insel, und in Spanien, denn ich glaube nicht, dass es einen ähnlichen Paragraphen in der deutschen Rechtsprechung gibt. Was macht eigentlich ein Krimineller, dem das passiert? Raus aus Mallorca, rüber nach Ibiza? Oder aufs Festland? Geht die Familie mit in die Verbannung – und er dann betteln? Mich erinnert das ein bisschen an Adam und den Garten Eden. Nur hatte der erste Mensch keine Gelegenheit zur Pädophilie …

Felanitx tut wirklich was …

Das Plakat an der Wand …
… und aus der Nähe

… GEGEN MÄNNER, die sich Frauen gegenüber mies benehmen! Ich habe gestern in der Stadt dieses große Plakat hängen sehen und der Text lautet, etwas frei übersetzt: „Für ein Felanitx, frei von männlicher Gewalt“. Ich bin mir nicht sicher, ob ein derartiger Aufruf nun gerade in Felanitx notwendig war, ob derartige Aktionen auch in den anderen Gemeinden stattfinden, und ob sie etwas bewirken; aber ich finde das Plakat bemerkenswert, erfreulich und und grafisch interessant gestaltet. Allerdings frage ich mich jetzt: Darf ich die schöne Marga in ihrem Büro an der Plaza Espanya weiterhin mit „Hola, guapa!“ begrüßen oder gilt das bereits als maskuline Zudringlichkeit?

Wie „La Munar“ im Knast lebt …

Rotenhan 1
Anwalt Rotenhan

Rotenhan 4DASS DER ANWALT HANS VON ROTENHAN, ein Deutsch-Spanier aus dem Frankenland, einer der witzigsten, aufmerksamsten und unbestechlichsten Schreiber der Insel ist, weiß ich seit langem. Und in seinen eigenen Blog eröffnet – www.hansrotenhan.com – finden sich immer wieder Top-Karäter. Etwa seine Geschichte „Verbrecher auf Mallorca“, in der er die seltsame Society im Knast von Palma de Mallorca aufschlüsselt und besonders auf den „Hofstaat“ und die unbeugsame Feindin der wegen unverschämtester Korruption zu 11 Jahren Gefängnis verurteilten, einst mächtigsten Politikerin Maria Antonia Munar eingeht. Das hat man so noch nicht gelesen oder gehört, und dass Rotenhan das derart schonungslos erzählt, wird sicher Folgen haben. Umso schneller sollte man sich in seinen Blog (in dem viele weitere Perlen stecken) einklicken …

Der dümmste Graffito Mallorcas …

… PRANGTE AUF EINER HAUSWAND IN FELANITX. Er lautete „Tourists Go Home! Refugees welcome!“ Mit dunkelblauer Farbe auf eine weiße Fläche gepinselt, maß er 4 x 1.50 m, und er fiel auf, weil er gegenüber der stillgelegten Weinkellerei direkt an der Umgehungsstraße angebracht war. Die Pinselschwinger waren sicher Idealisten, haben damit aber nur den Beweis erbracht, dass guter Wille oft der Feind der Intelligenz ist und der Spruch von den Narrenhänden, die Tisch und Wände beschmieren, eine tiefere Wahrheit besitzt. Gestern rückte eine Kolonne der Gemeinde an und übertünchte die Dummheit: Zuviele Felanigenses hatten sich geschämt …

Endlich! Das Buch von Alex ist da …

Ein bedeutendes Buch …
… eines wichtigen Autors

ER IST DER HISTORIKER UNTER DEN DEUTSCHEN MALLORCA-JOURNALISTEN: Alexander Sepasgosarian vom „Mallorca Magazin“. Kürzel: AS. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte der Deutschen auf der Insel, ihm sind die wichtigsten Entdeckungen und tragischsten Schicksalsbeschreibungen zu verdanken: die Verzweiflung der Antifaschisten und die Perfidie der Insel-Nazis. Und nun liegen seinejahrelangen Recherchen in Buchform vor: „Mallorca unterm Hakenkreuz 1933-1945“ (MatrixMedia, 350 Seiten, 29.90 Euro). Alex ist ein guter Schreiber, ein seriöser Berichterstatter, eine Wühlmaus der Historie – und wenn ich geblogt habe, „Hotel Laguna“ sei das vielleicht wichtigste Buch des Jahres, so muss sich Alexander Gorkow diesen Superlativ jetzt teilen mit meinem Freund Alex. Mit einem wesentlichen Unterschied: „Laguna“ ist ein ernstzunehmendes Spaßbuch, „Hakenkreuz“ ist erschütternder Ernst. Beide habe ich fasziniert gelesen …