Politik

Rationierte Lebensmittel auf Mallorca?

Ein „Rationierungsbuch“ …
… 3 Coupons für Reis, Zucker & Öl
… und ein Coupon für Brot

UNVORSTELLBAR! Und doch ist es noch nicht so lange her, dass man auch auf der Insel, wie im Nachkriegsdeutschland, Reis, Öl, Brot und Fleisch nur auf „Marken“ bekam, die in billig gedruckten kleinen Heften zugeteilt wurden. Ich habe so ein „Rationierungsbuch“ gerade bei meiner Nachbarin Maria entdeckt, mit einer faschistischen Steuermarke (Porträt von Jose Antonio de Rivera, 10 Céntimos) auf dem Deckel, vom ersten Dritteljahr 1952, natürlich stark benützt und diese Mangelwirtschaft dauerte bereits seit 1938, seit dem Bürgerkrieg! Das bedeutet: Als die ersten Touristen längst einflogen (oder per Schiff kamen), litten die Einheimischen Hunger, wenn sie nicht Bauern waren, die sich heimlich selbst versorgen konnten. Davon merkten die Gäste nichts, meine Eltern, die damals schon auf Mallorca urlaubten, haben nie etwas erzählt. Aber ich denke, noch in den 50er-Jahren hat die Franco-Regierung den Markt freigegeben und die „Cupones“ abgeschafft, da haben allerdings schon eine Menge Ausländer auf Mallorca gewohnt! Was für eine perverse Situation: Vollpension in den Hotels für die Turistas und Brot für die Einheimischen nur von Tag zu Tag per „Marke“. Es ist doch immer wieder interessant, ab und zu mal in die Geschichte unseres kleinen Felsens zu lugen …

 

 

Wenn man hinter die Kulissen guckt …

So hoch kann die Strafe sein für eine Fuhre Kies …

… WIRD EINEM MANCHMAL GANZ SCHLECHT! Zum Beispiel, was einem die Mallorkiner erlauben, und was nicht, wovon was abhängt, und was für Strafen sie aussprechen können. Da darf einer, der ein Grundstück von 14 206 qm besitzt, nicht mal Kies aufschütten in seiner Auffahrt oder rund um den Pool, und manche Gemeinden erhöhen jetzt die Mindest-Quadratmeterzahl, bei der Veränderungen – selbst kosmetischer Art – erlaubt sind, auf 21 000 qm! Sich ein niedliches kleines Gartenhäuschen für Geräte, Liegen und Matten hinstellen? Das kann teuer werden! Die Idee dahinter ist an sich nicht schlecht: Man will vermeiden, dass Mini-Grundstücke vollgestellt oder zugebaut werden. Der Ästhetik und Infrastruktur wegen. Aber inzwischen wird die gute Absicht als Knebel benützt, um dem Fiskus zusätzliche Einnahmen zu verschaffen, und ein bisschen auch, um Macht zu demonstrieren. Denn bis zu 100 000 Euro kann ein Verstoß kosten, als Minimum gelten 20 000 Euro. Nicht verhandelbar, zumindest nicht als Ausländer ohne beste Beziehungen. Ich weiß, wovon ich rede, Nachbarn ist das gerade passiert. Da ist es gut, einen cleveren, möglichst einheimischen Anwalt in der Hinterhand zu haben …

Bestechungsspiel mit echten Politikern!

ES IST EIN FRECHER  GESELLSCHAFTS- SPASS, HEISST „LADRILLAZO“ und besteht aus 162 Karten. Es ist 2017 erschienen, und es geht darum, Amtspersonen mit Geld zu kau- fen, um sich vor allem auf dem Immobilien- markt Vorteile zu verschaffen – weshalb die Packung als Ziegelstein gestaltet ist. Unter den abgebildeten korrupten Beamten sind auch die zu Gefängnisstrafen verurteilten mallorkinischen Ex-Politiker Jaume Matas und Maria Antononia Munar. Das Kartenspiel kostet 26-30 Euro und ist über die französische Kaufhauskette Fnac zu bekommen, die auch eine Website hat. P. S.: Ich denke, dass sich Matas & Munar das nicht gefallen lassen und das Kartenspiel vom Markt klagen werden. Dann wird es natürlich zum teuren Sammelobjekt …

Feixisme – der Graffiti-Krieg …

Versprüht in Felanitx …

MAN KANN IHN ÜBER- ALL BEOB- ACH- TEN, z. b. am 2. Kreisel in Felanitx, wenn man aus Campus kommt. FEIXISME steht da – und wird von Narren gefordert. Einen Kilometer weiter lese ich: NIEDER MIT DEM FEIXISME! Und auf dem Flohmarkt in Consell habe ich einen geradezu rührenden Sticker von 1986 fotografiert, in dem der 30-jährige Kampf gegen den Faschismus gefeiert wird. Denn FEIXISME ist das mallorkinische Wort für Faschismus, und der hat – bedauerlicherweise – den Diktator Franco um 44 Jahre überlebt, zumindest im Wunschdenken vieler Narren. Halten wir uns da raus, wir haben genügend eigene Probleme mit unseren Glatzen in den Springer-Stiefeln; es ist nur interessant zu beobachten, dass eine politische Verbrecher-Philosophie derart überlebensfähig ist an so vielen Orten …

Wieso jetzt alle Taxis blau sind …

Die neuen Nummernschilder …

UM ENDLICH DIE „ECHTEN“ VON DEN „FALSCHEN“ UNTERSCHEIDEN ZU KÖNNEN! Heißt es. Und angeblich ging die Initiative von der Insel Mallorca aus – wo vor allem private/illegale Flughafenzubringer so taten, als wären sie Taxis, Phantasiepreise forderten, keinerlei Sicherheit boten und den offiziellen Taxistas die Butter vom Brot stahlen. Da bekamen diese blaue Nummernschilder, und zwar gleich landesweit, und nun kann keiner mehr auf die Betrüger reinfallen.

Kunstschaffende in die Politik? Immer gut …

Das ist sein Wahlplakat …

ER HEISST XISCO DUARTE und ist, nach Miquel Barcelo, der zweite internationale Künstler aus Felanitx. Duarte ist gelernter Bildhauer, hat sich vor allem einen Namen gemacht durch seine Ausgestaltung der Kathedrale von Albi (Frankreich) und nun kandidiert er für die PSIB-PSOE als Bürgermeister seiner Heimatstadt. Ich begrüße das, so wie ich alle Poeten, Maler und Bildhauer in politischen Ämtern begrüße, da sie eine erweiterte Sichtweise in das Regieren bringen. Dass sie zumeist ein bisschen links orientiert sind, so wie Duarte, ist auch kein Makel in aktueller Zeit. Übrigens: Er hat genügend Bodenhaftung, denn sein Vater wird von vielen geschätzt als Leiter der Baustoffhandlung Mas Guait an der Straße zwischen Portocolom und dem Golfplatz Vall d’Or … 

P. S.: In diesem Zusammenhang verweise ich auf meinen früheren Post „Aufpassen auf Xisco Duarte!“

 

Neuigkeiten aus dem Hafen von Portocolom

Die Mole jetzt (l.) und die geplante Mole …

ER SOLL EINE NEUE MOLE BEKOMMEN, 15 bis 20 m bauen sie an. Die alte, gegenüber der hübschen Altstadt, ist zu klein geworden und mit einer langen Mole kann man mehr Geld verdienen. Noch ist alles in der Planung, es könnte sogar bis 2023 dauern, aber die Pläne liegen vor, wie man sieht, und Platz ist genügend vorhanden. Wen interessiert’s? Die Boatpeople, die nautischen Ausflügler und die Spaziergänger – sie können dann viel weiter ins Meer vordringen!

MI MUSEU Diesmal: Das Eiserne Kreuz von Mallorca

Mit Ruhm bekleckert …

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Das Eiserne Kreuz von Mallorca, aus Messing geprägt zum 19. Juli 1936, mit der Inschrift AMO A ESPANA und dem Ring für ein Ordensband. Natürlich ist es ein Franco-Orden aus dem Spanischen Bürgerkrieg, ab 1975 nicht mehr sehr populär, vorher schon, und jetzt er ab und zu für 85 Euro angeboten. Ich habe ihn auf ebay.es gekauft für meine Mallorca-Sammlung der besonderen Art …

Franco lebt – im toten Gestein …

Entdeckt bei der Kathedrale in Palma …

IMMER WIEDER ENTDECKE ICH SPUREN DER FASCHISTISCHEN VERGANGENHEIT, sie ist einfach nicht auszulöschen in 43 Jahren! Da können sich die Demokraten anstrengen, wie sie wollen – die 40 Jahre unter Franco halten sich (auch in manchen Köpfen). So habe ich vor ein paar Tagen an der Treppe vom Born rauf zur Kathedrale diesen militärisch geprägten Marmorstein (Luftwaffe?) entdeckt, eingemauert in die 800 Jahre alte Mauer. Um die Kirche Sant Nicolau, auch in Palma, lief bis vor ein paar Monaten immer noch in weißer Tünche der Name des faschistischen „Heiligen“ Jose Antonio Primo de Rivera, des Gründers der faschistischen Staatspartei Falange (jetzt wohl abgewaschen, es sind nur noch Spurenelemente zu erkennen). Nun, Historie ist Historie, man kann sie leugnen, ihre Spuren beseitigen – aber sie bleibt in den Geschichtsbüchern stehen …

Verbannung? Ja, sowas gibt’s …

ICH DACHTE, SOWAS SEI EINE STRAFE DES MITTELALTERS – oder nur auf den Malediven in Kraft. Ein Irrtum: Gerade hat ein Richter in Palma einen Pädophilen zu einer langen Haftstrafe verurteilt – und zum Verlassen Mallorcas für die nächsten 12 Jahre! Man stelle sich das in Hamburg vor! Oder in Bayern! Verbannung, denke ich, funktioniert nur auf einer Insel, und in Spanien, denn ich glaube nicht, dass es einen ähnlichen Paragraphen in der deutschen Rechtsprechung gibt. Was macht eigentlich ein Krimineller, dem das passiert? Raus aus Mallorca, rüber nach Ibiza? Oder aufs Festland? Geht die Familie mit in die Verbannung – und er dann betteln? Mich erinnert das ein bisschen an Adam und den Garten Eden. Nur hatte der erste Mensch keine Gelegenheit zur Pädophilie …