Restaurants

Bier vom Fass – und von der Decke!

EINE HERRLICHE KNEIPE, dieses „Can Moix“ – gesprochen: „Motsch“ – in Felanitx (c/. Guillem Timoner, 1). Eine Jugendstil-Bar* der alten Art, mit den Original-Glastüren von 1910, dem antik gefliesten Boden, großartigen Gemälden, Theken-Schnickschnack aus vier Generationen – und an der Decke kleben zwei 800 Liter-Fässer mit frischem Bier der Marken „Estrella“ und „Rosa Blanca“, die jede Woche frisch aus dem Tankwagen aufgefüllt werden, und durch Gefälle (nicht durch künstlichen Druck) vor aller Augen mit den Zapfhähnen verbunden sind. Große Kuriosität, die es in Palma vier Mal gibt, aber außerhalb nur im „Can Moix“. Man kann hier auch essen (die Tapas sind berühmt), und wer mal erleben will, wie echte Mallorkiner aussehen, der erlebt sie hier.

* Freunde meines Blogs werden sich erinnern, dass ich das „Can Moix“ schon einmal erwähnt habe – wegen seiner sensationellen Modernismo-Spieltische! Sie stehen immer noch da und mein Versuch, einen zu kaufen, ist kläglich gescheitert …

Da tut sich was im „Can Gusti“ …

ES IST DAS LEGENDÄRE AUSFLUGSLOKAL an der Straße von Portocolom nach Portocristo, beliebt seit über 120 Jahren, eines der letzten authentischen Restaurants (man probiere nur mal das „Tumbet“ und das sternemäßige Spanferkel!), in das die Campesinos der Umgebung auf einen Cortado und ein Kartenspiel einkehren, und die eisernen Ringe zum „Parken“ der Mulis noch an der Außenwand hängen. Es gehört drei Geschwistern – aber jetzt, wie man hört, versuchen die Pächter, der unerschütterliche Koch Manuel und seine quirlige Frau Maria, das „Can Gusti“ zu kaufen. Mit allem Drum & Dran, wozu das Dutzend Zimmer im 1. Stock gehört, das bisher ungenützt – und unverständlicherweise – leer steht. Die schreien geradezu nach Nutzung als Herberge. Die Verhandlungen sind etwas zäh, noch wird der Kaufpreis diskutiert, aber die Besitzer sind schon mal ausgezogen …

Auf was für Ideen die Leute kommen …

ES LOHNT SICH, DIESE KLEINANZEIGE SORGFÄLTIG ZU LESEN! Da hat einer „Hunderte von Originaldekoartikeln auf 30 Südsee-Inseln“ gesam- melt, was auch immer das sein mag (ich vermute Schlimmes), und nun möchte er einen armen Kerl überreden, ihm die abzukaufen, um auf Mallorca eine „Südseebar“ zu eröffnen! Geht’s noch? „Kreativ helfen“ will der Anbieter auch noch, „habe Erfahrung“, sagt er. Warum macht er die Bar dann nicht selbst auf? Ich finde so eine Anzeige herrlich, weil sie erneut beweist, was so alles an kuriosem menschlichen Strandgut an den Küsten Mallorcas angeschwemmt wird – und wie diese Leute dann verzweifelt versuchen, über die Runden zu kommen, und das möglichst auf Kosten Anderer. Für mich ist klar: Der Südsee-Sammler ist ein Fall für VOX, der schreit geradezu nach einer TV-Realitysoap

Achtung, „Colon“-Fans …

DIETER SÖGNER HAT SEIT FREITAGABEND, 13. September, eine komplett neue Speisekarte in seinem Restaurant in Portocolom. Ich zeige sie hier, da ich sie mir frühzeitig beschaffen konnte. Ein paar Klassiker sind geblieben (Stammkunden hätten sonst protestiert), aber die Zutaten der meisten Gerichte haben sich geändert, und damit der Gang selbst …

„Florian“: Der nächste Verlust …

NACHDEM SICH STEWART MAGEE VOM „BONA TAULA“ in Cologne verabschiedet hat, droht der näch- ste Verlust einer geschätzten menschlichen Institution: Katharina vom „Florian“ in Portocolom scheint sich zurückziehen zu wollen! Das beliebte Restaurant an der Uferpromenade mit der familiären Atmos- phäre (und den mittleren Preisen) war ein geschätzter Treffpunkt der Residenten, mit eingesprenkelten Touristen, auch weil Katharina, die Schwester des vor einiger Zeit verstorbenen Namensgebers (ihres Bruders Florian), den Laden mit eiserner, aber liebenswürdiger Hand leitete. Ist auch sie weg, dürfte das „Florian“ erst mal ein paar Monate benötigen, um sich von dem Schock zu erholen …

Achtung, der raffinierte 5 Euro-Trick!

ICH HABE IHN EBEN IN DER „BAR BOSCH“ IN PALMA ERLEBT – und ich war eher amüsiert als wütend. Da hatte ich eine Rechnung über 4.90 Euro, reichte dem Ober einen 10 Euro-Schein, er ver- schwand und legte 10 Cents auf Tellerchen. Fehlten also 5 Euro. Eine feine Masche: Bin ich im Zweifel, ob ich ihm nicht doch nur einen 5 Euro-Schein gegeben habe, steh‘ ich auf und geh‘. Weiß ich genau, dass es ein 10 Euro-Schein war, verlange ich die fehlenden 5 Euro – und der Ober wird sich entschuldigen („Verzeihung, ein Versehen!“) und sie mir geben. Es kann ihm also nichts passieren, und die Chance, den Gast um 5 Euro zu betrügen, ist groß und verlockend. Ich habe dem Ober mit einem verschmitzten Lächeln gezeigt, dass ich seinen Trick durchschaut habe – und bin gegangen. Den Trick erlebt zu haben, war mir 5 Euro wert, und bei mir wird er ihn nicht mehr versuchen …

Stewart, wir vermissen Dich!

Versteckt der lauschige Garten …

ER WAR DIE GUTE SEE- LE des belieb- ten Res- tau- rants „Bona Taula“ in Colonge. Nichts gegen seinen Partner Tomeu, der weitermacht, auch ein reizender Bursche. Aber Stewart Magee war etwas Besonders: als Experte für Klassische Musik und Bildende Kunst ein hinreißender Gesprächspartner, wegen seines Charms von Männlein & Weiblein gleichermaßen geschätzt und als Maitre des eigenen Restaurants eine Idealbesetzung. Amerikaner sei er, sagen sie, ich denke, er ist Kanadier, aber egal – er hat sich zurückgezogen, taucht nur noch einmal pro Woche im „Bona Taula“ auf, aus Nostalgie, und ich behaupte: Zu dem bezaubernden Garten gehörte (irgendwie) der bezaubernde Stewart, und dass es dort (weiterhin) den delikatesten „Trampo“ von ganz Mallorca gibt, ist auch ihm zu verdanken …

Sopa Mallorquin – aber bitte die echte!

Die Suppe ist okay, aber …

… DIE MAN KAUM NOCH BEKOMMT, in den meisten Restaurantküchen ist sogar das Originalrezept verloren gegangen. Schade! Die beste Sopa Mallorquin wurde früher im Restaurant „Parlament“ in Palma serviert (das war die „Kantine“ der balearischen Abgeordneten) und im „Can Bernat“ in Portocolom bekommt man sie noch. Wobei ich nicht an der Suppe an sich rummäkle, sondern am Verlust der Beilagen. Denn in der „guten alten Zeit“, als man auch noch ungefragt und kostenlos einen Cognac zum Kaffee bekam, da gehörten ein Teller mit gesäuerten Kapern, Meerfenchel, Streifen von frischen Paprikaschoten und Radieschen zur Sopa. Über die nach dem Servieren ein satter Schuss von originalem, oft hausgemachtem und nie erhitztem Olivenöl gegossen wurde. Nun ja, als ich neulich in einem Restaurant in Palma die Sopa Mallorquin bestellte, schaute mich die Kellnerin aus leeren Augen an – sie hatte nie davon gehört und selbst im „Can Gusti“, einer 120 Jahre alten Traditionskneipe zwischen Portocolom und Portocristo (wo mein Foto entstand), musste ich ohne Beilagen essen. Mit der schwachen Begründung, der Chef stamme aus Kastilien …

Hiermit vergebe ich 3 Minus-Sterne!

Die Rechnung im „Nie wieder“!

... UND ZWAR AN DAS HOCHGELOBTE UND BELIEBTE „BOTANIC“-RESTAURANT IM CAN BORDOY in PALMA! Ich war dort gestern Abend essen mit zwei Damen, für 205 Euro (mit Trinkgeld). Wir haben es schwer bereut: Küche unmöglich, Service katastrophal. 1. Ober weist uns den (bestellten) Tisch an und bleibt verschwunden. 2. Wir bestellen Wein beim Kollegen, der kommt zurück und sagt: „Den Wein haben wir nicht mehr“ – und bietet einen an, der 10 Euro teurer ist! 3. Brot, Öl, Salz, Pfeffer – gab’s nur auf Nachfrage. 4. Als Vorspeise bestellten wir Iberico-Carpaccio mit Muscheln. Klingt spannend, ist aber Küchenirrsinn! 5. Einer unserer beiden „Pescado de roca“ ist grau bis braun, unten glibberig, riecht penetrant und ist so alt, dass er sich beim Braten gewölbt hat. 6. Die Beilage passte in einen Esslöffel, die Beschreibung auf dem Menü war aber zwei Zeilen lang … 7. Wir müssen mehrmals bitten, uns Wasser nachzuschenken, das weit weg steht. 8. Den Wein schenke ich schließlich selbst aus, weil sich keiner drum kümmert. Auch er steht weit weg, ich muss aufstehen und ihn holen. 9. Zum Kaffee kommt die Frage: „Möchten Sie auch einen Cookie?“ Als wir bejahen, bringt eine Mamsell zwei (wir sind aber drei Gäste). 10. Als wir gezahlt haben und gehen (unter Hinterlassung von 17 Euro Trinkgeld), sagt keiner Danke oder Adios, es interessiert schlichtweg keinen. Fazit: In einer Kneipe akzeptiere ich das alles, in einem Laden wie dem Can Bordoy nicht, der so tun, als seien sie der Genusstempel der Balearen. Gibt’s auch was Positives? Ja, das Brot war sehr gut und im Garten unter hohen Bäumen zu sitzen, ist ein großes Altstadt-Erlebnis …

 

Zum Sammeln! Die Barcelo-Flaschen …

Alle mit Etiketten von Miquel Marcelo …
… mit gebrannten Augen …
… und mit Fisch und Teufel

SIE WURDEN ALLE AUSGE- TRUNKEN – und oben auf einem Gläserschrank gesammelt: Diese sechs Weinfla- schen mit den herrlichen Etiketten von Miquel Barceló. Alle unterschiedlich, und die eine – die mit dem Augen- paar auf braunem Packpapier – hat er in Papier gebrannt. Sonst erkennt man seine „Faust“- und „Göttliche Komödie“-Illustrationen wieder, die Teufel, die Monster, die Stiere, und sogar die Fische in seiner Kathedralen-Kapelle. Der Maler aus Felanitx lässt sich also auch in Form von Weinetiketten sammeln, aber der Wirt der Kneipe, in der der Schrank stand, war nicht bereit, sie mir zu überlassen – er weiß, was er da hat!