Restaurants

Kleiner Ausflug in die Historie …

… und die Bar in Calonge

… UND ZWAR IN EINE DER VIELEN KNEIPEN, die „Bar Telefono“ heißen. Warum tun sie das? Die Eingeborenen und die Alteingesessenen wissen es: Weil in der Frühzeit der Kommunikation (etwa bis 1980) in vielen Orten nur Bars einen Telefonanschluss bekamen und sich dann stolz „Bar Telefono“ nannte. Wer jemanden anrufen wollte oder musste (eine Ambulanz oder die Kinder Zuhause in Deutschland z. B.), der hatte nur den Apparat auf der Theke. Über den man sich aber auch anklingeln lassen konnte bzw. zweimal … – zuerst: „Bitte, holen Sie meine Mutter, ich ruf‘ in 30 Minuten wieder an!“, dann das eigentliche Telefonat, wenn der/die Angerufene in die Bar gekommen war. Ich zeige hier die „Bar Telefono“ in Calonge, und die darf man nicht unterschätzen, auch wenn sie nach nichts aussieht: Hier finden richtig gute Live-Konzerte statt und gekocht wird ab und zu auch noch ziemlich gut …

Hier zahlen auch Kinder …

Das kuriose Schild …

ALS ICH NEULICH DURCH EIN STÄDTCHEN (im Insel-Inneren) FUHR (welches, das bleibe ein Rätsel …), da sah ich an einem Restaurant folgenden Hinweis: „Atencion! Los niños tambien pagan, menos pero pagan“ – Auf Deutsch: „Achtung! Auch Kinder zahlen hier, zwar weniger, aber sie zahlen!“ Ich kann mir vorstellen, was da geschehen war in der Vergangenheit: Die Niños haben das Büffet gestürmt, sich die Teller vollgeladen (vor allem mit Desserts), dann die Hälfte liegen gelassen – und die Eltern mussten für ihre Sprösslinge bezahlen, womit sie (aus welchen Gründen auch immer) nicht gerechnet hatten. Darüber kam’s zum Streit, der den Eltern nichts half, sie mussten zahlen, und da stellte der Wirt dieses Warnschild auf! Eine kleine Kuriosität aus dem Alltagsleben der Insel, amüsant und von eminenter Bedeutung, wenn man mit vier hungrigen Kindern einfällt …

Entdeckt: Der alte Spieltisch!

So sehen die Tische aus …

WAS FÜR EIN WUNDERBARES MALLORKINISCHES MÖBEL! Edles Holz, geschwungene Form, quadratisch und an jeder Ecke ist eine kleine Wanne aus Messing eingelassen – ein Tisch für Kartenspieler. Und in die Messingwanne haben sie ihre Zigarren oder Zigaretten abgelegt, und jetzt, da nicht mehr geraucht werden darf, deponieren sie die Münzen dort. Ich habe mehrere dieser an die 100 Jahre alten Tische in Café Can Moix in Felanitx (Carter des Horts, 67)* entdeckt (und dazu auch noch ein paar der passenden alten Sessel), da werden sie täglich von den Cent-Zocken benützt, und ich überlege, ob ich dem Wirt frage, ob er mir einen der Tische, die wohl aus Eichenholz sind, verkauft, denn es sind erstklassige, weil sinnvolle Antiquitäten und Schmuckstücke im Salon jeder Privatfinca.

* Es ist übrigens eine total unterschätzte Kneipe, denn – im Internet-Auftritt des Cafés findet man dafür die Fotobelege – hier wird das umfangreichste und delikateste Tapas-Büffet im Umkreis von 50 km serviert, und das auch noch in einem Ambiente ohne grauenvolle Renovierung – es ist fast noch im Jugendstil-Original erhalten …

„sa Llotja“: Gibt’s bald auch in Cala d’Or!

Küchenchef Jose Manuel …
… und das „sa Llotja“ in Portocolom

ES GEHT UM DAS SEHR GUTE RESTAURANT über der Hafenmeisterei in Portocolom, das sich nicht nur von der Lage her in die 1. Reihe entwickelt hat. Im April eröffnen Chef 1, Joachim Weber, und Chef 2, Jose Manual Pando Martin, eine Dependance ganz ähnlichen Stils in Cala d’Or (auch über dem Hafen), wobei Weber rüber geht und Panda in Portocolom in der Küche bleibt. Ich höre von meinem mallorkinischen Kontakten, dass da der Erfolg nicht nur geteilt wird, sondern dass die Pacht 2020 endet und man in so einem Fall nie weiß, ob jetzt, da es so gut läuft, nicht ein eingeborener Neider reingrätscht und die Hafenmeisterei lieber die Handvoll Euro mehr nimmt, mit der das Topteam Weber/Pando überboten wird. In Cala d’Or haben die beiden einen Vertrag auf viele Jahre, damit ist ihre Zukunft in jedem Fall gesichert – und die ihrer Genießer-Fans auch. Und vielleicht besiegt Treue ja die Habgier und wir/sie haben dann auf lange Sicht zwei „sa Llotja“ in zwei benachbarten Hafenstädtchen an der Südostküste …

Hui, sowas gibt’s noch …

Die erstaunliche Rechnung …

… ABER WOHL NUR IN DER STILLEN ZEIT! Meine Frau und ich fuhren ein bisschen in der Gegend rum, die Sonne kam raus, schaffte 18°, es wurde Mittag und wir suchten was zum Essen. da fanden wir unten am Strand in Cala Murada eine Kneipe namens „ca’n Perello“. Nix besonderes, aber mit Terrasse. Es gab nur Menü, ab 13 Uhr: Graupensuppe, Hühnerschenkel mit Pommes frites und Reis, als Dessert Flan. Normale Touristenküche. Wir bestellten eine Flasche Rosado und eine Flasche Agua con gas, danach einen Cortado und einen Café con leche. Der Wirt bediente, seine Frau kochte. Dann bat ich um die Rechnung – und da stand: 20.60 Euro! Menü 9.50 Euro, Café con leche 1.60 Euro. Alles andere inbegriffen, auch Oliven & Brot (knackig). Die Kneipe war um 14°° voll, mit deutschen Residenten und spanischen Handwerkern. Ich weiß nicht, wie die Sommerpreise sind im „ca’n Perello“, aber im Winter ist das ein Tipp. Nix für Gourmets, Benzinsparer und südliche Inselbewohner, aber ein gutes Beispiel, dass es auf Mallorca so etwas noch gibt …

 

 

Wer hat bloß all die Bars ruiniert …?

ICH KANN MICH NICHT ERINNERN, dass ich – außerhalb von Palma – je in einer Bar gewesen wäre, in der ich mich wohlgefühlt habe. Ich hab mal rumgefragt im Freundeskreis – und hörte die gleichen Klagen. Eiskaltes Neonlicht wie in einer Leichenhalle, gierig klimpernde Spielautomaten, ein plärrender Fernseher an der Decke, lieblos gedeckte, verkleckerte und mit Liloleumtüchern belegte Tische, die halbe Bar ein Vorratsraum, zerfledderte Kalender als Wandschmuck, arbeitslose Morgensäufer in Plastikstühlen – in so einem Etablissement kann sich doch nicht mal der eigene Wirt wohlfühlen, selbst wenn das Geschäft boomt! Das muss früher anders gewesen sein, hübscher, heimeliger, gemütlicher. Und was war dann der Anlass, auf hässlich zu renovieren? Geschah das in den 60er-Jahren? Touristen können daran endlich mal nicht schuld gewesen sein, das haben die Mallorkiner nun wirklich sich selbst zu verdanken. Und dass es allein seit 2010 sage-und-schreibe 600 Bars weniger gibt auf der Insel, mag wohl auch an der neuen Scheußlichkeit liegen. P. S.: Weil die Bars so grausig aussehen, zeige ich ausnahmsweise mal kein Foto. 

Freundliche arabische Eroberung …

Das Porzellan …
… und die dringende Bitte

ICH SASS IN EINEM RESTAURANT IN PORTOCRISTO,  drehte meinen (leeren) Teller um  and wurde überrascht: Er kam aus U. A. E. und da stand noch: „Make sure it’s RAK“Meine Güte, konnte es wirklich sein, dass dieses Porzellan aus den United Arab Emirates kam, den Vereinigten Arabischen Emiraten?  Aber was ist RAK? Das winzige Scheichtum Ras al-Khaimah, der nördlichste Teil der U. A. E., der weder Öl, noch Gas besitzt. Ein Händchen, das nichts hat außer einer schier endlosen Wüstenlandschaft, ein bisschen Strand am Arabischen Golf and eine Dynastie von Dictatorendie seit 310 years (!) an der Macht sind. Und der aktuelle Herrscher, Scheich Saud bin Saqr al-Qasimi, hatte eine Idee: Wir produzieren das Porzellan für die arabisch/islamische Welt! Und er war so erfolgreich, das sogar ein restaurant auf Mallorca mein Mittagessen auf seinen Tellern und den Cafe con Leche in seiner Tasse servierte! Salam aleikum …

Die Toten in der Bar …

Stilles Gedenken an der Wand

ICH HABE DEN EINDRUCK, als küm- merten sich die Mallorkiner um ihre verstorbenen Lieben aufmerksamer. Natürlich erscheinen Todesanzeigen in den Zeitungen, wie bei uns, aber die meisten mit Foto. Vergrößerte Nachrufe hängen oder liegen in den meisten Läden – aber dass man die Todesan- zeigen besonders groß druckt und in den Bars aushängt, das gibt’s nur hier. Natürlich wird nicht jeder Tote so geehrt, er muss schon Stammgast gewesen sein, oder zumindest der Angehörige eines Dauerbesuchers. Aber einige der an die Wand Gepinnten waren es nicht, aber ortsbekannte Persönlichkeiten. „So erfahren alle, wer nicht mehr unter uns ist, und können einen auf ihr Wohl im Jenseits trinken“, sagte mir ein Wirt – und verhehlte nicht, dass das auch gut für sein Geschäft ist. Diese Totengedenkwand fand ich übrigens in der Bar neben dem Museum in Manacor.

Das „Eil Pilon“ ist immer noch top …

Da geht’s rein zur Kneipe, aber es sind mehr als 10 m …

DA KÖNNEN MIR DIE ZEITGEIST-ARTISTEN UND TREND-HYSTERIKER ERZÄHLEN, WAS SIE WOLLEN – mein gutes altes „El Pilon“ im Carrer de Cifre (Nr. 4) in Palma (gegenüber der „Bar Bosch“ ab vom Born). Es ist nicht nur mein Snack-Favorit seit 30 Jahren, ich kenne auch eine Menge echter Promis (nicht die lächerlichen TV-Typen), die Stammgäste der Tapas-Bar sind. Obwohl, nun ja – die Stühlchen sind zu niedrig und stehen viel zu eng, die Tische sind zu klein, zu Zeiten wenn ein normaler Mensch hungrig ist, bekommt man nur mühsam einen Platz, es kann quälend laut sein und es ist herrlich! Man bedient sich aus der riesigen Tapas-Vitrine nach Wunsch, an guten Tagen gibt es um die 20 Variationen, und die werden dauernd frisch nachgeliefert. Die Preise sind okay (nicht unbedingt billig) und die Ober von flinker Originalität – und einige schon Jahrzehnte dort. Ich weiß, dass ich bei Palma-Profis offene Türen einrenne, deshalb wendet sich dieser Post an die Neuen …

Herrlichkeit entdeckt!

So werden die Muscheln serviert. …
… und so sieht eine aus

SIE HEISST ZAMBURIÑAS, ist eine Muschel aus Galizien, heißt auf Deutsch „Bunte Kammmuschel“ und wird als Vorspeise auf der eigenen Schale serviert (mit einem Zitronen-Achtel). Das Gericht ist nicht unbedingt preiswert, 12 Stück kosten 14 Euro, also jede Muschel um die 1.16 Euro. Aber ich habe mir geschworen, mit dem Wirt, er heißt Miguel, einen Deal zu versuchen: Er möge mir 40 statt 12 Zam- buriñas servieren und Rabatt geben. Ich denke an 30 Euro. Es ist ein unwidersteh- licher Appetithappen! In einem Sößchen, das man bis zum letzten Tropfen aus jeder Schale schlecken muss. Ich zumindest kann nicht anders. Und wenn jetzt jemanden interessiert, welches Restaurant Miguel besitzt, so verrate ich es gerne: das „Can Bernat“ in Portocolom (über der Cala Marsal), in dem seine Frau kocht und die Mallorkiner fast noch unter sich sind.