Sammeln

Der Stierkampf als Kunstwerk …

… EXISTIERT IN EINIGEN SEINER PLAKATE, und die sind wirklich großartig. Man betrachte sich nur mal die- ses Corrida-Plakat vom 17. August 1913. Geschaffen vor über 100 Jahren für einen Stierkampf in der Arena von Palma. Als Vorlage dienten die Grafiken eines da- mals sicher bekannten Malers und der barocke Schwung des „Modernismo“, das spani- schen Jugendstils, ist noch zu spüren. Das Plakat misst nur etwa 40 x 20 cm und ist vom Alter ausgefranst. Ein Picador ist zu sehen, die Lanze im Stiernacken, auf einem damals noch unge- schützten Pferd; weiter oben ein Hirte mit Jungstieren auf einer andalusischen Weide. Es handelt sich um eine dauerhaft verwendbare Ereignis-Vorlage, in die man ak- tuelle Termine, Orte und Teilnehmer schwarz eindrucken konnte, von Cadiz bis San Sebastian und hier eben Palm de Mallorca. Ein Schatz, finde ich, der die Erinnerung an die uralte Tradition des Stierkampfes ins Unendliche ver- längern wird …

 

 

 

… und hier flippen einige Rentner aus!


NEULICH BIN ICH EINEM RENTNER IN DIE HÄNDE GEFALLEN,
der mir seine Sammlung zeigen wollte. Da bin ich immer hellwach, aber in diesem Fall stimmte das „in die Hände gefallen“. Denn der alte Knabe, wohn- haft in Santa Ponca, sammel- te nackte Frauen auf Mallorca. Als FKK-Hef- te (sowas gibt’s), Touristen-Postkar- ten, Original- fotos und DVDs. „Schönheiten auf unserer schönen Insel“, schwärmte er – und besaß Hunderte! Aufregend fand ich die Sammlung nur, wenn sich die Nackedeis vor 1975 getummelt hatten, als Franco noch lebte und man für öff- entliches Unbekleidetsein ins Gefängnis kommen konnte. Aber das wusste der Sammler gar nicht, er starrte einfach nur auf die nackte Haut und vor allem dar- auf, wo die Haut nicht nackt war, wenn auch unverhüllt, und ich verabschiedete mich schnell. „Kommen Sie doch mal zu unseren Treffen“, rief er mir hinterher, und da ergriff mich Schaudern: Die sammelnden Voyeure sind auch noch so eine Art Klub! Es ist schon erstaunlich, was dieser schöne Felsen im westlichen Mittelmeer alles aushalten muss! Aber damit man sich überhaupt vorstellen kann, was die Greise heiß macht, zeige ich hier ein paar ihrer Objekte der Begierde …

Verachtet die Aschenbecher nicht!

ES SIND FEINE SOUVENIRS – und so viel attraktiver als die teuersten Designerstücke! Natürlich muss man sie immer noch meist klauen, aber die hübschesten alten Aschenbecher gibt es längst reihenweise auf den Flohmärkten. Auch wenn die Preise impertinent angezogen haben, man bekommt das von Hand bunt dekorierte Hotel-Porzellan schon ab 1 Euro, und nimmt man einen ganzen Schwang, fallen die Kosten in die Cent-Region. Ich zeige hier 5 Exemplare als Palma und Capdepera, jüngst erworben auf dem Consell-Rastro, und auch wenn Ascher überflüssig erscheinen, weil kaum einer noch raucht, so lassen sie sich dekorativ als Oliven- oder Zitronen-Schälchen und Zahnstocher-Ablage verwenden. Denn man sollte nie vergessen: Das Leben auf der Finca schreit nach Authentizität …

Ich mach‘ mir ja sonst nichts aus Postkarten …

Nr. 1
Nr. 4
Nr. 2
Nr. 3

… ABER ENTDECKE DANN DOCH IMMER WIEDER EINIGE, die mich ins Grübeln bringen. Die kauf‘ ich dann, und der Grund ist der optische Beweis, wie gewaltig sich Mallorca verändert hat, und einiges fast noch unter meinen Augen & Füßen. Ich zitiere als Beispiele nur mal diese alten Postkarten aus meiner Sammlung: 1 Die berühmte Kiefer an der Straße nach Deia, 1930 fotografiert und damals angeblich der größte Baum der Insel. 2 Port Soller um 1937 – ein stilles Paradies, aber mit einer erstaunlichen, heute verschwundenen Hafenanlage rechts an der Einfahrt. 3 Die „Neue Mole in Palma“, die fast aussieht wie der Jungfernstieg in Hamburg, um 1930. 4 Kathedrale & Almudaina, fotografiert um 1910 am Beginn des Borne.

 

 

 

 

Hier kommt was Interessantes, Mallorca-Sammler!

Die Münze vorne und hinten …
… und Toni, der Korsar aus Mallorca

ES IST EINE SILBRIGE MEDAILLE MIT BUNTEM BILD, geprägt von der königlich-spanischen Münze in Madrid und sie ehrt den berühmtesten Seefahrer aus Mallorca: Antonio Barceló (1717-1797), genannt „Capita Toni“. Das war ein Korsar, also ein staatlich lizensierter (legaler) Pirat, der 19 Jahre lang feindliche oder auch nur lohnende Schiffe kaperte, die eigenen Frachtschiffe schützte und seine Millionen-Beute im Schatzamt zu Madrid ablieferte. Die ihm zu Ehren geprägte Münze zeigt sein Schiff, besteht aus einer Kupfer-Nickel-Mischung, wiegt 15 Gramm und hat einen Durchmesser von 3,3 cm. Der Nominalwert beträgt 1,5 Euro, aber da die Auflage ziemlich limitiert ist, muss man mit 14 Euro rechnen. Bezug: Die Münze wird im Internet angeboten. 

Ein 2,3 Mio. Euro-Auto in Manacor!

Der „Pagani Huayra Roadster“, den’s nur 100 x gibt …
Jorge Lorenzo, der Weltmeister

ES STEHT IN EINER GEHEIMEN GARAGE und gehört dem dreimaligen Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo, 32. Der hat sich gerade vom aktiven Sport zurückgezo- gen und kauft, scheinbar ohne finanzielles Limit, eine Sammlung teuerster Sportwagen zusammen. Neueste Erwerbung: ein „Pagani Huayra Roadster“, den es nur 100 x gibt und der 2,3 Mio. Euro kostet! Dafür hat er 112 Zylinder, 730 PS und eine Top-Geschwindigkeit von 388 km/h. Mehr als 2 Jahre musste Lorenzo auf das Ge- schoss warten, auch weil er unbedingt rote Sitze haben wollte, „die wie guter Wein aussehen.“ Bisher schon in der Sammlung: ein Ferrari „La Ferrari“, ein Mercedes SLS AMG und ein Porsche 91 GT3 RS. Leider wird man die Schätze nicht besichtigen können, aber hören in den Straßen von Manacor – und als Horizontal-Blitz sehen, wenn er die Straße nach Cales de Mallorca unsicher macht …

Weiß jemand, wo ich ein Kanonenrohr bekomme?

Sowas suche ich …

ICH SUCHE DRINGEND EINS, aber auch ein Paar, egal wie der Zustand ist, antik muss es sein, jedenfalls älter als 120 Jahre, keines dieser modernen Stahldinger aus den beiden Weltkriegen. Ohne Lafette und ruhig verrostet und beschädigt. Ich hatte einen Adeligen, der mir zwei Kanonenrohre aus dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) verkaufen wollte, aber er sprang in letzter Sekunde ab (sein Vater war dagegen). Ich bin überzeugt: Es müssen Hunderte herumliegen auf Mallorca, die Privatbesitz sind und völlig nutzlos, nicht mal dekorativ, nur Altmetall. Aber ich suche bisher vergeblich und bin für jeden Tipp dankbar. Was ich damit vorhabe? Das kann ich noch nicht sagen …

 

 

 

Wo sind Norberto Viñas und sein Schatz geblieben?

Ich habe nur dieses eine Foto aus einem alten Zeitungsausschnitt …

ALS ICH DAS LETZTE MAL VON IHM HÖRTE, WAR ER 82, und das war 2007. Ein Rentner in Son Servera, der zwei gewaltige Lagerhallen voller Dinge besaß, mit denen Mallorkiner einst gelebt hatten. Man sagte, der Schatz von Norberto Viñas sei die größte ethnologische Sammlung der Insel. Er besaß alles – Ladenkassen, Friseursalons, Nähmaschinen, Spielzeug, Bilder, Porzellan, Schmiedeeisen, Karren, Waagen mit Gewichten, Körbe usw. Ganze Brunnen fand man bei ihm, alte Schmieden, Oldtimer und Wurstmaschinen. Aber als ich ihn jetzt besuchen wollte, da erinnerte sich kein Mensch mehr an ihn. Nach 12 Jahren, er muss jetzt 94 sein. Weder auf der Gemeinde, noch bei der Polizei kannten sie seinen Namen, und hatten nie von der Sammlung in den Lagerhallen gehört. Ein Jammer, befürchte ich, da hat vermutlich einer den Tod des alten Herren ausgenützt, um den Schatz zu Geld zu machen – stückchen- und scheibchenweise. Eine unwiederbringliche Sammlung und ich hoffe, ich finde sie noch …

Ein Fund mit 7 Siegeln …

Die Rückseite mit den Siegeln …
… und die beraubte Vorderseite

ICH FAND IHN IN EINER GRABBEL- KISTE AUF DEM CONSELL-FLOH- MARKT: Ein Kuvert von 1923, von einer Firma Italo Comercial aus Barcelona an einen gewissen Lorenzo Vidal in Palma geschickt, aus dem jemand vor Jahrzehnten die wertvollen Briefmarken rausgerissen hatte. Ein paar waren noch drauf geblieben, und als ich den Brief umdrehte, starrten mich 7 rote Siegel an! Das waren noch Zeiten, dachte ich, als man Post, die man verschickte, mit seinem persönlichen Siegel in weichem Karmesin-Lack versah – bis der in Gummi geschnittene Stempel diese noble Art auslöschte. Das Kuvert ist eigentlich nix Besonderes, aber für einen Mallorca-Sammler wie ich macht es hübsch was her. Und dass man solche Dinge immer noch findet, wenn man stöbert, sagt viel aus über die kulturelle Qualität der Insel …

Das Fragezeichen um den Maler aus Kopenhagen …

Vigen 4Vigen 3ER HIESS LYKKE VIGEN, lebte von 1927 bis 2009 und kam 1957 nach Mallorca, wo er bis 1965 blieb. In der Zeit besaß er ein Cafe, das sich zum skandinavischen Kulturzentrum entwickelte, und die Galerie „Villa Bibi“, in der er vor allem eigene Bilder ausstellte. Vigen malte, ws ihm vor dem Pinsel kam – Buchten, Häuser, Menschen, Szenen, Landschaften und Gassen. Er hat in der ganzen Welt ausgestellt, auch Hotels eingerichtet (z. B. „New Stanley“ und „Norfolk“ in Nairobi) und verließ Mallorca nach dem Scheitern seiner Ehe. Sein privates Markenzeichen: unter freiem Himmel nie ohne Hut. –Und nun zum Rätsel: Wieso wird der Kunstmarkt nach Vigens Tod mit Dutzenden von Werken überschwemmt, die alle auf der Insel entstanden und so lächerlich billig sind – ab 30 Euro!, dass kaum anzunehmen ist, es handle sich um Originale; aber wenn es Fälschungen sind, so wurden sie exzellent kopiert. Wobei ich einräumen möchte, dass der Däne ja tatsächlich Hunderte von Bildern in diesen acht Jahren geschaffen haben könnte, aber warum sind dann die Signaturen derart unähnlich und wechselt der Malstil nahezu von Leinwand zu Leinwand? Ich habe ein paar seiner Mallorca-Ansichten gekauft und kann das nur zur Nachahmung empfehlen: Ob Original oder Kopie – es sind vom Sujet her absolut passende, für eine mallorkinische Wand gerade ideale Kunstwerke …