Sammeln

Zum Sammeln! Die Barcelo-Flaschen …

Alle mit Etiketten von Miquel Marcelo …
… mit gebrannten Augen …
… und mit Fisch und Teufel

SIE WURDEN ALLE AUSGE- TRUNKEN – und oben auf einem Gläserschrank gesammelt: Diese sechs Weinfla- schen mit den herrlichen Etiketten von Miquel Barceló. Alle unterschiedlich, und die eine – die mit dem Augen- paar auf braunem Packpapier – hat er in Papier gebrannt. Sonst erkennt man seine „Faust“- und „Göttliche Komödie“-Illustrationen wieder, die Teufel, die Monster, die Stiere, und sogar die Fische in seiner Kathedralen-Kapelle. Der Maler aus Felanitx lässt sich also auch in Form von Weinetiketten sammeln, aber der Wirt der Kneipe, in der der Schrank stand, war nicht bereit, sie mir zu überlassen – er weiß, was er da hat!

MI MUSEU: Der Burwitz-Teller

MEIN FREUND NILS IST EINE ART MIDAS, was er anpackt wird zu Gold, aber der Unterschied zum ollen König der Phrygier ist, das er dabei nicht verhungert. Ich sammle von ihm, was ich mir leisten kann, und manchmal geraten auch Geschenke in meinen Besitz. Wie dieser schwere, repräsentative Ramon Llull-Teller von 30 cm Durchmesser, den Burwitz vor ein paar Jahren für eine Vernissage im Hotel „Son Vida Castillo“ geschaffen hat. Er ist eine Hommage an das philosophische Rechengenie aus Mallorca, dem es im 13./14. Jahrhundert auch gelungen war, so etwas wie den ersten Computer zu erdenken. Das Porzellan wurde natürlich nur in einer limitierten Auflage produziert und ich meine, dass es keinen öffentlichen Preis dafür gibt, weil keiner ihn verkaufen möchte.

SE VENDE: Ein Stierkampf-Plakat von 1942

ICH WIEDERHOLE MICH GERN: Jetzt, da Stierkampf der Vergangenheit angehört, wird die Werbung für diese archaische Tradition sammelwürdig – und teuer. So wie dieses Poster von 1942 aus der Plaza de Toros in Palma, das für den Auftritt des damals berühmten Toreros Sacamontes geworben hat. Es ist ein Kuriosum, denn es wird nicht nur eine Corrida angekündigt, sondern auch ein Feuerwerk, und dazu noch die Möglichkeit, Sachpreise zu gewinnen: ein komplettes Schlafzimmer, ein Damenfahrrad, eine Armbanduhr usw. Dieses Kunstwerk auf Papier ist zwar optisch recht schmucklos bis auf zwei kleine Schwarzweißfotos, dafür hat es 1. ein ungewöhnlich attraktives Format mit 90 cm Länge, und ist 2. erstaunlich gut erhalten für seine über 70 Jahre. Da ich mir bewusst bin, wie gesucht diese alten Stierkampf-Plakate sind, möchte ich mindestens 10 Euro dafür haben …

 

 

 

 

 

 

MI MUSEU: Das Blatt von Sebastian Muenster

SEBASTIAN MÜNSTER (*1488 in Ingelheim) WAR FRANZISKANERMÖNCH, wurde Protestant, schrieb 1544 eines der berühmtesten Werke des Mittelalters, seine „Cosmographia“, nachdem er ausgedehnte Reisen unternommen hatte und als einer der ersten Intellektuellen wohl auch auf die Balearen gekommen sein. Zumindest konnte er ein großes Blatt mit solchen Bemerkungen füllen: „Zweien Inseln Maiorica und Minorica (gubt es), die ein besunder königreich machen“ und „In den zweien groesseren inseln Maiorica vn Minorica wechßt ein groß gut von dem besten oel, das man von dannen fuert in Valentz, Flandern vn Italiam.“ 1552 starb Münster an der Pest, da war er Rektor der Universität Basel. Hans Holbein d. J. hat ein Porträt gemalt, sein Bild zierte den alten 100-Mark-Schein. Ich konnte dieses Mallorca-Menorca-Blatt aus dem 16. Jahrhundert im Internet erwerben und heute hängt es, gerahmt, als Schatz über meinem Schreibtisch auf Mallorca.

P. S.: Münsters Darstellung dürfte die früheste Kunde von den Inseln in deutscher Sprache sein …

MI MUSEU: Das Miro-Plakat ohne Jahreszahl

ES IST EIN SELTENES ORIGINAL, stammt wahrscheinlich von 1982 und der unvergessene Don Antonio vom „Bazar El Libro“ an der Placa Eulalia in Palma hat es mir vor nahezu 30 Jahren (also fast zeitgleich) besorgt. Es ist ein Riesending, um die 160 x 90 cm groß, erstklassig erhalten und es wirbt für eine der ersten Ausstellungen von Joan Miro nach dem Tode seines Feindes Franco (1975) in Sa Llotja, die nur 16 Tage dauerte. Mich interessierte dieses Werk besonders, da das Sújet nahezu gegenständlich aussieht, wie eine Ameise oder ein Alien, vielleicht ist es sogar als Selbstporträt gedacht. Ich denke, ich habe damals in den 80er-Jahren umgerechnet rund 20 Euro dafür bezahlt – und der Preis dürfte sich inzwischen mindestens verzehnfacht haben …

 

 

SE VENDE: Der antike Ascher der Bar Bosch …

DAS LEGENDÄRE ETABLISSEMENT IN PALMA GIBT ES SEIT MITTE DER 30er-JAHRE, und aus den 40er-Jahren muss dieser in seiner Schlichtheit faszinierende Aschenbecher stammen. Eine braun-irdene Schale, mit weißen Buchstaben beschriftet, hat zwei Henkel und sogar eine Zigaretten-Ablage und man erkennt noch die uralte, längst nicht mehr gültige Adresse Plaza Pia XII. Ich konnte das gute Stück vor ein paar Jahren auf dem Flohmarkt in Consell kaufen, nun hat es ausgedient und ich möchte 8 Euro dafür haben.

 

 

 

SE VENDE: Ein „Asche-Blatt“ von der Armee …

„MILI“ NENNEN SIE ES, das Militär. Das führt ein abgekapseltes Eigenleben auf Mallorca, ist nebenbei größter Grundbesitzer nach dem Adel – und ab und zu trifft man hübsche Sachen, die sie für sich selber herstellen lassen. Wie diesen handtellergroßen Porzellan-Aschenbecher in Form eines Ahornblattes, der aus dem „Centro Deportivo Militär“ in Palma stammt und auf jedem Finca-Tisch hübsch aussieht. Ich habe ihn vor ein paar Jahren auf einem Insel-Flohmarkt gefunden, ihn – da ich nicht rauche – mit Nüssen bestückt und nun reicht’s, ich verkaufe ihn und 3 Euro scheint mir nicht zu teuer zu sein …

Doch, es gab ein paar Mallorca-Briefmarken …

Der dekorative Brief von 1939 …
… und die Mallorca-Marke

NICHT SO GANZ ECHTE, aber Zusatzmarken für die Wohltätigkeit, Reklamemarken für den Tourismus, im Bürgerkrieg eine Menge Propaganda und natürlich existieren eine Menge Mallorca-Motive bei den neueren Ausgaben der spanischen Post. Hier zeige ich einen Brief von 1939, abgeschickt in Palma und adressiert nach Zürich – und in der Mitte klebt die dunkelblaue 10 Cents-Marke aus Mallorca, gewidmet dem Kampf gegen Paro (die Arbeitslosigkeit). Ein schöner postalischer Beleg, und insgesamt, denke ich mal, könnte man rund 50 Marken zusammenbringen, auf denen das Wort MALLORCA und ein Preis stehen, die gezähnt und gummiert sind und gestempelt werden, wenn sie auf einem Brief kleben. Hiermit habe ich eine der mir am häufigsten gestellten Frage beantwortet … 

 

 

 

MI MUSEU Diesmal: Ein Modernismo-Katalog …

Hier geht es um schmiedeeiserne  Kandelaber …
… und hier um Eingangstore

ICH HABE MIR EINE PRIVATE KUNSTSAMM- LUNG ZUGELEGT, und jede Woche werde ich (solange der Bestand reicht), ein Stück vorstellen. Um Mut zu machen, denn es werden z. B. Hunderte von Mallorca-Gemälden von Malern aus mindestens 20 Ländern angeboten: Zeitgenossen und Alte Meister, Abscheuliche und Großartige, Kleine und Große. Aber ich kaufe nach einer strengen Regel: Kein Kunstwerk darf mehr als 100 Euro kosten und alle müssen ein Insel-Sujet zeigen! Das beherzige ich seit rund 20 Jahren und habe eine Sammlung von fast 200 Exemplaren zusammengebracht, meist Öl auf Leinwand, von Malern aus Deutschland, Spanien, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Irland u.v.a.. Jeder kann so eine Kollektion formen, die Preise haben zwar  seit 2010 gewaltig angezogen, aber man findet immer noch Schnäppchen, man muss nur suchen im Internet und auf Flohmärkten. Diesmal zeige ich: Zwei Blätter aus dem Katalog einer Bau- und Inneneinrichterfirma in Palma, die sich auf die mallorkinische Jugendstil-Variante „Modernismo“ spezialisiert hatte. Er wurde um 1900 gedruckt und enthält eine Lose-Blatt-Sammlung von fast 300 Seiten, auf denen auf faszinierende Art all das dargestellt ist, was für die neue Kunstrichtung benötigt wurde – von der Tischlampe bis zur gekachelten Fassade, vom Fensterrahmen bis zum Waschbecken. Ich habe das komplette Konvolut in verstaubtem Zustand bei einem Antiquar an der Placa Eulalia in Palma entdeckt und 1985 für 2000 Peseten, das waren etwa 24 Mark, erworben. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kuehlschrank-Magneten? Eine Kunstform …

Drei besonders schöne Beispiele …

ICH HABE ERST LERNEN MÜSSEN, dass man solche Dinger sammeln kann, und dass es Tausende tun: bunte Bildchen auf Magneten, die man an die kahlen weißen oder silbernen Flächen der Kühlschrank- türen pappt. Die können aus so ziemlich jedem Material sein (Plastik, Metall, sogar Holz) und ich kenne eine Lady, die aus jedem der Orte, wo sie war, so einen Magneten als Reisesouvenir mitbringt. Auf Mallorca, so habe ich entdeckt, hat man die Magneten vor allem in den 40er-, 50er- und 60er-Jahren zur eigenen Kunstform entwickelt, indem vor allem berühmte Plakate und Bilder aus Werbebroschüren verkleinert (meist im Format 8 x 6 cm), auf haltbare Unterlagen gedruckt (das sieht wie Email aus) und hinten mit einem magnetisierten Metallstück versehen wurden. Aber jeder Souvenirladen von Sant Elm bis Formentor verkauft moderne Versionen zuhauf, denn das Sammeln ist weiterhin populär. Ich zeige hier drei besonders schöne, ziemlich frühe Beispiele aus meiner Sammlung – von der Schuhfabrik Puma in Palma, dem Feinkostladen Gabriel Castell in Llucmajor und der Eisenbahn- und Schifffahrtsgesellschaft P. L. M. Übrigens: Wer das Bepappen des Kühlschranks doof findet (ich eigentlich …), der kann die schmucken Dinger auch unter Glas rahmen lassen, um sie an die Fincawand zu hängen. Macht sich gut … – und wo findet man die schönen alten Magneten? Auf den Flohmärkten …