Sammeln

Vom Reiz (ur)alter Postkarten …

… UND ZWAR SO EINER WIE DIESE HIER! Der Hafen von Porto Pi in Palma, fotografiert um 1900. Es ist faszinierend, das ursprüngliche Mallorca zu sehen – und zu begreifen. Wie es sich verändert hat, und wie nicht. Diese über 100 Jahre alten Postkarten werden immer wieder angeboten (zu Dutzenden auf den Flohmärkten) und die Preise haben sich eingependelt zwischen 1 und 5 Euro, je nachdem ob sie original frankiert und „echt gelaufen“ sind, in Farbe oder schwarzweiß, heute noch attraktive Objekte zeigen und auf Stichen (solche können viel teurer sein!) oder Fotos basieren. Meine Postkarte hier stammt vom Rastro in Santanyi und hat 3 Euro gekostet. Tipp: Wenn man kauft, sollte man sich auf die über 100 Jahre alten Karten konzentrieren, spätestens ab 1920 ist so ziemlich alles Mist. Übrigens: Um 1900 schickten fast alle Hersteller ihre Fotos oder Grafiken nach Leipzig, dort wurden sie zu Postkarten gestaltet und zum Verkauf wieder auf die Insel gebracht! Fazit: Solche Postkarten, gerahmt an der Wand, sind ein klassisch schöner Schmuck, der von Kultur zeugt …

Es werden gerade die Atlanten geplündert …

… DENN ICH BEOBACHTE EINE SCHWEMME AN MALLORCA-LANDKARTEN! In den Antiquariaten, auf den Flohmärkten und im Internet tauchen zur Zeit Hunderte von Geographica auf, das früheste Blatt, das ich entdeckte, stammte von 1835. Ich rede jetzt nicht von den kostbaren See- und Landkarten des Mittelalters, die Tausende kosten, sondern von Kartenwerken der Neuzeit, die so lächerlich billig angeboten werden, dass einem jeder zerstörte Atlas leid tut. Wie die Balearen-Karte, die ich hier präsentiere, aus einem britischen Atlas von 1912: etwa 30 x 20 cm groß, handkoloriert und für 50 Euro zu haben. Es gibt jedoch noch ältere Exemplare für 5 Euro! Tatsächlich sehen diese alten Landkarten gerahmt fabelhaft aus im Salon, das hat Stil und Kultur, und ist in jedem Fall besser als einer der ach so beliebten Kunstdrucke …

Was für Briefmarkensammler …

AUCH DAS SAMMELGEBIET MALLORCA/BALEAREN hat einiges zu bieten und immer wieder tauchen aus den Tiefen der Post-Historie Stücke auf, vor allem aus dem Bürgerkrieg, die richtig ins Geld gehen. So wie dieses Kuvert mit seiner merkwürdigen Geschichte bzw. Frankatur, und mir bleibt als Laie nichts Anderes übrig, als den (redigierten) Text des Anbieters zu zitieren: „Mallorca-Vordruckkuvert eingeschrieben, frankiert mit der sogenannten IBIZA-Überdruckmarke, 1940 von Mallorca nach Krefeld mit spanischer und deutscher Zensur, sehr selten! Bei der IBIZA-Marke handelt es sich um eine schwarze Pro Paro-Marke mit rotem Eindruck „5 cts pro paro“ und dem Aufdruck: „29-V-1937 Deutschland 29-V-1938“. Dieser erfolgte angeblich auf Veranlassung des Bürgermeisters von Ibiza in einer Auflage von nur 600 Stück! Anlass: 1. Jahrestag des Bombenangriffs eines spanisch-republikanischen Flugzeugs auf das deutsche Panzerschiff Deutschland (144 Besatzungsmitglieder starben)! Da die Marke nicht normal nach Deutschland gesandt werden konnte – die deutsche Zensur hätte diese Propagandamarke beschlagnahmt – wurde sie unauffällig auf einem Kuvert mit anderen spanischen Marken versandt und durchlief sämtliche Zensuren (rückseitig deutscher Zensurstreifen und Stempel).“ Das Kuvert soll den Festpreis 1439,99 Euro kosten (komischer Betrag!) und ist auf Ebay zu finden, wenn man Mallorca Vordruckkuvert eingeschrieben anklickt …

Eine Schatz aus Sa Pobla …

… DER 39 US-DOLLAR KOSTEN SOLL! Das sind etwa 35 Euro. Es ist eine Briefkarte von 1941, die ein Mallorkiner aus Sa Pobla nach Ypres in Belgien geschickt hat. Interessant frankiert und gestem-pelt (sogar mit einem blauen Zensurstempel der Militärbehörde auf Mallorca), und auf der linken Sei- te hat einer einen großen lila-blauen Stempel gesetzt mit Reichsadler und (fast verdecktem) Hakenkreuz: „Geprüft – Oberkommando der Wehrmacht“ steht da. Also eine zweite Militär-Zensur, weil Belgien seit Mai 1940 von deutschen Truppen besetzt war und jede Postsendung geprüft wurde auf Spionagever- dacht, Geheimnisverrat und Aufmüpfigkeit. Für einen deutschen Philatelisten auf der Insel ist das ein Prachtstück – und deshalb habe ich die Karte aus dem Ebay-Angebot rausgeholt …

Der Stierkampf als Kunstwerk …

… EXISTIERT IN EINIGEN SEINER PLAKATE, und die sind wirklich großartig. Man betrachte sich nur mal die- ses Corrida-Plakat vom 17. August 1913. Geschaffen vor über 100 Jahren für einen Stierkampf in der Arena von Palma. Als Vorlage dienten die Grafiken eines da- mals sicher bekannten Malers und der barocke Schwung des „Modernismo“, das spani- schen Jugendstils, ist noch zu spüren. Das Plakat misst nur etwa 40 x 20 cm und ist vom Alter ausgefranst. Ein Picador ist zu sehen, die Lanze im Stiernacken, auf einem damals noch unge- schützten Pferd; weiter oben ein Hirte mit Jungstieren auf einer andalusischen Weide. Es handelt sich um eine dauerhaft verwendbare Ereignis-Vorlage, in die man ak- tuelle Termine, Orte und Teilnehmer schwarz eindrucken konnte, von Cadiz bis San Sebastian und hier eben Palm de Mallorca. Ein Schatz, finde ich, der die Erinnerung an die uralte Tradition des Stierkampfes ins Unendliche ver- längern wird …

 

 

 

… und hier flippen einige Rentner aus!


NEULICH BIN ICH EINEM RENTNER IN DIE HÄNDE GEFALLEN,
der mir seine Sammlung zeigen wollte. Da bin ich immer hellwach, aber in diesem Fall stimmte das „in die Hände gefallen“. Denn der alte Knabe, wohn- haft in Santa Ponca, sammel- te nackte Frauen auf Mallorca. Als FKK-Hef- te (sowas gibt’s), Touristen-Postkar- ten, Original- fotos und DVDs. „Schönheiten auf unserer schönen Insel“, schwärmte er – und besaß Hunderte! Aufregend fand ich die Sammlung nur, wenn sich die Nackedeis vor 1975 getummelt hatten, als Franco noch lebte und man für öff- entliches Unbekleidetsein ins Gefängnis kommen konnte. Aber das wusste der Sammler gar nicht, er starrte einfach nur auf die nackte Haut und vor allem dar- auf, wo die Haut nicht nackt war, wenn auch unverhüllt, und ich verabschiedete mich schnell. „Kommen Sie doch mal zu unseren Treffen“, rief er mir hinterher, und da ergriff mich Schaudern: Die sammelnden Voyeure sind auch noch so eine Art Klub! Es ist schon erstaunlich, was dieser schöne Felsen im westlichen Mittelmeer alles aushalten muss! Aber damit man sich überhaupt vorstellen kann, was die Greise heiß macht, zeige ich hier ein paar ihrer Objekte der Begierde …

Verachtet die Aschenbecher nicht!

ES SIND FEINE SOUVENIRS – und so viel attraktiver als die teuersten Designerstücke! Natürlich muss man sie immer noch meist klauen, aber die hübschesten alten Aschenbecher gibt es längst reihenweise auf den Flohmärkten. Auch wenn die Preise impertinent angezogen haben, man bekommt das von Hand bunt dekorierte Hotel-Porzellan schon ab 1 Euro, und nimmt man einen ganzen Schwang, fallen die Kosten in die Cent-Region. Ich zeige hier 5 Exemplare als Palma und Capdepera, jüngst erworben auf dem Consell-Rastro, und auch wenn Ascher überflüssig erscheinen, weil kaum einer noch raucht, so lassen sie sich dekorativ als Oliven- oder Zitronen-Schälchen und Zahnstocher-Ablage verwenden. Denn man sollte nie vergessen: Das Leben auf der Finca schreit nach Authentizität …

Ich mach‘ mir ja sonst nichts aus Postkarten …

Nr. 1
Nr. 4
Nr. 2
Nr. 3

… ABER ENTDECKE DANN DOCH IMMER WIEDER EINIGE, die mich ins Grübeln bringen. Die kauf‘ ich dann, und der Grund ist der optische Beweis, wie gewaltig sich Mallorca verändert hat, und einiges fast noch unter meinen Augen & Füßen. Ich zitiere als Beispiele nur mal diese alten Postkarten aus meiner Sammlung: 1 Die berühmte Kiefer an der Straße nach Deia, 1930 fotografiert und damals angeblich der größte Baum der Insel. 2 Port Soller um 1937 – ein stilles Paradies, aber mit einer erstaunlichen, heute verschwundenen Hafenanlage rechts an der Einfahrt. 3 Die „Neue Mole in Palma“, die fast aussieht wie der Jungfernstieg in Hamburg, um 1930. 4 Kathedrale & Almudaina, fotografiert um 1910 am Beginn des Borne.

 

 

 

 

Hier kommt was Interessantes, Mallorca-Sammler!

Die Münze vorne und hinten …
… und Toni, der Korsar aus Mallorca

ES IST EINE SILBRIGE MEDAILLE MIT BUNTEM BILD, geprägt von der königlich-spanischen Münze in Madrid und sie ehrt den berühmtesten Seefahrer aus Mallorca: Antonio Barceló (1717-1797), genannt „Capita Toni“. Das war ein Korsar, also ein staatlich lizensierter (legaler) Pirat, der 19 Jahre lang feindliche oder auch nur lohnende Schiffe kaperte, die eigenen Frachtschiffe schützte und seine Millionen-Beute im Schatzamt zu Madrid ablieferte. Die ihm zu Ehren geprägte Münze zeigt sein Schiff, besteht aus einer Kupfer-Nickel-Mischung, wiegt 15 Gramm und hat einen Durchmesser von 3,3 cm. Der Nominalwert beträgt 1,5 Euro, aber da die Auflage ziemlich limitiert ist, muss man mit 14 Euro rechnen. Bezug: Die Münze wird im Internet angeboten. 

Ein 2,3 Mio. Euro-Auto in Manacor!

Der „Pagani Huayra Roadster“, den’s nur 100 x gibt …
Jorge Lorenzo, der Weltmeister

ES STEHT IN EINER GEHEIMEN GARAGE und gehört dem dreimaligen Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo, 32. Der hat sich gerade vom aktiven Sport zurückgezo- gen und kauft, scheinbar ohne finanzielles Limit, eine Sammlung teuerster Sportwagen zusammen. Neueste Erwerbung: ein „Pagani Huayra Roadster“, den es nur 100 x gibt und der 2,3 Mio. Euro kostet! Dafür hat er 112 Zylinder, 730 PS und eine Top-Geschwindigkeit von 388 km/h. Mehr als 2 Jahre musste Lorenzo auf das Ge- schoss warten, auch weil er unbedingt rote Sitze haben wollte, „die wie guter Wein aussehen.“ Bisher schon in der Sammlung: ein Ferrari „La Ferrari“, ein Mercedes SLS AMG und ein Porsche 91 GT3 RS. Leider wird man die Schätze nicht besichtigen können, aber hören in den Straßen von Manacor – und als Horizontal-Blitz sehen, wenn er die Straße nach Cales de Mallorca unsicher macht …