Schiffe

Endlich kann man mal hinter die Kulissen schauen …

                                                    Pickepackevoll – so sieht’s aus in Puerto Portals …

… DENN UM DIE PREISE FÜR LIEGEPLÄTZE machen die Yacht-Besitzer ein noch größeres Geschiss als um ihre Betriebskosten! Wieviel bezahlt man denn nun für die nasse Parkerei in den Häfen? Jaaa, sagen sie, das ist sehr unterschiedlich zwischen Port Andratx und Port de Pollenca, und dann käme es auch noch darauf an, wie weit draußen sich der Liegeplatz befindet. Da entdeckte ich eine Kleinanzeige: Ein Skipper bot sowas in Puerto Portals an, 8 x 3 m klein, Laufzeit bis 2031, „in guter Lage am Pantalan 7“ (was auch immer das sein mag)Preis: 45 000 Euro! Ich habe kein Schiff und kann deshalb nicht beurteilen, ob das ein anständiges Angebot ist, und was für „Overhead-Kosten“ dazu kommen. Aber zumindest erlaubt die Anzeige, der für uns Normalsterbliche verschlossenen Boat-Society mal unter den Rock zu gucken …

Sehr geehrter Herr Prof. Schönherr …

SIE HABEN RECHT IN IHREM BUCH „MODERNES MALLORCA“ – Kreuzfahrtschiffe der Nazi-Flotte „Kraft durch Freude“ haben nie in Palma angelegt! Albert Vigolais Thelen hat sich geirrt oder Propaganda betrieben (so wie einige andere Emigranten auch). Sie haben zwar deutsche Schiffe gesehen, aber keins von „KdF“ mit strammen Parteigenossen an Bord. Denn ich habe die Fahrpläne und Routen der braunen Dampfer durchforstet, und da war klar: Sie liefen zwar Spanien an, sogar Barcelona, aber nicht Mallorca. Ich hatte den Zeitzeugen eher geglaubt als dem zeitgenössischen Historiker, das war ein Fehler. Aber mit einigen Thesen Ihres sündhaft teuren Buches bin ich weiterhin nicht einverstanden, habe es aber nicht selbst gelesen, sondern nur die Rezensionen und Ihre Interviews. Denn den Preis von 69 Euro halte ich für leserfeindlich …

Schippern in 4 Tagen? Ich glaub’s einfach nicht …

Das ist die Kleinanzeige …

ICH VERSTEHE ZU WENIG VON DER CHRISTLICHEN SEEFAHRT, um mir ein endgültiges Urteil erlauben zu können, aber ich weiß, dass der Verkehr auf dem Meer eine verdammt komplizierte Sache ist! Und wenn dann jemand per Kleinanzeige (trotz Corona-Quarantäne übrigens) einen „Sportbootführerschein See International“ nach nur 4 Tagen Kurs anbietet, kommen bei mir Zweifel auf – selbst wenn 12 Stunden am Tag geschult würde und eine „Prüfungsabnahme durch Deutschen Motoryacht Verband“ erfolgt. 780 Euro soll’s kosten, dazu Spesen für Lehrmaterial (Preis leider nicht genannt) und Prüfungsgebühr (auch anonym). Das müssen Genies sein, die so etwas schaffen, als Lehrer sowie als Schüler, und wenn nicht gerade Virus-Krise wäre, würde ich mich spaßeshalber anmelden, Telefonnummer, Email-Adresse und Website sind ja genannt.

Zum Shoppen segeln …

Ich war mal ein altes Segel …

DAS IST DIE IDEE VON URSULA PIBER: Aus Windstoff von den Booten neue Taschen zu machen! Deshalb hat sie eine Kleinanzeige aufgegeben: „Hast Du alte Segel? Wir recyceln Segel zu wunderschönen Taschen.“ Ich habe sie angerufen (die Nummer steht in der Anzeige: 610 / 217210) und mit ihr geredet. Eine nette Deutsche, seit 20 Jahren auf der Insel, und sie hat ein großzügiges Angebot: Wer ihr ein ganzes Segel gibt (sie holt das auch ab), bekommt eine Tasche nach Wahl! Dann habe ich sie gebeten, mir ein Foto zu schicken, was sie tat – und das ist das, was hier zu sehen ist: Sieht doch hübsch aus und vor allem strapazierfähig! Ach ja, eine Email-Adresse hat sie auch noch: ursula@piberstyling.net

Wer sich für Schiffe interessiert …

… WIRD BEIM „MAJORCA DAILY BULLETIN“ BESSER BEDIENT! Das ist die englischsprachige Inselzeitung, sie kostet 1.20 Euro und liefert auf einer ganzen Seite die Detaildaten aller einlaufenden Kreuzfahrer, meist mit Foto: Baukosten, Baujahr, Länge, Passagiere, Crew, Besitzer, Uhrzeiten usw. Da kann man herrlich schmökern, vor allem das Mengenverhältnis von Mannschaft zu Passagieren vergleichen – und auf der Terrasse oder dem Balkon sitzend, die vorbeiziehenden Dampfer identifizieren. Die Briten sind eben immer noch eine seefahrende Nation …

Schiff ahoi! Besen gehisst …

Eine Seefahrt, die ist (auch auf Mallorca) lustig …

EIN KLEINES NAUTISCHES STILLLEBEN, KANN RUHIG AUCH MAL SEIN! Entdeckt habe ich es im Hafen von Portocristo: Da hat ein ein sehr reinlicher Kapitän, so wirkt es, seine kleine Yacht an der Mole vertäut und nach getaner Arbeit seine drei Besen am Mast aufgepflanzt. Dekoriert mit der spanischen Flagge und zwei Balearen-Wimpeln. Ein Besen ist ein Feudel und die beiden anderen dienen wohl, so unterschiedlich wie sie sind, dem trockenen und nassen Putzen. wenn der Capitano ausläuft, wird er seine Escobillas sicher unter Deck verstauen, nehme ich an, denn sonst wäre ihm der Spott der anderen Boatpeople gewiss!

 

 

 

 

Alle loben dieses Schiff

So sieht die neue Fähre von Südfrankreich nach Alcudia aus …

ES IST DIE VON TOULON NACH ALCUDIA. Sie sei fast genauso schnell wie die von Barcelona nach Palma und wesentlich angenehmer, weil es viel mehr Kabinenauswahl gebe. Sie verfüge über 4 ausgezeichnete und preiswerte Restaurants, man könne seinen Hunde überall mitnehmen, die Mannschaft sei von ausgesuchter Höflichkeit, und das Beste: Sie sei mit rund 190 Euro (für eine Strecke) auch noch wesentlich billiger! Franzosen betreiben den Fährverkehr, mit dem man um 19 Uhr in Toulon startet und um 6 Uhr in Alcudia ankommt. Ein Freund sagte sogar: „Du wirst direkt von der Autobahn problemlos zum Schiff geführt – jetzt erinnere Dich mal an das Tohuwabohu im Hafen von Barcelona!“ Ich hab‘ die neue Verbindung noch nicht ausprobiert, weil ich ein Auto auf der Insel habe. Aber ich verlass‘ mich auf die Meinung erfahrener Reisender, deren positive Stimmen sich auffallend mehren. Es scheint, dass sich die Spanier warm anziehen müssen …

Gucken im Port von Portocolom!

Ein moderner Wikinger hat an der Mole festgemacht …

DA LIEGT* DER NORWEGISCHE ZWEIMASTER „TOFTEVAAG“, 1910 gebaut auf der Insel Halsnöy im Hardanger Fjord. Eigentlich diente er dem Fischfang und war ein Frachter, 1989 wurde er restauriert und so (unsichtbar) umgebaut, dass es fortan für wissenschaftliche Expeditionen geeignet war. Ein sehenswertes Schiff mit einem freundlichen Wikinger an Bord, und wer noch nie einen über 100 Jahre alten Windjammer gesehen hat, kann hier an der Portocolom-Mole ganz nah rantreten – und vielleicht sogar an Bord gehen. In jedem Fall ein Ausflug mit einem lohenden Ziel für große und kleine Seebären, die sich eine romantische Ader erhalten haben …

* Es ist unklar, wie lange die „Toftevaag“ im Hafen bleibt, sicher noch ein paar Tage, wenn nicht Wochen. Dann fährt sie auf Expedition rund um Cabrera

Neuigkeiten aus dem Hafen von Portocolom

Die Mole jetzt (l.) und die geplante Mole …

ER SOLL EINE NEUE MOLE BEKOMMEN, 15 bis 20 m bauen sie an. Die alte, gegenüber der hübschen Altstadt, ist zu klein geworden und mit einer langen Mole kann man mehr Geld verdienen. Noch ist alles in der Planung, es könnte sogar bis 2023 dauern, aber die Pläne liegen vor, wie man sieht, und Platz ist genügend vorhanden. Wen interessiert’s? Die Boatpeople, die nautischen Ausflügler und die Spaziergänger – sie können dann viel weiter ins Meer vordringen!

Ein bisschen nutzlose Nostalgie …

Der Roman als Taschenbuch

SOWAS IST DOCH AUCH MAL HÜBSCH! Da entdeckte ich einen Prospekt aus dem Jahr 1889, in dem Portocristo und Portocolom (die damals beide zu Manacor gehörten, und Portocolom noch mit -n geschrieben) noch bedeutende Häfen der internationalen Dampfschifffahrt waren. Wöchentlich verkehrten die „Hernestina“ und die „Victoria“ zwischen den beiden Insel-Orten und der südfranzösischen Stadt Sete („Cette“ oder „Seta“ genannt) und legten auf ihrer Route in Palma und Barcelona an. Kurios? Ja, denn keiner weiß das mehr, und Dampfschiffe laufen auf Mallorca heute nur noch Palma und Alcudia an (in Gestalt von Kreuzfahrern, Fähren und Frachtern). Die Verbindung scheint damals jedoch so populär gewesen zu sein, dass der berühmte Schriftsteller Jules Verne seine Helden in „Clovis Dardentor“, dem einzigen seiner Romane, der auf Mallorca spielt, in Sete an Bord gehen lässt für die Fahrt nach Palma! Übrigens ein Buch, das in keiner Finca-Bibliothek fehlen sollte, zudem ist es witzig mit Stichen illustriert …