Schöne alte Dinge

Vom Reiz (ur)alter Postkarten …

… UND ZWAR SO EINER WIE DIESE HIER! Der Hafen von Porto Pi in Palma, fotografiert um 1900. Es ist faszinierend, das ursprüngliche Mallorca zu sehen – und zu begreifen. Wie es sich verändert hat, und wie nicht. Diese über 100 Jahre alten Postkarten werden immer wieder angeboten (zu Dutzenden auf den Flohmärkten) und die Preise haben sich eingependelt zwischen 1 und 5 Euro, je nachdem ob sie original frankiert und „echt gelaufen“ sind, in Farbe oder schwarzweiß, heute noch attraktive Objekte zeigen und auf Stichen (solche können viel teurer sein!) oder Fotos basieren. Meine Postkarte hier stammt vom Rastro in Santanyi und hat 3 Euro gekostet. Tipp: Wenn man kauft, sollte man sich auf die über 100 Jahre alten Karten konzentrieren, spätestens ab 1920 ist so ziemlich alles Mist. Übrigens: Um 1900 schickten fast alle Hersteller ihre Fotos oder Grafiken nach Leipzig, dort wurden sie zu Postkarten gestaltet und zum Verkauf wieder auf die Insel gebracht! Fazit: Solche Postkarten, gerahmt an der Wand, sind ein klassisch schöner Schmuck, der von Kultur zeugt …

Eine reizende Dame mit einem entzückenden Puppenhaus …

 

 

Köstliches Detail: Oma steht in der Küche am Waschzuber (auf der 2. Etage links) …

ICH HABE MIT IHR TELEFO- NIERT, nachdem ich diese Anzeige gesehen habe. Ich erbat Fotos und sie hat sie mir gemailt. Ihr Mann hat dieses einzigar- tige Puppenhaus vor Jahren liebevoll und maßstabsgerecht selbst gebastelt – und vom Parterre bis in die Dachstube einge- richtet, samt den Bewohnern in niedlicher Kleidung, einem Treppenhaus und mit einer Kondito- rei und einer Apotheke im Parterre. 200 x 80 x 40 cm ist ein gewaltiges Format, rund 2000 Euro hat er reingesteckt und danach richtet sich auch der Preis, um den ein gewisses Geheimnis gemacht wird. Aber eigentlich ist kein Preis zu hoch für diese Kostbarkeit, die von musealer Qualität ist, denn seit den legendären englischen Puppenhäusern aus viktorianischer Zeit habe ich so etwas nicht gesehen. Man beachte nur mal, dass es im Zimmer links auf der obersten Etage sogar ein barockes Deckenfresko gibt, und wenn die Standuhren gehen und Wasser aus der Dusche strömt, würde mich das auch nicht wundern! Dieser Schatz, von dem selbst große Mädchen träumen, befindet sich übrigens im Pla-Städtchen Sineu und Interessenten mögen die Handynummer anrufen, die gut lesbar oben in der Anzeige steht …

Es werden gerade die Atlanten geplündert …

… DENN ICH BEOBACHTE EINE SCHWEMME AN MALLORCA-LANDKARTEN! In den Antiquariaten, auf den Flohmärkten und im Internet tauchen zur Zeit Hunderte von Geographica auf, das früheste Blatt, das ich entdeckte, stammte von 1835. Ich rede jetzt nicht von den kostbaren See- und Landkarten des Mittelalters, die Tausende kosten, sondern von Kartenwerken der Neuzeit, die so lächerlich billig angeboten werden, dass einem jeder zerstörte Atlas leid tut. Wie die Balearen-Karte, die ich hier präsentiere, aus einem britischen Atlas von 1912: etwa 30 x 20 cm groß, handkoloriert und für 50 Euro zu haben. Es gibt jedoch noch ältere Exemplare für 5 Euro! Tatsächlich sehen diese alten Landkarten gerahmt fabelhaft aus im Salon, das hat Stil und Kultur, und ist in jedem Fall besser als einer der ach so beliebten Kunstdrucke …

Was für Briefmarkensammler …

AUCH DAS SAMMELGEBIET MALLORCA/BALEAREN hat einiges zu bieten und immer wieder tauchen aus den Tiefen der Post-Historie Stücke auf, vor allem aus dem Bürgerkrieg, die richtig ins Geld gehen. So wie dieses Kuvert mit seiner merkwürdigen Geschichte bzw. Frankatur, und mir bleibt als Laie nichts Anderes übrig, als den (redigierten) Text des Anbieters zu zitieren: „Mallorca-Vordruckkuvert eingeschrieben, frankiert mit der sogenannten IBIZA-Überdruckmarke, 1940 von Mallorca nach Krefeld mit spanischer und deutscher Zensur, sehr selten! Bei der IBIZA-Marke handelt es sich um eine schwarze Pro Paro-Marke mit rotem Eindruck „5 cts pro paro“ und dem Aufdruck: „29-V-1937 Deutschland 29-V-1938“. Dieser erfolgte angeblich auf Veranlassung des Bürgermeisters von Ibiza in einer Auflage von nur 600 Stück! Anlass: 1. Jahrestag des Bombenangriffs eines spanisch-republikanischen Flugzeugs auf das deutsche Panzerschiff Deutschland (144 Besatzungsmitglieder starben)! Da die Marke nicht normal nach Deutschland gesandt werden konnte – die deutsche Zensur hätte diese Propagandamarke beschlagnahmt – wurde sie unauffällig auf einem Kuvert mit anderen spanischen Marken versandt und durchlief sämtliche Zensuren (rückseitig deutscher Zensurstreifen und Stempel).“ Das Kuvert soll den Festpreis 1439,99 Euro kosten (komischer Betrag!) und ist auf Ebay zu finden, wenn man Mallorca Vordruckkuvert eingeschrieben anklickt …

Ein Stück Rom gefällig …

… IN USA WIRD DIE- SES HERR- LICHE DREI- ECK GERADE ANGEBOTEN, ein Teil aus einem über 2000 Jahre alten Fries, das von einem Bauern aus dem Boden bei Alcudia (dem römischem Pollentia) gepflügt wurde. Es misst 19,6 x 8,2 x 5 cm, wurde aus Kalkstein gemeißelt, soll aus dem Jahr 60 v. Chr. stammen und kostet mit Porto mindestens 130 US-Dollar. Um es überhaupt anbieten zu können, ist dem Besitzer eine hübsche Legende eingefallen: Die Bauernfamilie wanderte angeblich um 1900 von Alcudia nach Florida aus, nahm ihre Raritäten mit, verkaufte einiges in den USA – und so kann ein Mensch aus Erie (Bundesstaat Colorado) diese Rarität im Internet offerieren. Wer’s glaubt wird selig, und natürlich könnte die römische Skulptur auch eine Kopie sein, aber hübsch ist sie ja …

Was für ein entzückender Fund …

DIE SCHATZKISTE MALLORCA IST SCHIER BODENLOS, denn immer wieder entdeckt man etwas – meist Unerwartetes! Wie diese reizende Postkarte aus dem Jahre 1910. Da entwickelte sich der Tourismus ganz zart, das Fomento war gerade gegründet und das neue „Grand Hotel“ in Palma be- warb seine Zimmer mit Bädern. Und da schuf jemand diesen quasi-hand- schriftlichen Gruß von der Insel für die Englisch sprechenden Travellers – mit einem Vergissmeinnicht-Strauß und Ara- besken in Gold. Ich habe die Postkarte im Internet entdeckt und für 5.54 Euro gekauft. Das ist nicht billig, aber für eine 110 Jahre alte Vergänglichkeit aus Papier? Und wissen Sie was? Da sie unge- braucht ist, werde ich sie an eine liebe Person verschicken …

Ein Museum, das noch fehlte …

ES IST DEN KORKENZIE- HERN GEWIDMET, was ja passt zur Weininsel Mallorca. Die Künstlerin und Ex-Winzerin Hanne Holze hat es am 19. August mit dem gemeinsamen Freund Friedrich „The Wüterich“ Panizza eröffnet. Ort: Vilafranca, c/. Bonany, 7. Es wird nicht ständig zu besichtigen sein, sondern sie zeigen die Kollektion mit über 150 z. T. Jahrhunderte alten Exemplaren immer mitt- wochs, wenn Markttag ist in Vilafranca. Als Friedrich mich einlud zur Vernissage, sprach er vom „ersten und einzigen Korkenziehermuseum“ der Insel, aber da erlaube ich mir einen Einwand: Ich habe z. B. im Privatmuseum, das in einem Wehrhof an der Straße von Portcolom nach Portocristo liegt, eine Sammlung von über 100 Korkenziehern gesehen – aber um sie anzuschauen, muss man die Telefonnummer erforschen, anrufen und um einen Termin bitten. Da hat man’s bei Hanne & Friedrich in Vilafranca einfacher – und ich bin grundsätzlich dankbar für jedes neue Museum auf Mallorca. Womit ihre Zahl, nach meiner privaten Kalkulation, auf über 120 gestiegen ist …

Der Stierkampf als Kunstwerk …

… EXISTIERT IN EINIGEN SEINER PLAKATE, und die sind wirklich großartig. Man betrachte sich nur mal die- ses Corrida-Plakat vom 17. August 1913. Geschaffen vor über 100 Jahren für einen Stierkampf in der Arena von Palma. Als Vorlage dienten die Grafiken eines da- mals sicher bekannten Malers und der barocke Schwung des „Modernismo“, das spani- schen Jugendstils, ist noch zu spüren. Das Plakat misst nur etwa 40 x 20 cm und ist vom Alter ausgefranst. Ein Picador ist zu sehen, die Lanze im Stiernacken, auf einem damals noch unge- schützten Pferd; weiter oben ein Hirte mit Jungstieren auf einer andalusischen Weide. Es handelt sich um eine dauerhaft verwendbare Ereignis-Vorlage, in die man ak- tuelle Termine, Orte und Teilnehmer schwarz eindrucken konnte, von Cadiz bis San Sebastian und hier eben Palm de Mallorca. Ein Schatz, finde ich, der die Erinnerung an die uralte Tradition des Stierkampfes ins Unendliche ver- längern wird …

 

 

 

Nochmal ein Beitrag zu Kacheln …

… DENN ES IST WIRKLICH ERS- TAUNLICH, was man auf Flohmärkten, in Trödelläden und in den Höfen der Bauschutt-Verwertungen entdecken kann! Weil Kacheln oder Fliesen gemeinhin als „Bruch“ gelten, und weil 99,9 % der Menschen es für pervers halten, etwas zu kaufen, was aus einem zerstörten Haus stammt, und zudem snd es ja meist Einzelstücke. So fand ich dieses traumhaft schöne S auf einer etwa 200 Jahre alten Kachel als Fen- sterstopper bei einem Gebrauchtwa- renhändler, ein früherer Sammler hatte sie bereits in einen Holzrahmen ges- teckt, aber der Händler hatte ihr Alter und dadurch ihren Wert nicht begriffen. Die Ästhetik sah er sowieso nicht. Der Preis? 2 Euro. Ich schreibe das, um die Neugier und das Interesse anderer Sammler zu wecken. Und weil auf dieser angeblich kahl gegrasten Insel immer noch eine Menge Pretiosen unbeachtet herumliegen …

Gold aus Mallorca …

Das Auktions-Ergebnis

ES IST ARABISCHEN URSPRUNGS, geprägt irgendwann im 12. Jahrhundert, wohl von Ishaq Ibn Muhammad. Ein Münzchen, klein wie ein 5 Cent-Stück, fabelhaft erhalten, nur flacher und leichter (3,3 g). Um diese Münze gab’s hinter den Kulissen ein Gezerre, denn das Museu de Mallorca griff ein, wollte sie kaufen vom anonymen Privatbesitzer (wobei sich die Frage stellt: Wie kam er zu dem Schatz?). Der schätzte sie auf 40 000 Euro, aber das war dem Museum zuviel, also blieb das Goldstück in der Auktion bei Aureo & Calico in Barcelona, wurde für 30 000 Euro aufgerufen (wozu noch mindestens 20 % an Gebühren kommen) und letzte Woche für 31 500 Euro (+ Gebühren) verkauft! An den Inselrat, der es dem Museu übergeben wird, als Prunkstück, denn von dieser Münze haben sich nur 2 Exemplare erhalten (soweit man weiß). Jetzt würde ich gerne wissen, ob jemals Gold gefunden wurde auf der Insel, oder ob die Mauren es eingeführt haben aus ihren Liegenschaften in Südspanien? Und: Wurde dieser Dinar auf Mallorca gegossen oder geprägt? Ich muss meinen alten Freund Emilio Trilla vom Kiosk Nr. 13 auf der Rambla fragen, der weiß es bestimmt …