Schöne alte Dinge

Ein Stück Rom gefällig …

… IN USA WIRD DIE- SES HERR- LICHE DREI- ECK GERADE ANGEBOTEN, ein Teil aus einem über 2000 Jahre alten Fries, das von einem Bauern aus dem Boden bei Alcudia (dem römischem Pollentia) gepflügt wurde. Es misst 19,6 x 8,2 x 5 cm, wurde aus Kalkstein gemeißelt, soll aus dem Jahr 60 v. Chr. stammen und kostet mit Porto mindestens 130 US-Dollar. Um es überhaupt anbieten zu können, ist dem Besitzer eine hübsche Legende eingefallen: Die Bauernfamilie wanderte angeblich um 1900 von Alcudia nach Florida aus, nahm ihre Raritäten mit, verkaufte einiges in den USA – und so kann ein Mensch aus Erie (Bundesstaat Colorado) diese Rarität im Internet offerieren. Wer’s glaubt wird selig, und natürlich könnte die römische Skulptur auch eine Kopie sein, aber hübsch ist sie ja …

Was für ein entzückender Fund …

DIE SCHATZKISTE MALLORCA IST SCHIER BODENLOS, denn immer wieder entdeckt man etwas – meist Unerwartetes! Wie diese reizende Postkarte aus dem Jahre 1910. Da entwickelte sich der Tourismus ganz zart, das Fomento war gerade gegründet und das neue „Grand Hotel“ in Palma be- warb seine Zimmer mit Bädern. Und da schuf jemand diesen quasi-hand- schriftlichen Gruß von der Insel für die Englisch sprechenden Travellers – mit einem Vergissmeinnicht-Strauß und Ara- besken in Gold. Ich habe die Postkarte im Internet entdeckt und für 5.54 Euro gekauft. Das ist nicht billig, aber für eine 110 Jahre alte Vergänglichkeit aus Papier? Und wissen Sie was? Da sie unge- braucht ist, werde ich sie an eine liebe Person verschicken …

Ein Museum, das noch fehlte …

ES IST DEN KORKENZIE- HERN GEWIDMET, was ja passt zur Weininsel Mallorca. Die Künstlerin und Ex-Winzerin Hanne Holze hat es am 19. August mit dem gemeinsamen Freund Friedrich „The Wüterich“ Panizza eröffnet. Ort: Vilafranca, c/. Bonany, 7. Es wird nicht ständig zu besichtigen sein, sondern sie zeigen die Kollektion mit über 150 z. T. Jahrhunderte alten Exemplaren immer mitt- wochs, wenn Markttag ist in Vilafranca. Als Friedrich mich einlud zur Vernissage, sprach er vom „ersten und einzigen Korkenziehermuseum“ der Insel, aber da erlaube ich mir einen Einwand: Ich habe z. B. im Privatmuseum, das in einem Wehrhof an der Straße von Portcolom nach Portocristo liegt, eine Sammlung von über 100 Korkenziehern gesehen – aber um sie anzuschauen, muss man die Telefonnummer erforschen, anrufen und um einen Termin bitten. Da hat man’s bei Hanne & Friedrich in Vilafranca einfacher – und ich bin grundsätzlich dankbar für jedes neue Museum auf Mallorca. Womit ihre Zahl, nach meiner privaten Kalkulation, auf über 120 gestiegen ist …

Der Stierkampf als Kunstwerk …

… EXISTIERT IN EINIGEN SEINER PLAKATE, und die sind wirklich großartig. Man betrachte sich nur mal die- ses Corrida-Plakat vom 17. August 1913. Geschaffen vor über 100 Jahren für einen Stierkampf in der Arena von Palma. Als Vorlage dienten die Grafiken eines da- mals sicher bekannten Malers und der barocke Schwung des „Modernismo“, das spani- schen Jugendstils, ist noch zu spüren. Das Plakat misst nur etwa 40 x 20 cm und ist vom Alter ausgefranst. Ein Picador ist zu sehen, die Lanze im Stiernacken, auf einem damals noch unge- schützten Pferd; weiter oben ein Hirte mit Jungstieren auf einer andalusischen Weide. Es handelt sich um eine dauerhaft verwendbare Ereignis-Vorlage, in die man ak- tuelle Termine, Orte und Teilnehmer schwarz eindrucken konnte, von Cadiz bis San Sebastian und hier eben Palm de Mallorca. Ein Schatz, finde ich, der die Erinnerung an die uralte Tradition des Stierkampfes ins Unendliche ver- längern wird …

 

 

 

Nochmal ein Beitrag zu Kacheln …

… DENN ES IST WIRKLICH ERS- TAUNLICH, was man auf Flohmärkten, in Trödelläden und in den Höfen der Bauschutt-Verwertungen entdecken kann! Weil Kacheln oder Fliesen gemeinhin als „Bruch“ gelten, und weil 99,9 % der Menschen es für pervers halten, etwas zu kaufen, was aus einem zerstörten Haus stammt, und zudem snd es ja meist Einzelstücke. So fand ich dieses traumhaft schöne S auf einer etwa 200 Jahre alten Kachel als Fen- sterstopper bei einem Gebrauchtwa- renhändler, ein früherer Sammler hatte sie bereits in einen Holzrahmen ges- teckt, aber der Händler hatte ihr Alter und dadurch ihren Wert nicht begriffen. Die Ästhetik sah er sowieso nicht. Der Preis? 2 Euro. Ich schreibe das, um die Neugier und das Interesse anderer Sammler zu wecken. Und weil auf dieser angeblich kahl gegrasten Insel immer noch eine Menge Pretiosen unbeachtet herumliegen …

Gold aus Mallorca …

Das Auktions-Ergebnis

ES IST ARABISCHEN URSPRUNGS, geprägt irgendwann im 12. Jahrhundert, wohl von Ishaq Ibn Muhammad. Ein Münzchen, klein wie ein 5 Cent-Stück, fabelhaft erhalten, nur flacher und leichter (3,3 g). Um diese Münze gab’s hinter den Kulissen ein Gezerre, denn das Museu de Mallorca griff ein, wollte sie kaufen vom anonymen Privatbesitzer (wobei sich die Frage stellt: Wie kam er zu dem Schatz?). Der schätzte sie auf 40 000 Euro, aber das war dem Museum zuviel, also blieb das Goldstück in der Auktion bei Aureo & Calico in Barcelona, wurde für 30 000 Euro aufgerufen (wozu noch mindestens 20 % an Gebühren kommen) und letzte Woche für 31 500 Euro (+ Gebühren) verkauft! An den Inselrat, der es dem Museu übergeben wird, als Prunkstück, denn von dieser Münze haben sich nur 2 Exemplare erhalten (soweit man weiß). Jetzt würde ich gerne wissen, ob jemals Gold gefunden wurde auf der Insel, oder ob die Mauren es eingeführt haben aus ihren Liegenschaften in Südspanien? Und: Wurde dieser Dinar auf Mallorca gegossen oder geprägt? Ich muss meinen alten Freund Emilio Trilla vom Kiosk Nr. 13 auf der Rambla fragen, der weiß es bestimmt …

Sic transit gloria mundi …

… SAGTEN DIE ALTEN RÖMER: „So vergeht der Ruhm der Welt“. Und in diesem Kleinanzeigen-Fall gleich dreimal: 1. verschwand die Galeria Sailer in Santanyi, Schatzkammer kostbarer Webstoffe (weil die wohlhabenden Finca-Banausen einen billigen Perserteppich nicht von einem antiken Kelim unterscheiden wollen/können), 2. vermag man dadurch den glockenhellen und einst hochgeschätzten Tenor von Señor Sailer nicht mehr zu vernehmen, und 3. hält uns diese Kleinanzeige vor Augen, dass der legendäre Brockhaus im Zeitalter von Google nichts mehr wert ist. Man kann ihn in der ehemaligen Galeria Sailer gratis abholen, denn natürlich bringt es Señor Sailer nicht übers Herz, die 24 Bände auf den Müll zu werfen (wie mir mein Leib-Antiquar geraten hatte: „In eine Umzugskiste packen, zum Wertstoffhof  und in den Papierfresser! Für den kriegen Sie nicht mal 5 Euro …!“). Wie wahr: Bei Ebay wird eben jener Brockhaus für 1 Euro angeboten – mit Selbstabholung irgendwo in der Wallachei …

Handgeschnitzt oder handgeschmiedet?

Eine Glocke aus Holz …
… oder aus Metall?

DAS IST DIE FRAGE, WENN’S UM ANTIKE GLOCKEN GEHT! Wenn ich über die Insel fahre und Bimmeln höre, verharre ich automatisch und versuche, die Töne zu deuten: Holz oder Metall? Holz klingt schwerer, dumpfer, melodischer; Metall heller, greller, aufdringlicher, weiter tragend. Ein paarmal ist es mir gelungen, Bauern alte Glocken für meine Mallorca-Sammlung abzukaufen, manchmal sogar mit dem handgegerbten Halsband. Da sind Prunkstücke dabei, z. B. Holzglocken von 20 cm Höhe, eine Metallglocke misst sogar 31 cm – und hat einen hölzernen Klöppel. Einst (und das ist sehr weit weg!) konnte man am Glockenton unterscheiden, ob es eine Kuh, ein Schaf oder eine Ziege war, aber dieses Wissen ist selbst den uralten Schmieden und Schnitzern verloren gegangen. Wenn Sie das nächste Mal bei Fahrten übers Land Bimmeln hören, denken Sie an meine Worte: Es war mal eine Kunst auf Mallorca, die Tiere auf der Weide mit Musik auszustatten …

Eine Nostalgie im Badezimmer …

Eine „Maja“ allein …
… und der alte Kasten

ERINNERT SICH NOCH EINER AN UNSERE ERSTEN JAHRE AUF MALLE? An die vielen Straßen ohne Asphalt, die selbst- verständlichen Cog- nacs zu den Corta- dos und die älteren Herrschaften, die beglückt lächelten, wenn sie in einem Anfall von geistiger Regsamkeit Spa- nisch zu sprechen glaubten, im Laden „Käso“ sagten und tatsächlich Käse beka- men! Es war das Zeitalter der „Maja“-Seife, die rund war und in schwarzes Papier eingewickelt, darauf ein Sticker mit einer Flamenco-Tänzerin mit einem Fächer so groß wie ein Paravent. Man kaufte das Putz- mittel in einem hübschen Karton, der rundherum ähnlich bebildert war, und als Behältnis in den Werkzeug- schrank wanderte, wenn die Seife verbraucht war. Jahrelang lagerten darin bei uns Lüsterklemmen und Steckerteile, Holzkeilchen und Mäusefallen, Batterien und kleine Glühbirnen. Warum schreibe ich das? Weil ich so einen „Maja“-Kasten voll mit unbenützten Seifenstücken entdeckt habe in einem Schrankfach, das nur mit Leiter einsichtig war; die Seifen immer noch dufteten und schäumten nach 30 Jahren, und mich auf eine Zeitreise mitnahmen ins Jahr 1958, als meine Großmutter nach Mallorca ausgewandert war. „Maja“ kann man immer noch kaufen, sogar bei Rossmann in Deutschland, ein Kästchen mit 3 Stück kostet 8.99 Euro. Aber da fehlt die Nostalgie, die Memory, der Zauber und der spezielle Duft der frühen Jahre. Und mit den neuen Kästen kann man hinterher wenig anfangen …

Verachtet die Aschenbecher nicht!

ES SIND FEINE SOUVENIRS – und so viel attraktiver als die teuersten Designerstücke! Natürlich muss man sie immer noch meist klauen, aber die hübschesten alten Aschenbecher gibt es längst reihenweise auf den Flohmärkten. Auch wenn die Preise impertinent angezogen haben, man bekommt das von Hand bunt dekorierte Hotel-Porzellan schon ab 1 Euro, und nimmt man einen ganzen Schwang, fallen die Kosten in die Cent-Region. Ich zeige hier 5 Exemplare als Palma und Capdepera, jüngst erworben auf dem Consell-Rastro, und auch wenn Ascher überflüssig erscheinen, weil kaum einer noch raucht, so lassen sie sich dekorativ als Oliven- oder Zitronen-Schälchen und Zahnstocher-Ablage verwenden. Denn man sollte nie vergessen: Das Leben auf der Finca schreit nach Authentizität …