Schöne alte Dinge

Nochmal ein Beitrag zu Kacheln …

… DENN ES IST WIRKLICH ERS- TAUNLICH, was man auf Flohmärkten, in Trödelläden und in den Höfen der Bauschutt-Verwertungen entdecken kann! Weil Kacheln oder Fliesen gemeinhin als „Bruch“ gelten, und weil 99,9 % der Menschen es für pervers halten, etwas zu kaufen, was aus einem zerstörten Haus stammt, und zudem snd es ja meist Einzelstücke. So fand ich dieses traumhaft schöne S auf einer etwa 200 Jahre alten Kachel als Fen- sterstopper bei einem Gebrauchtwa- renhändler, ein früherer Sammler hatte sie bereits in einen Holzrahmen ges- teckt, aber der Händler hatte ihr Alter und dadurch ihren Wert nicht begriffen. Die Ästhetik sah er sowieso nicht. Der Preis? 2 Euro. Ich schreibe das, um die Neugier und das Interesse anderer Sammler zu wecken. Und weil auf dieser angeblich kahl gegrasten Insel immer noch eine Menge Pretiosen unbeachtet herumliegen …

Gold aus Mallorca …

Das Auktions-Ergebnis

ES IST ARABISCHEN URSPRUNGS, geprägt irgendwann im 12. Jahrhundert, wohl von Ishaq Ibn Muhammad. Ein Münzchen, klein wie ein 5 Cent-Stück, fabelhaft erhalten, nur flacher und leichter (3,3 g). Um diese Münze gab’s hinter den Kulissen ein Gezerre, denn das Museu de Mallorca griff ein, wollte sie kaufen vom anonymen Privatbesitzer (wobei sich die Frage stellt: Wie kam er zu dem Schatz?). Der schätzte sie auf 40 000 Euro, aber das war dem Museum zuviel, also blieb das Goldstück in der Auktion bei Aureo & Calico in Barcelona, wurde für 30 000 Euro aufgerufen (wozu noch mindestens 20 % an Gebühren kommen) und letzte Woche für 31 500 Euro (+ Gebühren) verkauft! An den Inselrat, der es dem Museu übergeben wird, als Prunkstück, denn von dieser Münze haben sich nur 2 Exemplare erhalten (soweit man weiß). Jetzt würde ich gerne wissen, ob jemals Gold gefunden wurde auf der Insel, oder ob die Mauren es eingeführt haben aus ihren Liegenschaften in Südspanien? Und: Wurde dieser Dinar auf Mallorca gegossen oder geprägt? Ich muss meinen alten Freund Emilio Trilla vom Kiosk Nr. 13 auf der Rambla fragen, der weiß es bestimmt …

Sic transit gloria mundi …

… SAGTEN DIE ALTEN RÖMER: „So vergeht der Ruhm der Welt“. Und in diesem Kleinanzeigen-Fall gleich dreimal: 1. verschwand die Galeria Sailer in Santanyi, Schatzkammer kostbarer Webstoffe (weil die wohlhabenden Finca-Banausen einen billigen Perserteppich nicht von einem antiken Kelim unterscheiden wollen/können), 2. vermag man dadurch den glockenhellen und einst hochgeschätzten Tenor von Señor Sailer nicht mehr zu vernehmen, und 3. hält uns diese Kleinanzeige vor Augen, dass der legendäre Brockhaus im Zeitalter von Google nichts mehr wert ist. Man kann ihn in der ehemaligen Galeria Sailer gratis abholen, denn natürlich bringt es Señor Sailer nicht übers Herz, die 24 Bände auf den Müll zu werfen (wie mir mein Leib-Antiquar geraten hatte: „In eine Umzugskiste packen, zum Wertstoffhof  und in den Papierfresser! Für den kriegen Sie nicht mal 5 Euro …!“). Wie wahr: Bei Ebay wird eben jener Brockhaus für 1 Euro angeboten – mit Selbstabholung irgendwo in der Wallachei …

Handgeschnitzt oder handgeschmiedet?

Eine Glocke aus Holz …
… oder aus Metall?

DAS IST DIE FRAGE, WENN’S UM ANTIKE GLOCKEN GEHT! Wenn ich über die Insel fahre und Bimmeln höre, verharre ich automatisch und versuche, die Töne zu deuten: Holz oder Metall? Holz klingt schwerer, dumpfer, melodischer; Metall heller, greller, aufdringlicher, weiter tragend. Ein paarmal ist es mir gelungen, Bauern alte Glocken für meine Mallorca-Sammlung abzukaufen, manchmal sogar mit dem handgegerbten Halsband. Da sind Prunkstücke dabei, z. B. Holzglocken von 20 cm Höhe, eine Metallglocke misst sogar 31 cm – und hat einen hölzernen Klöppel. Einst (und das ist sehr weit weg!) konnte man am Glockenton unterscheiden, ob es eine Kuh, ein Schaf oder eine Ziege war, aber dieses Wissen ist selbst den uralten Schmieden und Schnitzern verloren gegangen. Wenn Sie das nächste Mal bei Fahrten übers Land Bimmeln hören, denken Sie an meine Worte: Es war mal eine Kunst auf Mallorca, die Tiere auf der Weide mit Musik auszustatten …

Eine Nostalgie im Badezimmer …

Eine „Maja“ allein …
… und der alte Kasten

ERINNERT SICH NOCH EINER AN UNSERE ERSTEN JAHRE AUF MALLE? An die vielen Straßen ohne Asphalt, die selbst- verständlichen Cog- nacs zu den Corta- dos und die älteren Herrschaften, die beglückt lächelten, wenn sie in einem Anfall von geistiger Regsamkeit Spa- nisch zu sprechen glaubten, im Laden „Käso“ sagten und tatsächlich Käse beka- men! Es war das Zeitalter der „Maja“-Seife, die rund war und in schwarzes Papier eingewickelt, darauf ein Sticker mit einer Flamenco-Tänzerin mit einem Fächer so groß wie ein Paravent. Man kaufte das Putz- mittel in einem hübschen Karton, der rundherum ähnlich bebildert war, und als Behältnis in den Werkzeug- schrank wanderte, wenn die Seife verbraucht war. Jahrelang lagerten darin bei uns Lüsterklemmen und Steckerteile, Holzkeilchen und Mäusefallen, Batterien und kleine Glühbirnen. Warum schreibe ich das? Weil ich so einen „Maja“-Kasten voll mit unbenützten Seifenstücken entdeckt habe in einem Schrankfach, das nur mit Leiter einsichtig war; die Seifen immer noch dufteten und schäumten nach 30 Jahren, und mich auf eine Zeitreise mitnahmen ins Jahr 1958, als meine Großmutter nach Mallorca ausgewandert war. „Maja“ kann man immer noch kaufen, sogar bei Rossmann in Deutschland, ein Kästchen mit 3 Stück kostet 8.99 Euro. Aber da fehlt die Nostalgie, die Memory, der Zauber und der spezielle Duft der frühen Jahre. Und mit den neuen Kästen kann man hinterher wenig anfangen …

Verachtet die Aschenbecher nicht!

ES SIND FEINE SOUVENIRS – und so viel attraktiver als die teuersten Designerstücke! Natürlich muss man sie immer noch meist klauen, aber die hübschesten alten Aschenbecher gibt es längst reihenweise auf den Flohmärkten. Auch wenn die Preise impertinent angezogen haben, man bekommt das von Hand bunt dekorierte Hotel-Porzellan schon ab 1 Euro, und nimmt man einen ganzen Schwang, fallen die Kosten in die Cent-Region. Ich zeige hier 5 Exemplare als Palma und Capdepera, jüngst erworben auf dem Consell-Rastro, und auch wenn Ascher überflüssig erscheinen, weil kaum einer noch raucht, so lassen sie sich dekorativ als Oliven- oder Zitronen-Schälchen und Zahnstocher-Ablage verwenden. Denn man sollte nie vergessen: Das Leben auf der Finca schreit nach Authentizität …

Ich mach‘ mir ja sonst nichts aus Postkarten …

Nr. 1
Nr. 4
Nr. 2
Nr. 3

… ABER ENTDECKE DANN DOCH IMMER WIEDER EINIGE, die mich ins Grübeln bringen. Die kauf‘ ich dann, und der Grund ist der optische Beweis, wie gewaltig sich Mallorca verändert hat, und einiges fast noch unter meinen Augen & Füßen. Ich zitiere als Beispiele nur mal diese alten Postkarten aus meiner Sammlung: 1 Die berühmte Kiefer an der Straße nach Deia, 1930 fotografiert und damals angeblich der größte Baum der Insel. 2 Port Soller um 1937 – ein stilles Paradies, aber mit einer erstaunlichen, heute verschwundenen Hafenanlage rechts an der Einfahrt. 3 Die „Neue Mole in Palma“, die fast aussieht wie der Jungfernstieg in Hamburg, um 1930. 4 Kathedrale & Almudaina, fotografiert um 1910 am Beginn des Borne.

 

 

 

 

Ich wende mich vertrauensvoll an alle Trinker …

… UND BITTE UM RAT: Ich habe im Weinkeller meiner Eltern diese Flasche „Soberano“-Brandy („Reservado Extra“) der Firma Gonzalez Byass in Jerez entdeckt. Sie muss älter sein als 1985 und war wohl damals schon nicht jung. Ich gebe ihr gut 40 Jahre, und trotzdem sie immer noch original-verkorkt ist (sogar mit Banderole), hat sie rund ein Viertel ihres kostbaren Inhalts durch Verdunstung verloren. Was ist die Meinung: Ist der Inhalt noch genießbar? Praktiker werden sagen: „Mach‘ sie doch einfach auf und probier‘!“ Aber wenn der Brandy „hinüber“ ist, ist die Flasche nicht mal mehr dekorativ, denn ich muss sie auskippen und entsorgen. Ist der Cognac noch trinkbar, kann ich die Nachbarn zu einem kuriosen Gelage einladen. Und geh‘ ich das Risiko nicht ein und lass‘ sie zu, macht sie was her und ist ein Geschichten wert. Was tun, liebe Freunde?

 

 

 

 

 

Weiß jemand, wo ich ein Kanonenrohr bekomme?

Sowas suche ich …

ICH SUCHE DRINGEND EINS, aber auch ein Paar, egal wie der Zustand ist, antik muss es sein, jedenfalls älter als 120 Jahre, keines dieser modernen Stahldinger aus den beiden Weltkriegen. Ohne Lafette und ruhig verrostet und beschädigt. Ich hatte einen Adeligen, der mir zwei Kanonenrohre aus dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) verkaufen wollte, aber er sprang in letzter Sekunde ab (sein Vater war dagegen). Ich bin überzeugt: Es müssen Hunderte herumliegen auf Mallorca, die Privatbesitz sind und völlig nutzlos, nicht mal dekorativ, nur Altmetall. Aber ich suche bisher vergeblich und bin für jeden Tipp dankbar. Was ich damit vorhabe? Das kann ich noch nicht sagen …

 

 

 

Wo sind Norberto Viñas und sein Schatz geblieben?

Ich habe nur dieses eine Foto aus einem alten Zeitungsausschnitt …

ALS ICH DAS LETZTE MAL VON IHM HÖRTE, WAR ER 82, und das war 2007. Ein Rentner in Son Servera, der zwei gewaltige Lagerhallen voller Dinge besaß, mit denen Mallorkiner einst gelebt hatten. Man sagte, der Schatz von Norberto Viñas sei die größte ethnologische Sammlung der Insel. Er besaß alles – Ladenkassen, Friseursalons, Nähmaschinen, Spielzeug, Bilder, Porzellan, Schmiedeeisen, Karren, Waagen mit Gewichten, Körbe usw. Ganze Brunnen fand man bei ihm, alte Schmieden, Oldtimer und Wurstmaschinen. Aber als ich ihn jetzt besuchen wollte, da erinnerte sich kein Mensch mehr an ihn. Nach 12 Jahren, er muss jetzt 94 sein. Weder auf der Gemeinde, noch bei der Polizei kannten sie seinen Namen, und hatten nie von der Sammlung in den Lagerhallen gehört. Ein Jammer, befürchte ich, da hat vermutlich einer den Tod des alten Herren ausgenützt, um den Schatz zu Geld zu machen – stückchen- und scheibchenweise. Eine unwiederbringliche Sammlung und ich hoffe, ich finde sie noch …