Schöne alte Dinge

50 Wracks warten …

… DARAUF, DASS EINER SIE PLÜNDERT! Wenn man nur wüsste, wo genau sie vor der Küste liegen. ABER: 60 % des Meeresgrundes in 200 m Tiefe rund um Mallorca sind überhaupt noch nicht kartografiert!!! Was da noch alles an Schätzen ruhen mag, scheint ungeheuerlich zu sein, allerdings ist das zu tief für Hobbytaucher. Dennoch: Ich kenne einen, der kennt einen, und der … – irgendwoher müssen die Funde aus den Jahren 200 vor bis 2000 nach Christus ja kommen, die immer mal wieder, sozusagen: unter der Hand, angeboten werden. Von der versiegelten oder angebrochenen Amphore bis zum winzigen, verrosteten und verkrusteten, kaum identifizierbaren Bronze-Objekt. Natürlich ist das Plündern der gescheiterten Schiffe auf eigene Faust verboten, und die 50 Wracks, von denen man weiß, sind entweder „ausgeschlachtet“ oder werden bewacht. Und nun traf ich einen, der lächelte: „50 Wracks, sagt die Regierung? Lächerlich. Es sind mindestens viermal so viele. Ich garantiere: Den unbekannten Rest besuchen Neffen und Freunde von Ministern und Staatssekretären – bis rauf nach Madrid!“ Tja, warum eigentlich nicht. ich hätte auch gerne ein Tongefäß mit 2000 Jahre altem Rotwein …

Ich muss was für die arme Dame tun …

So könnte das Lexikon aussehen …

… DENN DIE KRIEGT DAS NICHT GEBACKEN MIT IHRER ANZEIGE – und das seit Wochen! Sehen Sie sich den Text mal an: 1 Soll das eine einzige Annonce sein, erscheint aber in 2 Teilen. Aber vorige Woche erschien nur der kleine, untere Teil und war völlig unverständlich. 2 Dann erschien der obere Teil, aber da fehlten der Preis („VB 205 e“) und die Telefonnummer. Mit dem kleinen e sind übrigens Euro gemeint. 3 Nun sind beide Teile der Anzeige erschienen, aber man muss raten, dass das Lexikon von Herder ist – im Text heißt es „Herdes“. 4 Mit „Textbil- dungen“ sind Abbildungen im Text gemeint, auch da hat jemand was verstümmelt. Soll also heißen: Die deutsche Dame bietet ein 9-bändiges Herder-Lexikon von 1907 für 205 Euro an! Und hat nun viel Ärger mit einer Ware, die auch mit Klartext nahezu unverkäuflich ist, zumal sie im Internet für maximal 120 Euro angeboten wird …

Netter Tipp gefällig?

SAN MIGUEL IN FELANITX! Die große Kirche im Zentrum. Daran ist so gut wie jeder Tourist schon mal vorbei gefahren, aber selbst die Residenten waren kaum je drin. Ich gebe hier mal die erstaunte Schilderung eines Freundes wider: „Ein Hit besonders für Freunde unerwarteter Zahlen! 14 Seitenkapellen und 20 Altäre! Mehr als in der Kathedrale in Palma! Vn der Gotik bis zur Neugotik. Nicht bayerisch hell und heiter, sondern spanisch dunkel und mystisch!“ Und wie ist Du reingekommen, San Miguel ist doch fast immer zu? „Scheinbar machen die jetzt zu Corona-Zeiten das Portal weit auf, ich hab‘ mich auch gewundert, aber kam problemlos rein.“ Es gibt kaum Infos zu dieser alten Kirche, nur Bruchstücke, nur die großen, fetten, teuren, älteren Guides berichten ein bisschen mehr. Umso dringender, da jetzt mal reinzuschauen – es gibt ja sonst wenig zu tun in diesen versuchten Zeiten …

Die Vergangenheit kehrt zurück …

… IN GESTALT ZWEIER BARS: des „Abaco“ und der „Bar Cristal“! Ich finde das großartig und wundre mich nur über das Hin und Her. Da erhöht der Hausbesitzer die Miete für die Bar im Lonja-Viertel ums Vierfache, der Mieter muss raus, ein deutscher Investor plant ein Hotel statt Bar – und plötzlich ist der Barbesitzer zurück und das „Abaco“ besteht weiter (angeblich bis 2040). Bei der „Bar Cristal“ an der Placa d’Espanya war’s so, dass auch sie schließen musste wg. unbezahlbarer Mietsteigerung, neu eröffnet wurde als Teil einer deutschen Kette („Es Rebost“), dann schlug der Virus zu, das neue Lokal lohnte sich nicht mehr, es machte dicht und nun wird ein Spanier es neu eröffnen: als „Bar Cristal“. Mich freut das, ich mochte beide Bars, sie waren gastronomische Farbtupfer im Leben von Palma. Das „Abaco“ war in seiner Operetten-Aufmachung weltweit einmalig (ein bisschen auch bei seinen Preisen) und in der „Bar Cristal“ konnte man die Jugendstil-Vergangenheit nicht nur erahnen, sondern auch sehen. Es waren Wohlfühl-Jausenstationen, Institutionen(wie auch die „Bar Lirico“ unten am Borne oder die „Bar Cuba“ drüben an der Argentina), und mich als Nostalgiker hat es immer beruhigt, dass es diese traditionellen Etablissements (schon so lange) gab. Mich erinnert das an das Hin und Her bei der Straßenbahn in Palma und dem Eisenbahnnetz auf der Insel: zu schnell abgebaut, nach Jahren bereut und mühsam restauriert …

Vom Reiz (ur)alter Postkarten …

… UND ZWAR SO EINER WIE DIESE HIER! Der Hafen von Porto Pi in Palma, fotografiert um 1900. Es ist faszinierend, das ursprüngliche Mallorca zu sehen – und zu begreifen. Wie es sich verändert hat, und wie nicht. Diese über 100 Jahre alten Postkarten werden immer wieder angeboten (zu Dutzenden auf den Flohmärkten) und die Preise haben sich eingependelt zwischen 1 und 5 Euro, je nachdem ob sie original frankiert und „echt gelaufen“ sind, in Farbe oder schwarzweiß, heute noch attraktive Objekte zeigen und auf Stichen (solche können viel teurer sein!) oder Fotos basieren. Meine Postkarte hier stammt vom Rastro in Santanyi und hat 3 Euro gekostet. Tipp: Wenn man kauft, sollte man sich auf die über 100 Jahre alten Karten konzentrieren, spätestens ab 1920 ist so ziemlich alles Mist. Übrigens: Um 1900 schickten fast alle Hersteller ihre Fotos oder Grafiken nach Leipzig, dort wurden sie zu Postkarten gestaltet und zum Verkauf wieder auf die Insel gebracht! Fazit: Solche Postkarten, gerahmt an der Wand, sind ein klassisch schöner Schmuck, der von Kultur zeugt …

Eine reizende Dame mit einem entzückenden Puppenhaus …

 

 

Köstliches Detail: Oma steht in der Küche am Waschzuber (auf der 2. Etage links) …

ICH HABE MIT IHR TELEFO- NIERT, nachdem ich diese Anzeige gesehen habe. Ich erbat Fotos und sie hat sie mir gemailt. Ihr Mann hat dieses einzigar- tige Puppenhaus vor Jahren liebevoll und maßstabsgerecht selbst gebastelt – und vom Parterre bis in die Dachstube einge- richtet, samt den Bewohnern in niedlicher Kleidung, einem Treppenhaus und mit einer Kondito- rei und einer Apotheke im Parterre. 200 x 80 x 40 cm ist ein gewaltiges Format, rund 2000 Euro hat er reingesteckt und danach richtet sich auch der Preis, um den ein gewisses Geheimnis gemacht wird. Aber eigentlich ist kein Preis zu hoch für diese Kostbarkeit, die von musealer Qualität ist, denn seit den legendären englischen Puppenhäusern aus viktorianischer Zeit habe ich so etwas nicht gesehen. Man beachte nur mal, dass es im Zimmer links auf der obersten Etage sogar ein barockes Deckenfresko gibt, und wenn die Standuhren gehen und Wasser aus der Dusche strömt, würde mich das auch nicht wundern! Dieser Schatz, von dem selbst große Mädchen träumen, befindet sich übrigens im Pla-Städtchen Sineu und Interessenten mögen die Handynummer anrufen, die gut lesbar oben in der Anzeige steht …

Es werden gerade die Atlanten geplündert …

… DENN ICH BEOBACHTE EINE SCHWEMME AN MALLORCA-LANDKARTEN! In den Antiquariaten, auf den Flohmärkten und im Internet tauchen zur Zeit Hunderte von Geographica auf, das früheste Blatt, das ich entdeckte, stammte von 1835. Ich rede jetzt nicht von den kostbaren See- und Landkarten des Mittelalters, die Tausende kosten, sondern von Kartenwerken der Neuzeit, die so lächerlich billig angeboten werden, dass einem jeder zerstörte Atlas leid tut. Wie die Balearen-Karte, die ich hier präsentiere, aus einem britischen Atlas von 1912: etwa 30 x 20 cm groß, handkoloriert und für 50 Euro zu haben. Es gibt jedoch noch ältere Exemplare für 5 Euro! Tatsächlich sehen diese alten Landkarten gerahmt fabelhaft aus im Salon, das hat Stil und Kultur, und ist in jedem Fall besser als einer der ach so beliebten Kunstdrucke …

Was für Briefmarkensammler …

AUCH DAS SAMMELGEBIET MALLORCA/BALEAREN hat einiges zu bieten und immer wieder tauchen aus den Tiefen der Post-Historie Stücke auf, vor allem aus dem Bürgerkrieg, die richtig ins Geld gehen. So wie dieses Kuvert mit seiner merkwürdigen Geschichte bzw. Frankatur, und mir bleibt als Laie nichts Anderes übrig, als den (redigierten) Text des Anbieters zu zitieren: „Mallorca-Vordruckkuvert eingeschrieben, frankiert mit der sogenannten IBIZA-Überdruckmarke, 1940 von Mallorca nach Krefeld mit spanischer und deutscher Zensur, sehr selten! Bei der IBIZA-Marke handelt es sich um eine schwarze Pro Paro-Marke mit rotem Eindruck „5 cts pro paro“ und dem Aufdruck: „29-V-1937 Deutschland 29-V-1938“. Dieser erfolgte angeblich auf Veranlassung des Bürgermeisters von Ibiza in einer Auflage von nur 600 Stück! Anlass: 1. Jahrestag des Bombenangriffs eines spanisch-republikanischen Flugzeugs auf das deutsche Panzerschiff Deutschland (144 Besatzungsmitglieder starben)! Da die Marke nicht normal nach Deutschland gesandt werden konnte – die deutsche Zensur hätte diese Propagandamarke beschlagnahmt – wurde sie unauffällig auf einem Kuvert mit anderen spanischen Marken versandt und durchlief sämtliche Zensuren (rückseitig deutscher Zensurstreifen und Stempel).“ Das Kuvert soll den Festpreis 1439,99 Euro kosten (komischer Betrag!) und ist auf Ebay zu finden, wenn man Mallorca Vordruckkuvert eingeschrieben anklickt …

Ein Stück Rom gefällig …

… IN USA WIRD DIE- SES HERR- LICHE DREI- ECK GERADE ANGEBOTEN, ein Teil aus einem über 2000 Jahre alten Fries, das von einem Bauern aus dem Boden bei Alcudia (dem römischem Pollentia) gepflügt wurde. Es misst 19,6 x 8,2 x 5 cm, wurde aus Kalkstein gemeißelt, soll aus dem Jahr 60 v. Chr. stammen und kostet mit Porto mindestens 130 US-Dollar. Um es überhaupt anbieten zu können, ist dem Besitzer eine hübsche Legende eingefallen: Die Bauernfamilie wanderte angeblich um 1900 von Alcudia nach Florida aus, nahm ihre Raritäten mit, verkaufte einiges in den USA – und so kann ein Mensch aus Erie (Bundesstaat Colorado) diese Rarität im Internet offerieren. Wer’s glaubt wird selig, und natürlich könnte die römische Skulptur auch eine Kopie sein, aber hübsch ist sie ja …

Was für ein entzückender Fund …

DIE SCHATZKISTE MALLORCA IST SCHIER BODENLOS, denn immer wieder entdeckt man etwas – meist Unerwartetes! Wie diese reizende Postkarte aus dem Jahre 1910. Da entwickelte sich der Tourismus ganz zart, das Fomento war gerade gegründet und das neue „Grand Hotel“ in Palma be- warb seine Zimmer mit Bädern. Und da schuf jemand diesen quasi-hand- schriftlichen Gruß von der Insel für die Englisch sprechenden Travellers – mit einem Vergissmeinnicht-Strauß und Ara- besken in Gold. Ich habe die Postkarte im Internet entdeckt und für 5.54 Euro gekauft. Das ist nicht billig, aber für eine 110 Jahre alte Vergänglichkeit aus Papier? Und wissen Sie was? Da sie unge- braucht ist, werde ich sie an eine liebe Person verschicken …