Sehenswürdigkeiten

Ich habe ein Monument der Weisheit entdeckt …

… ES STEHT VOR DER HAUSTÜR VON SA BASSA BLANCA, dem fabelhaften Anwesen von Yannick Vu und Ben Jakober auf der Halbinsel Victoria, ist aus poliertem schwarzen Marmor (zumindest auf der Vorderseite), rund 1 m hoch und die Weisheit liegt in den eingravierten 2 Worten mit den 13 Buchstabern: EXPECT NOTHING. Was heißen soll: Je weniger du erwartest, desto weniger wirst du enttäuscht, oder: Wie kommst du darauf, dass ich was für dich tue? Oder: Sei mit dem Bescheidenen zufrieden, das ich dir anbiete! Es ist ein ideales Monument am Eingang jeder Finca, man müsste den Stein tausendfach kopieren und als Gebrauchsgegenstand der Gastlichkeit unter die Leute bringen. EXPECT NOTHING – ich denke, Ben wäre sicher bereit, mir die Weisheit zu überlassen, aber seine Kunstwerke sind leider zu teuer für mich, selbst mit einem kräftigen Freundschaftsrabatt.

P. S.: Als ich meinen Freund Ben um ein Foto seines Monuments bat, schrieb der göttliche Spötter mir eine Email mit nur 4 Buchstaben: NADA – so als hätte ich nichts zu erwarten! Aber das Foto kam dann doch …

Im Kopf einer Ratte …!

Der Schädel von der Seite …
…  so groß ist er …
… und von vorne (auf Kork geklebt)

ICH HABE IHN IM GARTEN GEFUN- DEN, fein säuber- lich abgenagt von Ameisen, der blanke, komplette Totenkopf. Die Ratte war wohl an einer dieser blau- en Gifttabletten verendet, mit denen wir die Na- ger bekämpfen, und dann von den Piranhas des Erd- reichs bis aufs Skelett beseitigt worden. Ein interessantes Fundstück, mit den gesch- wungenen, etwas gelblichen Schneidezähnen oben und unten, die wie Dolche in Scheiden ineinander greifen, und winzigen Backenzähnen. Ich habe den Schädel auf einem Stück Kork festgeklebt und zeige ihn in einem Schaukästchen an einer Wand und es gibt keinen Besu- cher, der nicht fasziniert davon ist, eine Ratte – dieses geheimnisvolle, unbesiegbare Wesen – mal auf diese Weise zu betrachten. Der Totenkopf wirkt filigran und überraschend klein (er ist 4,5 cm lang), aber denkt man ihn sich in Fleisch, Organe und Pelz eingepackt, dann kommt das hin auf das Lebendformat. Nun ja, kann sein, dass es kein ganz ausgewachsenes Tier war.

Das Fenster im Fenster – von Nils Burwitz …

Das Fenster …
… und die Kopie im Fenster

DER MEISTER AUS VALLDEMOSSA hat ja, wie bekannt, ein Fenster in der Kathedrale gestalten dürfen, man sieht es rechts oben m Eingang zum Diözesanmuseum. Eine riesige Ehre, Nils Burwitz ist der erste Deutsche, der sich in Mallorcas heiligstem Gebäude verewigen durfte – und es gibt eine Chance, an dieser Würdigung Zuhause an einem eigenen Fenster teilzuhaben. Denn im Kathedralenshop gibt es eine transparente Wiedergabe des Kunstwerks, 27 x 5 cm groß, sozusagen eine Art lang gezogenes Dia. Klebt man es von innen ans Glas, werden die Darstellungen von der Sonne in den Raum geworfen – der Burwitz strahlt! Und das für ein paar lächerliche Euro …

 

 

Felanitx – die Fresken-Stadt!

EBEN HABE ICH ÜBER DIE WEINHANDLUNG RAMIS BERICHTET, deren Besitzer seine Fassade mit eine gigantischen Generationen-Porträt bemalen ließ. Und nun gibt’s das nächste Fresko im „Format Sixtinische Kapelle“ zu sehen: am Sportzentrum Guillem Timoner am Ortsausgang in Richtung Campos. Sicher 20 x 5 m groß (schätze ich), auch dieses Fresko scheint ein Porträt zu sein, aber man versicherte mir, es sei „nur ein Symbolbild“, den jungen Mann gäbe es nicht lebend. Und was für einen seltsamen Chip hält er in den Händen? Das konnte mir keiner erklären in Felanitx – und an den Maler erinnerte sich auch keiner (ich hätte ihn sonst gefragt). Sei’s drum – in Felanitx tut sich was, da gehen sie jetzt vehement an die Fassaden, und es gibt die Maler noch, die sowas können), und nachdem das Städtchen auch die internationale Top-Künstler Miquel Barcelo und Xisco Duarte hervorgebracht hat, muss man es als die heimliche Kunsthauptstadt der Insel bezeichnen …

Sie buddeln und buddeln – und finden!

Der Bericht im „Felanitx“

CLOSOS DE CAN GAIA heißt die Talayotsiedlung in Portocolom. Sie liegt links an der Straße vom Golfclub Vall d’Or hinunter zum Hafen, ziemlich offen und gut begehbar, aber einige der steinernen Ruinen sind abgesteckt mit Fähnchen, sogar mit Polizeiband, und manchmal werden Ausgrabungsstellen unter weißen Planen versteckt. Weil hier die Archäologen unermüd- lich buddeln – und jedes Mal weitere Schätze fin- den: Nähnadeln aus Knochen, metallne Spangen, Münzen, Tonscherben und Reste von Waffen. Closos de Can Gaia ist schier unerschöpflich, wie die Lokalzeitung „Felanitx“ berichtet, und mich veranlasst das, meine Augen weit aufzusperren, wenn ich durch das Gelände Strafe. Wäre doch seltsam, wenn ich als gelernter Aus- gräber nicht auch was finden würde …

Diese Cova besichtigen – ein Traum!

Zwei der Höhlenforscher mit ihrem Buch

VALLGORNERA HEISST SIE, liegt bei der Cala Pi (Gemeinde Llucmajor, aber wo genau, wird nicht verraten) und wurde erst 1968 entdeckt. Aber nur Experten von der Federacio der balearischen Höhlenforscher dürfen in sie einsteigen. Dort unten erwarten sie 65 km (!) Galerien, 10 km (!) Seen und Säle von unfassbarer Größe in unvergleichlicher Schönheit. Ein riesiges unterirdisches Reich, wohl das größte auf Mallorca, und eben haben drei Speleologen von der Insel einen megaformatigen Bildband über die Vallgornera veröffentlicht (siehe Foto oben rechts), und nun kommt ein dreifaches LEIDER – denn man kann es nur über die (falsch buchstabierte) Adresse  www.federaciobalearespeleologia.org bestellen, aber wer das anklickt, ist 1. hemmungslos verloren, 2. gibt es keinen Hinweis auf das Buch, und 3. habe ich kaum je eine derart besucherfeindliche Website gesehen. Schade, denn in dem Buch werden die Schätze in der Tiefe fabelhaft präsentiert. 

Psst! Auf Schmetterlinge achten …

Waldbrettspiel
Saateule
Postillon
Distelfalter
Monarch
Mauerfuchs

ES SIND DIE SCHÖNSTEN TIERE DER INSEL (sorry, Hundefreunde!), aber nicht leicht zu ent- decken: Schmetterlinge. Sie fliegen nicht gerne zu Menschen, es gibt nur noch wenige und außerdem ist es jetzt zu heiß, um auszuschwär- men in die Natur, um diese bezaubernden Designerwesen zu finden. Ich hab’s getan, einen Vormittag lang in meinem Garten – und da kamen sie ange- schwebt, scheu und zart, bunt und pollen-hungrig. Immerhin 42 Arten tag-aktiver Falter gibt es auf Mallorca, aber 800 Arten Nachtfalter. Wobei ich lernte, dass einige Schmetterlinge sich aus der Dunkelheit ins Sonnenlicht verirren, denn mir begegnete eine sogenannte Saateule. Das Schwierigste war, die Schmetterlinge zu identifizieren, aber Gottseidank unterliegen die Eingeborenen auch einer Art lexikalischem Wahn und so kann man für Alles & Jedes ein Buch, eine Broschüre und ein Poster finden, auch für die Flattermänner …

Sie planen ein Museum in Portocolom!

Der Bericht im „Felanitx“

DAS HAT DER STADTRAT VON FELANITX EINSTIMMIG BESCHLOSSEN, es soll ein „Museu Maritim de Mallorca“ werden und am Hafen von Portocolom stehen. Ein Ge- bäude hätte man auch schon (die Lokalzeitung „Felanitx“ zeigt es sogar schon), die „Casa d’en De la Rosa“ (sorry, schlecht erkennbar auf dem Scan), Ausstellungsstücke liegen zu Tausenden in Depots herum und nun fehlt nur noch die Bereitschaft der Regierung bzw. der balearischen Hafenbehörde. „Wir möchten ein weiteres Stück Kultur in unsere Gemeinde bringen“, heißt es in dem Beschluss, und ein Seefahrt-Museum in einem so schönen und derart – zu Wasser und zu Land – gut besuchten Hafen würde Sinn machen.

 

 

 

Die tollste Blume blüht wieder!

SIE BLÜHT IMMER NUR EINE NACHT, von der Abend- bis in die Morgendämmerung, mit bis zu 30 cm großen, schneeweißen Blü- ten, die wie ein Strauß aussehen, wenn sie sich öffnet! Mit einem orange-gelben, samtzarten Inneren, in dem ein gelber Pinselpuschel steht. Es ist ein hellgrüner Kaktus, der „Königin der Nacht“, „La Reina de Noche“ oder Selenicereus Grandiflorus heißt. Ein großes Gewächs, mit Stacheln bewehrt und von fleischiger Dicke. Da der Kaktus anspruchslos ist, wächst er überall auf Mallorca, kommt so häufig vor, dass man ihn kaum noch bemerkt, und man muss darauf achten, ob ihm die gefältelten Blütenkolben wachsen, die wie goße grüne Flammen wirken. Wenn so eine Staude zehn bis 20 solcher Riesenblumen trägt, die am nächsten Morgen, also in ein paar Stun- den, verwelkt sind, ist das ein wunderbares Insel-Erlebnis – und es passiert genau in diesem Moment. Auch auf meiner Terrasse und das Foto habe ich heute in der Morgendämmerung gemacht …

Sixtinische Kapelle – in Felanitx!

Die Fassade als Ganzes …
… und im Detail

VERZEIHUNG, WENN ICH DIE WEINHAND- LUNG RAMIS IN FELANITX ZUM 3. MAL ERWÄHNE! Aber es geht nicht anders, und wer auf die Fotos schaut, wird das verstehen: Die ganze Fassade ist ein riesiges Gemälde und es zeigt drei Generatio- nen der Familie Ramis vor ihrem weißen LKW-Oldtimer! Da haben die Ramis eine uralte Kunst wiederauferstehen las- sen: das Außenfresko! Nicht ohne Eitelkeit, aber an ihrem eigenen Haus ist das erlaubt, man könnte es auch „Stolz auf Tradition“ nennen. Es ist ein bisschen schade, dass die Gasse, an der die Weinhandlung liegt, so eng ist, dadurch kann man nicht die volle Breite des Kunstwerks aus angenehmer Entfernung genießen. Aber es ist doch erstaunlich, dass es in Felanitx noch Künstler gibt, die solche Fresken anfertigen können, und das auch noch als Porträtszene! Adresse: c/. Convent 39-41 (das ist die Straße nach Manacor oder Portocolom, wenn man durch den Ort fährt).