Sehenswürdigkeiten

Die tollste Blume blüht wieder!

SIE BLÜHT IMMER NUR EINE NACHT, von der Abend- bis in die Morgendämmerung, mit bis zu 30 cm großen, schneeweißen Blü- ten, die wie ein Strauß aussehen, wenn sie sich öffnet! Mit einem orange-gelben, samtzarten Inneren, in dem ein gelber Pinselpuschel steht. Es ist ein hellgrüner Kaktus, der „Königin der Nacht“, „La Reina de Noche“ oder Selenicereus Grandiflorus heißt. Ein großes Gewächs, mit Stacheln bewehrt und von fleischiger Dicke. Da der Kaktus anspruchslos ist, wächst er überall auf Mallorca, kommt so häufig vor, dass man ihn kaum noch bemerkt, und man muss darauf achten, ob ihm die gefältelten Blütenkolben wachsen, die wie goße grüne Flammen wirken. Wenn so eine Staude zehn bis 20 solcher Riesenblumen trägt, die am nächsten Morgen, also in ein paar Stun- den, verwelkt sind, ist das ein wunderbares Insel-Erlebnis – und es passiert genau in diesem Moment. Auch auf meiner Terrasse und das Foto habe ich heute in der Morgendämmerung gemacht …

Sixtinische Kapelle – in Felanitx!

Die Fassade als Ganzes …
… und im Detail

VERZEIHUNG, WENN ICH DIE WEINHAND- LUNG RAMIS IN FELANITX ZUM 3. MAL ERWÄHNE! Aber es geht nicht anders, und wer auf die Fotos schaut, wird das verstehen: Die ganze Fassade ist ein riesiges Gemälde und es zeigt drei Generatio- nen der Familie Ramis vor ihrem weißen LKW-Oldtimer! Da haben die Ramis eine uralte Kunst wiederauferstehen las- sen: das Außenfresko! Nicht ohne Eitelkeit, aber an ihrem eigenen Haus ist das erlaubt, man könnte es auch „Stolz auf Tradition“ nennen. Es ist ein bisschen schade, dass die Gasse, an der die Weinhandlung liegt, so eng ist, dadurch kann man nicht die volle Breite des Kunstwerks aus angenehmer Entfernung genießen. Aber es ist doch erstaunlich, dass es in Felanitx noch Künstler gibt, die solche Fresken anfertigen können, und das auch noch als Porträtszene! Adresse: c/. Convent 39-41 (das ist die Straße nach Manacor oder Portocolom, wenn man durch den Ort fährt).

 

 

 

 

 

Viel intensiver nach oben gucken!

Die Fassade des Cafe Colon …

… Gang zum Klo …

… DANN SIEHT MAN KOSTBARKEITEN WIE DIESE – am Café Colon auf der Plaza Espanya in Llucmajor! In spätem Moder- nismo, der speziellen mallorkinischen Ju- gendstil-Variante, die bis in die 30er-Jahre überlebte und Art Deco fast verhinderte. Was für eine Fassade! Mit den Initialen des Grün- ders (BT), einem Blumenkorb, Roncaillen und Girlanden, dem Café-Namen im Rund- bogen und der eigenwilligen Schreibweise von 1928 (1 in der 9) in Stein gehauen. Passend dazu das üppige Schmiedeeisen und die grünen Persianas. Und wenn man die Toiletten aufsucht, begegnet einem eine Mudejar-Dekoration mit Barock-Ornamenten! Hunderte solcher (einen steifen Nacken bewirkenden) Fundstücke gibt es auf der Insel, wenn nicht Tausende, das Café Colon in Llucmajor ist nur als Beispiel. Die Schatz- kammer Mallorca ist noch längst nicht geplündert von neugierigen Bli- cken und lüsternen Kameras …

Der Falter ist ein bekannter Vogel …

Was für ein Design von Mutter Natur!

… BEHAUPTE ICH! Letzte Woche herrschte große Aufregung auf dem Eiland, weil der Oleanderschwärmer (daphnis nerii) zweimal gesichtet worden war. Ein Nachtfalter der größeren Art, 12 cm Flügelspannweite sind nicht selten, und gezeichnet ist er wie ein olivfarbenes Seidenkleid. Man könnte ihn „Die Königin der Insel-Schmetterlinge“ nennen – aber die ist weder ein Neuling, noch, wie es in der „Mallorca Zeitung“ hieß, „Mallorcas neuer Schmetterling“. Ich sehe dieses Designer-Wunderwerk der Natur seit Jahren in meiner Umgebung (Ostküste) und wundere mich immer wieder über das wilde Art deco-Muster auf seinem Rücken, das Feinde abschrecken soll – und eine tolle Vorlage abgäbe für eine Robe auf den Laufstegen der Frühling- und Sommermode! Aber es ist ja schön, wenn Menschen sich immer noch (oder immer wieder) über einen schönen Nachtfalter erregen …

Viel mehr auf die Balkons achten!

Wieviele sind’s allein hier? Mindestens 9 …
Das Buch der Balkone

ICH KENNE KEINE STADT, DIE SO VIELE HAT – und in derartig unterschiedlichen  Varianten! Es muss eine Zeit gegeben haben, da man ungern auf die Straße ging und auf diese Weise am Leben in den Gassen teilnahm. An den „Miradors“ genannten Balkonen kann man auch erkennen, wie alt ein Haus ist – und die ältesten stammen aus dem 17. Jh. Die Balkone sind nie sehr tief, aber oft sehr breit, total verglast und meist etagenhoch. Da passt selten ein Sessel rein und heute dienen sie mehr als schmaler Wintergarten oder Abstellkammer. Dennoch lohnt sich ein Balkonblick beim Rundgang durch Palma immer und es gibt sogar ein hübsches Büchlein von 1989, das man immer noch bei Amazon oder Ebay bestellen kann: „Els Miradors en l’Arquitectura de Palma“ von Mercedes Gambus und Sebastia Mas.

 

 

 

 

 

4 Minuten Wagner für 2 Euro …

Der Sant Salvador von oben …
… das schlichte Kästchen …
… und die versteckte Erklärung

IN DER WALL- FAHRTS- KIRCHE AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX hängt ein unschein- bares Kästchen, das man für eine elektrische Installation halten kann und an dem deshalb 99,9 % der Besucher vorbeigehen. Dabei ist es ein Zauberkästchen, allerdings ohne Hinweis – nahezu geheim: Wer 2 Euro-Münzen einwirft, erlebt ein optisches und akustisches Schauspiel. Lichtspiele flammen auf im Kirchenschiff und rund um den Hochaltar und donnernd ertönt 4 Minuten lang der Pilgerchor aus Richard Wagners „Tannhäuser“. Das ist toll und mit 2 Euro nicht überbezahlt. Die Besucher sind begeistert, wenn einer das spendiert und ich rate jedem, es auch zu tun. – Ob’s so etwas auch in anderen Kirchen auf Mallorca gibt?

Schon mal gesehen, wie die Ur-Mallorkiner wohnten?

Die Archäologen stellen sich das vor nach dem, was sie ausgebuddelt haben …

ICH MEINE JENE, DIE UM MINDESTENS 1200 VOR CHRISTUS LEBTEN. Die unchristlichen Ureinwohner, die das Steinschleudern zur Kriegskunst gestalteten und in den Steinbauten ihrer Talayots und Navetas hausten. Es war ein hartes Leben, ohne Rad, aber mit Feuer. Mit Ackerbau und Viehzucht, und allmählich entwickelten sie Komfort: Ihre Bauten wurden einstöckig, sie gruben Brunnen, die ersten schlichten Möbel wurden entwickelt – und das alles kann man mit ein bisschen Phantasie in Closos C’an Gaya besichtigen, einer fast vergessenen, viele 1000 Jahre alten Siedlung am Ortsausgang von Portocolom in Richtung Golfklub Vall d’Or, direkt rechts an der Straße. Hier wird dauernd gebuddelt von Archäologen und sie haben veranlasst, dass auf Tafeln ausführliche Texte mit Illustrationen auch auf Deutsch zu finden sind.

Es passiert nicht nur in der Kathedrale …

So sieht die kleine Madonna dann aus …

… SONDERN AUCH HOCH DROBEN AUF DEM SANT SALVADOR BEI FELANITX! Dass an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Minute, eine Fensterrosette von der Sonne so haargenau in eine Kirche geworfen wird, so dass sie als glitzernde Spiegelung auf einer Wand erscheint. Auf dem Sant Salvador hüllt der Lichterkreis die schöne alte (wenn auch kleine) Madonna vollständig ein – und einen Tag später bildet er (nur) die leuchtende Krone der Muttergottes. 2018 geschieht das Ereignis Nr. 1 am Dienstag, 30. Oktober, um 8.17 Uhr, und das Ereignis Nr. 2 am Mittwoch, 31. Oktober, um 8.16 Uhr. Die Zeiten verändern sich natürlich von Jahr zu Jahr, aber sie werden minutengenau bekanntgegeben in der auf Mallorquinisch erscheinenden Lokalzeitung, man kann aber im Rathaus oder oben im Kloster nachfragen. Nun ja, die Erscheinungen des Sonnenfensters sind eh abhängig von einem wolkenklaren Himmel. Oder wie wie es so schön auf Mallorquinisch heißt: „… amb permis de la climatologia.“

An der Hand von Frau Flohr …

Frau Flor und ich in der Nähe von Alaro

ICH BEKENNE, DASS ICH WENIG DAZU SAGEN KANN, ich habe so einen Ausflug noch nicht mitgemacht – und auch keiner meiner Bekannten und Informanten. Ich kann nur berichten, dass Ingrid Flohr, eine deutsche Kunstexpertin und ehemalige Galeristin mit Basis in Santanyi, solche Exkursionen neuerdings veranstaltet: Atelierbesuche, Palma-Touren, Museumsführungen sowie kulturelle  Veranstaltungen nach Maß. So etwas finde ich außerordentlich wünschenswert in der viel zu häufig unter Ausländern zur Wüste geratenen Kulturlandschaft Mallorca. Aber wie gesagt: Ob das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, muss jeder selbst herausfinden. Um ein Beispiel zu geben: Für eine Wanderung durch das Rolf Schaffner-Museum und den Skulpturenpark in Santanyi, die zwei bis drei Stunden dauert, berechnet Frau Flohr bei einer mindestens fünfköpfigen Gruppe 10 Euro pro Person. Das ist wirklich nicht zu hoch gegriffen. Kontakt: galeriaflohr@gmx.net und (0034) 690 12 

Vergesst das Can Prunera nicht …

Der Palast von Außen …
… einer der prachtvollen Säle …
… und hier liegt „Can Prunera“

… WENN MAN SOWIESO MIT DEM BÄHNLI NACH SOLLER + PORT ZOCKELT! Das ist das offizielle Jugendstil-Museum, denn in Soller haben die aus Frankreich zurückkehrenden Gastarbeiter den „Modernismo“ erfunden, und hier feiert die mallorkinische Variante dieses Kunststils ein Festival der Sinne. Aber das „Can Prunera“ ist mehr: 1. Ein prachtvoller, voll eingerichteter Palast, 2. Ein bemerkenswertes Museum moderner Kunst, und 3. Eine interessante Galerie mit wechselnden Ausstellungen junger Künstler, die nach den Vernissagen meist in höchste preisliche Sphären entschweben. Zudem kostet der Eintritt nur lächerliche 5 Euro, da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis! Öffnungszeiten: 1. 11. – 28. 2. 10:30 bis 18 Uhr, 1. 3. – 31.10. 10:30 bis 18:30 Uhr.