Sehenswürdigkeiten

Buddler wieder bei der Arbeit!

Archäologen beim Buddeln in Can Gaia

AUCH WENN FUNDSTELLEN NOCH SO VERLASSEN AUSSEHEN – ab und zu kehren Archäologen zurück und buddeln weiter! So, als ob sie etwas vergessen haben. So passiert es gerade in der Talayot-Siedlung Closos de Can Gaia am Ortsausgang von Portocolom in Richtung Golfklub Vall d’O (direkt an der Straße rechts). Ende Juli haben die Forscher mit Hilfe von Freiwilligen damit begonnen und die Arbeiten werden sich bis weit in den August hinziehen. Was genau sie zu finden hoffen, ist mir nicht klar geworden, man spricht von „weiteren Erkenntnissen über die Lebensart unserer Vorfahren.“

Rabattmarken bei „Spar“ – da spart man wirklich!

4 x Rabatt auf Attraktionen …

WER JETZT BEI SPAR EINKAUFT, KÖNTE MIT WACHEN AUGEN EINEN STAPEL GUTSCHEINE ENTDECKEN! Ich bilde einen hier ab. Er besagt, dass man Rabatt bekommt, wenn man die Abschnitte im „Aqualand“ in El Arenal (4 Euro), im „Marineland“ in Costa d’en Planes (4 Euro), im „Waterpark“ in Magaluf (4 Euro) und in der Hams-Höhle in Portocristo (2 Euro + 50% für Kinder) an der Kasse vorzeigt. Das gilt für maimal 4 Erwachsene, allerdings ist kein Verfallsdatum angegeben. Nicht schlecht, das kann 16 Euro Ersparnis bedeuten – und dafür bekommt man in so manchem Laden zwei „Menu del Dia“. Übrigens: Hinten auf dem Gutschein sind auch noch die Anfahrtwege abgebildet, was für ein Service!

Blick nach oben richten!

Ein tolles Palais, das Rathaus, ja …

DIE RENOVIERUNG des Rathauses in Palma, nach Monaten mit Gerüst beendet, hat einen Schatz gerettet – die Unterseite des Daches! Dort verstecken sich, meist im Dunkel des Schattens, köstliche Schnitzereien aus dem 17. Jahrhundert, und man fragt sich, wieso es den Baumeistern wichtig war, solche Kunstschätze so hoch oben, verborgen im Winkel der Dachkanten und aus finsterem Holz anbringen zu lassen, an das nicht nur am Rathaus, sondern so gut wie jedem alten Palais. Es genügt also nicht, Fassaden zu bewundern, man muss sich die Mühe machen – notfalls mit einem Fernglas, so albern das auch wirken mag – unter die Kanten zu schauen. Was sieht man? Balken und Kassetten, geschnitzt mit antiken Göttern, Engeln, allegorischen Figuren, Geissblatt-Ranken und berocken Arabesken, und oft sind sogar die Meister bekannt, die diese Arbeiten geliefert haben. Am Rathaus in Palma war es ein gewisser Gabriel Torres Cladera, der 131 qm Fläche füllte, weshalb die Restaurierung 245 000 Euro kostete! Übrigens: Der Blick lohnt sich inselweit, denn auch die Paläste in den Landstädtchen können mit Schnitzkunst in luftiger Höh‘ prunken …

Felanitx wird interessanter!

felanitx-1ES WAR IMMER EIN NETTER ORT, aber kein Touristenziel. Aber nun gibt es die „Fundacio Cosme Bauca“ und die hat ein bemerkenswertes Museum geöffnet: Die Sammlung des Pfarrers Cosme Bauca (1871-1959) in seinem ehemaligen Wohnhaus „El Milo d’en Bou“, einem eigenwilligen Modernismo-Bau, gestaltet wie eine Burg, auf 3 Etagen und nett hergerichtet. Der geistliche Herr, der nebenbei eine sechsbändige Geschichte des Städtchen verfasst hat, muss – wie sein Kollege Mossen Alcover in Manacor – alles, was ihm in die Hände fiel, nie mehr hergegeben haben! So ent- stand eine gewaltige Kollektion von archäologischen Funden, Handwerkszeug, Bildern und Skulpturen, Haushaltsgeräten, Bauerngut, Bürgerstolz und Ethnologie. Das ist so interessant und sehenswert, dass die Stadtväter sogar (lila) Hinweise an die Straßenschilder und Hauswände gehängt haben, um Besucher anzulocken. Doch leider sind die Öffnungszeiten so merkwürdig und wechselhaft, dass man auf die Website des Rathauses muss, um zu kapieren, wann man ins Museum darf (und die Website ist auf Mallorquin!). Aber egal, man tut’s und der Besuch lohnt sich …

Adresse: Carrer de sa Sinia, 20. Geöffnet: Di 9-14 Uhr, Mi 16-20 Uhr, Do 9-14 Uhr, So 10-14 Uhr. Telefon: 971/ 58 11 88. Email: fundaciocosmebauca@gmail.com

Das Teufelsding von Sa Pobla …

scanmonsterEIN SCHERZ, EINE MUMIE, WIRKLICH EIN TEUFELSDING? So sieht es aus: Menschlicher Oberkörper, Arme mit Krallenhänden, ab Hüfte ein Fischleib, der in Flossen endet, und oben drauf ein grausiger Kopf mit Dämonenfratze, gefletschten Zähnen, riesigen Augenlöchern und einer Nase wie ein Batzen Lehm. Das Ding, „Es dimonio de sa Pobla“ genannt, liegt – halb aufgestützt – auf einem Block im Museum, und keiner weiß, 1 woraus es besteht und 2 wo es herkommt. Die Theorien: Ein Präparator hat sich einen Scherz erlaubt, es wurde in den Albufera-Sümpfen gefunden oder Fischer haben es in ihren Netzen aus dem Meer gezogen. Alejandre Ballester, einst Stadtschreiber von Sa Pobla, konnte immerhin herausfinden, dass das Gruselding im 19. Jahrhundert einem Jäger gehörte, der es seinem Sohn vererbte und der vermachte es der Stadt. Worauf es konsequenterweise im Museum landete. Was immer noch die Herkunft und tiefere Bedeutung erklärt, so dass es Menschen gibt, die vermuten „Es dimonio“ sei entweder vom Himmel gefallen oder der Hölle entstiegen. Frage: Grinst oder faucht das Ding? Die einen sagen so, die anderen so, ich denke, es lacht über uns, die wir rätseln und es alle Antworten kennt …

Was ist denn das fuer ein Bau?

MudejarFÜR DIE VIELEN, DIE SICH GEWUNDERT HABEN, und nie eine Antwort bekamen, wenn sie vor dieser Skurrilität standen: „Mudejar“ ist ein Baustil, der im 12. Jahrhundert aufkam, sozusagen als nostalgische Erinnerung der mallorkinischen Mauren an ihre geliebte Heimat Andalusien, und er enthält seltsamerweise auch übernommene romanische, gotische und renaissance-artige Elemente. Zur Jugendstilzeit entdeckte man ihn neu, nun hieß er „Neomudeixar“ und sah noch skurriler aus – man betrachte nur Can Corbella, das wie gefaltet aussehende Haus am anderen Ende des Rathausplatzes in Palma. Mit Glasfenstern in kreischenden Farben, völlig nutzlosen, aber dekorativen Türmchen, Balkonen mit geschnitzten Ornamenten, fast nur vertikalen Elementen, horizontale sind ungeliebt, und Fassaden, die wenn sie schon nicht von einem Cartoon-Zeichner in den Disney-Studios entworfen wurden, vom Zuckerbäcker im Basar von Infahan stammen könnten. Das Can Corbella lässt natürlich an die 300 Jahre denken, in denen die Mauren Mallorca beherrschten, aber irgendwie ist dieses Gebäude eine Karikatur, als würden sich ie Christen lustig machen über die Herren von Gestern. Das Eckhaus wurde Ende des 19. Jh. in der heutigen Form restauriert als Wohn- und Geschäftshaus, inzwischen gehört es natürlich einer Bank, und wenn Sie sich manchmal fragen, was wohl da oder dort hinter den Rosetten oder Säulen liegt, dann sage ich Ihnen – gar nichts, das ist reiner Putz, nur Blendwerk!

Es ist kalt in Drac …!

drachIN SORGE UM DAS WOHL- ERGEHEN MEINER LESER erlaube ich mir diesen Tipp: Wer im Hoch- sommer, während der ärgsten Hitze, die Drach-Höhlen in Portocristo besucht, riskiert seine Gesundheit – wenn er nicht vorbereitet ist! Die Höhlenbetreiber selbst warnen dringend vor dem Temperatur- sturz: Selbst wenn es draußen 36 Grad heiß ist, wird es in der Drach nie wärmer als 17 bis 21 Grad! Ein Gefälle von 20 Grad oder sogar mehr. Dabei beträgt die Luftfeuchtigkeit dort unten 90 bis 95 Prozent, was die Kühle noch unangeneh- mer macht. Man muss also eine Windjacke oder einen Pulli dabei haben, sonst haut es einen um! Denn immerhin dauert die Besichtigung (die nur in Gruppen stattfindet, auf der Karte von rechts außen bis links oben) ungefähr eine Stunde – 60 Minuten in der Kälte. Ich weiß, das ist ein spießiger Tipp, aber sonst erwähnt das ja kaum einer …

Das besondere Erlebnis in der „Geisterkirche“

Party mit Band in der Kirche …
… hoch ueber Son Servera

SIE STEHT IM STÄDT- CHEN SON SER- VERA, zimlich hoch auf einem Hügel, heißt simpel „Iglesia Nova“ und ist trotz ihres gotischen Aussehens eine junge Ruine. Denn sie wurde erst 1905 begonnen, Architekt war der Gaudí-Schüler Joan Rubio, wurde nie fertig und 1932 beendeten die Stadtväter den Bau aus Geld- und Lust-Mangel. Was macht man mit einer Kirche ohne Dach, mit leeren Fensterhöhlen und nichts tragenden Säulen? Man nutzt sie als Konzertsaal, Sportarena und Party-Location (denn sie wurde ja nie geweiht). Und ich erkläre hiermit: Es ist ein besonderes Vergnügen, in der „Iglesia Nova“ einem Konzert, egal ob Pop oder Klassik, zu lauschen oder ein Festessen einzu- nehmen! Es herrscht eine seltsame weltlich-sakrale Stimmung im mit Gras belegten Kirchenschiff. Man sitzt/steht/genießt Open-air – und auch wieder nicht, weil die Architektur zwar den Himmel zulässt, aber auch dreiseitig schützt. Zudem haben blühende Sträucher den Bau erobert – und bei Sonnenuntergang meint man, eine Lichtershow in Gottes Disko zu erleben. Mein Tipp: Bei der Gemeinde Son Servera nach der nächsten Veranstaltung fragen (die haben auch eine ziemlich gute Website) und die Event-Hinweise der deutschen Wochenzeitungen durchstöbern. Leute, es lohnt sich!

Psst, ein Geheimtipp: Jornets …

jornets-1jornets-2JA, JA, JA, ICH WEISS – Fornalutx ist das schönste Dorf der Insel und Pina ist die Nr. 2! Mag durchaus sein, aber meine Meinung ist das nicht. Denn für mich ist JORNETS der roman-tischste, idyllischste, herrlichste Ort auf Mallorca. Ich habe immer das Gefühl, ich müsse hier auf Zehenspitzen gehen und den iPhone-Ton ausstellen, Husten wirkt wie Gewitter, Niesen wie der Urknall. In Jornets gibt es nur eine Straße und einen Weg und gerade mal 10 Familien mit 25 Personen (wie meine Kollegin Nele Bendgens für die „Mallorca Zeitung“ gezählt hat) wohnen hier, sogar ein deutsches Pärchen. Es gibt eine alte Kirche, eine „possessio“, die nutzlose Erinnerung an eine Bar und ab und zu erscheint ein Pfarrer. Und sonst? Reines 18. bis 19. Jahrhundert, dennoch wie aus dem Ei gepellt, hier weht der Wind kein Papierfetzlein vor sich her, Blumen, Vögel in Käfigen, Wege mit Grasbürsten, grün umschlugene Märchen-Gemäuer, schöne alte Fassaden, ab und zu ein Brunnen. Und wo liegt dieser wunder- same Ort? Auf halber Strecke links an der PM-324 von Sineu nach Inca, etwa 3 km hinter der Anzweigung nach Costitx.

 

 

Nach oben schauen in Campos!

schornsteine-2 schornsteine-3 schornsteine-5 schornsteine-6AUF YOUTUBE sind viele seltsamen Dinge zu sehen, aber beim Thema Mallorca dürfte das der merkwürdigste Film sein: „Funerals artistics de Campos“! Es geht um die Schornsteine der Gemeinde und die sind tatsächlich einmalig auf der Insel. Von Meistern wie „Matgi Marc“, „En Tintorer“ oder den Gebrüdern Melero gestaltet in den 1940er- bis 1960er Jahren, völlig verrückte Rauchabzüge auf den Häusern, jeder ein Unikat, sinnlos schöne Kunstwerke (man betrachte sich nur mal die Beispiele) und ein „funeral“ von Toni Clar in der Carretera de Felanitx gilt als Krone der Schornstein-Schöpfung. Kein Mensch weiß mehr, wie es dazu kam, mein Freund Xim meint, da habe einer angefangen und dann hätten sich die Kaminbauer gegenseitig hochgestachelt. Und so hat Campos außer dem zweifelhaften Morillo-Gemälde und der Bäckerei Pomar doch noch was zu bieten …