Straßen & Plätze

Danke für die Information!

Hübsch und informativ …

DA KANN ES PASSIEREN, dass einer im Carrer d’en Sabastia Rubí wohnt, keine Ahnung hat, wer dieser Rubí war, vielleicht ist es ihm auch piepegal, und doch gehört es sich, aus Höflichkeit den Ureinwohnern gegenüber, dass man sich wenigstens mal erkundigt! Nun gibt es einige Gemeinden (wenige, aber immerhin …), die ihren Bürgern das lästige Nachfragen ersparen, indem sie gleich auf ihre Straßenschilder schreiben, wer der Mensch war, der so geehrt wird. Und so erfährt man zum Beispiel in Manacor, dass jener Sebastia Rubí ein Theater-Autor war, also ein Dramatiker (und ich kann zu ihm nachtragen, dass er von 1905 bis 1985 gelebt hat). Gracias und hübsch ist das Kachelschild auch noch. Ich mag sowas, es bringt uns die Insel-Kultur drei Millimeter näher und es kann doch sein, dass dieser Señor Rubí Stücke schrieb, die richtig gut waren und auch uns Deutsche interessieren würden, wenn wir sie verstehen könnten …

Hier wird’s richtig eng …

Der Carrer ist rechts unten 

ER HEISST CARRER DE CRIANCA, liegt nicht weit von der Kathedrale und ist eine Gasse in Palmas Altstadt, zwischen der Sol und der Monti-Sion, die so eng ist, dass sie sich aus den Etagen einen Teller Paella von Haus zu Haus rüberreichen können. Geht man durch den Carrer, kommt man sich vor wie in einem Tunnel mit Licht am Ende und der Himmel blickt nur einen Spalt breit herein (auch weil sich die Häuser oben gegeneinander neigen), deshalb herrscht hier immer eine gewisse Dämmerung. Ich habe bemerkt, dass die Fensterläden an einigen Gebäuden nicht aufgeklappt werden können, sondern an der Hauswand entlang verschoben werden müssen – im Parterre würden sie sonst zur Straßensperre werden! Da muss vor einigen Jahrhunderten wenig Platz gewesen sein, zumal damals ein breiter Lauf- und Fahrweg als unanständiger Luxus galt. Es ist ein lustiger kleiner Ausflug, wenn man sowieso in der Gegend ist, und ich rate dazu …

Wer, bitte, darf hier nicht fahren?

Was sieht man da?

ALSO ENTWEDER IST DAS EIN VERBOTSSCHILD VON ANNO DUNNEMAL – oder in Portocristo verkehren Fahrzeuge, die man sonst nirgendwo sieht! Ich stand davor und rätselte: ein Oldtimer-Bus? Ein 12-sitziges Safari-Auto? Ein Reparaturwagen der nordkoreanischen Verkehrsbetriebe? Ein Eigenbau zum Kindergeburtstag? Das Schild ist mitten im Ort angebracht und verbietet dem, den’s betrifft, eine Straße zum Hafen hinunter zu befahren. Aber wer soll sich da betroffen fühlen? Ein kleines Kuriosum, witzig, finde ich, und ich werde mal nachfragen, ob ich es haben kann. Dann werde ich auch erfahren, für oder gegen wen es gedacht ist, das teile ich dann sofort mit …

… und die Gemeinde mauert!

Hier geht’s ja noch …
… hier wird’s tief …
… und das ist ganz arg!

WAS MAN HIER SIEHT, IST DIE STRASSE, AN DER ICH LEBE! Nicht asphaltiert, 1 km lang, den Berg hoch und in 16 Häusern von 16 Familien bewohnt: 6 Mallorkiner, 5 Deutsche, 3 Schweizer und 1 Französin. Ab und zu ist die Straße kein Camino, sondern ein Torrente. Wenn’s regnet. Und wenn’s dann wieder trocken ist, bleibt ein Bachbett zurück. Das ruiniert selbst Traktoren und schwere Geländewagen. Weil sich bis zu 30 cm tiefe Canyons auftun und tiefe Seen entstehen. Und weil Felsbrocken nach oben geschwemmt werden. Seit Jahren versuchen die Anwohner, die zuständige Stadt Manacor um Abhilfe zu bitten – vergeblich! Das Problem: Nur 16 Anwohner und 9 davon sind Ausländer, die nicht ständig an dieser Straße wohnen. Nun gut, ich sehe das ein: Nach den Unwettern gibt es schlimmer Betroffene. Solange wir noch irgendwie rauf und runter kommen, liegt kein echter Notfall vor. Begriffen! Dennoch: Der Weg ist Gemeindegebiet und auch die 6 Ausländer zahlen Steuern, und das nicht zu knapp! Wir verlangen ja nichts, wir bitten nur (seit Jahren) …

 

 

Boeschungsputzer sind unterwegs!

Aufgesammelt und …
… bereit zur Abholung

EIN HOCH ERFREULICHER ANBLICK, diese orangenen und neongelben Männchen mit ihren Harken, Besen, Zangen und Spießen! Zu Dutzenden ziehen sie die Straßen entlang (es ist Ende Juli) und picken allen Müll auf (nahezu unter Lebensgefahr), füllen ihn in orangene Säcke und Lastwagen fahren sie später weg. Blitzblank sind die Straßengräben, kein Fitzelchen Papier liegt mehr herum. Und wieviel Müll verschandelte vorher die Landschaft, ich habe auf 13 km über 30 Müllsäcke gezählt. Großartig, liebe Gemeinden, muchas gracias, zumal die Touristen den meisten Müll verursacht haben, man sieht das an den Hunderten von Plastikflaschen und Drinkdosen!

Wer fuhr das Fahrrad auf dem Kreisel …

Timoner 1Timoner 2Timoner 3WENN MAN VON CAMPOS KOMMT und  nach Felanitx einfährt? Es gehört der Gemeinde, eine fast geniale Skulptur in ihrer simpen Ausdruckskraft und sie soll den größten (lebenden) Sohn der Stadt ehren, den Radrennfahrer Guillem Timoner. Er wurde 1926 bettelarm geboren, war ein „Steher“ (einer der auf der Holzbahn einem Motorrrad folgt), war zwischen 1955 und 1985 sechs Mal Weltmeister (bei seiner letzten WM war er 59!), führt einen Fahrradladen in Felanitx, ist der Namensgeber des Sportzentrums – und nicht weit davon, auf dem Kreisel, wenn man von Campos kommt, da steht er überlebensgroß als minimalistische Metall-Silhouette. Als ich den 90-Jährigen besuche, macht er einen seiner üblichen Scherze: „Ich habe mich sofort wiedererkannt, der Bildhauer hat mich gut getroffen! Kaufen Sie jetzt endlich ein Rad von mir?“ – Ich bin dann hinauf zum Klosterberg San Salvador, um wieder mal die 5 WM-Hemden zu besichtigen, die dort im Vorraum zum Restaurant unter Glas hängen, so wie er es der Madonna versprochen hatte, sollte sie ihn zum Sieg führen. Ein bisschen eingestaubt sind sie, aber weiterhin skurril genug.

Kleines Wunder auf steinigem Weg

Sie leuchten orange …
… und strahlend blau …
… auf diesem harten Weg

ALLE FAHREN DRÜBER, keiner schaut zu Boden. Das haben diese tapferen kleinen Blumen nicht verdient. Nur etwa 5 mm sind ihre Blüten groß, aber leuchtend blau und orange! Ich weiß nicht, wie sie heißen, aber ich bewundere sie: Wie können sie mitten auf einer steinigen Straße wachsen, auf der sie nur überfahren und getreten werden? Nie gegossen und ständig eingestaubt. Ich habe sie nur gesehen, weil ich mir einen Schuh zubinden musste. Diese Entdeckung mag unerheblich sein für einige, aber für mich ist sie wichtig, weil diese Blumen der erneute Beweis sind, dass es auf Mallorca dauernd etwas zu bewundern gibt, und hier haben wir es mit einem kleinen Fall von rührender Schönheit zu tun …

 

 

Der Gestank kurz vor/nach dem Flughafen …

ICH DENKE, DASS INZWISCHEN MILLIONEN DIE NASE GERÜMPFT HABEN! Es ist ja auch, als hätte eine Armee von Zyklopen eine Furz-WM veranstaltet. Ich möchte nicht wissen, wie oft sich Leute im Taxi oder im Leihwagen gegenseitig beschuldigt haben, ohne einen Ton zu sagen … – grundlos! Denn der bestialische Gestank auf der Autobahn Ma-19 von Palma nach Llucmajor (bei km 5) oder umgekehrt, nicht weit von der Flughafenausfahrt, entsteht durch ein Umweltverbrechen: Jahrelang haben gewissenlos Unternehmer tonnenweise Müll in einen stillgelegten Steinbruch gekippt! Wenn man von Llucmajor kommt, sieht man vorne links und jenseits der Autobahn noch einen klaffenden, senkrechten Spalt – der Rest des Steinbruchs, die Quelle des infernalischen Geruchs! Als man den Skandal entdeckt hatte, geschah erstmal gar nichts, weil jeder die Schuld von sich wies, dann wurde der Steinbruch einfach zugeschüttet. Seitdem gärt und gast der Müll darunter, stinkt erbarmungslos aus allen Ritzen bis in alle Ewigkeit. Aber nach traditionell mallorkinischem Prinzip ist das Problem nicht existent, weil nicht sichtbar! Das wollte ich allen sagen, die sich immer schon gewundert haben und in Zukunft noch wundern werden …

Der dümmste Graffito Mallorcas …

… PRANGTE AUF EINER HAUSWAND IN FELANITX. Er lautete „Tourists Go Home! Refugees welcome!“ Mit dunkelblauer Farbe auf eine weiße Fläche gepinselt, maß er 4 x 1.50 m, und er fiel auf, weil er gegenüber der stillgelegten Weinkellerei direkt an der Umgehungsstraße angebracht war. Die Pinselschwinger waren sicher Idealisten, haben damit aber nur den Beweis erbracht, dass guter Wille oft der Feind der Intelligenz ist und der Spruch von den Narrenhänden, die Tisch und Wände beschmieren, eine tiefere Wahrheit besitzt. Gestern rückte eine Kolonne der Gemeinde an und übertünchte die Dummheit: Zuviele Felanigenses hatten sich geschämt …

… und jetzt auch noch mit Kopfhörer!

ES IST JA BEKANNT, dass Radfahrer meine besonderen Freunde sind. Dabei bewundere ich sie durchaus für ihre Beharrlichkeit, Kilometer um Kilometer abzustrampeln – bergauf, im Regen, in glühender Hitze und im dichten Autogetümmel! Aber als Verkehrsteilnehmer sind sie ein gewaltiges Ärgernis, weil sie provozieren und das Recht des Schwächeren schamlos und aggressiv missbrauchen. Je größer die Gruppe, desto schlimmer. Und heute habe ich den Gipfel der kurzbehosten Impertinenz gesehen: einen Pulk mit Kopfhörern! Radler, die akustisch nicht mitbekommen, was rund um sie herum auf der Straße geschieht. Die, sozusagen, mit Scheuklappen unterwegs sind, Blick stur nach vorne und Ohren zu. Ich dachte, das sei verboten, aber als ich ihnen ein freundliches Zeichen gab aus meinem Wagen (Hand auf Ohr), da reckte sich mir einen Wald von Stinkefingern entgegen. Sorry, aber das sind Radfahrer, die ich sofort von ihren Fahrzeugen und aus dem Verkehr ziehen würde …