Tiere

Einfach nur ein Idyll …

… FOTOGRAFIERT VON EINEM FREUND morgens um 8 Uhr aus seinem Schlafzimmerfenster hinunter auf seine Terrasse! Er ahnte ja nicht, dass sich eine Katze zwischen die Kakteen-Töpfe geschlichen hatte und nun ihn von unten beäugte mit sehnsüchtigen Miauen. Ein schönes Foto, ein sogenannter Schnappschuss, auch wenn weder etwas geschnappt hat, noch geschossen wurde. Lauschig still war’s, als die Sonne allmählich goldrot über den Hügel kroch, schon 25° warm und windarm. Nur das Miauen war zu hören, das ja bekanntlich nie Lärm bedeutet, und wäre mein Freund rausgesprungen aus dem Schlafzimmer, hätten ihn die Blumen mit ihren Töpfen aufgefangen! Er hätte lediglich die Kakteen auf der gemauerten Anrichte, auf der auch die Katze Platz genommen hatte, vermeiden müssen …

Böse Folgen der Pleite …

ICH SPRECHE VON ES FANGAR und dem Bankrott der Weltfirma Eisenmann! Auf dem Gelände bei Felanitx, das von der Größe her die Nr. 10 unter den 51 Gemeinden Mallorcas wäre, regiert jetzt der Insolvenzverwalter bzw. niemand. Das Paradies verwildert – und das hat grausame Folgen, wie mir meine mallorquinischen Freunde berichten: 2020, sagen sie, wurden um das Bergmassiv Mola de Fangar, das zum Eisenmann-Besitz gehört, um die 500 (!!) Wildziegen abgeschossen. In Worten: fünfhundert! Und 2021 seien es in nur 5 Monaten schon 250 (!) gewesen! Das heißt: Keiner kontrolliert den Ziegenbe- stand mehr auf natürliche Weise und keiner die enthemmten Schützen! Aber so viele tote Ziegen – ist das möglich? Ja, denn als ich in Deutschland war, haben sie allein in meinem kleinen Garten 21 Capras getötet – und nicht etwa am Grill gebraten, sondern an die Hunde verfüttert. Mit dem Argument: „Die Wilden sind zäh und schmecken nicht!“ Aber prachtvoll sind sie und 500 tote Ziegen kann und will ich mir einfach nicht vorstellen …

Die Wildziegen waren da …

… UND HABEN ALLES ABGEFRESSEN IN MEINEM GARTEN! Sie erinnern sich vielleicht noch an meine Klage vor ein paar Wochen: Wenig los in der Gegend wg. Corona, dreiste Ziegenherden steigen aus den Bergen, überfallen die gepflegten Gärten und hauen sich die Bäuche voll an Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten. Eine Katastrophe, nur Abschuss hilft (machen die verzweifelten Gärtner!) – und nun die ganz andere Version: 1 Der Garten sieht gepflegt und geordnete aus. 2 Was die Ziegen angerichtet haben, hätte normalerweise jeder kluge Jardinero tun müssen: Hohe Gewächse wurden durch den „Wildfraß“ bis auf 2 m sorgfältig beschnitten! 3 Die Rosen sind zwar in Schwierigkeiten, aber dem Hibiskus z. B. hat’s nicht geschadet. Alles wächst super nach und eher noch üppiger. 3 Die Kakteen haben die Ziegen verschmäht, die sehen wie eh und je aus. Und das bedeutet als Fazit: Ich würde mir so eine Invasion nicht nachmal wünschen, aber im Endeffekt hat sie nicht tiefgreifend geschadet, im Gegenteil!

Schmetterling dringend gesucht!

So hübsch sieht er aus, der Kampfbomber aus Asien …

ES IST EIN HÜBSCHER KERL, aber deswegen interessiert sich die Balearen-Universität nicht für den eingewanderten Asiaten mit dem schönen deutschen Namen Buchsbaumzüngler. Er sieht hübsch aus, wie der Stealth-Bomber einer exotischen Luftwaffe und genau das ist er: Ein gefräßiger Geselle, der um 2018 nach Mallorca eingewandert ist und gnadenlos die Buchsbäume und -hecken befällt. Deswegen möchten ihn die Wissenschaftler ausrotten bzw. ihn erst einmal finden, um zu begreifen, wie man ihm zu Leibe gehen könnte. Deswegen sollen sich alle unter www.biodibal.uib melden, die einen Buchsbaumzüngler gesehen haben. Tut mir leid, mit der Info kann ich nicht dienen, in meinen Garten war keiner; aber was heißt „leid“ – gottseidank …

Zum Abschuss freigegeben …

Eine Herde wilder Ziegen (16 Tiere!) verwüstet gerade unseren Garten …

LEIDER, ABER ES GEHT NICHT ANDERS! Ich mag die Balearenziege, ein stolzes, beeindruckendes Tier. Aber sie steigen jetzt in der durch Corona erzwungenen Stille in Herden aus den Bergen in die privaten Grundstücke und verwüsten sie. Mein Garten ist ein pflanzliches Trümmerfeld – alles abgefressen bis auf 2 m Höhe! Blumen, Sträucher, Bäume! So schnell kann man gar nicht reagieren, wie in meinem Fall, als 18 Capras (siehe Foto!) über unseren gepflegten Garten rund ums Haus, über die Terrassen und den Patio herfielen. Zäune? Das sind Kletter-Artisten, die überwinden jedes Hindernis, finden immer ein Schlupfloch! Nicht nur uns geht es so, auch die Mallorkiner sind verzweifelt. Einige haben sich jetzt Abschusslizenzen besorgt, die wurden von den Gemeinden liebend gerne erteilt, sie hätten sich sonst selbst um die Plage kümmern müssen. Und nun tritt etwas Unerwartetes ein: Greifvögel feiern ein Fest, versammeln sich um die Kadaver. Adler, Milane, Habichte und sogar die ersten Geier aus der Tramuntana wurden bei uns in der Levante gesichtet!!! So nützen die Abschüsse, die ich grundsätzlich und ehrlich bedauere, nicht nur den Pflanzenfreunden, sondern der übrigen Fauna Mallorcas. Aber ich kann verstehen, wenn sich jemand, der ein Apartment im 5. Stock bewohnt, über den Ziegentod aufregt …

Die Ziegen sind da!

DIE CAPRA BALEARICA, das größte Wildtier der Insel. Eigentlich scheue Gesellen, die in den Bergen leben. Nun, da durch den Virus so wenig los ist menschlich, trauen sie sich herunter, und nicht nur in der Tramuntana, sondern auch aus den Levante-Hügeln. Dringen in die Corona-verlassenen Grundstücke ein und fressen sich in den einst so gepflegten Gärten satt! Ein Gärtner sagte: „Sie richtigen Verwüstungen an, das ist zwar gut für das Geschäft, aber die Besitzer der Fincas würden heulen, wenn sie das sehen würden.“ Die sind aber nicht da, sondern in Deutschland, Österreich, der Schweiz usw., geflohen vor dem Virus. Eine Freundin aus der Gegend von Felanitx mit sechs oder sieben Grünen Daumen (so akribisch benimmt sie sich hortikulturell) seufzte: „Ich bin letzte Nacht aufgewacht vom  Trippeln der Hufe auf meiner Terrasse und ehe ich die Biester verscheuchen konnte, hatten sie die Blumen kahl gefressen!“ Inzwischen mehren sich die Klagen, bisher habe ich von rund einem Dutzend Ziegen-Überfällen gehört. Psychologisch bewundere ich die Tiere ja: Wie schnell sie kapiert haben, dass die Flächen, die der Mensch ihnen einst durch Bebauung gestohlen hat, ihnen wieder zur Verfügung stehen. Wie konsequent sie die Gärten und Parks zurückerobern, da sie die Bewohner nicht fürchten müssen, und sich im Recht der Wildtiere glauben, dass ihnen gehört, was die Natur wachsen lässt. Einige haltlose Tierschützer werden jubeln …

Gut, dass die ausgestorben sind …

So groß war der Riesenhase im Vergleich zum Menschen…
… so sah die Giganten-Spitzmaus aus …
… und so der XXL-Siebenschläfer

IMMER WIEDER ENTDECKEN FORSCHER GRUSLIGES, nämlich die Knochen oder Versteinerungen von gigantischen Tieren! Gottseidank sind sie längst ausgestorben, und es waren auch keine für den Menschen direkt gefährliche Raubtiere; aber allein die Vorstellung, dass ein überdimensionaler Hase (Nuralagus Rex) über die Insel hoppelt, 50 cm hoch und 12 kg schwer (= Schäferhundformat), verursacht Schaudern. Dazu kamen zwei rund 1 m lange (mit Schwanz) ebenso riesige und durchaus fleischfressende Nager: Spitzmaus Nesiotites Hidalgo und der eher noch größere Siebenschläfer Hypnomys waldreni. Die dürften Bassett-Größe gehabt haben. Es muss Steinzeitmenschen gegeben haben, die mit ihnen lebten – und sie aufaßen. Sie führten einen Fleischkrieg gegen die bepelzten Zeitgenossen und gewannen. Dafür kann man ihnen dankbar sein, aber möglicherweise gab es damals noch mehr Tiere in furchterregenden Größen, ich stelle mir gerade eine Ratte vor, die man für einen Rauhaardackel hätte halten können …

Im Kopf einer Ratte …!

Der Schädel von der Seite …
…  so groß ist er …
… und von vorne (auf Kork geklebt)

ICH HABE IHN IM GARTEN GEFUN- DEN, fein säuber- lich abgenagt von Ameisen, der blanke, komplette Totenkopf. Die Ratte war wohl an einer dieser blau- en Gifttabletten verendet, mit denen wir die Na- ger bekämpfen, und dann von den Piranhas des Erd- reichs bis aufs Skelett beseitigt worden. Ein interessantes Fundstück, mit den gesch- wungenen, etwas gelblichen Schneidezähnen oben und unten, die wie Dolche in Scheiden ineinander greifen, und winzigen Backenzähnen. Ich habe den Schädel auf einem Stück Kork festgeklebt und zeige ihn in einem Schaukästchen an einer Wand und es gibt keinen Besu- cher, der nicht fasziniert davon ist, eine Ratte – dieses geheimnisvolle, unbesiegbare Wesen – mal auf diese Weise zu betrachten. Der Totenkopf wirkt filigran und überraschend klein (er ist 4,5 cm lang), aber denkt man ihn sich in Fleisch, Organe und Pelz eingepackt, dann kommt das hin auf das Lebendformat. Nun ja, kann sein, dass es kein ganz ausgewachsenes Tier war.

Handgeschnitzt oder handgeschmiedet?

Eine Glocke aus Holz …
… oder aus Metall?

DAS IST DIE FRAGE, WENN’S UM ANTIKE GLOCKEN GEHT! Wenn ich über die Insel fahre und Bimmeln höre, verharre ich automatisch und versuche, die Töne zu deuten: Holz oder Metall? Holz klingt schwerer, dumpfer, melodischer; Metall heller, greller, aufdringlicher, weiter tragend. Ein paarmal ist es mir gelungen, Bauern alte Glocken für meine Mallorca-Sammlung abzukaufen, manchmal sogar mit dem handgegerbten Halsband. Da sind Prunkstücke dabei, z. B. Holzglocken von 20 cm Höhe, eine Metallglocke misst sogar 31 cm – und hat einen hölzernen Klöppel. Einst (und das ist sehr weit weg!) konnte man am Glockenton unterscheiden, ob es eine Kuh, ein Schaf oder eine Ziege war, aber dieses Wissen ist selbst den uralten Schmieden und Schnitzern verloren gegangen. Wenn Sie das nächste Mal bei Fahrten übers Land Bimmeln hören, denken Sie an meine Worte: Es war mal eine Kunst auf Mallorca, die Tiere auf der Weide mit Musik auszustatten …

Adios, Schaf – Ciao, Kuh!

Da gibt’s bald nix mehr zu feiern …
… und Kühe überleben als Sparschweine

MUSS MAN WOHL BALD SAGEN, und dass das, was da gerade geschieht, den Zei- tungen nur eine Rand- notiz unten rechts wert ist, bewer- te ich als Dummheit! Denn nicht nur die Bauern sterben aus, sondern auch das liebe Vieh. Mallorca wird bald zu 100 % auf Importe angewiesen sein – und hatte früher das Festland versorgt! Man muss sich die Zahlen nur mal auf der Zunge zergehen lassen: 2008 gab es auf der Insel 12 727 Rinder, 2018 waren es nur noch 7500, ein Minus von 41 %. Es existieren nur noch 28 Milchviehbetriebe! Und nicht nur das: In den genannten 10 Jahren sank die Zahl der Schafe um 95 000, das ist ein Sechstel des Bestandes! Ich sehe die Zeit kommen, da Mallorca nicht nur mit Tankschiffen voller Süßwasser versorgt werden muss, sondern auch solchen, in deren Bäuchen Kuhmilch schwappt – oder durch Containerschiffe voller Leche-Tetrapaks. Ich vermisse das „Mäh“ und das „Muh“ heute schon…