Tourismus

Kleine Wahrheiten über Corona …

ICH NENNE DIESE GESCHICHTE MAL SO. Weil der in den Medien berichtete Zustand wenig zu tun hat mit dem selbst Erlebten. Dies hier ist nur eine Momentaufnahme aus Portocolom, aber ich staunte nicht schlecht über die Details. wie da wären …

  1. Wer mittags im „Sa Llotja“ speisen möchte, muss sehr gute Beziehungen zu José Manuel haben, denn er ist derart ausgebucht, dass man normalerweise einen Tisch nur in 3 bis 4 Tage bekommt.
  2. Drüben in der Strandbar in Richtung Leuchtturm, wollte neulich einer abgeholt werden, aber es war nicht möglich wg. Verkehrsdichte und Vollparkerei auf der schmalen Straße. Sie trafen sich dann weiter unten …
  3. In dieser Strandbar, so erfuhr ich per Anruf, muss man sogar 5 Tage vorher buchen, bis dahin ist die Kneipe bis auf den letzten Platz besetzt.
  4. Am kleinen Hafenstrand geht es derart dicht (und ungeschützt!) zu, dass die Polizei vor ein paar Tagen erscheinen musste – und ihn schloss! Ihn einfach für den Rest des Nachmittags dicht machte und die Badenden vertrieb, halb-halbe Spanier und Ausländer! Aber völlig zurecht …

Wohl denen, die auf Mallorca sind, aber viel Rückkehr-Risiko für die, die gerade einfliegen wollen. Aber eins dürfte klar sein: Es ist schöner und sicherer auf der Insel als in Deutschland. Wenn man bereit ist, die Existenz des Virus zu begreifen …

Das wahre Problem mit den Sauf-Narren ist …

Als gäb’s das Virus gar nicht …

… DASS SIE NUR ÜBERS WOCHEN- ENDE EINFLIEGEN, montags sind sie wieder weg! Deswegen ist es ihnen schnurzpiepe, was sie mit ihrer Disziplin- losigkeit anrichten. Saufen, randalieren, Corona missachten – und weg! Worauf die Regierung gezwungen ist, die Quarantäne wieder zu verschärfen. Und da gibt es idiotische Medien, die von „Beschränkung der Freiheit“ sprechen, von der „Zerstörung des Paradieses“ und argumentieren: „Die Menschen wollen doch nur Spaß haben!“ Und dann behaupten dämliche Internet-Nitwits und sogenannte „Ballermann-Stars“, die Regierung sei selbst schuld, denn es wären keine Polizisten vor Ort gewesen, um jene deutschen und britischen Alks zu kontrollieren und disziplinieren. Leute, dann hätte es ein Frankfurt an der Playa gegeben, mit Straßenschlachten und Plünderungen. Jetzt hocken die Suffköppe Zuhause, fanden’s toll und grinsen hämisch über das, was sie angerichtet haben, und wir müssen’s ausbaden, Malle ist wieder unattraktiver geworden und vielleicht kommt sogar eine „2. Welle“. Aber eins muss man auch sagen: 99 % der Bierschuppen an der Playa gehören Mallorkinern, und die haben die Suffköppe hemmungslos abgefüllt, um möglichst schnell möglichst viel zu verdienen! Von diesen Wirten, oft ihre nahen Verwandten und natürlich Steuerzahler, reden die Insel-Politiker überhaupt nicht …

Ein ziemlich irres Souvenir …

ICH HABE ES IN EINER GRABBELKISTE AUF DEM FLOHMARKT IN CONSELL GEFUNDEN, es hat mich 1 Euro gekostet, aber es ist ja auch leer! Es ist eine Plastikflasche mit Schraubverschluss im Umriss von Mallorca, 16 cm hoch, beklebt mit einer Landkarte, einst gefüllt mit 0,1 Liter-Moscatel-Wein und auf einem Füßchen stehend. Die Fa. Antonio Nadal in Bunyola ist auf die verrückte Idee gekommen, und irgendjemand muss eine ganze Ladung aufgekauft und an abfliegende Touristen verteilt oder verkauft haben. Denn hinten klebt auch ein Papierchen, in 6 Sprachen, und auf Deutsch steht da: „Mallorca dankt Ihnen für Ihren Besuch und wünscht Ihnen eine gute Heimreise.“ Der Fusel muss schrecklich geschmeckt haben, aber das Fläschchen ist leer ein Hit, finde ich!

Menu oder „Plato economico“?

Reichlich für 9,90 Euro …

IM MOMENT IST DAS SO AUF DER INSEL: Wirte buhlen um jeden einzelnen Gast, denn viele sind es nicht, die jetzt hungrig unterwegs sind. Weil der kalte Wind verhindert, dass es auf den Terrassen gemütlich ist, die mit Plastik eingehüllten Veranden aussehen wie Tische & Stühle in Aspik und teuer geht aktuell überhaupt nicht in den Touristenorten. Und weil die, die noch zum Essen kommen, vor allem Einheimische sind, die keine Touri-Preise zahlen. Zu Dumpingpreisen zwischen 8 und 12 Euro werden deshalb dreigängige „Menus“ angeboten, die gar nicht mal übel sind (+ 1 Glas Wein, Mineralwasser, Brot & Oliven), aber einigen Wirten ist zu wenig, was sie damit verdie- nen, sie bieten lieber „Platos Economics“ an. Nicht billiger und nicht teurer, aber da kommt auf den Teller, was sie preiswert einkaufen konnten, der Gewinn ist also höher. Denn über eins muss man sich klar sein: Die Köche dieser im Winter auf Mallor- kiner konzentrierten Kneipen (= meist die Besitzer oder ihre Frauen) außerhalb von Palma kaufen auch bei Eroski, Lidl und Hiper ein, wie die Hausfrauen, und achten auf die Sonderange- bote! Was tun? Sich die Detail der Menus und Platos sagen lassen, kurz, aber scharf nachdenken, und bestellen, wenn nichts Verdächtiges auffällt …

Ich sah einen Lastwagen mit Koffern …

… UND DA AHNTE ICH, dass das was sehr Nützliches war. Tatsächlich: Als ich googelte, was da auf dem LKW gepinselt worden war – „Resort Flight Check-in“, da stellte sich heraus, dass es einen Service gibt, der Touristen die Mühe des Selbst-Eincheckens mit Koffer erspart! Weil die das Gepäck im Hotel abholen, zum Flughafen bringen, aufgeben – und der Reisende holt es dann, wie gewohnt, am Heimatflughafen vom Band! Ich hatte keine Ahnung, dass sowas geht, bei all der Security-Hysterie, deretwegen ja bekanntlich kein Koffer ohne den dazu gehörenden Besitzer fliegen darf. Was ich herausfand, war, dass gewisse Hotels mitmachen und man schrittweise vorgehen muss: 1 Liste der Hotels anschauen, die dabei sind, 2 Online einchecken, 3 Koffer im Ferienort bei „Resort Flight Check-in“ abgeben. Unklar blieb mir, ob nur britische Urlauber bestimmter Reiseveranstalter mitmachen dürfen, und was das kostet. Aber da kann man sich ja bei „Resort Flight Check-in“ erkundigen, die haben einen ganz starken Internet-Auftritt.

Seltsam, wer kauft denn sowas?

Beauty an der Playa …
… Oma & Opa landen …
… Tante Helga in Camp de Mar …
… Familie in Formentor

ALTE FOTOS MIT LEUTEN, DIE KEINER KENNT! Zu Dutzenden werden sie angeboten, ich denke, da plündern Enkel die Fotoalben ihrer Großeltern und verscherbeln die Agfa-klack!-Aufnahmen. Für 1.33 Euro (das ist der niedrigste Preis, den ich fand) bis zu 19.99 Euro. Zwar sind es Mallorca-Schnappschüsse, aber bedeutungs- los, weil sie äußerst selten „historisch“ sind, also nicht zeigen, wie’s mal war im Gegensatz zu heute. Aber offen- bar werden die Aufnahmen aus den 50er- bis 90er-Jahren gekauft, was ich unter Umständen verstehen könnte, wenn’s um FKK ginge, aber die war selten auf der Insel  unter Franco (kommt aber vor auf den Fotos). Meine besonderen Lieblinge sind die „Aussteiger“ – Ehepaare in Hüten & Mänteln kommen eine Flugzeugtreppe herunter, abgeschossen von Berufsfotografen als Urlaubssouvenirs. Richtig schön dämliche Bilder, wenn man nicht sagen kann: „Guck mal, Opa Erwin und Oma Elise!“ Oder „Hihi, Tante Helga landet in Palma!“ Wer gibt dafür Geld aus? Ein Rätsel …

Wussten Sie, dass es ein Biermuseum gibt?

Das Logo des Museums

JA, TATSÄCHLICH, ABER NICHT ETWA AM BALLERMANN, wo’s mich nicht gewundert hätte, sondern an der Straße von Palma nach Soller (nach 3 km). „Museo da la Cerveza“ heißt es, ist 365 Tage im Jahr geöffnet (!), aber nur von 12:30 bis 17 Uhr, es gibt ein Restaurant mit Büffet (mallorkinische Küche), aber ich habe gewisse Zweifel: Das Museum gehört zum Hippodrom Son Pardo, in dem Trabrennen stattfinden, und scheint nur ein Gag zu sein, um bierselige Touristen an die Wettschalter zu locken. Offizieller Slogan: „Genießen Sie in unserem Bier-Museum alles, was Sie sich wünschen.“ Ich war bisher noch nicht dort, habe mir nur berichten lassen, und das klang nicht nach ernsthafter Beschäftigung mit dem Thema Cerveza. Aber sei’s drum: Ist man eh auf der Straße von Palma nach Soller, kann man ja ruhig mal vorbei schauen. Tel.: 971 / 48 51 11.

Jetzt herrscht endlich Ruhe auf der Insel …

Herrlich, die 5. Jahreszeit ist angebrochen …

DIE MEISTEN HOTELS SIND ZU, viele Restaurants ebenfalls, offen sind nur noch jene Etablissements, die nicht auf Touristen angewiesen sind, sondern von den Einheimischen leben: die Dorfbars, die kleinen Posadas, die Kirchen mit dem Orgelspiel und die Läden, die keine Souvenirs verkaufen, sondern Notwendigkeiten des Lebens. Auf den Märkten wird wieder (stundenlang) geschwätzt und der beste Käse wird angeboten, weil die Schafe und Ziegen ihre Brut genährt haben und die Milch nun wieder den Menschen zur Verfügung steht: Mallorkinern und ausländischen Residenten. Ein paar Golfer treiben sich noch rum, ratlos, wo sie nach dem Spiel unter Ihresgleichen einkehren sollen, aber die verkraften wir. Die lästigeren Zugvögel der menschlichen Art (und die Teufelswespen) sind Zuhause im Winterquartier, die Insel ist wirklich „calma“ geworden, die Hektik wurde mit den Charterflugzeugen exportiert, die Strände haben wieder eine Landschaft und einen Horizont, auch wenn das Meer allmählich „Brrr“-Temperatur bekommt, und das „Ballermann“-Kehlchen singen nur noch unter der Dusche falsch. Wenn jetzt für ein paar Stunden die Sonne strahlt, denn ist es auf Mallorca selten schöner. Man trifft plötzlich sehenswerte alte Bekannte, die vorher die Masse Mensch gescheut und sich verkrochen hatten, und die ehrliche echte Inselküche erlebt eine saisonale Renaissance, denn den Köchen bleibt der Touristenfraß erspart. Geregnet hat’s auch endlich, es grünt und blüht, die Erde hat aufgeatmet und ich sitze dicht an der von der Sommerhitze noch aufgeheizten Hauswand und erlebe die 5. Jahreszeit Mallorcas – den Frühling nach dem Herbst und vor dem Winter …

Wie Mallorca wurde, was es ist!

Das Waldren-Buch …
… und das Graves-Buch

INTERESSIERT KEINEN? Würde ich nicht sagen. Wenn es unterhaltsam und doch informativ dargestellt wird, möchte man es schon wissen. Ich rate zu zwei Büchern, die man gleichzeitig und durcheinander lesen sollte. Beide sind auf Englisch, aber das be- herrscht ja wohl heute jeder. Nummer 1: „Insiders and Outsi- ders“ von Jacqueline Waldren. Die Nummer 2: „Wild Olives“ von William Graves. Beide spielen in Deia, „Insiders …“ ist die eher akribisch historische Aufberei- tung der Entwicklung des Ortes, das Graves-Buch sind die Kind- heitserinnerungen des Sohnes von Robert Graves im gleichen Städtchen. An Deia sollte man sich nicht stören, wenn man in Andraitx oder Capdepera wohnt, beide Autoren haben das Thema so intensiv angepackt, dass man begreift, wie Mallorca zwischen 1920 und 1960 von der ärmlichen Bauerninsel zur reichen Tourismus-Destination wurde – und wie Mallorca das überlebte. Ich kann sie Doppellektüre jedem, dem es nicht egal ist, wie die Insel heißt, auf der er lebt oder Urlaub macht, nur wärmstens empfehlen …

Nett, wie die Regierenden für uns sorgen!

Der deutsche Formentor-Flyer …
… und der 112-Sticker

ES IST NÄMLICH NICHT SO, wie uns einige Leserbrief-Schreiber weismachen wollen, dass „die Mallorkiner nur unser Geld nehmen, sich aber sonst einen Sch … um uns kümmern!“ Sie wissen genau, was sie an uns Milchkühen haben und tun eine Menge. Aber ich gebe zu, dass vieles unbemerkt an uns vorbei geht. Wie z. B. der Anfang Juni herausgegebene, vierseitige Flyer auf Deutsch (mit Planskizze und Hashtag) zur Sperrung der Formentor-Straße. Oder der Sticker für den Leihwagen oder andere Fenster, auf dem grafisch drastisch die Notrufnummer 112 empfohlen wird. An der Kommunikation hapert’s, nicht am guten Willen, und meist nehme selbst ich überrascht zur Kenntnis, was sie wieder alles getan haben für die Ausländer …