Trinken

Zugreifen, das ist die Gelegenheit, Ihr Hobby-Winzer!

Dekorative Weinballons …
… und das ist eine Weinpresse

ICH HABE ES NUR DURCH ZUFALL ERFAHREN: Ein Deutscher, der seit etwa 1989 jedes Jahr rund 500 Liter eigenen Rotwein gekel- tert hat, gibt auf, weil ihm mit 83 Jahren die Mühe zuviel wird. Und deshalb verkauft er sein gesamtes Zubehör, sozusagen seine Winzerei, für 500 Euro – ein Schnäppchen! Im Angebot sind ca. 50 Weinballons aus Glas, die Weinpresse, die Trau- benmühle, 5 Weinfässer a 120 Liter, einige Gärpropfen und diverses anderes Zubehör. Da sind nicht nur dekorative Stücke zum Ausschmücken der Finca darunter, sondern  einer, der auch eigenen Wein produzieren möchte, kann mit dieser Ausstattung sofort loslegen. Kontakt: 971 / 16 55 22 – und der Ex-Winzer bittet um hartnäckiges Klingeln …

Gestatten, eine Entdeckung im Glas …

EIN MALLORKINISCHER FREUND hat mir diesen Weißwein empfohlen, ein akribischer Trinker, dem ich vertraue, und ich entdecke immer mal wieder gern einen guten Wein von der Insel. Bei diesem hier kannte ich nicht mal den Winzer, Son Vich de Superna in Puigpunyent, und infolgedessen den Wein „Viognier“ schon gleich gar nicht. Und obwohl ich was gegen Wein in blauen Flaschen habe (sieht so unseriös aus!), folgte ich meinem Kumpel – und dieser Weiße aus den Bergen ist köstlich! Herb und dennoch nicht ohne Frucht, aus seltenen Trauben gekeltert (die man auf Mallorca „Aus der Hölle“ nennt, weil die Rebstöcke extrem schwierig zu pflegen sind), und er muss im Glas sehr kalt (10-12 Grad) sein. Allerdings teuer, unter 23 Euro geht da kaum was beim Jahrgang 2017, fast zu teuer – wie so viele Inselweine, deren Produzenten von Habgier gepeinigt werden. Aber der Tropfen ist so gut, dass man sich ihn ab und zu leisten sollte, und sei es nur zum Kennenlernen …

Sixtinische Kapelle – in Felanitx!

Die Fassade als Ganzes …
… und im Detail

VERZEIHUNG, WENN ICH DIE WEINHAND- LUNG RAMIS IN FELANITX ZUM 3. MAL ERWÄHNE! Aber es geht nicht anders, und wer auf die Fotos schaut, wird das verstehen: Die ganze Fassade ist ein riesiges Gemälde und es zeigt drei Generatio- nen der Familie Ramis vor ihrem weißen LKW-Oldtimer! Da haben die Ramis eine uralte Kunst wiederauferstehen las- sen: das Außenfresko! Nicht ohne Eitelkeit, aber an ihrem eigenen Haus ist das erlaubt, man könnte es auch „Stolz auf Tradition“ nennen. Es ist ein bisschen schade, dass die Gasse, an der die Weinhandlung liegt, so eng ist, dadurch kann man nicht die volle Breite des Kunstwerks aus angenehmer Entfernung genießen. Aber es ist doch erstaunlich, dass es in Felanitx noch Künstler gibt, die solche Fresken anfertigen können, und das auch noch als Porträtszene! Adresse: c/. Convent 39-41 (das ist die Straße nach Manacor oder Portocolom, wenn man durch den Ort fährt).

 

 

 

 

 

HIER GIBT’S WEIN VOM FASS – WEISS, ROT und ROSE!

Aus diesen Fässern wird abgezapft …

ICH HABE DIE WEINHANDLUNG „CAN RAMIS“ in FELANITX SCHON MAL ERWÄHNT, aber gestern war ich wieder mal da, hab‘ mir je 1 Liter Weißwein (2.30 Euro) und Rose (2.40 Euro) abfüllen lassen. Normalerweise müssen Kunden einen leeren Behälter mitbringen, aber inzwischen hat sich Remis eine Batterie leerer Plastikflaschen zugelegt und füllt die ab. Der Wein stammt aus der Bodega Ripoll, wird aus 100 Liter-Fässern abgezapft – und ist erstaunlich gut als Tafelwein! Ich war überrascht, denn früher wurde da oft mal Plörre ausgeschenkt, nun ist die Qualität deutlich verbessert. Und das zu dem Preis! Man findet „Can Ramis“ in einer schmalen Gasse namens calle Convent, 39-41. Ach, übrigens: Ein Stück weiter die Straße rauf liegt liegt rechts der Friseursalon KISKA. Chefin ist eine alte Dame gleichen Namens, die in ihrer Jugend eine berühmte lokale Schlagersängerin war – ich habe sie in Palma noch auf der Bühne gesehen und sie war sensationell gut …

Zwei Flaschen-Tipps für die Tafel?

Der Cava …
… und der Weiße

MEINE TIPPS SIND GLAUBWÜRDIG, aber ich muss eine Warnung vorausschicken: Wie fast immer, sind auch dies Insel-Tropfen zu teuer! Viel zu teuer! Das eine ist ein Rose-Cava, Brut natürlich, von Castell Miquel und er heißt, wie alle Produkte aus dem Hause Popp, sehr poetisch: „Pearls of an Angel“. Ein wirklich guter Cava, den ich – Prof. Popp sei gedankt – aus einer Magnum genießen konnte. Aber als ich ihn bestellen wollte, entdeckte ich, dass er 17.95 Euro kostet. Das ist mir zuviel, denn es gibt jede Menge erstklassiger Spanien- und sogar Mallorca-Sekte für weit weniger, ohne dass sie steil abfallend schlechter wären. – Die zweite Flasche ist der Chardonnay von Jose Ferrer, der „Dues“ heißt. Ein scheuer Adelsmann kredenzte ihn mir in seinem etwas feuchten Palazzo in der Tramuntana und er war bedeutsam gut. Das hätte ich von Ferrer nicht erwartet, und als ich mich im Internet nach dem Preis erkundigte, lag er bei 12.50 Euro. Was im Rahmen ist, aber 3 Euro weniger wäre gerechter. Dennoch: Wer sich’s leisten kann, sollte meinen Tipps folgen und mir beim 6. Glas einen kleinen Toast schenken …

Mandelmilch ist was Besonderes …

Ein wunderbarer Hinweis …

… VOR ALLEM, WENN SIE NICHT INDUSTRIELL HERGESTELLT UND IMPORTIERT WIRD! Daran wurde ich erinnert, als ich an einerm Gehöft vorbeifuhr und dieses Schild im Fenster sah: Tenemos leche de almendras! Hier wird sie noch frisch gepresst und, sozusagen, schlückchenweise verkauft. Zu welchem Preis konnte ich nicht herausfinden, da die Bewohner gerade nicht da waren. Das ist ja auch egal: Mir genügt es, dass die Mandelmilch immer noch „privat“ und auf die antike Art hergestellt wird (meine Frau besorgt sie sich seit jeher und kocht damit). Und damit ist eine weitere, uralte Sitte noch nicht ausgestorben – halleluja …

 

 

 

Der Wein ist noch nicht ausgereizt …

Die prallen Encursac-Trauben …

MEINE EINSTELLUNG ZUM MALLORCA-WEIN ist je bekannt: Von zu vielen Winzern wird getrickst und gepanscht, denn was in all den Flaschen angeboten wird, gibt die Anbaufläche der Insel gar nicht her! Da landen nachts Tankschiffe mit Wein vom Festland und der mallorkinische Traubensaft wird gestreckt, dass sich die Etiketten biegen … ABER: Es gibt vergessene, kaum noch existierende, bemerkenswert gute einheimische Rebsorten, die nirgendwo sonst vorkommen, und eine heißt ENCURSAC (mit den Synonymen Corcac, Cursach, Escorcac, Escursag und Excursach). Der Erzherzog hat Encursac in seinen „Balearen“ um 1871 erwähnt, dann rottete die Reblaus Ende des 19. Jh. die blühende Winzerei auf Mallorca fast ganz aus und erst 2006 konnte Encursac auf einer lächerlichen Fläche von 0,5 ha wiederbelebt werden – und hat sich prächtig erholt seitdem. Man zieht einen aromatischen Rotwein aus dieser Rebe, mit mäßigem Alkoholgehalt und zurückhaltendem Tannin. In ersten Flaschen steckt Encursac schon drin, also immer mal auf die Flaschen-Rückseite gucken! Und, bitte, die Winzer ermutigen, die restlichen zehn oder 12 Insel-Rebsorten zu retten und wieder anzubauen (und nicht die billige Plörre vom Festland dazuzugießen) …

P. S.: Es gibt allerdings ein Problem. Denn die feinen, fast verschollenen Rebsorten der Insel sind von der Balearen-Regierung (noch) nicht „anerkannt“. Die Encursac ist es, aber erst nach zehnjährigem harten Kampf …

Kein Wein für Machos …

Fische fahren Fahrrad …

ES IST EIN ROSÉ, der von 2016 kostet zwischen 7 und 10 Euro, er hat 13 % und heißt „Bicicletas y Peces“: „Fahrräder und Fische“. Auf dem Etikett sieht man drei Geschuppte, die in die Pedale treten, und auch sonst ist dieser Wein seltsam: Die Reben stammen aus der Gegend von Murcia, aber angefüllt wurde er bei Antonio Nadal in Marratxi! Kein übler Tropfen, wenn’s sehr heiß ist und der Wein klirrend kalt, aber ich möchte auf ein anderes Kuriosum hinweisen: Machos könnten Schluckauf bekommen, wenn sie ihn trinken, denn in den 70er-Jahren lautete ein Credo der weltweiten Frauenbewegung: „Ein Mann ohne Frau ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“. Verächtlicher konnte man die Notwendigkeit des anderen Geschlechts kaum darstellen– und nun ist dieses Credo, in heiterer Abwandlung, auf einer mallorkinischen Weinflasche gelandet! Kein wirklich wichtiges Thema, aber ein hübsches Etikett und ein durchaus trinkbarer Tropfen …

Der beste Weißwein auf der Insel …?

Der 2013-er …
… und 2017-er

ICH MASSE MIR GERADE BEIM WEIN NICHT AN, FINALE URTEILE ZU FÄLLEN. Aber ich lasse mich gern überzeugen, wenn Experten mir verklickern, dass das, was ich da gerade über die Zunge laufen lasse, das Beste an Weißwein ist, was auf der Insel für Geld und gute Worte zu bekommen ist. Name: „Abadia Retuerta“. Herkunft: Kastilien& Leon. Er ist wirklich sehr, sehr gut (ich danke den Experten). Er hat nur einen Nachteil: Man bekommt ihn nur äußerst schwierig, denn er ist ausverkauft. Ich konnte in Palma einen 2017-er kaufen, in Manacor bei „Terre de Vi“ einen 2013-er. Das war’s. Beide Flaschen haben um die 26 Euro gekostet, und waren leider schnell weg (durch die Gurgel). Als ich nachbestellen wollte („Ich warte gerne ein Jahr“), machte man mich darauf aufmerksam, dass der Preis sicher der 30 Euro steigen würde. Da bin ich zu meinen erschwinglichen Weißweinen von der Insel zurückgekehrt. Also, was soll’s? Ein Tipp nur für Feinschmecker – „Abadia Retuerta“, wobei der 2017-er besser war als der 2013-er, und Pepe von „Terre de Vi“ meinte, der 2015-er sei absolute Spitze. Von den 2014-ern und 2016-ern war komischerweise nie die Rede …

Kunst auf Wein-Ertiketten – aufpassen!

Ein echter Bennassar …
… und ein 2000er-Etikett

GERADE AUF MALLORCA HABEN SICH WEIN-ETIKETTEN zur Kunstform entwickelt! Und häufig sind sie mehr wert als der Wein in der Flasche. Ohne zynisch sein zu wollen: Die Kultur der Etiketten-Gestaltung ist auf höchsten Niveau – so ähnlich wie die Grafitti- und Comic-Szene, bei der die Mallorkiner ebenfalls Weltgeltung haben. Worauf ich hinaus will: Besucht man die Winzer (oder ihre Vertragsläden), findet man oft Grafiken, die von den Etiketten hergestellt wurden, manchmal gratis, manchmal für 1 Euro, und da sind oft Schätze darunter, gestaltet von großen Künstlern wie Bennassar. Ich zeige hier mal zwei Beispiele von Macia Batle aus den Jahren 1998 und 2000, etwa 20 x 10 cm groß und gerahmt ein Blickfang an jeder Finca-Wand …