Trinken

Mandelmilch ist was Besonderes …

Ein wunderbarer Hinweis …

… VOR ALLEM, WENN SIE NICHT INDUSTRIELL HERGESTELLT UND IMPORTIERT WIRD! Daran wurde ich erinnert, als ich an einerm Gehöft vorbeifuhr und dieses Schild im Fenster sah: Tenemos leche de almendras! Hier wird sie noch frisch gepresst und, sozusagen, schlückchenweise verkauft. Zu welchem Preis konnte ich nicht herausfinden, da die Bewohner gerade nicht da waren. Das ist ja auch egal: Mir genügt es, dass die Mandelmilch immer noch „privat“ und auf die antike Art hergestellt wird (meine Frau besorgt sie sich seit jeher und kocht damit). Und damit ist eine weitere, uralte Sitte noch nicht ausgestorben – halleluja …

 

 

 

Der Wein ist noch nicht ausgereizt …

Die prallen Encursac-Trauben …

MEINE EINSTELLUNG ZUM MALLORCA-WEIN ist je bekannt: Von zu vielen Winzern wird getrickst und gepanscht, denn was in all den Flaschen angeboten wird, gibt die Anbaufläche der Insel gar nicht her! Da landen nachts Tankschiffe mit Wein vom Festland und der mallorkinische Traubensaft wird gestreckt, dass sich die Etiketten biegen … ABER: Es gibt vergessene, kaum noch existierende, bemerkenswert gute einheimische Rebsorten, die nirgendwo sonst vorkommen, und eine heißt ENCURSAC (mit den Synonymen Corcac, Cursach, Escorcac, Escursag und Excursach). Der Erzherzog hat Encursac in seinen „Balearen“ um 1871 erwähnt, dann rottete die Reblaus Ende des 19. Jh. die blühende Winzerei auf Mallorca fast ganz aus und erst 2006 konnte Encursac auf einer lächerlichen Fläche von 0,5 ha wiederbelebt werden – und hat sich prächtig erholt seitdem. Man zieht einen aromatischen Rotwein aus dieser Rebe, mit mäßigem Alkoholgehalt und zurückhaltendem Tannin. In ersten Flaschen steckt Encursac schon drin, also immer mal auf die Flaschen-Rückseite gucken! Und, bitte, die Winzer ermutigen, die restlichen zehn oder 12 Insel-Rebsorten zu retten und wieder anzubauen (und nicht die billige Plörre vom Festland dazuzugießen) …

P. S.: Es gibt allerdings ein Problem. Denn die feinen, fast verschollenen Rebsorten der Insel sind von der Balearen-Regierung (noch) nicht „anerkannt“. Die Encursac ist es, aber erst nach zehnjährigem harten Kampf …

Kein Wein für Machos …

Fische fahren Fahrrad …

ES IST EIN ROSÉ, der von 2016 kostet zwischen 7 und 10 Euro, er hat 13 % und heißt „Bicicletas y Peces“: „Fahrräder und Fische“. Auf dem Etikett sieht man drei Geschuppte, die in die Pedale treten, und auch sonst ist dieser Wein seltsam: Die Reben stammen aus der Gegend von Murcia, aber angefüllt wurde er bei Antonio Nadal in Marratxi! Kein übler Tropfen, wenn’s sehr heiß ist und der Wein klirrend kalt, aber ich möchte auf ein anderes Kuriosum hinweisen: Machos könnten Schluckauf bekommen, wenn sie ihn trinken, denn in den 70er-Jahren lautete ein Credo der weltweiten Frauenbewegung: „Ein Mann ohne Frau ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“. Verächtlicher konnte man die Notwendigkeit des anderen Geschlechts kaum darstellen– und nun ist dieses Credo, in heiterer Abwandlung, auf einer mallorkinischen Weinflasche gelandet! Kein wirklich wichtiges Thema, aber ein hübsches Etikett und ein durchaus trinkbarer Tropfen …

Der beste Weißwein auf der Insel …?

Der 2013-er …
… und 2017-er

ICH MASSE MIR GERADE BEIM WEIN NICHT AN, FINALE URTEILE ZU FÄLLEN. Aber ich lasse mich gern überzeugen, wenn Experten mir verklickern, dass das, was ich da gerade über die Zunge laufen lasse, das Beste an Weißwein ist, was auf der Insel für Geld und gute Worte zu bekommen ist. Name: „Abadia Retuerta“. Herkunft: Kastilien& Leon. Er ist wirklich sehr, sehr gut (ich danke den Experten). Er hat nur einen Nachteil: Man bekommt ihn nur äußerst schwierig, denn er ist ausverkauft. Ich konnte in Palma einen 2017-er kaufen, in Manacor bei „Terre de Vi“ einen 2013-er. Das war’s. Beide Flaschen haben um die 26 Euro gekostet, und waren leider schnell weg (durch die Gurgel). Als ich nachbestellen wollte („Ich warte gerne ein Jahr“), machte man mich darauf aufmerksam, dass der Preis sicher der 30 Euro steigen würde. Da bin ich zu meinen erschwinglichen Weißweinen von der Insel zurückgekehrt. Also, was soll’s? Ein Tipp nur für Feinschmecker – „Abadia Retuerta“, wobei der 2017-er besser war als der 2013-er, und Pepe von „Terre de Vi“ meinte, der 2015-er sei absolute Spitze. Von den 2014-ern und 2016-ern war komischerweise nie die Rede …

Kunst auf Wein-Ertiketten – aufpassen!

Ein echter Bennassar …
… und ein 2000er-Etikett

GERADE AUF MALLORCA HABEN SICH WEIN-ETIKETTEN zur Kunstform entwickelt! Und häufig sind sie mehr wert als der Wein in der Flasche. Ohne zynisch sein zu wollen: Die Kultur der Etiketten-Gestaltung ist auf höchsten Niveau – so ähnlich wie die Grafitti- und Comic-Szene, bei der die Mallorkiner ebenfalls Weltgeltung haben. Worauf ich hinaus will: Besucht man die Winzer (oder ihre Vertragsläden), findet man oft Grafiken, die von den Etiketten hergestellt wurden, manchmal gratis, manchmal für 1 Euro, und da sind oft Schätze darunter, gestaltet von großen Künstlern wie Bennassar. Ich zeige hier mal zwei Beispiele von Macia Batle aus den Jahren 1998 und 2000, etwa 20 x 10 cm groß und gerahmt ein Blickfang an jeder Finca-Wand …

HIERBES – der Kampf geht weiter …

So sehen die Morey-Flaschen aus …

ICH TRAF EINEN ALTEN MALLORKINER, Wirt von Beruf, aber ohne Kneipe aus Altersgründen, und der behauptet: „Den besten Kräuterlikör stellen die her, die ihn erfunden haben – Morey!“ Das mit dem erfinden glaube ich nicht ganz (Denn was ist mit „Tunel“?), aber in jedem Fall war Morey sehr früh dran mit den Hierbes. Das sind übrigens die mit der Flasche aus drei nach oben kleiner werdenden Bällchen. Inzwischen hat ein Unternehmer aus Barcelona die Firma gekauft, produziert, glaube ich, vor allem in Kalanonien, aber weiter nach dem alten mallorkinischen Rezept, weshalb der Morey von sich behaupten darf, ein Insel-Produkt zu sein. Ich habe alle drei Sorten zu 28 % probiert (Dulce, Seco und Mezcla) und sie sind wirklich gut. Aber wer der Erste war mit dem Gestrüpp im Drink – da wird gestritten! Ein Tipp am Rande: Es gibt auch 20 cl-Fläschchen für unterwegs oder den schnellen Konsum, die lustig aussehen …

Kaeptn Bilbo laesst (ganz schwach) grueßen …

Das Logo der neuen Bar …
… und eine Postkarte aus der alten „Wikiki“

NICHTS GEGEN DIE AUFERSTEHUNG DER NOS- TALGIE! Das ist ein Gefühl, das Geschichte und Kuriositäten bewahrt, und wenn es in Cala Rajada wieder eine Bar gibt, die „Wikiki“ heißt, dann schlägt das Herz des historisch Versierten höher – aber etwas schaudert einen auch, denn was hat diese „Gastrobar“ (das klingt, als würde einen dort auch eine Darmspülung bekommen) mit der Emigrantenkneipe der 30er-Jahre zu tun – außer dem Namen? Der deutsche Kleinkriminelle, Abenteurer, Maler, Wirt und Lügenbaron Käptn Bilbo, der eigentlich Hugo Baruch hieß, hatte „Wikiki“ 1933 eröffnet, es wurde zum Refugium der einsamen und meist armen Nazi-Flüchtlinge, und als 1936 die Faschisten auch Mallorca übernahmen, floh Bilbo nach England, seine Bar schloss – und seine Gäste erlitten mehr Unheil, als in griechischen Tragödien verarbeitet wurde. Und nun heißt es in einem Werbetext der neuen Kneipe: „Ahora ese mismo espiritu aventurero y toneladas de ilusion es lo que ha llevado a aus promotores a abrir este Nuevo Wikiki…“. Na, wollen wir es es hoffen, und wenn’s nur minimal ist …

 

 

Das ist die (angeblich) beste Milch …

Die Flasche …
… das Etikett …
… die Molkerei

… ZUMINDEST AUF DER INSEL! Das behaupten Bekannte, die mehr Milch trinken als Bier. Die „industrialisierte weiße Plörre“ hassen und immer auf der Suche sind nach Milch, die schmeckt „wie direkt aus dem Euter“. Und die glauben, sie bei Formatges Burguera in Ses Salines gefunden zu haben. Ich persönlich kann dazu wenig beitragen, möchte aber noch anmerken, dass die Fans dieses Molkerei-Unternehmens behaupten, die Milch würde nicht nur „ehrlich“ abgefüllt, sondern die Kühe auch noch „besonders liebevoll“ behandelt, was man deutlich schmecken würde. Witzig finde ich, dass dieses Naturgetränk in Flaschen geliefert wird, die aussehen wie Milchglas …

Wat nich all jibt auf der Insel …

Das Wappen der Bruderschaft …
… gibt’s auch in Rot

MAN FIN- DET IM- MER WIE- DER WAS, und dies- mal in Mana- cor: Eine  „Confraria de Tastavins“, was man mit „Brüderschaft der Weinlieb- haber“ übersetzen könnte. Präsident der „Confraria“ ist übrigens der oft prämierte Winzer Miquel Gelabert. Mir fiel dieser exklusive Klub auf, als er im Mai die „Semana Cultural del Vi“, die „Die Woche der Weinkultur“ , veranstaltete – und wieder mal war das ein spannendes Ereignis mit Gourmet-Abenden, Vorträgen von Experten und Verkostungen, der an uns Ausländern nahezu spurlos vorübergegangen ist. Schade! Es besteht da doch eine gewaltige Kluft zu den Mallorkinern. Oder, ein anderes Beispiel: Hat irgendjemand mitbekommen, was für eine tolle „Fira de Mai  (mit fast 30 Events!) sie vom Donnerstag, 10., bis Sonntag, 13. Mai, in Lloret de Vistalegre organisiert haben? Man muss sich wirklich mehr kümmern …

 

 

Ein mir total unbekannter Schnaps …

So sieht die Flasche aus …
… das Etikett im Detail

JETZT LEBT MEINE FAMIIE SEIT 60 JAHREN HIER – und ich pflege den Größenwahn, Mallorca-Experte zu sein. Aber als ich neulich in einer ländlichen Kneipe einen „Mesclat“ bestellte (und meinte, den weder süßen noch trockenen Hierbas zu bekommen), da bekam ich ein halbes Wasserglas mit einer purpur-trüben Flüssigkeit! Die schmeckte ziemlich gut (wenn auch vielleicht eine Spur zu süß) und hatte den gleichen Magen-Beruhigungs-Darm-Durchputz-Effekt. Aber was hatte ich da getrunken? Ich ließ mir die Flasche bringen und las: „Xarop d’en Gori“ von der Destille F. Vidal in Llucmajor. Nie gehört, nie gesehen, nie getrunken. Ein Mix aus Palo und Whisky, erfuhr ich im Internet, wird seit über 100 Jahren gebraut und heißt unter Einheimischen „Mesclat“ (der „Mittlere“). Den muss man sich merken und im Laden, das weiß ich inzwischen, kostet die Literflasche knapp über 16 Euro. Fazit: Mallorca hat immer noch mehr Geheimnisse als die Heilige Jungfrau Maria zu ihren besten Zeiten …