Wetter

Es droht eine Sommer-Katastrophe …

Die Schwarze Madonna von Lluc

… DENN ES HAT SEIT MONATEN NICHT GEREGNET, oder nur hie und da, dort oder woanders, und wenn, dann nur kurz mal geschauert für ein paar Sekunden! Kaum spürbar und ohne feuchte Linderung. Die Erde Mallorcas ist ausgedörrt, die Pflanzen kämpfen um jeden Tropfen – und ums Überleben, die ersten Waldbrände, viel zu früh für Ende April/Anfang Mai, sind bereits ausgebrochen. Die Brunnen und Zisternen schreien nach Wasser und man sieht viel zu viele „Agua Potable“-Wagen (wo die nur das kostbare Nass herbekommen?) auf den Straßen, bestellt von verzweifelten Finca-Besitzern. Es gibt schon Gemeinden, die das wöchentliche Erneuern des Poolwassers verbieten und reihum klagen die Gärtner („Un desastre!“), weil ihnen die Pflanzen unter den Händen verwelken. Dabei ist das Wetter keineswegs prall sonnig, eher bewölkt, nachts immer noch kühl und viel zu stürmisch. Dazu kommt, dass die Winde voller Saharasand stecken, was zum Eindruck beiträgt, Mallorca verwandle sich allmählich in eine Dünenlandschaft! ES MUSS JETZT DRINGEND REGNEN, SCHWARZE MADONNA VON LLUC! Sitz nicht nur rum in Deinem Kloster da oben, sondern lass die Himmlischen Heerscharen auf uns nieder pinkeln …

Das Problem zur Zeit ist …

… und so kalt ist’s an Land
So warm ist das Meer …

… DASS DIE LUFT KÄL- TER IST ALS DAS MEER! Das muss nicht so sein im Mallorca-Winter, aber zur Zeit ist es so: Nachts sinkt die Temperatur an Land bis auf und steigt tagsüber maximal auf 16° (aber sel- ten). Das Mittelmeer steht im Moment bei 14° bis 15°, bleibt kons- tant und dadurch ist es im Schnitt wärmer als die Luft. Das be- wirkt einige Wetterphänomene, Morgennebel z. B., oder Wolken- bänke, aus denen es zumindest leicht regnen kann, und Strand- spaziergänge fühlen sich – eigenartigerweise – weniger kühl an als Bergwanderungen. Und der Wind vom Meer ist wärmer als die Brise aus dem Pla. Da kann man nix machen, das ist eben so, und ich schreibe das für diejenigen, die sich wundern, dass sich das Inselklima etwas anders anfühlt als sonst …

Ausgrabungen auf eigenem Land …

Das sind …
… nur einige …
… der Funde …
… aus der Erde …
… meines Gartens

DIE WOLKEN- BRÜCHE DER LETZTEN TAGE HABEN FLUSS- BETTEN IN MEIN GRUNDSTÜCK GEGRABEN – und kuriose Kostbar- keiten freigelegt! Ich wohne 200 m hoch (das ist ge- waltig für Mallorca) am Abhang eines Berges, rund 5 km Luftlinie vom Meer entfernt. Und den- noch sind in meiner Erde versteinerte Muscheln aufgetaucht, dazu Schne- cken und seltsam geformte Dinge aus dem Ozean. Er muss also vor Tausenden von Jahren bis zu mir hoch gereicht haben, 200 m hö- her, und als der Wasser- spiegel absank, blieben die Reste der Lebewesen zurück und versteinerten. Die Gärt- ner haben schon ab und zu sowas gefunden, aber die Regengüsse waren die sorgfältigsten Archäolo- gen! Ich sammle die Funde jetzt, klebe sie in die Lücken der Mares-Steine, aus denen mein Haus besteht. Das sieht fabelhaft aus, Ton in Ton, und erinnert mich täglich daran, dass ich auf dem ehemaligen Meeresgrund wohne …

Da kam eine Tsunami-Welle auf mich zu!

So kam der Tsunami auf uns zu …

MITTWOCH, 4. DEZEMBER 2019, um 9:15 Uhr, vor der Küste von Cales de Mallorca und Cala Murada: Eine 500 m breite und (geschätzt) 4 m hohe Tsunami-Welle rollte auf Mallorca zu. Eine weiße Wasserbank, deutlich sichtbar mit dem bloßen Auge (und dramatisch per Fernglas) zwischen Himmel und Meer. Dazu unheimlich schnell. Ich rief meine Frau auf die Terrasse, gemeinsam starrten wir auf das Phänomen – und plötzlich war es weg, verebbt so etwa 200 m vor Mallorca. Hatte sich aufgelöst in gischtige Strudel und überkippende Brecher, Gottseidank. Aber als die Welle machtvoll angerollt kam, sah das bedrohlich aus, so als würde sie die Hotels und die Villen in der ersten Strandreihe wegreißen. Ich habe so etwas noch nie gesehen, versuchte das Phänomen zu fotografieren (was nur sehr schlecht gelang). Und dann, wir hatten den Anblick kaum verdaut, erschien um 9:40 Uhr die nächste weiße Wasserbank, nicht ganz so breit, aber etwas höher, weiß wie gleißender Schnee, und wieder war das iPhone nicht in der Lage, die Bedrohung zu dokumentieren. Der Sturm, der seit gestern Abend tobte, musste den Tsunami aufgetürmt haben, aber der Gegenwind von den Bergen hat ihm dann wohl die Kraft genommen, bis zur Küste zu rollen. Mein Gott, was einem nicht alles begegnet auf dieser Insel …

Mutter Natur ist verwirrt …

Dezember-Blüte in meinem Garten …

DER GÄRTNER ANDREU HAT MICH DARAUF AUFMERKSAM GEMACHT: Es blüht, was normalerweise nicht blüht im Dezember! In den Gärten explodieren Hibiskus und die Bougainvilla, unsere Freundin Gertrud hat sogar schon blühende Mandelbäume gesehen. Das Wetter ist schuld: zu warm und reichlich Regen. Da muss Mutter Natur geglaubt haben, der Frühling sei ausgebrochen, und hat ihre Ressourcen von der Leine gelassen. Ich weiß nicht, ob man das schon unter „Klimawandel“ abbuchen kann, ich ahne nicht mal, ob das ungesund ist im Kreislauf der Jahreszeiten. Hübsch ist es allemal, und wenn stacheliges Pflanzengestrüpp erzwungen ist durch Kälte und Dürre, dann soll’s mir recht sein, wenn auch im Dezember Farbe in die Landschaft kommt …

Jetzt herrscht endlich Ruhe auf der Insel …

Herrlich, die 5. Jahreszeit ist angebrochen …

DIE MEISTEN HOTELS SIND ZU, viele Restaurants ebenfalls, offen sind nur noch jene Etablissements, die nicht auf Touristen angewiesen sind, sondern von den Einheimischen leben: die Dorfbars, die kleinen Posadas, die Kirchen mit dem Orgelspiel und die Läden, die keine Souvenirs verkaufen, sondern Notwendigkeiten des Lebens. Auf den Märkten wird wieder (stundenlang) geschwätzt und der beste Käse wird angeboten, weil die Schafe und Ziegen ihre Brut genährt haben und die Milch nun wieder den Menschen zur Verfügung steht: Mallorkinern und ausländischen Residenten. Ein paar Golfer treiben sich noch rum, ratlos, wo sie nach dem Spiel unter Ihresgleichen einkehren sollen, aber die verkraften wir. Die lästigeren Zugvögel der menschlichen Art (und die Teufelswespen) sind Zuhause im Winterquartier, die Insel ist wirklich „calma“ geworden, die Hektik wurde mit den Charterflugzeugen exportiert, die Strände haben wieder eine Landschaft und einen Horizont, auch wenn das Meer allmählich „Brrr“-Temperatur bekommt, und das „Ballermann“-Kehlchen singen nur noch unter der Dusche falsch. Wenn jetzt für ein paar Stunden die Sonne strahlt, denn ist es auf Mallorca selten schöner. Man trifft plötzlich sehenswerte alte Bekannte, die vorher die Masse Mensch gescheut und sich verkrochen hatten, und die ehrliche echte Inselküche erlebt eine saisonale Renaissance, denn den Köchen bleibt der Touristenfraß erspart. Geregnet hat’s auch endlich, es grünt und blüht, die Erde hat aufgeatmet und ich sitze dicht an der von der Sommerhitze noch aufgeheizten Hauswand und erlebe die 5. Jahreszeit Mallorcas – den Frühling nach dem Herbst und vor dem Winter …

Mallorca besitzt acht Winde aus acht Richtungen …

JEDER HAT SIE SCHON GESPÜRT, jeder Hauch hat seine Eigenarten, und kurios ist, dass diese Winde ziemlich genau einer Himmelsrichtung zugeordnet werden können: Tramuntana (Nord), Gregal (Nordost), Lllevant (Ost), Xaloc (Südost), Migjorn (Süd), Liebeig (Südwest), Potent (West) und Mistral (Nordwest). Die einzelnen zu erläutern, würde an dieser Stelle zu weit führen (das kann man googeln), aber sich mal die Windrose der lauen und kühlen, freundlichen und bösartigen Lüfte anzuschauen, hilft bei der Identifizierung der nächsten Böe. Übrigens: Die Darstellung, die ich hier zeige, gibt es in den Ceramicas auch als hübsche bunte Kacheln …

Es gibt alles, nur eins nicht …

… KOKOSPALMEN! Sie Überleben das Klima einfach nicht, die benötigen die Tropen und Kokosnüsse müssen deshalb importiert werden. Nicht so sehr die Nüsse, aber das Kokoswasser, dieser flüssige Heilsbringer der Esoterischen. Wahr ist: Hat einer viel Blut verloren und ist kein Ersatz greifbar, kann man den Verlust mit diesem Fruchtwasser auffüllen – es ist die einzige antiseptische Flüssigkeit in der Natur! Was ich aber eigentlich sagen will: Selbst Kiwi-Plantagen haben sie auf der Insel angelegt und sie ziehen Ananas, aber Kokospalmen – das klappt nicht. Die Palmen an sich kann man sich in den Garten stellen, die gibt’s zu kaufen, aber sie tragen keine Nüsse. Da hat schon manch ein „Quadratschädel“ auf ein Wunder gehofft …

… und wieder wabern die Hitzenebel …

DIE INSEL IST NOCH SOMMERLICH AUFGEHEIZT, die Erde glüht, und wenn sich der Morgentau niederschlägt, dann entstehen zusammen mit der Feuchtigkeit aus einem kleinen nächtlichen Nieselregen diese weiße Wolken am Boden, die – von oben betrachtet – ganze Landschaften, die Küste und ihre Hafenstädte in Watte verstecken. Das Phänomen Hitzenebel tritt besonders am frühen Morgen und in der Abenddämmerung auf. Und ich, der ich auf 212 m lebe, kann plötzlich Portocolom nicht mehr sehen, das sonst spielzeugartig ausgebreitet vor mir liegt, und der Himmel beginnt etwa 100 m von mir entfernt – und in der Tiefe. Ich habe plötzlich einen mallorkinischen Caspar David Friedrich live vor mir …

Wo bleibt der „Gota fria“?

ER WIRD JEDES JAHR ERWARTET gegen Ende August. Eine kältere Woche mit Regen, damit sich die Insel ein bisschen von der Sommerhitze erholen kann. Das ist vom weisen Klimamacher so vorgesehen und die Mallorkiner nennen diese Tage „Gota fria“, den „Kalten Tropfen“. Aber in meiner Gegend, zwischen Portcristo und Portocolom, ist die feuchte Woche ausgeblieben. Anderswo, so las ich, z, B. um Soller, hat es getröpfelt, aber auch nicht genügend. Das Klima scheint sich tatsächlich zu ändern, und was die Mallorkiner gewohnt waren seit Jahrtausenden, ist nicht mehr mit Sicherheit zu erwarten …