Wetter

Wenn die Madonna friert …

Die Wolke am Sant Salvador …

JEDER HAT DAS DOCH SCHON MAL GESE- HEN, wenn die Wolken tief (f)liegen und meist am Morgen die Gipfel mit den Klöstern und Kirchen einhüllen. Am Sant Salvador bei Fela- nitx kommt das häufig vor und dann sagen die Mallorkiner: „Die Madonna friert, sie hat sich einen Mantel angezogen!“ Ich finde das ent- zückend und es zeigt doch wieder mal, dass sie nicht nur fromm sind, sondern vor allem religiös romantisch …

Endlich weiß ich, was ein „Regenbrett“ ist …

Ein Regenbrett in Aktion …
… und das hier sah ich in Santanyi

JETZT IST MEINE FAMILIE SEIT 60 JAHREN AUF DER INSEL – und peinlicherweise lerne ich jede Woche was Neues! Oft nur deshalb, weil ich zu dämlich war nachzufragen, wenn mir etwas Unbekanntes vorgeführt wurde. Wie dieses lose Brett, das an den meisten Häusern neben den Außentüren steht: das sogenannte „Regenbrett“. Es ist die simpelste Methode, bei Wolkenbrüchen zu verhindern, dass Wasser ins Haus eindringt – man legt das Brett einfach quer vor die Tür! Und wenn die Sonne zurückkehrt, stellt man es wieder daneben. Nicht dass einer denkt, da sei meine findige Nachbarin alleine darauf gekommen: Das „Regenbrett“ ist uralte Tradition, wurde immer wieder in der Mallorca-Literatur erwähnt und ich sah es seit einem halben Jahrhundert, aber – wie gesagt – nie in Funktion, nur an der Wand lehnend, weil keiner rausgeht bei Schauern. Wollte ich mal wieder nur so erzählt haben …

… und die Gemeinde mauert!

Hier geht’s ja noch …
… hier wird’s tief …
… und das ist ganz arg!

WAS MAN HIER SIEHT, IST DIE STRASSE, AN DER ICH LEBE! Nicht asphaltiert, 1 km lang, den Berg hoch und in 16 Häusern von 16 Familien bewohnt: 6 Mallorkiner, 5 Deutsche, 3 Schweizer und 1 Französin. Ab und zu ist die Straße kein Camino, sondern ein Torrente. Wenn’s regnet. Und wenn’s dann wieder trocken ist, bleibt ein Bachbett zurück. Das ruiniert selbst Traktoren und schwere Geländewagen. Weil sich bis zu 30 cm tiefe Canyons auftun und tiefe Seen entstehen. Und weil Felsbrocken nach oben geschwemmt werden. Seit Jahren versuchen die Anwohner, die zuständige Stadt Manacor um Abhilfe zu bitten – vergeblich! Das Problem: Nur 16 Anwohner und 9 davon sind Ausländer, die nicht ständig an dieser Straße wohnen. Nun gut, ich sehe das ein: Nach den Unwettern gibt es schlimmer Betroffene. Solange wir noch irgendwie rauf und runter kommen, liegt kein echter Notfall vor. Begriffen! Dennoch: Der Weg ist Gemeindegebiet und auch die 6 Ausländer zahlen Steuern, und das nicht zu knapp! Wir verlangen ja nichts, wir bitten nur (seit Jahren) …

 

 

Die Tropfen sahen wie Erbsen aus …

… normaler Tropfen
Riesentropfen und …

ERSTAUNLICH, WAS DA VOM HIMMEL FIEL in dieser scheußlichen Regenzeit! Ich lernte, besonders während der Unwetter, dass es Tropfen gibt, die größer sind Erbsen, und fast weh tun, wenn sie direkt auf nackte Haut klatschen – und zerplatzen wie nasse Bomben. Ich habe nie größere Tropfen erlebt, ausgenommen Singapore, wo sie mal ähnlich gigantisch aus den Wolken stürzten. Kein Wunder, dass sie enormen Schaden anrichten, wenn sie sich zusammentun! Aber wenn man davon absieht, ist das doch ein interessantes Phänomen auf der Insel …

 

 

Von wegen es gibt keinen Nebel!

Nichts mehr zu sehen weiter unten …

SELBST DER OLLE ERZHERZOG HAT ANNO DUNNEMAL GESCHRIEBEN: „Nebel treten sehr selten auf und meistens nur in den gebirgigen Theilen …“. Da muss sich was geändert haben seitdem, denn ich bin in auf der Insel in Watte geraten, die so dicht war, dass ich mir überlegt habe, nicht mehr weiterzufahren. Eines Tages, ich hatte mir erlaubt, in der „Reserva Rotana“ zu übernachten, wollte ich heim, fuhr aus dem Hof in die Straße raus – und war umhüllt von Nebel! Das ganze Tal in Richtung Manacor war voll davon. Das sah, von oben, grandios aus, aber als ich eintauchte, blieb mir alles weg – der Blick, die Straße, die Richtung und die Spucke. Ich konnte nur noch Hinkeschritt fahren, bei voller Beleuchtung, und schließlich gab ich auf, wendete mühsam und fuhr zurück zu einem zweiten Frühstück. Was blieb mir übrig? Es war 8 Uhr morgens und ein kalter Dezembertag. Man muss also mit Nebel rechnen im Winter, selbst in Katastrophenform: Im März 2002 musste ein deutscher Wanderer aus einem Trockenflussbett bei Andratx befreit werden, er hatte sich im Nebel verlaufen, sein Hund war bereits tödlich abgestürzt. Und im April 2007 legte Nebel sogar den Flughafen lahm. Ach, übrigens: Auf Mallorca gibt es auch noch den sogenannten „Sonnennebel“, das ist ein diesiges Sommer-Phänomen, als sei ein weißes Wölkchen auf der Erde gelandet …

Jetzt wallen die Hitzenebel …

Hitzenebel hat trotz Sonne die Küste verschluckt …

8 UHR MORGENS, ICH FAHRE MIT LICHT, alle Autos schleichen – und die Touristen fassen es nicht! Dichter Nebel bei strahlendem Sonnenschein und 28 Grad im Schatten! Ja, das gibt’s, das ist eine Besonderheit auf Mallorca, man nennt sie „Calina“ oder Hitzenebel (einige sagen auch „Sommernebel“ dazu). Besonders im Juli tritt dieses Phänomen auf, bei dem alles in Dunst verschwimmt, was mehr als 300 m entfernt ist. Die Landschaft wirkt dann so, als betrachte man sie durch beschlagenes Glas, und als ich vor ein paar Tagen auf dem 1. Abschlag im Golfklub Vall d’Or stand, habe ich sogar die nur 156 m entferne Fahne auf dem Grün nicht gesehen – vom Nebel verschluckt! Um 10 Uhr ist die Sonne dann schließlich so stark, dass sie die Verdunstungswolkenbänke, denn nichts Anderes ist die „Calina“ zerstäubt. Die Insel wird wieder golden …