Das „Abaco“ ist tot, ich bin in Trauer …

ES WAR DIE SCHÖNSTE BAR DER WELT, zumindest habe ich keine schönere gesehen zwischen Hammerfest und Auckland. Und wenn ein Drink auch 25 Euro kostete, er war es optisch wert, egal was im Glas steckte! Ich habe mich nie unter die Schickimickis gemischt, und wenn Touristen aus Bussen ins „Abaco“ gekippt wurden, zog ich mich in eine dunkle Ecke zurück. Zentnerweise Gemüse, mehr Blumen als an Allerheiligen auf dem Friedhof, genug Obst um ein ganzes Volk von Gesundheitsaposteln zu ernähren und dazu Musik ohrensatt von Mozart bis Simply Red. Den Ex-Betreiber, Juan Jose Palao, würde ich als Filmausstatter verpflichten für die cineastische Umsetzung der Shakespeare-Dramen. Ich war, zufällig, einer er ersten Besucher, als die Bar am 22. Dezember 1981 eröffnete – und wurde Stammgast des morbiden Charmes. Keiner auf der Insel hat mehr Geld ausgegeben allein für die Dekoration seiner Gaststätte! Keiner hat gewagt, einen Palast des 17. Jahrhunderts prunkvoller in die Neuzeit zu stellen. 38 Jahre ging das gut, nun ist Schluss (seit 30. November 2019). Der nächste unwiederbringliche Verlust hat die Welt getroffen …

Das „Abaco“ ist tot, ich bin in Trauer …
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