Mischt Euch doch nicht dauernd ein!

SEIT WEIT ÜBER 50 JAHREN wohnt meine Familie auf Mallorca – aber keiner von uns ist je auf die Idee gekommen, sich derart massiv in die Sitten & Gebräuche der Mallorkiner einzumischen, wie das einige Deutsche tun, und besonders penetrant die Tierschützer. Ich betrachte mich immer noch als Gast auf der Insel, trotz Residencia, Grundbesitz und Steuerzahlungen. Ich meine, dass es uns nicht zusteht, unsere Ansichten und Hysterien den Einheimischen aufzwingen zu wollen. Man brüllt ja auch nicht rum, wenn man zum Essen eingeladen ist und einem was nicht passt in der Wohnung des Gastgebers. Aber einige Leute, die sich offensichtlich zu Tode langweilen in ihren Apartments und auf ihren Fincas, springen begeistert und fanatisch auf jede Gelegenheit, 1. den Stierkampf abzuschaffen, 2. Autobahnen zu verhindern, 3. das Jahrhunderte alte bäuerliche Schlachtfest Matanza zu beenden, 4. zufriedene Hunde noch glücklich machen zu wollen, 5. „Men only“-Läden zu schließen, 6. das Nacktbadeverbot zu umgehen, 7. die Autofahrer zugunsten der Radfahrer zu verteufeln, 8. die Sobrassada für ungesund zu erklären, 9. Essenszeiten in Restaurants vorzuverlegen, und 10. die Möglichkeit, sich durch Bestechung einen Vorteil zu verschaffen, zu verhindern. Jeder hat das Recht, eine Meinung zu haben und sie zu sagen, aber man sollte sie nicht derart aufdringlich in Leserbriefen, im Internet und bei Demos als moralische Anklagen gegen die Mallorkiner rausplärren. Immer dran denken: Sturm zerstört, eine sanfte Brise ist wohltuend. Und: Am deutschen Wesen ist bekanntlich seit mehreren hundert Jahren noch keiner genesen …

Mischt Euch doch nicht dauernd ein!
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