Friedhof der Kuschelrentner …

Paul Kuhn

IST ES NICHT RÜHREND, wie auf Mallorca Ex-Stars Konzerte geben – und in der Insel-Presse, von den Impresarios und dem überalterten Publikum gefeiert werden wie anno dunnemal? Ich glaube, hier könnte sogar Margot Eskens, z. Z. 80, auftreten und müsste sechs Zugaben singen. Als sich in Deutschland kaum jemand mehr an Paul Kuhn erinnerte, mimte er seinen „Mann am Klavier“ noch jahrelang hier. Jetzt tritt „Die große Stimme“ (Originalzitat einer Palma-Zeitung) Ute Lemper, 56, auf, von der jeder Profi weiß, dass ihr Sing-Organ seit 10 Jahren „hinüber“ ist (obgleich ihre Show im- mer noch was hermacht). Gefeiert wird auch Axel Zwingenberger als „Deutsche Jazz-Größe“ und Piano-Star, der mit jugendlichem Elan auf die Tasten hämmert, obwohl er Jahrgang 1955 ist und nie wirklich den Durchbruch geschafft hat. Ich finde es ja sympathisch, dass Mallorca als Gnadenbrot-Insel dient, wo Fans hocken, deren Erinnerungsvermögen nicht gelitten hat. Aber man sollte aufhören, uns die einfliegenden Ol- dies so zu verkaufen, als sei es eine Gnade, dass sie sich bereit erklärt haben, auf Mallorca zu gastieren. Und doch noch ein Wort zur Verteidigung: Natürlich sind diese Künstler zehnmal besser als jeder der Bal- lermann-Aktivisten a la Jens B., denen man leichtfertig die vier Buchstaben S, t, a und r nachwirft …

Ratten? Nein, Siebenschlaefer …

Eine Ratte …
… ein Siebenschläfer …
… und ein Eichhörnchen

ALS MEINE FRAU 1973 ZUM ERSTEN MAL NACH MALLORCA KAM, wollte meine Mutter (ihre Schwiegermutter) ihr den Schock ersparen, den Ratten gemeinhin auslösen. Wir wohnen auf dem Land und in den Bergen, Ratten sind nicht zu vermeiden, und auch nicht auszurotten, sie werden bei uns bis zu 25 cm lang (ohne Schwanz) und sind furchtlos bis aufdringlich. Also log meine Mutter, indem sie behauptete, was da herumhusche, seien niedliche und sehr nützliche Siebenschläfer! Ein paar Wochen glaube meine Frau das, aber schließlich dämmerte ihr die Wahrheit und seitdem grault sie sich vor den Ratten. – Jetzt las ich eine ähnliche Geschichte in William Graves‘ bezau- berndem Buch „Wild Olives“. Da sagt seine Frau Elena zu einem Gast in ihrem Hotel, als die eine Ratte sah: „Oh, that! That’s the Majorcan squirrel which loses its tail-hair in summer. It stores up almonds in September and lives off them all winter.“ Was noch kurioser ist als Mutters Siebenschläfer-Lüge: Die Ratte sei ein Mallorca-Eichhörnchen und die verlören im Sommer ihre Schwanzhaare! Jetzt kann jeder, der seinen Kindern, Ehefrauen, Müttern, Tanten und Mallorca-Neulingen ganz allgemein die Existenz von Ratten verschleiern möchte, zwischen zwei Tierarten wählen …

Ein freies Zimmer auf Mallorca …

EIN FREUND HAT MIT DIESE KARIKATUR GESCHICK – in seiner Verzweiflung. Er besitzt eine entzückende Finca bei Sant Llorenc und dort ist die Verwandtschaft eingefallen. Die ist so nah, dass er nicht Nein sagen konnte, jetzt geht’s etwas eng zu auf der Immobilie und sie ist nicht mehr so entzückend. Ich denke, ein paar von meinen Lesern werden die Situation ebenso kennen wie ich. Der Text zur Karikatur lautet: „So, hier ist das Gästezimmer, fühlt Euch ganz wie Zuhause.“ Der göttliche George Price hat sie gezeichnet, ein Amerikaner, Gott hab‘ ihn selig. Mein Freund hat dazu geschrieben: „Es gibt Tage, da würde ich gerne im Hotel wohnen!“ Ja, es kann ein Unglück sein, eine Finca auf Mallorca zu besitzen …

Bohren ist – schweineteuer! Teil 2

Eigenes Wasser im eigenen Brunnen!

… UND HÖLLISCH RISKANT! Denn jeder Meter Bohrung kostet, sagen wir mal, um die 150 Euro bei seriösen Firmen, er kann aber wesentlich teurer werden, wenn’s in größere Tiefen geht und die Gesteinslage fatal wird. Ich schildere ihnen mal ein aktuelles Beispiel: Einer hat, weil kein Wasser gefunden wurde, bis auf 60 m bohren lassen. Kosten: 9000 Euro. Da versicherten ihm die Experten versichert: „Nur noch ein paar Meter, Wasser ist da!“ Also auf 100 m. Kosten: 15 000 Euro. Nichts gefunden. Was nun? 15 000 Euro sind schon mal sicher weg – ohne Wasser. Wieder die Experten: „Nur ein paar Meter noch!“ Also weiter, schweren Herzens und erleichtertn Bankkontos. Auf 150 m. Wieder nichts. Kosten: 22 500 Euro. Weitermachen? „Unbedingt!“, so die Experten. „Nicht aufgeben, wenn Sie schon soviel Geld investiert haben!“ Die haben leicht reden, also Limit setzen bei 30 000 Eur0, das sind 200 m. Wieder nichts. Letzter Versuch: 250 m! Kosten: 37 500 Euro. Wieder nix! „Da ist zu 100 Prozent Wasser da unten“, versichern beide Experten. „Sie werden fündig, nicht aufgeben!“ Jetzt geht’s richtig ins Geld. Er zögert, seine Frau nicht: „Soll all das teure Geld futsch sein?“ Allerletzter Versuch: 300 m! Kosten: 45 000 Euro. Ach, wär’s das schön – eine eigene Quelle! Keine Angst mehr haben vor der Dürre, dem Versiegen der Hähne, den Horrormeldungen von Mallorca. Also bitte, der allerallerletzte Versuch: 20 m weiter. Kosten: 48 000 Euro. Beschluss: „50 000 und keinen Euro mehr!“ Dann der Jubel: Agua marsch! bei 317 m – es sprudelt, die Experten hatten recht, „Hurra, wir haben eigenes Wasser!“ Kosten: 47 550 Euro, über den Daumen gepeilt. Fazit: Reine Nervensache, echtes mallorkinisches „Bohr-Lotto“, nichts für Arme!

Diese Cova besichtigen – ein Traum!

Zwei der Höhlenforscher mit ihrem Buch

VALLGORNERA HEISST SIE, liegt bei der Cala Pi (Gemeinde Llucmajor, aber wo genau, wird nicht verraten) und wurde erst 1968 entdeckt. Aber nur Experten von der Federacio der balearischen Höhlenforscher dürfen in sie einsteigen. Dort unten erwarten sie 65 km (!) Galerien, 10 km (!) Seen und Säle von unfassbarer Größe in unvergleichlicher Schönheit. Ein riesiges unterirdisches Reich, wohl das größte auf Mallorca, und eben haben drei Speleologen von der Insel einen megaformatigen Bildband über die Vallgornera veröffentlicht (siehe Foto oben rechts), und nun kommt ein dreifaches LEIDER – denn man kann es nur über die (falsch buchstabierte) Adresse  www.federaciobalearespeleologia.org bestellen, aber wer das anklickt, ist 1. hemmungslos verloren, 2. gibt es keinen Hinweis auf das Buch, und 3. habe ich kaum je eine derart besucherfeindliche Website gesehen. Schade, denn in dem Buch werden die Schätze in der Tiefe fabelhaft präsentiert. 

Die Frage ist doch: Soll man selbst bohren? Teil I

Die traditionelle Suche …
… und so sieht das Bohren aus

EINE EIGENE QUELLE WÄRE EIN TRAUM, ODER? Zwei meiner Nachbarn sind so glücklich. Einer hat sie mit dem Kauf einer alten Finca geerbt, der andere hat selbst gebohrt. Wie? Grundsätz- lich in zwei Etap- pen, hier die Kurz- form: Erst lässt man eine Stelle suchen, an der der Bohrer fündig werden könnte, dann muss das Loch mit Rohren eingefasst und ein Brunnen installiert werden. Claro. Teil 1: Kluge lassen zwei Experten suchen – einen Wünschelrutengänger mit Ölzweig und einen Geologen mit Tiefenradar. Beide kosten natürlich was (und nicht wenig). Sind sie sich einig, kann’s losgehen. Widersprechen sie sich, hat man ein Glaubensproblem: Tradition gegen Technik. Mein Nachbar, der Selbstbohrer, hatte das Glück: Beide deuteten auf dieselbe Stelle! Geht’s los, wird „Bohr-Lotto“ gespielt. Mit dem Bankkonto und den Nerven des Auftraggebers. Und eine Genehmigung benötigt man natürlich auch. Denn wer eine eigene Quelle besitzt, die sprudelt, zapft den allgemeinen Grundwasserspiegel an – man könnte ihn einen egoistischen „Wasserdieb“ nennen. Der nur zum raren Nass kam, weil er … – ja, weil er ein Vermögen investiert und riskiert, das andere nicht haben. Wieviel? Das schildere ich demnächst in Teil 2 …

Wo sind Norberto Viñas und sein Schatz geblieben?

Ich habe nur dieses eine Foto aus einem alten Zeitungsausschnitt …

ALS ICH DAS LETZTE MAL VON IHM HÖRTE, WAR ER 82, und das war 2007. Ein Rentner in Son Servera, der zwei gewaltige Lagerhallen voller Dinge besaß, mit denen Mallorkiner einst gelebt hatten. Man sagte, der Schatz von Norberto Viñas sei die größte ethnologische Sammlung der Insel. Er besaß alles – Ladenkassen, Friseursalons, Nähmaschinen, Spielzeug, Bilder, Porzellan, Schmiedeeisen, Karren, Waagen mit Gewichten, Körbe usw. Ganze Brunnen fand man bei ihm, alte Schmieden, Oldtimer und Wurstmaschinen. Aber als ich ihn jetzt besuchen wollte, da erinnerte sich kein Mensch mehr an ihn. Nach 12 Jahren, er muss jetzt 94 sein. Weder auf der Gemeinde, noch bei der Polizei kannten sie seinen Namen, und hatten nie von der Sammlung in den Lagerhallen gehört. Ein Jammer, befürchte ich, da hat vermutlich einer den Tod des alten Herren ausgenützt, um den Schatz zu Geld zu machen – stückchen- und scheibchenweise. Eine unwiederbringliche Sammlung und ich hoffe, ich finde sie noch …

Ein Fund mit 7 Siegeln …

Die Rückseite mit den Siegeln …
… und die beraubte Vorderseite

ICH FAND IHN IN EINER GRABBEL- KISTE AUF DEM CONSELL-FLOH- MARKT: Ein Kuvert von 1923, von einer Firma Italo Comercial aus Barcelona an einen gewissen Lorenzo Vidal in Palma geschickt, aus dem jemand vor Jahrzehnten die wertvollen Briefmarken rausgerissen hatte. Ein paar waren noch drauf geblieben, und als ich den Brief umdrehte, starrten mich 7 rote Siegel an! Das waren noch Zeiten, dachte ich, als man Post, die man verschickte, mit seinem persönlichen Siegel in weichem Karmesin-Lack versah – bis der in Gummi geschnittene Stempel diese noble Art auslöschte. Das Kuvert ist eigentlich nix Besonderes, aber für einen Mallorca-Sammler wie ich macht es hübsch was her. Und dass man solche Dinge immer noch findet, wenn man stöbert, sagt viel aus über die kulturelle Qualität der Insel …

… und nun sind die Fisch-Esser dran!

Dorade auf Spargel – bald verboten?

ES MUSSTE JA SO KOMMEN! Aber keiner konnte voraussehen, dass es derart blödsinnig werden würde, wenn sich die angeblichen Klima- mit den angebli- chen Tierschützern verbinden. Noch treten diese Freaks anonym auf, so wie jener „roninpalma“, der einen Leserbrief missbrauchte (diese Frühform der entsetzlichen „Social Media“), um in einer Inselzeitung folgenden Sermon abzulassen: „Der … auf Mallorca weitaus höhere Konsum von Fisch hat ebenso Folgen fürs Klima, denn die wenigsten Fische springen mittags freiwillig vom Meer in die Pfanne, sondern werden oft ein entfernt irgendwo draußen auf dem Meer ums Leben gebracht, tiefgefroren und dann zu den Häfen transpor- tiert …“. Satirisch eine Perle, intellektuell eine Niete, thematisch die finsterste Zukunft: Solche Typen wer- den bald auch den Reißverschluss am Hosentürl verbie- ten, weil er sich in Gegenwart von Frauen zu schnell öffnen lässt …

Lassen Sie uns über Geld reden (Telefon) …

MAG SEIN, DASS DAS MEIN PERSÖNLICHES PROB- LEM IST, aber vielleicht kann ich doch dem einen oder anderen helfen mit diesem Post. Der Fall: Ich habe ein Mallorca-Handy mit einer Insel-Nummer, das ich (z. B. an Tankstellen) mit Euros aufladen muss, wenn es nach Geld schreit. Mein Provider war Movistar und ich zahlte, zu meinem Erstaunen, pro Woche zwischen 20 und 30 Euro! Obwohl das Handy 6 Monate/Jahr gar nicht ein- geschaltet ist und ich es auch nicht sehr häufig benütze, wenn ich auf Mallorca bin. Da bat ich meine Freunde von Beep in Portocolom um Hilfe, die haben Movistar ge- kündigt, mir den Provider Lebara draufgeladen – und nun kann ich 400 Minuten bzw. 28 Tage für 10 Euro telefonieren. Warum nicht gleich so? Aus Unwissenheit. Ich denke, da habe ich heute Vormittag eine Menge Geld gespart …