Mein CORONA-Tagebuch: Gesocks!

NOCH WAS GUTES AM SCHLECHTEN: Die Nullingers spielen keine Rolle mehr, die im TV vorgeführten sogenannten „prominenten Auswanderer“. Sie haben zwar begonnen, sich selbst zu filmen und die Machwerke ins Netz zu stellen, aber das wirkt noch peinlicher. Und wer mitbekommt, wie kurios, aber erwartet undiszipliniert sich jene unsägliche „Dschungel“-Witwe Danni B. zur Corona-Krise äußert, wird der Regierung zu einer sofortigen Ausweisung raten. Und diejenigen, die meist keine Ausbildung haben, in Deutschland mehrmals gescheitert sind, und nun nach Mallorca kommen, um hier Bars, Restaurants, Boutiquen und Muckibuden aufzumachen, und von haltlosen Fernsehsendern dabei beobachtet werden, denen hat der Virus die Zukunft vernagelt, die sie nie hatten. Da werden zwar jetzt noch ein paar Video-Schippsel aus dem Wegwerfen-Depot gezeigt, aber die werden sogar den Dämlichen zu dämlich sein. Gut fürs Image der Insel, auf der sich mehr Gesocks angesammelt hat als auf jeder anderen Insel rund um den Globus …

Mein Blog in stillen Zeiten …

Foto: Nils Müller

WEITERMACHEN ODER PAUSE EINLEGEN? Die Frage habe ich mir gestellt. Weil es ziemlich sinnfrei ist, in Corona-Zeiten Hotel- und Restaurant-Tipps zu geben, oder nützliche Informationen anderer Art. Die Insel ist vom Virus lahmgelegt, leider. Ich mache dennoch weiter, indem ich schreibe, was mir ganz allgemein auffällt, oder was man sich aufheben kann für bessere Zeiten. Das ist natürlich ein bisschen inaktuell, aber – wie ich denke – unterhaltsam, überraschend und von längerfristigem Wert. Tut sich allerdings touristisch was ganz Heißes, werde ich es sofort vermelden wie bisher. Also … – immer montags stelle ich bekanntlich meine neuen Posts ein, und dazu jetzt täglich am Morgen mein „Corona-Tagebuch“. Viel Spaß!

 

 

 

Mein CORONA-Tagebuch: Polizisten!

SIE SCHWÄRMEN WIEDER AUS WIE ZU FRANCO-ZEITEN! Bei manchen glaube ich in der Freude, die ihre Gesichtszüge umspielt, den inneren Schweinehund wiederzukennen. Endlich ist ihnen erneut die Allmacht gegeben, und denen besonders, die vom Festland sind und sich in der Corona-Krise auf Mallorca vorkommen wie die Kolonialherren. Ich wohne an einem schotterigen Schafspfad mit 15 weit verstreuten Nachbarn – wir sind 9 Ausländer und 7 Mallorkiner. Die Ausländer sind alle geflohen, oder wurden ausgewiesen, da keiner eine Residencia besitzt, die Eingeborenen sind wieder unter sich. Ein einsamer Weg ins Gebirge, in 5 km Umkreis keine Siedlung. Reines Bauernland. Und dennoch tauchen zwei Polizisten in einem Streifenwagen auf und patrouillieren. Ob ja kein Nachbar eine Party gibt, oder mehr als eine Person im Auto sitzt, oder Grüppchen ins Gelände wandern aus lauter Langeweile. Und als einer fragte: „Habt Ihr nichts Wichtigeres zu tun?“, verlangten sie seinen Ausweis zu sehen, den er natürlich erst aus dem Haus holen musste. Ach ja: Sie trugen Gummihandschuhe und Atemmasken! Fernab jeder Zivilisation. Auch ich hätte sie gerne etwas gefragt, aber dafür reichte mein Spanisch nicht: Nach der „Verhältnismäßigkeit der Mittel“. Hätte ich „proporcionalidad“ sagen müssen?

Mein CORONA-Tagebuch: Bekanntschaften!

DIE MUSS MAN HABEN, jetzt in der Einsamkeit! Zur Kontaktaufnahme per Telefon und Internet. Um nur zu plaudern in der Langeweile der Ausgangssperre, aber auch um Informationen einzuholen und Meinungen auszutauschen. Wer jetzt keinen kennt, köchelt im eigenen Finca-Saft. Weiß jemand z. B. einen Wirt, der seine Küche noch beheizt? Kann man bei A. an der Hintertür Fischfilets bekommen? Bereit M. mit ihren Töchtern weiterhin ihre köstlichen Fertiggerichte zu? Ist die Tankstelle offen? Wie sieht’s aus mit Krimis, Egon? Hat die Blibliothek eigentlich auch Videos? Mein Internet hat einen Dachschaden, wer  schickt mir einen ambulanten Notdienst? Hast du „Hola“ ausgelesen, kann ich’s mir holen? Sind die noch da, oder auch schon abgereist? Es wird viel telefoniert jetzt. In der Not ist der Schwatz ein Grundbedürfnis. Und es ist gut, wenn man, als der Corona-Virus noch nicht waberte, ein Netz an Bekanntschaften und Beziehungen aufbauen konnte. Gelang das nicht, rächt sich’s jetzt …

Nur eine kleine Albernheit …

ICH ENTDECKTE SIE IN EINER MALLORKINISCHEN LOKALZEITUNG, und sie ist ein lustiges Wortspiel. Da stand, dass die Firma Rafel Bover „Feines en Pedra“  anzubieten hat. Komisch, dachte ich, ds hätte auch in einer deutschen Anzeige stehen können: „Was Feines aus Stein“. Wäre ja möglich, dass dieses positive deutsche Wort vor Jahrhunderten (zur Vandalenzeit?) seinen Weg ins Mallorquin gefunden hat, wie so viele andere. Aber so ist es natürlich nicht: „Feines“ heißt Arbeiten in der Inselsprache, Bover ist Steinmetz und klopft Mares, Marmor und andere Erdfunde nach Maß zurecht. Und wenn mein privater Alleskönner Pedro das nächste Mal kommt, um was auszubessern am Haus, werde ich mir den Scherz erlauben und zu ihm sagen: „Aber bitte feine Feines, ja?“

Jetzt auch das noch, klagen die Mallorkiner …!

Silvio Vass mit Siegerpokal und Maskottchen

DENN IHNEN BLEIBT AUCH NICHTS ERSPART! Jetzt gewann ein Deutscher beim Balearentag die „Trobada Internacional Tir De Fona“  – das Steinscheudern, den Nationalsport der Insel. Silvio Vass heißt er. 44 Jahre, Erzieher aus Altensalzkoth bei Celle. Der nicht mal auf Mallorca wohnt. Seit 2009 hat er 4 Turniere gewonnen und nun fürchten ihn die Eingeborenen, wenn er bei ihren Wettkämpfen auftaucht. Späte Rache? Als Artillerie in Caesars X. und XI. Legion waren die ersten Mallorkiner um 50 v. Chr. in Germanien aufgetaucht und hatten unsere Vorfahren in Grund und Boden geballert (daher der Name „Balearen“). Die besaßen zwar auch eine Art Schusswaffe, die kurzen Speere namens Ger (= Germanen), aber gegen die Mallorkiner, die Stein- und Metallkugeln bis zu 300 m weit schleudern konnten, war damit nichts auszurichten. Und nun erscheint ein Germane auf Mallorca und feuert, sozusagen, die Steine zurück! Und die, die seit 4000 Jahren Profis sind, müssen kapitulieren! Nun sind die Insulaner ja kreuzschlaue Zeitgenossen und werden sich die Lufthoheit zurückholen – indem sie ihre Turniere nicht mehr „international“ ausschreiben …

Jetzt machen sie auch noch Messer …!

Ein größeres Küchenmesser …
… und ein Taschenmesser

DIE EXNERS (Uta & Klaus), DIESES VOR KREATIVITÄT EXPLODIERENDE KÜNSTLERPAAR! Sie malen, zeichnen, produzieren Bücher, kochen, entwerfen Rezepte, töpfern, bildhauern, kalligraphieren und und und… – auf ihrer versteckten Finca bei Arta. Und jetzt ist KE auf die Idee gekommen, Messergriffe aus mallorkinischen Hölzern zu machen. Verschieden- farbig, reine Handarbeit, jedes Stück ein Unikat, mit rustikalem Charme und von eigenwilliger Schönheit. Man kann die Messer (für die Hosentasche oder den Küchentisch) nicht eigentlich kaufen, KE stellt immer nur eins her („Gemach, gemach, eins nach anderen“, so er sprach), aber man kann mit den Beiden Kon- takt aufnehmen (utaexner@yahoo.com) oder mit mir, ich leite den Wunsch dann weiter. Die Crux ist, dass ich keinen Preis nennen kann, denn die Messer sind zu unterschiedlich, zu individuell in Größe und Gestaltung, nach Holzarten und Funktion. Aber ist es nicht erstaunlich, was man auf unserer herrlichen Insel alles findet?

Die Wurst und der Weltbestseller …

NATÜRLICH KENNEN SIE J. P. SALINGER! Den geheimnisumwitterten US-Schriftsteller mit dem globalen Bestseller „Der Fänger im Roggen“. Der sich jahrzehntelang eingemauert hatte, weil er nichts mehr zu tun haben wollte mit der Welt da draußen. In dessen Mönchstum eines Tages der berühmte Reporter Ron Rosenbaum eingedrungen war – und bei ihm entdeckte ich folgende interessante, sich auf Mallorca beziehende Episode (wobei klar sein sollte, dass S. eben jener Salinger ist):

Übersetzt heißt das: In dem Städtchen im US-Staat New Hampshire, in dem sich Salinger versteckte, gab es einen Delikatessen-Laden, in dem er inkognito einkaufte und zwar besonders gern eine „ländliche Salami“ namens „Soppressata“, die er „dünn geschnitten und in mehreren Lagen“ bevorzugte. Wobei Rosenbaum spekuliert, dass Salinger sie im Geschäft seines Vaters kennen gelernt haben könnte, der ein New Yorker Importeur von Fleisch- und Käsewaren war. Interessant, nicht? Wobei ich aber heftig dagegen protestiere, Sobrassada als „junk food“ zu bezeichnen …

Dies Hotel war angeblich das erste …

MAN MÖCHT’S KAUM GLAUBEN! Das „Felip“ in Portocristo, eröffnet 1890, war das erste reine Touristenhotel auf Mallorca! Klar, es gibt ältere Häuser, aber dieses hier wurde extra gebaut für Badegäste, nicht für Geschäftsreisende, Pilger oder Beamte unterwegs. Mit dieser „Nr. 1“ schmückt sich das „Felip“, und betritt man es, spürt man noch einen Hauch der Atmosphäre von 1890 – ein bisschen was von der alten Einrichtung ist geblieben, in Glas und Mahagoni, Messing und Fliesen. Vor allem: Die Veranda ist erhalten, eine Art Sommer- und Wintergarten, mit grünem und blühendem Pflanzenwuchs sowie Meerblick. Dazu haben die Direktoren seit nunmehr 130 Jahren Wert auf gepflegte Kofferaufkleber gelegt, sie sollten die Attraktivität des Hotels in alle Welt verbreiten und 4 Exemplare zeige ich hier. Ach, übrigens: Das „Felip“ ist ein „Adults only“-Hotel, Kinder sind unerwünscht, was vor allem daran liegt, dass das Hotel keine Haftung übernehmen möchte für Unfälle auf der Hauptstraße, die direkt daran vorbei führt und die man überqueren muss, um zum Strand zu gelangen …

Mein CORONA-Tagebuch: Oh, Gott!

WAS PASSIERT EIGENTLICH, wenn ich auf die Straße gehe und zu einem Polizisten, der mich aufhalten will, sage: „Verzeihen Sie, ich muss in die Kirche, um mit Gott zu sprechen!“ Ist Beten eine amtlich anerkannte Lebensnotwendigkeit? Die Erzdiözese sagt, sie habe nichts dagegen, dass die Kirchen offen stünden, aber das müsse jedes Pfarramt für sich entscheiden. Prachtvolle leere Häuser, denn Messen könnten für alte Menschen tödlich sein, Gottesdienste sind verboten – zum ersten Mal seit das Christentum Staatsreligion in Spanien ist. Ich denke, dass der Polizist ratlos ist und aus Verlegenheit grob wird. Aber das Gebet ist tatsächlich für viele Gläubige überlebenswichtig als Nahrung für die Seele. Wenn ich in die Apotheke darf, dürfte mir der Zugang zur Kirche nicht verwehrt werden. Es hat nur noch keiner probiert, soweit bekannt. Ich auch nicht, weil in meiner Gegend weit und breit keine Kirche steht. Meine Kollegen von den Wochenzeitungen sollten meine Idee mal aufgreifen …