Gestatten, eine Entdeckung im Glas …

EIN MALLORKINISCHER FREUND hat mir diesen Weißwein empfohlen, ein akribischer Trinker, dem ich vertraue, und ich entdecke immer mal wieder gern einen guten Wein von der Insel. Bei diesem hier kannte ich nicht mal den Winzer, Son Vich de Superna in Puigpunyent, und infolgedessen den Wein „Viognier“ schon gleich gar nicht. Und obwohl ich was gegen Wein in blauen Flaschen habe (sieht so unseriös aus!), folgte ich meinem Kumpel – und dieser Weiße aus den Bergen ist köstlich! Herb und dennoch nicht ohne Frucht, aus seltenen Trauben gekeltert (die man auf Mallorca „Aus der Hölle“ nennt, weil die Rebstöcke extrem schwierig zu pflegen sind), und er muss im Glas sehr kalt (10-12 Grad) sein. Allerdings teuer, unter 23 Euro geht da kaum was beim Jahrgang 2017, fast zu teuer – wie so viele Inselweine, deren Produzenten von Habgier gepeinigt werden. Aber der Tropfen ist so gut, dass man sich ihn ab und zu leisten sollte, und sei es nur zum Kennenlernen …

Wo bleibt der „Gota fria“?

ER WIRD JEDES JAHR ERWARTET gegen Ende August. Eine kältere Woche mit Regen, damit sich die Insel ein bisschen von der Sommerhitze erholen kann. Das ist vom weisen Klimamacher so vorgesehen und die Mallorkiner nennen diese Tage „Gota fria“, den „Kalten Tropfen“. Aber in meiner Gegend, zwischen Portcristo und Portocolom, ist die feuchte Woche ausgeblieben. Anderswo, so las ich, z, B. um Soller, hat es getröpfelt, aber auch nicht genügend. Das Klima scheint sich tatsächlich zu ändern, und was die Mallorkiner gewohnt waren seit Jahrtausenden, ist nicht mehr mit Sicherheit zu erwarten …

 

 

 

 

Die tollste Blume blüht wieder!

SIE BLÜHT IMMER NUR EINE NACHT, von der Abend- bis in die Morgendämmerung, mit bis zu 30 cm großen, schneeweißen Blü- ten, die wie ein Strauß aussehen, wenn sie sich öffnet! Mit einem orange-gelben, samtzarten Inneren, in dem ein gelber Pinselpuschel steht. Es ist ein hellgrüner Kaktus, der „Königin der Nacht“, „La Reina de Noche“ oder Selenicereus Grandiflorus heißt. Ein großes Gewächs, mit Stacheln bewehrt und von fleischiger Dicke. Da der Kaktus anspruchslos ist, wächst er überall auf Mallorca, kommt so häufig vor, dass man ihn kaum noch bemerkt, und man muss darauf achten, ob ihm die gefältelten Blütenkolben wachsen, die wie goße grüne Flammen wirken. Wenn so eine Staude zehn bis 20 solcher Riesenblumen trägt, die am nächsten Morgen, also in ein paar Stun- den, verwelkt sind, ist das ein wunderbares Insel-Erlebnis – und es passiert genau in diesem Moment. Auch auf meiner Terrasse und das Foto habe ich heute in der Morgendämmerung gemacht …

Wo kriegt man die Kugeln? Hier!

WAS BIN ICH ÜBER DIE INSEL GEFAHREN, um Petanca-Kugeln zu bekommen! Aber entweder gab es sie nicht, waren sie ausverkauft oder unbekannt. Der einzige, der welche hatte, war ein Gitano auf dem Flohmarkt in Consell, der mir antike und deshalb verrostete Kugeln zu je 10 Euro anbot – und als ich zu handeln anfing, „Scheiß-Ausländer“ brüllte! Aber inzwischen weiß ich, wo man sie kaufen kann, und die Lösung ist so simpel: bei IKEA! Es heißt, Decathlon in Marratxi würde sie auch anbieten, aber der Informant war sich nicht ganz sicher. Nun gut, auf zu den Schweden und mehr als 20 Euro kann so ein Sechser-Satz im Stofftäschchen ja nicht kosten …

Dutzende unentdeckter Schriftsteller!

ES IST EIN JAMMER, WAS FÜR BÜCHER ÜBER MALLORCA ERSCHEINEN! Blanken Unsinn enthalten sie meist, mies geschrieben dazu – und man begreift nicht, wie die Verfasser einen Verlag finden konnten! Dem gegenüber stehen Dutzende von unterhaltsamen, spannenden, informativen und fundierten Manuskripten, die keinen Verlag finden. Geschrieben von überraschend guten Autoren, 90% Amateure – und veröffentlicht schließlich als Buch auf eigene Kosten im Selbstverlag. So hat es auch Eberhard Hickstein aus Port Alcudia gemacht, ein flotter Schreiber, wie er mit seinem Buch „Vom Labskaus zur Sobrassada“ beweist. 225 Seiten über das Leben auf Mallorca, mit wenig Gefühlsduselei, aber Dutzenden handfester und überraschender Tipps in Erzählform, die von profunder Kenntnis der Insel durch jahrzehntelanges eigenes Erleben zeugen.  „Vom Labskaus …“ hat sogar eine ISBN, so dass eine Bestellung möglich ist: 978-3-00-049130-6. Es kostet 9.41 Euro. Tipp: Es gibt das Buch auch in den Müller-Märkten (soweit vorrätig) …

„Florian“: Der nächste Verlust …

NACHDEM SICH STEWART MAGEE VOM „BONA TAULA“ in Cologne verabschiedet hat, droht der näch- ste Verlust einer geschätzten menschlichen Institution: Katharina vom „Florian“ in Portocolom scheint sich zurückziehen zu wollen! Das beliebte Restaurant an der Uferpromenade mit der familiären Atmos- phäre (und den mittleren Preisen) war ein geschätzter Treffpunkt der Residenten, mit eingesprenkelten Touristen, auch weil Katharina, die Schwester des vor einiger Zeit verstorbenen Namensgebers (ihres Bruders Florian), den Laden mit eiserner, aber liebenswürdiger Hand leitete. Ist auch sie weg, dürfte das „Florian“ erst mal ein paar Monate benötigen, um sich von dem Schock zu erholen …

Rührend: Feng Shui in der Macchia …

Die einsame Feng Shui-Finca

WEIT UND BREIT IST NICHTS, nur wilde Macchia. An einer einsamen Stelle steht im Gebüsch das Schild: FENG SHUI Beratung 500 m. Dazu eine Blüte und ein Pfeil. Dem bin ich gefolgt, immer tiefer in den Busch, auf einer Naturstraße, einspurig, zerlöchert. Und sah, zurückgesetzt in einem Bauernacker, eine Finca hinter einem schmiedeeisernen Doppeltor – mit wieder diesem Blumenschild an einer Kiefer, aber jetzt mit Namen, Telefon und Email. Eine Dame aus dem nördlichen Hessen bietet hier – rührenderweise – Beratung an, wie der Mensch zu Harmonie gebracht werden kann mit seiner Umgebung. Mal abgesehen davon, dass sich keiner verirrt in diese Einsamkeit, benötigt man noch Feng Shui, die Lehre von „Wind und Wasser“, wenn man auf Mallorca lebt? Nun ja, die alten Mallorkiner haben genau gewusst, wie sie in möglichst hohem Einklang stehen mit der Natur auf ihren Fincas; die Neubürger aus Germanistan stellen ihre Hütten geradeso hin, wie es ihnen passte. Aber ob sich von denen einer sagen lässt, wie er nach den chinesischen Regeln zu bauen hat …?

Das beste Olivenöl? Schwierig, Leute, schwierig … (Teil 2)

Ein wilder Olivenbaum …

DA KAM EINER AUF DIE IDEE, aus den wild wachsenden Oliven Mallorcas Öl zu pressen. Was schwierig ist, denn die Früchte sind winzig, besitzen kaum Fleisch, 25 Kilo ergeben knapp mal eine Liter und bitter sind sie auch noch. Warum also? Um etwas Besonders herzustellen, etwas unverfälscht Natürliches, kein kultiviertes Öl aus einer betütelten Zuchtfrucht. Ich kennen einen Produzenten aus der Inselmitte, der 1 Liter für rund 140 Euro anbietet – und ich möchte es nicht mal geschenkt haben, so gallig schmeckt es. Aber es wird trotz des exorbitanten Preises gekauft, ich traf sogar einen, der davon schwärmte. Nun ja, mei‘ Katz‘ mag Mäus‘, i mag’s net. – Allerdings: Ab und zu trifft man auf Märkten, aber sehr selten, einen Bottich, in dem die wilden Oliven, inzwischen überreif und fast schwarz geworden, seit Wochen in einer Lauge dümpeln. Die sind – unerwartet – ausgezeichnet, die Lauge und das Alter haben ihnen die Bitterkeit ausgetrieben, und auch wenn kaum Fleisch um den Kern zu finden ist, da kann man sich eine Kanne abfüllen lassen …

Das Fragezeichen um den Maler aus Kopenhagen …

Vigen 4Vigen 3ER HIESS LYKKE VIGEN, lebte von 1927 bis 2009 und kam 1957 nach Mallorca, wo er bis 1965 blieb. In der Zeit besaß er ein Cafe, das sich zum skandinavischen Kulturzentrum entwickelte, und die Galerie „Villa Bibi“, in der er vor allem eigene Bilder ausstellte. Vigen malte, ws ihm vor dem Pinsel kam – Buchten, Häuser, Menschen, Szenen, Landschaften und Gassen. Er hat in der ganzen Welt ausgestellt, auch Hotels eingerichtet (z. B. „New Stanley“ und „Norfolk“ in Nairobi) und verließ Mallorca nach dem Scheitern seiner Ehe. Sein privates Markenzeichen: unter freiem Himmel nie ohne Hut. –Und nun zum Rätsel: Wieso wird der Kunstmarkt nach Vigens Tod mit Dutzenden von Werken überschwemmt, die alle auf der Insel entstanden und so lächerlich billig sind – ab 30 Euro!, dass kaum anzunehmen ist, es handle sich um Originale; aber wenn es Fälschungen sind, so wurden sie exzellent kopiert. Wobei ich einräumen möchte, dass der Däne ja tatsächlich Hunderte von Bildern in diesen acht Jahren geschaffen haben könnte, aber warum sind dann die Signaturen derart unähnlich und wechselt der Malstil nahezu von Leinwand zu Leinwand? Ich habe ein paar seiner Mallorca-Ansichten gekauft und kann das nur zur Nachahmung empfehlen: Ob Original oder Kopie – es sind vom Sujet her absolut passende, für eine mallorkinische Wand gerade ideale Kunstwerke …

Dieses Buch, bitte, nicht kaufen!

ES WIRD IM INTERNET für 2.20 BIS 18.63 EURO ANGEBOTEN, und zwar so verlockend, dass ich es – leider – bestellt habe: „Mallorca ohne Rückfahrkarte“ und „Träume und Zitronen“ von C.(laus) J.(Jürgen) Frank. Das Buch, angepriesen als „Zwei heitere Familienromane“, hat erst nach 195 von 512 Seiten überhaupt etwas mit Mallorca zu tun, und schlecht erzählt, quält es sich durch grausig belanglose Erlebnisse einer Drei-Generationen-Familie. Mir ist völlig unverständlich, wieso mehrere Verlage diese breit ausgewalzte Plattitüde anbieten und man rund 20 Ausgaben kaufen kann. Frank, ein 1930 gebürtiger Berliner, verweist auf eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller, aber mir haben die 2.20 Euro leid getan, die ich dafür ausgeben musste. Denn dafür hätte ich bei „Pedro“ einen erstklassigen Cortado bekommen, vielleicht sogar mit einem Croissant von gestern, und das wäre unterhaltsamer gewesen …