Barcelo

Mein CORONA-Tagebuch: Lesen!

CORONA SEI DANK, endlich kann ich den Bücherstapel, den ich mir seit langem vorgenommen hatte, „weg-lesen“! Ich bin sonst nicht dazu gekommen, trotz aller guter Vorsätze. Jetzt sitze ich im Windschatten auf der sonnigen Terrasse, habe den Zweikilo-„Faust“ von Goethe und Miquel Barceló auf den Knien, lese links Spanisch, rechts Deutsch und begeistere mich an seinen Zeichnungen. Dann wartet die dicke Schwarte „Blühende Mandelbäume“ der italienischen Diplomatentochter und Dichterin Fabrizio Ramondino, die ihre Kindheit im Franco-Mallorca verlebte. Es ist doch so, dass man in „Friedenszeiten“ ein Buch mit 500 und mehr Seiten ungern zur Hand nimmt, weil man nur immer kleine Häppchen schafft und sich immer wieder neu einlesen muss … 

Jetzt aber ran an das Kochbuch!!!

… und das Kochbuch
Toni Ramon und Maria Pinya …

IN DER TRAUER UM DAS RESTAURANT „SA SINIA“ in PORTOCOLOM (gesch- lossen nach fast 100 Jahren) erwacht der Ehrgeiz: das Kochbuch „Mallorca in Ihrer Küche“ zu kaufen. Es ist das heiterste, professionellste, authentischste und originell- ste Rezept- und Küchenver- öffentlichung der Insel. Ges- taltet auf 93 Seiten innen und außen vom großen Maler Miquel Barcelo, bestückt mit alten Fotos aus Familienbesitz, voller skurriler Schnur- ren, geliefert vom damaligen Chef, dem legendären Toni Ramon, geschrieben von der Philologin Maria Antonia Pinya, fabelhaft übersetzt von Hartmut Botsmann – und die Rezepte stammen von den sagenhaften Köchinnen Maria Martorell und Maria Ramon. Das Buch, auf Deutsch erschienen 2006, kostete mal 18 Euro, als es noch im „Sa Sinia“ zu haben war, jetzt ist es höchs- tens noch antiquarisch zu bekommen (Editorial el far, ISBN 978 8493 283 780), aber es ist jede noch so große Mühe wert! 

Das „Sa Sinia“ gibt’s nicht mehr!

So sah’s von Außen aus …
… und das war die Speisekarte von Miquel Barcelo
… so von innen …

UNFASSBAR – das legendäre, authen- tische und zeitweise beste mallorkinische Restaurant auf Mal- lorca! Unten am alten Hafen in Portoco- lom, und mit Tränen in den Augen erin- nern sich langjährige Residenten an die brummelige, sympa- thische, noble Gestalt des Wirts Toni Ra- mon, den ich immer wieder für Zeitschrif- ten porträtiert habe. Nun hat der Staat die 30-jährige Pacht für das Haus, in dem das „Sa Sinia“ seit 3 Generationen unter- gebracht war, nicht mehr verlängert – ein Filetstück kulinarischer Insel-Historie ist tot. Seit 1969 im Besitz der Familie Ramon, aber davor schon jahrzehntelang eine beliebte Hafenkneipe. Aber was wird nun aus den Schätzen? Den von Miquel Barceló gestalteten Glastüren und -fenstern und seinen Original-Speisekarten? Den kostbaren Gemälden, den alten Kera- miktellern und den Antiquitäten, die sich in diesem Traditionslokal angesammelt hatten in fast einem Jahrhundert? Und aus dem Stuhl mit meinem Namensschild, den ich – wie alle Stammgäste – gewidmet bekam? Geblieben ist das großartige Kochbuch, in dem Toni Ramon die Rezepte seiner Mutter gesam- melt hat, und das es auch auf Deutsch gibt, weil ihre Schwiegertochter Deutsche war (es ist allerdings total vergriffen). Zugegeben, der Ruf des „Sa Sinia“ hat in den vergangenen Jahren Dellen erlitten, auch ich war manchmal erstaunt darüber, was ich serviert bekam, und wie. Dennoch traure ich über den Verlust und mit mir, das weiß ich, eine treue Gourmet-Gemeinde …

Bei seinen Bildern kann man irre werden …

Ein typischer Baum …
… sowas gibt’s auch in Farbe …
… und sein Selbstporträt

WEIL MAN NICHT KAPIERT, wie einer das malen kann! Der muss doch wochenlang an seiner Staffelei sitzen, um einen Baum derart detailliert auf die Leinwand zu bringen! Andreu Maimó, Jahrgang 1946, geboren in Cas Concos, der dritte große Künstler aus Felanitx, mit Barceló und Duarte. Einer, der die Kunst beherrscht, einen Baum naturgetreu und doch auf seine individuelle Art darzustellen. Ein wunderlicher Typ, dieser Maimó: Schläft am Tag und malt nachts, hat ein Atelier an der Straße – und stellt jeden Tag herrliche Bilder zum öffentlichen Betrachten in seine Fenster. Schafft es sogar, seine unerklär- lichen Bäume in noch viel unerklärlichere Skulpturen zu verwandeln! Und wenn er sich endlich doch mal aus seinem persönlichen Wald begibt, dann kann er viel mehr: Landschaften und Porträts, Stillleben und Tiere – einfach alles. Ich beneide einen Freund in Cala Murada, der schon vor Jahren begonnen hat, Maimó zu sammeln und nun rund 30 Originale besitzt. Ich werde nächste Woche den Versuch unternehmen, ihn in seinem Atelier zu treffen und einen Baum abzuschwatzen, vielleicht kann ich mir ja eine kleine Zeichnung leisten …

Ich bin der 1. Deutsche im Klub …

Neu-Mitglied Thorer mit Pate Tofol (l.) und Präsident Sebastia …
… das Klub-Wappen …
… das Klub-Logo von Barcelo

ó

ER HEISST „LA PENYA BARCELONISTA ELS TAMARELLS“ und ist der größte Fan-Klub des FC Barcelona außerhalb Kataloniens mit 1370 Mitgliedernich bin der 1371. im Verein! Von allen Inseln kommen die Mitglieder, sie fliegen regelmäßig zu den Spielen von „Barca“ und in Felanitx haben sie ein bomfortionöses Klubheim mit Museum, das vor ein paar Monaten noch ein Laden für Sanitärbedarf war („Penya“ heißt übrigens auf Mallorquin soviel wie Klub und „Tamarells“ sind Bäume). Erstaunliche Menschen sind die Mitglied, der wunderbare Sänger Tomeu Penya (Namens- gleichheit Zufall!) und der weltberühmte Maler Miquel Barceló, der das Logo des Klubs entwor- fen hat. 35 Euro kostet der Jahresbeitrag, Frauen und Ausländer sind herzlich will- kommen, es gibt eine eigene Mitglieder-Zeitschrift und ein sportliches Klub-Wappen (neben dem Kunstwerk von Barceló) – man muss halt spezieller Fußball-Fan des FC Barcelona sein!  

Diese Nachricht gibt’s übrigens auch auf Mallorquin, veröffentlicht auf der Internetseite des Klubs:

EL PRIMER SOCI ALEMANY DE LA PB ELS TAMARELLS
Des de dimecres passat tenim el primer soci alemany en la nostra penya. Benvingut Axel Thorer, llegendari periodista muniquès, des de fa 35 anys estiueja a Mallorca, seguidor del Bayern Munich, i ara també soci de la PB Els Tamarells.
La Junta Directiva

Den köstlichen Cartoon gesehen?

J. M. BARCELO HAT IHN AM MITTWOCH, 7. SEPTEMBER 2017, FÜR DEN „DIARIO DE MALLORCA“ GEZEICHNET: Wie ein in den Augen der Einheimischen typisch deutscher „Ballermann“-Säufer auf die Betonbarrieren reagiert, die die Stadt Palma im August gegen mögliche Terrorattacken selbst an der Playa aufgestellt hat. Da muss ich den Text gar nicht übersetzen, es genügt die (keineswegs böse gemeinte) Kunst-ist-frei-Optik, um grinsen zu müssen. Muy bien, caballero!

Für den, der Pferde liebt, aber …

Son Menut 4Son Manut 1DASS SON MENUT BEI FELANITX als sehr angenehmer Reitstall gilt, ist bekannt. Dass er Antonio Barcelo (im Foto mit Pferd) gehört, dem Bruder des weltbekannten Malers Miquel Barcelo, auch. Relativ neu ist, dass sich Son Menut ein Restaurant leistet, von dem man Gutes hört, und das eröffnet einen interessanten neuen Aspekt für Besucher: Nun kann auch jemand, der Pferde liebt, aber klug genug ist, nie eins zu besteigen, die romantische Atmosphäre dieses Reitstalls in der idyllischen Landschaft Mallorcas genießen – inklusive Stallbesuch mit Pferdestreicheln und Spazierengehen in der Umgebung.

Zufahrt: Auf der Straße von Campos nach Felanitx, in Sichtweite von Felanitx rechts auf das orangefarbene Schild achten. Adresse: Cami de Son Negre, 3a Volta, 3040. Telefon: 971/ 58 29 20. Email: sonmenut@sonmenut.com.

Aufpassen auf Xisco Duarte!

Duarte 4 LimogesDuarte 1Duarte 2Duarte 3WIEDER KOMMT EIN TALENT AUS FELANITX, so wie einst Miquel Barcelo. Wie er schafft auch dieser Mallorkiner moderne Kunst: XISCO DUARTE. Man betrachte sich nur, was ihm in der Kathedrale von Limoges gelungen ist – einfach ein Skelett positionieren, Lichteffekte drumherum, Gotik & Paläontologie, keiner hätte gedacht, dass das klappt, aber die Kombination erzielt maximale Wirkung. Das sieht zwar aus, als ob Duarte sich lustig machen wollte, aber diesen Touch hat auch Michelangelo in die Sixtinische Kapelle eingeschmuggelt, wenn man genau hinschaut. Duartes Vater hat mir das erklärt, der arbeitet bei Can Gaya am Ortsausgang von Portocolom (in Richtung Vall d’Or), einer Handlung für Baumaterialien. Dort kaufe ich meine Ziersteine. Papa hat auch den Kontakt zum Sohnemann hergestellt, der sein Atelier in Felanitx hat – wo man ihn besuchen kann nach Voranmeldung. Xisco ist ein Wilder, ein Besessener, ein Objekt-Rasender. Wie der große andere Maler auf Mallorca, Joan Miro, klaubt Duarte alles auf, was seine Phantasie zum Rattern bringt – gebleichte Knochen, lehmige Versteinerungen, fast schon versteinertes Holz, Altmetall, das ein Bildnis abzugeben scheint. Telefon: 657/ 47 37 06. Internet: http://xiscoduarte.blogspot.com/ und http://www.facebook.com/pages/Xisco-Duarte

Das einzig wahre Kochbuch …

KochbuchWÜRDE ICH ALLE KOCHBÜCHER DER LETZTEN FÜNF JAHRE gesammelt haben, ich hätte ein neues Regal kaufen müssen. Holymoly, was haben sich da für Leute verewigt — und auch noch einen Verlag gefunden (wenn sie ihr Machwerk nicht selbst gedruckt haben). Da gab es Leute, die haben 14 Tage Urlaub auf der Insel gemacht und anschließend „Die Mallorca-Küche“ geschrieben. Vergessen wir das alles. Erst hat es jahrzehntelang geheißen, Mallorca habe überhaupt keine eigene Kochkunst, dann versuchten diese ausländischen Amateure, sie zu erfinden/entdecken – und vergaßen dabei völlig die eigenständige mallorkinische Koch-Literatur. Weil sie die einheimischen Stars nicht kannten und das waren fast immer Köchinnen. Wie Maria Oliver, genannt „Na Martorella“, die Leibköchin des Diktators von Venezuela, Marcos Perez Jimenez, Mutter des legendären Gastwirts Toni Ramon, Patin seines Restaurants „Sa Sinia“ in Portocolom – und Verfasserin des mit Abstand besten Kochbuchs mit Insel-Rezepten. „Mallorca in Ihrer Küche“ ist der Titel, es ist auch auf Deutsch erschienen*, kostet 18 Euro, ist immer vergriffen (eine neue Edition ist in Diskussion), meist findet sich aber noch ein Exemplar im „Sa Sinia“ – und der Über-Gag ist: Der weltberühmte Künstler Miquel Barcelo hat es von vorne bis hinten illustriert! Der Enkel Joan von Maria Oliver kann den Standard, den sie mit diesem Kochbuch gesetzt hat, im Familien-Restaurant in Portocolom vor allem für seine vorwiegend mallorkinischen Gäste halten. Die ISBN: 9788493283780.

* Die erste Frau von Toni Ramon, Mutter seiner beiden Söhne, war Deutsche.