Formentor

Ich weiß genau, was jetzt passiert!

… DA SIE DAS GUTE ALTE HOTEL „FORMENTOR“ ABREISSEN und einen Neubau hinstellen: Sie killen die Nostalgie, die Romantik und die Heimkehr in die GUTE ALTE ZEIT! Seit 1929 hat es bestanden, ein bisschen angestaubt, etwas altmodisch, ich gab’s ja zu, aber so unheimlich „muggelig“, wie Zuhause. Im „Formentor“ fremdelte man nie vor lauter Putz & Prunk, Show & Scharade! Das war Service im Luxus auf die vornehmste, unauffälligste Art. Und nun? In einer Verlautbarung fand ich den entsetzlichen Satz: „Das Gebäude genügt nicht mehr den Anforderungen der Gegenwart“. Was heißt das? Dass es nicht den finanziellen Anforderungen des Betreibers genügt! Die Luxuskette „Four Seasons“ wird das neue Hotel mit mindestens 110 Zimmern, das 2023 eröffnen soll, betreiben. Aber wissen Sie, was das wahre Problem ist? Der neue Besitzer ist ein Investmentfond aus Andorra. Der schaut nicht zuerst auf das Wohlbefinden der Gäste, sondern auf den lukrativen Betrieb. Investoren kümmern sich nicht um die Seele eines Hotels, sondern nur um die Bilanzen. Ich bin froh, dass ich einige schöne Abende mit meinem Freund Sir Peter Ustinov im Formenor erleben durfte, perfekt umsorgt von Direktor Shalom, der heute das Agatha Christie-Hotel „Illa d’Or“ in Puerto de Pollenca beispielhaft leitet.

350 Euro? Prost, Mahlzeit …!

Das Hotel „Formentor“ …
… und der Anlass

ALS ICH DAS IM „DIARIO“ LAS, FIEL MIR DIE OLIVE AUS DER HAND – denn da wurde berich- tet, ein Hotel biete ein Frühstück für 350 Euro an! Kein Witz, eher ein Jubiläum, denn im Som- mer 1983 war die Schauspielerin Audrey Hepburn Gast im „Formentor“ (im Zimmer 229) und weil „Breakfast at Tiffany“ ihr bekanntester Film ist, servieren sie jetzt ein „Breakfast at Formentor“, und das kostet 350 Euro! Nun bin ich ja immer begeistert, wenn Leute, die zuviel Geld besitzen, ihr Vermögen unters Volk bringen. Aber ein Desayuno zum Preis einer Woche in einem ****-Hotel? Was wird geboten? Das Übliche. „Erlesene Zutaten“, heißt es, ein Butlerservice, Tischdeko mit weißen Tulpen (die Lieblingsblumen des Stars), eine 1/2 Grapefruit, mehrere Brotsorten, Eier nach Wahl,  „mallorkinische Backwaren, frische Früchte der Saison und Saft der Orangen aus dem Hotelgarten.“ Also nichts Anderes als in den schicken kleinen Landhotels. Ich sag’s mal so: Entweder ist das Hotelmanagement verrückt oder die Gäste, die das buchen … – aber interessant, was es nicht alles gibt auf unserer Insel!

Lauter Edelsteine am Strand!

GlasSIND SIE NICHT BEZAUBERND, diese Kostbarkeiten, die das Meer angespült hat? Ich sammle sie seit Jahren, weil ich immer wieder „Die Maschinerie von Mutter Natur“ bewundere, oder besser gesagt: Was Neptun mit Müll macht! Denn diese weißen, braunen, grünen und orangenen Edelsteine waren mal Glasflaschen, die irgendein Öko-Hooligan ins Meer geworfen hat. Dann zerbröselte Neptun sie, die Splitter sanken auf den Grund, wurden mit der Brandung – gaaanz langsam, vielleicht sogar jahrelang – an den Strand befördert und dabei geschliffen. So sehr, dass meist nicht mehr erkennbar ist, dass sie mal Flaschen waren. Die Glasreste haben runde Ecken, durch die rauen Sandkörner einen „Lalique-Touch“ und beim Schleifen alle die ungefähre Größe von Münzen bekommen. Ich stecke sie in einen schmalen, hohen Glasbehälter, stelle sie gegen das Licht und da blitzen sie tatsächlich auf wie Edelsteine. Ein Tipp: Aus einem rätselhaften Grund habe ich die meisten und schönsten Exemplare in der Bucht von Formentor gefunden …

Einmal Agatha Christie spielen …

Illa d'or 1Illa d'or 2SIE WAR GERNE AUF MALLORCA, diese weltberühmte britische Krimiautorin („Hercule Poirot“). Sie hat Urlaub gemacht auf der Insel und immer auch geschrieben. Wir erinnern uns z. B. an den Film „Das Böse unter der Sonne“ (mit dem unvergleichlichen Peter Ustinov, der damals ein Haus auf Mallorca besaß), dessen mörderisches Geschehen rund um das Hotel „Formentor“ spielt und dessen Drehbuch auf einem ihrer Krimis basiert. Dort hat Agatha Christie (1890-1976) aber nie gewohnt*, sondern über den Berg in Pollenca – zu ihrer Zeit Pollensa geschrieben – im Hotel „Illa d’Or“ (siehe Foto). Ein Luxushotel, von dem kaum die Rede ist, das aber jeden Vergleich mit berühmteren Häusern aushält, nichts von seinem Charme aus der Agatha Christie-Zeit verloren hat, einen eigenen Sandstrand und eine großartige Restaurant-Terrasse am Meer besitzt, von dem wohl besten GM der Insel geleitet wird, Miguel Salom, und, wen wundert’s, natürlich bei den Engländern besonders beliebt ist. 1939 schrieb sie dort „Problem at Pollensa Bay“, und erst kürzlich las ich in einem der deutschsprachigen Mallorca-Blättle, es sei ihr einziger Krimi, der auf der Insel spiele. Das ist sowieso mal falsch, und „Problem at Pollensa Bay“ ist zudem kein Krimi, sondern eine Verwechslungs- und Liebeskomödie, die auf bezaubernde Weise, und deutlich erkennbar, rund ums „Illa d’Or“ spielt. Die deutsche Ausgabe mit dem dämlichen Titel „Paradies Pollensa“ ist vergriffen, aber die englische bekommt man schon ab 3.93 Euro bei Amazon. Für Residenten und Touristen ist das gleichermaßen ein köstlicher Insel-Spaß.

* Schon auf Seite 1 von „Problem at Pollensa Bay“ findet sich folgende herbe Hotelkritik: „… at Formentor where the prices were so ruinous that  even foreigners blenched at them …“.

Nettes Zimmer – ueber der Kirche!

Victoria 6Victoria 1Victoria 7ES IST KEIN HOTEL DER ÜBLICHEN ART, aber nett, sauber, irgendwie skurril und mit einer atemberaubenden Aussicht: die Hostatgerie La Victoria auf der Halbinsel des Cap Pinar hinter Alcudia. Mal abgesehen davon, dass die Fahrt hinauf zur Herberge atemberaubende Blicke verschafft, hinüber über die saphirblaue Bucht zur Landzunge von Formentor, es dürfte so eine Nachtbleibe nicht noh einmal geben: Sie liegt über einer Kirche (damit sie mich richtig verstehen: auf dem Kirchenschiff!), in einem Gebäude von 1400, das um 1700 hübsch barockisiert wurde, und 2000 wurde sie so renoviert, dass auch der bescheiden Anspruchsvolle zufrieden übernachtet. Es gibt 9 Doppel-und 4 Einzelzimmer, schlicht, aber modern eingerichtet, man ahnt, dass hier mal Pilger einquartiert wurden, aber der Standard ist weit entfernt von einer Jugendherberge. Dennoch werden pro Nacht nur 15 bis 25 Euro verlangt! Das dürfte das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf Mallorca sein! Anfahrt: Carretera Cabo Pinar, Km 6, Alcudia. Telefon: 971 / 54 99 12. Internet: www.lavictoriahotel.com. Ach, übrigens: Nebenan liegt das Restaurant „Mirador de la Victoria“, eine nette Adresse zum gepflegten Speisen auf einer Terrasse mit einem noch sensationelleren Blick …