Gärten

Zum Abschuss freigegeben …

Eine Herde wilder Ziegen (16 Tiere!) verwüstet gerade unseren Garten …

LEIDER, ABER ES GEHT NICHT ANDERS! Ich mag die Balearenziege, ein stolzes, beeindruckendes Tier. Aber sie steigen jetzt in der durch Corona erzwungenen Stille in Herden aus den Bergen in die privaten Grundstücke und verwüsten sie. Mein Garten ist ein pflanzliches Trümmerfeld – alles abgefressen bis auf 2 m Höhe! Blumen, Sträucher, Bäume! So schnell kann man gar nicht reagieren, wie in meinem Fall, als 18 Capras (siehe Foto!) über unseren gepflegten Garten rund ums Haus, über die Terrassen und den Patio herfielen. Zäune? Das sind Kletter-Artisten, die überwinden jedes Hindernis, finden immer ein Schlupfloch! Nicht nur uns geht es so, auch die Mallorkiner sind verzweifelt. Einige haben sich jetzt Abschusslizenzen besorgt, die wurden von den Gemeinden liebend gerne erteilt, sie hätten sich sonst selbst um die Plage kümmern müssen. Und nun tritt etwas Unerwartetes ein: Greifvögel feiern ein Fest, versammeln sich um die Kadaver. Adler, Milane, Habichte und sogar die ersten Geier aus der Tramuntana wurden bei uns in der Levante gesichtet!!! So nützen die Abschüsse, die ich grundsätzlich und ehrlich bedauere, nicht nur den Pflanzenfreunden, sondern der übrigen Fauna Mallorcas. Aber ich kann verstehen, wenn sich jemand, der ein Apartment im 5. Stock bewohnt, über den Ziegentod aufregt …

Mein Corona-Tagebuch: Ziegen-Invasion!

HABEN WIR DIE BALEARENZIEGE, dieses wunderschöne eigeborene Wesen, nicht gewaltsam zurückgedrängt in luftige Höhen und felsige Landschaften? Ja. Sie ist Mallorcas größtes Wildtier, und wer je einen ausgewachsenen Bock erblickt hat, der wusste, wie der Minotaurus, der Germanengott Thor und einige wilde Propheten ausgesehen haben: majestätisch, erhaben, unnahbar. Und jetzt, in der Virus-Zeit, da sind sie zurückgekehrt – als grausige Hortikulturplage! Haben sich gerächt, in dem sie die Mauern vereinsamter Fincas überstiegen, in die Gärten eindrangen und glauben mochten, in Schlaraffenland gelandet zu sein. Sie haben die gepflegten Paradiese kahl gefressen, nicht aus Bösartigkeit, sondern weil es sie gab und sie gut schmeckten. Die Capra Balearica glaubte, in aller Unschuld, die Menschen hätten die Insel wieder ihr überlassen. Schon vor der Corona-Krise gab es kein unüberwindliches Hindernis für die vierbeinigen Kletterer, aber da scheuten sie die Nähe, den Lärm und den Gestank der Menschen. Das alles gab es plötzlich nicht mehr – und nun müssen wir es den wahren Wappentieren der Insel wieder beibringen, wo ihr Lebensraum zu sein hat. Husch, zurück, wo Ihr her gekommen seid, es geht nicht anders, Ihr macht uns ja alles kaputt …

Im Kopf einer Ratte …!

Der Schädel von der Seite …
…  so groß ist er …
… und von vorne (auf Kork geklebt)

ICH HABE IHN IM GARTEN GEFUN- DEN, fein säuber- lich abgenagt von Ameisen, der blanke, komplette Totenkopf. Die Ratte war wohl an einer dieser blau- en Gifttabletten verendet, mit denen wir die Na- ger bekämpfen, und dann von den Piranhas des Erd- reichs bis aufs Skelett beseitigt worden. Ein interessantes Fundstück, mit den gesch- wungenen, etwas gelblichen Schneidezähnen oben und unten, die wie Dolche in Scheiden ineinander greifen, und winzigen Backenzähnen. Ich habe den Schädel auf einem Stück Kork festgeklebt und zeige ihn in einem Schaukästchen an einer Wand und es gibt keinen Besu- cher, der nicht fasziniert davon ist, eine Ratte – dieses geheimnisvolle, unbesiegbare Wesen – mal auf diese Weise zu betrachten. Der Totenkopf wirkt filigran und überraschend klein (er ist 4,5 cm lang), aber denkt man ihn sich in Fleisch, Organe und Pelz eingepackt, dann kommt das hin auf das Lebendformat. Nun ja, kann sein, dass es kein ganz ausgewachsenes Tier war.

Vor Pfauen warne ich dringend …

KAUFEN SIE BLOSS KEINE FÜR IHREN GARTEN! Die machen alles kaputt, weil sie besonders gern und konsequent Blüten fressen. Sie kreischen entsetzlich zu den erstaunlichsten Tageszeiten, kacken ungewöhnlich viel an den falschen Stellen, werden in den seltensten Fällen zutraulich und treu sind sie auch nicht unbedingt. Ich hatte mal die reizende Idee, meinen Eltern für ihre Finca ein Pfauen-Pärchen zu kaufen, aber es kam gar nicht gut an: Nach nur einer Woche suchten sie händeringend einen Abnehmer. Bei mir landete gestern ein Weibchen im Garten. Als selbst ernannten Geschenk! Wir haben es sofort zu Dritt vertrieben, ehe es Unheil anrichten konnte. Klar, stolzieren Pfaue herum und die Männchen schlagen ihr herrliches Rad, fühlt man sich wie Harun al-Raschid in seinem 1001 Nacht-Liebeshain, aber die Realität sieht anders aus!

Da verschenkt einer Pfaue! Ich weiß warum …

Sieht herrlich aus, stört aber ..

ICH HATTE MAL EINE BEZAU- BERNDE IDEE – und schenkte meinen Eltern zwei Pfaue für ihre Finca. Mein Nachbar, ein bekannter Mann, hat sogar mehrere dieser orientalischen Vögel auf seinem park-ähnlichen Grundstück. Fall 1: Die blöden Pfaue fraßen meinen Eltern den Garten kahl, weil sie mit Vorliebe Blumen vertilgten! Dass sie dau- ernd wie angestochen schrill schrieen, kam noch dazu. Fall 2: Mein Nachbar hatte seine Vögel jetzt abgeschafft (wie, wohin weiß ich nicht, vermute aber Schlimmes), weil die Nachbarn ihn dringend gebeten hatten – die Pfaue kreischten zu störend rund um die Uhr! Zugegeben, sie sehen bezaubernd aus, zumindest die Gockel, und stolzieren sie herum, erscheint der Garten wie aus „1001 Nacht“; aber weiß man, dass sie notorische Blumenvernichter und grundlose Schreihälse sind, dann finden nur noch Ignoranten sie bezaubernd. Und das ist das Geheimnis hinter einer Annonce, die dieser Tage in einer Zeitung stand: „Erwachsene Pfauen zu verschenken! Selbstabholung.“ Da hat einer die Schnauze voll …

Ich wusste gar nicht, dass es ihn gibt …

So saß er da mit roten Augen …

… DEN GROSSEN WEISSEN UHU AUF DER INSEL!!! Ich saß lesend in einem Liegestuhl, blickte auf – und da hockte er, keine 20 m entfernt, auf einer Mauer. Mit auffallend hellem Federkleid, roten Augen und seitwärts ausgestellten Öhrchen. Ich glaubte, vor Jahren schon mal einen gesehen zu haben, nachts bei sa Rapita, aber die Erinnerung verblasste mit der Zeit so sehr, dass ich sie für Phantasie hielt. Und nun starrte mich ein Uhu aus meinem eigenen Garten an, unverwandt und unbeirrt, ich schätze, dass er 30 bis 40 cm groß war, wenn nicht größer, und ich rührte mich nicht mehr, atmete nur noch flach, bewegte kaum die Augen, um diesen großartigen Vogel möglichst lange genießen zu können, und machte ein verstohlenes Foto ohne Klick. Schließlich wagte ich es, meine Frau im Haus wispernd anzurufen und ihr von dem Besucher zu berichten – und wissen Sie, was sie sagte: „Um Gotteswillen, Oskar ist draußen!“ Das ist unser Jack Russell-Terrier, der hat Hasengröße und ist eine ideale Beute für den Uhu. Daran hatte ich nicht gedacht, ich rief Oskar und nahm ihn auf den Arm, da breitete der Uhu seine Flügel aus, kreiste einmal durch den Garten und verschwand. In dem Moment war ich mir sicher, dass er Hunger auf unseren Hund gehabt hatte …

Hier gibt’s Erdbeeren an Bäumen …

Die Früchte …
… und der Baum

ES IST EINE FAST UNBE- KANNTE FRUCHT, die nicht auf Märkten und in Läden verkauft wird – und köstlich schmeckt, wenn man ihr denn in voller Reife begegnet. „Erdbeerbaum“ heißt er auf Deutsch (Arbutus auf Latein, Madroño auf Spanisch), ein entzückendes Gewächs, mit gelben und roten Früchten, die aussehen wie Litschis, und bei denen man aufpassen muss wie ein Schießhund, um den richtigen Reifegrad zu erwischen: Gelb ist unreif, hellrot ist fast reif, mittelrot ist reif (die muss man pflücken!) und tiefrot ist matschig (da hängen sie in den Ästen wie in der Sonne zerfließende Trüffelpralinen). Man kann sie samt rauer Schale und mit den Kernen essen, sie sind herrlich süß, ohne zuckerig zu sein, aber kaum einer tut das, fast alle benützen den Erdbeerbaum als Gartendekoration, weil er aussieht, wie gemalt. Dass das Obst nicht verkauft wird, liegt daran, dass es so blitzschnell den Reifegrad wechselt von hart zu matschig, die Baumerdbeeren lassen sich also nicht stapeln. In meinem Garten ist gerade einer reif (von Anfang Oktober bsi Mitte November) und ich tue die Erdbeeren sogar in meinen „Sundowner“-Cava …