Glocken

Mein Corona-Tagebuch: Schweigen …

DAS WAR / IST EIGENTLICH DAS SCHÖNSTE AM VIRUS AUF DER INSEL – das Schweigen draußen! Dass man, still auf seinem Balkon oder der Terrasse, endlich wieder den Herzschlag hören konnte, den eigenen und den von Mallorca. Die störenden Geräusche gab / gibt es nicht, kein Gaspedal-Aufheulen, kein LKW-Gepiepe beim Rückwärtsfahren, kein Existenzkrach in den Gassen, kein Flugzeug-Gebrumm, kein Touri-Lärm. Nicht mal das ganz gewöhnliche Gekreische sich normal unterhaltender Mallorkiner, die so laut miteinander reden müssen, damit der Andere nicht denkt, sie seien unsicher oder krank. Das Taubengegurre wurde zur Melodie Mallorcas, der Schrei der Roten Milane zum Gehupe am Himmel. Das Gebimmel der Schafsglocken ersetzte den Ruf der Kirchen, und wenn man ein „Mäh“ hörte, wusste man: Es gibt doch noch Leben auf der Insel …

Handgeschnitzt oder handgeschmiedet?

Eine Glocke aus Holz …
… oder aus Metall?

DAS IST DIE FRAGE, WENN’S UM ANTIKE GLOCKEN GEHT! Wenn ich über die Insel fahre und Bimmeln höre, verharre ich automatisch und versuche, die Töne zu deuten: Holz oder Metall? Holz klingt schwerer, dumpfer, melodischer; Metall heller, greller, aufdringlicher, weiter tragend. Ein paarmal ist es mir gelungen, Bauern alte Glocken für meine Mallorca-Sammlung abzukaufen, manchmal sogar mit dem handgegerbten Halsband. Da sind Prunkstücke dabei, z. B. Holzglocken von 20 cm Höhe, eine Metallglocke misst sogar 31 cm – und hat einen hölzernen Klöppel. Einst (und das ist sehr weit weg!) konnte man am Glockenton unterscheiden, ob es eine Kuh, ein Schaf oder eine Ziege war, aber dieses Wissen ist selbst den uralten Schmieden und Schnitzern verloren gegangen. Wenn Sie das nächste Mal bei Fahrten übers Land Bimmeln hören, denken Sie an meine Worte: Es war mal eine Kunst auf Mallorca, die Tiere auf der Weide mit Musik auszustatten …