Hafen

Mein Corona-Tagebuch: Portocolom!

ES IST NUR EINE MOMENTAUFNAHME VOM WOCHENENDE und betrifft nur die mittlere Ostküste, aber es ist interessant, wenn nicht sogar verwunderlich: Wer den hübschen Hafen besucht, stellt fest: Die kleinen Strände rund um die Buchten sind rappelvoll (90% Einheimische), sogar die „Blaue Bude“, das auf die Felsen geklebte Chiringuito drüben beim Leuchtturm, hat geöffnet. Dafür sind das beliebte „Mestral“ und der „Club Nautico“ an den beiden Hafenpromenaden geschlossen, immerhin die beliebtesten Lokale. Ich sag’s mal so: Alles, was ohne Touristen nicht leben kann, ist (noch) dicht. 

Ich mach‘ mir ja sonst nichts aus Postkarten …

Nr. 1
Nr. 4
Nr. 2
Nr. 3

… ABER ENTDECKE DANN DOCH IMMER WIEDER EINIGE, die mich ins Grübeln bringen. Die kauf‘ ich dann, und der Grund ist der optische Beweis, wie gewaltig sich Mallorca verändert hat, und einiges fast noch unter meinen Augen & Füßen. Ich zitiere als Beispiele nur mal diese alten Postkarten aus meiner Sammlung: 1 Die berühmte Kiefer an der Straße nach Deia, 1930 fotografiert und damals angeblich der größte Baum der Insel. 2 Port Soller um 1937 – ein stilles Paradies, aber mit einer erstaunlichen, heute verschwundenen Hafenanlage rechts an der Einfahrt. 3 Die „Neue Mole in Palma“, die fast aussieht wie der Jungfernstieg in Hamburg, um 1930. 4 Kathedrale & Almudaina, fotografiert um 1910 am Beginn des Borne.

 

 

 

 

Das „Sa Sinia“ gibt’s nicht mehr!

So sah’s von Außen aus …
… und das war die Speisekarte von Miquel Barcelo
… so von innen …

UNFASSBAR – das legendäre, authen- tische und zeitweise beste mallorkinische Restaurant auf Mal- lorca! Unten am alten Hafen in Portoco- lom, und mit Tränen in den Augen erin- nern sich langjährige Residenten an die brummelige, sympa- thische, noble Gestalt des Wirts Toni Ra- mon, den ich immer wieder für Zeitschrif- ten porträtiert habe. Nun hat der Staat die 30-jährige Pacht für das Haus, in dem das „Sa Sinia“ seit 3 Generationen unter- gebracht war, nicht mehr verlängert – ein Filetstück kulinarischer Insel-Historie ist tot. Seit 1969 im Besitz der Familie Ramon, aber davor schon jahrzehntelang eine beliebte Hafenkneipe. Aber was wird nun aus den Schätzen? Den von Miquel Barceló gestalteten Glastüren und -fenstern und seinen Original-Speisekarten? Den kostbaren Gemälden, den alten Kera- miktellern und den Antiquitäten, die sich in diesem Traditionslokal angesammelt hatten in fast einem Jahrhundert? Und aus dem Stuhl mit meinem Namensschild, den ich – wie alle Stammgäste – gewidmet bekam? Geblieben ist das großartige Kochbuch, in dem Toni Ramon die Rezepte seiner Mutter gesam- melt hat, und das es auch auf Deutsch gibt, weil ihre Schwiegertochter Deutsche war (es ist allerdings total vergriffen). Zugegeben, der Ruf des „Sa Sinia“ hat in den vergangenen Jahren Dellen erlitten, auch ich war manchmal erstaunt darüber, was ich serviert bekam, und wie. Dennoch traure ich über den Verlust und mit mir, das weiß ich, eine treue Gourmet-Gemeinde …

Sie planen ein Museum in Portocolom!

Der Bericht im „Felanitx“

DAS HAT DER STADTRAT VON FELANITX EINSTIMMIG BESCHLOSSEN, es soll ein „Museu Maritim de Mallorca“ werden und am Hafen von Portocolom stehen. Ein Ge- bäude hätte man auch schon (die Lokalzeitung „Felanitx“ zeigt es sogar schon), die „Casa d’en De la Rosa“ (sorry, schlecht erkennbar auf dem Scan), Ausstellungsstücke liegen zu Tausenden in Depots herum und nun fehlt nur noch die Bereitschaft der Regierung bzw. der balearischen Hafenbehörde. „Wir möchten ein weiteres Stück Kultur in unsere Gemeinde bringen“, heißt es in dem Beschluss, und ein Seefahrt-Museum in einem so schönen und derart – zu Wasser und zu Land – gut besuchten Hafen würde Sinn machen.

 

 

 

Schiff ahoi! Besen gehisst …

Eine Seefahrt, die ist (auch auf Mallorca) lustig …

EIN KLEINES NAUTISCHES STILLLEBEN, KANN RUHIG AUCH MAL SEIN! Entdeckt habe ich es im Hafen von Portocristo: Da hat ein ein sehr reinlicher Kapitän, so wirkt es, seine kleine Yacht an der Mole vertäut und nach getaner Arbeit seine drei Besen am Mast aufgepflanzt. Dekoriert mit der spanischen Flagge und zwei Balearen-Wimpeln. Ein Besen ist ein Feudel und die beiden anderen dienen wohl, so unterschiedlich wie sie sind, dem trockenen und nassen Putzen. wenn der Capitano ausläuft, wird er seine Escobillas sicher unter Deck verstauen, nehme ich an, denn sonst wäre ihm der Spott der anderen Boatpeople gewiss!

 

 

 

 

„sa Llotja“: Seit Karfreitag auch in Cala d’Or!

Küchenchef Jose Manuel …
… und das „sa Llotja“ in Portocolom

ES GEHT UM DAS SEHR GUTE RESTAURANT über der Hafenmeisterei in Portocolom, das sich nicht nur von der Lage her in die 1. Reihe entwickelt hat. Am Karfreitag, 19. April (2019), eröffneten Chef 1, Joachim Weber, und Chef 2, Jose Manual Pando Martin, eine Dependance ganz ähnlichen Stils in Cala d’Or (auch über dem Hafen), wobei Weber rüber geht und Panda in Portocolom in der Küche bleibt. Ich höre von meinem mallorkinischen Kontakten, dass da der Erfolg nicht nur geteilt wird, sondern dass die Portocolom-Pacht 2020 endet und man in so einem Fall nie weiß, ob jetzt, da es so gut läuft, nicht ein eingeborener Neider reingrätscht und die Hafenmeisterei lieber die Handvoll Euro mehr nimmt, mit der das Topteam Weber/Pando überboten wird. In Cala d’Or haben die beiden einen Vertrag auf viele Jahre, damit ist ihre Zukunft in jedem Fall gesichert – und die ihrer Genießer-Fans auch. Und vielleicht besiegt Treue ja die Habgier und wir/sie haben dann auf lange Sicht zwei „sa Llotja“ in zwei benachbarten Hafenstädtchen an der Südostküste …

Ein bisschen nutzlose Nostalgie …

Der Roman als Taschenbuch

SOWAS IST DOCH AUCH MAL HÜBSCH! Da entdeckte ich einen Prospekt aus dem Jahr 1889, in dem Portocristo und Portocolom (die damals beide zu Manacor gehörten, und Portocolom noch mit -n geschrieben) noch bedeutende Häfen der internationalen Dampfschifffahrt waren. Wöchentlich verkehrten die „Hernestina“ und die „Victoria“ zwischen den beiden Insel-Orten und der südfranzösischen Stadt Sete („Cette“ oder „Seta“ genannt) und legten auf ihrer Route in Palma und Barcelona an. Kurios? Ja, denn keiner weiß das mehr, und Dampfschiffe laufen auf Mallorca heute nur noch Palma und Alcudia an (in Gestalt von Kreuzfahrern, Fähren und Frachtern). Die Verbindung scheint damals jedoch so populär gewesen zu sein, dass der berühmte Schriftsteller Jules Verne seine Helden in „Clovis Dardentor“, dem einzigen seiner Romane, der auf Mallorca spielt, in Sete an Bord gehen lässt für die Fahrt nach Palma! Übrigens ein Buch, das in keiner Finca-Bibliothek fehlen sollte, zudem ist es witzig mit Stichen illustriert …

 

 

SE VENDE Der Club Nautico-Aschenbecher …

Sehr nobles Stück …

EIN SELTENES STÜCK, ETWAS ZIEMLICH EXKLUSIVES – denn wer von uns war schon mal in diesem noblen Segelklub im Hafen von Palma? Und hätte da einen Aschenbecher geklaut! Und überhaupt gewusst, dass der Klub auch mal ein Hotel hatte! Dieser Ascher ist mindestens 60 Jahre alt und eine Antiquität in Porzellan, außerdem ein dekoratives Stück für jeden Finca-Tisch. Das er leicht verschmutzt aussieht, liegt am schlechten Foto und der Erhaltungszustand ist sehr gut. Ich habe ihn um 1970 auf dem Flohmarkt in Palma gefunden und möchte 8 Euro dafür haben.

 

 

 

Muscheln mal anders in Portocristo!

Quince 2Bildschirmfoto 2016-09-05 um 06.50.03Quince 4EINS VORNEWEG: Das „Quince“ in Portocristo ist ein simples Lokal, kein Gourmetladen. Direkt am/über dem s-förmigen Fjord-Hafen, in einer langen Reihe unmittelbar aneinender grenzenden Gaststätten, mit einer übersichtlichen Speisekarte und touristischem Stoßverkehr. Teuer/billig? Mehr als 20 Euro kostet nichts und für 12 Euro ist man gut dabei. Parken? Geduldige haben immer Glück! Aber mir geht’s gar nicht so sehr ums Lokal, als vielmehr um das Gericht, das auf dem zweiten Menüblatt an zweiter Stelle steht: „Mejillones carbonara“ Miesmuscheln in Sahnesoße mit Speck, Gemüse, Quince 3Knoblauch und einem Schälchen Pommes. Eine reichliche Portion (die auf dem Tisch appetitlicher aussieht, als auf dem Foto l.), serviert im Alu-Kochtopf und eine Entdeckung für 18.50 Euro. Wenn man in Portocriosto ist (Drach- und Hams-Höhlen, Sonntagsmarkt auf der Mole, byzantinisches Taufbecken in der Oberstadt), dann lohnt sich ein Besuch im „Quince“ allein schon wegen dieser Muscheln, die es sonst nirgendwo in dieser ungewöhnlichen Raffinesse gibt.

Geöffnet: 12.30-22.30 Uhr. Adresse: Carrer Veri, 1. Telefon: 971/ 82 18 30. Website: www.restaurantequince.com

Die Tapas-Route in Port Pollensa …

Tapas, wie man sie kennt und liebt ...
Tapas, wie man sie kennt und liebt …

ES WAR ETWAS MÜHSAM, die Details herauszufinden, denn die Website von Pollensa, in England (!) gebastelt, ist ziemlich unübersichtlich. Fakt ist: Es gibt immer donnerstags, von 19.30 bis 23.30 Uhr, eine „Ruta del Tapeo“, auf der jeder Gast pro Stopp für 2 Euro ein Getränk nach Wahl (Wein, Bier, Wasser) und 1 Tapa bekommt. Es beteiligt sich eine Vielzahl von Bars und Restaurant an dieser Idee und Teilnehmer sind begeistert vom nächtlichen Erlebnis, wie man hört. Anmelden muss man sich über das Touristenbüro im Hafen, und das ist so zu erreichen: 971 / 86 54 67 oder oitport@ajpollensa.netman spricht Sprachen!