Portocristo

Dies Hotel war angeblich das erste …

MAN MÖCHT’S KAUM GLAUBEN! Das „Felip“ in Portocristo, eröffnet 1890, war das erste reine Touristenhotel auf Mallorca! Klar, es gibt ältere Häuser, aber dieses hier wurde extra gebaut für Badegäste, nicht für Geschäftsreisende, Pilger oder Beamte unterwegs. Mit dieser „Nr. 1“ schmückt sich das „Felip“, und betritt man es, spürt man noch einen Hauch der Atmosphäre von 1890 – ein bisschen was von der alten Einrichtung ist geblieben, in Glas und Mahagoni, Messing und Fliesen. Vor allem: Die Veranda ist erhalten, eine Art Sommer- und Wintergarten, mit grünem und blühendem Pflanzenwuchs sowie Meerblick. Dazu haben die Direktoren seit nunmehr 130 Jahren Wert auf gepflegte Kofferaufkleber gelegt, sie sollten die Attraktivität des Hotels in alle Welt verbreiten und 4 Exemplare zeige ich hier. Ach, übrigens: Das „Felip“ ist ein „Adults only“-Hotel, Kinder sind unerwünscht, was vor allem daran liegt, dass das Hotel keine Haftung übernehmen möchte für Unfälle auf der Hauptstraße, die direkt daran vorbei führt und die man überqueren muss, um zum Strand zu gelangen …

Da tut sich was im „Can Gusti“ …

ES IST DAS LEGENDÄRE AUSFLUGSLOKAL an der Straße von Portocolom nach Portocristo, beliebt seit über 120 Jahren, eines der letzten authentischen Restaurants (man probiere nur mal das „Tumbet“ und das sternemäßige Spanferkel!), in das die Campesinos der Umgebung auf einen Cortado und ein Kartenspiel einkehren, und die eisernen Ringe zum „Parken“ der Mulis noch an der Außenwand hängen. Es gehört drei Geschwistern – aber jetzt, wie man hört, versuchen die Pächter, der unerschütterliche Koch Manuel und seine quirlige Frau Maria, das „Can Gusti“ zu kaufen. Mit allem Drum & Dran, wozu das Dutzend Zimmer im 1. Stock gehört, das bisher ungenützt – und unverständlicherweise – leer steht. Die schreien geradezu nach Nutzung als Herberge. Die Verhandlungen sind etwas zäh, noch wird der Kaufpreis diskutiert, aber die Besitzer sind schon mal ausgezogen …

Schiff ahoi! Besen gehisst …

Eine Seefahrt, die ist (auch auf Mallorca) lustig …

EIN KLEINES NAUTISCHES STILLLEBEN, KANN RUHIG AUCH MAL SEIN! Entdeckt habe ich es im Hafen von Portocristo: Da hat ein ein sehr reinlicher Kapitän, so wirkt es, seine kleine Yacht an der Mole vertäut und nach getaner Arbeit seine drei Besen am Mast aufgepflanzt. Dekoriert mit der spanischen Flagge und zwei Balearen-Wimpeln. Ein Besen ist ein Feudel und die beiden anderen dienen wohl, so unterschiedlich wie sie sind, dem trockenen und nassen Putzen. wenn der Capitano ausläuft, wird er seine Escobillas sicher unter Deck verstauen, nehme ich an, denn sonst wäre ihm der Spott der anderen Boatpeople gewiss!

 

 

 

 

Ich sah einen Maerchenerzaehler!

So ähnlich sah das aus in Portocristo …

SIE GLAUBEN GAR NICHT, wie ich mich ärgere – dass ich keine Kamera dabei hatte! Denn da stand am Markttag (Sonntag) ein Märchenerzähler auf der Mole in Portocristo, in einem 7/8-Kreis scharten sie rund 20 Kinder um ihn, Erwachsene lauschten in dezenter Entfernung, der Erzähler unterstrich seine Worte mit geschickt platzierten Gesten – und seine Zuhörer waren fasziniert! Es war ein älterer Mallorkiner, und ich hörte heraus, dass er aus dem Sagenschatz der Insel, den „Rondailles“, zitierte, aber auch alte Kindermärchen und wohl selbst erfundene Geschichten vortrug. Er war dabei normal gekleidet, er spielte nicht den orientalisch aufgemotzten Märchenerzähler, aber er besaß, wie sie, eine faszinierende Stimme. Ich war begeistert, dass es so etwas noch gibt, allerdings habe ich so eine Gestalt nie vorher und auch danach nicht gesehen. Ich habe nicht bemerkt, dass er Geld erbeten hätte für seinen Vortrag (aber es muss wohl so sein), es standen kein umgestülpter Hut und kein leerer Topf herum, und wenn er wirklich nur aus Spaß an der Freude Märchen erzählte, dann bin ich noch viel begeisterter …

Ein bisschen nutzlose Nostalgie …

Der Roman als Taschenbuch

SOWAS IST DOCH AUCH MAL HÜBSCH! Da entdeckte ich einen Prospekt aus dem Jahr 1889, in dem Portocristo und Portocolom (die damals beide zu Manacor gehörten, und Portocolom noch mit -n geschrieben) noch bedeutende Häfen der internationalen Dampfschifffahrt waren. Wöchentlich verkehrten die „Hernestina“ und die „Victoria“ zwischen den beiden Insel-Orten und der südfranzösischen Stadt Sete („Cette“ oder „Seta“ genannt) und legten auf ihrer Route in Palma und Barcelona an. Kurios? Ja, denn keiner weiß das mehr, und Dampfschiffe laufen auf Mallorca heute nur noch Palma und Alcudia an (in Gestalt von Kreuzfahrern, Fähren und Frachtern). Die Verbindung scheint damals jedoch so populär gewesen zu sein, dass der berühmte Schriftsteller Jules Verne seine Helden in „Clovis Dardentor“, dem einzigen seiner Romane, der auf Mallorca spielt, in Sete an Bord gehen lässt für die Fahrt nach Palma! Übrigens ein Buch, das in keiner Finca-Bibliothek fehlen sollte, zudem ist es witzig mit Stichen illustriert …

 

 

Freundliche arabische Eroberung …

Das Porzellan …
… und die dringende Bitte

ICH SASS IN EINEM RESTAURANT IN PORTOCRISTO,  drehte meinen (leeren) Teller um  and wurde überrascht: Er kam aus U. A. E. und da stand noch: „Make sure it’s RAK“Meine Güte, konnte es wirklich sein, dass dieses Porzellan aus den United Arab Emirates kam, den Vereinigten Arabischen Emiraten?  Aber was ist RAK? Das winzige Scheichtum Ras al-Khaimah, der nördlichste Teil der U. A. E., der weder Öl, noch Gas besitzt. Ein Händchen, das nichts hat außer einer schier endlosen Wüstenlandschaft, ein bisschen Strand am Arabischen Golf and eine Dynastie von Dictatorendie seit 310 years (!) an der Macht sind. Und der aktuelle Herrscher, Scheich Saud bin Saqr al-Qasimi, hatte eine Idee: Wir produzieren das Porzellan für die arabisch/islamische Welt! Und er war so erfolgreich, das sogar ein restaurant auf Mallorca mein Mittagessen auf seinen Tellern und den Cafe con Leche in seiner Tasse servierte! Salam aleikum …

Mallorca ist nicht mehr so!

So heißt die Firma …

ICH HAB’S GERADE ERLEBT! Ich bin an einem normalen Montagmorgen in den Riesenladen von Armaduras in Portocristo (sie produzieren Persianas aus Metall, die täuschend echt wie Holz aussehen), habe gebeten einen Schaden an meiner Terrassentür repariert zu bekommen – und der Chef hat sich entschuldigt, dass es „heute nachmittag leider nicht mehr klappt, weil zu Wochenbeginn so viel los ist!“ Wie, bitte? Aber er würde ganz sicher morgen, Dienstag, kommen. Wie, bitte? Ich dankte und verließ den Laden ziemlich bedröppelt: Sowas hätt’s früher nicht gegeben, da hätte ich zwei Wochen warten müssen, oder zwei Monate, und ob jemand für einen kleineren Schaden überhaupt gekommen wäre, ist auch noch die Frage. Da hat sich was geändert auf Mallorca, und das liegt nicht etwa daran, dass es den Handwerkern schlecht geht. Sie haben dicke zu tun, aber irgendwann muss die „Mañana“-Mentalität abgeschafft worden sein, und nicht nur bei „Armaduras“, ich erlebe das immer häufiger …

Wer, bitte, darf hier nicht fahren?

Was sieht man da?

ALSO ENTWEDER IST DAS EIN VERBOTSSCHILD VON ANNO DUNNEMAL – oder in Portocristo verkehren Fahrzeuge, die man sonst nirgendwo sieht! Ich stand davor und rätselte: ein Oldtimer-Bus? Ein 12-sitziges Safari-Auto? Ein Reparaturwagen der nordkoreanischen Verkehrsbetriebe? Ein Eigenbau zum Kindergeburtstag? Das Schild ist mitten im Ort angebracht und verbietet dem, den’s betrifft, eine Straße zum Hafen hinunter zu befahren. Aber wer soll sich da betroffen fühlen? Ein kleines Kuriosum, witzig, finde ich, und ich werde mal nachfragen, ob ich es haben kann. Dann werde ich auch erfahren, für oder gegen wen es gedacht ist, das teile ich dann sofort mit …

E-Autos: Soweit sind wir jetzt schon!

Gesehen in Portocristo …

UND ZWAR SELBST IN KLEINSTEN GEMEINDEN, und in Portocristo habe ich auf dem großen Parkplatz im Zentrum das Arrangement gesehen, das ich hier zeige: Flächen nur für E-Autos („Exzepte Vehicles Electrics en Carrega“ – Ausgenommen Elektro-Fahrzeuge, die aufgeladen werden), das dazugehö- rige Halteverbotsschild und eine Aufladestati- on mit zwei Zapfstellen. Portocristo gehört zu Manacor und somit gratuliere ich dem dortigen Gemeinderat zu seiner weitsichtigen Entschei- dung. Ich vermute allerdings, dass es mehrere solche E-Park- & Zapfplätze auch in kleineren Insel-Orten gibt, gestern in Palma habe ich mindestens ein Dutzend gesehen – Mallorca macht sich! Aber die an der Touristenküste waren die ersten, die ich bemerkt habe.

Ich hol‘ mir den Kaese direkt von der Ziege …

Der Stand auf dem Wochenmarkt …
… und Miguel auf einem Foto beim Käsen

DAS KLAPPT, ALLERDINGS MUSS MAN EIN BISSCHEN IN DIE WALLACHEI FAHREN – oder Miguel an seinem Käsestand auf den Wochenmärkten im Insel-Osten, in Portocristo und Son Macia, treffen. Rund 30 Ziegen hat er auf seiner Finca Can Patro an der Serra de Llodra zwischen Manacor und Cales de Mallorca (nach 3 km rechts ab, vom Rafa Nadal-Komplex gerechnet, dann dem Schild Can Patró folgen). Da produziert er eigenhändig um die 10 Sorten Ziegenkäse, raffiniert mit Mandeln, sanft wie Quark oder scharf mit Pimientos-Würze. Ihn dort besuchen lohnt sich, denn auf den Märkten sind seine Käse immer blitzschnell ausverkauft, außerdem, sagt er, müssen bestimmte Sorten reifen wie Weine, da geht es oft um Tage, bis sie verkauft werden können, also ist auf der Finca die Auswahl größer. Ganz billig sind sie leider nicht, ein Klotz oder Kegel von 1000 g Gewicht kostet um die 33 Euro. Es sind halt Lebensmittel in 100 % Handarbeit! Übrigens kann man Miguel anrufen und einen Termin vereinbaren: 605 091 688.