Wirt

Mein Corona-Tagebuch: Saufen!

ICH HÖRE, DASS SICH DAS „PRÖSTERCHEN“ MIT MACHT IN DEN PRIVATBEREICH VERLAGERT HAT! Dass die Kneipen zwar zu sind, und vor allem diese Hektoliter-Hallen wie „Ballermann“, dass jedoch die Gettoisierung in den Wohnungen und Häusern zu verstärktem Alkoholkonsum führt. Man werfe nur mal einen Blick in die Glas-Container der Müllplätze. Die Winzer verzeichnen erfreuliche Umsätze, die Bierdepots leeren sich – und der häusliche Friede steht auf wackligen Promille-Füßen. „Man hört mehr Gebrüll von nebenan“, bemerkte eine Schweizer Residentin. M. L., die Delikatessenhändlerin, sagte mir: „Manchmal staune ich, wie viele Flaschen einzelne Kunden wegschleppen!“ Ein Wirt im nächsten Ort, der sein Restaurant schließen musste, verdient weiterhin, indem er die Bestände seiner Bar und des Kellers an Stammkunden durch die Hintertür verkauft. Es wird, wenn ich das mal so ausdrücken darf, „gesoffen wie die Löcher“. Der Virus hat den Durst gesteigert durch die erzwungene Isolation, und mein Freund Severiano, immer schon ein Freund lockerer Wortspiele, scherzte: „Viel Corona, mehr Corona“ – womit er mit dem zweiten Corona das Bier aus Mexiko meinte …

Hier zahlen auch Kinder …

Das kuriose Schild …

ALS ICH NEULICH DURCH EIN STÄDTCHEN (im Insel-Inneren) FUHR (welches, das bleibe ein Rätsel …), da sah ich an einem Restaurant folgenden Hinweis: „Atencion! Los niños tambien pagan, menos pero pagan“ – Auf Deutsch: „Achtung! Auch Kinder zahlen hier, zwar weniger, aber sie zahlen!“ Ich kann mir vorstellen, was da geschehen war in der Vergangenheit: Die Niños haben das Büffet gestürmt, sich die Teller vollgeladen (vor allem mit Desserts), dann die Hälfte liegen gelassen – und die Eltern mussten für ihre Sprösslinge bezahlen, womit sie (aus welchen Gründen auch immer) nicht gerechnet hatten. Darüber kam’s zum Streit, der den Eltern nichts half, sie mussten zahlen, und da stellte der Wirt dieses Warnschild auf! Eine kleine Kuriosität aus dem Alltagsleben der Insel, amüsant und von eminenter Bedeutung, wenn man mit vier hungrigen Kindern einfällt …

Wer hat bloß all die Bars ruiniert …?

ICH KANN MICH NICHT ERINNERN, dass ich – außerhalb von Palma – je in einer Bar gewesen wäre, in der ich mich wohlgefühlt habe. Ich hab mal rumgefragt im Freundeskreis – und hörte die gleichen Klagen. Eiskaltes Neonlicht wie in einer Leichenhalle, gierig klimpernde Spielautomaten, ein plärrender Fernseher an der Decke, lieblos gedeckte, verkleckerte und mit Liloleumtüchern belegte Tische, die halbe Bar ein Vorratsraum, zerfledderte Kalender als Wandschmuck, arbeitslose Morgensäufer in Plastikstühlen – in so einem Etablissement kann sich doch nicht mal der eigene Wirt wohlfühlen, selbst wenn das Geschäft boomt! Das muss früher anders gewesen sein, hübscher, heimeliger, gemütlicher. Und was war dann der Anlass, auf hässlich zu renovieren? Geschah das in den 60er-Jahren? Touristen können daran endlich mal nicht schuld gewesen sein, das haben die Mallorkiner nun wirklich sich selbst zu verdanken. Und dass es allein seit 2010 sage-und-schreibe 600 Bars weniger gibt auf der Insel, mag wohl auch an der neuen Scheußlichkeit liegen. P. S.: Weil die Bars so grausig aussehen, zeige ich ausnahmsweise mal kein Foto. 

Ich konnt‘ nicht anders – ich hab’s gekauft!

Jetzt gehört die Kuriosität mir …

DAS VERRÜCKTE RESTAURANT-SCHILD! Das mit der köstlichen Bezeichnung „Tageszeitungsbüfett“ am „Sa Travessia“ in Campos! Die berühmteste öffentliche Fehl-Übersetzung Mallorcas! Weil „Diario“ natürlich „täglich“ heißt, aber auch der Name der großen spanischen Tageszeitung auf der Insel ist („Diario de Mallorca“). „Was wollen Sie denn damit?“ hat mich der Wirt erstaunt gefragt, als ich das Kaufangebot machte. „Für meine Sammlung“, erwiderte ich ausweichend. Weil ich nicht wusste, ob er weiß, dass das Schild komisch ist. Jetzt wird es in meinem Patio hängen, damit ich täglich was zum Schmunzeln habe. UND ACHTUNG: Nächste Woche präsentiere ich das „Sa Travessia“ aus einem ganz anderen Grund …