Ziegen

Mein CORONA-Tagebuch: Gärten!

TAUSENDE VON HÄUSERN STEHEN UNBEWOHNT HERUM. Die Besitzer, Ausländer ohne Residencia, mussten Mallorca verlassen. Einige leisten sich weiterhin einheimische Gärtner, die wachen, gießen, pflanzen, jäten und ungebetene Tieren vertreiben. Aber ganz allgemein gehen die gepflegten Hortikulturen vor die Hunde. Bei einem (abwesenden) Freund, der an einem Gebirgszug wohnt, sind die wilden Balearenziegen eingedrungen und haben Verwüstungen angerichtet. In den meisten Gärten wird nicht gegossen, denn sie haben keine Sprinkleranlagen, die Pracht vertrocknet. Das ist zwar gut für den Wasserstand, aber katastrophal für die Blumen. Keiner dreht mehr die schwarzen Leitungen mit den roten Nippeln auf, die Feuchtigkeit bis in die hintersten Ecken transportierten und jede Pflanze nässten. Sie verstopfen, versiegen und werden angenagt, weil keiner sie mehr überwacht. Das gilt übrigens auch für Wohnungen mit Balkon. Ich könnte jetzt noch seitenweise weiter schildern, wie Blühendes verdorrt … – auch das ein Opfer des Corona-Virus

Mein Corona-Tagebuch: Käse!

DIE WOCHENMÄRKTE SIND VEREINSAMT, die meisten finden gar nicht mehr statt. Schade! Xim, der mit dem besten Ziegenkäse aus eigener Produktion durch die Insel gezogen ist, versucht, das Beste aus der Corona-Krise zu machen: Er produziert mit seinen 40 Ziegen, legt die köstlichen Laibchen in seine Vorratskammer und sagte mir: „Die sind wochenlang haltbar, viele Stammkunden schleichen zu mir raus auf die Finca und im Winter konnte ich sowieso keinen Käse herstellen, weil die Muttertiere die Milch für ihre neugeborenen Zicklein benötigten.“ Er experimentiert sogar ein bisschen, blendet Ziegen- mit Kuhmilch und mischt Gewürze unter – Zeit, mal was Anderes zu probieren. Die Hoffnung beseelt ihn, dass der Virus „bald besiegt“ wird, denn er lebt natürlich auch davon, dass sein Käse „frisch“ ist. Wenn die Laibchen ein Jahr alt sind, mögen sie zwar immer noch gut schmecken, sehen aber nicht mehr so einladend aus und verkaufen sich schlechter. Xim hofft deshalb auf spätestens Juniund ich pflichte ihm bei, weil ich seinen Käse liebe …

Handgeschnitzt oder handgeschmiedet?

Eine Glocke aus Holz …
… oder aus Metall?

DAS IST DIE FRAGE, WENN’S UM ANTIKE GLOCKEN GEHT! Wenn ich über die Insel fahre und Bimmeln höre, verharre ich automatisch und versuche, die Töne zu deuten: Holz oder Metall? Holz klingt schwerer, dumpfer, melodischer; Metall heller, greller, aufdringlicher, weiter tragend. Ein paarmal ist es mir gelungen, Bauern alte Glocken für meine Mallorca-Sammlung abzukaufen, manchmal sogar mit dem handgegerbten Halsband. Da sind Prunkstücke dabei, z. B. Holzglocken von 20 cm Höhe, eine Metallglocke misst sogar 31 cm – und hat einen hölzernen Klöppel. Einst (und das ist sehr weit weg!) konnte man am Glockenton unterscheiden, ob es eine Kuh, ein Schaf oder eine Ziege war, aber dieses Wissen ist selbst den uralten Schmieden und Schnitzern verloren gegangen. Wenn Sie das nächste Mal bei Fahrten übers Land Bimmeln hören, denken Sie an meine Worte: Es war mal eine Kunst auf Mallorca, die Tiere auf der Weide mit Musik auszustatten …

EIN SCHUH namens MAJORCA …

Eine dramatische Werbung …

ICH FAND DIESE WERBUNG IN EINER ALTEN US-ZEITSCHRIFT – und sie erheiterte mich! Heißt es doch: „Lauf in Mallorca“ – auf Amerikanisch! Und da wird von der „lazy island“ gesprochen, und dass dort viele Ziegen leben, und dass man aus der Haut der mallorkinischen Zicklein herrliches Leder machen kann – und dass das exklusiv verwendet wird für besonders noble Herren-Halbschuhe mit Namen „Majorca“! Die Werbung stammt aus den 40er-Jahren und von der Firma Johnston & Murphy in Nashville (Tennessee). Sie haben zum Schuh auch eine romantische Küstenlandschaft mit Segelboot abgebildet und zwei Palmen, die einen dramatischen Sonnenaufgang umrahmen. Johnston & Murphy gibt es heute noch, aber den Schuh namens „Majorca“ nicht mehr (ich habe mich erkundigt). Also war der Ruhm unserer Insel bereits vor 80 Jahren bis ins tiefe amerikanische Hinterland gedrungen, nur ist unklar, ob die Firma diese Schuhe auf Mallorca fertigen ließen oder nur das Leder importierten. Übrigens: „Majorca“ gab’s in Schwarz und Braun und das Paar kostete 37.50 US-$, was damals ziemlich teuer war. Soviel dürfte dieses feine grafische Sammlerstück auch wert sein …

Vorsicht vor den wilden Hunden!

Ein scheußlicher Anblick …

ES IST EINES DER VERSCHWEIGE-THEMEN AUF MALLORCA, man möchte die Besucher ja nicht noch mehr verunsichern – in Zeiten von Quallen-Attacken, Sintfluten, Algenpest, Messerstechern, Taschendieben und „Malle-Jens“. Aber in den Hügeln der Tramuntana, aber inzwischen auch immer häufiger weiter unten, wüten, ich muss es so drastisch ausdrücken, Rudel wild(geworden)er Hunde! Die hungrigen Bestien fallen über Schafherden her, greifen sogar die Schäfer an, reißen Ziegen und – wehe!– ihnen kommt ein Haushund in die Quere. Die Zeitung „Ultima Hora“ hat jetzt berichtet, dass ihnen binnen eines Jahres mehr als 1000 Schafe zum Opfer fielen, entweder getötet oder schwer verletzt. Man betrachte sich nur das Bild des Bauern (links), der seine toten Schafe auf dem Pick-up heimfährt. Es handelt sich um Straßenköter, die schlau genug waren, sich zu Rudeln zusammenzuschließen (Respekt!) und in die Gebiete leichter Beute flohen. Wenn jemand sagt, da rege er sich nicht auf, das geschehe ja weit weg, hat er recht; aber ich weiß von einigen Wanderern, die sich plötzlich furchtlosen und wütenden Hunden gegenüber sahen und alle Mühe hatten, nicht angegriffen zu werden …